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Jüdische Rundschau · 1930-01-03 · Heft 1 (3.1.1930) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, 3.1. 1030 \ Krklärungen zu den Wahlen Dr. Kollenscher: Meine Gruppe ist in den Wahlkampf getreten mit der Parole, für eine Koalition einzutreten. Es Ist uns heute ,•»!geboten worden, in die Leitung einzutreten, aber wir haben das Angebot abgelehnt. Wenn wir von Koalition gesprochen haben, haben wir angenommen, daß sich der neue Zustand im Präsidium zeigen soll, so daß man sofort erkennt, daß eine grundlegende Aenderung in der Führung der Z. V.f. D. (tingetreten ist. was uns angeboten wurde, ist, daß alle Gruppen, die gemeinsam in Opposition getreten waren, auch im Geschäfts führenden Ausschuß die Minderheit sein sollten. Darin sehen wir aber nur eine Fortsetzung des alten Zustandes, zumal sich auch in der Leitung der ״jüdischen Rundschau“ und in ihrer Haltung nichts ändern soll. Wir wären also in dieselbe Lage versetzt gewesen, in der wir waren, als ich aus dem G. A. austrat. Wir werden nunmehr außerhalb des G. A. unsere Politik in Verbindung mit den Gruppen, mit denen wir bisher zusammen gearbeitet haben, fortsetzen. Es ist selbstverständlich, daß dabei unsere Mitarbeit an der gemeinsamen Arbeit so wie bisher nicht leiden wird. Wir werden in den Landesvorstand elntreten und auch in die Kommissionen gehen, in denen Sie uns Sitze anvertrauen; außerdem wird jeder einzelne von uns organisatorisch■ und propagandistisch seine Pflicht tun. Wir wollen alles tun, was zur Stärkung des Zionismus in Deutschland beiträgt, Dr. Hans Bloch (Revisionisten): Das Ziel der Revision nisten iin Wahlkampf zu diesem Delegiertentag war die Aenderung des politischen Systems der Leitung der Z. V. f. D., im besonderen die Aenderung der Redaktionsfuhrung der ״Jüdisehen Rundschau“. Die Majorität des Delegiertentages hat durch Annahme der Resolution Blumenfeld der bisherigen Führung das Vertrauen votiert und sich für die Politik der ״Rundschau“ ausgesprochen, die sich mit den Bestrebungen des Brith Schalom deckt. Die Revisionisten können folgerichtig nicht in die Leitung der Z. V. f. D. ein treten, weil sie damit die Mit- Verantwortung für das herrschende System übernehmen würden. GegendiesesSystem werden wir unseren politischen Kampf fortführen, im übrigen aber selbstverständlich nach wie vor an der gemeinsamen zionistischen Arbeit teilnehmen. Dr. Nahum Goldmann: Nachdem ich dem G. A. viele Jahre an gehört habe, veranlassen mich schwerwiegende Motive, das Angebot, auch jetzt einzutreten, abzulehnen. Wenn ich nicht eintrete, trotzdem meine Gruppe auf dem Boden des Koalition sgedankens steht, so geschieht es in erster Reihe nicht, weil wir hier eine Minorität sind, sondern weil wir geglaubt haben, daß wir nach dem Ausgang der politischen Debatte und Bestätigung des Kurses des Redakteurs der ״Jüdischen Rundschau“, Dr. Weltsch, aus gesamtzionistischen Gründen nicht die Verantwortung nach außen übernehmen können. Wir werden selbstverständlich in Zukunft zionistisch mitarbeiten, aber gleichzeitig werden wir den Kampf gegen diese Politik tortsetzen. Wir hoffen, daß der nächste Delegierten tag eine Majorität bringen wird für einen politischen Kurs, der es ihm ermöglichen wird, wieder an der Leitung