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Jüdische Rundschau · 1929-12-20 · Heft 100 (20.12.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 100 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. IQO, 20. XIL 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU ,,Geistiges Zentrum" Da in der letzten Zeit von verschiedenen Seiten immer wieder das Schlagwort ״geistiges Zentru tu“, teils ablehnend, teils zustimmend gebraucht wird, halten wir es für richtig, jenen viel zu wenig bekannten Aufsatz von Achad Haam, in welchem er schon 1907 die noch heute landläufigen Mißdeutungen seiner Formulierung zurückweist, vollinhaltlich abzudrucken. Wenigstens in in nerzionlstischen Debatten sollte man nicht wegwerfend von ״Achadhaamis• nrns“ reden, ohne die Stimme Achad Haams selbst zu hören. Zugleich ist diese Kenntnis Achad Haams auch darum wichtig, weil — auf Grund der falschen Interpretation von Achad Haams zionistischen Gegnern — nun auch manche Engländer und manche Araber meinen, es gäbe einen Achadhaamismus, der sich ein aus ein paar Schulen oder Bücherschreibern bestehendes ״geistiges Zentrum“ zürn Ziele setzt. So wird die große Chance, die ein richtig verstandener Achadhaamismus für die Lösung unserer politischen Probleme (die der große Lehrer selbst in seinem letzten Aufsatz bereits mit visionärer Klarheit konzipiert hat) bilden kann, aufs Spiel gesetzt. Die Uebersetzung entnehmen wir der deutschen Ausgabe des ״Jüdischen Verlags“, die leider noch immer nicht über den zweiten Band hinausgekommen ist, offenbar wegen eines Mangels an Interessenten, der für den deutschsprachigen Zionismus wahrhaft beschämend ist Red. Wörter und Begriffe Von Achad Haam. Es hat schon jemand einmal gesagt, daß, wenn die Menschen der wahren Bedeutung jedes Wortes stets eingedenk wären, das sie aussprechen oder hören, Streitigkeiten in unabsehbarem Maße eingeschränkt würden. Diese Wahrheit kennt jeder aus Erfahrung, der Gelegenheit hatte, irgendeinen Gedanken zu veröffentlichen, der der ״öffentlichen Meinung“ seiner Zeit nicht zusagte, so daß die ״offiziellen Schriftsteller“ hervortraten, um seinen ״Irrtum“ aufzuzeigen. Zunächst steht der Aermste einfach verblüfft da: wie ist es nur möglich, das Gerade so sehr zu verkrümmen, so sehr die Begriffe zu verwirren und so gar nicht zur Sache zu antworten? Und er schiebt das auf den bösen Wülen der Antwortenden, die absichtlich In seine Worte legen, was nicht in ihnen steht, wird verbittert und beklagt sich vor dem Publikum selbst im Namen der Wahrheit und Billigkeit . . . Aber sobald et nachher sieht, daß seine Klage nichts fruchtet und derselbe Vorgang sich immer aufs neue wiederholt, so daß es ihm nicht mehr möglich ist, alles auf Rechnung des Uebeiwoliens allein zu setzen, — dann wird er notgedrungen zu der Einsicht kommen, daß diese Erscheimmg eine allgemeinere Ursache hat, nämlich die, daß der Zusammenhang zwischen einem Worte und dem in ihm enthaitenen Begriffe Im Denken der Menschen nicht so fest ist, daß er sogleich den ganapiLtpal genau dfOTgehörigen Begriff ־ sich Ins Bewußtsein ruft, sobald er das Wort hört oSeisptMti: Hort also der Mensch ein Urteil, das seinem Gedankengang zuwiderläuft, so vernimmt er unabsichtlich das neue Urteil nicht in seiner wahren Gestaltung, versteht den Sinn dieses oder jenes Wortes