Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 101-102 (24.12.1929)
- Date
- 1929-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 101/102, 24 XU 1920 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 687 Sacher vor der Unfersudiungskoniinission Definition der Politik des Jfidisdien Nationalheims - Scharfer Konflikt mit der Regierung ־ Die erforderlichen Maßnahmen In der Sitzung vom 18. ds. Mts. (Mittwoch) erschien als Zeuge Harry Sacher vor der Kommission. Er gab zunächst Aufklärungen über seine Züricher KongrcOrede betreffs der Klagemauer und entwickelte sodann die jüdischen Forderungen nach freier Einwanderung und Betätigung im Lande, weiter stellte er dar, welche Vorteile die Araber von der jüdischen Einwanderung ziehen, so daß die arabische Auswanderung aus Palästina heute viel kleiner sei als die aus Syrien. Die Araber seien heute im Glauben, daß bei den britischen Beamten wenig Sympathien für die Politik des Jüdischen Nationalheims besteht und daher wollten sie eine Situation schaffen, die diese Politik umwirft. Die Regierung ist dieser Verschwörung nicht in genügenden! Maße entgegengetreten. Die Regierung hat nicht verstanden, daß im kritischen Moment sie nur eine Pflicht hätte: zu regieren. Auf das Ersuchen des liberalen Mitgliedes der Kommission, Herrn H opkins-Morris, eine Definition des ״Jüdischen Nationalheims“ zu geben, erwiderte (dem Bericht der J. T. A. zufolge) Sacher: Unter ״Jüdisches Nationalheim“ verstehe ich eine Politik, die den Juden die gesetzliche Grundlage gibt, in Palästina einzuwandern, das Land wieder aufz u b a u e n und hier eine jüdischeKulturzuschaffen, die den wahren jüdischen Genius ausdrückt. Palästina, fuhr Herr Sacher fort, hat ohne eine Verbindüng mit dem jüdischen Volke, dem jüdischen Genius, keine Bedeutung für die Menschheit. Es wird gesagt, daß die Araber seit 1300 Jahren in diesem Lande wohnen; während all dieser Zeit aber hat Palästina zur Weltziviüsation nichts beigetragen. Die hohen Leistungen Palästinas für die Menschheit ergaben sich aus der innigen Verbindung des Volkes mit dem Lande, aus der Vermählung Israels mit Erez-Israel. Das Judentum und dieses Land schenkten der Welt Propheten und Lehrer, und eben durch diese Leistung hat Palästina noch heute Bedeutung für die Welt. Es kam die Zeit, in der die Juden aus Palästina vertrieben wurden. Mit dem Auszug der Juden zog die Seele aus diesem Lande aus. Das Judentum behielt seine jüdische Seele. Wir bildeten zwar nicht mehr einen Staat, aber wir hörten nicht auf, eine Nation zu sein. Im Verlauf der 2000 Jahre, in denen die Juden in der Diaspora lebten, hat es nicht einen Augenblick gegeben, in dem die Juden die Rückkehr nach Palästina als Nation nicht ersehnt hätten. Wenn wir Juden nun in dieses Land zurückzukehren beginnen, kommen wir nicht hierher, um Geld zu verdienen, sondern um unsere Seele zu läutern und unseren Beitrag zu der Kultur der Menschheit zu leisten. Die zweite Araber-Generation in Palästina, führ Sacher fort, die Kinder jener, die in den August-Tagen Juden abgeschlachtet haben, werden sich darüber »klar *ejij, daß die Zukunft Palästinas unzertrennlich mjt uns Juden verbunden ist Wir wollen uns nicht in die Angelegenheiten der arabischen Zivilisation einmischen, wir wollen unsere eigene Zivilisation schaffen. Und niemand soll sich einbilden, aaß Mord und Gewalt uns davon abhalten können. In Beantwortung einer zweiten Frage von Hopkins Morris erklärte Sacher, die Juden wünschen eine freie Einwandferung