teilzunehmen. Adler (Misraehi): Der Misrachi stand ebenfalls im Kampf auf diesem Delegiertentag. Wir sind in den Wahlkampf zu diesem Delegiertentag ein getreten mit der Parole der breiten Koalition. Wir haben für die$q*breite Koalition bis zur letzten Möglichkeit gekämpft. Nachdem es sich herausgestellt hat, daß bei der Konstellation auf diesem Delegiertentag diese breite Koalition nicht durchzuführen war, hielten wir es In der gegenwärt!gen schweren Lage der. .Arbeit in Deutschland für zionistisdie Pflicht, in den G. A. auch in einer Koalition, die schwächer ausgefallen Ist, als wir es eigentlich gewünscht hätten, einzutreten. Vorsitzender Dr. Ra bin nimmt sodann die Wahlen vor. Der Präsident der Z. V. f. D. und der O. A. werden mit großer Mehrheit gewählt, sodann wird die Liste des Landesvorstandes und der Stellvertreter verlesen und gewählt. Nach Abschluß der Wahlen übernimmt der Präsident des Delegiertentages, Kurt Blumenfeld, den Vorsitz. Blamenfelds Schlußrede Blumcnfeld: ich habe mich entschlossen, das Amt des Vorsitzenden noch einmal zu übernehmen. Sie wissen, diese Wahl ist nicht einstimmig erfolgt. Drei Fraktionen haben erklärt, daß sie sieb an der Leitung nicht beteiligen. Damit aber keine irritimer über die Stärkeverhältnisse vorliegen, so sei festgestellt, daß von den 140 •erschienenen Mitgliedern de3 Delegiertentages diesen drei Gruppen 33 angehören. Geehrter Delegiertentag! Ich habe es für meine Pflicht gehalten, trotz der Vorgänge, die zu diesem Delegiertentag geführt haben, alle Gruppen zur Teilnahme an der Leitung einzuladen. Man verlangte eine klare Ent- Scheidung in den politischen Hauptfragen, sie ist erfolgt, und nun glaubten wir, daß wir den Versuch der Konzentration der Kräfte machen müssen, die in dieser Zeit notwendig wäre. Es war unsere Pflicht, alle zur Mitarbeit aufzufordern, und ich hätte gewünscht, daß alle dem Rufe gefolgt wären. Klar ist die Haltung der Revisionisten, die sofort ein unzweideutiges Nein gaben. Ich erwarte, daß sie trotzdem als disziplinierte Zionisten mitarbeiten werden. Ich habe die Er- Iriärurig bedauert, sie war jedoch zu erwarten. Es wurde hier von den Revisionisten gesagt, daß die Politik der Leituhg der Z. V. f. D. die des Brjtn Schalom ist; das ist unrichtig. Was die beiden anderen Gruppen betrifft, war die Ent- Scheidung keineswegs nach der politischen Abstimmung klar, sonst hätte es nicht der langen Verhandlungen bedurft. Es •war auch heute noch möglich, ihre Mitaripjl zu bekommen, aber unter Bedingungen, die der Entsehei|fng der deutschen Zionisten widersprechen: man verlangte, daß im G. A. die Majoritätsverhältnisse sich umkehren. Die Opposition wollte eine Koalition akzeptieren, wenn man ihr im CIA. die Majorität c i n r ä u m t. Wir haben uns nicht an die Zahlenverhältnisse gehalten, sondern sind in unserm Angebot weit darüber hinausgegangen, um die Möglichkeit einer guten Zusammenarbeit zu geben. Wir haben immer loyal zusammengearbeitet und wir hätten es auch jetzt tun können und es wäre zum Wohle der zionistischen Bewegung gewesen, ich giaube, daß ein besonderer Augenblick auch besondere Maßnahmen erfordert. Wir hofften, daß dieser Delegiertentag einen Abschluß bringen wird, d. h. eine klare Entscheidung, und es ist zu bedauern, daß die inneren Kämpfe