Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXV (1930)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1930)
- Date
- 1930-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2651273-2653156-2653157--21280-2679357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1, 3.1. 1930 JUEDfSCHE RUNDSCHAU Seite 3 in neue produktive Kanäle zu leiten, und ln einem Lande, wo es seine Kultur, •seinen großen Beitrag zur Menschheitskultur geschaffen hat, wieder eine Gesellschaft aufzubauen. Das ist unser Recht, das haben die Völker vor zehn Jahren verstanden und trotz aller Angriffe müssen sie das auch heute verstehen. Wir haben den Mut und das moralische Recht, vor der Welt dafür einzutreten. Wir sind in Erez-Israel in unserem Recht und niemand kann uns das wegnehmen. Nach Palästina kamen Juden lange vor der Balfour-Deklaration, weil sie alle fühlten, es sei ihr Recht, hinzukommen, dort zu bauen und ein neues Leben zu schaffen. Dieses Recht — und es ist traurig, daß ich es in einem zionistischen Milieu wiederholen muß — das ist das Einzige, wofür wir kämpfen, es ist in der Präambel des Mandates verkörpert, es steht, wenn auch alles andere fällt. Und wenn heute auch manche das noch nicht verstehen, so werden Zeiten kommen, wo es verstanden werden wird — wenn wir es fortwährend betonen und unter* streichen. Und nur von diesem Standpunkt aus können unsere Verhandlungen, sei es mit dem Völkerbund, sei es mit der Mandatarmacht, weltergehen. Glücklicherweise finden wir — und ich sage das im vollen Bewußtsein der Verantwortung, die auf mir lastet, daß diese Hauptfrage, was die Mandatarmacht betrifft, nicht zur Diskussion steht Die britische Regierung hat durch den Mund ihres Premier* ministers und ihres Außenministers bei den verschiedensten Geiegenheiten, in Genf beim Völkerbund, in Brighton bei der Tagung der Labour-Party erklärt und das Kolonialamt hat mehrfach betont, daß die Politik der britischen Regierung, sofern sie den Aufbau des Nationalheimes betrifft sich nicht geändert hat und sich nicht Indern wird. Sie wissen, die Regierung war abgeneigt, dieser Kommission weitere Instruktionen zu erteilen, um nicht in der Welt den Eindruck entstehen zu lassen, daß die britische Regierung die Grundfesten dieser ganzen Politik irgendwie in Frage stellt. Es gibt in England Teile der öffentlichen Meinung, — ihr spezifisches Gewicht kann ich nicht abschätzen — die darauf drängen, man solle das Mandat aufgeben, die Politik ändern, sich aus Palästina zurückziehen. Tagaus, tagein hämmert dieser Teil auf die öffentliche Meinung ein, aber ich bin überzeugt, kein verantwortlicher Staatsmann und kein verantwortlicher Engländer wird sich von diesem Teil beeinflussen lassen. Sie haben erst neulich einen Brief gelesen, der von drei Männern unterzeichnet ist, die damals, 1917, die Politik des Nationalen Heimes durchdacht, veranlaßt und gemacht haben, Balfour, Lloyd George, General Smuts, einen Brief, in dem sie nochmals darauf hinweisen, daß diese Politik besteht, ja, daß jetzt die Zeit gekommen ist, zu prüfen — nicht ob das Mandat durchgeführt werden soll, sondern wie das Mandat durchgeführt werden soll Gerade dieser Brief ist von der ganzen großen englischen Presse, von einem wichtigen Teil der öffentlichen Meinung sehr begrüßt worden, als der wirklieh notwendige Versuch, heute, im Lichte der Erfahrung von zehn Jahren, noch einmal die Situation zu überblicken und eine administrative Maschine aufzubauen, die uns die Garantie gibt, daß das Mandat dem Geist und dem Wort nach durchgeführt wird. Und ich zweifle nicht daran, daß das in Irgendeiner Form, sei es durch eine zweite Kommission, sei es durch eine andere Institution, geschehen wird. Wir werden noch einmal alles, was vor sich gegangen ist, prüfen und ein praktisches Programm im Einvernehmen mit der britischen Regierung für die nächsten