ohne jede künstliche Schranke; er hege die Hoffnung daß die Juden einmal die Mehrheit 1m Lande bilden werden. Aber wir Juden haben nicht die Absicht, über andere zu herrschen, ebenso wie wir nicht wünschen, von anderen beherrscht zu werden. Der Sekretär der Untersuchungskommission, Herr Lloyd vom Kolouialamt in London, überreichte Hopkins-Morris das Weißbuch der britischen Regierung von 1922, aus welchem Morris den Abschnitt verlas, der lautet, es bestünde nicht die Absicht, die Araber zu unterwerfen oder sie aus dem Lande zu verdrängen. Nach der Verlesung erklärte Sacher: Ich akzeptiere voll und ganz diese These. Mit dem ersten Teil der Balfour-Deklaration, der uns das Nationaihelm zusichert, akzeptieren wir den zweiten Teil, in welchem davon die Rede ist, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte. Das Mitglied der Kommission der Arbeiterpartei H a rr y Sn eil fragte Sacher, wie weit er für die Ansichten Wolf gang von Weisls verantwortlich ist. Wir von der Zionistischen Exekutive, erwiderte Sacher, sind für die Ansichten Weisls in dem gleichen Maße verantwortlich w i e eine Regierung für Ansichten der sie bekämpfenden Opposition, verantwortlich ist. (Heiterkeit.) Erste Bedingung für Sicherheit ist die Kundgebung des festen Willens der Regierung, das Mandat zu verwirklichen. Auf die Frage des Anwalts der Jewish Agency, Viscount Erlcigh, auf welche Weise man sich gegen Unruhen in Zukunft arn besten sichern könnte, erklärte Harry Sacher: Zwei Maßnahmen sind am besten geeignet, den Ausbruch in Zukunft zu verhindern: Erstens müsse man die Araber davon überzeugen, daß ihre Meinung, sie könnten durch Gewaltanwendung eine Aendcrung der jetzigen Lage herbeiführen, falsch sei, zweitens muß die Regierung dartun, daß sie entschlossen Ist, das Mandat dem Buchstaben und dem Geiste nach durchzuführen. Die britischen Beamten Palästinas sollten, bevor sie ihr Amt antreten, durch eine besondere Belehrung über den eigentümlichen Charakter des Palästina- Mandates aufgeklärt und in der Handhabung der Bestimmungen des Mandates vorgebildet werden. Der Vorsitzende der Kommission, Sir Walter Shaw, stellte hier in etwas ironischem Ton die Frage, wie sich Sacher eine solche Aufklärung der britischen Beamten denke, sollen sie vielleicht zu Vorlesungen der Zionistisehen Organisation geschickt werden? Sacher erwiderte: Ich bin erstaunt über Ihre Frage; aus meinen Worten war klar zu entnehmen, daß ich meinte, das Kolonialamt sollte diese Beamten vor deren Entsendung pach Palästina ausbilden. Der dynamische Teil des Mandates ist das Jüdische Nationalheim; dieser Teil muß erfüllt werden und zwar so, daß die politischen, religiösen und zivilen Rechte der Araber nicht angetastet werden. Die Durchfülirung einer Politik erfordert Mut und Phantasie, aber gar so schwer ist sie nicht. Es entspann sich eine Aussprache über die beiden Teile der Balfour-Deklaration darüber, welcher Punkt der wichtigere sei, ob das Jüdische Nationalheim oder die Sicherung der Rechte der LandesbevölkeruriK. Der Vorsitzende Sir Walther Shaw warf die Frage auf, was geschehen solle, wenn die beiden Teile der Balfour-Deklaration miteinander In Widerspruch geraten? Sir Walther Shaw erklärte, er sei der Ansicht, daß ein derartiger Widerspruch häufig rintreten müsse. Sei nicht an zunehmen, daß durch die Politik des Jüdischen Nationalheims, z. B. die Bildung von Selbstverwaltungs-Körperschaften verhindert würde? An der sich hier anschließenden Aussprache nahmen alle Mitglieder der Kommission