Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3, 10.1 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 23 Mene, mene, iekel upharsin Der New Yorker ״Hadoar“ veröffentlicht nach* stehenden erschütternden Privatbrief eines Zionisten aus der Sowjetukraine. Red. ״. . . Von zuhause konnte ich Dir nicht schreiben, aus welchem Grunde ich nach K. gehen mußte; denn ich fürchtete mich zu verraten. In unserem Postbüro werden in letzter Zeit at! unsere Briefe nach Erez-Israel und nach Amerika geöffnet. Von hier aus schreibe ich Dir nun direkt. Aus welchem Grunde ging ich hierher? Ich mußte es tun wegen meines Neffen; er ist ein lieber Junge von 16 Jahren, der die Lehren seines verstorbenen Vaters nicht vergessen hat und der eifrig und liebevoll Hebräisch lernte. Dieser Junge wurde von der Jewsekzia festgenommen, weil er die Partei der kommunistischen Jugend, der er angehörte, ״verraten" hat und insgeheim Zionist und begeisterter Hebraist war und für unsere Idee und unsere Kultur unter seinen jungen Genossen geworben hattet Die Jewsekzia hatte ihn schon lange in Verdacht gehabt und hatte all seine Schritte überwachen lassen. Er aber war ein kluger Junge und ver* stand es vorsichtig zu sein. Aber eines Tages fand man im Partei-Klub ein Blatt Papier, auf dem das Gedicht von Blalik ״Kochaw nidach" abgedruckt war. Sofort begann eine peinliehe Untersuchung, wie in einen rein kommunistischen Klub dieses verbotene Gedicht kommen konnte. Endlich erfuhr man, daß das Papier aus der Tasche eines Jungen gefallen war; der Junge war nicht stark genug und gab zu, daß mein Neffe zuweilen vor einigen Jungens der Partei hebräische Gedichte deklamiert. Mein Neffe wurde verhaftet und wegen Verrates und Aufruhrs als gefährlicher Konterrevolutionär angeklagt. Ungefähr sieben Monate saß er im Gefängnis der Kreisstadt Br-b., be* vor es zur Verhandlung kam. Der Prozeß fand in K-now statt. Die Richter waren Christen, ehrliche Kommunisten mit einfachem, geradem Verstand. Sie zogen die Jugend des Knaben mildernd in Betracht und verurteilten ihn zu neun Monaten Oefängnis unter Anrechnung der sieben Monate Untersuchungshaft. Der Junge nahm seine Strafe entgegen und wurde bald frei. Aber die Jewsekzia war nicht beruhigt. Sie begnügte sich nicht mit dieser ״kleinen” Strafe, erhob ein Geschrei, veröffentlichte in ihrer Presse Briefe und forderte das Urteil aufzuheben und den Jungen aufs neue vor ein der Jewsekzia treues Gericht zu stellen. Ihr Bemühen war von Erfolg gekrönt und ein neuer energischer Befehl wurde von Charkow erlassen, den Prozeß aufs neue zu verhandeln und ihn vor das Oberste Gericht zu bringen. Der Junge wurde wieder verhaftet und wurde nach K. geschickt Die Untersuchung war dem Untersuchungsrichter Mr-z übertragen, einem eingefleischten Jewsektionisten, der uns von ganzem Herzen haßt und sich bemüht, uns nach Möglichkeit Böses zu tun. Das Resultat der neuen Untersuchung lautete dahin, daß der Junge seine Partei verraten und noch dazu seine jungen Kämeraden dazu aufgestachelt habe, und nicht genug damit habe er an den Grundlagen des herrschenden Staatssystems gerüttelt, ״um die Reperung zu stürzen״ (so heißt es wörtlich in der Anklage); er müsse daher als Staatsverräter verurteilt werden, was mit Todesstrafe durch Erschießen gesühnt wer* den soll. Auch hatten wir inzwischen erfahren, daß von dem Zentralbüro der Jewsekzia in Moskau eine Weisung an das Kreisgericht in K. ergangen war, den Jungen nach der ganzen Strenge des Oesetzes zu