fünf bis zehn Jahre festzulegen haben. Hier möchte ich etwas einschalten und damit auf einen Satz von vorhin zurückkommen. Alles das ist nur dadurch möglich geworden, daß wir eine Leistung aufzuweisen haben, die den Respekt der Welt, die Aalttung der nichtjüdischen wie der jüdischen Welt erzwungen hat und die heute als ein Faktor dasteht Und darum, ich sage es nicht als Entschuldigung oder Erklärung, ich konstatiere nur etwas, darum war es meiner unmaßgeblichen Meinung nach notwendig, sich in diesen vergangenen 10 Jahren vor allem auf diese wirtschaftliche Arbeit zu konzentrieren. Es war mir und meinen Kollegen, die in diesen 10 Jahren mitgearbeitet haben, klar, daß die Mandatarmacht, besonders in ihrer Vertretung in Palästina nicht alles tat, was dem Sinn und dem Geist und dem Wortlaut des Mandates entsprochen hätte. Man hätte einen Kampf gegen die Mandatarmacht und die Administration führen können, aber wir sagten uns, die Mandatarmacht hat eine schwere Aufgabe, auch wir tasten im Dunkeln, wir haben etwas zu leisten unter Bedingungen, die in der Geschichte der Menschheit einzig dastehen. Zehn Jahre sind eine sehr kurze Frist, um einen Weg zu finden, den Ueberblick über alle Schwierigkeiten zu finden, ein endgültiges Programm aufzubauen. Deswegen haben wir manches ertragen, wogegen man vielleicht hätte ankämpfen können. Wir haben unsere Kräfte auf uns selbst konzentriert und ich erinnere Sie, im Jahre 1920 sagte ich: ״Jüdisches Volk, wo bist Du geblieben?“ Und ich stellte mir zur Aufgabe, dieses jüdische Volk zu entdecken, und cs wurde entdeckt und es hat etwas geleistet und deswegen können wir heute mit der Mandatarmacht und der Welt in einer anderen Sprache sprechen, als wir es vor 10 Jahren konnten. Und wir erwarten, daß eine Einigung über Politik und Arbeit, über ihre Pflichten und unsere Pflichten zustande kommt, die dazu führt, daß in unseren Tagen die Grundfesten des Nationalen Heimes aufgebaut werden. Wenn das geschieht, und ich hoffe, es wird geschehen, so ist vielleicht der Preis, den wir gezahlt haben — und weiß Gott, ich unterschätze ihn nicht — nicht zu hoch gewesen. Nun ein Wort über das delikateste Problem, über das soviel geredet und geschrieben wurde. Man könnte buchstäblich das kleine Palästina mit den Zeitungsartikeln bedecken, die über die Fragen geschrieben wurden. Unsere Situation, die Stellung derjenigen, die Sie auf verantwortliche Posten gestellt haben, ist dadurch nicht leichter geworden. Es sind Retter des jüdischen Volkes in allen Winkeln der Erde aufgestanden, vor allem in Jerusalem. Man wollte das jüdische Volk retten — auf Kosten des jüdischen Volkes. Wir wurden durch sie in eine Zwangslage versetzt, wir konnten sie nicht desavouieren, und wir konnten sie nicht akzeptieren. Wir wollten nicht den Schein aufkommen lassen, als ob wir gegen Verhandlungen mit unseren Gegnern wären. Wir sind für Verhandlungen, aber zur rechten Zeit und Im richtigen Geist! (Starker Beifall!) Was ist der Geist und was ist die Zeit? Die Grundlage unserer ganzen Existenz ist unser Recht, in Erez-Israel unser N ationale* Heim aufzubauen. Ein Recht, das uns verbrieft ist seit Jahrtausenden, und das nicht erst auf die Balfour-Deklaration gewartet hat. Und wie ich schon in London gesagt habe, es ist das Recht, das entstanden ist durch eine Verheißung von Gott an Abraham, und das wir mit uns mitgetragen haben durch die ganze Welt, durch eine sehr bunte Karriere. Es ist dieses Recht, das uns die Möglichkeit gegeben hat, nach 2000 Jahren, als die Chance entstand, jüdische Männer und Frauen in allen Ecken der Welt zum Aufbruch zu rufen. Noch klingt in Ihren Ohren der Marsch der Menschen, die über die Schneewüsten Sibiriens, die durch die Steppen der Ukraine, die auf allen Wegen der Welt zu den Häfen gezogen sind, um nach Palästina zu kommen und das zu schaffen, was