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Jüdische Rundschau · 1930-01-10 · Heft 3 (10.1.1930) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 3 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 20 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3, 10. L 1030 müssen wir durch Tempo ersetzen, was uns an äußeren Mitteln fehlt, durch Zuversicht und Charakter. Wir haben die von uns aufgestellten Grundsätze auch dann zu bewahren, wenn sie sich gegen uns wenden. Wir müssen die von uns aufgestellten Prinzipien der Oeffentlichkeit, der Gleichberechtigung aller Oruppen? der völligen Gewissensfreiheit auch dann eobachten, wenn wir in die Lage kommen, sie zu unseren Gunsten verletzen zu können. Nur durch Echtheit und zionistischer Auf• richtigkeit werden wir unseren Platz erobern und behaupten. Für uns kann es sich nicht um eine Befriedigung persönlicher Ambitionen handeln. Wir dürfen niemals den Versuch machen, uns eine zionistische Ersatzwelt zu schaffen. Findet eine Trennung zwischen den direkten und indirekten Tätigkeitsgebieten des Zionismus statt, so muß notwendig in unserer Gemeindepolitik eine zionistisch unerträgliche, nur mit Tages• sorgen erfüllte Geschäftigkeit eintreten, die in einer das jiidisehe Leben revolutionierenden zionistischen Bewegung nur den unangenehmen Begleiter und Mahner erblickt. 8. Zur Frage der Presse eine Anmerkung: So wichtig populäre Organe sind, unsere offizielle Parteipresse muß ihr Niveau halten. Sie hat auf die verantwortlichen und führenden Zionisten zu wirken, sie hat die Idee gegenüber der jtidisehen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit zu repräsentieren, sie muß in allen Teilen die höchste uns nur erreichbare Höhe halten, sie muß frei sein von Sensationen, sie muß ernst sein und das zionistische Pathos muß in ihr phrasenlos und unbanal zum Ausdruck kommen. Diese Bemerkungen widersprechen nicht der Forderung nach Ausgestaltung und Er* gänzung der Jüdischen Rundschau, in der insbesondere die Fragen der jüdischen Galuth-Entwicklung mehr als bisher berücksichtigt werden müssen. * Die zionistische Bewegung in Deutschland ist nicht schwächer geworden, sie hat an Bedeutung gewonnen. Das Ansehen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland innerhalb der jüdischen Welt ist durcli die innerzionistischen Kämpfe nicht erschüttert worden. Es könnte noch größer sein, wenn die dissentferenden Gruppen von höherem Verantwortung*- gefühl gegenüber dem wert der eigenen Organisation erfüllt wären lind es nicht für zweckmäßig hielten, unserer Organisation in politischen Kämpfen immer wieder nachzusagen, daß sie ungeeignet sei, die großen zionistischen Aufgaben zu erfüllen. Die Leitung der 1~ V. f. D. ist seit Jahren der Uebung treu geblieben, niemals über Erfolge großsprecherisch zu berichten. Wir haben versucht, unsere Pflicht zu tun und überlassen es Ihnen, ein Urteil darüber abzugeben, ob wir den zionistischen Erfordernissen Genüge getan haben. Wir haben uns bemüht, allen denen einen Hatz zu geben, die imstande sind, unser Leben neu zu gestalten und ihm neue Menschen und geistige Welten zu gewinnen. Wir waren nie bestrebt, wirkende Persönlichkeiten zu uniformieren und einem bestimmten System dnzufügen. Wir wollen die zionistische Welt durch die Eingliederung schaffender geistiger Kräfte reicher machen und wollen allen suchenden und