Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1930)
- Date
- 1930-01-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2, 7.1. 1930 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 Art der Darstellung. Wenn Ich dasselbe sage wie Dr. Weltsch, so klingt es doch anders. Wohl übernehme ich die formale Verantwortung, aber es ist doch klar, daß wir dabei mir in der Grundhaltung einig sein müssen. Wenn ich Reilakteur wäre, würde ich z. B. mit großer Deutlichkeit von Personen und Aeußerungen abrücken, von denen Dr. Weltsch sich nicht distanziert. Das Verhalten von Dr. Magnes ist übrigens auch in der ״Rundschau“ in einem offiziellen Artikel scharf getadelt worden. Meine Meinung z. B. über die Stellungnähme von Dr. Magnes und über manche Aeußerungen palästinensischer Freunde, die sich in gleicher Richtung Dewegen, habe ich niemals verheimlicht Sie kennen meine Meinung aus zahlreichen öffentlichen Vorträgen. Es gibt eine Reihe von Einzelfragen, in denen man auch meiner Meinung nach sehr verschiedener Ansicht sein kann. Und ich gestehe offen, daß ich mir die Behandlung mancher Fragen anders gewünscht hätte. In den wichtigsten politischen Fragen gab es aber eine weitgehende Uebereinstimmimg, Im übrigen glaube ich nicht, daß gerade die Opposition ein Recht hat, gegen Dr. Weltsch mit solcher Heftigkeit aufzutreten. Nach dem letzten Delegiertentag haben wir mit Zustimmung von Dr. Weltsch eine Redaktionskommission gewählt, die gemeinsam mit dem Redakteur die politische Linie bestimmen soll. Dieser Kommission gehörte u. a. Dr. Goidmann an. Sie hatten also damals alles, was Sie heute als neue Forderung erheben. Leider ist es mir nicht gelungen, diese Kommission zur Arbeit . zu bewegen. Nach wenigen Sitzungen entschlief sie. Es scheint aber doch leichter zu sein, die Redaktionsführung nachträglich zu kritisieren als ständig beratend mitzuarbeiten und die Richtung des Blattes zu beeinflussen. Es ist doch klar, daß ein Redakteur, der eine Persönlichkeit ist, im politischen Kampf und gerade in schwierigen Zeiten nur seine Linie verfolgen kann, und daß auch er ein Recht hat wie jeder kämpfende Politiker mit einer gewissen Einseitigkeit seinen politischen Leitgedanken zu unterstreichen, fiese Kommission hätte beim Ausbruch der Unruhen erneut zusammentreten können. Jeder hätte mit dem anderen um seine Ansicht gerungen und jedenfalls wäre ein solches Verhalten besser gewesen als das Weglaufen von der Verantwortung für die Z. V. f. D. Die politische Hauptfrage, in der ich mich mit Weltsch decke und die ich schon früher berührt habe, ist die Frage des sogenannten ״binationalen Staates“. Es ist grundfalsch, heute so zu tun, als ob es sich im wesentlichen um einen taktischen und nicht um einen grundsätzlichen Gegensatz handeite. Die Frage, wann man mit den Arabern verhandelt, ist nicht geeignet, eine Spaltung im Zionismus herbeizurufen. Die Entscheidung dieser Frage liegt ausschließlich bei der Exekutive. Sie hat die Verantwortung dafür, den richtigen Augenblick nicht zu verpassen. Die Geister scheiden sich aber, wenn das Problem Judenstaat oder Zweinationalitäten־ Staat behandelt wird. Ich stelle fest, daß niemand, der hier gesprochen hat, ein Ziel erstrebt, das mit dem alten Judenstaatsbegriff identisch ist. Goldmann hat den Judenstaat einen sentimentalen Begriff genannt und auch Lichtheims Judenstaatsideologic hat mit dem eigentlichen Judenstaat nicht mehr so sehr viel zu tun. Versuchen Sie aber nicht den Eindruck zu erwecken, daß den Judenstaat, d. h. den Staat, in dem die Araber sich mit nationalen Minderheitsrechten begnügen müssen, niemand erstrebt Gewiß sind die Vorstellungen, die mit diesem Judenstaat verbunden werden, unklar genug. Aber diese Unklarheit ist immer