Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 100 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 100, 20. XII. 1029 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Seite 077 Henrietia Szold 70 jährig Am 21. d. M. feiert Miß Henrietta Szold ihren 70. Oeburtstag. Wer Miß Szold in der letzten Zeit bei zionistischen Tagungen gesehen hat, wo sie mit heroischer Geduld Nächte hindurch ausharrte und unermüdlich in voller Frische an der Diskussion teilnahm, wird diese Nachricht kaum glauben ■wollen. Miß Szold ist in Europa einer breiteren zionistischen Oeffentlichkeit erst seit wenigen Jahren bekannt geworden. Was sie in ihrem Wirkungskreis in Amerika bedeutet und welche Vcrdienste sie sich um die zionistische Frauenbewegung erworben hat, wird an anderer Stelle geschildert. Hier soll nur ausgesprochen werden, daß die Begegnung mit die- •er Frau für eine große Zahl von europäischen Zionisten ein großes zionistisches Erlebnis geworden ist. Und auch für Palästina, das begreiflichenveise heute noch arm Ist an Personlichkciten von Weife des Horizonts und Reichtum der Bildung und Kultur, bedeutete die Wirksamkeit, ja die Anwesenheit von Miß Szold eine außerordentliche Förderung. Trotzdem ihre Wahl in die Exekutive zunächst auf große Opposition gestoßen war, gewann sie sich schnell die Herzen im Lande und errang sich eine Position, die auf allgemeinem Respekt vor ihrer unantastbaren Persönlichkeit, Ihrer unermüdlichen Arbeitskraft und ihrem bei allem Entgegenkommen in der Form festen Charakter gegründet ist. Wenn auch später, besonders bei ihrer Leitung des Erziehungsdepartemenfs, Kontroversen mit gewissen zionistischen Gruppen entstanden, so wurden doch vereinzelte persönliche Invektiven gegen sie, wie sie sonst im politischen Kampf leider üblich sind, in diesem Falle allgemein als Zeichen von Herzensroheit empfunden. Trotz allen Schwierigkeiten ist es Miß Szold gelungen, die Administration des Schulwesens in geordnete Bahnen zu lenken. Leider hatte sie infolge der kolossalen Ansprüche, die die dringende Aufgabe der Administrationsreform an sie stellte, noch nicht die volle Möglichkeit, ihren Einfluß auf die geistige Führung der Schulen geltend zu machen. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß sie auch in dieser Beziehung ihre volle Kraft einsetzt, da gerade sie bei ihrer umfassenden Bildung und ihrem Versiandnis für tiefere Menschlichkeit, bei ihrem starken und charakterfesten aber durchaus antichauvinistischen und menschlieh geläuterten Nationalismus eine segensreiche Wirkung auf den Geist der Erziehung ausüben könnte. Wir alle freuen uns am heutigen Tage, daß wir diese adelige Erscheinung zu den Unsern zählen dürfen, und ihre Jubelfeier soll ein willkommener Anlaß sein, um die Gefühle der Sympathie und Verehrung, die die gesamte zionistische Welt, Männer ebenso wie Frauen, für Henrietta Szold empfinden, zum Ausdruck zu bringen. Die Mitglieder der Exekutive, Miß Szold und Louis LI p s k y, and aus Amerika in London eingetroffen, um an Beratungen der Exekutive teilzunehmen. Miß Szold ist am 19. d. M. nach Palästina abgereist. Die Schöpferin der Hadassah In derselben unveränderten Vitalität und Jugendfrische, die man stets an ihr gekannt und bewundert und wie sie nur jemand beschiedcn ist, dessen gesamter Organismus durch lebendigste Aktivität in Hochspannung gehalten ist, trifft Henrietta Szold — gewiß sehr zu ihrem eigenen Erstaunen — ihr 70. Geburtstag. Unter allen, die ihr zu diesem Tag ihre Huldigung beweisen wollen, drängt es niemand