arbeitenden Zionisten In unserer Organisation einen Rückhalt geben. (Beifall.) * Nach Blumenfelds Referat wird unter Vorsitz von Benzlcn יי e 11 die Debatte eröffnet. Prof. Pick (Misrachi): Ich habe es abgelehnt. In der poütischen Debatte zu sprechen, weil der Misrachi nicht in erster Linie eine politische Gruppe Ist, sondern eine Bewegung sül 'generis darsteilt. Alle Fragen politischer oder sozialer Natur sind bei uns dem national-religiösen Ideal untergeordnet Daher hat dar Misrachi in seinen Reihen Gruppen, die zum Erith Schalom neigen und sogar auch so!ehf,״dir; mit ,de» . Revisionismus sympathisieren. Aber wenn wir nach außen auftreten, dann wollen wir mir das sagen, was für unsere Gesamtheit gilt, und das erschwert natürlich eine offizielle misrachlstiscne Stellungnahme in einer außenpolitischen Debatte. Ich persönlich hatte die Ehre, an den Beratungen der politischen Kommission in London teilzunehmen, und habe dort Stellung genommen. Für die Rede, die Weizmann hier gehalten hat, hatte man die Ueberschrift finden können: Ich bin traurig, daß ich mich von dir trennen muß. Weizmann hat das so geschickt gemacht, daß viele es nicht bemerkt haben. Auf die Fragen der Z. V. f. D. übergehend, beklagt der Redner, daß die Z. V. f.D. einem großen Teil unserer Aufaben verständnislos gegenübersteht. Der innnerpolitische Kurs er Z. V. f. D. müsse methodisch und prinzipiell anders werden. Wenn Abstimmungen nötig sind, wie die auf diesem Delegiertentag, dann müsse irgend etwas nicht in Ordnung sein. Redner sieht auf dem Standpunkte, daß nur eine Koalition aut breitester Grundlage geeignet sei, die Geschäfte der Z. V. f. D. richtig zu führen. Die Kollenscher-Gruppe müsse zur Mitarbeit nerangezogen werden. Man darf nicht vergessen, daß sie bei den Gemeindewahlen in Berlin über 18 000 Stirnmen zu sammeln verstand. Wir müssen eine Einheitsfront bei uns selbst und eine einige Front mit Erez-Israel hersteilen. Dr. Kanowltz (L. Z.): Wer die große, einzigartige Debatte des gestrigen Tages erlebt hat, wird erkennen, daß es unmöglieh ist, die Kongreßpolitik zu einem Anhängsel der Z. V. f. D.- Politik zu machen. Die Debatte des gestrigen Tages, die Beschlüsse, die zu diesem Thema gefaßt worden sind, sind ein immanenter Bestandteil des deutschen Zionismus. Heute müssen wir zu den einzelnen Arbeitsgebieten der Z. V. f. D. Stellung nehmen. Von der Opposition ist behauptet worden, daß die bisherige Leitung der Z. V. f. D. ein׳* enge Clique war. Wenn Sie die linke Seite dieses Hauses ansehen, die durch die augenblickliche Leitung der 2. V. f. D. im vvesent* liehen repräsentiert wird, nachdem die Oppositionsparteien aus der Leitung ausgeschieden sind, so werden Sie zu dem Resultat kommen, daß diese Leitung sich auf Gruppen stützt, die auch heute noch an der zionistischen Arbeit in Deutschland einen außerordentlichen Anteil haben. Es ist überflüssig, darauf hinzuweisen, daß auch die Gruppen der Opposition an der Arbeit der 7. V. f, D. in denkbar großem Umfange teilnahmen, und wir wollen lind können auf diese Kräfte nicht verzichten. Aber heute stellen die Gruppen der ״Regierungs• partei“ noch einen überwiegenden Anteil an dieser Arbeit, unter den Fragen, die uns in der kommenden Periode beschattigen, wird die Gemcindearbeit eine große Rolle spielen. Die Erfolge, die u nsere Vertreter in der Gemeinde erringen, erringen sic als