Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1929)
- Date
- 1929-12-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 090 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 101/102, 24. XE 1929 Die August-Tage in Beih-Alpha Von einem Augenzeugen. Wir haben einen in Berlin weilenden Chawer aus Beth •Alpha, der die August-Tage dort miterlebt hat, ersucht, seinen Beruht für die Jüdische Rundschau aufpi^eichnen. Das DorJ Beth-Alpha, wo im Vorjahr die Ruine der alten Synagoge aus dem y. Jahr• h mdert ausgegraben wurde, besteht bekanntlich aus pvei Kwu^oth: a-e eine ist der Kibbuך des Haschomer Ha^air, die andere die h wiqah ״Che/jiba“, deren Mitglieder vorwiegend aus Deutschland und der Tschechoslowakei stammen. Red. Bevor ich über die Ereignissein Beth-Alphaberichte, möchte u 11 noch zum näheren Verständnis der besonderen Situation dieses Ortes einige allgemeine Bemerkungen vorausschicken. Hctls-Alpha ist die exponierteste Siedlung des Emek Jesreel gegen (1:1s Ostjordanland zu. Das Emek ist schon seit den ältesten Zeiten das Einfallstor von Transjordanien nach Palästina gewesen. Beth-Alpha ist nicht nur dadurch gefährdet, daß es als erster Punkt der jüdischen Siedlung im Emek einem Angriff von Osten entgegensteht und den •Schlüssel zum Eindringen ins Emek bildet, — auch seine lokale strategische Lage ist außerordentlich ungünstig. Die Siedlung liegt am Fuße des Berges Gilboa und kann leicht vom Berg aus beschossen werden, aus Deckungen, die vom Lager nicht einzusehen sind, da die vorspringenden Felsen den Angreifer unsichtbar machen. Während die anderen Siedlungen (Ajn Charod, Tel Josef, Gewa, Ajn Tiwon) konzentriert liegen, ist Beth-Alpha vom nächsten Ort, der telephonische Verbindung ermöglicht, etwa zehn Kilometer entfernt — auf Feldwegen, die im Winter unwegsam sind. Ocstlich von Beth-Alpha, ungefähr eineinhalb Kilometer vom f fof, ist das Tal mit Beduinenzelten des Stammes ״Segr“ besetzt. Etwa 6 km entfernt liegt die arabische Stadt Beisan — im Altertum Skythopolis. Direkt über der Siedlung auf dem Plateau des Gilboa liegt das arabische Dorf Fokna und auf der anderen Seite des Emek Schata. Auch in normalen Zeiten verursachte diese Lage zahlreiche Diebstähle auf den Feldern im Weinberg und den Gemüsegärten. Trotzdem waren wir immer bemüht, die besten Beziehungen zu unseren arabischen Nachbarn aufrocht zu erhalten. Sie waren unsere Gäste bei allen Festen (Purim, Peßach, Theateraufführungen), und auch wir wurden häufig von ihnen eingeladen. Bemerkenswert ist, daß sie uns mit Freude ihre schönen traditionellen Kostüme zu unseren Purimfeiern geliehen und sogar angeboten haben. Die gespannte Situation im Lande war uns schon aus Zeitungen und Berichten bekannt, und trotzdem wir die Lage sehr ernst beurteilten, ahnten wir nicht, zu weichen Ereignissen es kommen würde. In der Nacht vom 23. zum 24. August verständigte man uns aus Ajn Charod von den Vorfällen in Jerusalem und teilte uns mit, daß ein Ueberfall auf Beth-Alpha erwartet werde. Von der Regierung erhielten wir keinerlei Nachricht. Nur eine Polizeipatrouiiie erkundigte sich in der Nacht, ob nichts vorgefallen sei. Am nächsten Tage beriet man über die Maßnahmen, die zu treffen seien, und man stellte einen Plan zur eventuellen Verteidigung des Ortes auf. Etwa um 12 Uhr mittags kam ein Scheich des benachbarten Beduinenstammes zu uns und erzählte, daß Agitatoren