Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I, 3. L 1030 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 5 Abschluß der Untersuchung Schlußreden der Anwälle — Abreise der Kommission Jerusalem, 28. Dezember. (J.T. A.) Am 24. Dezember faßte Sir Frank Boyd Merriman, der Hauptanwalt für die Jewish Agency, den jüdischen Standpunkt vor der Kom* mission in ausführlicher Rede zusammen. Nachdem er siebeneinhalb Stunden gesprochen hatte, unterbrach er seine Rede um 6!/a Uhr abends. Während seiner Rede wurde er vom liberalen Mitglied der Kommission, Hopkins-Morris und vom Vorsitzenden, Sir Walter Shaw, mehrfach unterbrachen, als er — wie angekündigt — in scharfen Worten die Vertretung des Regierungsstandpunktes durch den Anwalt der Regierung Keneltn P r e e d y angritf, so daß Sir Boyd seine Rede schließlich vorzeitig abbrach. In dem kleinen Verhandlungsraum waren ungefähr 20 Zuhörer anwesend, die gekommen waren, um Sir Boyds Resümd zu hören, unter ihnen die Mitglieder der Zionistischen Exekutive, Harry Sacher, Colonel Kisch, Rabbi Meir Berlin, Dr. Arthur Ruppin und Joseph Sprinzak, ferner der Sekretär der amerikanischen Sektion der Jewish Agency, Dr. Maurice B. Hexter, der Ober- Staatsanwalt Norman Bentwich, der Regierungs-Schatzmeister Stuart S. Davis, der Leiter des Immigrationsdepartements Albert M. Hyamson, der Bodenkommissar A. Abramson und der stellvertretende Distriktskommissar für Jerusalem L. O. A. Cust (Davis, Abramson und Cust sind keine Juden), Es war die längste der bisherigen Sitzungen der Untersuaiungskommission, obgleich es Heiliger Abend war. Der Zwischenfall, der von Hopkins-Morris’ Unterbrechung Sir Boyds seinen Ausgang nahm, hat auf die öffentliche Meinung einen außerordentlich peinlichen Eindruck gemacht. Man weist darauf hin, daß Sir Boyd sich mit der Haltung der Regierung vor den Unruhen, während ihrer Dauer und nachher beschäftigt habe, und daß es daher durchaus angebracht war, auch die Haltung der Regierungsanwälte in Frage zu stellen, da offenbar sowohl der Hauptanwalt als auch der zweite Anwalt Drayton nach Instruktionen der Regierung vorgegangen sind. Die .Verhandlungen werden nun schnell zu Ende geführt. Nach den Resümees der Anwälte der Arabischen Exekutive und der Regierung erfolgt am Sonnabend noch die nichtöffentliche Einvernahme von Dr. Ruppin. Sir Bojrd Merriman und Viscount Erleigh begeben sich schon Freitag über Alexandrien nach London, wo sie am Dienstag erwartet werden. Die Mitglieder der Kommission verlassen am Sonntag Morgen* Palästina und begeben sich über Port Said nach London. Auch Harry Sacher verläßt am 5. Januar Palästina, um mit dem Präsidenten der Jewish Agency zusammenzutreffen, ln den letzten Tagen sagten in nichtöffentlicher Verhandlung vor der Kommission die Leiter verschiedener Verwaltungsdepartements Davis, Hyamson, Abramson und der Präsident des Bodengerichtes Stubbs aus. Herrlmaiis Rede Sir Boyd Merriman kündigte an, daß er Preedys Methode t|er Verteidigung angreifen werde, als er zur Behandlung der Frage kam, warum die verantwort* liehen Stellen |5ej Ausbruch (jer Utmihen' sm, VerhingniwÄtt ׳ Freitag/die Vei-Mndüng^dn'SdhtiÄaWetf'Bil 'd'tf'BÄlüpftilf;' des Mob in Jerusalem so lange hinaussreschoben haben. An Beispielen aus dem Protokoll des Verhörs zu dieser Frage charakterisiert Sir Boyd die von ihm angegriffene Art des Regierungsanwalts, Fragen Sir Boyds abzubiegen. Nachdem dann Sir Boyd den Hauptpunkt seiner Argumentation, nämlieh das Fehlen offizieller Sympathien für die Politik des Jüdischen Nationalheims, auseinandergesetzt hatte, kam er aut die vom Regierungsanwalt angewandte Methode des Kreuzverhörs zu sprechen, Preedys Kreuzverhör der 48 arabischen Zeugen umfaßt im offiziellen stenographischen Protokoll 39 Seiten. Obgleich ihm alle amtliehen Quellen zur Verfügung standen, wußte Preedy keine einzige Frage über die