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Jüdische Rundschau · 1930-01-17 · Heft 5 (17.1.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 5 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 34 JUEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 5, 17.1. 1930 diesem Komitee natürlich ebenfalls angehören und ihm meine besten Kräfte widmen. Viele Probleme in Palästina harren ihrer 1 ..ösuiig. Das Programm konstruktiver Aufbautätigkeit, dem ich meine Aufmerksamkeit zugewnmit habe, wird gegenwärtig formuliert. Aus diesem Grunde, und weil keine Zusammenkunft des Administrative Committee der Jewish Agency seit der ersten Züricher Tagung im August stattgefunden hat, hielt ich es für wichtig, eine Sitzung des Administrative Committee für den 1. Februar ein/uberufen. Die Sitzung sollte auch die Aufgabe haben, eine wirksame und glatt verlaufende Arbeit der Jewish Agency zu ermöglichen und die Funktionen und Befugnisse des Administrative Committee festzulegen. In einer neuen Organisation wie der jewish Agency ist cs unvertneidlich, daß zu Anfang Fragen geklärt werden müssen, welche die Funktion und die Beziehungen der Instanz e n untereinander betreffen. Ich bedaurc tief, daß es infolge der vorangegangen er! Umstände notwendig geworden ist, die Sitzung abzusagen. Unterdessen setzen wir aktiv־ unsere Bemühungen fort, ein durchführbares und befriedigendes Abkommen über eine gemeinsame Kampagne zur Aufbrin Kling der notwendigen Fonds zu erlangen.“ Aus diesem Brief ist unschwer eine gewisse Verstimmung liciaus/ulesen, deren Grund u. .1. darin zu suchen seir. dürfte, daß über Zeit und Ort der Sitzung Meinungs- Verschiedenheiten zwischen London und New York bestanden zu haben scheinen. Darüber hinaus aber besteht offenbar bei Herrn Warburg eine andere Auffassung über die Rolle der verschiedenen Organe der Jewish Agency als bei der Zionistischen Organisation. Schon in Zürich waren diese Unterschiede merkbar, die ihren Grund weniger auf jüdischem Gebiet haben dürften, als in der Verschiedenheit der organisatorischen Gewohnheiten in Europa und Amerika. Die Amerikaner waren schon in Zürich der Ansicht, daß das bestimmende Organ der Agency das Administrative Comittee sei, das in allen grundsätzlichen Fragen, vor allem auch bezüglich der Geldaufbringung und Geldverwendung, entscheidet, während die Exekutive nur ein ausführendes Organ ist Die zionistische Praxis jedoch gibt der Exekutive viel weitergehende Vollmachten, schon weil in einer Volksbewegung wie der zionistischen, Exekutive mit Führung identisch ist. Es wäre notwendig gewesen, nach Gründung der Agency diese Meinungsverschiedenheit zu klären und die beiden aus verschiedenen geistigen Ursprüngen herstammenden Teile der Agency auch in dieser Hinsicht organisch zu verbinden. Bei dem guten Willen zur Zusammenarbeit, der auf beiden Seiten besteht, ist nicht daran zu zweifeln, daß auch diese Frage befriedigend gelöst worden wäre, wenn nicht die eingangs erwähnten Umstände eingetreten wären, die eine konstruktive Entwickiung der Agency vorübergehend gewaltsam unterbrachen. Wie bekannt, hat die nichtzionistische Hälfte der Agency in Zürich keine Mitglieder der Exekutive gewählt, sondern sich damit einverstanden erklärt, daß bis zur nachsten Sitzung des Administrative Comittee die Zionistische 3Etekiilfcdrdie: Ge^chlÄe führt Es War vorgesehen, ‘daß 'י da5 neue Stadium allmählich vorbereitet wird; man hatte geglaubt, man würde nach den erlebnisreichen Züricher Tagen mehr Zeit und Ruhe zum Ausgleich der Meinungen haben. Es kam anders. Die entstandene Spannung zwischen der Zionistisehen Exekutive und der amerikanischen Agency-Gruppe geht, wie bereits angedeutet, darauf zurück, daß bei den Amerikanern vielfach die Meinung besteht, das Präsidium des Administrative Committee sei eine aus führende Instanz, so daß es gewissermaßen zwei exekutive Stellen gäbe. Diese Mißkonzeption zeigte sich auch