strafen, um die anderen abzuschrecken. Der Junge ist Waise. Seine Mutter haben im Jahre 1919 die Haidamaken (Petljuraleute) getötet; seinen Vater tötete die Tscheka im Jahre 1922 auf Grund einer Anklage jüdischer Kommunisten, er führe illegale Literatur ein. Bei einer Haussuchung fand man bei ihm zuhause einige Nummern der Hazefirah und des in Krakau erscheinenden Hamizpeh. Ohne Prozeß und ohne Oericht wurde er in den Kellern der Tscheka erschossen. Die Schwestern des Knaben drangen nun in mich, nach K. zu gehen und mich zu bemühen, ihren jungen, gequälten unglücklichen Bruder den Klauen des Todes zu entreißen. Ich sträubte mich anfangs; denn ich wußte: was kann heute ein Jude und Zionist in seinen Bemühungen bei unseren jüdischen Feinden erreichen und noch dazu für einen jüdisehen Jungen, der wegen der verräterischen Tat angeklagt war, Gedichte von Bialik deklamiert zu haben. Wenn ich es noch mit christlichen Kommunisten zu tun hätte, aber jetzt, wo sein Schicksal in die Hand der Jewsekzia gelegt war, wußte ich, daß es kein Erbarmen gibt. Aber wie könnte ich meine Hilfe einer Waise verweigern? Ich nahm meinen Wanderstab und ging nach K. Die acht Rubel für die Eisenbahn besaß ich nicht; so ging ich zu Fuß. Und so war es auch: Alle Tore des Erbarmens waren für den Jungen verschlossen. Vergeblich waren meine Be• müfhungen durch bekannte, vielleicht weniger hartherzige Jewsektionisten. Nichts nützten meine Bitten und mein Flehen. War es denn möglich gewesen, der Inquisition in Spanien und Portugal ein Opfer zu entreißen? Mit derselben Grausamkeit verfolgt die Inquisition der Jewsekzia uns hebräische Zionisten und orthodoxe Juden. Meine Hoffnung auf eine Rettung des Jungen hatte ich aufgegeben; denn zu seinen Richtern waren drei jüdische Richter bestimmt, eingeschworene Jewsektionisten. Da ereignete sich diesmal wirklich ein Wunder vom Himmel: zwei der Richter erkrankten schwer und an ihrer Stelle wurden zwei christliche Richter ernannt. Die Jewsekzia bemühte sich, den Prozeß zu vertagen, indem sie betonten, daß nur jüdische Richter ein gerechtes Urteil gegen einen jüdischen Verräter fällen könne. Aber der Vorsitzende und der christliche Verteidiger willigten nicht ein, den Prozeß zu vertagen. Ja, sie schlugen vor, das frühere Urteil zu be- *tätigen. Ekjch machte sich der Einfluß der Jewsekzia schließlieh geltend und das Urteil lautete: Das Verbrechen, dessen der Junge angeklagt ist, ist nach den Paragraphen des Gesetze* mit dem Tode zu sühnen. Da man jedoch die Jugend des Angeklagten mildernd ln Betracht ziehen müsse, verurteilt ihn das Gericht an Stelle der schweren Strafe zu einer leichteren: zur Verbannung in den Distrikt Turkestan für fünf Jahre! Einer der Unseren erzählte mir später, daß es in der Anklageschrift, die das örtliche Büro der Jewsekzia eingereicht hatte, hieß: Das Gericht in K. möge gegen den Angeklagten mit der ganzen Schärfe des Gesetzes vorgehen; denn er habe die Heiligtümer der Partei der kommunistischen Jugend entweiht; seine gefährlichen Taten d׳aren imstande, die Grundlagen der Partei zu erschüttern. Wenn er mit einer leichteren Strafe davonkäme, dann würden die Zionisten wieder ihr Haupt erheben und die ganze Arbeit der Jewsekzia, die jüdische Jugend für den Kommunistischen Bund zu gewinnen, wäre vergeblich. Eine Woche nach dem Urteilsspruch wurde mein Neffe in die Verbannung geschickt. Mein Lieber, wenn es Heilige gab in der langen Geschichte unserer Verbannung, dieser Junge zählt zu den heiligsten. Wenn