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Jüdische Rundschau · 1930-01-14 · Heft 4 (14.1.1930) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 4 (14.1.1930)
Date
1930-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4. 14 I. 1030 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 29 Die Wendung im polnischen Zionismus (Von unserem Korrespondenten.) Drei Parteien. — Revisionistische Offensive. — GrUnöaum für Weizmann. — Gescheiterte Koalitionsbemühungen. — Die neue Leitung. — g. Warschau, 9. Januar 1930. Die neunte Landeskonferenz der Allgemeinen Zionisten Kongreßpolens, auf die große Erwartungen gesetzt worden waren, brachte eine Enttäuschung. Die nach 2y־jähriger Pause einberufene Tagung hatte vor allem die Aufgabe: endlich einmal eine wirkliche Konsolidation und Pazifikation in der Organisation durchzuführen, eine neue starke, von allgemeinem Vertrauen getragene Leitung zu wählen, welche der Zerspiitterung im polnischen allgemeinen Zionismus ein Ende bereiten soll und schließlich zu den letzten Ereignissen in Palästina und zu den außenpolitischen Problemen der Bewegung Stellung zu nehmen. Das Resultat der 48 Stunden fast ununterbrochen andauernden, stürmisch und leidenschaftlich geführten Beratungen ist sehr unbefriedigend. Nicht nur wurde kein Friede herbeigeführt, es verschärften sich noch die bisherigen Gegensätze, neuer Kampfstoff wurde in die Organisation hineingetragen und keine entsprechende Bedingungen für fruchtbare zuktinftige Arbeit wurden geschaffen. Die bisher existierenden Fraktionen in Polen, die ״Eth Liwnoth“ und der ״Al Hamischmar“, haben eigentlich nach Beendigung des Kampfes um die Jewish Agency und nachdem sich die Differenzen in den Fragen der Kolonisationspolitik in beiden Lagern stark vermindert haben — ihre Daseinsberechtigung verloren. Viele hatten gehofft, daß schon zu dieser Tagung keine besonderen Wahllisten würden aufgestellt werden und in sehr vielen Städten (zwei Drittel der Gesamtzahl) wurden Delegierte auf gemeinsamen Listen gewählt. Trotzdem hatten die führenden Gruppen beider Teile ihre Sonderstellung nicht aufgeben wollen und der Delegiertentag zerfiel in mehrere Fraktionen. Die stärkste war diesmal die des ״AI Hamischraar", zusammen mit den ihnen nahestehenden ״Unabhängigen" zählte sie über 150 Delegierte. Dann folgten die ״Eth Liwnoth" (über 100). Diese zerfielen wieder in zwei Lager: eine kampflustige, unentwegte Mehrheit mit Dr. G o 1111 e b an der Spitze, welche Gegner einer Verständigung mit ״Al Hamischmar" sind, und eine friedlich gestimmte, von ihren bisherigen Führern Lewite, Hindes und Rosenblatt geleitete Minderheit. Die drittstärkste Fraktion (über 90) waren die Re vis ionisten, welche knapp vor dem allgemeinen Delegiertentag ihre Parteikonferenz unter Beteiligung Meir Großmans abhielten. Da keine der drei Parteien eine absolute Mehrheit hatte, begannen noch vor der Tagung sowohl die ״Eth Liwoth" als auch der ״Al Hamischmar“ um die Gunst der — Revisionisten zu werben. Diese aber erklärten ganz unumwunden, daß ihr ganzes Interesse an der polnischen Landestagung nur darin besteht, ihren bekannten politischen Grund- Sätzen und Forderungen zum Siege zu verhelfen. Die Revisionisten wollten In den Mittelpunkt der Debatten die außenpolitischen Fragen setzen, während es für alle übrigen Faktoren klar war, daß hierzu diese Tagung kaum befähigt sein werde, und könnte sie es, müßte sie schon des Zeit- -npngeto. wegfp jlsli. ijjrjj־ Hauptaufgabe:;, deTdSenlerjMIg.