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Jüdische Rundschau · 1930-01-03 · Heft 1 (3.1.1930) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, 3. L 1030 dische Antwort auf den Versuch, den Aufbau des Jüdischen Nationalheims zu stören, verstlrkter jüdischer Bodenerwerb in Palästina gefordert.) Die Unruhen begannen in Wahrheit am 17. August mit dem Zusammenstoß auf dem Makkabi-Sportplatz, argumentierte Stoker, verstärkten sich allmählich und erreichten am 23. August ihren Höhepunkt. Zur Unterstützung dieser Behauptung verlas Stoker fast zwei Stunden lang die von zahlreichen arabischen Zeugen vor der Kommission gemachten Aussagen, aus denen hervorgehen sollte, daß sie in der Woche vor dem 23. August von Juden mit Stöcken oder Messern angegriffen worden seien, und ferner die Aussage des Distriktsbeamten Lees, der vor der Kommission aussagte, daß ihm nur tätliche Angriffe von Juden auf Araber in dieser Zeit bekannt geworden seien. Die am 23. August nach Jerusalem gekommenen Araber waren zu ihrer Verteidigung mit Stöcken bewaffnet, weil sie einen Angriff der Juden fürchten mußten, und aus demselben Grund waren die Frauen nicht nach Jerusalem mitgekommen. Die ersten beiden Toten in Jerusalem am 23. August Waren Araber, behauptete Stoker, von denen der erste um >/*l Uhr getötet worden sei; aber Dr. Khabier, ein arabischer höherer Beamter des Gesundheitswesens in Jerusalem, erklärte nach Schluß der Ausführungen Stokers, daß der erste getötete Araber um 1/22 Uhr gefunden worden sei, eine gute Stunde nach der Ermordung des Juden Seeall und der Brüder Rothenberg beim Jaffa-Tor. Stoker sprach dann über die Organisation des jüdischen Selbstschutzes noch vor einem arabischen Angriff und behauptete, die Juden hätten die Zusammenstöße 6 der Jaffastraße verursacht, indem sie die arabischen Dorfleute aus Lifta mit verschiedenen Gegenständen beworfen hätten. Der arabische Angriff auf das Viertel der georgischen Juden beim Damaskustor sei die Folge von dem fewesen, was sich in der Jaffastraße ereignet hat. Die araische Menge habe ihre Brüder beschützen wollen. Stoker führte die Aussage von Moody, einem Mitglied des Sekretariats der Palästinaregierung vor die Kommission an, wie selbst die Versuche des Großnnifti nicht imstande waren, die Menge zu beruhigen, die durch den Anblick blutüberströmter Araber außer sich geraten war. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen behandelte Stoker die politische Geschichte der Araber in den letzten 100 Jahren und versuchte daraus zu zeigen, daß die Araber immer für politische Freiheit gekämpft haben. Er gab dann dne Darstellung der arabischen Auffassung von den politischen Ursachen der Augustunruhen und behauptete, daß Sacher nicht die Wahrheit gesprochen habe, als er aussagte, daß die Zionisten in der Zeit vor dem Züricher Kongreß den Klagemauerstreit für nicht aktuell gehalten hätten. Im Gegenteil, sagte er, als Sacher und Kolonei Kisch nach Zürich gingen, ließen sie eine stellvertretende Exekutive zurück, und auch den Revisionisten Dr. von W e i s I und Professor Klausner und mit ihnen ging ihr Propagandachef Agronsky. (Zwischenruf Merrimans, daß Agronsky nicht Propagaüdachef, sondern ehrenamtlicher Berater der Exekutive in Pressesachen Ist) Stoker charakterisiert dann von seinem Stande'd aus verschiedene zionistische Gruppen und die Persöneiten der provisorischen Exekutive und fährt fort: Die zionistischen Kassen waren leer; das erweisen die von Jerusalem an den Zionistenkongreß in Zürich gerichteten Telegramme, aus denen hervorgeht, daß die Gehälter an