Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Wrocław 6× ep/1002369
- Erich Cohn 2× ep/1004405
- Heinrich Loewe 2× ep/1024049
- Lübeck 2× ep/1048008
- Alfred Klee 1× ep/1023208
- Davis Trietsch 1× ep/1010431
- Franz Rosenzweig 1× ep/1004530
- Hans Kaufmann 1× ep/1031577
- Nahum Goldmann 1× ep/1009262
- Paul Arnsberg 1× ep/1029133
- Salman Schocken 1× ep/1025578
- Theodor Zlocisti 1× ep/1042608
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Nr. 3. 10 1.1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 21 Jugendprqiagar.da muß getrieben werden. Der Bar Kochba ist leider vernachlässigt worden. Für die Arbeiten beim Bar Kochba Hazair müssen dem Hechaluz Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die neue Altiah wird nur dann zustande kommen, wenn wir sorgen, daß immer neue Mensehen sich uns anschließen. Die Z. V. f. D. muß uns die finanziellen Mittel beistellen, die ideologischen Mittel haben wir, um junge Menschen heranzuziehen. Redner polemisiert gegen Halpern und meint, daß die Tatsache des Gespräches von Weizmann mit MacDonald wegen Frieden und Friedens- Vermittlung eine Konsequenz der Friedenspolitik ist, die in der ״Jüdischen Rundschau“ ihren Ausdruck fand. Dr. Wöllstein, Berlin (Link. Zentrum) widmet seine Rede ganz der Bedeutung des KKL. In der Sammelarbeit für den KKL. liegt die bedeutsamste Propagandamöglichkeit der Z. V. f. D. Man zählt in Deutschland 20 (XX) Büchseninhaber, man kann diese Zahl verdoppeln. Jede Büchse ist ein Entree-Billett zum Zionismus. Diese 20000 Familien sind ein unterschätzbares Material für intensive Propagandaarbeit. Redner weist darauf hin, daß es unter Dr. Mechners Leitung gelungen sei, die Einnahmen des KKL. in Deutschland zu steigern. Man müsse sich daran gewöhnen, daß nicht gerade immer die jüngsten Zionisten in den Dienst des KKL. gestellt werden. Auen die zionistischen Führer sollten es als Ehrenpflicht betrachten, für diese Arbeit ihre Kräfte zur Verfügung zu stellen. Redner bespricht dann die Fragen der Bodenpolitik in Pa- Iästina und stellt in energischster Form die Forderung auf, daß der in Palästina erworbene Boden Gemeingut sei und nicht bloß Eigentum von einzelnen Juden. Dr. Erich Michaelis, Hamburg (Zeire Misrachi) schildert die großen Erfolge der Zeire Misrachi in den letzten zwei Jahren. Auch er begrüßt die großen Leistungen des KKL., die jedoch nur einen Teil der in Deutschland auf diesem Gebiete bestehenden Möglichkeiten darstelle. Die besonderen Propagandamöglichkeiten des KKL. sollten auch ältere Zionisten veranlassen, die Würde und Bürde dieser Arbeit auf sich zu nehmen. Schlnßwort Blamenleld In der Schlußsitzung hielt Herr Blumenfeld das Schlußwort zur Debatte über sein Referat. Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit und mit Rücksicht darauf, daß Herr Blumenfeld infolge der Verhandlungen des Permanenz-Ausschusses nur einem kleinen Teil der Debatte persönlich beiwohnen konnte, erklärt Redner, sich auf einige kurze Bemerkungen beschränken zu müssen. Was zunächst die Anregimg von Dr. Arnsberg betrifft, daß wir uns mit den Problemen des Antisemitismus in Deutschland beschäftigen sollen, ist zu sagen, daß der G. A. wiederholt eingehend über diese Fragen beraten hat. Uns Zionisten beschäftigen die Probleme des Antisemitismus um so mehr, als wir sie unter dem Aspekt der gesamten Judenfrage in einem ganz neuen Lichte sehen. Bisher kannten wir Tn