falsch, so daß es ihm nicht schwer fallen wird, es mit Scheingründen zu widerlegen, ln denen ebenfalls dies oder jenes Wort unrichtig aufgefaßt erscheint, und diese ganze Entstellung vollzieht der Denkapparat von selbst, ohne Wissen des Mensehen, nach dem ihm innewohnenden Bestreben, seine Tätigkeit jederzeit nach jenen Bedürfnissen einzurichten, die gleichzeitig im seelischen Unterbewußtsein herrschen. Ich zweifle daran, ob es in unserer Zeit unter den jüdischen Schriftstellern jemand gibt, der in dieser Beziehung mehr Erfahrungen gesammelt hätte als ich. Wollte ich einzeln alle die literarischen Diskussionen aufzählen, um die unsere Literatur ob meiner ״Sünden“ bereichert wurde, und die zumeist nur mehr oder minder hervorstechende Beispiele dieser Art waren, — so müßte ich sehr weit ausholen. Ich beabsichtige aber, hier nur ein einziges dieser Beispiele anzuführen, einen Vorgang, der vor 15 Jahren begann, sich seitdem hinzog und noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Damals, vor 15 Jahren, ward zum ersten Male jener Gedanke ausgesprochen, der einen endlosem Strom von Tinte im Gefolge hatte, daß ״wir uns in Palästina ein geistiges nationales Zentrum schaffen können und müssen“. Ich war damals noch nicht reich an literarischer Erfahrung und beachtete den wichtigen Grundsatz noch nicht, daß es, um dem Publikum einen Gedanken vorzutragen, der nicht nach seinem Sinne ist, nicht genügt, ihn logisch klar und bestimmt darzulegen, daß man vielmehr auch die Psychologie des Hörers in Rechnung ziehen muß, jenen Apparat, der Worte und Begriffe nach dem Bedürfnis des Menschen oft auch ganz ungereimt assoziiert, und daß man sein möglichstes tun muß, um jeden Anhaltspunkt zu solchen Assoziationen in irgendeinem Worte oder Ausdrucke zu benehmen. Heute gebe ich zu, daß von dieser, der psychologischen Seite aus, ich es hätte fühlen müssen, daß die Formel ״geistiges nationales Zentrum“ denen, die irren wollten, dazu Gelegenheit gab, obwohl sie logisch vollkommen einwandfrei und dem darin enthaltenen Begriffe wohl angepaßt erscheint. ״Zentrum“ ist bekanntlich ein relativer Begriff. Wie ein Vater nicht ohne Kind gedacht werden kann, so ist ein Zentrum undenkbar ohne Peripherie, und wie der Vater nur Vater ist in bezug auf seine Künder und N. N. ist in bezug auf andere Menschen, so ist auch das Zentrum nur ein Zentrum in bezug auf die dazu gehörige Peripherie, in bezug auf alles außer dieser aber nur ein Punkt ohne jede besondere Bedeutung. Und wenn wir dieses Wort in übertragenem Sinne auf soziale Erscheinungen anwenden, so drückt es naturgemäß einen analogen Begriff aus, und wir wallen damit sagen, daß von diesem Orte oder Dinge ein Einfluß ausgehe auf eine bestimmte soziale Peripherie, die mit ihm verbunden ist und zu ihm gehört, und nur in bezug auf diese Peripherie ist er ein Zentrum. Aber da das soziale Leben aus vielen verschiedenen Zweigen sich zusammensetzt, —־ gibt es nur wenige allgemeine Zentren, deren Einfluß gleichmäßig nach allen Seiten des Lebens der Peripherie sich erstreckt. Zumeist beschränkt sich die Beziehung zwischen dem Mittelpunkte und der Peripherie nur auf einen Teil des Lebens, während sonst die eine vom andern nicht abhängig ist, so daß da bestimmter Seite 079 sozialer Kreis zahlreiche Zentren haben kann, deren jedes ein Mittelpunkt in