mit der Vorstellung einer prävalierenden politischen Machtposition verbunden, die der Stellung der Staatsnation eines europäischen Nationalstaates alten Stils entsprechen soll. Berufen Sie sich nicht auf HerzL In Herzls Schriften kam das Wort Araber nicht vor. Er hat das palästfnensische Nationalitätenproblem nicht gekannt und nicht kennen können. Begnügen Sie sich auch nicht mit dem Zugeständnis begrenzter, von uns zu bestimmender Rechte für die arabische Nation. Unser Freiheitsbegriff, der seine volle Aus- Wirkung verlangt, kann es nicht ertragen, daß wir die nämliehe Freiheit nicht auch dem arabischen Volke zubilligcn. Wir wollen das Palästinamandat dem Wortlaut und dem Geiste nach ausgeführt sehen, aber wir glauben, daß die Erfüllung aller unserer Wünsche vereinbar ist mit der nationalen Freiheit der arabischen Nation. Balfour-Deklaration und Mandat erstreben das Jüdische Nationalheim in Palästina. Mit voller Deutlichkeit sei jedoch betont, daß wir unter keinen Umständen eine quantitative Bagatellisierung unserer Sache dulden können, daß es für uns keine Verhandlung über das zulässige Maß der Einwanderung geben kann. Die Frage der Alij ah ist die Kernfrage des Zionismus. Da wir keine Konzession in den Einwanderungsquoten machen können, kann es auch kein Mißverständnis über unsere Stellung zu einer zukünftigen Majorität in Palästina geben. Wir begrüßen die Instruktionen, die von der Exekutive an Sacher gegeben wurden. Auch wir hoffen, daß wir einmal die Mehrheit im Lande sein werden; aber diese Mehrheit soll nur unsere Sicherheit und nicht eines Anderen Unsicherheit bedeuten. Ungern nur spreche ich über die sogenannten letzten politischen Ziele. Wir haben den Augenblick und den nächsten fahren gerecht zu werden und müssen uns heute mit einer allgemein gerichteten Formel für unser politisches Zukunftsbild begnügen. Wir wissen, daß es auch politisch entscheidend auf die im Zionismus ruhenden dynamischen Kräfte ankommt. Es war mir interessant, daß es in dieser ganzen Debatte, in der man sich über die Ziele unterhielt, kein Wort über Wege und Mittel gab, es sei denn, daß man das ״Geldgeben‘‘ verächtlich zu machen versuchte. Auch wir berufen uns auf unser Recht. Die Behauptung, daß irgendwo und irgendwer aus unserem Kreis sfuf das Mandat und auf die Durchführung des Mandats verzichtet hätte, ist eine Verleumdung. Sprach man von ״neuen Zielsetzungen“, so meinte man die Ablehnung eines heute von niemand politisch ernsthaft durchdachten Judenstaatsbegriffes, der in Wahrheit schon vom I. Zionisten-Kongreß im Baseler Programm abgelehnt worden ist. Wir hielten es für richtig, fußend auf der Resolution des XII. Kongresses, mit aller Entschiedenheit unsere grundsätzliche Auffassung von der Notwendigkeit eines modus vivendi mit dem arabfsehen Volk nachdrücklich zu vertreten. In meiner Resolution sind unsere Forderungen und Auffassungen deutlich enthalten. Ich habe auch alle solche Forderungen aufgenommen, die von vielen für Selbstverständlichkeiten erklärt werden, da ich ge•! merkt habe, daß man bei uns meist das für selbstverständlieh hält, was zu sagen jemandem in Wahrheit unangenehm ist. Wenn wirklich alle Gruppen für eine vernünftige aktive Arahcrpoiitik eintreten, wie wir sie schon in den Beschlüssen der Z. V. f. D. kurz nach den Unruhen in Palästina gefordert haben, so könnte die überwältigende Mehrheit für meine Resolution eintreten. Wie immer bleibt die Erörterung der Frage offen, wie wir im gegenwärtigen Augenblick die zionistische und jüdische Welt zum Höchstmaß ihrer Kraftentfaltung zu bringen vermögen. Man müßte untersuchen, ob wirklich die proklamierte Judenstaatsforderung dem Zionismus zur Blüte verholfen hat und verhelfen kann. Der Artikel von Ernst Simon in der letzten ״J. R.