Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 22 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, IO. I. 1930 Für wirtschaftlichen Hebung der Araber Stellungnahme des ״Davar". ln einem bemerkenswerten Artikel des ״Davar“ bespricht Beilineon den arabisch-jüdischen Gegensatz auf wirtschaftlich-sozialem Gebiet. Trotz der unverkennbaren wirtschaftlichen Fortschritte, die der arabische Fellache und der arabische Arbeiter in den letzten zehn Jahren gemacht hätten, sei doch ihre Lage noch immer eine überaus bedauern«־ werte. Insbesondere in den bergigen Teilen des Landes gäbe es Fellachen, die mit l’/a Piastern pro Tag leben müßten, von den Effendis Geld mit 60—100 0/0 geliehen erhielten und dann von ihrem Boden ohne Entschädigung vertrieben würden, wenn sie nicht bezahlen können. Der Gegensatz zum Juden entzünde sich an den zwei Tatsachen, daß der Jude auf einer höheren sozialen Stufe stehe, und daß er ein ״Fremder“ seL Der Grundunterschied zwischen uns und anderen Kolonial- Völkern liegt in der Tatsache, daß wir uns nicht in Palästina bereichern wollten, um nachher das Land zu verlassen, sondern im Lande bleiben wollten, und daß wir deshalb nicht den Weg gehen könnten, den andere Kolonialvölker gegangen seien, wenn ihnen der Boden Unter den Füßen zu heiß wurde, nämlieb die Kolonie aufzugeben, sondern daß wir gezwungen seien, im Lande zu bleiben und deshalb unbedingt zu einer wjrkliehen Lösung des jüdisch-arabischen Problems gelangen müßten. Ein wirtschaftlicher und sozialer Aufstieg der arabischen Bevölkerung sei eine zionistische Forderung ebenso vom Standpunkt unseres nationalen Gewissens aus wie vom Standpunkte unseres Vorteils. Der jüdische Arbeiter, der bei der Regierung, der jüdischen Privatwirtschaft und der arabischen Wirtschaft arbeiten wolle, sei daran interessiert, daß der arabische Arbeiter keinen geringeren Lohn erhalte als er. Der jüdische Fabrikant, der nicht seine ganze Produktion auf ausländische Märkte einstellen kühne, da man in diesen Ländern über kurz oder lang ähnliche Industrien ins Leben rufen werde, sei in erster Linie auf den heimischen Markt angewiesen und sei deshalb an einer Hebung der Kaufkraft der arabischen Bevölkerung interessiert. Wenn auf diese Weise der jüdische Arbeiter und der jüdische Fabrikant sich wirtschaftlich im Lande festigen, so ermögliche das jüdische Einwanderung in großem Maßstabe. Es bleibe das wichtigste Problem: die Bodenfrage. Hier müsse man von den gegebenen Voraussetzungen ausgehen: die Menge des vorhandenen Bodens sei gegeben, die Zahl der arabischen Fellachen ebenfalls, ja, sie vergrößert sich von Jahr zu Jahr durcii den natürlichen Geburtenüberschuß. Die einzige Lösung des Problems könne nur in einer Intensivierung der Fellachenwirtschaft gefunden werden. Bei den bisherigen Bodenkäufen seien die jüdischen Institutionen grundsätzlich den richtigen Weg gegangen, indem sie den araischen Fellachen Entschädigungen zahlten, durch die es ihnen ermöglicht worden sei, in anderen Teilen des Landes sich wieder anzukaufen. Man habe sich jedoch bei dieser ganzen Politik nur von menschlichen und nicht von kolonisatorischen Erwägungen leiten lassen und deshalb sei das Ergebnis vielfach gewesen, daß der Fellache in anderen Teilen des Landes sich wiederum eine extensive Wirtschaft aufgebaut habe mit Vergeudung von Boden