spezieller Hinsicht ist Wenn darum das Wort ״Zentrum“ den sozialen Begriff bezeichnet, so ist es fast stets — außer wenn dies aus dem Zusammenhänge sich von selbst ergibt — von einem Attribut begleitet, das den Charakter den Zentrums näher bestimmt: literarisches, künstlerisches, komtnerzielles Zentrum usw., um anzadeuten, daß in diesem oder jenem Zweige das betreffende Zentrum eine Periphrie besitzt, die unter seinem Einfluß steht und von ihm abhängt, während es in andern Zweigen keinen solchen Einfluß besitzt und damit die Beziehung zwischen Zentrum und Peripherie nicht besteht. Hat man diese allbekannte Definition vor Augen, wenn man die erwähnten Worte hört: in Palästina können und müssen wir ein geistiges nationales Zentrum gründen, so kann man sie nicht anders als folgendermaßen erklären: ״Nationales Z e n t t u mi" — das setzt voraus, daß es eine nationale Peripherie gibt, welche wie jede Peripherie weit größer ist als das Zentrum. Das heißt, daß der Sprechende sein Volk auch in Zukunft in seinem größten Teile über alle Länder zerst reut sieht, aber nicht mehr aufgelöst in einzelne Punkte ohne Zusammenhang, well e i n e r der Punkte — der in Palästina — künftig ein Mittelpunkt für alle sein und sie zu einem geschlossenen Kreise vereinen wird. Sobald alle die zerstreuten Glieder des Volkskörpers den Schlag des nationalen Herzens fühlen werden, das auf seinem natürliehen Nährboden zu neuem Leben erwacht ist, dann werden auch sie wieder rings um das Herz näher aneinanderrücken und gerne in sich das lebendige Blut aufnehmen, das aus ihm strömt. ״Ein geistiges“ — das heißt, daß diese Beziehung von Mittelpunkt und Peripherie zwischen Palästina und den Ländern der Diaspora notwendig auf das geistige Leben beschränkt sein wird: der Einfluß des Zentrums wird das nationale Bewußtsein in der Diaspora stärken, die Geister von den Schlacken niedriger Qhcttogesinnnug reinigen, dem geistigen Leben einen editen und natürliehen nationalen Inhalt geben, ungleich jenem künstlichen Inhalt, mit dem wir heute die Leere ausfüllen. Aber jenseits der Grenze des Geistigen, in allen ökonomischen und politischen Beziehungen, die vor allein von den lokalen Bedlngungen und dem Milieu abhängen und bestimmt werden, — in all diesen wird dann freilich in gewissem Grade auch die Wirkung der Veränderungen im Geiste des Volkes (Stärkung der nationalen Einheit, der Energie im Kampfe ums Dasein usw.) zum Ausdruck kommen, ln ihrem Wesen aber werden diese Zweige des Lebens in der Diaspora keine Verknüpfung mit dem Leben des Zentrums aufweisen und selbst unsere glühendste Phantasie vermag nicht in uns die Vorstellung zu erwecken, als ob aus Palästina ein ökonomischer und politischer Einfluß auf den Umfang der ganzen weltumspannenden Diaspora in dem Maße sich erstrecken sollte, daß wir ohne den Worten Gewalt anzutun, sagen dürften, Palästina würde auch darin für das jüdische Volk ein Zentrum bilden. Als ich jene Worte veröffentlichte, wuflte ich allerdings von vornherein, daß ich die ״Zionsfreunde“ gegen mich aufbringe.;Aber, weil ich mich nur um die logische Seite der Frage־;gekümmert hatte, war' ich; sicher,‘ daß ־der Ftaüpttbh, a!esef’־־Auf-־׳;; <regt1ng׳'das •Wort;־״Zien׳'trt1'«t“'_treff«1: werde," ־das die־ Möglichkeit einer Sammlung der Zerstreuten in Abrede stellt und jenen phantastischen