die Lehrer der zionistischen Schulen nicht ausgezahlt werden konnten. ־Zürich war für die Zionisten der Ort, von wo aus sie Geld für neue Immigration und Landkauf aufbringen wollten. Auch Rabbi Kuk warin ״gelassen worden, gfigte '«r ■wenn 'seine. Augen toicifj#t»«1®rlüllt sind* voller Kampflust ist. Braude hatte wiederholt über die jüdische öffentliche Agitation in Palästina nach Zürich telegraphiert. Aber in Zürich hat man die Dinge ruhig betrachtet und ihn beauftragt, die Agitation in Grenzen zu halten. Doch gibt es ein Telegramm von Colonel Kisch, in dem er fragt, ob die Entwicklung der Kiagemaueragitation darauf berechnet sei, ihn bei seinen Verhanalungen mit dem Kolonialamt zu unterstützen. Ich will nicht sagen, führte Stoker hinzu, daß Ereignisse von der Art, wie sie eingetroffen sind, von Sacher, Kuk, Klausner oder selbst von Dr. von Weisl beabsichtigt worden seien, aber sie wünschten zweifellos irgendwelche Geschehnisse, um das Kotonialamt von der Notwendigkeit drastischer Schritte hinsichtlieh der Klagemaitcr zu überzeugen. Es ist bedauerlich, daß ein Uebereinkommen des Schweigens hinsichtlich dieser Zusammenhänge in der Entwicklung der Dinge besteht. Zur Klar- Stellung seiner eigenen Rolle ln diesem Zusammenhang hätte man Colonel Kisch vernehmen müssen. Stoker ging nun zu der arabischen Gegendemonstration an der Klagemauer über, bei der jüdische Beter geschlagen und hebräische Gebetbücher zerrissen und verbrannt worden sind. Dies sei dadurch geschehen, sagte er, daß im Gedränge die Menge den Tisch an der Mauer mit der brennenden OeTlampe umgestoßen habe, so sei das Feuer entstanden, durch das die hebräischen Bücher und die Bittzettel in den Ritzen der Mauer verbrannt worden sind. Die gesamte Verantwortung dafür, sagte er, fällt auf die Zionistische Palästina- Exekutive, denn sie sei für die vergangene jüdische Demonstration verantwortlich zu machen, gleich- Sob diese von Brith Trumpeldor, den Revisionisten oder einer anderen ähnlichen selbständigen Gruppe veranstaltet worden ist In langer und bewegter Rede trat dann Stoker für den Großmufti ein. Ich zweifle, sagte er, ob Sir Boyd, wenn er auf die Zeit zurücksehen wird, wo er die Jewish Agency vertrat, stolz sein wird, auf den Schmutz, mit dem er nach Ihren Anweisungen einen loyalen und ehrenwerten Gentleman, den Großmufti, beworfen hat, der in seiner Loyalität zur Refierung unerschütterlich ist, und jenen anderen Gentleman, ubhi Bey ei Khadra. Nachdem Stoker noch erklärt hatte, daß er alles, was von der Palästinensich-Arabischen Exekutive aus darzulegen war, vor der Kommission offen dargelegt habe, schloß er seine Rede mit der Behauptung, daß das Palästina-Mandat Artikel 22 des Völkerbund-Abkommens widerspreche. Das britische Parlament habe das Palästina-Mandat nie gebilligt. Es gab nur eine einzige Ab- Stimmung im Oberhaus, und die ist negativ ausgefallen. Das Mandat könnte vielleicht das Unterhaus passieren, niemals aber das Oberhaus. Es muß revidiert oder zurückgegeben werden. Preedys Plädoyer Am 27. Dezember trug der Hauptanwalt der Palästina- Regierung Kenelm Preedy vor der Untersuchungskommission die Zusammenfassung des von ihm vertretenen Standpunktes vor. Juden griffen Araber an und Araber griffen Juden an, sagte er. Die Araber bewaffneten sich, denn 8Ie_ hatten vor aen Juden Angst, und das nicht grundlos. Es ist später zu Uebcrfällen gekommen, aber ur-, sprünglich haben sie sich zur Selbst Verteidigung’ bewaffnet. Ihre Entwaffnung war nicht möglich, denn ein dahingehender Befehl hätte den ohnehin umgehenden Gerächten Grund gegeben, daß