fortgesetzt werden, ich möchte feststellen, daß die Leitung der Z. V. f. D. alles getan hat, um die Einheit herzustellen. Es ist leider ab gelehnt worden. *Ich begrüße aber die Erklärungen, daß die Gruppen trotzdem mitarbeiten werden, und ich würde begrüßen, wenn man diese Arbeit ohne Vorurteile fortsetzen wollte. Es tut mir leid, daß wir uns von manchen Kollegen trennen, mit denen wir jahrelang zusammengearbeitet haben, daß Goldmann nicht eintritt. Die Majorität, die die Leitung übernimmt, wird die Geschäfte führen, wie es diese schwere Zeit erfordert. Ich erwarte, daß alle, die zionistisch tätig sind, in diesen nächsten Jahren alles tun werden, was im Interesse des Zionismus erforderlich ist. Geehrter Delegiertentag! Was für uns noch wichtiger ist als die parlamentarischen Verhandlungen, ist dieses Zusammenkommen der deutschen Zionisten in dieser Zeit zu einer klaren und offenen Auseinandersetzung. Die Z. V. f. D. hat sich als eia wichtiges Glied der Weltorganisation erwiesen und man mußte den Eindruck haben, daß unser deutscher Zionismus dem Weltzionismus noch beste Kräfte stellen kann. Die Z. V. f. D. wird ihre besondere Aufgabe auch in Zukunft erfüllen. Wir wissen, daß noch ernste Zeiten vor uns stehen. Aber uns obliegt es, die jüdische Welt mit der Sicherheit zu erfüllen, daß es zum großen Teil von uns selbst abhängt, was in nächster Zeit geschieht. Wir sind überzeugt, daß vor allem die eigene Kraft des jüdischen Volkes es ist, die uns dem Ziele näher bringt. Wenn wir heute von dieser Tagung Weggehen, so tun wir es mit einem Gefühl der Beruhigung über die MöglichkeitzurWciterarbeit. Denn wir alle haben gewonnen an Zutrauen zu unserer eigenen Organisation und zur eigenen Kraft. Für eines können wir den oppositionellen Gruppen dankbar sein: sie haben uns zu einer klaren Entscheidung verholten. Die nächste Sitzung des neuen Landesvorstandes wird schnell einberufen werden und das erledigen, was bei unserer beschränkten Zeit noch übrig bleiben mußte. Dr. Martin Ascher dankt hierauf dem gesamten Präsidium für seine unparteiische und umsichtige Leitung der Tagung, und spricht auch *den Dank an die Gesinnungsgenossen aus, die zur Vorbereitung und zum äußbren Gelingen des Delegiertentages beigetragen haben. Vorsitzender Blumenfeld dankt den Jenenser Freunden, insbesondere M i r I i n und Berger, sowie allen anderen Mitarbeiten», dem Büro usw. und schließt sodann um 1 Uhr nachts die Tagung. Die gesamte Versammlung singt die Hatikwah. Während des Delegiertentages wurde allabendlich das Anzünden der Chanukkah-Llchter in einem Nebenraum unter Beteiligung der Delegierten und Gaste vorgenommen. Die Zusammensetzung des Ddegtertentages Die Gesamtzahl der stimmberechtigten Delegierten betrug 161. Davon sind 104 Delegiert« ln 82 Ortsgruppen, 8 Delegierte von 7 Gruppenverbänden und 39 Delegierte von Sondergruppen gewUilt worden• % Begrüßungen An den D.-T. sind zahlreiche Begrüßungen aus allen Teilet der Welt eingegangen. Aus ^Eer Fälle dieser Depeschen und Begrüßungsschreiben seien erwähnt: Der Waad Leumi (Jerusalem) telegraphierte: ״Den Gruß des Jischuws an die Konferenz der deutschen Zionisten, die in einer schweren Stunde unserer Bewegung zusammentritt. Durch Fortsetzung unseres Werkes, durch Steigerung der Alijah und der Kolonisation werden wir alle Hindernisse überwinden. Unser Ziel gilt stets dem Frieden, aber ohne zionistischen Verzicht und ohne Prämie für die Pogromstifter. Der Glaube des Jischuws an das Gelingen unserer Aufgabe ist stark. Die Golah muß ihre Pflicht er• füllen.»