es Gequälte gab in unserer Geschichte, dieser Junge schreitet voran. Wie sehr wollte ich, daß unsere Brüder in dem stillen und satten Amerika dabei gewesen wären, als man den Jungen aus dem Gefängnis zur Bahnstation brachte, ln einem zerfetzten Hemd mit Fetzenresten von Schuhen bekleidet, mit tief in den Höhlen liegenden Augen, das Gesicht weiß wie der Tod. Kraftlos und mit einer Kette gefesselt, ging er hinter dem Soldaten. Alles, was seine Schwester hatte, 2% Rubel, gab sie ihm. Alles, was ich besaß, 45 Kopeken, übergab ich ihm, Der Wachsoldat erlaubte mir, an den Waggon heranzugehen, um mich von meinem Neffen zu verabschieden. Vielleicht war dies der letzte Abschied; denn wieviele junge Menschen voll Leben finden in der Verbannung ihr Grab, sterben an Hunger und Krankheiten? Er streckte mir seinen mageren Finger aus dem Fenster des Waggons entgegen und flüsterte: ״Mene, mene, tekel upharsin“. . . . Die jüdischen Landesverbände Am 5. Januar 1930 trat vormittags um 1,310 Uhr in den Geschäftsräumen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz von dessen Präsidenten, Kammergerichtsrat Leo Wolff, die Arbeitsgcmcinschaft der jüdischen Landesverbände des Deutschen Reiches zu einer Tagung zusammen, bei der fast alle angeschlossenen Verbände vertreten waren. Es fand eine Aussprache über Rabbincr-Besoldungsfragen statt. Bemerkenswerte Mitteilungen konnten über die Verhandlungen gemacht werden, die seitens des Preußischen Landesverbandes mit den zuständigen Behörden über die Sonntagsarbeit von Beamten und Angestellten der jüdischen Gemeinden und Organisationen sowie derjenigen Betriebe, in denen am Sabbat nicht gearbeitet wird, geführt worden sind. Auch über den Stand der Reichssteuergesetzgebung, soweit sie für die jüdisehen Gemeinden in Betracht kommt, sowie über die Bestrebungen zur Abwehr der Angriffe gegen das Schächten wurde Bericht erstattet. Einen breiten Raum nahm in den Erörterungen wieder die Lage der Rabbinerbildungsanstalten ein. Zur eratung über die inneren Fragen des Religionsunterrichts, insbesondere die Schaffung von geeigneten Lehrbüchern, ferner über die Frage der Fortbildung der schulentlassenen־ Jugend wurde ein kleiner Ausschuß gebildet, der sich nötigenfalls durch Zuwahl von weiteren geeigneten Personen ergänzen soll. Von Vertretern der kleinen Landesverbände wurde die in ihnen herrschende Notlage geschildert. Infolge der VarWeinerung der einzelnen Gemeinden und der Verarmung der ln ihnen verbliebenen Mitglieder fehlt es an Mitteln lür die Befriedigung der nötigsten Bedürfnisse. Es wurde eine engere Verbindung unter den kleinen Landesverbänden angeregt Orfsgroppea Erfurt. Bei der am 30. November 1929 stattgefundenen Generalversammlung wurde der neue Vorstand wie nachstehend gewählt: 1. Vorsitzender: Herr Dr. Wolfheim; 2. Vorsitzender: Herr H. Engelhardt; Kassenführer: Herr Dr. Schlochauer; Schriftführerin: Frau Leitner; Keren Hajessod- Kommissar: Herr Dr. Klein; Nationalfonds-Kommissare: Frau Brenner und Frl. Köhler; Dezernent der Jugendgruppe: Herr Poteschmann; Beisitzer: Herr M. Brenner und Herr Auchhiesiger. Vor der Wahl gab Herr Dr. Wolfheim einen kurzen Ueberblick über die geleistete Arbeit in der Ortsgruppe Im Jahre 1929, worauf dem alten Vorstand die Entlastung erteilt worden ist und derselbe zurücktrat. Frankfurt a. M. Am 12. November sprach Dr. Eugen Mayer über ״Begriffliche Grundlagen der zionistischen Fdlitik . Zunächst zeichnete der Redner in großen Zügen ein Bild von der Entstehung und