stärker als die Frauen, ihr für das zu danken, was sie jeder einzelnen von ihnen, was sie dem gesamten Frauentum und dem Werk jüdischer Erneuerung bedeutet hat und glücklicherweise taglieh noch bedeutet. Seit Generationen hat es innerhalb des Judentums keine Frau gegeben, die so beseeltes Frauentum, so vollendetes Menschentum in sich verkörpert hätte wie Henrietta Szold. Was Tausende von Frauen an ihrem Geschlecht gesündigt, indem sie es verächtlich machten durch ihren Unernst und ihre Oberflächlichkeit, durch ein Leben der Nichtigkeiten und Aeußerlichkeiten, das hat diese ehizige wieder wettgemacht durch die wundervolle Persönlichkeit, zu der sie sich gebildet und die hohe Verantwortlichkeit, unter die sie ihr Dasein gestellt hat Vor der schlichten Erscheinung dieser Frau, die so ganz auf jedes Mittel äußerer Wirkung verzichtet, die aber wie durchleuchtet ist von konzentrierter geistiger Kraft und dem völligen Einssein mit der Sache, der sie dient, vor der Klarheit ihres Urteils, vor dem sittlichen Ernst ihrer Kritik, vor der Ueberlegtheit ihres Rates und der Entschiedenheit ihres Wollens beugten sich die hartgesottensten Gegner jeder weiblichen Einflußnahme. Der Grund zu Henrietta Szolds adeligem Wesen ist in der fein geistigen, von priester!icher jüdischer Weisheit und Ethik erfüllten Atmosphäre ihres rabbinischen Elternhauses gelegt worden. Doch war es erst die unerhörte Disziplinierung von Geist und Körper, die sie sich selbst gab, die Wiliensschulung, der sie sich unterwarf, die diese zarte, schmächtige Frau zu den übermäßigen psyduschen und physischen Leistungen befähigte, die ihre wohl als ministeriell zu bezeichnende Tätigkeit seit Jahren ohne jede Unterbrechung von ihr fordert. Durch ihre Arbeit mit Frauen, durch’ ihre Arbeit für Frauen, durch Organisierung großer Massen von Frauen ist Henrietta Szold zur führenden Persönlichkeit in der jüdischen Oeffentlichkelt gereift. Als Schöpferin und Seelengeberin der Organisation der Zionistinnen Amerikas, der ״Hadassa!1", hat sie ihre historische Bedeutung erlangt. Und das nicht nur in der Geschichte ihres eigenen Volkes, aus dessen Renaissance die Initiative und Mitarbeit der Hadassah schlechthin nicht wegzudenken ist. Es steht vielmehr in der Sozialgeschichte der Menschheit bisher ohne Beispiel da, daß es einer Frau gelingen konnte, Zehntausende von Geschlechtsgenossinnen zu einer ideellen Bewegung von solch nationaler Verantwortung zusammenzuschließen. Man muß sich nur vergegenwärtigen, daB die Hadassah 50WO jüdische Frauen, darunter 1ÖOOO Junge Mädchen, in den Vereinigten Staaten umfaßt und beinahe den gesamten Gesundheitsdienst des jüdischen Palästina mit seiner Unzahl von Institutionen und einem Budget von mehr als 4 Millionen Mark bestreitet. Mit wachsender Energie steht die Hadassah nun bald 17 Jahre hinter ihrem Werk, als der festgefügteste Teil der Zionistischen Weltorganisation Achtung und Ehrerbietung einflößend wett über die Reihen der eigenen Gesinnungsgenossen hinaus und dem Judentum Sympathie und Bewunderung erzwingend bis in die Reihen seiner Gegner. Ihr Wissen um die Werte des Judentums, das sie als Tochter ihres gelehrten Vaters mit glühender Seele in sidi aufgenommen und das sie als vierteljahrhundertlange Sekretlrin und Mitarbeiterin des Jevvish Publikation Committee und als Schülerin des Theologischen Seminars von New York zur wissenschaftlichen Beherrschung gesteigert hatte, vertiefte ihre zionistische Ueberzeugung. Die Schärfe ihres Intellekts, die verhaltene Glut ihrer Empfindung, die geballte Willcnscnergie, die alle ihre Aeußerungen durchdringt und der ihr zur Verfügung stehende Reichtum an Bildern und Aussprachen aus dem jüdischen und sonstigen klassischen Schrifttum, verleihen ihrer Diktion ein natürliches Pathos, eine Kraft und eine Wirkung, die um so nachhaltiger ist, als ihr alle Rhetorik fernliegt Als ehrenamtliche Sekretärin der zionistischen Federation Amerikas während einer kritischen Periode verbindet sie sich praktisch mit allen Schwierigkeiten der Propaganda und Organisation. 