־der , Organisation,. ׳«urAdea.“ tick' Expose'.des: J»räsi־d*ei1M:i1! Sokolow, welcher die Tagung im Namen der Londoner Exekutive begrüßte, war auch frei von Polemik und beschränkte sich auf Darlegung des Standpunktes der zionlstisehen Leitung in bezug auf die aktuellen politischen Probleme. Jedoch noch vor der Tagung und aus manchen Reden und Abstimmungen während der Tagung ergab sich ein überrauchendes Bild, welches auch für die Weltbewegung von Interesse sein dürfte. Gegenüber den aktuellen politischen Forderungen der Revisionisten: Einberufung eines außerordentliehen zionistischen Kongresses und Sturz der gegenwärtigen Leitung mit Präsident Weizmann — zeigte sich der rechte Flügel der ״Eth Liwnoth“ (Dr. Gottlieb) sehr nachgiebig. Sie erklärten sich für einen außerordentlichen Kongreß und für den Eintritt Jabotlnskls in die Exekutive, während ihr linker Flügel (Lewite) nur eine Verbreiterung der politischen Kommission verlangte. Dagegen erteilte Grünbaum eine klare Antwort, daß er die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses im gegenwärtigen Augenblick für ein Unglück und den Sturz Weizmanns als Beginn eines gefährlichen Bürgerkrieges betrachte. Es sei ein Irrtum, für das Geschehene hauptsächlich Weizmann verantwortlich zu machen. Kritik an der Exekutive sei jetzt nicht unsere Hauptaufgabe. Die Zeit, innerpolitische Konsequenzen zu ziehen, sei noch nicht gekommen. Also sagten die Revisionisten ab. Die ״Eth Liwnoth“ schienen ihnen noch allzusehr kompromißmäßig gestimmt (auch warfen sie ihnen ein Abrücken von ihrem bürgerlichen Kolonisationsprogramm vor), und die Grünbaumgruppe erklärte ihnen unumwunden, jetzt ihre Oppositionspolitik nicht mitmachen zu wollen. Als im Plenum die Revisionisten ihre Resolution, die die Demission der Londoner Leitung verlangt, zur Abstimmung brachten (ohne daß im Plenum oder in der Kommission eine erschöpfende politische Debatte durchgeführt wurde), stimmten die ״Al Hamischmar“ dagegen und die ״Eth Liwnoth" enthielten sich der Abstimmung. Die Resolution erhielt also nur die Stimmen der eine Minderheit bildenden Revisionisten. Für die Zukunft der Bewegung in Polen sind jedoch die innenpolitischen Momente auf diesem Delegiertentag maßgebend. Trotz der Fraktionsgruppierung auf der Konferenz war es das Bestreben mancher Gruppen und Führer, eine Auf- I ö s u n g beider Fraktionen (mit Ausnahme der Revisionisten) zu erzwingen und eine Konsolidierung des Allgemeinen Zionismus auf diese radikale Weise herbeizuführen. Dies gelang nicht und zwar infolge des heftigen Widerstandes anderer Gruppen und Führer. Diesmal und diesbezüglich fällt die Hauptschuld auf den rechten Flügel der ״Eth Liwnoth“. Es ist die Ueberzeugung aller, daß ein Referendum unter sämtlichen organisierten Allgemeinen Zionisten (gegenwärtig gegen 20000 in Kongreßpolen) eine überwiegende Mehrheit für eine vollständige Vereinigung beider Fraktionen ergeben würde. Dies war auch die Hoffnung der gesamten Provinz, als sie ihre Delegierten zur Tagung wählte. In Warschau hatte das Intrigenspiel und die leidenschaftliche Verbissenheit ein ander« Resultat gezeitigt, welches im gesamtzionistischen Interesse zu bedauern Ist Nun, als diese Bestrebungen aussichtslos erscheinen, arbeiteie man auf die Schaffung einer Koalitionsleitung, umfassend