der Entwicklung des Zionismus, indem er einen historischen Ueberblick über seine ideologisehen Voraussetzungen gab. Sodann kam Dr. Mayer auf den jüdischen Volks- und Nationalbegriff zu sprechen. Das in seinem Aufbau überaus klare und ansprechende Referat fand allseitigen Beifall. Dieser Abend bildete einen in jeder Hinsicht befriedigenden Auftakt für die sich ebenfalls auf politischer Ebene bewegenden in der Folgezeit stattfindenden Diskussionen. — Am 3. Dezember nahm Kurt Biumenfeid Stellung zur allgemein-zionistischen Lage. Er kam ausführlicher kritisch auf die Methodik unserer zionistischen Politik zu sprechen und informierend auf die gegenwärtigen Machtverhlltnisse in Palästina. Gegen Ende seines Vortrags streifte der Redner die innerzionistische Lage in Deutschland. Das Publikum folgte mit größtem Interesse den Ausführungen des Redners. — Am 8. Dezember fand ein Propaganda-Seminar statt, in dem Dr. Georg Landauer und Dr. M. Biieski das Palästina-Mandat im Rahmen der englischen OrientpoBtfk behandelten. Den hauptsächlich jugendlichen Teilnehmern wurde wirklich positives Wissen vermittelt — Am 14. Dezemher referierte in einer gutbesuchten revisionistischen Versamntlung Dr. Leo Harry, Wiesbaden, über das Thema ״Krise im Zionismus". Der Redner nahm zu den aktuellen Ereignissen in Palästina Stellung und versuchte den Nachweis, daß die Schaffung einer neuen zionistischen Ideologie nichts anderes bedeute als einen Verzicht auf den Zionismus. Die Ver- Sammlung nahm eine Resolution an, in der schärfster Protest gegen das Verhalten des Herrn Magnes, Kanzler der hebrii* sehen Universität Jerusalem, erhoben wurde, dessen Abberufung gewünscht wird. — Am 22. Dezember veranstaltete der K. K. L. eine Chanukkah-Matinee. Die Veranstalter hatten eine Elite Frankfurter jüdischer Künstler aufgeboten, die den Erschienenen einen großen künstlerischen Genuß bereiteten. Zu bedauern ist, daß wegen der ungenügenden Teilnahme ein finanzieller Erfolg der Veranstaltung nicht zu verzeichnen ist. Ph. R. Liegnitz. Am 19. Dezember d. J. fand die gut besuchte Die hebräische Arbeit Im Rheinland An verschiedenen Orten des Rheinlands existieren hebriisehe Sprachschulen, Kurse oder Kreise, die größtenteils schon ganz beachtliche Erfolge aufzuweisen haben. Dank der unermüdlichen und aufopferungsvollen Tätigkeit einiger hebräischer Lehrer ist es gelungen, aas Hebräische zu einem wichtigen Faktum des jüdischen Jugendlebens zu gestalten. Fast in J«äer Stadt findet sich elhe Anzahl von Maischen, die das Hebräische pflegen. Vieles jedoch könnte noch geschehen, das den Wert des Hebräisch-Lernens ungeheuer erhöhen würde. Zunächst darf auch die Erlernung der Sprache nicht eine trockene wissenschaftliche Angelegenheit bleiben, sondern es ist notwendig, und darin liegt der eigentliche Sinti des Hebräisch-Lernens für uns, daß auch dann schon jüdische geistige Werte in sie versenkt werden. Das bringt nicht nur eine Belebung der Sprache mit sich, sondern gleichzeitig wird der Weg gebahnt, um wieder zu den Quellen jüdischen Fuhlens und Denkens zu gelangen. Es ist der einzige Weg, der uns zu einer stärkeren Verbindung mit dem Leben Erez-Israels führen kann. In einigen Städten werden schon Heimabende teils in Hebräisch und teils in Deutsch veranstaltet. In Essen wurde in einer שיחה über Zwi Schatz gesprochen, seine Biographie und einige seiner Gedichte vorgelesen. Ein andermal hört man, wie Brenner in jener kritischen Zeit, als viele hebräische Schriftsteller resignierten, nach