und ohne eine anständige Lebensexistenz zu finden. Unsere Tendenz müßte in Zukunft dahin gehen, dem Fellachen den Aufbau einer intensiven Wirtschaft auf kleinerem Bodenmaß zu ermöglichen. Beilinson kommt auf einen von ihm schon früher gemachten Vorschlag zurück, nämlieh, daß die Regierung ein Agrargesetz erlasse, dessen Zweck Bodenverteilung, Begrenzung des Bodenmaßes und In-?fct9tviernBg ׳ der Wirtschaften sei Es sei, nicht einzusehen, warum eine englische Arbeiterregierang und die Zionistische Organisation einem solchen Gesetz widerstreben würden, das heute von Kemal Pascha in der Türkei durchgeführt werde. Wenn dieses Maximumprogramm im Augenblick unerreichbar sei, so müsse von der Regierung wenigstens die Durchführung eines Minimums verlangt werden: eine Kolonisationsabteilung der Regierung, Gesetze zum Schutze des Fellachen, Reform der Agrarsteuern, Hilfe für landwirtschaftliche Kooperativen, Gründung einer Agrarbank. Wenn die Regierung auch dem nicht zustimme, so dürfe nichts die Zionistische Organisation and die Arbeiterschaft hindern, eine Politik zur Hebung des Lebensniveaus der Araber einzuleiten. Dazu gehört auch die Organisation der arabischen Arbeiter, so schwierig sie auch sei. Ebenso müßten die bei uns bestehenden ländlichen Darlehenskassen und Kooperativen auch dem Fellachen Untenstützung bieten. Die anlgcrollte Palästtnafrage Oe Londoner kolonialpolitische Wochenschrift ״T h e Near East and India“ nimmt in sehr interessanter Form zu dem bekannten Brief Balfours, Lloyd Georges und Smuts Stellung, der in der ״Times“ veröffentlicht war (s. ״J. R.“ vom 24. Dezember 1929). Die Zeitschrift begrüßt die Anregung der drei Unterzeichner, die Palästinafrage in ihrer Gänze nochmals zu behandeln und bedauert, daß dieser Vorschlag nicht unmittelbar nach den Unruhen gemacht wurde. Viele Engländer, so schreibt das Blatt, haben bedauert, daß verschiedene politische Führer nach den Unruhen so kateorisch erklärt haben, daß jede Aenderung der Grundinien der Palästina-Politik ausgeschlossen sei. Man müsse eine neue Kommission ernennen, die die Fragen des Nahen Ostens wirklich kennt, und zwar nicht nur die Vergangenheit Palästinas, sondern auch seine Gegenwart. Eine solche Kommission könnte z. B. nicht die Gegnerschaft ignorieren, die in den Nachbarländern Palästinas gegen die Balfour-Deklaration vorhanden ist. ״Das Palästina-Problem ist, kurz gesagt, eine Frage des Abwägens der Formen des arabischen Nationalismus und des jüdischen Nationalismus, um die unausweichliche Ent- Wicklung des ersteren mit der gewünschten Entwicklung des zweiten in Einklang zu bringen.“ Im weiteren Verlauf des Artikels weist die Zeitschrift darauf hin, daß die Balfour-Deklaration der Interpretation bedurfte und daß diese Interpretation durch das Churchill- Memorandum 1922 gegeben wurde, auf Grund der Erfahrungen, die in den fünf Jahren 1917—1922 gemacht worden waren. Wäre es nicht möglich, eine neue Interpretation zu finden, die nunmehr auch die Erfahrungen der letzten sieben Jahre verwertet? Um das Churchill-Memorandum kümmert sich, wie aus dem ״Jewish Chronicle“ hervorgehe, ohnedies niemand, und bedenkliche Komplikationen können daraus entstehen, wenn eine Politik von denen, die die Verwaltung führen, anders gedeutet wird als von denen, auf die die Verwaltung sich erstreckt. $ Demission Dr. Kastls Das deutsche Mitglied der Mandatskommission, Dr. Käst 1, hat wegen Arbeitsüberlastung seine Demission als Mitglied der Permanenten Mandats - Kommission des Völkerbundes erklärt._ Es heißt aber, daß er an der bevorstehenden Palästina-Debatte noch teilnehmen wird. Eine Erkllrnng der polnischen Regierung Anläßlich der beginnenden K. H.