sämtliche drei Fraktionen (also Revisionisten inbegriffen), hin. Die in dem Augenblick alleinrettende Konzeption schien 80 selbstverständlich und gebieterisch zu sein, daß man fast bis zur letzten Stunde an ihre Verwirklichung kaum zweifeln konnte. Aber auch dieser» Plan brachte man zum Scheitern. Grünbäum erklärte sich für eine Koalition mit beiden anderen Fraktionen, aber mit der Bedingung, daß die Zusammensetzung dieser Leitung nach einem Personenschlüssel und nicht nach einem Parteischlüssel erfolgt, ln aiuhren Verhältnissen könnte eine solche Forderung, motiviert mit der Notwendigkeit, eine gehörige Zusammenarbeit zu garantieren, am Platze sein. Auf diesem Delegiertentage, nach allem, was sich vor und während der Konferenz abspielte, klang dies« Verlangen Grünbaums wie eine Herausforderung und unter diesen Umständen konnte keine Koaiitionsleitung gebildet werden. Also übergab die Konferenz gerwungenerweise und sehr unwillig die Leitung der Organisation in die Hände Grünbaums, welcher den Auftrag übernahm1 und eine, nur aus Mitgliedern des ״Al Hamischmar“ und der sogenannten ״Unabhängigen“ zusammengesetzte Leitung bildete. Diese ist nun für die Geschichte des polnischen Zionismus verantwortlich. Eine ungeheure Verantwortung lastet auf ihr. * Tagungen der Hitachduth. Den Auftakt der zionistischen Tagungen bildeten die drei Konferenzen der ״Hitachduth“ in Krakau, Lemberg und (vom 31. Dezember bis 2. Januar) in Warschau. Obzwar der Zusammenhang dieser drei Landesteile in der ״Hitachduth“ viel stärker ist als in anderen zionistischen Föderationen, ist eine endgültige Vereinigung auch hier noch nicht durchgeführt. Die ״Hitachduth“ bildet einen wichtigen Bestandteil der zionistischen Bewegung in Polen. Zahlenmäßig äußert sich ihre Stärke in den 20000 Stimmen, welche die ״Hitachduth“ bei den letzten Kongreßwahlen in Polen erhielt. Aber nicht nur die zahlenmäßige Kraft kommt In Betracht. Während der zehn Jahre ihrer Existenz (in Polen entstand die Partei noch vor der Vereinigungskonferenz in Prag) hat die ״Hitachduth“ ideologisch und geistig stark das zionistische Leben in Polen befruchtet und in rein zionistischen Fragen hat sie sehr oft starken Einfluß auch auf Zionisten anderer Lager ausgeübt. Als n o 1 i * tische Partei und in organisatorischer Hinsicht zeigte die ״Hitachduth“ viele Mängel, und so entstand eine bedeutende Diskrepanz zwischen ihrem geistigen Einfluß und ihrer organijatorisehen Wirklichkeit. In den letzten zwei Jahren konnte man in der polnischen ״Hitachduth“ eine Konzentrierung auf erzieherische und palästinensische Aufgaben beobachten. Das Resultat war das starke Anwachsen der Jugendbewegung ״Gord 0 ת i a h“, welche nach dem ״Haschomer Hazair“ die zweitgrößte Jugendorganisation in Polen genannt werden kann und welche mit starken» chaluzischen Geist beseelt in dieser Riehtung belebend auf die ganze Partei gewirkt hat Trotz alledem besserte sich kaum die Lage in organisatorischer Beziehung, und da entstand für die .,Hitachauth“ ein neues Problem, verursacht durch die in Palästina erfolgte V e reinigung beider Arbeiterparteien. Die ״Hitachduth“ fühlte sich in den Golusländem als verlängerte Front des ״Hapoel Hazair“, sozusagen als sein Hinterland, und fand ihre Aufgabe hauptsächlich darin, als ein Reservoir für den ״Hapoel Hazair“ in Palästina zu scheinen. Mit Ausnahme einer kleinen Minderheit (der z. B. die Gordoniahführer angehören), nahm die ״Hitachduth“ in Polen mit Anerkennung und Verständnis ,die Tatsache des vollzogenen Ichud In Palästina .auf.,.