Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1929)
- Date
- 1929-12-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 101/102 24 XU 1929 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 689 Vorschläge zum wirtschaftlichen Aufbau Palästinas Von Dipl.-Ing. M. Hecker (Haifa). In einem Aufsatz, der kürzlich an dieser Stelle (s. Nr. 84 der ״J. R.“) erschienen ist, wies ich nach, daß der privatwirtschaftliche Aufbau Palästinas eine Lebensnotwendigkeit für die Verwirklichung des Zionismus ist. Jene allgemeinen Ausführungen sollen im folgenden durch einige konkrete Hinweise und praktische Vorschläge ergänzt werden. Leider ist der Raum zu beschränkt, um diesen weiten Fragenkomplex hier gebührend zu behandeln und durch Einzelheiten und Zahlenangaben ausreichend zu beleuchten. Vielmehr muß ich mich auf einige Hauptmomente beschränken. Vorerst ist als ein grundlegendes Leitmotiv zu betonen: Unsere privatwirtschaftliche Aktivität muß in voller Breite auf allen uns zugänglichen Gebieten vor sich gehen. Landwirtschaft, Handwerk und Industrie, Bauwesen und öffentliehe Arbeiten, Verkehrsgewerbe und Handel — sie fordern sämtlich in gleicher Weise intensivste Betätigung. Alle sich bietenden Einzelmöglichkeiten müssen ausgenutzt werden, soweit sie mir Wirtschaftlichkeit verbürgen. Hüten wir uns vor jeder Einseitigkeit — ein Fehler, der nur allzu oft in der ökonomischen Entwicklung Palästinas begangen wurde. Jede Konjunkturwelle auf einem Einzetgebiet lockte die Mehrheit in dieselbe Richtung und jedesmal folgle dieser ungesunden Uebersfeigerung ein verhängnisvoller Rückschlag. Dieser schädigte die gesamte Wirtschaft, da sie sich nicht durch andere ungefährdete Positionen im Gleichgewicht erhalten konnte. So wurde die Einzelkrisis jedesmal zu einer Gesamtkrisis, welche die allgemeine Entwicklung zurückwarf. Die Geschichte der landwirtschaftlichen Kolonisation zeigt einen solchen wellenförmigen Verlauf: Wiederholten Aufstieg und Abfall, einseitige Pflege von Spezialkulturen und ihre Wiederaufgahe. Es sieht so aus, als ob auch die letzte Phase, die ausschließliche Bevorzugung der Orangenkultur, zu einer ähnliehen Entwicklung Ähren könnte. So wertvoll der starke Aufschwung dieses überaus wichtigen Zweiges ist, so ist die Gefahr eines künftigen Rückschlages nicht ausgeschlossen und mahnt zur Vorsicht. Jedenfalls ist ein dringendes Gebot, daß das Privatkapital sich innerhalb der Landwirtschaft auch anderen aussichtsreichen Zweigen zuwende, noch mehr aber, daß es außerhalb derselben auch die übrigen Wirtschaftsgebiete stärker befruchte. Eine solche Entwicklung auf breiter Grundläge wird eine größere Konstanz des ökonomischen Gleichgewichtes sichern. Rückschläge, die auf Einzelgebieten unvermeidlich sind, werden durch das Gedeihen der übrigen abgeschwächt und können nicht zu so schweren Erschütterungen wie bisher führen. Weiter drängt sich ein anderes Problem auf: das Verhältnis zwischen Stadt- und Landbevölkerung, das 80 0/0 zu 20 »ס׳ beträgt. Es Ist wesentlich ungünstiger als selbst in hochindustriellen Ländern. Vom nationa'en Standpunkt!st es ein lebensnotwendiges Gebot, dieses Verhältnis zugunsten des Landes zu verschieben. Andererseits aber stellen sich verschiedene äußere und innere Faktoren einer solchen Ver- Schiebung entgegen. Zu jenen gehören die in meinem vorigen Aufsatz angedeuteten Schwierigkeiten, die eine erfolgreiche landwirtschaftliche Tätigkeit der Juden in Palästina einengen. Ein weiterer hemmender Faktor sind ihre hohen Installierung®- kosten, die etwa drei- bis viermal so viel betragen wie in der Industrie, die doch gewiß zu hohen Einrichtungsspesen gezwungen ist. Andere Erwerbszweige, die an die Stadt gebunden sind, beanspruchen noch geringere Investierungskosten. Hierdurch übt die Stadt eine so große Anziehungskraft auf die Mehrheit der Einwohner aus. Doch nicht nur äußere Momente erschweren den