-Kampagne. Am 2. Januar fand in Warschau ein feierlicher Empfang des Keren Hajessod zu Ehren Nahum Sokolows statt. An dieser Fcstakademie beteiligten sich alle führenden Zionisten aus Kongreßpolen, Die polnische Regierung war durch den Premierminister Prof. Bartel und den Außenminister Grafen Z a 1 e 8 k i vertreten. Nach der Eröffnungsansprache des Deputierten Farbstein ergriff Außenminister Zaleski, der sich aus der Ehrenloge an den Präsidialtisch begeben hatte, das Wort und gab folgende Erklärung ab: ״Ich danke dem Abgeordneten F a r b s t e i n für die freundlichen Worte, die er an die polnische Regierung gerichtet hat. Ich freue mich, von dieser Stelle aus Herrn Nahum S o k o 1 o w, den Präsidenten der Zionistischen Exekutive, begrüßen zu können. Die früheren polnischen Regierungen haben mehrmals ihre Sympathie für die Bestrebungen der Zionistischen Organisation Ausdruck gegeben, die die Befestigung um den Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina erstrebt. Indem ich noch einmal diese Haltung namens der polnischen Regierung bestätige, wünsche ich Ihnen den besten Erfolg in Ihrer Arbeit“ * Unter den zahlreichen Gästen befanden sich überdies: der Präsident des polnischen Senats Szymanski, Vertreter des Innen- und des Kultusministeriums, der Präsident des Warschauer Stadtrates Jaworowski und Vizepräsident Biendowski sowie Vertreter anderer hoher Behörden. Auf der Estrade saßen die Mitglieder der Keren Hajessod-Delegation mit Nahum Sokolow an der Spitze, der Präsident des polnischen Keren Hajessod-Direktorhims und Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde Abg. Farbstein, die Mitglieder der Jewish Agency PodTiszewski, Oberrabbiner Professor Schorr, Abg. Grünbaum, Wawelberg, Leon Lewite, Adv. warm an, Dr. Goldflam, Adv. Endelman, Lewin-Epstein, Abg. Rosenblatt, Stadtrat H indes. Dr. Grünfeld u. a. m. Das Makkabi- Orchester spielte die polnische Volkshymne und die Hatikwah. Präsident Abg. Farbstein führte ln seiner Eröffnung»- rede aus, die polnische Regierung habe durch ihre Teilnahme an der heutigen Versammlung aufs neue einen Beweis ihrer wohlwollenden Beziehung zur Frage des Jüdischen Nationalheims in Palästina gegeben. Präsident Farbstein proklamierte den Beginn der diesjährigen Keren Hajessod-Aktion In Polen, huldigte dem neuen jüdischen Jischuw, der die gefährlichen Angriffe auf das Jüdische Nationalheira mutig zurückwies, und forderte die polnische Judenhdt auf, sich wie ein Mann hinter ihren Führer Nahum Sokolow zu stellen. Darauf gab Zaiesld die obenstehende Erklärung ab. Nahum Sokolow hielt nach dieser Erklärung eine ausführliche Rede, ln welcher er das Aufbauwerk in Palästina als ein Friedenswerk bezeichnete und die Ziele des Zionismus und die Methoden des Aufbauwerkes darlegte. Sokolow gab eine eingehende Darstellung der politischen Grundlagen des Palästinawerks, das unter dem Schutz der großen Kulturmächte und unter dem Mandat Englands vor sich geht und legte die Beziehungen zwischen Polen und Palästjpa