“. der vielleicht politisch nicht beweiskräftig ist, liefert einen vollgültigen Beweis dafür, daß der Zionismus zu seiner inneren Kraftentfaltung den Judenstaatsbegriff niemals gebraucht hat. Ohne Schaden für die Stärke der zionistischen Bewegung haben Nordau und Woifsohn unter dem Eindruck der jungtürkischen Aera den Judenstaat fallen gelassen. Der Zionismus blühte damals und heute durch das Freiheitsgefühl der Juden, die das Galuthleben ablehnen. Ein Empiriker müßte übrigens feststellen können, ob in den zionistischen Verbinden, in denen das Judenstaatsideal gepflegt wird, der Zionismus 80 viel stärker ist als z. B. in Deutschland, in Oesterreich müßte doch danach die Kraft der Zionistischen Organisation phantastisch groß sein. In Wahrheit wird die Wirkung der zionistischen Idee nicht durch formulierte politische Parolen erzeugt Auf die unversiegbaren Quellen kommt es an, auf das Erlebnis der auswegslosen Situation des einzelnen Juden und der jüdischen Gesamtheit im Galuth. Die Stärke des Zionismus Ist für den Zionisten unabhängig von aktuellen Erfolgen oder Mißerfolgen. Ja, In schweren Zeiten muß sie noch deutlicher zutage treten. So scheint es mir ein Beweis für die Lebenskraft des deutsehen Zionismus zu sein, daß er anstelle einer reinen Hilfsaktion sofort mit der Parole ״Hilfe durch Aufbau“ hervortrat. Die Fortsetzung unserer konstruktiven Arbeit sollte so gesichert werden. Was nun die Fortsetzung unserer Politik betrifft, so sollte man auch daran denken, daß Politik keine Wissenschaft, sondern vor allem eine Kunst ist Es kommt auf politische Repräsentanten an, die erfüllt von zionistischer Kraft die Fähigkeit haben, die Welt für unsere Sache zu gewinnen. Dr. Weizmann hat diese Fähigkeit in höchstem Maße. Er wird unsere Sache politisch weiter führen können, wenn Millionen von Juden fest entschlossen sind, die Jüdisch-Nationale Heimstätte zu schaffen und in einem freien Erez-Israel den Mittelpunkt der jüdischen Welt zu errichten. Wir setzen voraus, daß das jüdische Volk, erfüllt von dem Glauben an seine Ewigkeit, seine Renaissance in unserem Geschlechte herheiführen will, und die Zionistische Organisation hat die Aufgabe, diese allfemeinen Empfindungen in die notwendigen Arbeiten des äges zu überführen. Weidmanns Schlußrede ich habe mich im Laufe der Debatte nicht ganz wohl gefühlt, es ist mir etwas zugestoßen, woran ich nicht gewohnt bin, ich bin heute zu populär geworden. Sieben Städte haben darum gekämpft, welcher ich angehöre. Gewöhnlich ist es umgekehrt, aber ich vermute, daß diese leicht erworbene Popularität bald verschwinden wird. Mir wäre es lieber gewesen, wenn Dr. Danzigcr seine Rede nicht gehalten hätte. Daß wir Feinde haben, wissen wir, aber es macht unsere Sache nicht leichter, wenn wir über diese Probleme in dieser Weise sprechen. Das gleiche gilt für die Diskussion über das Parlament. Die Ausführungen von Dr. Weltsch habe ich mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt. Wenn er aus der ganzen!jede nur die Definition des Nationalen Heims herausgeschält hätte, so wären vielleicht Mißverständnisse und Schwierigkeiten aut dieser Tagung erspart geblieben. Was man wissen wollte und wissen will, ist, daß Palästina ein Nationales Heim für das jüdische Volk ist und daß es ein Heim für 600000 Araber ist. Das ״Nationale“ Heim ries arabischen Volkes ist in Bagdad, Kairo, Damaskus, in dem Dreieck, von dem ich gesprochen habe. Die Araber haben mehrere ״nationale“ Heime. Ich weiß nicht, ob diese Dinge früher in Artikeln der ״Rundschau“ klar zum Ausdruck kamen, aber es scheint mir, Weltsch ist ein Opfer mancher seiner Freunde. 