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Jüdische Rundschau · 1929-12-10 · Heft 97 (10.12.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 97 (10.12.1929)
Date
1929-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 054 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 07, 10. XII. 1020 sätzlichkeilcn, die seinen Weg beschwerten, noch nicht endgültig befriedet hervorgegangen ist? Die sich aber reit eigenen Händen mühen, die unter dem schweren Joch fallen, ihnen ist cs nicht immer leicht, den Stützpunkt zu finden, um sich an ihm zu halten. Jedes hebräische Theater, das zwischen Palästina und Oaluth eine Brücke wird wölben wollen, wird sich dem eigentümlichen Zustand der zerschlagenen und zerstreuten jüdischen Gesellschaft anpassen müssen. Verzichtet denn der Schauspieler etwa leichten Herzens darauf, seine Kräfte an einem hohen, übernationalen Schauspiel wenigstens zu versuchen? Und unter all den vielen Klagen höre ich auch diesen Vorwurf: Warum spielt Ihr kein palästinensisches Stück? Als ich noch außerhalb des Landes war, war auch Ich unter denen, die von einem palästinensischen Schauspiel träumten. Palästina war uns ein Land der Sagen und Wunderbarkeiten, ein Phantasieland. Alles, was sich im Herzen der Kinderjahre gesponnen hatte, war fest in mir verwurzelt, meine Vor- Stellung war: Palästina — moderne Bibel. Auch Leopold Jessner tritt für die Darstellung eines Stückes aus dem neuen palästinensischen Leben durch ״Habimah‘‘ ein. Wer aber das werdende Leben sieht, kann sich die Tatsache nicht verbergen, daß es eine fest umrissene Gestalt der Gegenwart mit eindeutigem Gesicht noch nicht gibt und daß es sie noch gar nicht geben kann. Vielleicht erscheint ein außerordentliches Talent, dem es glückt, das Leben, wie es sich abzeichnet, zu erfassen und es in hoher dramatischer Gestalt auszuprägen. Ohne diese Voraussetzung wird jedes Stück mit palästinensischem Inhalt, sei es Kwuzah oder Stadt oder sonst etwas, notwendig nichts anderes enthalfen als lyrisches Pathos oder pedantische Abbildung oder Propaganda, die für einen der Fonds von Nutzen sein mag, aber nichts mehr. Habimah in München Anläßlich der Anwesenheit der Habimah in München wurde im Hause des Herrn Justizrats Dr. Elias Straus ein Empfang für die Damen und Herren der Habimah und Freunde Ihrer Kunst veranstaltet, zu dem die Herren Otto Falkenberg, Adolf Kaufmann und Julius Oellner von den Kammcrspielen, aus Münchener literarischen Kreisen die Herren Thomas Mann, Bruno Frank und Karl Wolfskehl und für die jüdischen Freunde der Habimah die Herren Justizrat Dr. Straus und Paul Grünbaum eineladen hatten. Herr Justizrat Dr. Straus gab zu Beginn es Abends in herzlichen deutschen und hebräischen Worten seiner Freude Ausdruck, die Habimah begrüßen zu dürfen, deren Kunst nicht nur für das jüdische Volk, sondern für die ganze Kulturwelt so außerordentlich viel bedeute. Im Verlaufe des Abends wandte sich auch Herr Direktor Otto Falkenberg an die Gäste: Die Habimah vereine, und das mache ihre besondere Bedeutung aus, gleichzeitig Problem und Erfüllung. Ihre Auffiihrungen brächten problematische Stoffe; vermöchten sie aber in einem einheitlichen Stil darzustellen. Herr Tschemerinsky, dessen Worte Herr Justizrat Dr. Straus ins Deutsche übertrug, dankte für die freundliche Gesinnung, die man der Habimah entgegenbringe und er versprach, dal sie bemüht sein werde, diesen Dank in neuen Taten darzubringen. Zun Vortrag Prof. Jahudas in Berlin. Als Professor Jahuda 1905 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums seine Antrittsvorlesungen über die ״Biblische Exegese in ihren Beziehungen zur semitischen Philologie“ hielt, Betonte er den unbedingten Vorrang des Arabischen gegenüber dem Assyrischen, das damals von Friedrich Delitzsch für die hebräische Lexikographie in den Vordergrund geschoben wurde, hinsichtlich der primitiven Grundbedeutung der Wörter. Inzwischen hat sich Jahuda der Aegyptologie zugewandt und im 1. Bande seines Werkes ״Die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Aegyptischen“ die Ergebnisse seiner Forschungen niedergelegt, ln einer Vorlesung, die er kürzlich in der Voraerasi a tiscnägyptischenGesellschaftin Berlin vor einem großen Auditorium hielt, trug er aus dem noch nicht erschienenen zweiten Teil seines Buches neben grundsätzlichen Thesen einige Dutzend etymologischen Beispiele vor. Jahuda behauptet — im Gegensatz zu der