׳ Aber damit entstand für die poiiisehe Partei eine schwere Sorge, ein Lebensproblem, mit dem sich die soeben abgehaltenen Tagungen befaßten. Die Weltkonferenz der ״Hitachduth“ in Zürich hat die Grundlagen einer möglichen Vereinigung der ״Hitachduth“ und der ״Poaie Zion“ im Golus festgestelit. Ist es nun schwer, in allen anderen Lindern für diese Plattform die ״Poale Zion“ zu gewinnen, in Polen scheint es im gegebenen Augenblick fast unmöglich. In den Beratungen und Beschlüssen der ״Hitachduth“ kam die prinzipielle Bereitschaft zur Vereinigung zum Ausdruck, aber zugleich ein Pessimismus bezüglich der Durchführbarkeit auf Grundlage der Züricher Beschlüsse. Es wurde klar, daß es noch einer Entwicklung bedarf, um die ״Hitachduth“ in Polen für die Vereinigungsplattform, wie sie in Palästina beschlossen wurde, zu gewinnen, es aber sehr zweifelhaft sei, ob die ״Poale Zion“ in Polen diese Plattform akzeptieren würden. Der Wille zur Vereinigung ist in der ״Hitachduth“ in Kongreßpolen stärker als in Galizien, aber die gesamte Partei verhält sich noch jetzt reserviert, trotzdem die große Bedeutung einer vereinigten arbeitszionistischen Front in Polen vollauf gewürdigt wird und andererseits die Schwierigkeiten beim Weiterbestehen von zwei Parteien im Golus und einer vereinigten in Palästina verschiedene Komplikationen heraufbeschwören. Es wird von der Stellung der Poale Zion in Polen abhängen, inwieweit diese Sachlage geändert werden kann. Namens der Londoner Exekutive beteiligten sich an der Lemberger Tagung Lazarus Barth, an der Konferenz in Warschau Präsident Sokolow, welcher in einer ausführliehen Ansprache die Auffassung der Exekutive über die gegenwärtige politische Lage beleuchtete und die Aufgaben der nachsten Zeit skizzierte. Zu den politischen Ereignissen in Palästina und im Zionismus nahm die Konferenz Stellung im grundlegenden Referat A. Le w in so hns und in den gefaßten Beschlüssen aller drei Tagungen. Die altbekannte Stellungnahme der ״Hitachduth“ gegen den Revisionismus wurde auch jetzt betont, andererseits sprach sich auch insbesondere die Warschauer Tagung gegen die Auffassung des ״Brith Schalom“ aus. Entrechtung der Osljnden in deutsch •jfidisehen Gemeinden Unter dem Titel ״Aechfung“ schreibt das Organ des Verbandes ostjüdischer Organisationen in Deutschland ״Jüdisehe Weit“, das seit dem 1. Januar 1930 in neuem Format zweiwöchentlich erscheint, u. a.: Die Jüdische Gemeinde Han־■ nover versperrt den Ostjuden ihre Tore, bedauert, sie nicht ausweisen und nach Polen zurückjagen zu können, und verfolgt sie mit Schmähungen, während die Gemeinde, Köln die Herabwürdigungen brieflich erledigt. Die Chewra Kadischa in Dresden weist 26 Ostjuden, die ihr beitreten und bei jüdischen Liebeswerken helfen wollen, zurück, weil sie Ostjuden sind. In Leipzig drohen prominente Liberale mit dem Austritt am der Gemeinde, falls man den Ostjuden die Gleichberechtigung gewähre. In Duisburg werden die Ostjuden bei Wohlfahrts- Gründungen geschlossen boykottiert, und die einstmals heilige Kehillah Mainz, die ״Tochter Zions“ in der früher — wie es in ihrem Memorbuch heißt — ״alle Juden im Leben verbunden waren und im Tode nicht getrennt wurden“ verweigert in ihrem kürzlich erlassenen