Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 99 (17.12.1929)
- Date
- 1929-12-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 99 17. XII. 1929 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 669 Die jüdischen Zeugen Braude, Hoofien, Rabbi Kuk vor der Untersuchungskommission Die Vernehmung Brandes Zur Vernehmung Braudes ist noch nachzutragen: Braude erzählte, er habe Dr. Lurie, den früheren Leiter des Untcrrichtsdepartements der Zionistischen Exekutive, der an der Spitze der Begräbnisprozession schritt, ersucht, die aufgeregte Menge durch eine Ansprache zu beruhigen. Lurie war jedoch zu sehr erschüttert, als daß er die Menge hätte beherrschen können. Ich eilte, erzählte Braude weiter, zurück und sah vor dem Büro der Zionistischen Exekutive eine große Menge Menschen versammelt. In einzelnen Gruppen führte ich die Menge von der Ansammlungsstelle fort und sprach beruhigend auf sie ein. Ich sah dann, wie die Leute einen jungen Mann auf die Schulter hoben, der sich anschickte, eine Anspräche zu halten. Ich trat an ihn heran und forderte ihn auf, der Menge zu sagen, er sei sicher, daß die Zionistische Exekutive alles Nötige tun werde. Der junge Mann, der sehr erregt v.׳ar, wiederholte meine Aeußerungcn Wort für Wort und beruhigte auf diese Weise die Menge. Das wird nun, schloß Braude, eine aufreizende Rede genannt. » Sir Bovd Mcrriman fragte Braude, was er über die von arabischer Seite gemachte Andeutung halte, daß die Juden den Versuch machten, Unruhe zu stiften, um Sympathie und Geld für das zionistische Werk zu erhalten, und daß die Zionisten nach Zürich gingen, damit Jerusalem den Unruhen preisgegeben werde. Diese Andeutung, erwiderte Braude, ist zu lächerlich, als daß man auf sie antworten könnte. Braude verwies auf einen im‘״Doar Hayom“ erschienenen Bericht, wonach Polizeibeamte mit Bezug auf einen zur Polizei- Station gebrachten verwundeten Juden geäußert haben: wir würden ihn lieber tot sehen. Wäre eine feste Regierung im Lande gewesen, so hätte sie, sofern der Bericht zutraf, die Polizeioffiziere bestraft, oder sie hätte, sofern der Bericht nicht zutreffend war, die Zeitung wegen Veröffentlichung talscher Meldungen bestraft. Ueberhaupt haben ja die falschen Gerüchte, daß sich die Juden der Omar-Moschce bemächtigen wollen, den unmittelbaren Anlaß zu den Unruhen gegeben. Die zionistische Fahne Auni Bey Abdul Hadi kam wieder auf die an der Kiagemauer gehißte zionistische Fahne zu sprechen und fragte: Glauben die Juden nicht 1m Grunde ihres Herzens, daß diese Flagge einst die Flagge des jüdischen Staates sein wird? Ich kann nicht in die Gedanken anderer eindringen, erwiderte Braude. Auni Bey: Ist die zionistische Fahne ebenso jüdische Nationalfahne wie die französische französisch ist? Braude: Sie wollen, daß ich antworte, diese Fahne sei eine Fahne, die man einer Armee voranträgt; das ist aber nicht der Fall. Einige Knaben und Mädchen wollten demonstrieren, und sie bildeten sich ein, mit einer Fahne wäre es dekorativer. Von mir aus hätte die Regierung die jüdische wie die arabische Demonstration stoppen mögen; da aber die Regierung die Demonstration zuließ, war es meine Sache, für einen friedlichen Verlauf der jüdischen Demonstration zu sorgen. Was würden d|f Juden sagen, fragte Auni Bey, wenn M.oslertis auf dem moslemischen Friedhof in Tel-Awiw eine arabische Fahne hissen würden? Braude erwiderte: Vielleicht würden die Juden aufgeregt sein, wenn Araber an einer jüdischen heiligen Stätte demonstrieren würden. Sie wollen mit Ihrer Frage ausdrücken, daß die Araber durch die jüdische Prozession erregt waren, fch aber sah Araber, die sich hierzu äußerst gleichgültig verhielten. Glauben Sie, fragte Auni Bey, daß die Araber kein Blut in den Adern haben? Gewiß haben sie Blut in den Adern, erwiderte Braude; und sehr gutes Blut, bis es von jenen, die das Unrecht wollen, aulgepeitscht wird. Der ungebildete Araber besonders hat sehr viel Phantasie und