die Regierung einseitig die Juden bevorzuge. Die Palästina-Regierung hat von Anfang an die gegen sie erhobenen Angriffe nicht anerkannt. St hat vertrauensvoll das ganze Polizeimaterial vor der Kominlssion adsgebreitet, wie sie versprochen hatte. Preedy unter- *og dann die von Sir Boyd Merriman in Vertretung der Sache der Jewish Agency vorgebrachte Behauptung von der Nachgiebigkeit Lukes gegenüber Drohungen der Araber daer ins einzelne gehenden Analyse. Sir Boyd hat Luke zwei Tage lang im Kreuzverhör befragt und in seiner Schlußrede Luke Vergeßlichkeit vorgeworfen. Hat Sir Boyd Luke ein schlechtes Gedächtnis vorgeworfen oder will er sagen, daß Luke ein anpassungsfähiges Gedächtnis habe? Wenn er das letztere meint, dann hat er einen sehr ernsten Vorwurf erhoben. Preedy erinnerte die Kommission, daß die Ent- Scheidung der palästinensischen Regierung, durch die der islamische Bau an der Klagemauer erlaubt wurde, auf An- Weisung der britischen Regierung getroffen worden ist. Er wolle nicht behaupten, sagte er, daß die Herren von der provisorischen Zionistischen Palästina-Exekutive die Status-quo-Frage zum Anlaß genommen hätten, um U11 - ruhe zu erzeugen. Aber über den Verlauf der Dinge beim Zionistenkongreß in Zürich ist in Palästina berichtet worden und was dort vor sich gegangen ist, hat die öffentliehe Meinung erregt. Wenn irgendein Mann jemals seine Aufgabe gewissenhaft und intelligent unter schwersten Umständen erfüllt hat, dann habe es Luke getan. Die Leistung der Polizei Preedy lobte die palästinensische Polizeimacht wegen ihrer Tätigkeit während der Unruhen. Ich bin mir nicht im Zweifel über das Urteil, das Sie über die Polizei fällen werden, sagte er. Jeder, der die Berichte liest, muß für ihre Leistungen voller Bewunderung sein. Das berieht sich auf die britische Polizei und auch auf die palästinensische Polizei, Moslems, Juden und Christen, mit wenigen Ausnahmen, besonders aber auf die britische Polizei und die britischen Sonderpolizisten, die zehn Tage lang in der Erfüllung einer sehr schweren Pflicht ausharrten, manchmal ohne Nahrung und Schlaf. An die große Erbitterung erinnernd, die in jenen Tagen herrschte, bezeichnete es Preedy im weiteren Verlauf seiner Rede als bemerkenswert, daß die Katastrophe nicht größer war. In 135 jüdischen Ansiedlungen wurden nur 13 Juden getötet. Gewiß, fügte er hinzu, in Hebron und Safed und teilweise auch in Jerusalem hatte die Kata- Strophe größere Ausmaße. Aber der Bericht der Polizei ist ein Dokument, auf das man stolz sein muß, und die verantwörtlichen Personen — damit wandte er sich an die Zionlstisehe Exekutive — hätten auf die aufopferungsvolle Tätigkeit der Polizei mit mehr antworten müssen, als mit bloßer Kritik. Dann widerlegte Preedy die Meinung Braudes, daß man die Polizei des Landes in Jerusalem hätte konzentrieren müssen, um die Ausschreitungen in Jerusalem rechtzeitig abzuwürgen, weil sie sich dann nicht über die Stadt hinaus ausgebreitet haben würden. Weder Luke, noch die Palästina-Regierung sind dafür verantwortlich, sagte Preedy, daß die Polizehnacht im Lande unzureichend ist Die Dispositionen der palästir.ensischen Polizeimacht waren klug und richtig, und wenn die Katastrophe nicht verhindert werden konnte, so Hegt es an ihrer Schwäche. Wenn Sie sagen, daß die Dispositionen falsch waren, sagte er, dann ist Major Saunders, der das Kommando hatte, im Irrtum, und er übernimmt die volle Verantwortung. Gestützt auf (fl® vom britischen .Polizeikommandeur Munroe Pmachte Aussage, daß es Mord bedeutet haben würde, das euer auf die durch das Jaffa-Tor