‘ Alle Gruppen der ״Allgemeinen Zionisten“ Palästinas depeschierten; ״Unseren Gruß unseren Freunden in Deutschland! Von der Verteidigungsfront unserer Heimat fordern wir von Euch Einigung durch Anstrengungen für die Alijah : 1|Q0 gfn Aufbau in graßfjn Umfang, die _ allein . da* Untfiw I 'tagei», . Ä’ IllWf 1 Bari»‘ sind* ׳Wir Immer für r reden,־ aber"" niemals werfen mf Verzichten ztisümmen gegenüber denen, die an die Grundlagen unserer Bewegung rühren,• und keinerlei Aenderungen in der Ordnung des Landes, die den Organisatoren des Blutvergießens als Prämie dienen werden. gez. Ismos^zik, Mossinson, Supraski.“ Außerdem kamen Kundgebungen von den Zionisten Litauens, Kongreßpolens, Westgaliziens, Ostgaliziens, Österreichs, der Tschechoslowakischen Republik, Rumäniens und der Schweiz. Von den übrigen Depeschen seien hervorgehoben die BegrüBungen von Leo Motzklif (Paris), der Revisionisten in Haifa, den zionistischen akademischen Verbindungen in Wien. Ehrung Weizmanns nnd seiner Malter Am 30. Dezember wurde Frau Welzwann, die Mutter Chain! Weizmanns, 80 Jahre alt. Kurt Blumenfeld nahm das zum Anlaß, um Weizmann mach dessen Schlußrede in der Nacht vom 29. zum 30. Dezember die Glückwünsche des Delegiertentages darzubringen. Zugleich forderte er die Teilnehmer auf, Prof Weizmann und dessen greise Mutter in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. Diesem Appell kam der Delegiertentag nach, und eine am 30. Dezember eingeleitete Sammlung ergab für diesen Zweck über 1000 M. Kurt Blumenfeld richtete namens des Delegiertentages an Frau Weizmann in Haifa eine Glückwunschdepesche, Tn der es u. a. heißt: ״Vereint mit ihrem Sohne Chaim, unserm Präsidenten, Führer und Freund, entbieten wir Ihnen unsere herzlichsten Glückwünsche“. MaeDonald zu dem Balfonr-Brle! In der Sitzung des Unterhauses vom 23. Dezember fragte Major Sir Archibald Sinclair den Ministerpräsidenten, ob er die Absicht habe, eine Kommission zur Untersuchung der Fragen höherer Politik betreffend die künftige Verwaltung des Palästina-Mandates einzusetzen, insofern, als diese Fragen außerhalb der Kompetenz der Shaw-Kommission liegen. Der Premierminister antwortete: Es ist mir bekannt, daß dieser Vorschlag In einem Schreiben gemacht worden Ist, unter dem die Unterschriften einflußreicher Pfrsßnlichkelten stehen, die mir natürlich gebieten, den Vorschlag mit größter Sorgfalt zu erwägen. Es gibt allerdings wichtige Ueberlegungen, die sorgfältig abgewogen werden müssen, bevor ich eine Entscheidung treffe. Der Fragenkomplex, das muß Ich sagen, liegt klar außerhalb des Kornpetenz-Bereiches der Shaw-Kommlstiön undksnnnlchtzu einem Teil Ihres Berichtes gemacht werden. * Die Erklärung MacDonalds ist sehr bedeutungsvoll, weniger wegen der von ihm in Aussicht gestellten Maßnahmen, über die er sich nur sehr unklar äußert, als vielmehr wegen der Warnung an die Untersuchungskommission, die grundsätzlichen Fragen der Palästina-Politik in ihrem Berieht zu erörtern. Bekanntlich hat die Kommission trotz ihrer beschränkten