Beauftragte des deutschen Zionismus, gestützt auf unsere politische Arbeit, auf unsere Presse, auf unseren Einfluß und auf das Wachsen unseres Werkes in Palästina. Es muß also hier eine unbedingte Einheit zwischen unserer zionistischen Arbeit und unserer Gemeindearbeit bestehen. Heute versuchen die führenden Männer der jüdischen Volkspartei oft ihre Erfolge in der Gemeindearbeit gegen die Leitung der Z. V. f. D. auszuspieien. Das führt dazu, daß wir uns fürchten müssen, Männer der Opposition in die Gemeindearbeit zu entsenden, weil ihre Erfolge als Argumente gegen die Leitung der Z. V. f. D. benutzt werden können. Dieser Zustand der Rivalität auf diesen» Gebiet muß beseitigt werden. — Große Bedeutung wird in der kommenden Periode dem Aufbau der Agency zukommen. Di• Gefahren der Agency-Poiitik kannten wir von vornherein, eine wird jetzt besonders deutlich: daß die nichtzionistische Jugend, die sich zur Agency bekennt, ihre Zugehörigkeit zur ״Agency schon als höchsten Grad ihrer Palästinaverbundenheit empfindet. Palästina braucht aber nicht Palästina-Freunde, sondem Palästina-Fanatiker. Wir müssen daher den Versuch machen, die palästinafreundliche Jugend zu Zionisten zu machen. Dr. Sandler (U.Z.) : Bei aller persönlichen Hochschätzung 1 von Dr. Weltsch — ״sein Banner hat nie geschwankt“ — beklagen wir die psychologisch ganz verfehlte Tonart, in der die ״Jüd. Rundschau“ auf die Missetaten der Araber reagierte. Er hält sich für den Realpolitiker, uns aber, die wir in der Frage der Schaffung autonomer Regierungsformen in Palästina mit weizmann, fast dem ganzen Jischuw einschließlich der Arbeiterschaft, fast der ganzen Zionistischen Organisation und auch mit der englischen Regierung einig gehen, für Illusionisten. Er hat den Trennungsstrich zwischen sich und dem Brith Schalom nicht gezogen. (Weltsch bestätigt das,) Er sprach von jüdischen Provokationen wie anfangs der ״Israelit“, der aber wieder von seiner Ansicht abkam und von der Selbstbezichtigung der ״Jüd. Rundschau“ ״erschüttert“ war. Wir wollen keine ״neuen Ziel- Setzungen“ wie Blumenfeld und Weltsch, sondern wünschen kraftvolle Betonung der uns gewährleisteten Rechte, wir verlangen ferner ein abwartendes Verhalten bezüglich der Verhandlungcn über das Parlament. Wenn Blumenfeld hier der Gruppe der viel die wenig Arbeitenden gegenüberstellte, so übersieht er, daß wir, die wir als Spezialisten ein Sondergebiet, die Gemeindearbeit, übernommen haben, für sonstige zionistische Betätigung wenig Zeit übrig haben. Auch fehlt uns zur Propagierung unserer abweichenden Anschauungen der Apparat, der anderen zur Ver• fügung steht. Der Tätigkeitsbericht der Z. V. f. D. enthält nur wenig über Kulturarbeit, die ist uns überlassen worden. Redner geht aut die Berliner Schulpolitik und andere Erfolge der zionistischen Gemeindepolitik ein und weist darauf hin, daß dieser Arbeit das Zustandekommen der deutschen Jewish Agency zu danken sei, da sie der Vertretung der bedeutsamsten deutsehen Organisationen, der Berliner Gemeinde und des Gemeindebunds, im Initiativ-Comitö erst ermöglicht habe. Auch wir halten die Bündnispoiitik für notwendig. Aber außer dem ״geschulten Kreis“, der Kerntruppe, brauchen wir die jüdischen Massen. Für sie sollen die Tore der Organisätion weit geöffnet werden, es muß Volkspolitik getrieben werden, in dieser Beziehung hat die Z. V.f. D. versagt- Auch