der Oeffentlichkeit in verschiedenen Symptomen, die bisher teils wenig beachtet, teils mißverstanden wurden. So wurde z. B. seitens des Präsidiums des Administrative Committee seinerzeit ein eigener Rechtsanwalt für die Jewish Agency engagiert und aus Amerika nach Palästina geschickt, um die Agency vor der Untersucht! ngskommisslon zu vertreten. Inzwischen hatte jedoch bereits die Londoner Exekutive Sir Boyd Merrirnau mit der Vertretung betraut, so daß der amerikanische Advokat Goldstein unverrichteter Dinge zurückkehren mußte. Ein anderer Kompetenz-Konflikt zeigte sich in der Frage der Verwaltung der gesammelten Hilfsgelder. Das Präsidium des Administration Committee zeigte die Tendenz, d i - rekt (d. h. unter Ausschaltung der Zionistischen Exekutive) mit der palästinensischen Bevölkerung zusammenzuarbeiten und sich dabei auf den Wand Leumi zu stützen, dessen gegenwärtiger Präsident Rutenberg ohnedies seit Jahren nicht in den besten persönlichen Beziehungen zur Zionistischen Exekutive lebt. Und tun schließlieh noch eine dritte Episode zu erwähnen, die erregend gewirkt hat, sei darauf hingewiesen, daß die Affäre Magnes, die in der zionistischen Oeffentlichkeit besonders Amerikas stark aufgebauscht wurde und in der Zionistischcn Exekutive in London großen Unwillen hervorrief, ihre Schärfe dadurch erhalten hat, daß Di. Magnes sogar in politischen Fragen das Präsidium des Administrative Committee als kompetente Stelle angesehen zu haben scheint, worin die politische Exekutive eine Brüskierung erblicken mußte. Dies sind nur Beispiele, welche die Verwicklung des organisatorischen Verhältnisses illustrieren sollen. ln Amerika spielen insbesondere die Fragen der Geldaufbringung und ihrer Organisierung eine große Rolle. Ueber die Differenzen, die in Amerika zwischen dem nichtzionistischen und zionistischen Teil der Agency entstanden sind, berichten jetzt teils andeutungsweise, teils offen, amerikanische jüdische Zeitungen. Infolge der Hai* tung, die von den Nichtzionisten eingenommen wurde, scheinen die amerikanischen Zionisten ziemlich verärgert zu sein und es wird sogar davon gesprochen, daß man sich auf einen offenen Kampf vorbereite, ähnlich wie 1925, nachdem die Joint-Gruppe das Krim-Projekt akzeptiert hatte. Di. Mißhelligkciten scheinen sich vor allem daram zu ergeben, daß führende Nichtzionisten gelegentlich in interne Angelegenheiten der Zionistischen Organisation Amerikas eingreife״ wollen; z. B. auch in Personalfragen der Besetzung zionistischer Aemter. Lipskys letzte plötzliehe Reise nach London ist mit diesen Dingen in Verbindung gebracht worden. Der Korrespondent des Lon* dener vJewish Chronide“, dem wir die Verantwortung für die Meldung überlassen müssen, berichtet sogar, daß führende amerikanische Zionisten das Gerücht verbreiten, Wcizmann würde nach seiner Ankunft in Amerika wegen der angedeuteten Konflikte die Präsidentschaft der Jewish Agency niederlegen. Man braucht dieser Meldung keinen Glauben zu schenken, aber es ist symptomatisch, daß man mit dem schweren Geschütz derartiger Gerüchte operieren zu müssen glaubt. Eines jedoch muß mit großem Nachdruck betont werden: wenn auch Meinungsverschiedenheiten sich herausgebildet haben, so beziehen sie sich nicht auf grundsätzllche Fragen der Paiastinapolitik oder des Palästinaaufbaus. An dem fundamentalen Programm der Agency hat sich nichts geändert, ebenso wenig an der Bereitschaft unserer nichtzionistischen Partner, mit vollem Herzen mitzuarbeiten. Es ist erfreulich, daß Warburg in seinem Brief gerade die positive Arbeit der letzten Zeit unterstreicht. Die Schwierigkeiten ergeben sich lediglich aus dem Zusammenschluß organisatorisch einander fremder Bestandteile zu einem neuen Gebilde, für das es keine Erfahrungen und keinen Präzedenzfall gibt. Solche Fragen aber, so sehr sie auch die Stimmung der Alltagsarbeit beeinflussen, sind letzten Endes sekundärer Natur. Aber es sind Fragen