die Gegend gegen die Juden aufhetzten, und daß in Beisan schon Unruhen seien. Er erzählte auch, daß für den nächsten Tag ein Angriff auf Bet-Alpha vorbereitet werde. Nun begriffen wir den Ernst der Lage. Der erste Entschluß war, die Kinder in Sicherheit zu bringen. Dies führten wir sofort durch und brachten in voller Ruhe die Kinder und deren Pflegerinnen sowie alles dringend Nötige für ihren Bedarf nach Gewa. Vor Anbruch der Dunkelheit begannen wir mit den Maßnahmen, um einen nächtlichen Ueberfall zu verhindern. Wir konzentrierten die Menschen beider Kwuzoth und unserer Schulsiedlung (ungefähr 150 Personen) im einstöckigen Kinderhause des Kibbuz ״Haschomer hazair“. Dieses Betonhaus, das aus zwölf Zimmern und einem großen gedeckten Balkon besteht, von dem aus man die ganze Gegend überblicken kann, ist der östlichste und höchstgelegene Wohnbau im Beth-Alpha. Deshalb wurden alle in diesem Hause konzentriert, und es wurde wie eine provisorische Festung mit Erdsäcken und Heubündeln verschanzt. Wir verbrachten diese Nacht in ziemlicher Aufregung und Un- Sicherheit. Die Nachrichten, die ungewohnte Enge des Beisammenseins, das Verbot, Licht anzuzünden, Automobile mit abgeblendeten Lichtern, die wir die Gegend auf arabischer Seite durchstreifen sahen, Schüsse in der Nähe des Lagers, Nachrichten unserer Patrouillen, die die Gegend abschritten, dies alles brachte eine gespannte, ermüdende Stimmung, und wir atmeten auf, als der Morgen anhrach. Am nächsten Tage sahen wir eine große Bewegung in unseren Feldern und im Beduinenlager. Arabische Frauen und Kinder zogen in großen Scharen zu unseren Maisfeldern und begannen unter dem Schutze berittener Männer, die reifen Kolben abzunehmen und wegzuführen. Wir beschlossen, nichts gegen sie zu unternehmen, da wir das ganze als Provokation ansanen, um uns zum Verlassen der Siedlung zu bewegen. Und tatsächlich vergrößerte sich die Bewegung im Beduinenlager von Minute zu Minute. An verschiedenen Orten versammelten sich Reitergruppen, etwas weiter entfernt sah man Menschen, die um einen Redner versammelt Situation# «5ki»e waren, und von den Bergen und aus dem Osten des Emek kamen unablässig Reiter und Fußgänger und vermehrten die Menge. Die klare palästinensische Luft und die Weite des Tales, das eben wie ein Tisch daliegt, ermöglichte es uns, dies genau vom Hause aus zu verfolgen. Etwa um 10 Uhr vormittags kam der Scheich zum zweiten Male. Ein Chawer empfing ihn vor dem Lager und nahm seine Nachricht entgegen, daß Beduinen und Fellachen der ganzen Gegend, darunter auch der große Stamm ״Rasovije", beschlossen hätten, gegen Beth-Alpha zu ziehen. In Beisan, erzählte er, herrsche große Erbitterung und man hätte die ansässigen Juden schon massakriert. Er versicherte, daß er und seine Familie versuchen würden, die Menge zurückzuhalten, aber wahrscheinlich ohne Erfolg. Welche Motive ihn bewogen hatten, uns zu benachrichtigen, ob Freundschaft oder Spionage, konnten wir nicht feststelien. Wir erkannten nun, wie außerordentlich gefährlich unsere Lage war, und beschlossen, die Behörden von Ajn Charod aus telephonisch zu benachrichtigen. Unser Chawer Jakob Lauer erklärte sich bereit, dies gefährliche Unternehmen durchzuführen. Er lehnte es ab zu reiten, da er «ich zu Fuß sicherer fühlte. Der Weg, der am Fuße des Gilboa entlangführt, war von Arabern besetzt. Aus den Waldungen und vom Berg wurde der Bote