London fuhr, in einer Druckerei arbeitete, um seine hebräische Zeitschrift herausgeben zu können. Das sind bisher immerhin nur Anfänge, die jedoch die Möglichkeiten einer solchen Arbeit aufzeigen. In dieser Richtung gilt es also die Arbeit fortzusetzen. Der zweite Punkt ist eine hauptsächlich technische Angelegenheit, nämlich die Ueberwindung der Isolierung. Man lernt und schafft getrennt voneinander, was eine ungeheure Kräftezersplitterung bedeutet. Durch Zusammenfassung aller dieser Kräfte wurde man um vieles vorwärts schreiten. Es wären dann genügend Ansätze zu einer Hebräischen Bewegung vorhanden, die in jeder Hinsicht befruchtend auf das jüdische Leben wirken würde. In Erkenntnis dieser Lage hat man gelegentlich einer Zusammenkunft aus dem Oau beschlossen, eine Hebräische Tagung für Rheinland und Westfalen einzuberufen, die in Essen am 19. Januar stattfinden soll. Diese Tagung hat nun eben das Ziel, alle Hebräisch- Sprechenden in einer הסתדרות חלוצי תרבות עברית בריינלנד zusammenzufassen und soll den Auftakt zu einer intensiven hebräischen Arbeit bilden. n. g. Hebräische Bücheraussteliung im Beth-Am Iwri. Anläßlich der Chanukkah-Feier des Beth-Am hat die Buchhandlung Rubin Maß, Berlin, eine sehr nette Ausstellung des hebräischen Schrifttums der Gegenwart veranstaltet. Es ist in weiten Kreisen leider unbekannt, wie reich und vielseitig sich die hebräische Literatur in den letzten Jahren entwickelt hat. Wir sahen auf der Ausstellung nicht nur zahlreiche Werke auf dem Gebiete der schönen Literatur, sondern auch wertvolle Ncuerscheinungen auf den Gebieten der jüdischen Wissenschaft, Kinderliteratur, Lehrbücher, Kunstwerke, hebräische Spiele usw. Die vielen Uebersetzungen aus der Weltliteratur fielen besonders auf. Anscheinend ist gerade für diese Literatur in Palästina (das Herstellungsland der meisten ausgestellten Werke) großes Bedt nis vorhanden. Die meisten Bücher machen auch äußerlich du ihre gute Ausstattung einen vornehmen Eindruck, wodurch die ganze Ausstellung ein freundliches Gepräge erhielt. Es wäre sehr wünschenswert, daß solche Ausstellungen auch in anderen Städten veranstaltet würden, um dem hebräisch interessierten Publikum ein Bild von dem Wachstum des hebräischen modernen Schrifttums zu geben. Dr. A. R. Niederlassungsmöglichkeit. In einer Stadt von ca. 40 000 Einwohnern in Sachsen bestehen gute Niederlassungsmöglichkeiten für einen Arzt und einen Rechtsanwalt. Interessenten erhalten Auskunft von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W15, Meinekestr. 10. öffnete die Versammlung," an der als Oast Herr Rechtsanwalt Dr. Jacobsohn, Breslau, teilnahm. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Jahresbericht. Außer den regelmäßigen Zusammenkünften haben zwei größere Veranstaltungen* sattgefunden, die Herzl-Oedenkfder und ein Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Dr. Foerder, Breslau, ״Ueber die lehrten Ereignisse in Palästina". In materieller Beziehung habe die Rasch Haschanah-Aktion ein außerordentlich günstig« Resultat ergeben. Herr R.