Deutschland nur Versuche der rein innenpolitischen Bekämpfungen; wir anerkennen die Wichtigkeit dieser Versuche, aber wir glauben, daß sie außenpolitisch ergänzt werden müssen. Wir Zionisten sind in erster Linie verpflichtet, diese Frage weitpolitisch zu behandeln. Wenn wir auch auf dieser Tagung nicht genügend Zeit für die öffentliche Behandlung des Antisemitismus finden können, so heißt das nicht, daß wir nicht die Wichtigkeit der Arbeit erkennen. Wir werden sie auch in Zukunft nicht aus dem Auge verlieren. Zur Frage der Geraeindepolitik übergehend, betont der Redner, es sei ein unhaltbarer Zustand, daß Menschen, die Repräsentanten der zionistischen Welt in der Gemeindepoliük sind, ihre Erfolge und Leistungen dann innerpojitisc|1 gegen die Zionistische Organisation ausspfelen. Ke Vertreter dieser Gruppe haben vor dem Delegiertentag gesagt: es wird sich zeigen, wer die Mehrheit und wer die Minderheit ist; dieser Standpunkt mit wohl auch, nachdem die Entscheidüng gefallen ist Wir sind der Ansicht, daß es im zionistisehen Leben unzulässig ist, eine Majorität auszunützen zur Unterdrückung von Minoritäten. Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn die Behandlung der sachlichen Fragen der Gemeindepolitik fortgesetzt würde in einer Atmosphäre, wo wir nicht parteimäßig gespalten sind, sondern alle gemeinsam zusammen sitzen und gemeinsam beraten. Wir sind überzeugt, daß es einen Geist der zionistischen Bewegung gibt, der uns zusammenhält, und wir sollten das, was jeder von uns zur praktischen Arbeit zu sagen hat, offen austragen. In diesem Sinne wollen wir die Debatte, die bei diesem Delegiertentag nur eingeleitet werden konnte, in allernächster Zeit fortsetzen. (Beifall.) Beschlüsse des Delegierieniages I. Chaluzarbeit (Antrag Hitachduth—Soz. Zionisten) Der Delegiertentag befrachtet die Chaluzarbeit als eine der wesentlichsten Aufgaben der Z.V.f.D. Er beauflagt deshalb die zukünftige Leitung, diese Arbeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern. Daher sollen 1. im Etat der Z. V. f. D. für Chaluzarbeit angemessene Mittel eingesetzt werden; 2. alle in jüdischen Gemeinde-Körperschaften tätigen Mitgfieder der Z.V.f.D. verpflichtet werden, für die Subventionierung dieser Arbeit durch Ihre Gemeinden einzutreten; 3. die fürAlljah notwendigen Mittel im Rahmen des Etats der Z.V.f.D. aufgebracht werden. Als eine der Methoden zur Beschaffung der notwendigen Geldmittel beschließt der Delegiertentag alle Ortsgruppen zu verpflichten, neben ihren Mitgliedbeifrägen pro Mitglied und Jahr einen Mindestbeitrag von 2 M. im 1. Quartal jeden Jahres aufzubringen. (Einstimmig angenommen.) IL Tumbewegung Die Arbeit der im deutschen Kreis des Makkabi-Weltverbandes organisierten jüdischen Turn- und Sportvereine ist im Hinblick auf ihre erzieherische und propagandistische Bedeutung von allen zionistischen Institutionen nach Kräften zu fürdem. In der Gemeindearbeit ist von unseren Vertretern danach zu streben, daß in den Etats laufende Subventionen aufgenommen werden. HI. Maasser - Ordnung Der Landes-Vorstand wird beauftragt, eine neue Maasser- Ordnung für den Keren Hajessod auszuarbeiten. IV. Wahlrecht (Antrag des G. A.) Der Landesvorstand wird beauftragt, innerhalb von sechs Monaten eine neue Wahlordnung für die Z. V. f. D. zu entwerfen, nach der bereits die Wahlen zum nächsten Delegiertentag stattfinden, sofern ihr mindestens zwei Drittel aller Mitglieder des Laodesvorstandes zustimmen. Der neue Landesvorstand Dr. Elieser Ascher, Berlin; Dr. Martin Ascher, Berlin; Dr. Paul Arnsberg, Frankfurt a. M.; Dr. J. Bamberger, Nürnberg; Etienne Basch, Berlin; Dr. Moritz Bileski, Berlin; Dr. Erich Buch holz, Hamburg; Frau Dr. Buchholz, Hamburg; Dr. Walter Deutsch mann, Oppeln; Dr. Harry Epstein, Duisburg; Isaak Feuerring, Berlin; Dr. Herbert foerder, Berlin; R.