111 diesem Saal ist, wie richtig betont wurde, niemand anwesend, der das Mandat und die Balfour-Deklaration um ein Jota mindern will, darüber hat man sich wohl verständigt. Das gilt aber Jeider nicht von Jerusalem. Während wir in einer belagerten Zitadelle waren, hat man dort Dinge gesprochen, die, um es ganz milde auszudenken, uns ungeheure Schwierigkeiten bereitet haben. Um nur eine herauszugreifen: Es hätte uns nach 40 Jahren Arbeit nicht zustoßen dürfen, daß der ״Felestin“ schreiben konnte» mit Bergmann können wir yerhftpdeta» mit Weizmann nicht Da lag die Gefahr, die Schwierigkeit, das ungeheure Vergehen. Es genügt nicht zu sagen, das sind keine Menschen an verantwortlichen Stellen — wir sind in einer belagerten Zitadelle. Ich glaube sagen zu dürfen, daß in prinzipiellen Dingen zwischen Blumenfeld, Weltsch, der Exekutive und meiner Wenigkeit kein Unterschied besteht. Unterschiede gibt es vielleicht in der Emphase und im Ton. Es wurde schon hervorgehoben, daß wir bezüglich des Verhandelns mit den Arabern, wegen des ״wann“ und ״wie“ kaum einen freien Willen naben. Der arabische Standpunkt ist heute: Sie betrachten Palästina als ein arabisches Land, sie wollen es einverleiben einem System von Föderationen arabischer Staaten vom Euphrat bis zum Indischen Ozean. Wir unterscheiden uns von den Arabern, indem wir sagen: Palästina ist nicht ausschließlich ein arabisches Land und nicht ausschließlich ein jüdisches Land, es ist ein Land, das uns beiden gehört. Statt daß man fortwährend uns erzieht, hätte man wohl ein Wort an das arabische Volk richten können: Ihr müßt verstehen, daß Palästina dies und nicht das ist. Lieber Gott, es ist verständlich, wenn ein Volk wie die Juden, das in der Balfour-Deklaration den Schofar schel Meschiach gehört hat, dessen Phantasie entzündet und hochgespannt ist durch ein Martyrium sondergleichen, Dinge in dieses Dokument hineinlas. Es klingt mir noch jenes ״Judea for the Jevvs“ in den Ohren, das Lord Cedi und andere Staatsmänner sprachen. Und wenn sie so sprachen, was durften wir von Juden in Kowno oder Wilna erwarten? Sich den Realitäten anzupassen, ist ein Prozeß, dessen Langsamkeit man nicht den Juden zum Vorwurf machen darf. Es bedarf Jahre und er geht unter großen Schmerzen vor sich. Vielleicht sollte man unseren Partnern vor Augen halten, daß sie aus dem Kriege hervorgegangen sind mit vier Staaten, Syrien, Hedschas, Transjordanien, Irak. Wieviele nationale Heime braucht ihr? Da gibt es einen Winkelt der heilig ist für uns, den gönnt man uns nicht, nicht einmal in der Form, die wir an geboten haben, mit allen Chancen für die eingeborene Bevölkerung, sich national auszuleben. Und da legen manche Juden es der Welt in den Mund, daß wir als Bedrücker ins Land kommen. Nichts davon ist wahr. Und hat man etwas versprochen, was mehr ist als was man uns gegeben hat. Wir sind bereit, uns den Verhältnissen anzupassen. Aber man soll einem bedrängten Volk wie uns nicht den Vorwurf machen, daß es die Anpassung langsam vollzieht. Es ist nicht richtig, daß wir nicht den Versuch machten, mit den Arabern zu verhandeln. Ich will nicht in Einzelheiten eingehen. Schon 1918 haben wir versucht, mit dem jjjnzigen Vertreter der Araber damals zu verhandeln. Ich Wir in die Wüste, ging zu Fetsal, sagte ihm, was unsere Absicht ist und was wir in Palästina wollen. ״Du vertrittst vor der Welt heute die arabische Nation, Ich will, daß Du das verstehst Ich komme in derselben Mission wie meine Vorväter vor 4000 Jahren.