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Jüdische Rundschau · 1930-01-03 · Heft 1 (3.1.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXV (1930)
Issue
Heft 1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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UMkMAWlA Jüdaica Kölner Bfbhotbak «״ Oeactoioüte d«a douUobra }udvntuni 'iO - Einzelnummer 0£3 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich %— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Auilandaihnnnrmeiit• mmdmt ta Am Wlhraag dm «tnialMH Ustler barcchnat. AaieigenpreJ«: 8 *up. Naopireffl•!«!!• 0,50 G-M, StaUentemcIw 0,25 &-M. Miimmer t | Berlin, 3.1.1930 Redaktion Verlag und Anzeigen - Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165 -70. AasatgaucUiiä: Dieaittg aad Fratug aaetmitt•(# 4 Uhr Redaktionsschlu& Sonntag und Mittwoch nachmittag. Po•«, chtck .Komaa: Bwtta 17392,, B*mI V 9355. Balmd 68032, BrÜMwl 394 33, Badapnc 59693, Diari* 197% H••* 140420, Prag 59410 Suaartmi•* 164 30, Waneiua 190 7(», Wim 156 030. Raok.Koaion! Dartnsddt«* and Natioaalhaak, D«po4ten Raaaa Barlin.1 KarMir«(«isdlaa*a1 52; Bunt* dm Ee, Ceramiti (Rizmiaiaa); Aoglo Pale#lm« Co. in Haifa, Tarusalam, T«! -Aviv. snn *ג׳ טבת | xxxv. j*1»gg. Per Zionismus erstrebt I0r da» jadische Volk dl« Schäftung elnar Öffentlich - rechtlich gesicherten Helmalltle ln Pallntlna. ״Baseler Programm,“ Der Jenaer Delegiertentag BlumenSeld wiedergewählt — Koalition zwischen Linkes Zentrum, Hitachduth und Sozialist. Zionisten, Misrachi — Mißtrauensvotum gegen die Redaktion mit 94:47 Stimmen abgelehnt — Große politische Aussprache — Das außen• politische Programm r Weizmanns Rede Der Delegiertentag in Jena stand diesmal im Brennpunkt der Aufmerksamkeit der ganzen zionistischen Welt. Durch die Anwesenheit Dr. Weizmanns bekam die Tagung eine Bedeutung allgemein zionistischer Art, sie war mehr als ein lokales zionistisches Ereignis. Und jeder objektive Beobachter wird zugeben müssen, daß die Tagung die Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, gerechtfertigt hat. Sie war erfüllt von tiefstem Ernst und Verantwortungsgefühl, sie brachte eine grundsätzliche Aussprache über die Fragen, die jetzt die zionistische Welt aufwühlen, und die Auseinandersetzung der oft scharf entgegengesetzten Anschauungen erfolgte auf hohem sachlichen Niveau, aus leidenschaftlicher Ueberzeugung und doch mit Respekt vor dem Gegner, in aller Offenheit und Rückhaltlosigkeit und doch ohne Indiskretionen oder politische Unvorsichtigkeiten. Man darf wohl sagen, daß diese Debatte eine Reinigung der Atmosphäre und eine gewisse Erleichterung gebracht hat, obwohl "OH pn|" neeft; iqnntr fögjfrti "'indf #ohew :v#r out stehfctfi *Aber Wenh wir als die Aufgabe einer politischen Organisation ansehen, Problemen nicht auszuweichen, sondern sie zu bewältigen, so war dieser Delegiertentag sicherlich eine Etappe auf dem Wege zu diesem Ziele und daher eine außerordentliche Stärkung des zionistisehen Bewußtseins und der zionistischen Kraft. Obwohl mehrere Abstimmungen scharf geschiedene zwei Lager gegeneinander abgrenzten, so kann man doch wohl sagen, daß in einem Sinne es weder Sieger noch Besiegte gab: in der Bejahung dieses zionistischen Lebensgefühls, in der Empfindung des belebenden Wertes dieser Tagung waren alle einig. Und daß es möglich war, trotz der tiefen Erregung eine solche Tagung ohne jeden Zwischenfaü