-A. Dr. Frankel, Beuthen; Dr. Sigmar Gins bürg, Königsberg; Dr. Nahum Goldmann, Berlin; Fehvel Gringard, Berlin; Dipl.-Ing. Nathan G rii n ste i n , Dresden; Dr. Georg Halpern, Hamburg; Dr. H e p p n c r , Hamburg; Dr, Sally Hirsch, Berlin; Werner Jlbcrg, Braunschweig; R.-A. Max Jacobsohn, Breslau; Dr. Ernst Kalmus, Hamburg; Dr. Hans Kaufmann, Berlin; Dr. Jacob K1 a 1z k i n , Berlin; Dr. Alfred Klee, Berlin; I. Klinow, Berlin; Benno Kohn, Frankfurt a. M.; R.-A. Dr. M. Kol len scher, Berlin; Dr. Alfred Landsberg, Wiesbaden; Dr. J. Leibowitz, Köln; Dr. Julius Levinsolin, Braunsberg; Richard Lichtheim, Berlin; Frau Dr. Marie Meyer, Berlin; Dr. Franz Meyer, Breslau; Dr. Erich Michaelis, Hamburg; Eugen Michaelis, Hamburg; Dr. Fritz Mil In er, Frankfurt a. M.; Fritz Naftali, Berlin; Dr. Bruno Nathan, Köln; Dr. Fritz Noack, Gotha; Dr. Meinhold Nußbaum, Nürnberg; Dr. J. Ra bi 11, Breslau; Dr. Martin Rosenbliith, Berlin; Dr. Rudolf Samuel, Breslau; Dr. Aron Sandler, Berlin; Dr. Hugo Schachtel, Breslau; Salman Schocken, Berlin; Dr. Max Solowc itsch i k , Berlin; Louis Tumpowsky, Leipzig; Frau Dr. Margarete Turnowsky, Dr. Richard Wolfheim, Erfurt. Ers&tzmitgLieder des La&desvorstandes Dr. Albert B a e r, Berlin; Dr. Aron Barth, Berlin; Ch. Belilowsky, Berlin; Dr. Hans Bloch, Berlin; Frau Jenny Blumenfeld, Berlin; R.-A. Erich Cohn, Berlin; Dr. Kolef Daugila jcky, Königsberg; Jacob Dränger, Frankfurt a. Main; Dr. Ernst Ettisch, Berlin; Samuel Haarpuder, Berlin; R.-A. Hirschberg, Frankfurt a. O.; R.-A. Lachmann, Breslau; Otto Len mann, Dresden; Dr. Lieb- Städter, Nürnberg; Dr. Fritz Löbenstein, Leipzig; Kurt Löwenstein, Berlin; Bernhard Lustig, München; Oberregierungsrat Dr. Josef Marcus, Düsseldorf; Dr. Kurt Mendelsohn, Berlin; Dr. Rudolf Möller, Hamburg; Frau Dr. Möller, Hamburg; Aenne Pomeranz, Frankfurt a. M.; Landgerichtsrat Arthur Rau, Berlin; Dr. Ä. R o s e n b 1 a 11, Frankfurt a. M.; Walter Roth, Berlin ־, Dr. Hugo Roth■ schiid, Lübeck; Dr. Schereschewsky, Hamburg; Dr. Justus Schloß, Berlin; Dr. Schloßberg, Marienwerder; Dr. Heinrich Strauß, Hamburg; Dr. Willy Strauß-Reich, Nürnberg; Amtsgerichtsrat Dr. Tuchler, Berlin; R.-A. Dr. Weißmann, Beuthen; J. Werezberger, Leipzig; Dr. Georg Wollstein, Berlin. Fiaa&zaossclmB Victor Bach, Berlin; Dir. Ch. Belilowsky, Berlin; Josef Hirsch, Berlin; Leo Kaminski, Berlin; Fritz Naft a I i, Berlin; Dr. Robert N u ß b a u m, Berlin; Alfred P e 11 esohn, Berlin; Dr. Werner Senator, Berlin. Ehrengericht Dr. Salti Hirsch, Berlin, Vorsitzender; R.-A. Erich Cohn, Berlin, Ehrengerichtsanwalt; Dr. Martin Ascher, ,Berlin; Dr. Walter Erhard, Berlin; Dr. Herbert Foerder, Berlin; Dr. Leo Jaffe, Berlin; Dr. Paul Sulzberger, Berlin; Justizrat Dr. Hans Steinitz, Berlin. ••■■ Zu R « visor.«!* wUtt!