“ Er verstand, er unterschrieb. Sein Bruder behauptet, er hätte es vergessen, ich habe es nicht vergessen, ich nabe die Unterschrift. Bevor wir l'H 0 unsere Wünsche der Friedenskonferenz unterbreiteten, haben wir wieder gesagt: Unser Plan bietet Vorteile für Dich und für uns, und er verstand es. Dann kamen Umwälzungen der Welt dazwischen. Vielleicht, ich will es nicht bestreiten und nicht behaupten, trat ein Erwachen der arabischen Welt ein. Wir sind jedfnfalls nicht hingegangen, ohne den Versuch der Verständigung. Die Verständigung ist Schwer, sie wird lange dauern, aber es ist notwendig, daß auch die Araber eine andere Psychologie gewinnen. Wir werden bereit sein, Ver- Handlungen zu führen, wenn die Zeit kommt. Wenn heute im zionistischen Lager sich Stimmen erheben, die nicht diesen Leitlinien der Politik entsprechet* so hat das doch den XII. Kongreß nicht verhindert, diese Leitlinien zu akzeptieren. Man kann den Juden keinen Vorwurf daraus machen, daß sie nicht alle einheitlich denken. Ich kann leider auf die schöne Rede meines Freunde■; Licht heim nicht eingehen. Wenn ich mir einen Satz sage, so werden Sie verstehen, daß ein Gefühl der jüdischen Solidarität es mir Jetzt verbietet, ihm Vorwürfe zu machen oder ihn zu kritisieren. Ich warne ihn aber vor einem. Es ist mir nicht um Polemik zu tun oder um Pointen. Es ist mir blutiger Ernst, wenn ich ihn warne vor einer gewissen wohlgemeinten Leichtfertigkeit bezüglich des ״Doar Hajom“ t». dgl. Es kommt nicht darauf an, wie Sic und ich das bewerten, sondern wie andere es bewerten. Wir sind heute nicht mehr im Vakuum, alles wird uns schwer angekerbt, übertrieben, Worte werden hineingelesen, die nicht gemeint waren. Und wenn Preedy die Frage gestellt hat, ob es überhaupt einen gemäßigten Zinnisten gibt, so hat er das »usgenütrt, worüber ich aus Solidarität nicht sprechen konnte, Chachamim hishart! liediwrechem — Weise, hütet Eure Worte. Ich bin nicht mit einem einzigen Punkt Ihres Programms einverstanden, weder mit Ihrer Taktik, noch mit der Substanz; aber ich weiß auch genau: was Ihnen in die Schuhe geschoben wird, ist unwahr. Ich muß mich auch gegen Bileskis Auffassung wenden, daß die Qualität unseres Nationalismus erst genau festgestellt werden muß. Es gibt nur eine Qualität unseres Nationalismus. Wir sind nicht eine Nation von Eroberern, sondern eine Nation, die in ihr Eigentum zurückkehrt. Die Leitung der zionistischen Kongresse hat niemals einen anderen Nationalismus vertreten. Preedv darf ihn anzweifeln, nicht wir. Nicht in dieser schweren Stunde. Ohne Ihnen ein Kompliment zu machen, die Debatte heute ist in die Tiefe gegangen. Es war eine große Debatte. Das hat Sic einander gewiß näher gebracht. Ich glaube nicht, daß Sic das Recht haben, die Freunde, mit denen ich die Ehre hatte, jahrelang zusammen zu arbeiten, des Pessimismus zu beschuldigen, nur weil sie Illusionen zerstörten, di!־ schon zerstört d »lagen, im Gegenteil — wenn man trotz zerstörter Illusionen mit Mut die tägliche Arbeit tut und leistet, was hier geleistet wurde, ist man kein Pessimist. Die Kraft, Menschen zu gewinnen, Geld zu schaffen, den Aufbau zu fördern, quillt nicht aus Pessimismus. Es war auch meine traurige Pflicht, Illusionen im Zionismus zu zerstören, weil ich Realitäten sah. Würde ich Ihnen Wirklichkeiten schildern, wie ich sie in den letzten sechs Wochen sah, Sie würden sagen, man muß ein Held sein, um weiter zu gehen und weiter zu arbeiten. Und trotzdem habe ich heute morgens gesagt, wir sind ein ewiges Volk, wir werden auch dieses überstehen. Da kommt es nicht darauf an, welche Formel wir haben. Das jüdische Volk ist unzerstörbar, es findet^ seinen Weg, es hilft sich durch, auch durch Schwierigkeiten, die alter menschlichen Logik widersprechen, ln der Formel: ״Ohne Judenstaat ist das jüdische Volk in Palästina nicht möglich,“ steckt ein großes Stück Assimilation. Judenstaat, Nationalstaat, das sind Begriffe, die auf unsere Bewegung nicht passen. Deswegen haben wir trotz aller Rückschläge Siege erzielt. Rückschläge und Siege zusammen haben uns gestärkt und