strömende Menge zu eröffnen, führte Preedy aus, daß bei Ver- Wendung der Schußwaffen in gleicher Weise Schuldige und Unschuldige einschließlich von Juden getötet worden wären. In der Frage des ersten Toten wies Preedy auf die divergierenden Darstellungen der arabischen und jüdischen Zeugen hin. Er selbst sei geneigt, anzunehmen, daß die ersten Opfer der Ereignisse an jenem Freitag die Brüder Rothenberg gewesen seien. In der Beurteilung der Geschehnisse in der Jaffa-Straße zu Beginn der Ausschreitungen, wo der Jude Reitan getötet und Dr. ton Weisl verwundet worden sind, stimmt Preedy mit der von arabisch«■ Seite gegebenen Dar- Stellung überein, der zufolge der Angriff d« arabischen Menge erfolgt sein soll, nachdem sie von den Juden durch Zurufe gereizt und mit Gegenständen vom Dach des Slonimschen Hauses herab beworfen worden sei. Nach der Untersnchnng Ein Artikel des ״B. T.“ Im ״Berliner Tageblatt“ vom 31. Dezemb« veröffentlicht dessen Korrespondent Dr. A. Reifenberg einen abschließenden Artikel über die Arbeit der Untersuchungskonimission, dem wir folgende interessante Abschnitte entnehmen: ״Die arabischen Beschwerden vor der Untersuchungskommission zerfallen In zwei Täte. Einerseits finden wir finsterstes Mittelalter, so zum Beispiel wenn der Mufti auf die Frage, weshalb er nach den Unruhen des Jahres 1920 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde (später wurde er amnestiert), antwortet: Aus demselben Grunde, aus dem vor 1900 Jahren unweit des Platzes, wo ich jetzt stehe, Jesus Christus auf Verlangen der Juden verurteilt und gekreuzigt wurde. Die Bestürzung der Untersuchungskommission beim Anhören dieser Worte kann man sich vorstellen. In dasselbe Kapitel gehört nicht nur der Versuch des Mufti, die berüchtigten Protokolle der ,Weisen von Zion‘ als Beweismaterial vorzulegen, sondern auch die Angabe einer Anzahl von Zeugen, daß die Juden sich der Omar-Moschee bemächtigen wollen. Jedenfalls zeigten die Verhandlungen mit aller Deutlichkeit, daß seitens der arabisch«! Führer eine planmäßige Verhetzung der Bevölkerung stattgefunden hat, der jedes Mittel recht war. Anderseits machten die Araber unter anderem geltend, daß das Fehlen jedweder p a r - lamentarischen Vertretung eine starke Mißstimmung im Lande hervorgerufen habe, und daß durch die jüdische Immigration der arabische Bauer (Fellache) landlos gemacht würde. Zumeist wären die Fellachen nur Pächter des Bodens und würden bei einem Verkauf seitens des Besitzers erbarmungslos von der Scholle getrieben. Eter zionistische Anwalt wies demgegenüber nach, daß trotz Mangels einer gesetzlichen Verpflichtung die Zionistische Organisation in jedem Falle ein gütliches Uebereinkommen mit den Pächtern geschlossen und sie entweder geldlich oder in Form von anderweitigem Boden entschädigt habe. In zahlreichen Fällen wären von der Zionistischen Organisation überhaupt nur brachliegende Ländereien gekauft worden, deren Urbarmachung (Entsumpfung) den umliegenden arabischen Dörfern nur zum Nutzen gereicht nätte. Nach der zionistischen Version hätte zwischen Kolonisten und eingeboren« Bevölkerung stets das beste Verhältnis geherrscht. An Konflikten sei nur die arabische Großgrundbesitzerklasse interessi«t gewesen, der die mit d« zionistischen Kolonisation einhergehende Hebung des Lebens- Standards der arabischen Arbeiter unbequem 8«. Es verdient erwähnt zu werden, daß mehrere Araber es wagten, diese zionistische Auffassung trotz des ausgeübten Terrors vor der Untersuchungskommission zu bekräftigen. An Hand umfangreichen statistischen Materials versuchten die Zionisten weiterhin nachzuweisen, daß das Land durch die jüdische Kolonisation einen ungeahnten Aufschwung genommen habe.