1909 erlebt sie zum erstenmal Palästina. Und charakteristisch für ihren praktisch-weiblichen Sinn, den sie bereits in der jüdischen Ein wand ererfürsorge Amerikas in vorbildlicher Weise betätigt hat, ist es, daß ihr die stärkste Erschütterung vor der Verwahrlosung des alten Jischuw, insbesondere auch seiner Wöchnerinnen wird, vor der sie den Aufschrei Jeremias auch in sich aufsteigen fühlt: ״Ist denn kein Balsam in Giiead? Ist denn kein Arzt da? Warum ist denn die Tochter meines Volkes nicht geheilt?“ Unter diesem Motto organisiert sie 1912 die ersten 200 Frauen im Sinnbild der Myrthe, der Hadassah, dem jüdisehen Symbol unwandelbaren Treue, mit dem Ziel der Bekämpfung von Krankheit und sanitären Mißständen in Palästina. 1917 gewinnt die durch den Krieg unterbrochene Arbeit erst ihre wahre Bedeutung und Ungeheueres wird den schwadien Kräften des bis dahin erst organisierten Häufleins von Hadassahfrauen zugemutet. Wie sich nun dieses Häuflein zur gewaltigen Organisation der heutigen Hadassah erweitert, wie diese in systematischer, mutigster Arbeit ein Gebiet der sanitären Fürsorge des Landes nach dem anderen angreift und bestellt, wie sie unter der stimulierenden Leitung von Henrietta Szold sich mit dem Wohl und Wehe Palästinas, dem Werden und der Entwicklung ihrer Institutionen so innig verbindet, das alles braucht heute bereits Bände, um im einzeinen erzählt zu werden. Aber wie Henrietta Szold selbst sich in die unbekannten Probleme medizinischer Fürsorge Palästinas einlebt und einarbeitet, wie sie mit ihrer gewohnten unerreichten Gründlichkeit bald die Fachleute auf dem Gebiet übertrifft, wie sie von 1920—1924 im Lande weilend unmittelbar Hand anlegt, um das Hadassahwerk aufzubauen und durch ihre schriftlicnen und mündlichen Berichte ihre Helferinnen in Amerika in alle Details dnweiht und zu so leidenschaftiicher Anteilnahme bringt, daß diese zu äußersten, ja zu heroischen Anstrengungen angestachelt werden, wie sie durch ihre Appelle an den Ehrgeiz und die einmal ruhmvoll begründete Hadassahtrariition einen Korpsgeist in ihr entwickelt, der sie zu immer besseren Leistungen und der Innehaitung eines hohen Niveaus anspornt, wie sie ihr das Bewußtsein für die Einzigartigkeit ihres Werkes zu verleihen versteht und dieses Werk selbst erfüllt mit einem Geist menschlichster Gesinnung und dabei Strengster Rechtlichkeit, wie sie von Anfang an die Hadassahfrauen dazu erzieht, ihre Arbeit nicht bloß als eine philanthropische aufzufassen, sondern deren politische und soziaipädagogische Bedeutung zu durchschauen, wie sie schließlich durch ihre eigene Unermüdlichkeit und fast übermenschliche Hingabe und durch die ganze Ausstrahlung ihrer Persönlichkeit die edelsten Antriebe in ihren Bundesgenossinnen auslöst und in jeder den, brennenden Wuijsch erweckt, es ihr wenigste»« ün Bruchteil gleichzutun — all das weiß nur der ganz zu würdigen, der Miß Szold in ihrem winzigen Büro in der 114 Flfth Avenue an ihrer Feldherrnarbeit sah, der eine Sitzung des Geueralstab® oder