wir sind ein großes Stück weiter gekommen. Heute haben wir uns die Achtung der Welt erworben und steten heute da als ein Faktor, mit dem man rechnen wird. Die Entwicklung ist langsam und schwer, aber das sind die Geburtswehen der messianisehen Zeit. Lassen Sie mich schließen mit der Hoffnung auf bessere Tage, mit der Hoffnung, daß diejenigen, die nach uns kommen, weniger von diesen Schmerzen fühlen werden und den derech hamelech nach Palästina betreten, können. (Starker Mf§i,),. . , Der Verlauf der Abstimmung Das Resultat der Abstimmungen über die polltischen Anträge haben wir bereits ln der vorigen Nummer veröffentlicht. Die namentliche Abstimmung über die drei Anträge erfolgte Montag, den 30. Dezember, Nachmittag, unter Vorsitz von Benzion Fett Nach Verlesung der Texte der Anträge erhält Dr. Goldmann im Einvernehmen mit dem Permanenz-Ausschuß nochmals das Wort zu einer kurzen Begründung des von ihm eingebrachten Mißtrauenaantrages gegen die ״Jüdische Rundschau“. Goldmann erklärt, der Sinn des Mißtrauensantrags bestehe darin, eine entstandene unklare Situation zu klären. Durch die Rede Dr. Weizmanns sei gestern der Eindruck erweckt worden, daß zwischen Weltsch und seinen Freunden eine Differenz bestehe. Das hat Weizmann gesagt aber nicht Weltsch. Demgegenüber m&chte ich feststellen, daß die ״Jüdische Rundschau“ sich niemals abgegrenzt hat gegen die Enunzialionen aus den Kreisen des Brith Schalom. Und weil wir gegen die Politik des Brith Schalom sind, haben wir diese Resolution eingebracht. Das Mißtrauensvotum wird sodann, wie bereits gemeldet, mit 94 zu 41 Stimmen bei 4 Enthaltungen a b g e - lehnt. Zu dem zweiten Antrag, eingebracht vom Misrachi und Unabhängigen Allgemeinen Zionisten, erklärt Herr Adler, der Misrachi habe diese Resolution unterstützt und auf ihre Fassung in diesem Sinne Einfluß genommen, weil er der Meinung ist, daß in bezug auf die ״Jüdische Rundschau“ ein Strich gemacht werden 6011 unter das, was bisher war und Richtlinien für die Zukunft gegeben werden sollen. Herr Blumenfeld erklärt, daß er die Annahme dieser Resolution als Mißtrauensvotum betrachten würde und die Vertrauensfrage damit verbindet. (Bei der Wiedergabe der Resolution in der vorigen Nummer der ״J. R.“ hat sich leider ein Druckfehler eingeschlichen. In dem Antrag hieß es nicht ״er lehnt ,jede Zielsetzung ab“, sondern ״er lehnt jede neue Ziel- Setzung ab“.) Die Resolution wird mit 84 zu 64 bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Zur Resolution Blumenfeld beantragt Dr. Ha Ipern ein Amendement, und zwar soll in dem 4. Absatz der Resolution, wo von aktiver Verständigungspolitik die Rede ist, das Wort ״zur geeigneten Zeit“ eingefügt werden. Zur Begründüng führt Dr. Halpern aus: Ich glaube nicht, daß ein Mensch hier im Saale ist, der nicht den Ernst der Situation in Palästina beurteilt. Ich habe mich gefreut über die Vitalität und den Optimismus, mit denen dieser Delegiertentag durchgeführt wird. Wenn man gesagt bat, wir stehen vor einem zweiten San Remo, 80 müssen wir uns bewußt sein, man kann bei einem zweiten San Remo siegen oder unterliegen. Wir müssen uns über die Sachlage klar sein. Es ist niemand im Saale, der Weltsch mehr achtet als ich, aber wir dürfen uns nicht verhehlen, seine Meinung ist, daß die Politik der Exekutive,• die jetzt gemacht wird, falsch ist; dies drückt sich auch darin aus, daß er meint, man dürfe keinen Tag verlieren, um schnell zu Verhandlungen zu kommen. Man kann aber auch Verhandlungen grundlegend stören» wenn man Redakteur einer offiziellen Zeitung ist. Darum beantrage ich Einfügung der Worte, die Dr. Weizmann hier gebraucht hat. Blumenfeld bittet, das Amendement Dr. Halpcnis a b - zulehnen, da durch dieses Amendement, wie auch aus der