« gewählt: MaxW&t'larfce&a**, Max Kober und Hugo Wo Hermann. Die Liste der Toten ln der ersten Sitzung des Delegiertentages hielt Blumenfeld den Nachruf auf die Toten der Z.V.f.D. Zuerst gedachte er der Opfer der Unruhen in Palästina, sodann zweier hervorragender Figuren des Weltzionismus, die der Tod hinweggerafft hat, Dr. Leon Reich und Jean Fischer. Die Toten üer Z.V.f.D. sind; Justizrat Dr. Jakob Ascher, Dessau; Jacob Bähr, Breslau; Israel Beikind; Joseph Blauer, Hamburg; Rosy Blumenfeld, Berlin; San.-Rat Dr. Bradt, Berlin; Frau Olga Brandt, Hamburg; Julius Brücker, Berlin; R.-A. Buki, Güstrow; Frieda Burcharat, Hamburg-Palästina; Siegismund Cohn, Breslau; Dr. med. Ludwig Comtzer, Hamburg; Dr. med. Grete Eckstein, Berlin; Frau Jenny Ellern, Hamhurg; Dina Entenberg, Berlin; Dr. H. Friedemann, Berlin; H Glaser, Berlin; H. GoTdschmidt, Namslau; Dr. Fritz Gutmann, Berlin; S. Hepner, Berlin; Max Hertz, Berlin; Hirsch, Berlin; Leopold Jacoby, Chemnitz; Alfred Jarislowsky, Berlin; Eduard Joel, Lübeck; Dr. Josephsohn, Königsberg/Pr.; Dr. med. Robert Katz, Hannover; Moritz Krause, Frankfurt/M.; Joseph Lachmann, Gleiwitz; Jacob Levy, Neuwied; Ing. S. Lewin, Tilsit; Daniel Löbenstein, Berlin; Dr. Gustav Löbenstein, Berlin; Dr. Emma Löbl, Leipzig; Samuel Loebmann, Beuthen; Gustav Loesser, Berlin; Dr. Siegismund Loewy, Berlin; Dr. med. dent. Karr Meyer, Coblenz; Dr. Oscar Nathan, Hamburg; Frau Rahel Neumann, Hannover; Georg Pinner, Berlin; M. Preismann, Leipzig; Rattner, Berlin; L. Rauch, Görlitz; Eduard Rosner, Berlin; Rothmann, Wiesbaden; Georg Schmerzier, Berlin; Simon Schocken, Zwickau (Nichtzionist); D. Schwarz, Guttstadt; Dr. S. Schwarzschild, Frankfurt/M.; Dipl.-Ing. Heinrich Sokolow, Berlin; J. Sommer, Freiburg/Br.; Karl Stein, Darmstadt; Bruno Stern, Aachen; Dr. Marcus Sußmann, Berlin; Dr. Herrmann Ungar, Berlin-Prag; Dr, Josef Wall, Bremen; cand. med. Ernst Weiß, Flamersheim; Frau Golda Wiener, Beuthen. — Hierzu kommen noch zwei Nichtzionisten, die unserer Sache nahestanden: Professor Adolf Weißmann, Berlin, der in Erez- Israel starb, und Franz Rosenzweig, Frankfurt/M., ferner ein außerdeutscher Nichtzionist; Louis Marshall. Die Versammlung hörte die Trauerrede stehend an. Nadi Schluß des Blattes Aus der Repräsentantenversammlung In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde vom 9. d. M. fanden die Wahlen der Vorsitzenden und der Schriftführer statt. Namens der Liberalen erklärte Moriz Rosenthal, daß seine Fraktion es ablehne, sich an der Wahl der Vorsitzenden zu beteiligen. Darauf wurden Geheimrat Dr. Julius Stern (Relig. Mittelpartei) zum e r 81 e n Vorsitzenden, die Herren Dr. Alfred K1 ee und Prot Heinrich Loewe zu Stellvertretern des Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung und Landgerichtsrat Rau und Frau Wagner-Tauber zu Schriftführern mit den Stimmen der Volkspartei und Religiösen Mite telpartei gewählt. Eine längere prinzipielle Debatte knüpfte sich an einen Antrag Dr. Fleischers (liberal), die Jüdische Gemeinde möge sich mit ihren Einrichtungen an der Aufklärungsarbeit in der christlichen Umwelt beteiligen, ln der Aussprache vertraten Waldmann, Goslar und Klee den zionistischen und R.-A. Stern, Dr. Fleischer, Dr. London und Moriz Rosenthal den Standpunkt der Liberalen. Der Antrag Fleischer wuide alsdann einstimmig angenommen. 