ständig beschossen, und nur seiner Geistesgegenwart und seinem Mut ist es zu danken, daß er den Weg unverletzt zurücklegte. Nach anstrengendem Laufe kam er nach Ajn Charod, benachrichtigte den Polizeiposten und brach dann erschöpft zusammen. Was die mutige Tat dieses Chawers für Beth-Alpha bedeutete, kann nur der ermessen, der diese Augenblicke miterlebte. Während der Zeit sahen wir, wie sich die Araber in einer langen Linie vom Fuß des Berges bis zum Beginn des Tales verteilten und vorzugehen begannen. Mit einem Male waren unsere Weingärten und unsere Felder voll mit Reitern, Fußgängern, Frauen und Kindern. Wir trieben das Vieh in die Nähe des Kinderhauses zusammen, und jeder suchte ein Gerät mit dem er sich im schlimmsten Falle verteidigen könnte, wir waren auf das Aergste gefaßt. Da vernahmen wir die Hupe eines Autos, in dem die Polizei mit unserem Chawer eintraf. Nach einigen Minuten kam auch Captaln Bryant, der englische Polizeikommandant von Nazareth, ein beleibter Herr ln einem weißen Tropenanzug, mit einem leichten Jagdstutzen bewaffnet Er ging mit einigen Polizisten den Arabern, die sich bis auf 300 Schritte genähert hatten, entgegen, und hob die Hand, um sie zu warnen; daraufbin wurde auf ihn geschossen. Er ging zurück und begann mit lllllllllllilllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllilillllllil Makkabis Gesang Der Acker ist nicht reif für Brot und Wein, Solang des Feindes Mordhand ihn durchgräbt, Solang sie schändet Heiligtum und Schrein, Solang der Alp der Knechtschaft in uns lebt. Das Rebenmesser ist zur Ernte nicht Wie sonst bestimmt. Die Sense rostet im Verschlag, Die Herden sind erkrankt, es bricht Ein Dunkel, Gottes Zorn, in unsern Tag. Es fault der Stamm des Volkes mit der Saat, Die wir dem jungen Jahre amgestreut. Die Keime höhnend Feindesfuß zertrat. Hört Gott uns nicht, daß er die Saat erneut? Ihr Jungen am dem Volk, was siecht ihr hin! Seid ihr nicht Waldesstämmen gleichl Erhebt Euch, nehmt Gerät und Schwert und Sichel in Die Faust: nur wer sich Leben gibt, der lebt! Der Mütter Augen segnen diesen Streit. Reißt von der Vaterstirn das schmache Joch, ln euch ist Blut, ist Gottes Geißel noch — Empor, den Tempel und das Land befreit 1 ManfredSturmann. 1i1f1H1111nn1H111111!1111111111111n1m11111i11n1111111111nf11nHn11n1111R111nn1111n1n1n1fm1nm1111111n11111m111mn1nt1ti11m11111111 seinen Begleitern auf die Angreifer zu feuern. In völliger Ruhe sah er durch ein Fernrohr und schoß mit unerschütterlicher Sicherheit Während der Zeit kamen zwölf Mann der Grenzgendarmerie, Araber und Tscherkessen, mit einem Maschinenfewehr und nahmen im ersten Stock des Hauses Steilung. Kaum atten sie aus dem Maschinengewehr eine Salve In die Luft abgegeben, entstand in den Reinen der Angreifer Verwirrung, und sie begannen zu fliehen. Damit war dieser Angriff beendet Nur vom Berge herab schoß man weiter. Wir erfuhren nachher, daß der Stamm ״Rasovije“, der als mutig und sehr gut bewaffnet bekannt ist, sich am Angriff nicht beteiligt hatte. Sein Scheich, der in guten Be- Ziehungen zu uns stand, glaubte den Hetzgerüchten über Bombardierung der Omar-Moschee usw. nicht und wollte sich selbst überzeugen, was geschehen war. Er begab sich nach Jerusalem, wurde aber in Nablus aufgehalten, wo man die falschen Gerüchte bestätigte. Trotzdem verbot er seinem Stamm, an den Unruhen teilzunehmen und sandte sogar einen