-A. Dr. Jacobsohn besprach alsdann in außerordentlich klaren und sachlichen Ausführungen die Arbeit in den kleineren zionistischen Ortsgruppen. Die Beschäftigung mit ״der hebräischen Sprache, 1׳die- Iänrl«ht»Bg׳׳ "zuwIMtoeihängender Vortragsthemen und die Besprechung aktueller jüdischer Ereignisse durch Pressereferate müßten die Tagesordnung der einzelnen Abende bilden. An die Ausführungen schloß sich eine lebhafte Aussprache. Die alsdann stattfindende Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender Herr Dr. med. Schuftan, Beisitzer Frau Fraenkei, Herr Dt. Baeck, Herr Dr. Levy. M. B. München. Die Münchener Gruppe des ״Kadlmah", Bund jüdischer Pfadfinder, veranstaltete am Samstag, dem 21. Dezemher 1929, im Cherubin-Saal eine Chanukkah-Feier, die, wie der Leiter der Gruppe in einer kurzen Begrüßungsansprache nach musikalischer Einleitung durch das jüdische Kammer- Orchester ausführte, sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Beziehunen zwischen Eltern und dem Bund enger zu gestalten. Ueber ie Ziele des Gesamtbundes und seine Erziehungsgrundsätze gaben programmatische Erörterungen eines Mitglieds der Bundesleitung erwünschten Aufschluß. Der Abend brachte ferner ein reizendes Singspiel der Mädchengruppen, eine Vorlesung aus der Bibel, teilende Bilder zur Chanukkahgeschichte mit einem witzigen anachronistischen Text und schließlich nach der Pause die ,Improvisationen ite Dezember“, die Aufnahmen zu einem Großfilm ״Der jüdische Pfadfinder“. Zum Abschluß des Abends spielte das Kammerorchester die Einleitung und den Schlußchor aus der Bauernkantate von Johann Sebastian Bach. I Hebräisches Chanukkah-Konzert im Beth-Am Iwri. Vorigen Sonnabend veranstaltete das Beth-Am eine interessante und vollauf gelungene Chanukkah-Feier, die der modernen hebräisehen Kunst gewidmet war. Die palästinensischen Künstler Bracha Zphira, Nachum Nardi und R. Zwi haben sich zu diesem Zwecke freundlich zur Verfügung gestellt und vertraten würdig die aufstrebende hebräische Kunst. Im Namen des Beth-Am begrüßte Dr. S. Rawidowitz in warmen Worten die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste, die die kleinen Räume des Beth-Am kaum fassen konnten. Die anmutige Künstlerin Bracha Zphira, eine Yemenitin aus Palästina, versetzte durch ihre orientalischen Gesänge, die sie in orientalischer Tracht vortrug, durch ihre lebhafte Mimik und ihr überschäumendes, dennoch beherrschtes Temperament alle Anwesenden in helle Begeisterung. Besonders gefielen die Volks- und Kinderlieder, die sie meisterhaft interpretierte und stürmische Ovationen hervorriefen. Die junge Künstlerin gewann an diesem Abend durch ihre eigenartige Vortrags- und Darstellungskunst und das bisher in Europa nicht gepflegte Genre yemenitisch-orientalischtr Volkslieder eine große uemeinde von Verehrern, die ihrem demnächst stattfindenden Konzert mit Spannung entgegensehen. In dem Klaviervirtuosen Nardi, der auch die Musik zu den Volksliedern komponiert hatte, fand die Künstlerin einen verständnisvollen Begleiter. Er brachte auch die 12. Rhapsodie von Liszt meisterhaft zu Gehör und fand großen Beifall. R. Z w i, der bekannte Schau- Spieler des hebräischen Arbeiter-Theaters ״Ohel“, rezitierte aus neuester hebräischer Literatur. Die Freunde des hebräischen Theaters und der hebräischen Kunst warteten schon seit langem auf die Bekanntschaft mit dem Künstler Zwi, der sich seit Monaten ni Berlin zu Studienzwecken aufhält. Sein erstmaliger Auftritt war ein großer Erfolg. Der sympathische und begabte Künstler erntete durch die Wucht seines Vortrages, die Klarheit seiner Diktion und den Wohlklang seiner Worte jur belnden Beifall und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf die kunstfreudige hebräische Gemeinde. Alles in allem — ein vorzüglicher Abend. Mehr Abende dieser Art! Schade nur, daß die Räume des Beth-Am zu eng sind. Sollte es nicht möglich sein, hierin Wandel zu schaffen? Dr. A. Rosenfeld.