Kompetenzen zugelassen, daß Grundfragen des Palästina-Aufbaus in den Verhandlungen erörtert wurden. Wie die Shaw-Kommission auf die neuerliche Erklärung des Ministerpräsidenten reagieren wird und wie sie daraufhin ihren Bericht einrichten wird, bleibt abzuwarteä. Die Rede Weizmanns Präsident Weizmann (von stürmischem sich immer wieder erneuerndem Beifall begrüßt): Ich danke Ihnen für die freundliehe Begrüßung, ich freue mich, daß es mir möglich war, in dieser schweren Zeit an Ihrer Tagung teilzunehmen und die Debatte über die Hauptfragen einleiten zu können. Es ist das erstemal seit den traurigen Ereignissen, daß ich, abgesehen von einer kurzen Ansprache, die ich vor einigen Tagen in London hielt, spreche, und es ist nicht leicht zu sprechen. Es ist um so schwerer, als die Kommlssion, die von der Mandatarmacht eingesetzt wurde, ihre Arbeiten zwar gestern' beendet hat, und wie Ich glaube, heute Palästina verläßt, aber noch ohne ihren Bericht erstattet zu haben. Viele von den Fragen, die man gerne berühren möchte, sind noch als sub judice zu betrachten. Wie Sie aber wissen, hatte die Kommission scharf umgrenzte Instruktionen bekommen, sich nur mit den unmittelbaren Ursachen der Ereignisse zu beschattigen und Mittel und Wege vorzuschlagen, wie eine Wiederholung derartiger Ereignisse für die Zukunft vermieden werden soll. Die Kommission sollte sich nicht mit grundlegenden politischen Problemen beschäftigen. Ich glaube aber nicht, daß der Bericht der Kommission sich auf Fragen der großen Politik beziehen wird und infolgedessen kann man diese Fragen nicht als sub, judice betrachten. Was immer wir tun, sagen und denken, steht im Schatten dieser Ereignisse. Sie hatten eine große Folge: nicht nur ist eine schwere Erschütterung im Judentum und im Zionismus hervorgerufen worden, nicht nur sind Schäden materieller und moralischer Natur angerichtet worden, die Ereignisse hatten noch einen anderen Effekt: Wenn auch die 111struktlonen der Kommission beschränkte waren, die ganze Frage des Zionismus, des Aufbaus des Nationalen Hehns, steht heute offen vor dem Tribunal der Welt, und wir müssen heute vor der Welt nochmals unsere Stellung klarlegen, unsere Rechte unterstreichen, unsere Methoden nochmals darlegen. Und in gewisser Bc- Ziehung, geehrter Delegiertentag, besteht eine Aehnllchkeit zwischen der heutigen Periode, durch welche wir gehen, und zwischen der großen heroischen Zeit, die wir vor 10 Jahren durchmachten. Die Epoche der Balfour-Deklaration, die Epoche von San Remo war schicksalsschwer und ist mit der heutigen zu vergleichen. Auch damals, besonders in San Remo, wurde zum erstenmal das Urteil der Welt über unsere Forderungen und Bestrebungen abgegeben. Auch damals hatten wir vor der Welt unsere Sache zu plaidieren, und heute müssen wir es nochmals. Es ist ein Unterschied zwischen der San Remo-Zeit und der jetzigen. Damals war die Welt eine andere. Aufgetaut durch all das, was im Kriege geschehen ist, waren die Köpfe und die Herzen, offen und zugänglich für große und neue Ideen. Jetzt ist die Welt erstarrt, und ich darf Sie hier erinnern an ein Wort eines großen englischen Staatsmannes, der uns nach San Remo sagte: ״Nun habt Ihr die Chance, wir haben Euch in den Sattel gesetzt, auf Etach liegt jetzt die Pflicht, .pm*..aqmtam• .