herrschenden bibelkritischen Schule, die die Entstehung und literarische Zusammenfassung des weitaus größten Teiles des Pentateuch In die Zeit nach der Landnahme nach Palästina verlegt —, daß bereits die ägyptische und die ihr folgende vorkanaanäische Periode die Tora im Wesentlichen hervorgebracht haben und daß das Sprachgut der sogenannten fünf Bücher Moses' gerade in seinen kultischen, technischen u. a. Bestandteilen erst aus der ägyptischen Sprachvergleichung richtig verstanden werden kann. Es ist nicht die Kompetenz dieses Referates und die Aufgäbe dieser Zeitung, Jalrudas Beweismaterial zu prüfen; nur Kenner beider Sprachen, des Aegyptischen und des Hebräisehen, sind hierzu in der Lage. Manches hat Jahuda wohl sehr glaubhaft gemacht, so m. E. seine Erklärung von גלילים in Anlehnung an die ägyptischen Mumien. Die Frage ist nur, ob Jahuda in den literar-historischen Konsequenzen zu folgen ist, die er aus etymologischen Vermutungen oder Tatsachen zieht. Daß ein viele Generationen umfassender Aufenthalt israelitischer Stämme in Aegypten — an dem heute doch wohl niemand mehr zweifelt — wie alle Lebensäußerangen dieses primitiven Volkes, so auch seine Sprachkultur beeinflußt hat, kann auch der nicht bestreiten, der nur ein sehr peripheres Zusammenleben der Hebräer und der Aegypter wahr haben will. Wahrscheinlich war aber der ägyptische Einfluß auf die junge Kultur dieser Hebräer gar nicht so oberflächlich und selten. Die Bibel erzählt, doch offenbar riiabt ohne Traditionen, von wiederholten Wanderungen israelitischer Nomaden nach Aegypten schon zur Erzväterzeit; und sollten die in Gosen angesiedeüen Familienverbände von den geschichtlichen Tatbeständen, die den Joseferzählungen und den kurzen Notizen über Moses' Erzählungen am Pharaonenhofe gewiß zugrunde liegen, unberührt geblieben sein? So bereicherte sich der Wortschatz der Israeliten in dieser frühgeschichtlichen Zeit mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit im Laufe des 2. Jahrtausends v. Chr. erheblich aus der ägyptischen Quelle; Hunderte, Tausende von Wortbildungen, Redensarten, Wörtern und Wendungen mögen in den Dialekt geflossen sein, den die Hebräer damals sprachen und entwickelten. Aber nicht nur das Sprachgut, auch die Anschauung von den Dingen der Welt formten sich im Strom der ägyptischen Kultur, sowie in der vorkanaanäischen und der exilischen babylonischen Periode vielfache Assimilationen mit, besser: aus diesem Bezirk erfolgten und zu anderen Zeiten andere Rezeptionen stattfanden (es sei nur an die kanaanitische, hetitische Kultur gedacht) — Was aber beweist das für die Abfassung des Pentateuch? Jahrhundertelang tragen primitive Völker ihre Sprache mit sich herum, bis die Zeit gekommen ist, Literaturdenkmäler zu schaffen. Vorläufig sprechen noch alle inneren, psychologischen, entwickelungsgeschichtlichen Momente für die Entstehung des Pentateuch im Wesentlichen nicht vor der Eroberung des palästinensischen Bodens und sogar nicht vor der Königszeit — so viel im Einzelnen auch schon vorher mag gesungen und gesagt worden sein. Und wenn man die literarische Wesens- Thomas Mann ■her Habimah Ich habe das Hablmah-Theater nur einmal, gelegentlich eines Münchener Gastspiels, gesehen, aber der Eindruck ist unauslöschlich. Man spielte den ״Dybuk“, dies volkstümlichsittenbildhafte Drama der Besessenheit, und die Atmosphäre durchdringender nationaler Echtheit, Intimer Unheimlichkeit, pittoresker Kulturgeschlossenheit, in der die Darbietung stand, zusammen mit der theatralischen Fortgeschrittenheit, dem leidenschaftllchen Raffinement der Inszenierung, tat es mir, wie Übrigens offenbar dem ganzen Publikum, bis zur Hingerissenheit an. Ich verstand kein Wort, und dennoch gab es kehl Aussetzen der höchsten Aufmerksamkeit, nicht einen Augenblick. Die Worte aber, die ich gleichwohl verstand und die jeder versteht: ״Adonai!“, ״Israel!“ — diese gewaltigen Laute aus so authentischem Munde zu vernehmen, war mir aus bestimmten persönlichen produktiven Gründen ein Erlebnis des Schreckens und der Freude. Mit Eifer ergreife ich die Gelegenheit, dem Thea;:: für diese außerordentliche Stunde meinen Dank abzustatten. Thomas Mann. Generalmusikdirektor Professor Otto Klemperer Aber die iabinah: ״. . . Als stärkster Eindruck von der Bühne her nenne ich aus neuerer Zeit das Hebräische Theater ״Habimah“. Das ist nicht aus einem ethnologischen Vorurteil gesprochen, aus Brüderschaft oder aus sonst einem Gefühl, sondern aus der reinen, klaren Anschauung. In ״Habimah“ war nichts mehr von Theater, da war plötzlich eine Nation auferstanden und in der Kunst ausgedrückt. Sehr stark!