die Truppenschau eines Hadassahkongresses unter ihrer staatsmimischen Leitung miterlebt, der ihre Briefe, Aufrufe, Berichte, und die Dossiers ihrer Anmerkungen kennt Die Frauen sind heute nicht zu zählen, die auch außerhalb der Hadassah, sei ־es als Mitglieder der Histadruth ha Naschim, sei es als Mitglieder der Wizo oder auch sonst wann einen Hauch ihres Geistes verspürt und sieh zu ihr bekennen als zu ihrem edelsten Vorbild, als zu einem der kostbarsten Menschen, die das jüdische Volk hervorgebracht und der im Dienst der werdenden jüdischen Heimat den Sinn seines Daseins sich erfüllen und die Schätze seines Innern gehoben sah, die sein Stamm ihm vererbte. Dr. Nadja Stein. Keren Hafessod - Kampagne in Ungarn Erst vor einigen Jahren ist es den Bemühungen der ungarisehen Zionisten, mit Unterstützung der Londoner Exekutive, gelangen, die Statuten einer Zionistischen Organisation legalisieren zu lassen. Schon kurze Zeit später verstanden es die überaus rührigen ungarisch-zionistischen Führer, eine Pro-Palästina- Union zu schaffen, der sich hervorragende Männer aller Riehtungen anschlossen. Ebenso erfolgreich waren die ungarischen Zionisten bei den Vorarbeiten für die erweiterte J e w ו s h Agency. In Zürich konnte man ungarische Delegierte für den nichtzionistischen Teil der Jewish Agency begrüßen. Nunmehr schreiten die Palästinafreunde Ungarns daran, zum ersten Male eine Keren Hajessod-Kampagne durchzuführen. Das Direktorium des Keren Hajessod unterstützt diese Bestrebungen durch Entsendung eines seiner erfolgreichsten Mitarbeiter nach Ungarn, des Dr. Juda Wilensky, der bisher zahlreiche Länder in Europa und Südamerika mit größtem Erfolge für den Keren Hajessod besucht hat. Dr. Wilensky ist eine der bekamtesten Figuren in der Zionistischen Organisation, Zuletzt hat er in Rumänien und Transsylvanien außerordentlich fruchtbare Arbeit geleistet. Dr. Wilensky, der seinen ständigen Wohnsitz in Haifa hat, weilte bis vor kurzem in Berlin und trat seine Reise nach Ungarn in der letzten Woche an. Die ungarländischen Zionisten und alle Palästinafreunde begrüßen das Erscheinen Dr. Wilenskys in Ungarn und versprechen sich von seiner Mitarbeit eine Belebung und Verstärkung der jüdischen Renaissancebewegung im Lande. Es ist leider zu wenig bekannt, welche hervorragende Bedeutung gerade aus Ungarn stammende Mitglieder des palästinensischen Jischuw für das Autbauwerk in Erez-Israel haben. Neben vielen Akademikern sind in Palästina besonders die aus Ungarn stammenden jüdischen Bauern, Handwerker und Kaufleute außerordentlieh geschätzt Wie wir aus diesen Kreisen erfahren, herrscht große Genugtuung darüber, daß nunmehr auch die ungarische Judenheit in die Reihen der Förderer des Keren Hajessod tritt. Nationalistenkonlerenz (1 Transjordanien Jerusalem, 15. Dezember. (J. T. A.) Die soeben in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, abgehaltene Konferenz arabischer Nationalisten hat Beschlüsse angenommen, in denen dievollkommeneUnabhängigkeitTraBSjordaniens, Abschaffung der Balfour-Deklaration, Boykott gegen die Juden, Vereinigung der arabischen Länder, Senkung der Steuern und Erweiterung des Unterrichtssystems gefordert werden. Wie schaffen wir zionistische Literatur? _ Jede politische und geistige Bewegung bedarf zu ihrer Existenz einer Literatur, in der die Grundprobleme behandelt werden, von denen diese Bewegung ausgeht. Der Zionismus hat zwar eine sehr große Presse und Publizistik im modernen Judentum hervorgerufen, aber eine ernste umfassende Behändjung der