ist leicht dazu zu bringen, das zu glauben, was ihm Agitatoren über angebliche jüdische Motive erzählen. Wer, fragte Auni Bey, hat 10000 Juden in Tel-Awiw aufgestachelt, wegen der Klagemauer zu demonstrieren. Ich weiß es nicht, erwiderte Braude; die Versammlung in Tel-Awiw setzte sich aus verantwortungslosen jungen Leuten zusammen; der einzige bekannte Name unter der Resolution, die dort gefaßt wurde, ist der von Professor Boris Schatz, dem Leiter der Bezalel-Kunstschule. Dies ist ein harmloser alter Herr, ein Künstler. Ich nehme an, daß er darum ersucht wurde, den Vorsitz der Versammlung zu führen, damit sein Name der Veranstaltung Gewicht verleiht. Zu Beginn der Sitzung vom 11. d. M. erklärte Auni Bey Abdul Hadi, es habe eine jüdische Verschwörung zur Herbeiführung von Unruhen bestanden. Es sind, sagte er, vom Zionistenkongreß in Zürich Instruktionencingetroffen, Demonstrationen im Lande zu veranstalten, um Zwischenfälle heraufzubeschwören. Diese Behauptung ist absolut lächerlich, erklärte Braude; kein Mensch mit etwas Intelligenz würde eine solche Geschichte glauben. Auni Bey erklärte, die Araber hätten darum Stöcke und Messer mit sich genommen, als sie aus den umliegenden Dörfern zum Gottesdienst in die Omar-Moschee am Freitag, dem 23. August, strömten, weil sie durch das Benehmen der Juden beim Begräbnis des Misrachi in Angst versetzt worden sind. Er stützte sich auf eine Stelle in dem Telegramm der zeitweiligen Zionistischen Exekutive Palästinas, das nach London geschickt wurde, und ln welchem es hieß: Die Araber sind erregt und beunruhigt. Dieser Hinweis, erklärte Braude, habe sich auf die allgemein Herrsehende Erregung, nicht auf die Erregung über das Begräbnis bezogen. Ich habe Luke gewarnt, weil Angriffe von Arabern auf Juden zu erwarten waren; keineswegs war zu befürchten, daß etwa Juden Araber angreifen würden. Die arabischen Führer haben aus politischen Gründen zu Unruhen aufgestachelt, um aus den Ausschreitungen Nutzen zu ziehen. Spielen Sie etwa, fragte Sir Walter Shaw, auf den angeblichen Brief des Großmufti an die Dörfler an? Dieser Brief aber ist erst nach den Unruhen aufgetaucht. Braude erwiderte, er habe noch vor den Unruhen Berichte in den Zeitungen gelesen, die besagten, daß solche Briefe in dem arabischen Dorfe Liftah zirkulieren. Die Frage des ,Judenstaats“ Auni Bey deutete an, daß B r a u d e als der damalige stellvertretende Leiter der Zionistischen Exekutive auch für die Massenversammlungen in Tel-Awiw verantwortlich war. In der von dieser Versammlung gefaßten Resolution ist von einem Jüdischen Staat“ die Rede; daraus ist zu ersehen, daß die Zionisten die Ambition haben, Palästina zu einem jüdischen Staat zu machen. Braude erwiderte: diese jungen Leute stehen nicht unter zionistischem Einfluß; sie haben wiederholt zionistischen Weisungen gegen Einzelaktionen nicht Folge geleistet. Auni Bey: Wollen Sie sagen, daß sich auf zehntausende Juden in Palästina der zionistische Einfluß nicht erstreckt? Dr. Braude: Die ganze Versammlung war kindlich; wahrscheinlich hat Irgendein pfiantasievoller Jüngling, der als Versammlungssekretär fungierte, die Worte ״jüdischer Staat“ hineingeschrieben. Wir maßen der Sache keine Bedeutung bei. Das liberale Kommissionsmitglied Hopkins Morris fragte, ob die Entfaltung einer Flagge und das Absingen der Hatikwah eine jüdische Staatsgesinnung ausdrücken soll. Offizielte Akte sind das nicht, erwiderte Braude; aber sie sind bezeichnend für den öffentlichen Geist. Ein Fehler ist es, diese Aktionen in der Erregung zu vollziehen. « Aus Zürich wurde Ihnen gedrahtet, bemerkte Sir Walter Shaw, die Erregung n i e d er zu h a 11 en. Die Worte ״damp down“ werden bezüglich eines Feuers gebraucht, von dem man wünscht, daß es später neu entfacht wird. Braude erwiderte: Nie war es unsere Absicht, ein Feuer zu entfachen. Ich habe Zürich über die hier herrschende Err e g u n g informiert und man antwortete mir: Dämpfe die