des gegenseitigen Vertrauensverhältnisses, vor allem der energischen Bekämpfung aller etwa vorhandenen dunklen Kräfte, die Mißtrauen zu säen versuchen. Wir sind überzeugt, daß es Dr. Weizmann gelingen wird, bei seiner Anwesenheit in Amerika die bestehenden Mißverständnisse restlos zu be« seifigen und dort wieder anzuknüpfen, wo — nach Zürich — die Entwicklung unterbrochen wurde. Die Jewish Agency bedarf gerade jetzt der Konzentration aller Kräfte, der Notstand ist noch nicht vorbei, und die gesamte zionistischc Welt, deren Wünsche Dr. Weizmann auf seiner Reise begleiten, erwartet, daß eine den Interessen des seine Nationale Heimstätte aufbauenden jüdischen Volkes entsprechende Lösung gefunden wird. * Warschauer Blätter berichten aus London, daß Weizmann seine Reise nach Amerika, die er am 23. Januar antreten sollte, bis auf weiteres verschoben habe. Eine Bestätigung der Nachricht war nicht zu erlangen. In der New Yorker Tageszeitung ״Der Tog“ bespricht Sch. Rosenfeld die Verhältnisse Innerhalb der amenkanlsehen Agency und weist auf folgende Erscheinungen hin:. Die Selbständigkeit des zionistischen .Teiles der Agency in Amerika werde Schritt für Schritt von den Nichtzionisten eingeschränkt. Auf der anderen Seite werde der Versuch gemacht, in allen den'PMIÄiiMftlWFhftÄffSÜiw 'Wage», die Alleinherrschaft einer einzigen Persönlichkeit auszuüben. Die nichtzionistische Hälfte der Agency in Amerika diktiere, wie jedermann wisse, schon lange, wie viele und welche Personen der zionistischen Agency hälfte zu Beratungen über Palästina f jagen eingeladen werden. Am 24. November sei in Washington unter Teilnahme von Brandeis eine Taguhg abgehalten worden, zu der überhaupt kein Zionist Ungeladen worden sei. Die Nicbhionisten beobachteten ferner mit großer Aufmerksamkeit alles, was Innerhalb des zionistischen Betriebs gesagt und getan werde, und alle Aeußerungen der zionistischen Presse. Jede Stellungnahme des nichtzionistischen Teiles der Agenty zu Maßnahmen und Aeußerunden des zionistischen Teiles klinge wie eine Warnung und münde in den Hinweis auf mögliche Konsequenzen, die die Nicht, ionisten aus selbständigem Vorgehen der Zionisten zu ziehen dächten. Dieser Zustand könne nur dadurch beseitigt werden, daß man endlich auch in Amerika ein gemeinsames Büro der Jewish Agency schaffe, das wirklich im Namen beider Teile der Agency die Tätigkeit für Palästina aufnehme. Die Caraisooslrage In Palästina Die konservative ״MornIng Post“ veröffentlicht einen Aufsatz des Leiters der militärischen Operationen beim britischen Generalstab in den Jahren 1915 bis 1918, Major-General Sir Fredcrick Maurice unter dem Titel ״Die britische Armee und ihre Veitaufgabe“. Darin führt der General aus, daß die Regierung vor der Unklugheit gewarnt worden ist, Palästina von Truppen zu entblößen, aber aus Sparsamkeitsrücksichten habe sie sich doch entschlossen, das Risiko auf sich zu nehmen. Die Kosten der eiligen Entsendung von Truppen und Kriegsschiffen nach Palästina seien so hoch gewesen, daß der Betrag ausgereicht haben würde, viele Jahre hindurch eine Garnison zu erhalten, die den Unruhen vorgebeugt hätte. Wir sollten, wie Lord Allenby neulich riet, die Sicherheit schaffen, die uns jederzeit in den Stand setzt, mit unangenehmen und unerwarteten Geschehnissen fertig zu werden, statt an die Wirksamkeit ad hoc improvisierter Maßnahmen für den Fall, daß sie elntreffen, zu glauben. Die Fähigkeit der Luftstreltkräfte, sofort einzugreifen und ihre Unabhängigkeit von Transportproblemen machen sie geeignet, Eingeborenenaufstände im Keime zu ersticken. Aber die Luftmacht kann nicht selbst ihre Flugstationen beschützen, noch Gebiete okkupieren; und sobald ernsthafte Unruhen entstehen, ist sie, wie die jüngsten Erfahrungen in Palästina wieder gezeigt haben, von der Hilfe des Landmilitärs abhängig. Wird Jabotinsky verhSrl? 