Agitation und Aufreizung von arabischer Seite zu stellen. Er fragte weder nach den Sachverhalten, die auf die arabische Schuld hinweisen, noch stellte er Fragen, welche <Be Arabische Exekutive oder den Großmufti gezwungen hätten, ihre während der Unruhen und nachher über das Land verbreiteten Communiques vorzulegen. Demgegenüber war Preedys Verfahren beim Kreuzverhör mit den jüdischen Zeugen geradezu verblüffend. Obwohl alle Regierungsbeamten mit offenkundiger Aufrichtigkeit aussagten, daß die Zionistische Exekutive in ihren Personen und als Ganzes alles tat, was in ihrer Macht stand, um den zuständigen Stellen behilflich zu sein, zielte sein Kreuzverhör darauf hin, die Schlußfolgerung nahezulegen, daß sie übelwollend und unglaubwürdig gewesen wären. Wo immer ein jüdischer Zeuge, und handelte es sich um die angesehenste Persönlichkeit in der Gesellschaft, mit einem Regierungszeugen in Konflikt geraten war, legte Preedy sein Kreuzverhör darauf an, ihn als Lügner zu entlarven. An dieser Stelle unterbrach Hopkins-Morris Sir Boyd mit der Bemerkung, es sei nicht seine Aufgabe, über die Art der Vertretung der Standpunkte der Parteien zu urteilen. ״Aber diese Art der Vertretung“, antwortete Sir Boyd erregt, ״hatte Rückwirkungen, denn wenn Herr Preedy meint, es sei seine Aufgabe, den Nachweis zu führen, daß jeder Brite hier ein Gegner des jüdischen Nationalheims sei, dann hat er seine Aufgabe gut durchgeführt.“ Hier unterbrach ihn der Vorsitzende, Sir Walter Shaw, und stellte fest, daß Preedy persönlich nicht angegriffen werden dürfe. Sir Boyd fuhr fort, den großen Widerspruch im Verhalten von Preedy darzustellen, der arabische Zeugen über die vitalsten Fragen nicht verhörte, während er die jüdischen Zeugen einem peinlichen Verhör unterzog. Sir Walter Shaw unterbrach wieder und bemerkte irgend etwas über Streitigkeiten zwischen den Verteidigern. Sir Boyd verließ daraufhin diesen Punkt und beschränkte sich im folgenden darauf, die Empfehlungen zu wiederholen, welche Sacher im Verlaufe seines Verhörs hinsichtlich der Schritte gemacht hatte, die unternommen werden könnten, um den Ausbruch von Unruhen in Zukunft zu verhinderen Die gegenwärtige arabische Meinung, daß Gewalt eine Aehderung bringen würde, durch eine andere zu ersetzen; das Mandat dem Buchstaben und dem Geist nach auszuführen, was die Vorbedingung für die Sicherheit in der Zukunft ist; die britischen Beamten über den besonderen Charakter des Palästina-Mandates entsprechend zu unterrichten. Der Vorsitzende, Sir Walter Shaw, legte an dieser Stelle Sir Boyd nahe, zur Frage der Vertretung des Regierungsstandpunktes zurückzukehren. Sir Boyd, über die vorangegangene Bemerkung Sir Walters verärgert, kam nur noch auf das von Preedy mit Sacher angestellte Kreuzverhör über die Erweiterung der Jewish Agency zu sprechen, die nach der Unterstellung Preedys die Araber erregt haben sollte, und brach damit seine Rede ab. Sir Boyd begann s eine Rede, indem er die Befugnisse und Aufgaben in Erinnerung brachte, die der Untersuchungskotntnisslon zugemessen worden sind, nämlich: ״die 1 unmittelbaren Ursachen, die zu den letzten Unruhen in Paj lästina geführt haben, zu untersuchen und die Schritte vorzuschlagen, die notwendig sind, um ihre Wiederholung zu verhindern“. Er erinnerte ferner an den Hinweis des Oberrabbiner Kuk, daß die Kommission im Lande sei, um zu untersuchen, warum wehrlose Juden getötet worden sind. Es steht außerhalb jeder Diskussion, daß ein arabischer Angriff auf die Juden stattgefunden hat. Das gilt für das ganze Land, außer vielleicht für Haifa. Aber auch hier würde es falsche Einschätzung von Ursache und Wirkung bedeuten, wollte man den Ausbruch der Unruhen auf den von einem Juden abgegebenen ersten Schuß zurückführen. Hinsichtlich der Frage, wann das erste Opfer in Jerusalem getötet worden ist, vertrat Sir Boyd Merriman den