verschiedenen Teiiprobkme in grundlegenden Büchern ist bisher nur in einem geringen Ausmaß versucht worden. Es gibt eine Anzahl von Standardwerken des Zionismus, die in verschiedenen Sprachen entstanden sind: darüber hinaus wird das Bedürfnis nach einer klärenden Fortbildung der Ideologie, die Schritt hält mit der inneren Entwicklung der Zeit, schwer empfunden. Auch ist es der neuen Generation, die jetzt im Judentum heranwächst, kaum mehr möglich, sich in zuverlässiger Weise über das Werden und die Geschichte der jüdisehen Renaissancebewegung zu orientieren, da eine einschlägige Literatur fehlt. Besonders schwer wird dieser Mangel innerhalb des deutschen Sprachkreises empfunden, dem die sehr rege hebräischc Publizistik nicht unmittelbar zugänglich ist, während andererseits gerade die jüdische Jugend Mitteleuropas vorwiegend einem intellektuellen Typus angehört, der durch oberfiächliche Tagespolitik auf die Dauer nicht gefesselt werden kann, wenn ihm nicht tieferer Einblick in die Problematik und Geschichte des Zionismus gewährt werden kann. Wenn wir von den bekannten Werken der zionistischen Klassiker abschen, so gibt es heute in deutscher Sprache kaum eine Literatur, die Kenntnisse zionistischer Gedankengänge verbreiten und die Fortbildung des zionistischen Denkens Fördern könnte. Die Gründe für dieses Versagen liegen zum großen Teil auf wirtschaftlichem Gebiete. Im Gegensatz zu dem bücherlesenden Publikum anderer Völker ist das jüdische und besonders das zionistische Publikum örtlich zerstreut, sporadisch auftauchende Bücher finden kaum den nötigen Käuferkreis und die in Betracht kommenden Verlage wenden sich daher begreiflichcrweise lieber. Aufgaben zu, die mehr Erfolge versprechen. Es hat sich gezeigt, daß eine zionistische Literatur nur dann geschaffen werden kann, wenn sich die Interessenten selbst organisieren. Aus diesen Erwägungen heraus entstand die Anregung zur Gründung des ״Zionistischen Bücher- Bundes“, dessen Ausführung im Einvernehmen mit der Zionistischen Exekutive, der Jüdische Verlag in Berlin übemon*־ men hat Was ist der ^Zionistische Bücher-Bund“ und was kann er werden? Er ist eine Organisation von Zionisten, die sich verpflichten, vier Bände einer Bibliothek jährlich abzunehmen. (Der Jahresbeitrag hierfür beträgt 18 M., ausschließlich Porto; auch in Vierteljahresraten zahlbar.) Das literarische Programm wird von Fachleuten zusammengestellt und umfaßt zunächst Bücher großer zionistischer Denker und Darstellungen verschiedener Abschnitte der zionistischen Geschichte. Auf diese Weise wird eine Bibliothek geschaffen, die für jeden Zionisten, der auf dem laufenden sein will, und darüber hinaus für jeden Nicht- Zionisten, der Einblick gewinnen will in das Wesen und die vielfältige Erscheinungsform der zionistischen Bewegung, einfach unentbehrlich ist. Diese Bibliothek kann aber nur dann zu dem in Aussicht genommenen billigen Preise hergestellt werden, wenn eine genügende Anzahl von Mitgliedern im Z. B. B. organisiert ist. Ueber diese im Anfangsstadium beschränkte Möglichkeit hinaus kann aber der Z. B. B. bei genügender Mitgliederzahj vi el mehr werden. Auf Grund seines Bestehens konnte endlieh wieder der Versuch gemacht werden, die gründliche systematische Behandlung des ungeheuer angewachsenen zionistisehen Stoffes zur Bearbeitung zu vergeben. Der Z. B. B. könnte durch seine bloße Existenz Schriftsteller ermutigen, selbständig# Arbeiten auf dem Gebiete der zionistischen Ideologie zu verfassen, da sie nicht mehr an der Möglichkeit verzweifeln