ימיי J*f habe»; %lo *«er zw« ,!«Hwi^shrd d«״Wl!Flussehen wie das baltische Meer vor einen» Frost. Noch sind Wellen da, noch werden Wellen geschlagen, aber das Meer wird zu einem Eisblock erstarren und Ihr werdet Eure Köpfe in diesen Eisblock hineinrennen müssen. Verzaget nicht, tut Eure Pflicht, es wird noch einmal eine Zeit kommen, wo alles auftauen wird; dann wird die Welt Euch besser verstehen.“ Es liegt etwas Prophetisches in diesem Worte. Wir haben die Chance, die uns damals gegeben wurde, ausgenutzt. Und heute stehen wir zwar vor einer Weit, die uns weniger versteht als vor 10 Jahren, aber wir haben gleichzeitig eine Leistung in Palästina hinter uns, die mehr spricht als Deklarationen und Proklamationen. Ich glaube, daß in diesen schweren Tagen dies nicht genug betont wurde. Die Leistung steht heute als politischer Machtfaktor da und wiegt in der Schale der Ereignisse schwer. Wenn wir diese Chancen nicht ausgenutzt hätten, wenn diese Leistung nicht dagewesen wäre, wäre vielleicht kein Angriff gegen uns gekommen, weil wir einfach nicht da wären, dieser Angriff hat uns gerade in einer Zeit erfaßt, die von unseren Gegnern sehr gut und in taktischer Weise außerordentlich klug bemessen wurde. Wir waren gerade stark genug, um einen Eindruck auf die Welt machen zu können. Wir waren schwach genug, um uns ganz und voll verteidigen zu können. Unsere Oegner sagten — und das ist nicht neu in der Geschichte — ״pen jlrbu“. Wenn wir sie jetzt brechen, dann sind sie gebrochen; und man machte den Versuch, uns zu brechen. Der Versuch ist mißlungen, und wir stehen heute unerschüttert da. Welches sind die Fragen, die heute aufgerollt werden? Und was hat die zionistische Leitung heute zu tun, um diese Fragen zu beantworten? Es handelt sich um drei Probleme: Unser Verhalten zu der Mandatarmacht, unser Verhalten zu den internationalen Organen, die unsere Arbeit überwachen und kontrollieren, zu der öffentlichen Meinung der Welt, wie sie zum Beispiel im Völkerbund verkörpert ist und unser Verhalten zu den Arabern. Ich will in kurzen allgemeinen Sätzen diese drei Probleme vor Ihnen schildern. Ich werde vielleicht mit dem zweiten Problem beginnen. Unser Recht auf Palästina und, um ganz genau zu sprechen, unser Recht, ein Nationales Heim in Palästina aufzubauen, steht heute unerschüttert, genau so, wie es vor zehn oder vor hundert oder vor tausend Jahren war. Die Gründe, die die Großmächte und die aufgeklärte Meinung der Welt dazu geführt haben, dieses Recht anzuerkennen, sind heute nicht schwächer geworden, sondern stärker. Das Judenproblem in der Welt Ist heute in schärferem Maße da als vor zehn Jahren. Die Welt wird morgen oder übermorgen zu der Einsicht erwachen müssen, daß es nicht angeht, daß 10 Millionen Juden zermürbt und zeretäubt werden, und daß die Welt, was Juden betrifft, eingeteilt wird ln zwei Kategorien, in Länder, in welchen die Juden nicht leben können, und in Länder, in die man Juden nicht hineinläßt. Keine Zivilisation kann ruhig zusehen, wie eine große Nation, ein Volk, das seinen Beitrag zur Menschheitskultur geleistet hat, verurteilt bleibt, zermürbt und zerstäubt zu werden, in einem Zeit- Punkt, wo ein Teil dieses Volkes danach strebt^ diese Kräfte

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