Grundsatz, daß nicht der Zeitpunkt des ersten Mordes von Bedeutung ist, sondern die Aufeinanderfolge der Ereignisse. Waren die Ausschreitungen durch einen unmittelbaren Ausbruch der Volksleidenscnaft verursacht, oder das Ergebnis systematischer Organisation und Verhetzung? Trifft das letztere zu. dann ist zunächst die Frage nach der Verantwortlichkeit zu stellen. Unter Berufung auf die Aussagen der Polizeibeamten, daß alle Unruhen in diesem Lande auf religiöser Grundlage beruhen, konzentrierte sich Sir Boyd im Fortfang seiner Rede, in der er sich, wie er sagte, nicht mit den leineren handelnden Personen beschäftigen wollte, auf die Rolle, die der Großmufti im Zusammenhang der Ereignisse spielte. Er behauptete, das Motiv des Großmufti sei die Absicht gewesen, die Moslems, einschließlich derer, die seine scharfen Gegner sind, organisatorisch zu konsolidieren zu dem Zwecke, um sein Amt zu befestigen. Er stellte die organisierte Kampagne dar, die vom Großmufti seit dem Jom Kippur 1928 geführt worden ist und durch die die Klagemauer als mohammedanisches Heiligtum reklamiert und populär gemacht werden sollte. Sir Boyd legte die Unhaltbarkeit des Argumentes dar, dessen sich die Moslems in ihrer Eingabe an die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes bedienten, daß die Juden an der Klagemauer nur die Rechte von Besuchern genießen könnten, die gleichen, die auch andere Besucher haben. Die Einführung eines Muezzin, der die Moslems von der Mauer herab zum Gebet aufruft, die Einrichtung einer Musikkapelle in der Nähe der Mauer und andere Neuerungen wurden einzig und allein zu dem Zweck unternommen, um die mohammedanischen Besitzrechte an der Mauer immer stärker zum Ausdruck zu bringen. Der Gedanke der Heiligkeit des Pflasters vor der Klagemauer für die Moslems ist neu festartet und mit Gründen gestützt worden, die an den Haaren erbeigezogen sind, einzig und allein za dem Zweck der Kampagne, die zeigen sollte, daß der Buraq ein mohammedanisches Heiligtum sei. Privatrechtlich gehört dieses Pflaster der mohammedanischen Kirche, aber ihr Besitzrecht ist von der Art, daß, ׳religiöse. Ansprüche, ihn -vorangehe«,' ,We,.JJeTt»tjptan», gib des OtOTmufti 1in<l aäderer arabischer Zeugen, dal die Mi Brach - Ornamente und Simchatn - Thora- Fähnchen mit Phantasie-Abbildungen des Salomonischen Tempels Beweis für jüdische Aspirationen auf das Tempelgebiet seien, auf welchem die Omar-Moschee steht, sind absurd. Sir Boyd erinnerte die Kommission an die Aussage des Oberrabbi Kuk, derzufolge die Wiedererrichtung des Tempels den Juden eine messianische Hoffnung ist und sie den materiellen Besitz des Tempelgebietes nicht erstreben. Er wies alle von mohammedanischer Seite gemachten Behauptungen, daß die Juden sich in den Besitz des Tempelgebietes setzen wollten, als völlig haftlos zurück und erweckte allgemeine Heiterkeit durch die Bemerkung, daß die Türken nie daran Anstoß genommen haben, daß in englischen Kirchen die Hymne ״Jerusalem, mein glücklich Heim“ gesungen wurde. Zu der Legende von den ״Protokollen der Weisen von Zion“ und ihrer Publikation in mohammedanischen Zeitungen übergehend, legte Sir Boyd dar, daß die ganze Kampagne um den Buraq eine der Hauptursachen war, durch die der Ausbruch der Unruhen verschuldet worden ist. Er ging das gesamte durch die Zeugenaussagen gewonnene Beweismaterial durch und wies eine starke Bewegung der arabischen Agitatoren im ganzen Lande vor Ausbruch der Unruhen nach. Er erwähnte auch den fanatischen Scheich, den der Großmufti ostentativ an jenem verhängnisvollen Freitag schickte, um den Mob im Haran-Gebiet zu beruhigen. Mit Berufung auf die Polizeiaussage in diesem Punkte rief Sir Boyd aus: Wenn die Polizei diesen Mann als einen gefährlichen Fanatiker bezeichnen kann, dann zögere ich nicht, das gleiche vom Großmufti selbst zu sagen. Uebergehend zu der Frage der