Boten, um die Angreifer auf Beth-Alpha zurückzuhalten. Bemerkenswert und interessant Ist, daß dieser Stamm, nachdem ihm irrtümlich von englischen Soldaten ein Mann und mehrere Kühe erschossen wurden, unverzüglich von der Regierung 250 Pfund Entschädigung erhielt. Die Nacht vom 25. zum 26. August war die aufregendste dieser Tage. Vor Einbruch der Nacht verteilten sich mehrere Chawerim mit den Soldaten um die ganze Siedlung. Wir anderen lagen zusammengepfercht in den engen, dunklen Zimmern. Nach Einbruch der Finsternis begann ein unaufhörliches Feuern י om Berg. Die Soldaten antworteten aus dem Haus, und vom Widerhall der Schüsse dröhnten die Wände. Im Tal lohten die Lagerfeuer der Beduinen. Plötzlich erhob sich ein greller Lichtschein weit in unseren Feldern. Die Araber hatten unsere Heuschober in Brand gesetzt. Nun leuchteten Flammen auf in den nahen Feldern von Tel Josef und weiter in Gewa. Auch dort brannten die Strohschober. Plötzlich ertönten Schüsse vom Kuhstall ganz in der Nähe des Kinderhauses. Eine der Wachen hatte Verdacht geschöpft, daß irgend jemand in der Nähe des Getreideschobers sei, der sich mitten im Wirtschaftshof befand. Der Soldat gab einen Schuß ab und erhielt mehrere Schüsse als Antwort Nun begann das Maschinengewehr vom Hause auf jene Stelle zu feuern. Es war eine Gruppe von Arabern, die wahrscheinlich versucht hatte, den Schober und damit den Wirtschaftshof in Brand zu stecken. Morgens fand man neben dem Schober einen toten Araber, der von der Polizei als bekannter Räuber aus einem weit entfernten Dorfe identifiziert wurde. Die nächsten Tage vergingen mit neuerlichen Brandstiftungen und Schüssen vom Berge, die von den Soldaten erwidert wurden. Einer Militärpatrouille gelang es, 17 Beduinen im Augenblick der Brandstiftungen gefangenzunehtnen. Während der ganzen Zeit tags und nachts verkehrte ein Auto zwischen Ajn Charod und Beth-Alpha, das uns ständig mit Lebensmitteln versorgte und uns Nachrichten über die Lage im Lande vermittelte. Die Wäsche, die Küche und die Anweisung von Schlafplätzen, die Säuberung der Zimmer wurde trotz der schwierigen Umstände von unseren Chaweroth so gut wie in normalen Zeiten durchgeführt, und auch die notwendigsten Arbeiten in den Ställen am Hof und im Garten wurden nicht unterbrochen. Die Stimmung war während der ganzen Zeit unter allen Menschen ruhig, und seihst in den gespanntesten Momenten konnte ein Witz die Menschen erheitern. Scherze, wie Nachrichten einer Wache ״Im Osten nichts Neues“ oder erfundene Anekdoten hörte man oft. Allmählich beruhigte sich die Situation, und nach zehn Tagen begannen wir wieder auf den Feldern zu arbeiten. Allerdings wohnten wir noch immer konzentriert und mußten einen großen Teil unserer Chawerim zur Wache stellen. Die Abteilung des ״transjordanischen Grenzkorps“ (bestehend aus Arabern und Tscherkessen) hat sich während der ganzen Zeit, die sie bei uns war, sehr gut benommen. Wir waren in der ersten Zeit etwas besorgt aber bald stellte sich heraus, daß es sich hier um eine erstklassige Truppe handle, die diszipliniert und militärisch geschult war. Unser Verhältnis zu den Soldaten war ein sehr freundliches, wir bemühten uns «ehr, ihnen die Verpflegung und Schlafplätze so gut als möglich einzurichten, und ,gewannen in kurzer Zeit ihr vertrauen. Es ist auch hervorzuheben, daß unsere Siedlung immer von den Behörden sehr gut verteidigt wurde, daß fast jeden Tag drei Patrouillenautos mit höheren Offizieren zu uns kamen, una daß noch jetzt 30 Mann in Beth-Alpha liegen. Dies ist wohl vor allem auf den Grund zurückzuführen, den ich eingangs schon anführte, Beth-Alpha —• das Einfallstor vom Ostjordanland nach Palästina. Major Smith, der Kommandant der Grenztruppe im Emek, sagte einmal: ״Ihr solltet Beth-Alpha in ,castle Alpha‘ umtaufen.