angehend dar. Es folgten Begrüßungsansprachen von den Führern aller großen jüdischen Organisationen und Institutionen in Polen. Telegramme vom Präsidenten Weizmann, von M. M. Ussischkin, Colonel Wedgwood, Sir Wyndham Deedes, L, Jaff e, Dr. Barth, vom Warscl^uer Rabbinat usw. wurden verlesen. Ansprachen hielten dann der frühere Bürgermeister von Tel-Awiw Bloch-Blumenfeld und Dr. Alexander Goldstein. Zum Schluß richtete Nahum Sokolow nochmals eine Ansprache an die Adresse der polnischen Judenheit, in der er die Rolle des polnischen Judentums in der jüdischen Geschichte und in der Entwicklung Polens schilderte und mit den Worten schloß: Möge das polnische Judentum diese großen Leistungen krönen durch ein verstärktes Mitwirken am Aufbau des jüdischen Heimes und des jüdischen Volkes in Palästina. Das Organ des Großmnlti beschlagnahmt Jerusalem, 6. Januar. (J.T. A.) ,,Jamea al Arbia“, das offizielle Organ des Moslemischen Obersten Rates, machte Mitteilungen über eine angebliche jüdischeVerschwörung gegen das Leben des Großmuftt Hadsch Emin eiHusseini. Die Zeitung erzählt eine erfundene Geschichte, derzufolge die Juden für viele tausende Pfund zahlreiche Araber gedungen haben, damit sie auf den Großmufti ein Attentat verüben. Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieser Mitteilung wurde das Blatt nach einer Unterredung, die Harry Sacher mit dem High Cotnmissioner Sir John Chancellor hatte, unverzüglich beschlagnahmt. Die englische Ausgabe des ״Felestin“ kommt In ihrer Nummer vom 4. Januar auf das angebliche Komplott gegen das Leben des Großmufti zurück und drückt die Hoffnung aus, daß die Regierung keine Anstrengung sparen wird, um die hinter der behaupteten Verschwörung stehenden Personen festzustellen. ״Felestin“ erklärt, daß das neue Unheil der politisehen Attentate durch die Juden (!) ins Land gebracht worden sei. Um die Person des Großmalti Kairo, 6. Januar. (J.T.A.) Im Syrisch-Paläs tinensischen Komitee, das in Kairo seinen Hauptsitz hat, ist wegen der Frage des Jerusalemer Großmufti und seiner Bedeutung für die arabische Bewegung eine Spaltung erfolgt. Ein Teil des Komitees mit Nissim Sebaa und Mohamed Ali Taher unterstützt den Großmufti von Jerusalem und klagt die Gegner des Großmufti im Komitee, Dr/ Shahbander und seine Anhänger an, daß sie die Interessen des Komitees zugunsten ihres persönlichen Vorteils verraten. Dr. Shahbanders Anhänger hingegen geben der Meinung Ausdruck, dab der Großmufti innerhalb der arabischen Bewegung keinerlei Bedeutung habe. Infolge dieser Spaltung mußte die Veranstaltung eines Balles abgesagt werden, der zur Aufbringung von Mitteln für die arabischen Geschädigten der palästinensischen Unruhen veranstaltet werden soll. (Dr. Shahbander ist ein hervorragendes Mitglied des Syrisch-Palästinensischen Komitees und in der Propaganda gegen das gegenwärtige Regime in Palästina und Syrien sehr tätig. Vor einigen Jahren führte er eine heftige antizionistische Campagne ln London, während der er auch in einer Versammlung antizionistischer Parlamentarier sprach.) Im Finanz-Archiv (Zeitschrift für das gesamte Finanzwesen, herausgegeben von Prof. Dr. Georg Schanz, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen), 46. Jahrgang, 2. Band, veröffentlicht Dr. Alfred Bonn£ eine 27 Seitenlange sehr instruktive Abhandlung über ״Die öffentlichen