Uebergang von Stadt zu Land, sondern auch innere. Die Stadt- Verbundenheit ist dem Juden durch 2000jährige Gewohnheit zur zweiten Natur geworden. Der vom Idealismus erfüllte Drang znr Scholle kann nicht das ständige Rückströmen vieler Kräfte in die Stadt verhindern, denen es aus psychischen oder physischen Gründen nicht gelang, sich auf dein Lande zu verwurzeln. Hierzu kommt die noch weit größere Welle derjenigen Einwanderer, deren Ziel von vornherein nichts anderes als die Stadt ist. Unter diesen ist ein Element zu erwähnen, dem viel zu wenig Beachtung geschenkt wird: die orientalischen Juden, deren Zahl sich im letzten Dezennium außerordentlich vermehrt hat. Den äußeren Landesbedlngungen und den Anforderungen einfacher Beschäftigung und Lebensführung gut angepaßt, sind sie ein wertvolles Arbeitselement, freilich ausschließlich im Rahmen des ihnen vertrauten Sfadtlebens. Hierzu kommen noch die Kreise des alten Jischuw, von denen ein Teil wirtschafUich durchaus bedcutungsvoil ist. Die Existenz einer 80 0/0 betragenden Stadtbevölkern ng und ihre Lebensbedürfnisse zwingen eine verständige Kolonisationspolitik dazu, ihr gebührend Rechnung zu tragen. Ist auch zu erstreben, daß die Zukunft eine weitere Umschichtung von der Stadt zum Lande herbeiführt, so ist doch eine sehr durchgreifende Veränderung jenes Verhältnisses nicht zu erwarten. Das Problem der städtischen Kolonisation wiegt also mindestens ebenso schwer wie das der ländlichen. Sie verlangt ihre Lösung in erster Linie von der Privatwirtschaft, die allein einer solchen Aufgabe gewachsen ist. Von den städtischen Wirtschaftsgebieten, die dieser Aufgäbe zu dienen und größere Bevölkerungsmassen zu absorbieren vermögen, seien beispielsweise zwei genannt, die von besonderer Wichtigkeit sind: Industrie und Bauwesen. Die jüdische Industrie Palästinas ist noch sehr jung und ihre Entwicklung erst im Flusse. Trotzdem sie mit den widrigsten Hemmnissen zu kämpfen hatte, trotzdem sie verlacht und für unmöglich erklärt wurde, ist die Industrie in wenigen — und besonders schweren — Jahren eine lebendige, wirksame Realitat geworden. Sie arbeitet intensiv, erhält sich und gewinnt wachsend an Bedeutung für die Gesamtwirtschaft Palästinas. ihre Bedeutung innerhalb derselben erhellt am besten aus einem Vergleich mit der Landwirtschaft. Die Jahresproduktion der jüdischen Industrie, einschließlich des Handwerks, kann auf nahezu £P 2000 000 geschätzt werden. Ihr Wert hat somit in ganz kurzer Zeit etwa das Doppelte desjenigen der Landwirtschaft erreicht, trotzdem diese sich auf eine so viel längere Entwicklung stützt und ungleich größere An'agckapitaiien absorbiert hat. Ein besonders wichtiger Faktor in der Verbesserung der passiven Handelsbilanz Palästinas ist der Export. Während sich dieser früher fast ausschließlich auf agrikulturellc Produkte beschränkte, treten diesen innerhalb der letzten Jahre ladustrieerzeugnisse in bemerkenswertem Umfang zur Seite. Ihr Anteil am Gesamtexport wuchs von 18 «/ס im Jahre 1926 auf 28 °/0 im Jahre 1928 und diese steigende Tendenz ist auch weiterhin zu erwarten. Während der landwirtschaftliche Export vorwiegend arabischen Ursprungs ist, ist das Steigen der industriellen Ausfuhr eine Wirkung jüdischer Wirtschaftsleistung. Schließlich ist für uns von besonderer Bedeutung ein Vergleich der Zahl der bcschäftigten Arbeitskräfte. Nach den letzten Schätzungen, die ich Informationen der Arbeiterorganisation entnehme, wurden in der Landwirtschaft etwa 5(1)0 Lohnarbeiter beschäftigt, in Industrie und Oewerbe dagegen rund 7000. Ein wesentlicher Teil der letzteren Zahl wurde gerade im Höhepunkt der ökonomischen Krisis absorbiert, was zur Erleichterung der Arbeitslosigkeit wesentlich beitrug. Der Vorsprung, den die Industrie innerhalb weniger Jahre errungen hat, äußert sich nicht nur in der zahlenmäßigen Ueberlegenheit, sondern auch in einem andern wichtigen