Status den Ostjuden alle Rechte. Seit Jahrzehnten sieht das offizielle deutsche Judentum diesem Treiben mit verschränkten Armes m. Wann wird an Stelle der Aechtung Achtung treten? Neue zionistische Streitschriften 1. Zum jüdisch-arabischen Problem. Eine Aufsatzreihe von Moses Beilinson. Verlag ״Dawar“, Tel-Awiw, 1930. (Deutsch, 63 S., 1 M.) 2. Revision der zionistischen Politik. Von Richard Lichtheim. Kommissionsverlag Ewer, Berlin 1030. (64 S., 1 M.) 3. British Policy and the Palestine Mandate. Our proud privilege. A Memorandum by Herbert Sidcbotna 111. (Britische Politik und Palästinamandat. Unser stolzes Vorrecht.) Ernest Beim, London E. C. 4. (Englisch, 36 S., 1 sh.) 4. Like all the Nations? (Wie alle Völker?) By J. L. Magnes. Jerusalem 1930. (Englisch, 77 S.) Das Problem der zionistischen Politik ist durch die letzten Ereignisse in seinem vollen Umfang aufgerollt worden, ln ruhigen Zeiten, wenn die Schwierigkeiten der Alltagsarbeit uns er• füllen, vergessen wir zu leicht die Tatsache, daß die zionistische Entwicklung sich von Anfang an in der Auseinandersetzung zweier Hauptströmungen und geistigen Tendenzen vollzog, die in der ideologischen Dialektik des Zionismus ihren Ausdruck fand. Seit den Tagen der Chibbath Zion ist nicht nur um aktuelle Fragen der Taktik, sondern über das grundsätzliche Wesen der jüdischen Renaissance gerungen worden, und diese Kämpfe sind nicht aasgekämpft, obwohl in den letzten zwölf Jahren weit mehr Zionisten als früher sich der Meinung, sie seien es, hingegeben haben. Die Fragen stehen nodi immer vor uns; und die tiefe Erregung der Ereignisse des letzten August hat auch die Diskussion wieder auflodern lassen. Wir haben eine Anzahl charakteristischer Publikationen vor uns, die zeigen, wie sehr heute klare Erkenntnis der zionistischen Phase, in der wir leben, nottut. Die Schriften gehen aus von den aktuellen Problemen, führen aber zu der grundsätzlichen Fragestellung der Autoren hinab, die für ihre Haltung ausschlaggebend ist. Wir werden in den nächsten Nummern diese Schriften, die hier nur kurz angezeigt seien, ausführlicher besprechen. Die Schrift von Beilinson ist eine Sammlung von Artikeln, die der Autor von August bis November in der palästinensischen Arbeitertageszeitung ״Dawar“ veröffentlicht hat und darf wohl, trotz der ausgeprägten Persönlichkeit des (den Lesern der ״J. R.“ wohlbekannten) Autors, als die Meinung eines großen Teils der Arbeiterschaft gelten. Es ist sehr zu begrüßen, daß durch diese Broschüre auch dem deutschen Leser diese Meinung zugänglich wurde. Lichtheims Broschüre ist eine zusamraenfassende Dar- Stellung des Revisionismus, grundsätzlich gehalten, verbunden mit einer Kritik der ״Aera Weizmann“ und gipfelnd in den bekannten revisionistischen Forderungen; auch diese vielleicht mit einer etwas individuellen Note. Das Memorandum von Sidebotham ist an die Mitglieder des britischen Parlaments gerichtet und gibt eine Analyse der britischen Politik in Palästina, ihrer Entstehung und ihrer Fehler, vom Standpunkt eines englischen Zionistenfreundes. Die Broschüre von Magnes darf auf besonderes Interesse rechnen in Anbetracht der Kampagne, die gegen den Autor in der letzten Zeit geführt worden ist. Seine Schrift wirft einiges Licht auf die Affäre Philby, da der Artikel aus ״New York Times“ vollinhaltlich wiedergegeben wird, ebenso ein Extrakt aus Philbys Artikel und ein von Magnes an den New Yorker ־,|Tog“;«bgesandtes Berichtigunptelegrapm, Außerdem das Heft Kundge^upgj»;ap:den׳-J׳ah1־en;4#J§;«1|i>-,lftlj 4nd ft!f allem einen zusammenfassenden, den Kritikern streng sachlich und ohne jede persönliche Polemik antwortenden Aufsatz ״Like all the Nations?