und sogar ohne parlamentarische Mißtönc in aller Würde durchzuführen, wird dem deutschen Zionisraus in seiner Gesamtheit stets als Ehre angerechnet werden. » Der Delegiertentag ist ein Ausläufer der Erregungswelle, die die zionistische Welt nach den Palästina- Unruhen in Erschütterung versetzt hat. Es waren Meinungsverschiedenheiten darüber entstanden, wie diese Ereignisse politisch zu deuten sind und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Dabei ging es weniger um die Unruhen selbst, auf die wohl alle gefühlsmäßig in gleicher Weise reagierten, als vielmehr um die dahinterliegenden tieferen Fragen, die durch die schreckliehen Ereignisse nicht neu entstanden waren, sondern nur eine grellere Beleuchtung erfahren hatten. Die Grundfragen der zionistischen Politik im Lande, die seit vielleicht zehn Jahren im Zionismus erörtert werden, sind dadurch in aller Aktualität in den Vordergrund des zionistischen Interesses gerückt worden. Bei einer soleben Erörterung gibt es Meinungsverschiedenheiten nicht nur zwischen parteimäßig abgezirkelten Gruppen, sondem auch innerhalb der Gruppen, und darüber hinaus individuelle Nuancierungen. Bei politischer Handlung jedoch ist es selbstverständlich, daß nicht jede Schattierung zu besonderem organisatorischen Ausdruck kommen kann, und daß in bestimmter Situation manche einander sonst nahestehende Gruppen oder Personen nur einen Teil des Weges Zusammengehen. Das Wichtige aber scheint uns die zionistische Grundkonzeption, von der man sich bestimmen läßt Dies kam zweifellos auch auf dem Delegiertentag zum Ausdruck Eine volle Bewertung der Tagung soll heute nicht gegeben werden, Ihre praktischen Resultate lassen sich in zwei Tatsachen zusammenfassen: 4fr Mißtrauensantrag gegen die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ wurde mit 94 zu 47 Stimmen (also genau % Mehrheit) abgelehnt und eine neue Leitung unter Führung von Blumenfeld wurde gewählt, die eine Koalition zwischen Allgemeinen Zionisten (Linkes Zentrum), Hitachduth und Sozialistische Zionisten, und Misrachi darstellt Damit Ist der unerwünschte Zustand beseitigt, daß eine so wichtige Gruppe wie der Misrachi in der Leitung nicht vertreten war. Was die Führung von Blumenfeld betrifft, so kann man wohl sagen, daß diese auf dem Delegiertentag fast allgemein anerkannt wurde. Denn über die neue Koalition hinaus bis weit in die Kreise der jetzigen Opposition wurde seine Leistung und die zionistische Ueberlegenheit die er auch auf diesem Delegiertentag bewies, gewürdigt. Es ist noch zu erwähnen, daß die angenommene Resolution, die Richtlinien für die Haltung der Z. V. f. D. in außenpolitischen Fragen ent- Die neue Leitung Vorsitzender der Z. V. f. D.s Kurt Blumenfeld. Geschäftsführender Ausschuß: Alexander Adler,- :- Alfred Borger,. Dr. -Sperfri«4 JCaijowitr, ßr, öeo»׳ giirfto jf ts f V'y;M *Ösfcär ס#י i fsh frg. Politische Resolution (Recolutfon Blumenfeld) Die angenommene Resolution zur zionistischen Außen- Politik lautet: יי Der Delegiertentag ermächtigt die Leitung der Z. V. f. D., zu den außenpolitischen Fragen nach den folgenden Grundiinlen Stellung zu nehmen: I. Das Fundament jeder zionistischen Politik ist der unzerstörbare Lebenswille des jüdischen Volkes, ihr notwendiges Ziel die Errichtung der nationalen Im Palästina-Mandat anerkannten öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte. II. Zur Durchführung