3t»ei @ed)$igj<fyrige Davis Trietsch Am 4. Januar d. J. vollendete Davis Trietsch sein 60. Lebensjahr. Geboren am 4. Januar 1870 in Dresden, in Berlin erzogen, kam er nach jahrelangen Reisen in Europa Mitte 1893 zum ersten Male nach New York, wo er bis 1899 blieb. Dort sah er sich der großen jüdischen Wanderungsfrage gegenüber, für die ihm New York und Amerika nicht die beste Lösung zu bieten schienen. Auf der Suche nach einer besseren Lösung schlug er 1895 die Insel Zypern vor, deren türkische Verwaltung eine jüdische Einwanderung aus humanen und wirtschaftlichen Gründen wie er glaubte, gerne gesehen hätte. Als zwei Jahre später die Zionistische Organisation entstand, vertrat er die Idee eines ״größeren Pa- Iästina“, das außer dem damals der jüdischen Einwanderung verschlossenen türkischen Palästina die beiden englisch auministrierten Nachbargebiete Zypern und El-Arisclt (Sinai), umfassen und auf diese Weise dem Zionismus sofortige Ar-, bcitsmöglichkeiten bieten sollte. So war Trietsch der erste, der eine englisch-jüdische Orient-Politik und -Kolonisation befürwortete. Er war ein Mitglied des ersten Baseler Kongresses und fast aller späteren Kongresse. Gegen Herz! trat er in Opposition, als dieser den ״Charter“ als Vorbedingung jeder kolonisatorischen und sogar jeder nur vorbereitenden Arbeit proklamierte. Er war auch ein Gegner des Uganda-Projektes, in dem er eine Zersplitterung sah in Gegensatz zu seinem ״Greater Palestine“, dessen Hauptvorzug neben der sofortigen Arbeits- und Hilfsmöglichkeit in der Konzentration der jüdischen Wanderung lag. Er spezifizierte sich auf die Fragen Palästinas in der jüdischen Kolonisation, auf 'die Judenfrage im weitesten Sinne, sowie auf die wirtschaftlichcn und politischen Verhältnisse der Orientländer. Er veröffent'ichte das ״Palästina-Handbuch“ (neunte Auflage in mehreren Sprachen), ״Jüdische Emigration und Kolonisation“, ״Palästina-Wirtschafts-Atlas“, ״Levante - Handbuch“ (dritte Auflage), ״Das russische Reich in Europa und Asien“, ״Atlas der jüdischen Welt“, ״Palästina und die Juden, Tatsachcn und Ziffern“. Er war (!909 bis 1903) Mitbegründer der Zeitschrift ״Ost und West“, des Jüdischen Verlags u. a. m., er begründete die Zeitschrift ״Palästina“ und führte in seiner Wochenschrift ״Volk und Land“ (1919) einen Kampf für rasche Einwanderung und Majoritätsbildung in Palästina. Besonders bekannt ist Trietsch in der jüdischen Welt durch seine statistischen Arbeiten. Trietschs Ideen eines zionistischen Maximalismus sowie einer Bevorzugung der Industrie vor der Landwirtschaft fanden im Zionismus starken Widerstruch, dennoch sind seine zahlreichen Anregungen in der zionistischen Arbeit fruchtbar geworden. Er war auch ein Vorkämpfer des Gedankens der Gartenstadt. Mit stets lebendigem Temperament vertrat er gegen alle Widerstände seine Änschauungen, bis er sich in den letzten Jahren vom politischen Leben zurückzog. Seine Liebe für Erez-Israel büeb aber unverändert, ungeachtet mancher persönlichen Enttäuschung. Trietsch erfreut sich, nicht zuletzt wegen seines schlagfertigen Witzes und wegen seines eigenwilligen kritischen Geistes, im Kreise seiner zahlreichen Freunde großer Beliebtheit. Die zionistische Welt beglückwünscht diesen alten unermüdlichen Mitstreiter und tapferen Mann zu seinem Jubeltage. Markus Brande Das polnische Judentum und die zionistische Bewegung feiern in diesen Tagen das »jährige Jubiläum eines ihrer hervorragendsten Führer und markantesten Persönlichkeiten, . Dr,.. ,Markus ״Br* u d e ist,,,,Sproß, ,ei#«, .alte«״ ״iaÄ8dt«1,;Gf-, lehrtenfamilie» die seit mehr als "viel• jahrhundcrteii 'Heien Gemeinden Polens, Deutschlands, Böhmens und Mährens bekannte Rabbiner und