geschaffen worden ist. Nach 2000 Jahren gingen moderne Menschen durch alle Gefahren und alles Leid und sie arbeiteten und sie schufen, sie trockneten Sümpfe und sie bauten Wege und Häuser und sie schrieben jüdische Geschichte auf den Boden Palästinas mit Spaten, Pflügen und Hämmern. «Nicht mit einer Flotte, nicht mit einer Armee und Kanonen gingen wir an dieses Werk. Es gibt kein Beispiel in der ganzen Welt, daß so Kolonisation gemacht wurde, und wir können heute jedes Volk fragen: Wenn Du Kontinente erobert hast, vHe hast Du sie erobert, und was haben wir getan? Und deswegen sollte es keinem Juden einfallen, diese heilige Arbeit dem Verdachte auszusetzen, daß sie nicht friedlich gemacht wird. (Stürmischer Beifall.) Wir sind vom Frieden getragen, im Frieden erzogen, wir, die wir von der ganzen Welt angegriffen sind, wissen, daß wir unseren ersten Schritt nicht mit einer Ungerechtigkeit gegenüber anderen verknüpfen dürfen. Wir taten nur, was unser Recht war, der Landesbevölkerung ist nicht ein Haar gekrümmt worden. Nicht ein Haar! Das soll jeder Jude wissen, und jeder Nichtjude, und das ist unser größter Ehrentitel Man sollte es zehnmal überlegen, bevor man uns, die ihr Blut für diese Arbeit hingegeben haben, in die Lage versetzt, versichern zu müssen, daß wir friedliebende Menschen sind. Und von diesem Platz — ich weiß, daß meine Worte hinübertelegraphiert werden nach allen Ecken und Enden der Weilt — sage ich den Arabern: Wir kommen nach Erez-Israel in unserem Recht und nichts wird uns davon abbringen, hinzugehen. (Beifall.) Wir wollen mit ihnen ein gemeinsames Vaterland aufbauen. Wir haben es auf dem XII. Kongreß gesagt, und auch diese Pogrome bringen uns von diesem Willen nicht ab. Wir werden alles tun, um Annäherungsflächen und Berührungspunkte herzustellen — aber dazu gehören zwei! Nicht nur wir allein können es machen, es liegt auch an ihnen, das zu verstehen. Wir brauchen sie, und sie brauchen uns. Noch erkennen sie in uns nicht ihre Verwandten. Sie haben im Kampf, unter dem phfluß anderer ־ Krf«e,;;4־ie;‘lich:",Äf*jtöf’ jtoepf noch für IraBcr infer. essieren, vergessen, daß Israel und Ismael verwandt sind. Wir werden sie dazu bringen, das zu erkennen — durch unsere redliche Arbeit Aber auch sie müssen den Schritt dazu tun, und ich glaube, es gereicht einem Volke, das sich auch auf dem Wege zur Befreiung befindet, nicht zur Ehre, daß von seiner Seite nicht ein einziges Wort des Bedauerns über Hebron und Safed ausgesprochen wurde. Wenn sie verstehen werden, daß sie ihr Heim nicht auf Leichen unschuldiger Menschen aufbauen können, dann ist die Zeit zur Verständigung gekommen. Wir sind dazu jeden Tag bereit. Es gehört nicht in diese Versammlung, die Wege zu schildern, die wir mit unseren beschränkten Mitteln suchen, um diese Verständigung herbeizuführen. Wir tun es, aber zu einer Verständigung gehören zwei. Die Mandatarmacht kann, glaube ich, gerade in dieser Beziehung eine große Rolle spielen. Wir sagten zur *Mandatarmacht: Wir Juden wollen und können uns nicht auf Bajonette stützen. Selbst wenn wir es könnten, das jüdische Volk würde es seiner Tradition nach nicht wollen, wir wollen Frieden. Ihr könnt den ehrlichen Makler zur Herbeiführung dieses Friedens spielen, Ihr könnt den Arabern sagen: Wir haben euch gezeigt, daß wir unser Bestes tun, um euch gerecht zu werden im Irak, in Transjordanien, in Indien, in Aegypten. Wir halten die Politik des Nationalen Heimes für gerecht, und wir werden dahin wirken, daß ihr und die Juden einen modus vivendi etabliert. Die englische Regierung wird es tun. Aber man soll diese Arbeit nicht erschweren und ihr nicht vorgreifen.!