palästinensisch-arabischen Exekutive legte Sir Boyd nahe, daß ihr Versuch, politische Umstände als unmittelbare Ursachen der Unruhen in den Vordergrund zu schieben, Licht auf ihren eigenen Anteil an den Ereignissen wirkt. Kurz auf die Frage der Immigration sprechen, wo er den Druck aufreizender Propagandaschriften überwachte. Weiterhin verlas Sir Boyd ein ausgedehntes Verzcichnis von Zeugen aus dem ganzen Lande, von Beer-Scheba bis Safed, durch die bezeugt wird, daß es Aufreizung gegeben hat. Das Memorandum der Arabischen Exekutive, mit dem gegen die vom High Commissioncr nach seiner Ankunft in Palästina erlassene Proklamation protestiert wurde, ist ein von Anfang bis zu Ende verlogenes Dokument. Alle in ihm enthaltenen Behauptungen über die Haltung der Juden sind von den informierten Beamten kategorisch widerlegt worden. Die arabische Zumutung, daß die zionistischen Führer vorbedacht die Zwischenfälle verursacht haben, um Geld und Sympathien zu werben, ist eine Behauptune, so teuflisch, daß man sie nirgends anderswo als in der Hölle erwarten würde. Hier erhob sich der zweite Anwalt der Arabischen Ex«- kutive, Silley, und bestritt, daß er zu der Vermutung Anlaß gegeben habe, die zionistischen Führer hätten Massakers gewünscht. Wie immer die diesbezügliche Behauptung Interpretiert werde, replizierte Sir Boyd, ist es unerhört, verantwörtlichen Menschen zuzumuten, daß sie mit dem Feuer spielen. Die Schuld der Regierung. Im weiteren Verlauf seiner Rede kam Sir Boyd auf die Verantwortlichkeit der Regierung zu sprechen. Nachdem er seine Beschuldigungen gegen Luke persönlich wiederholt hatte, sprach Sir Boyd 1m einzelnen über die Regierungscommuniqufis und die Kabelberichte an das Kolonialamt während der Unruhen und über die wichtigen Interviews, die Luke erteilt hat und von denen er nun behauptet, daU er sich ihrer nicht mehr erinnere. Die Entwaffnung britischer Juden war ein schwerer Fehler. Die Beschuldigungen gegen die Regierung faßt Sir Boyd in den folgenden fünf Punkten zusammen: 1. Man hat es unterlassen, sich mit der Aufhetzung durch die Presse zu beschäftigen, die im Januar begann, als die Zeitungen einen Heiligen Krieg wegen de» Klagemauer propagierten. 2. Man bat es unterlassen, ln einer Regierungserklärung die Behauptung zurückzuweisen, daß die Juden Angriffe aut islamische Heiligtümer beabsichtigen. 3. Durch die Bewilligung derTischa b’Aw-Demons t r a 11 o n an der Klagemauer hat die Regierung die Verantwortung für diese Demonstration auf sich genommen. Auf die Darlegung dieses Punktes verwandte Sir Boyd mehr als eine Stunde. Durch die Bewilligung der Demonstration, so führte er aus, war diese der Kompetenz der Monistischen Exekutive entzogen, uni *mrie fm Gegensatz zu der van 4״Mt ..afablssh*»..!»»׳ ««ואוMrtMtoPMB Darstellung eine. An- 'schen, die die Demonstration 'Nhmm. 4. Den übereinstimmenden Warnungen der |8~ dlschen Repräsentanten an allen Oktal des Landes wurde zu wenig Beachtung geschenkt, als alle Berichte einschließlich der hebräischen Presse in der Befürchtung einig waren, daß am Freitag grauenvolle Dinge geschehen würden. (Bei der Erwähnung der Zeitung ״Dawar“ in diesem Zasammenhang fragte Sir Walter Shaw, ob das eine jüdische Zeitung sei!) 5. Unter Mißachtung der Warnungen hat die Regierung keine Verstärkungen hcrangeholt, keinen angemessenen Gebrauch von den verfügbaren Schutzkräften gemacht und ließ das Feuer auf die Angreifer ln Jerusalem nicht eröffnen. In Jaffa und Nablus, wo die Truppen feuerten, breiteten sich die Unruhen nicht aus. Auf die Bemerkung des Regierungsanwalts Preedy zurückkommend, daß die Erweiterung der Jewish Agency d i e Araber alarmiert habe, wies Sir Bo^d die Mitglieder der Kommission darauf hin, daß das Palastina-Mandat die Erweiterung der Jewish Agency über den Rahmen der Zionistischen Organisation hinaus vorsieht und daß die Erweiterung in Zürich