Hoffnungen die Flügel stutzt, welche schon damals in der Zeit vor Basel von vielen alsEnde des Golus und als allseitige und entgültige Lösung der gesamten Judenfrage gedeutet wurden. Das Attribut ״geistig“ aber schien mir als notwendige logische Folgerung aus der Vorstellung vom Zentrum so selbstverständlich, daß mir auch nicht der leiseste Gedanke daran aufstleg, daß dieses Anstoß erregen könnte und daß es notwendig wäre, sogleich zu erklären, daß dieses Zentrum wohl geistig sein müsse In bezug auf seinen Einflußauf die Peripherie, obgleich in ihm selbst die Menschen ganz wie anderswo aus Körper und Geist zusammengesetzt sein, wie anderswo der Nahrung und Kleidung bedürfen werden, und daß darum das Zentrum auch mit materiellen Dingen sich wird beschäftigen müssen, um sich selbst den Weg zu seiner Erhaltung seinen Bedürfnissen entsprechend zu bahnen, kurz, daß es nicht ohne Bauern, Arbeiter, Handwerker und Kaufleute wird existieren können. Wie sollte es denn auch jemandem, der z. B. von einem literarischen Zehtrum spricht, einfallen, die Erklärung hinzuzufügen, daß er damit nicht einen Ort meine, an dem nicht gegessen und nicht getrunken wird, wo es weder Handel noch Industrie gibt, sondern wo die Menschen fortwährend Bücher schreiben und vom Abglanz ihres literarischen Genies sich nähren? Wie sehr wunderte ich mich daher, als ich später sah, wie meine Kritiker über das ״Zentrum“ rasch hinweggehen und den Nachdruck auf sein Attribut ״geistig“ legen, als ob hierin besonders das Neue und Fremdartige der Sache läge: ein geis 11 g e r, nicht materieller Mittelpunkt — ist so etwas möglich? . . . Aber mein Erstaunen legte sich sogleich, als ich an den psychologischen ״Apparat“ dachte. Dieser mußte sich an irgendein Wort halten, um die dem Publikum unangenehme Anschauung als absurd nachzuweisen. Und weil das Wort ״Zentrum“ bei eingehender Kritik und reiflicher theoretischer Ueberlegung im Gegenteil imstande wäre, der Menge das Absurde dort nachzuweisen, wo es wirklich sich befindet, darum war es besser, über dieses Wort mit gesenkter Stimme hinwegzugehen, um den anderen Teil der Formel laut zu betonen: ״geistig!“ ״Versteht ihr nun, was jene wollen? Sie wollen keine materielle Ansiedlung, Kolonien, Fabriken, Handd; sie wollen vielmehr in Palästina zehn ״Batlonim“ (Müßigganger) ansiedeln, die dort mit geistigem Nationalismus sich befassen sollen!“ Wie groß ist die Macht der psychologischen Assoziation! Diese Erklärung breitete sich aus, ward akzeptiert und ist bis auf den heutigen Tag eine ״allgemeine bekannte Wahrheit“. Auch jene Zionisten, die ihre ״Kenntnis“ nicht aus der Broschürenliteratur schöpften, die in den letzten Jahren die Welt überflutete, sondern die Worte ira Original gelesen haben, auch sie ״wissen“, daß das der geistige Zionismus ist, und es verschlug ihnen nichts, daß sie unmittelbar darauf in demselben Aufsatze lasen, daß das geistige Zentrum eine echte Miniatur ״des jüdischen Volkes“ sein müsse, in dem wieder ״der Typus des Juden in seinem wahren Charakter, sei es ein Rabbiner, Gelehrter oder Schriftsteiler, sei es ein Bauer, Handwerker oder Kaufmann“ zutage treten soll; — es nützte nichts, weil die psychologischen Gesetze nicht nur im Urteil, sondern auch im Gedächtnis eine Rolle spielen.... Ich erinnere mich, daß ich vor drei Jahren in einer