teil. Sacher erklärte, die Juden haben sich nicht einer Selbstregierung widersetzt. Als Sir Herbert 1923 Wahlen zu einem Legislative Council (Gesetzgebende Körperschaft) ausgeschrieben hat, waren es allein die Araber, die diese gesetzgebende Körperschaft boykottierten. Allerdings hätten wir, fuhr Sacher fort, einem solchen Legislative Council vor Beginn der Skala von Morden mit größerer Zuversicht entgegengesehen, als jetzt, wo man — würde man nun eine gesetzgebende Körperschaft einführen — sagen würde, der Weg, die Dinge in Palästina weiter zu bringen, führe über Mord und Gewalttat. Viscount Erleigh erinnerte die Kommission an. die Tatsache, daß auch der Oberkommissar Sir John Chancellor nach seiner Rückkehr nach Palästina erklärt hatte, daß er nun, nach dem Ausbruch, alle Gespräche ül>er konstitutionelle Aenderungen einstellen müsse. Sacher entwickelte eine Reibe anderer Vorschläge zur Verliütung von Unruhen, so u. a. den Vorschlag, auf baldige entgültige Lösung des ״unglückseligen Klagemaucrkonl li k t e s“, wobei er hinzufüge, niemand sei mehr als Sir John Chancellor bestrebt, hier einen Ausweg zu finden. Sacher empfahl auch die Ueberwachung der arabischen Presse, die die ״lügnerischste, verleumderischste und die meist zu Gewalt hetzende in der ganzen Welt“ ist. Ferner soll das Anti-Sedition Law (Gesetz zur Bekämpfung des Aufruhrs) Gesetz werden. Der Geheimdienst müsse verbessert, die Polizei reorganisiert, die Zahl der Engländer und Juden innerhalb der Polizei erhöht werden, die Verhältnisse in der Polizd müssen sö gestaltet werden!, daß der Polizeidienst ziehend wird. Ferner müsse eine starke Garnison in Palästina gehalten werden. Das Mandat, sagte Sacher, ist Mission. Und Missionare dürfen mit notwendigen Ausgaben nicht geizen. Frankreich unterhält in Syrien eine große Garnison. Bis jetzt, führte Sacher weiter aus, hat sich die Mandatartnacht wenig generös gegenüber Palästina erwiesen. Palästina mußte einen beträchtlichen Teil der ottomanischen Staatsschuld, sogar mehr als die Türket selbst, zahlen. Ferner wurde Palästina für die im Kriege erbauten Eisenbahnen übermäßig belastet. Das palästinensische Schatzamt muß für die militärische Kriegsschuld 200 000 Pfund zahlen. Sacher forderte, daß den jüdisehen Kolonien die Mittel in die Hand gegeben werden, sich gegen plötzliche Ueberfälle zu verteidigen und daß ihnen erlaubt werde, Sonderpolizisten als Reserve für eine plötzlich eintretenae Notlage anzu werben. Die Regierung, sagte Sacher, ist bei der Behandlung der Klagemauer-Frage ganz außerordentlich ungeschickt und unklug vorgegangen. Der Aufruhr war entweder vorher in den Einzelheiten verabredet oder er entstand spontan in Jerusalem und breitete sich von da über das ganze Land aus. War er verabredet, so hätte die Regierung über ihn unterrichtet sein müssen und hätte vorher Maßnahmen zu dessen Unterdrückung treffen müssen. War es ein zunächst auf Jerusalem beschränkter spontaner Ausbruch, so hätte die Regierung sofort jene Kraft und Entschlossenheit zeigen müssen, die den Ausbruch in Jerusalem unterdrückt und seine Ausbreitung verhindert hätte. Nichts von alledem tat die Regierung. Vom Araber-Anwalt Stoker einem (wenig scharfen) Kreuzverhör unterzogen, führte Sacher aus, zahlreiche britische Beamte seien nur deshalb bei den Arabern beliebt, weil sie mit dem Zionismus nicht sympathisier e n; in Wirklichkeit aber richtet sich die arabische Bewegung ebenso sehr gegen die Engländer wie gegen die Juden. Die Zionisten sind