dieser Politik verlangen wir nicht nur, daß in Zukunft unter allen Umständen Schädigungen des Aufbaus der Heimstätte durch die Regierung vermieden werden, wie sie in der Vergangenheit aus Gleichgültigkeit oder Nachlässigkeit oder aus verständnisloser Abneigung gegen unsere Sache entstanden sind, sondern wir fordern die aktive Unter- Stützung der Mandatarmacht, za deren Gewährung sie durch das Mandat verpflichtet ist und die sie uns bisher in hohem Maße vorenthalten hat. III. Der Erfolg unserer Politik beruht entscheidend auf der eigenen Leistung des jüdischen Volkes. Daher bietet der Zusammenschluß des Gesamtjudentums in der Jewish Agency für unser Werk eine neue bedeutende Chance, die durch die. Kraft und das Wachsen der Zionistischen Organisation zu einer Verbreiterung unserer politischen und wirtschaftlichen Basis geführt werden muß. Schon heute Ist, unsere Position in Palästina und die Stärke des Jischuw eine zuverlässige Stütze für die, Durchführung unserer nationalen Politik. Unser Recht, in vollkommener Freiheit in das Land elnzuwandern, darf nicht angetastet werden. Die volle Verwirk- Hebung unserer Hoffnungen auf eine Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Erez-lsrael erfordert das ständige sichtbare Wachsen unseres Aufbauwerkes. Aut die Förderung und Unter- Stützung der Chaluzbewegung ist besonderer Wert zu legen. IV. Die zionistische Bewegung wünscht mit dem arabischen Volk in Eintracht und in gegenseitiger Achtung zu leben und zusammen mit ihm die gemeinsame Heimat ln ein blühendes Gemeinwesen umzuwandeln, dessen Aufbau allen seinen Bevölkerungsteilen ungestörte nationale Entwicklung •ichgrt. (Resolution des XII. Zionistenkongresses.) In diesem Geiste soll die Zionistische Organisation eine aktive planmäßige, die Errungenschaften des Mandates dem Wortlaut und dem Geiste nach sichernde Politik der Verständigung mit dem arabischen ,Volke aufnehmen, durch welche die der Schaffung der Nationalen Heimstätte entgegenstehenden Hindernisse auf friedlichem Wege beseitigt werden sollen. Politische Verhandlungen liegen ausschließlich in den Händen der Exekutive. hält, beweist, daß die eine Zeitlang beobachteten Be- Strebungen, die Z. V. f. D. außenpolitisch zu ״neutral!- sieren“ und sie dadurch der Form eines Dachverbandes anzunähern, überwunden sind. Die Z. V. f. D. hat sich in Jena als ein lebendiger zionistischer Organismus erwiesen, der nunmehr, nach Austragung der bisherigen Unklarheiten, neu gestärkt an die Arbeit herangeht * Wir können in der heutigen Nummer nur eitlen Teil des Berichtes veröffentlichen. Der Delegiertentag wurde Sonntag, 10»/3 Uhr vormittags, eröffnet. Nach der Eröffnungsrede von Blumenfeld hielt Dr. W eizmann sein Referat über die politische Lage im Zionismus. Sodann sprach Berl Kaz« nelson (Palästina), der die Anschauungen der palästinenstechen Arbeiterschaft darlegte. Nach ihm wurde dem aus Palästina als Gast anwesenden deutschen Zionisten Dr. Felix Dan ziger das Wort erteilt, der bereits in die politische Debatte ein griff. Die politische Debatte selbst wurde von dem Redner der stärksten Gruppe (Linkes Zentrum) Dr, B i I e s k I eröffnet. In der Nachmittagssitzung wurde die Debatte fortgesetzt. Es sprachen Dr. Barth (Misrachi), Landauer (Hitachduth), Kollenscher (Unabhängige Zionisten), Lichtheim (Revisionisten), Gold mann (Radikale). In der Ahendsitzung, die um IQ Uhr begann, sprachen