“ Wir hoffen zuversichtlich, daß es uns trotz der gespannten Lage, die auch heute noch viele Gefahren birgt, gelingen wird, durch ernste Bemühungen und den Willen zur Verständigung den Weg zu unseren arabischen Nachbarn zu finden. P.L.D.C Generalversammlung der JPalestine Land Devdlopmerw Co. Ltd.“, London-Jerusalem. Aus Palästina wird um berichtet: In der ordentlichen Generalversammlung der ״Palestine Land Development Co.־' Ltd., die am!8. November 1929 im Bürohaus der Gesellschaft in Jerusalem unter Vorsitz des Mitglieds des Direktoriums, Herrn Dr. Arthur R u p p i n, stattfand, machte der Managing Direktor, Dr. Jacob Thon, zu der vorliegenden Bilanz für 1928 und der provisorischen Biianz für die ersten zehn Monate des Geschäftsjahrs 1929 folgende Ausführungen: Die Arbeiten der P. L D. C. wurden in der Berichtszeit nach demselben Prinzip wie schon in den vorangegangenen Jahren geführt. Neue Käufe wurden nur bei Bestellung in Angriff genommen, wenn die Besteller die zu den Käufen notwendigen Beträge bereits vorher zur Verfügung gestellt hatten. Die Gesellschaft hat es konsequent durchgeführt, selbst keine neuen Verpflichtungen mehr zu übernehmen. Nach diesem Prinzip konnten die Verpflichtungen, die aus der vorangegangenen Epoche stammten, erheblich verringert werden, und zwar sind die Verpflichtungen an Hypotheken-, Wechsel-, Bank- und Obligationsschulden, gegenüber s»nstlgen Creditoren und für nicht abgehobene Dividenden seit Ende 1927, wo sie zirka £ 330(KW betrugen, bis zum Datum der Generalversammlung auf zirka £ 250000 herabgedrürkt worden. In dieser Summe sind jedoch Beträge enthaften, die nur deshalb in der Bilanz der P. L D. C. stehen, weil die entsprechenden Böden im Grundbuch noch auf sie eingetragen sind, während sie tatsächlich schon anderen gehörten. Es handelt sich hier um einen Betrag von zirka £ 02 000, so daß die gesamten Verpflichtungen der P. L. D. C. am 31. Oktober 1929 noch zirka £ 188000 betrugen. Parallel mit dieser Verkleinerung der Verpflichtungen ist das Vermögen der Gesellschaft in den letzten Jahren gestiegen. Es beträgt heute zirka £ 150 000 bei einem Aktienkapital von zirka £ 82 000. Die Gesellschaft verfügt also über sehr erhebliche Reserven. Im Berichtsjahr 1928 ebenso wie in der vorangegangenen Zeit, bemühte sich die Gesellschaft mit allen Kräften, ihre zahlreichen, über die ganze Welt zerstreuten Käufer zu veranlassen, die bereits bezahlten städtischen Grundstücke und landwirtschaftlichen Anbauflächen auf ihre Namen in die Grundbücher der Regierung eintragen zu lassen. Derartige Uebertragungen wurden im Jahre 1928 im Gesamtwerte von zirka £ 134 000, in den ersten zehn Monaten des Jahres 1929 In Höhe von zirka £ 47 000 vorgenommen. In diesen Beträgen sind die Käufe des letzten Jahres nicht enthalten, sondern nur bereits früher erworbene Flächen.;;'.