111 den letzten Tagen weilte, wie JTA. meldet, Jabot i n s k y auf der Durchreise nach Paris und London in Berlin und hielt hier Beratungen mit dem deutschen Landeskomitee der Zionisten-Revisionisten ab. Jabotinsky teilte auch mit, auf sein Angebot, vor der britischen Untersuchungskommission in Jerusalem zu erscheinen, habe Ihm der Vorsitzende der Kommission mitgeteilt, daß die Kommission zwar nicht mehr in der Lage ist, ihn in Jerusalem zu vernehmen, da die Arbeit in Palästina bereits abgeschlossen ist, daß sie ihm aber Gelegenheit geben wolle, zwischen dem 14. und 24. Januar in London seine Aussage zu machen. Chainzim fahren .. . 200 Chaluzim verließen am 11. d. M. L e m b e r g , darunter 200 aus G 1*0 ßpolen, um sich nach Palästina zu begeben. Auf den Bahnhöfen hatten sich große Menschenmengen eingefunden. Der Chahiztransnort aus Warschau traf m Lernberg mit demselben Zug ein, in welchem auch Sokolow fuhr. Die Ankömmlinge wurden mit großem Enthusiasmus (empfangen. Musa Kazim Pascha zuriickgelrelen Der Bruch innerhalb des arabischen Lagers Jerusalem, 14. Januar. (J.T.A.) Der Präsident der Arabischen Exekutive, Musa Kazim Pascha ei Hussein!, und der Sekretär der Exekutive, Moghanan Ellas Effendi /..oghanan, sind von ihren Aemtern in der Exekutive zurückgetreten. ״Fclestin“ knüpft an diese von ihm veröffentlichte Mitteilung einen Kommentar, in dem gesagt wird, daß die gegenwärtig die arabische Bewegung beherrschenden Führer dem Volke nicht nützen. Musa Kazim Pascha, der die erste arabische Delegation nach London führte, und Moghanan Effendi unterlagen bei der Wahl in die jetzt vorbereitete arabische Delegation nach London. Zwei der gewählten Mitglieder der neuen Delegation, der Bürgermeister von Jerusalern, Ragheb Bey Nashashibi, und das Mitglied des Sekretariats der Arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi — schreibt ״Felestin" weiter — haben auf ihre Teilnahme an der Delegation verzichtet, so daß gegenwärtig als ihre Mitglieder nur der Großmufti, sein Vetter Dschemal el Hussein! und der deutsche Christ Alfred Roch verbleiben. Auch der arabisch-christliche Vizebürgermeister von Jerusalem, Jakob Furadschi, der die Stelle eines Vizevorsitzenden der palästinensisch-arabischen Exekutive bekleidete, hat seine Ehrenstelle in der Exekutive niedergelegt. Es werden, schließt ״Felestin“ alle Anstrengungen gemacht, um den Bruch zu heilen, und es sei zu hoffen, daß mit den zurückgetretenen Mitgliedern der Arabischen Exekutive und der arabischen Delegation ein Abkommen getroffen werden wird, welches es der arabischen Delegation ermöglicht, sich noch zu Ende dieses Monats nach London zu begeben. Die Delegation werde sich ungefähr fünf Monate in London aufhalten. (Wie uns von einem in Berlin weilenden Palästinenser raitgeteilt wird, ist der in allen Meldungen als ״Deutscher“ bezeichnete Alfred Roch keineswegs ein Deutscher, sondem ein christlicher Araber. Er und seine Brüder seien die Eigentümer der bet Tel-Awiw gelegenen Plantage gewesen, auf deren Platz jetzt das Ausstellungsgelände sich erstreckt. Die Brüder Roch haben der jüdischen Gesellschaft dieses Terrain verkauft. — A. d. R.) Die in Haifa erscheinende arabische Zeitung ״El Cannel“ bezeichnet die Delegation als illegal; die Arabische Exekutive sei nicht befugt, eine Delegation zur Vertretung der arabischen Bevölkerung Palästinas zu wählen. Die Zeitung stellt unter Vergleich, was Juden und Araber in den letzten zwölf Jahren in Palästina erreicht haben. Die Araber, schreibt sie, haben sieben Kongresse veranstaltet, Delegationen nach London, Hedschas und Irak geschickt. Tausende von Protesten in alle Welt hinaus geschrien, Hunderte von Feiern und Kundgebungen veranstaltet, der Oberste Moslemische Rat hat die Aksah-Moschec repariert, 3000 Dunam Land gekauft und ein großes Hotel errichtet, um es dann einem Juden zu übergeben, damit er den kleinen arabischen Hotels Konkurrenz mache. Demgegenüber haben die Zionisten 80000 Einwan• derer ins Und gebracht