Umstand. Während in der Land• Wirtschaft zwei Drittel der Lohnarbeiter nur vorübegehende Arbeit finden, ist der Beschäftigungsgrad in der Industrie nahezu beständig. Der Unterschied in den Installierungskosten ist bereits oben erwähnt worden. Die bisherige Entwicklung der Industrie eröffnet weite Perspektiven auf künftige Möglichkeiten, wenn mir die An• strengungen gesteigert und entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Es ist hier nicht der Ort, ins Einzelne gehende Vorschläge zu machen, auch lassen sich schwer allgemeine Prinzipien über industrielle Möglichkeiten aufstellen. Die Rohstoffarmut Palästinas sollte kein Hindernis sein, um gerade hochwertige Veredlungsindustrien zu entwickeln, für die der Jude höhere Eignung mitbringt. Ebenso wenig braucht die Absatzfrage zu schrecken. Vom Import Palästinas, der 1928 einen Wert von £P 6 770 818 hatte, ent• fallen mindestens zwei Drittel auf industrielle Erzeugnisse, Würde hiervon nur etwa die Hälfte im Lande erzeugt, könnte die gegenwärtige Produktion sich bereits verdoppeln. Die Zunahme der Bevölkerung und die Hebung ihres Lebens- Standards bewirkt eine weitere Steigerung der Bedürfnisse. Vor allem aber öffnen sich unübersehbare Aussichten der Exportindustrie, die berufen sein kann, eine beherrschende Rolle im vordem Orient zu spielen. Somit können jüdische Unternehmungslust, Energie und Kapital auf lange Zeit hinaus in der Entwicklung der palästinensischen Industrie ein Betätigungsfeld finden. Außer für Einzelunternehniungen (in der Form von Individualbetrieben oder Aktiengesellschaften) ist ein geeigneter Platz für Investmentbanken und Holdinggesellschaften. Ihre Kapitalkraft wäre imstande, neue Wege zu eröffnen und vielfache Impulse zu erteilen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Förderung bestehender Unternehmungen und ihre Versorgung mit ausreichendem Betriebskapital. Zu diesem Zweck müssen die Bankinstitute ausreichende langfristige Kredite gewähren — ein Weg, der im Kleinen bereits beschriften wurde — oder eine spezielle Industriebankk schaffen. Als ein zweites Wirtschaftsgebiet von Bedeutung habe ich das Bauwesen genannt. Wenn hier auch der jüdische Anteil nicht so überragend ist wie in der Industrie, so ist er doch sehr ansehnlich. Die Bautätigkeit hat seit jeher das jüdische Wirtschaftsleben kräftig gespeist: durch das Baugexverbe selbst, die Förderung der von ihm abhängigen Branchen der Industrie und! des Handels und die Beschäftigung großer Mengen von Handwerkern und Arbeitern. Das Bauwesen ist ein wichtiges Reservoir für Arbeitslose und Neueinwanderer. So viel auf diesem Gebiet bereits geschehen ist, so gibt die Zukunft noch viel mehr zu leisten. Das Wohnbedürfnis der jüdischen Bevölkerung ist bei weitem nicht gedeckt. Die überwiegende Mehrheit der Städter ist in primitiven, unhygienischen Behausungen zusammengedrängt Nicht nur diese ganz unbemittelten, sondern auch wohlhabende Kreise wohnen in arabischen Häusern und zahlen ihren Besitzern jährlich Unsummen als Tribut. Das Unwürdige und Gefährliche dieses Zustands wurde durch die letzten Ereignisse grell beleuchtet. Die geschlossenen jüdischen Viertel konnten leicht verteidigt werden, dagegen waren die in arabischer Umgebung verstreut wohnenden Juden den Angriffen auf Leben und Besitz schutzlos preisgegeben. Es ist eine der dringendsten Aufgaben der nächsten Zufcnnft, Wohn- und Arbeitsstätten der ganzen jüdischen Bevölkerung in geschlossenen Vierteln zu konzentrieren. Unter dieser Devise muß sich eine großzügige Bautätigkeit entfalten. Es ist geplant, den Hauptteil der Mittel des Hilfsfonds diesem Zweck zuzuführen. Doch muß noch darüber hinaus privates KapitaJ in sehr bedeutendem Umfang herangezogen werden. Zur erforderlichen Belebung der Bautätigkeit ist eine der ersten Vorbedingungen, den Finanzierungsmodus grundsätzlich zu ändern. Der Hypolhekenkredit ist zu erweitern und