אל תדחקו את השעה Das ist die delikateste und schwierigste Aufgabe. Künftige Geschlechter werden über uns zu Gericht sitzen, und uns fragen: Wart ihr vorsichtig, wart ihr euch klar, was ihr tut? Ich habe die Resolution des XII. Kongresses erwähnt, und ich will noch ein Dokument erwähnen, das vor wenigen Tagen entstanden ist. Ich sah voraus, daß man unseren Vertretern, die von der Untersuchungskommission einem scharfen Kreuzverhör unterzogen werden, sicherlich die Frage vorlegen wird, wie wir uns die Zukunft vorstellen, und ich habe unseren Freunden folgende Instruktion gegeben, die ich hier vorlesen will, weil sie in der Presse entstellt wiedergegeben wurde: ״Sollte man Sie (Sacher) oder Ruppin fragen, ob wir die Majorität erstreben, schlage ich Ihnen folgende Antwort vor: Wir wollen die Durchführung des Mandates, wir wollen Freiheit der Einwanderung im Einklang mit der Ökonomischen Entwicklung des Landes. Diese Entwicklung soll von der Mandatarmacht gefördert und die Gesetzgebung dazu im Sinne des Mandats ausgebaut werden. Ob dies zu einer Majorität führen wird, ist schwer vorauszusagen. Aber was immer geschehen wird, wir wollen niemanden beherrschen und von niemandem beherrscht werden.“ Auf dem Boden der Realitäten ist das ein Programm, ich weiß nicht, was man sich sonst vorstellt, ob es recht ist, futuristische Programme zu I entwickeln, — auf dem Boden der Realitäten entspricht das 1 dem Können und den Möglichkeiten. Davon werden wir nicht abweichen, nicht nach rechts und nicht nach links. Ich will mich zu keinem dieser Programme äußern, nur zu einem. Man verweist uns auf Schwierigkeiten, auf Araber, auf englische Beamte und findet, daß es leichter sei, ein ״kultureiies Heim“ zu schaffen. Ich verstehe das nicht; was ist das, ein Museum, ein Krankenhaus? Was ist ein ״kulturelles Heim“? Freilich es ist einfacher zu sagen: ״bethi beth tefilah lechol heamim", es ist leicht, Pesukim zu deuten, ״Palästina gehört allen Völkern — es gehört niemandem, Palästina ist Niemandsland“ usw. Wir lassen uns darauf nicht ein! Hat man uns ein ״Kulturelles Heim“ versprochen oder eine ״Nationale Heimstätte“? Ersatz galt im Kriege, nicht im Frieden. Und nun zera Schlüsse: Das Traurige in dieser ganzen Periode — es trifft nicht Sie, Sie haben Ihre Pflicht getan —- war, daß man inzwischen vergessen hat an Keren Hajessod und Keren Kajemeth, an Land, Kolonien, Budget. Alle Juden haben Politik gemacht, das war einfach, das war billig. Und es ist meine Pflicht, hier von dieser Tribüne sie zu erinnern: es gibt einen Keren Hajessod und einen Keren Kajemeth, und wir dürfen nicht aufhören, Land zu kaufen und für unser Budget zu sorgen. Wir haben die Agency, die einen schweren Stoß erlitten hat, zu einem Instrument auszubauen, das leistet, was wir von ihr erwartet haben. Deswegen kann ich nur empfehlen — der Präsident der Zionistischen Organisation ist kein Diktator, Juden gegenüber wäre eine Diktatur auch zu schwer — und Sie warnen, sich nicht gegenseitig zu zerfleischen. Richten Sie Ihre Geschäfte so ein, daß die Arbeit weitergeht. Konstruieren Sie keine Differenzen in Fragen der Weltanschauung. Wenn ich alles summiere, sehe ich nur taktische Differenzen. Ich hoffe, daß Sie aus diesem Delegiertentag gestärkt und er-* mutigt hervorgehen werden. Nezach Jisrael io jischaker. Das ist das Allerletzte, was uns bleibt. Ich habe manchem englischen Gegner gesagt: Ihr glaubt, das Mandat nicht erfüllen zu können. Ihr verlaßt uns, Ihr wollt, daß wir ins Mittelmeer getrieben werden. Für uns wird das nicht schwerer sein als die Austreibung aus Spanien, als die Kreuzzüge, als die Inquisition, nicht schwerer als die Pogrome in der Ukraine. Wir sind Spezialisten im Leiden und wir werden auch das ertragen. Es wird eine andere Zeit kommen, und wir werden unser Ziel erreichen. Aber — sagte ich — denken Sie daran, was ein englischer Staatsmann gesagt hat: God deals with the nations as the nations deal with the Jews. (Gott behandelt die Völker wie die Völker die Juden behandeln.) Es kann sich niemand erlauben, eine Frage