die ״Jüd. Rundschau“ hat diesem Ziele nicht gedient, sie hat ihre Aufgäbe vielmehr darin gesehen, die Politik der Exekutive zu beeinfiussen. Wir wollen nicht zur Sekte erstarren, sondern das jüdische Volk erobern. Die Leitung der Z V.f.D. darf nicht durch eine Gruppe oder mehrere Personen einer Gruppe reprlsentiert sein, sondern durch Vertreter der Koalition der verseniedenen Gruppen, die die Vereinigung zusammensetzen. Alfred Berger (Hitachduth u. Soz. Zionisten): Ich verzichte darauf, die Ausführungen Dr. Sandlers zu widerlegen, weil ein Delegiertentag andere Aufgaben hat als eine Wahlversammlung. Zur Debatte des gestrigen Tages möchte ich sagen, es Ist mit Recht betont worden, daß zwischen der *Auffassung meiner Genossen und Dr. weizmann eine wesentliche Differenz besteht, die wir nicht vertuschen wollen; wir freuen uns aber auch, dabei feststellen zu können, daß das, was Weizmann als Grundanschauung vertreten hat, mit der unsern übereinstimmt. Ich hoffe, daß auch die ״Jüdische Rundschau“ nicht erlahmen wird in ihrem Kampf für den Verständigungsgedanken. Man hat auch darauf hingewiesen, daß zwischen Berl Kaznelson und uns eine Differenz vorhanden ist; sie ist auch vorhanden zwischen uns und unsern poalezionistisehen Freunden. Wir werden diese Meinungsverschiedenheiten im eigenen Lager austragen und wir werden mit unsern Chawerim in Palästina und außerhalb Palästinas auch weiterhin untrennbar verbunden sein, wenn wir auch auf diesem Gebiete eine eigene Meinung vertreten. Es gibt aber auch andere Fragen, die Aufgaben des Deiegiertentages bilden sollten, wie Aiijah, Chalunuth usw. Diese Fragen sind für uns das wichtigste, und ich bitte, sie nicht durch Sympathieerklärungen abzutun. Die Chaluzbewe- ■; gung in Deutschland m.t!#»i|'#pi1i.l0'4ftI®ef<*':,*׳fIW€elÖrde|t werden. Dazu muß man vor allem den Finänzf ragen des Chäluz größere Aufmerksamkeit widmen. Uebergehend auf die Gemeindearbeit betont Redner, er wisse genau, wieviel auf diesem Gebiet erreicht wurde, besonders auch in Berlin. Aber niemand darf sich einbilden, daß irgendeine Gemeiadefraktion zur Bedeutung käme ohne die Z. V. f. D., ohne eine starke zionistische Bewegung in Deutschland. Die beiden Dinge müssen untrennbar verbunden sein. Wenn Dr. Sandler sagte, ״Wir haben Euch die Agency gebracht“, so will ich jetzt dagegen nicht polemisieren, aber ich wehre mich gegen dieses ״Wir“. Zur Oemeindearbeit haben wir noch wichtige Forderungen, insbesondere erwarten wir einen wesentlichen Aufbau auf sozialem Gebiete. Die Gemeindekommission muß aktiver werden als bisher. Redner beschäftigt sich dann mit der zionistischen Propaganda in sozialistischen Kreisen, die erfreulicherweise gerade In der letzten Zeit Erfolge gehabt hat. Wir wollen, daß in Deutschland eine starke Zionistische Vereinigung besteht und kein ״Dachverband“. Innerhalb der Z. V. f. D. wird es immer Meinungsverschiedenheiten geben, aber unmöglich ist jetzt, einfach herauszugehen, wenn einem etwas nicht paßt. In der Abendsitzung wird die Debatte fortgesetzt. Den Vorsitz führt Dr. K a I m u s, dann Dr. W 01 f h e I m. Dr. Halpern erklärt, er lebe zu kurze Zeit in Deutschland, um zu den Fragen der Arbeit in Deutschland Stellung nehmen zu können. Auf die Debatte des ersten Tages zurückkommend, müsse er feststellen, daß man in Deutschland die Neigung habe, zuviel ״Nuancenunterschiede“ anzuerkennen. In Weizmanns Instruktion an Sacher steht kein Wort von den Arabern. Es ist darin gesagt, wie inan sich zu den Engländern zu stellen iiabe, denn mit den Engländern haben wir einen Vertrag, mit den Arabern nicht. Die Politik einer Verständigung mij den Arabern kann nur auf der Basis von Ver- Handlungen mit England, unserm Vertragspartner, geführt werden. Ich möchte die Beruhigung haben, daß man diesen Gesichtspunkt wahrt. Bei diesen Verhandlungen muß ein Punkt unerschütterlich bleiben: die Immigration. Wenn es einen arabischen Weltsch gäbe, so könnte ich mir vorstellen, daß unser Weltsch mit ihm verhandelt. Es ist aber sehr schwer, mit dem Mufti sich an einen Verhandlungstisch zu setzen, wenn bei uns die Atmosphäre eines Weltsch vorherrscht. Ich nehme an, daß man die ״Jüdische Rundschau“ bei den Arabern liest. Wenn man der Welt die Rede mitteilt, die Weltsch gestern gehalten hat, so schadet das nicht, weil die Welt darauf nicht allzu sehr achtet. Man liest aber diese Artikel, und das weiß Ich sicher, im Foreign Office. Und da wird die Sache bedeutungsvoller. Man kann zu große Qualitäten für einen Journalisten haben; ein guter Publizist ist noch lange kein richtiger Journalist. Ich weiß nicht, was Weltsch in den nächsten Monaten schreiben wird, er wird aber sehr vorsichtig sein müssen. Wir sind in einer äußerst schwachen Position und wir müssen uns davor hüten, daß man in der Weit einen Zionismus gegen den anderen auszuspielen vermag. Darum ist eine Verstärkung gegenüber der Außenwelt unbedingt notwendig. Koalition ist die beste Form zur Herstellung einer zionistischen Einheitsfront. Dr. Arnsberg (Rev., Frankfurt a. M.), verlangt Steilungnähme zu der immer wachsenden antisemitischen Bew t'gun g. Wir können das nicht allein dem C.-V. überlassen. Wir dürfen nicht daran vorübergehen, daß eine Menge kleiner Existenzen gefährdet sind und müssen auch in dieser Frage Agcncy-Poiitik betreiben. Wir müssen den Juden das Empfinden bfibringen, daß wir uns um ihre Nöte bekümmern. Die Arbeit der Gemeindcpolitlk ist in diesem Sinne zu ergänzen. Unsere Gemeindepolitik entspricht vielfach nicht den Erforder- »rissen zionistischer Ideologie. Der Gemeindekommission der Z. V. f. D. müssen Einflußmöglichkeiten in dieser Hinsicht gegeben werden. W*$ die Frage der zionistischen Zielsetzung betrifft, so könne eine revolutionäre Bewegung nur dann arbeiten, wenn sie in der Lage ist, das Endziel verständlich zu machen. Ziellosigkeit ist der Grand, warum wir Mangel an Nachwuchs und Chaluzim haben. Eine Verfassung mit ״zwei Staatsnationen“ ist unmöglich. Möglich ist eine Staatsnation und eine Minderheitanation, allerdings ohne Unterdrückung. Unser historisches Recht auf Palästina muß sich auch auf Transjordanien erstrecken. Der wirkliche Friede ist nur möglich, wenn die Judenfrage gelöst ist, d. h., wenn der Minderheitszustand des jüdischen Volkes überwunden ist. Benzion Fett (Radikaler) äußert sich zur Gemeindepolitik. Dr. K&nowitz gehört im stärksten Maße zu denjenigen, die auf diesem Gebiete seit Jahren die Politik der Nichtarbeit vertreten. Qie Meinekestraße hat sträflicherweise die Fragen der Galuth Vernachlässigt. Nur diesem Umstand ist ,f'vÄizuschreiben, daß sich ein Gebilde wie die Volkspartei; *ftark entwickeln konnte. Es hat sich die Vorstellung herausgfMet, daß man Gemeindepolitik nur sub specie Berlin betmpen