“ Dr. Reifenberg kommt zu folgendem bemerkenswerten Ergebnis: ״Wenn nun auch die gewonnenen Ergebnisse einen starken Einfluß auf die zukünftige PoHtik der England« in Palästina haben werden, so ist trotz alledem nicht zu erwarten, daß fundamentale AenäcnuK cu eintreten werden. Eines ist allerdings klar: Beide Völker, Araber und Juden, müssen zu einem Modus vivendi kommen, und nach Abschluß der Untersuchung dürfte es an der Zeit sein, daß sich beide Völker gemeinsam an einen Verhandlungstisch setzten. Konzessionen werden dabei von beiden Teilen gemacht werden müssen. Juden und Araber sollten sich darüber klar sein, daß, wer auch immer die Majorität im Lande hat, den anderevnicht majorisieren darf. Vielleicht wird eine kantonale Lösung, ähnlich wie in der Schweiz, wo sogar drei Völker miteinander leben, das gegebene sein. Die Araber müssen sich dazu bequemen, das vom Völkerbund feierlich bestätigte liistorische jüdische Anrecht auf Palästina anzuerkennen, wahrend es sich die Zionisten angelegen sein lassen sollten, noch mehr als bish« die Araber an den wirtschaftHchen Vorteilen der Ko- Ionisation teilnehmen zu lassen. Eine schwierige Frage dagegen bleibt die Schaffung einer parlamentarischen Volks- Vertretung, die arabischerseits mit allem Nachdruck gefordert wird.‘" . Zehnte Wiederkehr des Todestages von Adoil Stand Einige Tage nach dem Verscheiden des Führers der ostgalizischen Zionisten, Dr. Leon Reich, beging die zionistische Welt den Gedenktag der 10. Wiederkehr des Todesdatums von Adolf Stand, der der Begründer der Zionistischen Organisation in Ostgalizien war. Bedeutung und Wesen dieses unverf"'■ ‘ —' ' " ' ' '"'־*־* ־, י ' “־׳'׳׳־ der galizischen “Judenheit im ehemaligen Oesterreich. Als Reichsratsabgeordneter, Präsident der Zionistischen Organisation in Ostgalizien und vor allem als Führer der österreichischen Judenheit während des Krieges erwarb sich Stand, eine der lautersten Persönlichkeiten, die der Zionismus ln seinen Dienst zu stellen wußte, unvergeßUche Verdienste. Einbruch in iie NaÜonalbiblioUiek Jerusalem, 30. Dezember. (J.T.A.) In die Bibliothek und das Mathematische Institut der Universität Jerusalem wurde ein Einbruch verübt Der Kanzler der Universität, Dr. I. Magnes, leitet persönlich mit Hilfe von Polizei und Polizeihunaen die Suche nach den Tätern, die Geld und dem Wächter gehörige Kleidungsstücke erbeutet haben. Man befürchtet, daß an den Bücher- und Archivbeständen der Universität durch die Einbrecher Schaden verübt worden ist. 400 Zionisten in Odessa verhallet Moskau, 22. Dezember. (J. T. A.) Im Verlauf der v«- gangenen Woche wurden in Odessa etwa 400 Zionisten aller Richtungen von der G.P.U. verhaftet. Unter den Verhafteten sind auch mehrere Jugendlicfle, Mitglieder des ״Haschomer Hazair“ und des Linken Hechaluz. Man nimmt an, daß sich in Odessa keine einzige Person, die Irgendeine direkte Beziehung zur zionistischen Bewegung unterhalten hat, auf freiem Fuße befindet. Orchester- und Synagogalmusik Das Konzert der Jüdischen Orchesterverelmgung und eines gemischten Chores in der Hochschule für Mimik unter Leitung von Leo Kopf verdient Beachtung, Das Anpteurorchester hat seit dem vorigen Jahr «liebliche Fortschritte gemacht. Klang und Ausdrucksmög• lichkelt sind gereift. Kopf beweist aufs neue •eine erzieherische Begabung und bleibt dabei der vornehme Dirigent, der mit geringem Aufwand an Gesten auskommt, Zusammenhänge überschaut und keine Mühe scheut, um