Finanzen des Mandatsgebietes Palästina“, worin alle Fragen der Finanzverwaltung, des Steuer- Systems und der Finanzpolitik eingehend dargestellt werden. Das Abschiedsschrdben der Kommission Die Untersuchungskommlssion hat vor ihrer Abreise aus Palästina folgendes Schreiben an die Presse gerichtet: ״Am Beginn unserer Arbeit in der ersten öffentlichen Sitzung haben wir unserer Hoffnung Ausdruck gegeben, daß wir das höchstmögliche Maß an Hilfe von all denen erhalten werden, die eine Aufdeckung und Klärung der wirklichen Ur- Sachen der unglücklichen August-Ereignisse wünschen. Heute, wo wir das Land verlassen, fühlen wir uns berechtigt zu sagen, daß unsere Hoffnung erfüllt wurde. Die an der Untersuchung interessierten Seiten haben uns durch ihre Vertreter die Möglichkeit gegeben, die Aufgabe unserer Mission in ihrem ganzen Umfange zu erkennen. Die Zeugen, deren Aussagen wir ge* hört haben, wurden aus allen Schichten der Bevölkerung und aus allen Teilen des Landes hierhergebracht. Von allen Seilen wurde uns in vollem Maße Hilfe und Unterstützung zuteil, und wir nehmen nach England nicht nur die Erinnerung an die tragischen Ereignisse, die die Geschichte dieses Landes verdunkelt haben, mit, sondern auch die Unterlagen, die uns bei der Prüfung der Ursachen der Unruhen nützlich sein werden, sowie wichtige Vorschläge einzelner Persönlichkeiten und der Vertreter von Institutionen über die Schritte, die zu unternehmen sind, um künftig solche Ausbrüche zu vermeiden. Die uns zugemessene Zeit war zu knapp, um das ganze Land in allen seinen Tellen zu besuchen, aber bei den Besuchen, die uns möglich waren, haben wir die Auffassung der verschiedensten Kreise kennengelernt. Wir glauben, daß die Informationen, die wir auf diese Weise über das Land, seine Bewohner und seine Probleme gewonnen haben, uns die allergrößte Hilfe bei der Vorbereitung unseres Reports bieten können. Die Aufgabe, die uns durch die britische Regierung gestellt wurde, ist doppelt: wir haben jetzt erst den ersten Teil beendigt: die Untersuchung an Ort und Stelle. Bei der schwierigen Aufgabe, die uns erst noch harrt, der Feststellung der Ursachen der Unruhen und der Formulierung der Vor- Schläge für die Zukunft, wird uns der Gedanke stärken, daß diejenigen, die hier an unserer Untersuchung interessiert waren, in vollem Einverständnis mit uns gearbeitet haben. Wir werden an diese Aufgabe mit vollem Vertrauen gehen, daß diese Männer bereit sein werden, bei der Bestimmung der künftigen Politik in diesem Lande gemäß den Beschlüssen der britischen Regierung, die unter Würdigung unserer Vorschläge gefaßt werden, zu helfen.“ Die Kundgebung ist von den vier Mitgliedern der Kommission Sir Walter S. Shaw, Sir Henry Betterton, R. Hopkin Morris und H. Snell unterzeichnet. * Das arabische Organ I Carmel“ veröffentlicht einen Leitartikel unter dem Titel ״Nach der Kommission“, in dem der arabische Standpunkt zusammengefaßt wird. Selbst wenn die Empfehlungen der Kommission zugunsten der Araber ausfallen sollten, wird in dem Aufsatz gesagt, wird dadurch weder die Verschuldung der Araber aufgehoben noch Nahrung für die Hungrigen beschafft. Die arabischen Bodeneigentümer werden von Schulden zer« malmt und sind nicht imstande, Hypotheken zu erhalten oder ihren Boden zu verkaufen, außer an die Zionisten, während der arabische Feliach, bar