Schriftgelehrte gab. Selbst schon der ersten Renaissance-Generation im ehemaligen Galizien angehörend, verbindet Brande tiefes jüdisches Wissen mit umfassender moderner Bildung, die er an den Hochschulen Deutschlands erwarb. In Deutschland begann auch seine zionistische Tätigkeit, die er zusammen mit Heinrich Loewe in Berlin und Theodor Zlocisti in Freiburg en faltete. Von Freiburg wurde Braude als Delegierter zum I. Zianistenkongreß in Basel entsandt. Nach Galizien zurückkehrend, stellte sich Brande zusammen mit Stand und Zipper an die Spitze der zionistischen Bewegung, die er bis zum Jahre 1909 leitete. Dann übersiedelt er nach Lodz, wohin er als Nachfolger Dr. Jelskis als Prediger der dortigen Synagogengemeinde berufen wurde. Nun beginnt die vielseitige, schöpferische Tätigkeit Dr. Brandes im gewesenen Kongreßpolen. Obzwar stets führend politisch tätig (in der zionistischen Weltbewegung, auf Kongressen und 1m Aktions-Comite, in der Zionistischen Organlsation Kongreßpolens, im Komitee der Jüdischen Delegationen in Paris, im Senat der polnischen Republik), widmete sich Braude hauptsächlich der zionistischen Kulturarbeit, und auf diesem Gebiete wirkt er bahnbrechend und unermüdlich bis zum heutigen Tage. Braude versteht, wie kaum einer in Polen, die außerordentliche, fundamentale Bedeutung kulturschöpferischer, erzieherischer Arbeit Ein Feind jeder nur nach außen gerichteten Politik, sucht Braude immer nur die wahre, schöpferische Leistung. ״Schaffet Positionen“ — war und blieb seine Losung, die auch zur Richtschnur seines öffentlichen Wirkens wurde. Deshalb ist auch Braude weniger in der Oeffentlichkeit hervorgetreten und blieb ein stiller Arbeiter auf dem sonst so vernachlässigtem Felde der jüdisehen Kultur- und Erziehungsarbeit. Dr. Braude ist der Schöpfer des jüdischen Mittelschulwesens in Polen, das heute 25 Anstalten umfaßt und für das er in emsiger Pionierarbeit alles: finanzielle Mittel, rechtliche Grundlagen und, was die Hauptsache ist, Programm und Erziehungsideal neu schaffen mußte. Mehrere Jahre auch am Tarbuthwerk mitbeteiligt, ging er jedoch dann seine eigenen Wege in der Erziehungsarbeit. Braudes letztes hervorragendes Werk ist die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Warschau, womit er einen alten Traum vieler jüdischer Gelehrte in Polen verwirklichte und ein tiefempfundenes Bedürfnis des polnischen Judentums befriedigt hat Wissenschaftliehe und praktische Ziele verfolgt das von Braude mit großer Mühe und nach langen Vorbereitungen geschaffene Instltut. Es soll die jüdische Wissenschaft in Polen pflegen und fördern, von tiefer jüdischer Bildung und neuzeitü'hem Geiste getragene Rabbiner und Lehrer ausbilden und für das jüdisehe öffentliche Leben und Wirken moderne, wissenschaftlich ausgerüstete Führer und Mitarbeiter vorbereiten. So steht Dr. Braude nach 40 Jahren öffentlicher, ersprieß- Ilcher Tätigkeit frisch inmitten neuer Arbeit, getragen von Liebe und Verehrung seiner Gemeinde, der großen zionistischeu Schar und der jüdischen Gesellschaft in Polen, die ihm noch viele Jahre fruchtbarer Tätigkeit wünschen. g. ״Palestine Bulletin“ veröffentlicht in einer Sonderpublikation den Gesamtbericht über die Verhand lungen vor der Untersuchungskom mission in en״• liseher Sprache. Die Publikation ist zum Preise von 500 Miis (10 RM.) von der Expedition des ״Palestine Bulletin“ (jerusalem, P. O. B. 683) zu beziehen.