dann Weltsch, Blume nfeld und schließlich Dr. Weizmanu, der sich in seinem Schlußwort gleichzeitig von dem Delegiertentag verabschiedete, da er Montag früh Je» verließ. M J[0;f Versuch, die Sitzung tim 12 Uhr zu eröffnen,^scheiterte daran, daß die politischen Resolutionen noch nicht-zur Abstimmung reif waren und Blumenfeld es ablehnte, das Referat über die künftige Arbeit der Z. V. f. D. zu halten, solange man nicht wußte, ob nicht als Konsequenz der politischen Abstimmung eine andere Führung gewählt werden müsse. Um 2י/י Uhr erfolgten dann im Plenum die Abstimmungen über die politischen Anträge. Wir veröffentlichen heute nur den Text der Resolutionen und werden den Verlauf der Sitzung nachtragen. Die Abstimmung über die außenpolitische Debatte wurde durchgeführt in der Form der namentlichen Abstimmung über drei Resolutionen. Die erste Resolution, eingebracht von Radikalen und Revisionisten lautete: ״Der Deieeiertentag mißbilligt die Haltung der ״J. R.״, die die eindeutige Betonung der politischen Grundauffassungen des Zionismus vermissen läßt und den Erfordernissen der gegenwärtigen Politik widerspricht.“ Abgelehnt mit 47:94 Stimmen bei 4 Enthaltungen. Die zweite Resolution, eingebracht von Misrachi und ״Unabhängigen Allgem. Zionisten“, lautet: ״Der XXIII. Delegiertentag fordert nachdrücklich Wabrung unseres völkerrechtlich gewährleisteten Rechtes auf Schaffung einer Nationalen Heimstätte in Palästina. Er lehnt jede Zielsetzung ab. An dieser Grundeinstellung ist insbesondere festzuhalten bei den zur rechten Zeit einzuleitenden Verhandlungen, die die Schaffun״ eines friedlichen Zusammenlebens mit den Arabern in Palästina zum Gegenstand haben. Der Delegiertentag verlangt, daß die Haltung der ״Jüdischen Rundschau“, des offiziellen Organs der Z. V. f. D., mit diesen Grundsätzen in Einklang gebracht wird.“ Zu diesem Aftag erklärt Herr Blumenfeld, daß er mit der Ablehnung des Antrages die Vertrauensfrage verbindet. Der Antrag wird sodann mit 84 : 54 bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Sodann folgt die Abstimmung über die nebenan abgedruckte Resolution Blumenfeld, die mit 82 : 53 Stimmen bei 8 Enthaltungen angenommen wird, nach Ablehnung eines Amendements Dr. Halpern. Hierauf hielt Herr Blumenfeld sein Referat wegen der vorgeschrittenen Zeit in abgekürzter Form. Die Debatte, die auch Fragen der Geineindepoü'.ik berührte, nahm den Rest des Nachmittags sowie die Abendsitzung in Ansprach. Inzwischen arbeitete der Permanenz-Ausschuß fieberhaft Es wurde der Versuch gemacht, eine Koalition auf breiter Basis zustande zu brfhgen und erst in später Nachtstunde zeigte es sich, daß dies nicht gelang. Die letzte Sitzung, in der die Wahlen vorgenommen wurden, nahm folgenden Verlauf: Unter dem Vorsitz von Benzion Fett erstattete der Vorsitzende des Permanenzausschusses, Herr Feuerring, zunänächst den Bericht über die vorliegenden Resolutionsanträge. Die Resolutionen wurden abgestimmt und angenommen. (Veröffentlichung in der nächsten Nummer.) Sodann schlug Herr Feuerring, während Dr. Rab in den Vorsitz übernommen hatte, die Kandidaten des Permanenz-Aus- Schusses für die Aemter der Z. V. f. D. vor, und zwar zunächst Finanzausschuß und Ehrengericht, die einstimmig gewählt wurden, sodann die Liste der Leitung der Z. V. f. D. Zu diesem Punkt wurden folgende Erklärungen abgegeben:

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