und die Araber gezwungen, ihnen Platz zu machen, sie haben 1 200 000 Dunam besten Bodens erworben, Fabriken errichtet, deren Erzeugnisse wir und. .unsere.arthischenjril»..ln Syri«j^Ü^mMkira| und Trans• Jordanien kaufen, wodurch: die Juden die für arabischen Boden gezahlten Summen vervielfacht zurück bekommen. Sic haben den Handel erobert und Dutzende von Kolonien errichtet. Statt Delegationen nach London zu schicken, sollte man in den mohammedanischen und arabischen Ländern Fonds sammeln, um Landwirtschaft und Industrie zu eutwickeln, und wenn das geschehen ist, dann könnten arabische Vertreter nach London gehen und sagen: Wir sind imstände, unsere Böden nutzbar zu machen und die Zivilisation vorwärts zu bringen. (Siehe auch ״Letzte Nachrichten“ S, 3׳>A Die antisemitische Weile in Rumänien Bukarest, 12. Januar. (J. T. A.) Senator Dr. Mayer :bner, Präsident des Jüdischen Parlamentsklubs in Runänien, gewährte dem Vertreter der J. T. A. ein Interview. Dr. Ebner führte u. a. aus: Nach einem Jahre verhältnismäßiger Ruhe, die durch gütliches Einwirken der Regierung auf die cuzistischcn Studenien erzielt wurde, hat die antisemitische Agitation und haben die antisemitischen Exzesse wieder begonnen. Die Ursachen;ind: 1. Die weiter bestehende antisemitische Mentalität einer jewissen intellektuellen Schicht. 2, Die fortgesetzte Hetze, die vom cuzistischen Zentrum in Jassy ausgeht. 3. L>1c allgemeine Not im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise,!.Die parteipolitische Opposition gegen die Regierung dürfte die cuzisrtsche Agitation direkt oder indirekt heimlich fordern, um der Regierung Verlegenheit zu bereiten und sie zu stürzen. Die gegenwärtige Regierung will wohl die antisemitischen Exzesse nicht, aber sie bringt nicht die Kraft auf, den gewalttätigen Antisemitismus mit Gewalt zu unterdrücken, und wie unter allen früheren Regierungen bleiben studentische Ex2edenten ohne gerichtliche Strafe, w׳as den Cuztsmus ermutigt. Das verflossene Jahr brachte den Juden an positiven Erfolgen sehr wenig, außer einer sehr geringen Subvention für den jüdischen Kultus, 10 Lei pro Kopf, was lächerlich gering ist, namentlich im Vergleiche zu den anderen Kulten; ferner eine Subvention für die jüdischen Privatschulen ln der Höhe von etwa 4 Millionen Lei, das sind ungefähr 17 ״״ von den 25 Millionen Lei, welche den Privatschulen der Minderheiten bewilligt worden sind. Beide Subventionen werden im Laufe dieser Tage ausgezahlt. Es wurden uns jüdische Staatsgymnasien und eine Staatsnormalschule versprachen. Das Versprechen wurde bis heute nichterfüllt. Dem Zionismus gegenüber verhält sich die rumänische Regierung sehr freundlich, wir bekommen im allgemeinen alle notwendigen Erleichterungen. Dem Präsidenten der Weltexekutive, Nahum Sokolow. wurde ein sehr freundlicher Empfang bereitet. ... . Die jüdische Politik muß gegen die antisemitische Propaganda mit allen gesetzlichen Mitteln kämpfen, die Regierung an ihre Pflicht Zur Wahrung der Ordnung erinnern und im Parlamente durch die Vertreter des jüdischen Parlamentsklubs energisch die Unterdrückung der cuzistischen Hetze verlangen. ... . , Die jüdische Politik muß sich bemühen, die Auswirkungen des 1m verflossenen Jahre abgeänderten Kultusgesetzes zu verhindern und eine Propaganda für die Einhei tichkcit der Jüdischen Gemeinden zu entfalten, üeberdies hat die judische Politik auf die Einberufung eines jüdischen Oemeindekongresses und allenfalls auf eine einheitliche Verfassung eines Gemeinderahmenstatutes zu drängen. Die jüdische Politik muß ihre Forderungen in bezug auf die Schule, in bezug auf die Sabbatruhe und insbesondere in bezug auf die faktische Durchsetzung der Gleichberechtigung aufrecht erhalten und diese Forderung kräftig betonen. Sie soll eine jüdische Reichsliste für kommende Pariamentswahka vorbereiten und einen Reichs verband schaffen.

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