erst nach Ueberwindung einer starken zionistischen Opposition zustande gekommen ist, wobei jede Stufe der Entwicklung im Einvernehmen mit der britischen Regierung und der Palästina-Regierung erarbeitet wurde. Es ist absurd, wenn jetzt der Regierungsanwalt gegen die verantwortlichen zionistischen Stellen vorwurfsvoll so spricht, als ob die Erweiterung der Jewish Agency ein gegen die Araber gerichtetes Unternehmen wäre. Wenn dem so ist, sagte Sir Boyd, dann muß die Regierung hier und in London die Verantwortung auf sich nehmen, denn sie sind an ihrem Zustandekommen mitbeteiligt. Stokers Plädoyer Am 26. Dezembo• hielt W. H. Stoker, der Hauptanwalt der Palästinensischen Arabischen Exekutive, eine zusammenfassende Schlußrede vor der parlamentarischen Untersu:hungskommission. eingehend, erinnerte Sir Boyd die Mitglieder der Kommission, daß die Vernehmungen sich nicht auf die Frage der höheren Politik bezogen haben. Wenn man aber selbst annimmt, was durchaus bestritten worden ist, daß die Beschäftigung von Juden eine höhere Besteuerung einschließt, so ergäbe sich die Verpflichtung dazu seiner Meinung nach trotzdem aus dem Mandat. Die Existenz der englischen Administration hier, sagte er, ist mit dem Jüdischen Nationalheira verbunden. Weil wir uns zur Balfour-Deklaration bekannt haben, haben wir das Palästina-Mandat mit der Hilfe solcher Männer, wie Herr Sacher einer ist, erhalten. Die britische Administration in Palästina, fuhr er fort, hat die öffentliciien Leistungen erhöht und den Wohlstand der Einwohner Verbessert. Wenn man annimmt, was der Wahrheit widerspricht, daß die öffentlichen Lasten erhöht wurden, dann müßten die Araber die Vorteile der britischen Herrschaft gegen die behaupteten Nachteile abwägen. Zur palästinensischen Boden- Politik übergehend, fragte Sir Boyd, warum zur Zeit der Unruhen, als die wildesten Gerüchte über jüdische Angriffe auf mohammedanische heilige Stätten und Blutgemetzel unter den Arabern umgingen, nicht die Klage über entrissenen Boden gehört worden sei. Ist die Landnot wirklich vorhanden, wie soll man dann Hebron, Safed und die Ausplünderung der ältesten Siedlungen in Judäa erklären? In Uebereinstimraung mit seinem Versprechen, sich nur mit den wichtigen, mit den Ereignissen in Zusammenhang stehenden arabischen Persönlichkeiten zu beschäftigen, kam Sir Boyd auf Muss Kazim Paschas, des Präsidenten der palästinensisch-arabischen Exekutive, Reise nach Jaffa zu Er wolle nicht versuchen zu rechtfertigen, erklärte er, was in Hebron geschehen ist. Er wolle aber der Kommission zu bedenken geben, wie die Bevölkerung von Hebron durch die Berichte, die aus Jerusalem kamen, in einen Zustand der Raserei geriet und der Mordlust verfiel. Die Menschen waren in prtmitiver Weise bewaffnet und es sind grausame Verbrecten begangen worden, aber ich hoffe, es ist für alle Zeiten lestg. ... waren abscheulich, die Abscheulichkeiten aber sind nicht auf eine Seite beschränkt gewesen. Die Ursache für die Ueberfälle in Safed waren die Nachrichten über das, was in Haifa geschehen war. Nichts wäre im ganzen Lande geschehen, wären nicht die Kämpfe in Jerusalem voran gegangen. Stoker verwies die Kommission auf das von UssiscKkm verfaßte Zirkular, das bei einer Straßburger Zionistenversammlung verteilt worden ist und in dem hervorgehoben wird, daß es sich bei den Kämpfen in Palästina nicht um einen einseitigen Uebertal! handle. Die Juden geben nicht zu, zu den Ausschreitungen Anlaß gegeben zu haben, weil das ihren Propagandazwedccn schaden würde, fügte er hinzu. (Die Berufung auf den Autruf von Ussischkin stützt sich auf die Aussage eines iq Palästina gebürtigen Deutschen, Alfred Roch, der während seines Europaaufenthaltes im Oktober einer zionistischen Versammlung in Straßburg beiwohnte, wo Flugblätter mit dem erwähnten Aufruf Ussischkius verteilt wurden, ln dem Aufruf wurde als jü- I <