®«« Aufschwung, :׳dein;־das• Wirtschaftsleben ln״ Palästina vom Beginn des Jahres 1928 an wieder nahm, fand seinen Ausdruck auch in den ungewöhnlich großen Käufen, die Privatkapitalisten vieler Länder durch die P. L. D. G, besonders in der Pflanzungszone, vornehmen ließen. Diese Be- Stellungen bezogen sich auf Flächen von ungefähr 100000 Dunam, von denen etwa die Hälfte inzwischen offiziell auf die Namen der Käufer in den Grundbüchern registriert worden ist. In den genannten Käufen ist auch der Boden von ״Wadi ei Chawarlth“ für den ״Keren Kajemeth Lejisrae!“ enthalten, von dem 33 500 Dunam inzwischen offiziell übertragen wurden. Zu den privaten Käufern der großen Flächen in der Pflanzungszone gehören u. a. Lord Melchett, London, Herr Mauthner, Budapest, Herr Ascher Pierce, Montreal (Canada) und die Pflan- Zungsgesellschaft ״Gan Chajim“. Sofort nach Abschluß der Bodenkäufe begannen die Besitzer, die gekauften Flächen zu bearbeiten und gaben dadurch vielen Hunderten Arbeitslosen, die aus den Städten auf diese Ländereien strömten, Arbeit. Die P. L D. C. kann mit Genugtuung auf ihren Anteil zur Liquidierung der damals im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit Hinweisen. Mit der Gründung der Jewish Agency auf dem XVI. Zionlsten-Kongreß in Zürich, wird die ״Pafestine Land Development Co.“ Ltd. als das zentrale Bodenkaufsinstrument der Zionistischen Organisation, vor neue große Aufgaben gestellt. Der Kongreß gab dieser Tatsache durch folgenden Beschluß Ausdruck: ״In Anbetracht der Wichtigkeit der P. L. D. C. als zentrales Bodenkaufsinstrument der Zionistischen Organisation, dessen Aufgabe die Durchführung der Bodenkäufe sowohl für den Keren Kajemeth Lejisrae! als auch für private Kapitalisten ist, beauftragt der Kongreß, analog den Beschlüssen des XIV. Zionisten-Kongresses, die ziontstisehen Vertreter in der Jewish Agency dahin zu wirken, daß das Aktienkapital der Gesellschaft verdoppelt wird“ Die Generalversammlung bestätigte den Bericht und die Bilanz für das Jahr 1928 und sprach der Leitung und der Beamtenschaft ihren Dank aus. Folgende Beschlüsse wurden gefaßt: 1. Den Gewinn des Berichtsjahres und der vorausgegangenen Jahre auf Rechnung 1929 vorzutragen. 2. Entsprechend einem Beschluß der letzten Generalver- Sammlung £ 5 000 neuer Aktien herauszugeben, die bisher noch nicht emittiert worden waren. 3. Die bisherige Leitung, bestehend aus den Herren Prof. Otto Warburg, J. L. Goldberg, Dr. Arthur Ruppin, Jehoschua Chankin, Dr. Jacob Thon und Charles Passmann, wiederzuwählen und die Herren Justizrat Dr. Elias Straus, München, Isaak Feuer ring, I. Fa. Aron Hirsch & Sohn, Berlin, Dr. Josef Ruf eisen, Mähr.- Ostrau, neu in den ״Board of Directors“ zu berufen. Statistisches Palästina-Handbuch. Ende Dezember erscheint 1m Verlag des Hauptbüros des Keren Hajessod in Jerusalem das ״Statistische Handbuch für Palästina“, bearbeitet von Dr. D. Ourewitsch, Direktor des Statistischen Departements der Zionistischen Exekutive in Palästina. Dieses Buch, das über 260 Seiten umfaßt, enthält in über 15 statistischen Tabellen das gesamte Material über die Entwicklung Palästinas und des Jüdischen Nationalheims in den letzten zehn Jahren. Es ist für jeden, der sich mit den Problemen Palästinas befassen will, ein unentbehrliches Hilfsmittel. Es erscheint mit Text ln hebräischer, englischer und deutscher Sprache. Der Preis eines Exemplars beträgt 7,50 AL Bestellungen sind an das Hauptbüro des Keren Hajessod, Jerusalem, P.O. B. 731, oder an die Landesbüros des Keren Hajessod zu richten.