Zeitschrift einen Protest gegen die Freudenbotschaften veröffentlichte, die damals zu ״diplomatischen“ Zwecken über den Stand der Kolonien in Palästina verbreitet wurden, und mir dadurch den Zorn eines Schriftstellers aus dem Lager der politischen Zionisten zuzog, der beschloß, meine zionistischen Anechauungen mit einem Schlage abzufertigen, damit sie der Menge nicht mehr zum Anstoß werden. Diese Absicht machte er zur Tat durch einen ״großangelegten״ Aufsatz, der In jeder Zeitschrift selbst in vielen Fortsetzungen abgedruckt wurde. Die Einzelheiten daraus haben in meinem Gedächtnis keinen Eindruck hinterlassen, da sie nur eine Wiederholung der alten Einwände in anderen Worten waren. Aber noch ist mir ein Punkt daraus in Erinnerung, der bei mir nicht nur ein Lächeln, sondern auch Gedanken hervorrief, ähnlich denen, die uns hier beschäftigen. Nachdem der Schriftsteller mit entscheidenden Beweisen gezeigt hatte, daß auch das ״Materielle“ von großer Wichtigkeit sei und nicht einfach übergangen werden dürfe, kam er zu dem Schlüsse, daß es unsinnig wäre, unsere Arbeit auf die Gründung eines geistigen nationalen Zentrums zu beschränken, daß man vielmehr in Palästina ״ein ökonomisches und geistiges Zentrum gleichzeitig“ gründen müsse. Der Verfasser fühlte gar nicht, daß er schon, da er das Wort ״Zentrum“ ausspricht, sich selbst als geistigen Zionisten bekennt und daß das darauffolgende Attribut ״ökonomisch'' nur ein bloßes Wort ist. Aber solche psychologische Ideenvertauschungen sind ein gutes Zeichen, aus ihnen — und auch aus anderen untrüglichen Anzeichen — sehe ich klar, daß der Gedanke eines ״Zentrums׳‘ an und für sich siegreich fortschreitet und zu verschiedenen Folgeerscheinungen geführt hat, an die zu denken vor einigen Jahren noch Sünde gewesen wäre. Ist das aber geschehen — so ist alles getan und auch jene Folgerung, die aus dem richtig verstandenen Beiwort ״geistig“ sich er- * gibt, muß endlich zu ihrem Rechte kommen, ohne daß man sie durch psychologische Mittelchen weiter verbergen könnte. Das alles wird freilich das Märchen vom ״geistigen Zionismus“ nicht aus der Welt schaffen: im Gegenteil — auch das sieht man aus verschiedenen untrüglichen Anzeichen — je mehr der Inhalt dieses Zionismus an Boden gewinnt, um so mehr wird die ״Psychologie“ sich bemühen, den siegreichen Inhalt von dem ihr verhaßten Namen zu unterscheiden.... Was liegt daran? Mag das Wort untergeben, wenn nur der Begriff siegt. Aas dem Pascbalik Sachsen Unter Paschalik verstand man eine türkische Provinz mit willkürlicher Verwaltung. Hinsichtlich der jüdischen Gemeindeverfassung im Freistaat Sachsen läßt sich keine bessere Bereichnung finden als diejenige, wefche in früheren Jahren als das abschreckende Beispiel von flagäntem Unrecht galt. In keinerJüdisehen Gemeinde Deutschlands gibt es ein so reaktionäres wählrecht wie in sächsisch-jüdischen Gemeinden, unter denen wiederum Chem njtzden tiefsten Grad an Entrechtung erreicht Dort י" dtoäet sind ־:״die;, wenigen bevorrechteten "illittrisch&l Jute«, •81,, 'eteer Liste A und die überwiegende Mehrheit 'der ]Me#»;" allerdings Ausländer, in einer Liste B vereinigt Diese zweite Liste, welche 60 Prozent aller Stimmen aufbrachte, kann statutenmäßig nicht mehr als den fünften Teil der Gemeindeverordnetensitze erlangen, d. tu die Minorität (der