zu erleichtern. Besondere Leihinstitute, Baubanken 11. dgl. müssen entstehen, die während der Bauzeit die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen. Die Initiative zum Bauen sollte nicht nur den einzelnen Wohnbedürftigen überlassen werden, vielmehr müssen spezielle Siedlungs- und Baugesellschaften in zweckmäßiger, sparsamer Bauweise ganze Gruppen typisierter Wohngebäude errichten, die später im Einzelnen vermietet oder verkauft werden. Ferner ist Platz für eine oder Für Kursunterricht und Selbststudium empfehlen wir allen, die gründlich Hebräisch erlernen wollen, die von Wissenschaft׳• liehen und pfldagogisehen Autoritäten als auBerordentllche Leistung beurteilte Einführung in das Hebräisch der Gegenwart von DAVID JOSEF BORNSTEIN Broschiert UM. 7,50, In Sa«1zlelnen ged. RM. 9,-, zuzdglicit RM,0.50 für Porto und Verpackung. Ausland RM. 0,70. Lieferung erfolgt gegen Vorauszahlung oder per Nachnahme. Verlag und Alleinvertriebs JÜDISCHE RUNDSCHAU O. M. B. K. Berlin W 15, MeinekeatraBe 10. Postscheck-Konto: 17s9t. mehrere Bauunternehmungen, die in technischer und fi'nanzieller Beziehung leistungsfähiger sind als die bestehenden. Nicht nur die erwähnten jüdischen Bauaufgaben, sondern auch die öffentliche Bautätigkeit, namentlich der Regierung, bieten gerade jetzt reichliche Beschäfligungsmöglichkcitcn. Alle diese Aufgaben bieten der privaten Kapitalanlage ein überaus weites, erfolgversprechendes Arbeitsfeld. Aus Raummangel muß ich mich auf diese vereinzelten, schlagwortartigen Anregungen beschränken, denen noch vie’e andere angereiht werden könnten. Zahlreich und vielfällig sind die Möglichkeiten zur privat-wirtschaftlichen Betätigung in Palästina. Der oft gehörte Einwand, daß es an geeigneten Kapitalsanlagen fehle, ist unberechtigt. Gewiß ist unter den heutigen Verhältnissen nicht zu erwarten, daß wirtschaftliche GroBIcistungen in Palästina gerade von der deutschen Judenheit ausgehen. Aber doch fehlt es auch jetzt nicht an Kreisen, die sich an privahvirtschaftliclicn Unternehmungen beteiligen können. Der deutsche Zionismus rühmt sich gern seiner historischen Bedeutung, doch ist sie in Gefahr, bloß historisch zu bleiben. Er hat innerhalb der Gesamtbewcgutig an Gewicht stark eingebüßt, aber auch im Innern verliert er sich immer mehr in Parteihader und unlebendiger Administrativarbeit. Das Bedenklichste ist seine Palästinafremdheit. Ihr entspricht auch die geringe Bedeutung deutscher Zionisten im Lande, von denen kein einziger im Wirtschaftsleben Palästinas eine nennenswerte Rolle spielt Der deutsche Zionismus hat viel m leisten, ui« im jüdischen Palästina einen angemessenen Platz zu erwerben. Der einzige Weg hierzu ist intensivere wirtschaftliche Verknüpfung mit dem Lande. Wie kann der Anstoß hierzu gegeben werden? Von der Organisation ist er nicht zu erwarten, da sie zu einseitig und bürokratisch auf einen engen Aufgabenkreis eingestellt ist. Aber auch die Initiative Einzelner läßt wenig erhoffen, denn der Wille zur persönlichen Verwurzelung in Pa'ästina ist gegenwärtig kaum vorhanden. Hier wäre eine größere Gesamtleistung am Platze. Am wirksamsten wäre die Schaffung einer I nvestment-Gesellschaft, die durch das Ansehen und die Kapitalkraft ihrer Gründer weitere Mittel anzuziehen imstande wäre, utn Unternehmungen seilst ins Leben zu rufen oder sich an ihnen zu beteiligen. Eine solche Organisation, auf rein kaufmännischer Grundlage aufge' aut, könnte mit kleineren Geschäften beginnen und sich allmählich zu breiterer Wirksamkeit entwickeln. Ein bescheideneres Ziel wäre die Gründung einer Art von Wirtschaftsrat, dem folgende Aufgaben gestellt wären: 1. Informationen über die wirtscha't'ichen Möglichkeiten, 2. Propaganda für Privatwirtschaft'ich« Betätigung, 3. Evidenzhaltung der an Beteiligungen interessierten Personen, 4. Kontakt mit geeigneten Stellen in Pa'ästina, 5. Prüfung von Anregungen und Projekten