mflßten, einen Verleger zu finden. Bel weiterem Ausbau könnte der Z. B. B. seinen Mitgliedern ein Wahlrecht bezüglich der von ihnen zu beziehenden Bände einräumen, Indem mehr als vier Bände jährlich erscheinen, von denen jedes Mitglied vier wählen kann. Darüber hinaus könnte den Mitgliedern ein weitgehend«* Mitbestimmungsrecht bei der Zusammenstellung des litemrfsehen Programms gegeben werden, da der Z. B. B. kein Selbstzweck ist, sondern eine Organisation, deren Gesamttätigkeit nur den Mitgliedern zugute kommen soll. Wenn wir dann noch gewisse Pläne wie die Herausgabe einer Zeitschrift des Bundes und andere Vergünstigungen, sowie die Aussicht eines engeren Kontaktes zwischen den Mitgliedern des Bundes erwähnen, so haben wir damit noch lange nicht alle Möglichkeiten erschöpft, die sich aus der Existenz eines solchen Bücherbundes ergeben, wenn... er gelingt; denn dies hängt von dem Interesse der zionistischen Welt ab. Bei Institutionen dieser Art ist es häufig sehr schwierig, die Zionisten aus ihrer indifferenten Haltung aufzurütteln und ihnen klar zu machen, daS hier wirklich eine wichtige Institution geschaffen würde. Es wird genug geklagt über die schon seit mehr als zehn Jahren unbestrittene Vorherrschaft der praktischen Arbeit, insbesondere der Geldsammlungen aller Art für Palästina, und demgegenüber wurde in den letzten Jahren wiederholt die Notwendigkeit betont, die geistigen Quellen der Bewegung wieder zu erschließen, insbesondere für die neu heranwachsende Generation. Der Z. Z. B. ist ein Versuch, in dieser Richtung zu wirken. Er kann, wenn sein Ausbau durch die Teilnahme aer zionistischen Welt ermöglicht wird, das zentrale Fundament zionistischer Bildung und Vertlefun g werden; er kann dazu beitragen, die zionistische Tätigkeit nach innen und nach außen zu verlebendigen und zu vertiefen. Es wäre sehr zu bedauern, wenn dieser Gedanke nicht den Widerhall fände, den er verdient. In diesem Falle müßte wohl auf Jahre hinaus ieder Versuch dieser Art als gescheitert betrachtet werden. Wir sind aber überzeugt, daß die zionistische Oeffentlichkeit die Idee des Z. B. B. mit Verständnis aufnehmen und mit allen Kräften an dem Ausbau dieser Institution mitwirken wird. Jeder Zionist sollte sich daher sofort als Mitglied des Z. B. B. eintragen fassen. Zweck dieser Zeilen ist, diejenigen interessierten Zionisten, die ihre Anmeldung noch nicht vollzogen haben, auf die Gründung des Z. B. B. (Adresse: Jüdischer Verlag, Berlin W50, Budapester Straße 11) hinzuweisen. Ein Kommentar zn Feisals Briet Kairo, 15. Dezember. (J.T. A.) Dr. Ahmed, ein Mitglied der von König Feisal geführten Delegation zur Versailler Friedenskonferenz, schreibt in der Zeitung ״Al Ahrem“, der 1919 von König Feisal an Professor Felix Frankfurter gesandte Brief, in welchem Feisal erklärt, er sei nicht gegen den Zionismus, sei auf Ersuchen von Sir Herbert Samuel geschrieben worden. Sir Herbert und Prof. Frankfurter hätten den König gebeten, den Juden Palästinas die Versicherung zu geben, daß sie ungestört in Palästina leben und ihre Religion ausüben können. König Feisal hat in diesem Sinne auch seinen Brief abgefaßt, indem er schrieb, er hoffe, daß alle Palästinenser und Syrier in Frieden miteinander leben werden. Mit zionistischen Aspirationen hatte der Brief nichts zu tun. Ende Dezember trifft Nahum Sokolow in Polen ein und wird an der großen Keren Hajessod-Kampagne teilnehmcn. Prof. S. Brodetsky trifft am 1. Januar in Warschau ein, um an der neunten Landeskonferenz der Zionisten Polens teilzuaehmen,