der historischen Gerechtigkeit leichtsinnig zu behandeln. Das ist unsere Stärke und darum glauben wir, gestärkt in unserer Arbeit fortschreiten zu können. Was wir heute tun, tun wir als Kidusch haschera und wenn unsere Jungens in die Wüsten und in die Felder Palästinas gegangen sind, und wirkten und schafften und arbeiteten, so erschallte aus ihren Herzen eine neue Hymne der Arbeit und des Glaubens, die stieg zum Himmel und der jüdische Gott schaute auf seine Kinder herunter und erkannte sie wieder. Und dieser Gott wird uns weiterführen. (Stürmische, sich immer wieder erneuernde Ovationen, die Versammlung erhebt sich.) Die palästinensischen Unruhen und Aegypten Debatte des englischen Unterhauses London, 24. Dezember. (J. T. A.) In der am Abend des 23. Dezember durch eine Rede des früheren Außenministers Sir Austen Chamberlain eröffneten Debatte über die Politik der Labour-Regierung in Aegypten wurden von oppositionellen Rednern in mehreren Fällen die palästinensischen Unruhen als Argument gegen die Kolanialpolitik der Labour« Regierung ins Treffen geführt. So wiederholte der frühere Kolonialminister Winston Churchill, zu dessen Amtszeit bekanntlich das Weißbuch über die palästinensische Politik zustande gekommen ist, seine schon früher geäußerte Ansicht, ״die Erklärungen, daß die britischen Truppen Aegypten verlassen werden, seien von den unzufriedenen palästinensischen Arabern als ein Signal aufgefaßt worden, daß die Stunde gekommen sei, loszuschlagen . Er warf der Regierung vor, daß sie durch die Abberufung von Lord Lloyd im August dieses Jahres ״allen umstürzlenschen Elementen in Aegypten und Palästina unseren bevorstehenden Rückzug angekundlgt hat; denn ich glaube, daß die Entlassung von Lord Lloyd und die Art und Weise, wie sie sich vollzog, ein direkter Vorläufer der palästinensischen Massakers war. Daß die starke Hand, welche Aegvpt®״ beherrschte, und ihm vier Jahre ruhiger Regierung gab, plötzlich weggezogen wurde, mußte als ein Zeichen der Schwächt der britischen Regierung gedeutet werden, und erzeugte die Meinung, daß die Zeit reif sei. Das ist meine aufrichtige Ueberzeugung“. ln ähnlicher Weise versuchten auch noch andere Redner der konservativen Opposition, einen Zusammenhang zwischen der Orient-Politik der Labour-Regierung und den palästinensischen Massakers herzustellen. Thurtle, der Sekretär des Arbeitsministers George Lansbury, trat Churchills Behauptung cntgegen־ daß die bedauerlichen Massakers in Palästina irgend etwas mit der Abberufung von Lord Lloyd zu tun hätten und bezeichnete sie als eine leichtfertige Umdeutung der Tatsachen. Major H o p k 1 n , der Palästina bald nach den August-Unruhen besucht hat, hob die Wichtigkeit Palästinas für die Verteidigung des Suezkanals hervor. Sir Henry Page Crott stellte der Politik Lord Lloyds, der durch eine Regierung der starken Hand die Ruhe sicherstellte, die Politik der gegenwärtigen Regierung gegenüber, die mit großen Kosten Kriegsschiffe, Truppen und Flugzeuge nach Palästina schicken mußte, nachdem schon Blut geflossen war. Er und der folgende Redner, Captain Eden, wandten sich scharf und in ironischen Wendungen gegen das Bestreben, der Labour- Regierung, die unter britischer Verwaltung stehenden Orient-!ander des Middle East mit demokratischen Method e n zu verwalten. Weizmann geht nach Amerika Welzmann verließ am Morgen des 30. Dezember Jena, um sich nach Paris zu begeben. Wie wir erfahren, wird sich Dr. Weizmann voraussichtlich am 23. Januar nach den Vereinigten Staaten einschiffen. Lord Melchett, der demnächst eine Reise nach Südafrika antritt, hat die Einladung der Exekutive der Jewish Agency und des Direktoriums des Keren Hajessod angenommen, die kommende Keren Hajessod-Kampagne in Südafrika in den Städten Capetown und Johannesburg; zu eröffnen. Lord Melchett wird Un Februar in Südafrika ein treffen.