eigentlich der Blitzableiter für den gegen die britische Herrschaft rebellierenden Geist. Sacher erzählte, Araber hätten ihm gesagt, der beste Weg, die Engländer los zu werden, sei der, daß sich Juden und Araber gemeinsam gegen England erheben. Stoker fragte: Glaubten Sie diesen Arabern? Sacher erwiderte: Es ist überhaupt sehr schwer, dem Glauben zu schenken, was mancher Araber sagt, Stoker: Nennen Sie einen Araber, der sich zu Ihnen so geäußert hat. Sacher: Einer von ihnen war Auni Bey Abdul Hadi. Die Antwort erregte Sensation. Auni Bey, der als arabischer Anwalt fungiert, sprang auf und schrie: Ich stelle dies entschieden in Abrede. Stoker fragte Sacher: Auf welcher Basis wurde Ihnen eine solche Allianz vorgeschlagen? Sacher: Gewiß nicht auf der Basis des Jüdischen Nationalheims. Aber die Araber wissen sehr wohl, daß es ihnen zur Verwirklichung des Traumes vom arabischen Reiche an Geld und Männern fehlt; sie wollen sich der Hilfe der Juden versichern. Von Verhandlungen war, was Juden betrifft, keine Rede; verhandeln kann man ja nur, wenn auf beiden Seiten Verhandlungsbereitschaft besteht. * In der Sitzung vom 19. d. M. wurde das Kreuzverhör mit Sacher fortgesetzt. Sir Henry Betterton, das konservative Mitglied der Kornmission, richtete an den Zeugen die folgende Frage; Gesetzt den Fall, daß in Palästina nicht mehr Boden verfügbar ist als gerade nur soviel, wie zur Befriedigung der Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung notwendig ist; würden Sie es dann für eine der Regierung aus dem Mandate erwachsende Pflicht halten, jeden weiteren Verkauf von Boden an Juden zu verbieten? Sacher erwiderte: Ein solches Verbot würde eine einseitige Entscheidung zuungunsten der Juden sein und würde somit Artikel 15 des Mandates verletzen. Das liberale KommissionsmilgUed Hopkins Morris,! Sir Henry Betterton und der Vorsitzende der Kommission, Sir _ Walter Shaw, hielten Sachers Antwort für nicht erschöpfend und wünschten eine strikte Beantwortung der an ihn gestellten Frage. Sacher erklärte, er könne eine solche Antwort nicht erteilen. Der arabische Anwalt Stoker wandte sich daraufhin an Sacher mit der folgenden Frage: Ist es also Ihre Meinung, daß_ die Bestimmungen des Mandates nicht vollkommen schlüssig sind und daß deshalb das Mandat als undurchfuhrbar aufgehoben oder verbessert werden sollte? Sacher: Sie gehen zu weit; hier wurde ja nur eine juristische Auslegungsfragc berührt. Stoker verlas einen Teil der vom letzten Zionistenkongreß in Zürich angenommenen Resolutionen, in denen geklagt wird, daß die Juden nicht entsprechend in den Regierimgsämtern beschäftigt sind und daß die von der Regierung mit den Unternehmern abgeschlossenen Kontrakte mit den niedrigsten Arbeitslöhnen, somit mit arabischen Arbeitern rechnen. Sacher erwiderte; Diese Art von Kontraktabschlüssen ist die schlimmste Form von Sparsamkeit. Indem die Regierung ein Mandat übernimmt, übernimmt sie gleichzeitig die Aufgabe, das Mandatsterritorium in anständiger Welse zu zivilisieren. Die Juden beharren darauf, daß die Lohn- Skala auf einen angemessenen Standard gebracht werde, und zwar ebenso zugunsten der Juden wie zum Besten der Araber. Stoker verlas die Resolution des Zionistenkongresses, in der die Einwanderung weiterer Tausender von Juden verlangt wird. Dieser Beschluß, kommentierte Stoker, geht von dem gleichen Optimismus aus wie die jüdische Einwanderung des Jahres 1925. Sacher erwiderte, daß die Forderung nach neuer Ein- Wanderung im Hinblick auf die Bedürfnisse