Erregtrng. Das Arbeitermitglied der Kommission HarrySnell wies darauf hin, daß das Sich-mäßigen charakteristisch für die zionistisebe Haltung sei, indem die Zionistische Exekutive immer sich gegen Öffentliche Demonstrationen wendet, somit passen sich die Worte ״damp down“ dieser Haltung an. Auni Bey kam nochmals auf die Versammlung in Tel-Awiw zurück und sagte, eine Versammlung von tausenden Menschen, die den jüdischen Staat fordert, sei nicht eine ״kindliche Angelegenheit“, sondern eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Eine solche Versammlung wäre vor Erlaß der Balfour- Deklaration unmöglich gewesen. Auni Bey erzählte der Kommission, Herr Horowitz, ein stellvertretendes Mitglied der Zio nistischen Exekutive, hätte in einem Telegramm an das zionistisehe Hauptbüro in London die arabischen Notabein, die die Entwaffnung der Juden forderten, eine Bande von Mördern und V errätern genannt. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy legte dar, daß Braude seine Autorität als stellvertretendes Mitglied der Exekutive überschritt, indem er in einer öffentlichen Erklärung auf eine dreifache Verletzung des Status quo an der Klagemauer hinwies. Braude erwiderte, die Zionistische Exekutive sehe in diesen Tatsachen ebenfalls nichts anderes als eine Verletzung des Status quo. Ich sah mich genötigt, eine solche öffentliche Erklärung der Presse zu geben; ich konnte angesichts der herrschenden Erregung nicht erst auf instruktionen warten. Herr Mills, der stellvertretende Chefsekretär der Regierung, erklärte sich mit der Veröffentlichung meines Kommuniquees einverstanden. Der Regierungsanwalt Preedy verlas den Anfang eines am 1. August in der hebräischen Arbeiterzeitung ״Dawar“ crschientijea Jiftlkels, in wejsjtem <$er;•Ji.״ schnw aufgefordert wird, gegen das den Juden ®!gefügte Unrecht zu protestieren. Nennen Sie das, schloß Preedy־, einen beruhigenden Artikel? Braude forderte Herrn Preedy in scharfem Tone auf, die weiteren Teile des Artikels vorzufesen, in welchen die Juden aufgefordert werden, nicht isoliert, sondern im Wege durch die bestehenden Institutionen zu handeln. In dem Artikel heißt es ausdrücklieh; Einzelnersonen dürfen sich mit dieser Angelegenheit nicht befassen. Wenn eine Gruppe Wahnsinniger täglich kriegerische Artikel schreibt und veröffentlicht, so möge niemand auf solche destruktive Stimmen hören. Die Richtigstellung der Behauptung Preedys durch Braude, machte starken Eindruck auf die Kommission. Hoofien vor der Untersuchungskommission Als zweiter zionistischer Zeuge erschien vor der Untersuchungskommission Herr Sigfried Hoofien, Direktor der Anglo-Palestine Cy, der mit Braude und Horowitz in den Unruhetagen die abwesende Zionistische Exekutive vertrat. Hoofien führte u. a. aus, die juden haben viele Millionen Pfund nach Palästina gebracht und in der Wirtschaft des Landes investiert. Allein die zionistischen Institutionen Keren Hajessod und Keren Kajemeth haben bis jetzt 6'׳» Millionen Pfund hier investiert. Viel jüdisches Geld ist in arabis che Hände geflössen. Die jüdische Einwanderung war also für die arabische Bevölkerung von großem Nutzen. Allein in Haifa betragen die von jüdischen Mietern an arabische Grundstücksbesitzer gezahlten Mieten 55 000 Pfund jährlich. Der Anwalt der Araber, Silfey, der an Stelle des wegen Krankheit abwesenden Stoker das Kreuzverhör mit Hoofien führte, führte aus, die Juden erstreben in Palästina die Errichtung eines jüdischen Staates; aus taktischen Gründen vermeiden sie es aber, dies klar zum Ausdruck zu bringen. Hoofien trat dieser Behauptung scharf entgegen. Die Juden, sagte er, wollen nichts anderes als ein Jüdisches N a t i o n a I h e i m. Silley wies auf die am Vorabend des Tischa b’Aw in Tel-Awiw abgehaltene Versammlung hin; in der von dieser Versammlung angenommenen Resolution heißt es: ״Die Klagemauer ist unsere Heilige Stätte“. Das ist sie auch, erwiderte Hoofien. Der Behauptung des arabischen