und, bei günstigern Ausfall, Herstellung des Kontaktes mit anlagebereiten Kreisen. Ein solcher Wirtschaftsrat könnte eine wirksame Verbindung zwischen Palästina und dem deutschen Juden'.um herstellen. Die äußere Organisation denke ich mir in freier, unbürokratischer Form. Ihm gehören eine Anzahl Personen an, die im Wirtscha'tsleben stehen und auf Grund ihrer Erfahrungen und Leistungen Ansehen besitzen. Die laufenden $ Arbeiten liegen in den Händen eines aus wenigen Personen gebildeten Vorstandes. Bei meinem Aufenthalt in Deutschland habe ich geeignete Persönlichkeiten getroffen, welche die Wichtigkeit eines solchen Organs anerkennen und zur Mitarbeit bereit sind. Was fehlt, ist nur die Initiative, um die Sache ins Leben zu rufen. Wie sie am besten realisiert werden kann, werden in Deutschland Ansäs Re besser beurteilen. Jedoch bin ich gern bereit, durch Erteilung von Auskünften, Herstellung der Verbindung mit palästinensischen Kreisen und auf andere Weise mitzuwirken. Ob dieser odei ein anderer Weg gewählt wird, ist g'eich — notwendig ist nur, daß der deutsche Zionismus sich endlich auf die Aufgabe besinnt, aktiver in das Leben des jüdischen Palästina einzugreifen und den Jischuw in seinem besonders jetzt überaus erschwerten Ringen tatkräftig zu unterstützen. Dies ist eine dringendere und würdigere Aufgabe a's die angekündigte Auseinandersetzung zwischen den Parfeien. Wohl ist die Gegenwart für das deutsche Judentum schwer und beschränkt seine Leistungsfähigkeit aber gerade Zeiten solcher Depression fordern, unfruchtbaren Leerlauf zu vermeiden und das Maximum an Wirksamkeit herzugeben. Hoffentlich versteht der deutsche Zionismus diesen Mahnruf der Stunde. Palästina in Bildern Die Galerie Casper (Berlin W, Lützowufer 5) wird im Januar eine Anzahl von Aquarellen und Oelgcmälden von Frida Abraham zeigen, deren Sujet Palästina ist. Man sieht die weiten Berglandschaften und heiligen Stiften des biblischen Landes und das orientalische Leben in Jerusalem. Der malerische Reiz der Landschaft ist hier wunderbar erfaßt: die klare Luft und helle Sonne, in der die bergige Weite mit ihren leuchtenden Sandflächen den Blick immer neu fesselt. Auf einem Bild, auf dem Aloe und Agaven zwischen alten jüdischen Gräbern hervorwachsen, sieht man das Dorf Siioa auf der Kuppe des Berges gleichsam mit dem Berg verschmoizen, ihm völlig angeglichen in Form und Farbe. Auf dem We£ zum Oelberg nehmen die alten knorrigen Oelbäume phantasusche Formen an. Haushohe Kakteeumauem führen um einen arabischen Hof. Und überall die Steine: sie sind über den Weg gerollt, sie liegen irgendwo in Haufen, sic sind zu primitiven Mauern aufgeschü'tet. Sonne, Sand und Steine bis Jericho, bis zum Salzmeer. Und dagegen wieder die Quellen und das leuchtende G ün in der Gegend von Tiberias. Die Künstlerin sieht das heutige Palästina so, wie es in der Bibel lebt und wie es schon zur Zeit der Erzväter war. Wenn man in diesen Bildern die Maulesel mit ihren arabischen Reitern und schweren Traglasten den Weg entlang kommen sieht, hat man den Eindruck, als kämen da etwa Isaak oder ismael an geritten. In Jerusalem selbst ist es vor allem die Reichhaltigkeit der arabischen Architektur, die hier malerisch erfaßt ist Es gibt zahlreiche interessante Durchblicke durch Tor- und Bogengänge. Und man erlebt die tägliche Welt der Araber und orientalischen Juden wiklirh, wenn man sie in ihren langen, bunten Gewändern durch die heilen und bedeckten Straßen einzeln oder in dichtgedrängter Menge mit Eseln, Kamelen und Waren hindurchziehen sieht. Mit wahrer Liebe zum Lande, zu seiner Luft und zu seinen Menschen sind diese Bilder gemalt. Wer Palästina kennt, dessen Erinnerung wird hier durch den Zauber der Farbe aufs neue wach, und wer es nie gesehen hat, wird durch die Bilder einen echten Eindruck von der Schönheit und Wirklichkeit des biblischen Landes empfangen. Dr. Elisabeth Meyer.