der neuen Industrien und Plantagen nach Arbeitshänden gefaßt worden ist. Im übrigen sind solche Resolutionen nur Direktiven, und unsere Sache ist es, für deren Verwirklichung' im Rahmen des Möglichen zu sorgen. Bei der Besprechung der weiteren Resolutionen des Kongresses erklärte Sacher, daß der Kongreß verschiedene Eiemente mit verschiedenen Idealen einschließt und daß t B# ein Teil des Kongresses ei,ne seiner Aufgaben darin erblickt, der Exekutive das Mißtrauen auszudrfleken. Das Mitglied der Kommission seitens der Arbeiterpartei, Harry Snell־ bemerkte lachend: Meine Erfahrung mit Kongressen ist die, daß fromme Wünsche ausgesprochen werden, ohne daß die Chance für ihre Durchführbarkeit geprüft wird. Sacher erklärte: Einige der Kongreßresolutionen sind Vorschriften oder Richtlinien. Die Resolution über neue Ein- Wanderung gibt uns die Instruktion, Vorsorge zu treffen, daß so viele in das Land kommen, als für die Wirtschaftspolitik tragbar ist. Stoker fragte: Gibt es mit Bezug auf Bodenerwerb und Bevölkerungszunahme irgendeine Grenze der jüdischen Ambition? Sacher erwiderte: Solche Grenzen Hegen in unseren Mitteln, in den für den Kauf der angebotenen Böden zur Verfügung stehenden Fonds. Stoker: Wird in irgendeiner Weise die Notwendigkeit in Betracht gezogen, Böden für die Araber zu belassen? Sacher: Solche Erwägungen sind Sache der Regierung und der Araber. Stoker: Ist Herr Albert H y a m s 0 n (der Leiter des En- Wanderungsdepartements der Palästina-Regierung) ein Zionist? Sacher: Nein; Sie täten übrigens besser, ihn selbst zu befragen. Sacher wurde auch darüber befragt, w׳ie er den Artikel 6 des Mandates auffaßt, der der Regierung die Pflicht auferlegt, die dichte Siedlung von Juden auf landwirtschaftlichem Boden zu fördern. Sacher erwiderte: Meine Meinung ist die, daß die Wirtschafts־ und Steuerpolitik der Regierung einer progressiven Landwirtschaft abträglich ist. AucW die Anlage der Eisenbahnen nimmt nicht Rück-icht auf die mögliche wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Sir Boyd Merrim an brachte das Gespräch wieder auf die Klagemauer und legte ein Dokument vor, aus den* hervorgeht, daß Colonel Kisch am 4. Mai Sir John Chancellor gegenüber erklärt habe, daß die von den Moslems an der Klagernauer durchgeführten Bauarbeiten eine flagrante Verletzung des Status quo bedeuten und zu einem Konflikt führen könnten. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedf führte aus, Sir John Chancellor habe am 6. Mai dem Groß-Mufti erzählt, er habe die Rabbiner ersucht, dokumentarische Beweise dafür zu erbringen, daß die Juden unter der Herrschaft der Türken Rechte an der Mauer besaßen; die Rabbiner hättet» solche Dokumente nicht erbracht. Regierung gegen Zionisten Das Kreuzverhör, dem Sacher seitens des Regierungsanwalts Mr. Preedy ausgesetzt war, wird selbst bei denen Erstaunen her vorrufen, die von früher erkannten, daß der Hauptkonflikt vor dieser Kommission zwischen der Regierung und der zionistischen Vertretung sich abspielt. Es ist nun ganz klar geworden, daß die Regierung es für ihre Aufgabe hält, die Sache der Araber zu verteidigen, und man könnte daraus ohne weiteres den Schluß ziehen, daß eine Regierung, die solche Anschauungen und eine derartige Parteilichkeit zur Schau trägt, dadurch selbst beweist, daß sie die Schuld an dem Zusammenbruch der Palästinaver- \v a 11 u n g im August trägt. Der Regierungsanwalt hat sich offenkundig zum Ziel gesetzt, nachzuweisen, , daß die Politik des Jüdischen Nationalheim*