inlinder) hat vier Fünftel und die Majorität (der Ausländer) nur ein Fünftel (4) der Mandate. Am 8. Dezember hielt der Ausschuß des sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes in Chemnitz eine Sitzung ab. Die Gemeinde Chemnitz delegierte zu dieser Tagung vier Inländer, den vier Verordneten der Volkspartei wurde nicht einmal eine Ersatzvertretung zugebilligt. Der Vorsitzende der Chemnitzer jüdischen Volkspartei, Dr. Adler, wandte sich nun an den Sächsischen Israelitischen Gemeindeverband mit der Bitte, daß der Ausschuß des Gemeindeverbandes in Chemnitz eine Delegation der Volkspartei empfange zwecks Ept- * ־” * *״־־* * '* ‘ '§ bleibt leider nur“die Feststellung, daß man den Brjjfschreibsr und seine Partei bis zum 14. Dezember nicht e&ttnal einer Antwort würdigte. Dabei sind die herrschenden Gemeindeverordneten in Chemnitz und auch im Sächsischen Gemeindeverband durchwegs sonst stramme Demokraten, ja sogar ein Sozialdemokrat ist darunter. Als solchen sind jenen Herren kein Wahlrecht und keine Reform fortschrittlich genug — wenn es sich nur nicht um die Judengemeinden handelt, wo sie sich ehemalige türkische Paschas zara Vorbild nehmen. ״Für physische Erziehung 4er Jaden“ Vor kurzem hielt sich in Warschau der Vorsitzende des ״Rates für physische Erziehung der Juden“, Herr Dr. Henryk Leser aus Krakau auf und nahm zusammen mit Frau Jakubowicz und Herrn Garfinkei, Mitgliedern der Warschauer Delegation des ,,R. f. ph. E d. J.“ an einer ganzen Reihe Konferenzen teil, bei denen Repräsentanten der Zentralinstitute des jüdischen Schulwesens in Polen vertreten waren. Die gegenwärtige Lage des physischen Erziehungsprogramms in jüdischen Schulen, die Notwendigkeit seiner Entwicklung und Regelung sowie die durch den ״R. f. ph. E. d. J.“ geplante Konferenz der Vertreter des jüdischen Schulwesens in Polen zwecks Besprechung der physischen Erziehung waren Gegenstand der Behandlung. Es wurde ein unmittelbarer Kontakt zwischen den folgenden Instanzen angebahnt: zwischen der Exekutive des Rates und der Zentrale jüdischer Mittelschulen in Lodz (Herrn Dr. Tartakower), der Zentrale hebräischer Schuten in Tarbut (Herrn Dir. Gordon), der Zentrale jüdischer Schulorganisationen ״Ciszo“ (Herrn Siennicki), der Zentrale misrachistischer Schulen ״Jabne“ (Herren Abgeordneten Färbstein und Dir. Ajges), der Zentrale agudistischer Schulen Jesodej Hatora, Talmud Tora und Bet Jakob (Herrn Segal). Im Verlauf der Konferenz wurde der gegenwärtige Zustand und die Vorbedingungen für Leibesübungen m den jüdischen Schuten als unzulänglich und geradezu jämmerlich befunden; es wurde festgestelit, daß fraglos die Notwendigkeit eines Zusammenkommens der Vertreter des jüdischen Schulwesens besteht, und daß Schritte getan werden müssen, um die entsprechende Hilfe von den maßgebenden Instanzen zu erlangen; es wurde schließlich festgestellt, daß die obenerwähnte Aktion des ״R. f. ph. E d. J.“ einen gänzlich unolitischen und unparteiischen Charakter hat und allen Teilabem an der Erziehung der jüdischen Schuljugend den Zutritt ermöglicht. Die weiteren Arbeiten des Rates werden auf Vorlegung eines genauen Programmvorschlags für obenerwähnte Zentralinstitute beruhen, im Hinblick auf die gemeinsame Konferenz, die demnächst in Warschau stattfinaen wird.

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