aller Mittel, in einem hoffnungslosen Lebenskampf steht. Es sei notwendig, daß der Großmufti und die palästinensisch-arabische Exekutive Delegationen in die arabischen und die anderen mohammedanischen Länder schicke, um Hilfe für die Schaffung wirtschaftlicher Unternehmungen zu erhalten, durch die der arabischen Bevölkerung Palästinas geholfen werden soll. Dr. Aron Marie"] Am 3. Januar starb in Jerusalem plötzlich im Alter von mehr als 70 Jahren der Kolonisten-Pionier, Arzt und Gelehrte Dr. Aron Mazle. Er lebte länger als 50 Jahre in Palästina. Herzl traf ihn während seiner Palästinareise im Jahre 1898 in Rischon le Zion, wo er damals Arzt war, und erwähnt ihn in seinen Tagebüchern. Dr. Mazie arbeitete an einem hebräischen Wörterbuch der medizinischen Terminologie und war Mitglied des Waad Hallaschon (der Wissenschaftliehen Kontroll- und Anregungskommission für die hebräische Sprache). Er war auch rin sriir erfolgreicher Orangenzüchter. Jfidische Stadtviertel entstehen Mas schreibt uns: Die Bewegung der in arabischen Vierteln zur Miete wohnenden jüdischen Kreise, in einheitlich -jüdische Bezirke überzusiedetn, bzw. diese auszubauen, hält besonders in Jerusalem weiter an. Es sind in letzter Zeit seitens der Palestine Land Development Co. Ltd. relativ umfangreiche Verkäufe getätigt worden. Anfang Dezember wurde eine Eckparzelle von dem Boden des von der Palestine Land Development Co. Ltd. gegründeten ״Merkas Mischari“, das an der Mamillahstraße bzw. dem Weg zum Bahnhof gelegen ist, für annähernd 3000 Pfund verkauft. Der Käufer, ein Bauunternehmer, beginnt sofort mit dem Bau eines Bürohauses, das schon im voraus vollkommen vermietet ist. Ende Dezember konnte die Palestine Land Development Co. von ihrem ״Antimosgarten“ genannten Gelände an der Jaffa- bzw. Ben-jehuda-Straße in Jerusalem ein wertvolles Eckgrundstück im Werte von zirka 4500 Pfund absetzen, auf dem ebenfalls ein Bürohaus erbaut werden soll. Ferner wurde in derselben Gegend, an der King Georges Avenue, ein Platz im Werte von zirka 3000 Pfund verkauft, auf dem Wohnhäuser sofort errichtet werden sollen. Der Käufer dieses Grundstücks ist ein sephardischer Jude aus Jerusalem, der längere Zeit in Argentinien war und das dort Erworbene in einem Bau auf dem jetzt gekauften Grundstück investieren will. Kleine Nachrichten Das Präsidium des Welt-Verbandes des liberalen Judentums hat beschlossen, die dritte Weltkonferenz des liberalen Judentums für den Monat Juli 1930 nach London rinzuberufen. Am 28. Januar d. J. findet in Berlin eine interne Sitzung des Präsidiums und Hauptvorstandes des Welt- Verbandes statt Am 1. und 2. Februar 1930 findet in Breslau die Ordentliehe Hauptversammlung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland־ statt. Leo Bram son, der Vorsitzende der Zentralverwaltung des Verbandes ״Ort“, hat am 6. Januar eine Reise nach den Vereinigten Staaten angetreten. Zwei arabische Boykottagitatoren wurden, der eine mit zwölf, der andere mit neun Monaten Gefängnis bestraft, weil sie in ein jüdisches Geschäft in der Jerusalemer Altstadt eindrangen. Der Besitzer des betroffenen Ladens ist französischer Untertan. Einer Meldung der Tel-Awiwer Tageszeitung ״Haarez“ zufolge soll mit der Auszahlung der Entschädigung®- summen für die während der Unruhen zu Schaden Gekommenen im Februar begonnen werden.