Anwalts, daß die Zionistische Organisation den Brith Trumpeldor subsidiert, trat Hoofien mit der Erklärung entgegen, daß nicht ein Pfennig jüdischen Geldes, das nach Palästina fließt, für Propaganda in Palästina ausgegeben wird. Hoofien stellte fest, daß die Juden In Palästina pro Kopf das Vierfache an Steuern leisten als die Araber. Auch sind die Juden an der Einfuhr mit 55 «/o beteiligt Der Anwalt der Jewish Agency Sir Boyd Merriman legte vor der Kommission dar, daß die jüdische Einwanderung und der jüdische Beitrag zu den Regierungseinkünften es der britischen Administration möglich macht, das Land gut zu verwalten. Hoofien bemerkte noch, daß die jüdische Importziffer pro Kopf 25 Pfund beträgt und um das Sechsfache die arabische Import- Ziffer pro Kopf übersteigt; dies weil die Juden als kolonisierende Bevölkerung Maschinen und Baumaterialien ins Land bringen. Silley bemerkte: Aber der jüdische Bauer verdrängt den Araber. Das ist nicht der Fall, erwiderte Hoofien; im Gegenteil: in vielen Fällen ist der arabische Bauer mit Hilfe des vom jüdisehen Käufer erhaltenen Geldes in die Lage versetzt worden, den ihm verbliebenen Boden besser zu bearbeiten. Zu einer erregten Auseinandersetzung kam es, als der Anwalt der Araber, Silley, die Greuel in Hebron zur Sprache brachte und auf das von der stellvertretenden Zionistischen Exekutive am 2& August nach London gwandte Telegramm hinwies, in welchem davon die Rede ist, daß den Opfern Nase, Finger und Brüste abgeschnitt e n wurden. Hoofien erwiderte, er persönlich habe das Telegramm nicht abgefaßt, seine Kollegen Horowitz und Braude haben ihre Informationen aus gewiß vertrauenswürdiger Quelle der jüdischen Gesundheitsorganisation Hadassah erhalten. Silley bestand darauf, daß Telegramme abgesandt wurden, ohne daß vorher geprüft worden war, ob die in denselben mit geteilten Tatsachen wahr oder falsch seien. Die Verbreitung solcher Nachrichten weckte Erbitterung unter den Arabern und erschwerte die Position des Jüdischen Nationa ih ei ms. Hocfien erwiderte, Bequemlichkeit sei nicht das Hauptziel, das die Juden in dem Nationallieim suchen. Uebrigens handelt es sich flicht um Verbreitung von Nachrichten, sondern um die Erstattung eines Berichtes und es war Pflicht der zeitweiligen Zionistischen Exekutive, den Bericht der Hadassah nach London weiter zu geben. Sir Walter Shaw fragte Hoofien: Sind Sie persönlich von der Unwahrheit der Berichte über Verstümmelungen nicht überzeugt? Nein, antwortete Hoofien, ich bin nicht davon überzeugt. Sir Boyd Merriman verlas die vom Oberkommissar Sir John Chancellor nach seiner Rückkehr nach Palästina erlassene Proklamation, in der von ״unaussprechlicher Roheit“ die Rede ist. Sir Boyd legte der Kommission fünf Photographien vor, die in Hebron begangene Greuel wiedergeben. Sir Walter Shaw sagte, soviel er wisse, habe die von der Regierung an gestellte Untersuchung die Frage der Verstümmelungen in Hebron beigelegt; er sei erstaunt zu hören, daß ein Mitglied der Zionistischen Exekutive trotzdem weiter behauptet, daß Verstümmelungen stattgefunden haben. Sir Boyd erwiderte, die Juden haben den betreffenden Regierungsbericht nicht akzeptiert. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy wies darauf hin, daß Herr Horowitz in einem am 4. September nach London gesandten Telegramm diesen Bericht der Regierung diskreditiert hat und fügte hinzu, dies sei eine ernste Angelegenheit. Sir Boyd stellte dieser Bemerkung gegenüber fest, daß das Telegramm von Horowitz sich gar nicht auf den offiziellen Bericht der Regierung über die Untersuchung in Hebron beziehen könne, da dieser Bericht erst einige Wochen später veröffentlieht wurde. Das Telegramm bezog sich auf eine Aussage des Herrn Cafferata, der ohne zu prüfen, behauptet hatte, Verstümmelungen seien nicht vorgekommen. Der erregte Meinungsaustausch dauerte eine Weile fort, bis Sir Henry Betterton zur Erwägung stellte, daß die Frage dieses Telegramms am