“, worin der Autor sein positives zionistisches Programm offen darlegt. Wir werden auf diese wichtigen Schriften näher einzugehen haben. Die Unsicherheit In Palästina Ueberfälle von Räuberbanden. Sn der letzten Zeit mehren sich wieder die Ueberfälle in Palästina, wobei es sich jedoch meist um Räubereien ohne politischen Hintergrund handelt. Ein Trupp bewaffneter Briganten griff den Polizeiposten in Feradiah, zwischen Akko und Safed, an. Von den sieben Polizisten, die den Posten besetzt hielten, entkamen vier. Die übrigen drei sind von den Briganten entwaffnet worden. Vier Aeroplane suchen die Gegend von Safed nach den Briganten ab. Ein besonders frecher Ueberfall wurde in dem Dorfe Datta bei Safed verübt. Die Dorfbewohner versuchten dort eine Polizeieskorte zu entwaffnen, die den Steuereinnehmer begleitete. Ein Auto, das aus Jerusalem Zeitungen nach Tel-Awiw brachte, wurde unterwegs von maskierten bewaffneten Banditcn überfallen, die das Zeitungsauto für ein Postauto hielten und es berauben wollten; nachdem sie ihren Irrtum erkannt hatten, zertrümmerten sie das Auto. Unter den Persotten, bei denen in letzter Zeit in Jerusalem Einbrüche verübt worden sind, befindet sich eine Reihe hoher Beamter und arabischer Notabein, so der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, der Vorsitzende des Jerusatemer Bezirksgerichtes, der Chef des Regierungsdepartenients für Landwirtschaft, der Direktor von Barclays Bank und ein naher Verwandter des Großmufti, der Herausgeber des offiziellen Organs des Moslemitischen Obersten Rates ״Jamea el Arabia“. In der Umgebung von Safed ist daraufhin eine Reihe neuer Polizeistationen eingerichtet worden. Die Polizei- Stationen sind fast ausschließlich durch britische Truppen besetzt, denen ein berittenes Detachement der transjordanisehen Schutzmacht zur Seite steht. In der bei Safed gelegenen jüdischen Kolonie M e r o n, die durch das dort Befindliche Grab des Rabbi Simeon Ben Jochai und durch die großen Prozessionsfeste am Lag B’Omer bekannt ist, sind mehrere Räume der Jeschiwah in Unterkunftsraume für die dort stationierte Polizeiabteilung um gewandelt worden. Als weitere Sicherheitsmaßnahme wurden in vielen Dörfern öffentliehe Telephon anlagen eingerichtet. In E jn Ch arod, der großen Keren Hajessod-Siedlung im Emek, ist Ende voriger Woche eine Tag und Nacht funktionierende Telephon-Zentralstation vollendet worden, Die zionistische Palästina-Exekutive mußte für die Einrichtung der Telephonanlagen im östlichen Emek einen erheblichen Geldbeitrag leisten. Die neuen Maßnahmen haben auch schon zum ersten Erfolg geführt Bei Meron wurden zwei Bandenfiihrer, beide aus Safed stammend, ergriffen, von denen der eine als Teilnehmer des Ueberfalls auf Faradiah erkannt wurde. Als sich die Banditen entdeckt wußten, versuchten sie zu entkommen, indem sie von dem Dach einer Mühle herabsprangen, wurden aber von den Truppen, die das Tal umstellt batten, eingefangen. Es wurden zwei Gewehre mit Munition und vier Bajonette gefunden, derer sie sich vor ihrer Verhaften«? entledigt hatten.

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