die Musik zur Geltung zu bringen. Aber seiner Klangphantasie sind notwendig durch technische Unvollkommenheit der Spieler Schranken gesetzt. Bei einem so bekannten Werk, «de d« H-moli-Symphonie von Schubert, macht sich die frillende Pianissimo-Technik beim Solo der Clarinette und Oboe bemerkbar, und auch die Cellokantilene entbehrt noch der melodischen Süßigkeit. Im Andante con moto wirkt d« Uebergang vom Tutti ins Pianissimo der Holzbläser problematisch, una das ßlech ordnet sich selten dem Gesamtklang ein. Trotzdem bleibt eine achtensw«te und getreue Darstellung übrig. Eine Uraufführung von James Simon für Bariton und Orchester leitet zum zweiten Teil des Abends über. Schon die Wahl des Hölderlinschen Textes ״An die Parzen“ verrät den feinsinnigen Künstler. Aber auch die Art wie Singstimme und Orchester sich mit dieser edlen, vertieften Lyrik auseinandersetzen, berührt sympathisch. Immer bestimmt der Ausdruckswilte Wesen und Linie der •Melodie und es bleibt demgegenüber unerheblich, daß die Orchestration sich gelegentlteh auf die Tristanpartitur bezieht. Iso Golland verhalf dem Werk mit seiner warmen, intensiven Stimme zum Erfolg. Der Rest des Abends war synagogafer Chormusik gewidmet. Selten aufgefünrte Werke, zumeist in gewandter Bearbeitung von Leo Kopf, verrieten Spürsinn und Kennerschaft, im Vorwort zum Programm schreibt Arno Nadel, daß man bei diesen Stücken weniger auf die Musik achten müsse, als auf den Stil, der für die ganze östliche Welt maßgebend ist. Ich zitiere ihn, weil auch ich glaube, daß an diese W«ke kein musikkritischer Maßstab gelegt werden kann. Gezeugt aus dem Rezitativ folgen sie so unmittelbar dem Gebettext, daß ach immer nur ein überraschendes Nebeneinander, niemals aber eine logisch musikalische Entwicklung ergibt. Religiöses und theatralisches Pathos brechen in eine zarte Litanei ein, zwanglos sind melodische Phantasien gegensätzlicher Art miteinander verkoppelt, auf einen wuchtigen breiten Chorsatz folgen in liebevoller Ausschmückung alle Spielarten des Ziergesanges. Nur die Innigkeit des Betenden, der ach mit Gott auseinandersetzt, hält die vielen, heterogenen Bestandteile zusammen. Man sieht, es sind alles andere als künstlerische Gesichtspunkte, die diese Musik erschaffen. Dazu fehlt vor allem das organische Formen, die Kunst der Uebergänge, die baumeisterliehe Tat des Komponisten. Es bleibt mithin dem Betrachter nur übrig, die Echtheit des religiösen Gefühls und der melodischen Linie festzustellen. Sie trat besonders in dem ״Uwchen“ von Schesto« pol hervor, das reizvolle Soli mit dem Chorgesang vermischt und sich zum Schluß hin wirksam aufbaut. Sie sprach auch unmittelbar aus Arno Nadels ״W’schomni“ mit dem gefühlten, volksliedartigen Anfang. Sehr eigenartig und echt wirkt das ״Hascftkiwenu“ von Leo Kopf mit den tiefliegenden Frauenstimmen und dem aparten Wechselgesang. Wertvoll sind die Werke von Linhardt und Birnbaum, weniger das theatralische ״Rezeh“ von Israel Alter. Letzterer, Oberkantor in Hannover, als Solist mitwirkend, enttäuschte mich merkwürdig durch seine äußerliche Manier. Am ergreifendsten aber blieb das;,Ki k’schimcho“ für Männuchor von L ewandowski. Hiw zeigt sich, wie sehr der a capella-Gesang dem Gesang mit Orgelbegleitung überlegen ist. Die Orgel ist für mein Empfinden in allen diesen Fällen ein Verlegenheitsinstrument, das von sich aus nichts zu sagen hat und nur dem Zweck dient, den Sängern die Einsätze zu erleichtern. Man lasse sie fort und die Werke werden gewinnen. Erich-Walter Sternberg.

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