könne. Die Schuld an dieser Entwicklung trägt die Z. V. f. D. Nun haben sich auf dem Boden dieser Gemeindepolitik Kämpfe entwickelt. Wenn wir nicht die Berliner Gemeindearbeit hätten, so hätten wir auf diesem Delegiertentag auch keine Gruppe der Unabhängigen Zionisten. Das Berliner Beispiel hat in der Provinz Schule gemacht, und wir mußten erleben, daß in manchen Provinzorten die Politik der Volkspartei zur antizionistischen Gemeindepolitik geworden ist Man hat sich dort das Gesetz des Handelns von den Liberalen vorschreiben lassen. Mit dem Gebilde der Jüdischen Volkspartei muß gebrochen werden. Redner kommt auf die Frage von Ost- und Westjuden zu sprechen. Man muß der Zionisierung der Ostjuden größere Aufmerksamkeit zuwenden. Bisher ist in dieser Hinsicht noch immer nicht genügend geschehen. Die zionistisehe Offensive darf auch vor den Toren des zionistischen Teiles der Jewish Agency nicht Halt machen. Redner hat den Eindruck, daß man den Geist der zionistischen Offensive aufgegeben hat, Die Zionistische Organisation darf unter keinen umständen eine schlappe Politik gegenüber den Liberalen führen. Der Geist der Offensive muß dem Zionismus wiedergewonnen werden. Kareski (Unabhängige Zion.): Ob man an einem Orte unter der Flagge der Jüdischen Volkspartei oder der Z. V.f. D. in den Gemeinde-Wahlkampf ziehen soll, ist eine Frage, welche nicht generell entschieden werden kann. Blumenfelds heutige Rede gab zu Entgegnungen keinen Anlaß. Berger jedoch hat versucht, grundsätzliche Unterschiede zwischen ihm und uns nachzuweisen. Aber dieser Nachweis ist ihm nicht gelungen. Wenn er glaubt, daß wir uns darin unterscheiden, daß Gemeinde- Politik ohne zionistische Arbeit unmöglich ist, so muß ich Herrn Berger dieses Patent wegnehmen. Unsere Gemeindepolitik ist ein Ausfluß unserer zionistischen Gesinnung. Kanowitz hätte eine so abrupte unnötige Diskussion, zu der doch keine Zeit bleibt, nicht beginnen sollen. Auch er hat es so dargestellt, als ob große Unterschiede zwischen Gemeindearbeit und zionistischer Arbeit bestünden. Er hat gesagt, daß der zionistische Partei-Apparat uns gedient habe und uns die Wahlsitze verschafft habe. Wir erkennen das nicht an, weil es nicht wahr ist. Jahrelang ist die Gemeindearbeit bagatellisiert worden und wir haben uns bemüht, das Verständnis dafür zu wecken. Erst als wir den Erfolg hatten, ist man hinterher gekommen, aber auch da hat man sich nicht gefreut, sondern begonnen zu mäkeln, ln den letzten zwei Jahren allerdings hat sich das Verhältnis erfreulicherweise gewandelt. Wir haben alle Wünsche der Gemeindekommission befolgt und alle Resolutionen vorher der Leitung der Z. V.f.D. zur Billigung vorgelegt Sie haben uns erst dadurch, daß Sie unsere Erfolge kleiner d«rzustelkn suchtem, |1!r Abwehr gezwungen. Wenn darauf Angewiesen wurde, v om-der •Bäke Flügel lei uns alchf genügend.»»*■ Geltung, kommt, dann frage ich Sie, wem sagen Sie das angesichts der unge־» heuren Steigerung des Gemeinde-Etats für soziale und kulturelle Zwecke? Wir haben uns bemüht, den Rahmen der Gemeindepolitik soweit wie irgend möglich zu spannen, weil wir wissen, daß die Gemeinde nur wert ist zu existieren, wenn sie sich bereift als einen Bestandteil des jüdischen Volkes. Ich sehe nicht ie grundlegenden Tendenzen, die uns trennen. Konformität der Meinungen gibt es nicht, aber wir haben in der Volkspartei keine