besten während der Vernehmung des Herrn Horowitz geklärt werden könne. Sir Boyd Merriman schloß die Diskussion mit der Erklärung ab, daß er immer noch daran festhalte, daß Greuel, auch sexueller Natur, vorgekommen seien. Preedy beschuldigt die Juden •׳;־ "־'ד־; Mehr als vier Stunden lang wurde Braude von Preedy einem scharfen Kreuzverhör unterzogen. Indem der Regiert«! gsanwalt sein Bestreben darauf richtete, den Vorwurf Sir Boyd Merrimans, daß die Regierung, obwohl sie mit dein Ausbruch der Unruhen gerechnet hat, keine genügenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, zu entkräften, versuchte er auch, einen Gegenschlag zu führen und darzutun, daß die JudendieverantwortungfürdieUnruhentragen. Dieses Vorgehen Preedys fällt um so mehr auf, als er sich während der Vernehmung der arabischen Zeugen ziemlich schweigsam verhielt. Preedy legte Uebersetzungen von Artikeln der hebräischen Presse vor, die dartun sollten, daß nicht nur ״Doar Hayom“, das revisionistische Organ, sondern auch ,,Dawar“ und ״Haarez“ eine scharfe Sprache führten. Indessen besagten die Uebersetzungen nur, daß ״Dawar“ und ״Haarez“ der Re- . .. ’ "* ־ "" Oeffentlichkeit angesichts des ״aus den Ritzen der Mauer dringenden Brandgeruchs“ zu warnen. Preedy vertrat die Ansicht, daß schon ein Versuch, die Regierung zu diskreditieren, dem öffentlichen Frieden gefährlich werden konnte. Braude erwiderte, es seien ihm weder die Angriffe auf die Zionistische Exekutive noch die Kritik an der Regierung nahe gegangen; Hauptsache war, daß die jüdische Presse nicht Gewaltan- Wendung predigte, wie dies die arabische Presse fortgesetzt tat. Sogar der kriegerische ״Doar Hayom“ habe nur versucht, die Exekutive zu zwingen, auf die Regierung einen Druck hinsichtlich der Anerkennung der jüdischen Rechte an der Klagemauer auszuüben, aber es war keines Menschen Absicht, in Palästina eine Agitation zu entfalten, um den Zionistenkongreß in Zürich in die Lage zu bringen, auf die Londoner Regierung einen Druck auszuüben. Preedy verlas Professor Klausners Artikel im ״Palestine Weekly“ und bemerkte, diese Ausführungen des Vorsitzenden des Jüdischen Klagemauerkomitees seien nicht dazu angetan, die Regierung in der Erhaltung des Friedens zu unterstützen. Preedy verlas auch «inen Aufsatz von Ben Awi, in welchem vorgeschlagen wird, Jerusalem in drei ״Vatikanische Stadtc“, eine jüdische, eine moslemische und eine christliche Stadt, zu teilen. Preedy deutete an, daß einige Juden die Einbeziehung der Klagemauer in den jüdischen Distrikt beanspruchen. Braude bestritt es, daß während der Tischa b’Aw-Prozession an der Klagemauer Juden gerufen hätten: ״Die Mauer gehört uns!“, ״Pfui über die Regierung und alle, die unsere Heilige Stätte entweihen!“. Braude war an der Klagemauer und habe diese Rufe nicht gehört Dagegen habe er selbst gesehen, wie britische Polizisten in der Nähe des Postamtes auf Juden, die dem Sarge des erstochenen Misrachi folgten, mit Stöcken iosgeschlagen haben. Niemand habe versucht, das Begräbnis in eine Demonstration umzuwandeln. Preedy bestritt, daß die Regierung vor Ausbruch der Unruhen nachdrücklich gewarnt worden war; einzig am Tage vor Ausbruch der Unruhen wurde Herrn Luke erzählt, ein den Ju§en gegenüber loyal gesinnter Araber habe einen jüdischen Nachbarn eingeladen, in sein Haus zu ziehen, da demnächst Unruhen ausbrechen würden. Preedy richtete an Braude die Aufforderung, entweder die In seinen nach London gesandten Telegrammen gegen die Palästina-Regierung erhobenen Klagen zu erhärten oder hier vor der Kommission zu erklären, daß er die Klagen zurückziehe. Darauf erwiderte Braude: Ich kam hierher, um auszusagen, nicht um zu klagen; aber wenn Sie darauf bestehen, so klage ich. Und ich ziehe nichts zurück. Im Verlauf der weiteren Vernehmung zeigten sich auch die Mitglieder der Kommission bestrebt, bei Herrn Braude, dem ersten offiziellen zionistischen Zeugen, mindestens eine Milderungder zionistischen