grundsätzlichen Differenzen mit unseren linken Vertretern. Wenn wir die Gemeindestube erobern wollen, brauchen wir eine Politik, die getragen ist von dem lebendigen Pulsschlag des jüdischen Volkes. Unsere Macht beruht darauf, daß die Masse empfindet, daß unsere Politik wahre jüdische Volkspolitik ist. Die Eroberung der Gemeindestube wird sich in unserer Zeit vollziehen. Ich hoffe, daß der gesamte Instinkt des deutschen Zionismus ihn davor bewahren wird, die Machtstellung, die er sich in lOjährigem Kampfe erworben hat, selbst zu zertrümmern. Dr. Epstein (Duisburg): In unserer Organisation wird seit Jahren ein Kampf über die Frage Volkspartet als Partei eigenen Rechts und Gemeindearbeit als Teilgebiet zionistischer Betätigung ausgekämpft. Der Volkspartei־Imperialistmis hat den Drang, sich unabhängig vom Zionismus zu machen. Man will nicht Anhängsel der Zionistischen Organisation sein. Es ist interessant, daß Herr Fett erklärt hat, weil wir keine richtige Oemeindepolitik hätten, deshalb hätte sich die Gruppe def Unabhängigen allgemeinen Zionisten gebildet. Das ist eine merkwürdige politische Grundlage für die neue Parteibildung. Gerade die verantwortlichen Leiter der angeblich schlechten Oemeindepolitik sind die Führer dieser Gruppe. Es läßt sich eben auch Gemeindearbeit nicht treiben, wenn inan sich von zionistischer Arbeit im übrigen absentiert. Wir haben jetzt ein Gemeindeprogramm und eine Gemeindekommission. Doch sind die Gegensätze geblieben. Wir können uns nicht auf Reformen in der Gemeinde beschränken, sondern müssen neuen zionistischen Geist in die Gemeinde bringen. Der Beitritt zur Volkspartei ist in jeder Hinsicht billig. Es besteht die Gefahr der Aushöhlung des Zionismus. Die Gemeinde- Kommission hält das Programm nicht ein. Sie genehmigt überall die Gründung von Volksparteien, die nur seltene Ausnahmen sein dürften. Die Kommission besitzt keine Autoritat. Nicht einmal bei ihren eigenen Mitgliedern, die in ihren Gemeinden gegen unsere Grundsätze verstoßen. Unerträgliche Kompromisse sind an der Tagesordnung. Der Misrachi hat offen die Auflehnung gegen unser auch von ihm angenommenes Gemeindeprogramm in seiner Tagung vom Februar 1929 erklärt Die Kommission leistet schlechte Arbeit. Der Vorstand der Fraktion im Landesverband ist nicht besser. Es fehlt Ihm an Initiative, er hält keine Fühlung mit seinen Mitgliedern. Eine schwere Vernachlässigung seiner Pflichten erab sich aus dem ministeriellen Erlaß vom 14. August d. J,, en man trotz rechtzeitiger Warnung einfach über sich ereben ließ, und der den Ostjuden die ihnen seit 1847 in reußen gleich den Inländern zustehenden Rechte in der Gemeinde raubt. Redner spreche nicht zu polemischen Zwecken egen eine bestimmte politische Richtung im Zionismus, sonern, wie er es seit vielen Jahren tue, gegen die verantwortliehen Leiter der Gemeindearbeit. llberg, Braunschweig (Hitachduth): Kareskis Gruppe hat leider für die Dinge, die unser Hauptinteresse bilden, wenig übrig. Ein Beispiel hierfür ist der Hechaluz. Für den Redner sind in Deutschland Aiijah und Haehscharah die wichtigsten Dinge. Warum hört man so wenig davon? Er kündigt einen Antrag in dieser Hinsicht an. Man müsse sich ganz wesentlieh mit Aiijah und Haehscharah beschäftigen und im ordentliehen Budget einen Posten für die Aiijah eiasetzen. Neue

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