“. . . Das Gastspiel der Habimah In Berlin beginnt am 12. Dezember im Lessing-Theater mit einer Aufführung von ״Keter David“ (Die Krone Davids). Dieses Drama, nach Motiven von Calderon, in einer Bearbeitung von Jizchak Lamdan hat bekanntlich in Palästina großes Aufsehen erregt. Es war sowohl In der Presse wie auch In der Öffentlichkeit sehr umstritten. In der europäischen Tournee, die die Habimah bisher durch Italien, die Schweiz und Deutschland führte, hat gerade ״Keter David“ einen sehr großen Erfolg, errungen. Als zweites Stück des neuen Repertoirs wird sich die Habimah zum erstenmal in einer Komödie nach Scholem Aieichem, ״Haozar“ vorstellen. In Palästina war man über die ausgelassene Lustigkeit dieses Stückes sehr begeistert. Der Kreis der Freunde der Habimah veranstaltet im An- Schluß an die Premiere im Foyer des Lessing-Theaters einen Empfangsabend am 12. Dezember. Die Vertreter der Korporationen und Institutionen werden hier Gelegenheit nehmen, die Habimah offiziell zu begrüßen. verwandtheit des Pentateuchs mit dem Josuabuch betrachtet (daher ״Hexateuch“), das doch nicht gut vor der Einwanderang Israels in Palästina entstanden sein kann, so wird das Fragezeichen nicht kleiner? Die Bedeutung Aegyptens für die Bibel in allgemeinkultureller Hinsicht haben die Aittestamentter nie erkannt, den konstitutiven Charakter des Igypüschat Erlebnisses fflu־ die Schaffung der Nation und die Entwickelung des Nationalgefühls hat das jüdische Volk nie verwischt. Jahudas Verdienst ist es, als einer der ersten die Notwendigkeit betont zu haben, das Aegyptische für die Frühgeschichte der hebräisehen Sprache neranzuziehen. Eine lexikalische Aufstellung aller von ihm bearbeiteten Wörter wird hierfür gute Dienste tun. An Jahudas Vortrag schloß sich eine kleine Diskussion, in der Schaefer, Bertholet und Sellin sprachen. Sie war nicht übermäßig erfreulich, in keiner Weise fruchtbar und wieder ein Beweis dafür, daß beim Vortrag neuer wissenschaftlicher Forschungen Diskussionen überflüssig sind. Dr. Bruno Kirsch ne r. Ludwig Blau: Ein Maler Palästinas In der Neuen Kunsthandlung, NettelbeckStr. ll£ stellt zurzeit ein jüdisch-tschechischer Maler aus, dem Palästina zur zweiten Heimat geworden ist. Wie innig er sich seiner Wahlheimat bereits verwoben fühlt, davon legen seine Bilder Zeugnis ab. Ludwig Blum ist wie alle Maler, die den Orient lieben und darstellen, starker Kolorist. Ehe er den Orient entdeckte, — ideologisch mag er sich mit ihm schon früher auseinandergesetzt haben und zu positiven Schlüssen gelangt sein, — führten ihn seine Reisen nach Holland, Paris, Spanien, Italien. Seine Fahrt geht immer südlicher, bis er wie wenige den Orient mit seiner heißen Sonne und seinem exotischen Leben malerisch erlebt (Blum wohnt seit 1923 in Jerusalem und unterbricht seinen dortigen Aufenthalt nur, um in den größeren Städten Europas gelegentliche Ausstellungen seiner Bilder zu veranstalten.) Wie Kokoschka, dessen Augen immer wieder den Orient suchen, ist es der Klang der südlichen Farben, der ihn inspiriert. Bei aller Klarheit geht es wie ein Rausch über seine Leinwand. Und er Ist beinahe nur Maler, nur Liebender. Es darf daher nicht wundernehmen, daß er am stärksten dort ist, wo er den alten Orient, das alte Palästina darstellt. Städte, Plätze, Gassen, Menschen, die sich mühelos, ungewollt, wie von selbst der Landschaft einfügen, selbst ein Bestandteil der teils bergig Zerklüfteten teils sanft hügeligen Natur zu sein scheinen, sind von ihm am innigsten erfaßt. Den neuen, in harter Arbeit eroberten, europäisierten Teil Palästinas, den er prinzipiell bejaht, darzustelkn, gelingt ihm zwar technisch, aber sein Auge gleitet immer wieder zurück zu dön Bazaren, den winkligen Gäßchen der Jerusalemer Altstadt, zu Beduinenmädchen und einem glutäugigen ״Juden aus Jemen“ mit prachtvoll schwarzem Haar und Schläfenlocken. Ein alter ״Araber und Jude“ stehen in friedlichem Gespräch beieinander und unterscheiden sich in kaum etwas voneinander. ״Die Kamelrast vor dem Damaskustor“ zeigt nichts von der Mühseligkeit des zurückgelegten Weges, ebenso wie die ״Bazarstraße in Jerusalem“ kein Gefühl «es Unbehagens vor dem starrenden Schmutz und den nicht gerade balsamisch zu nennenden Gerüchen Arabiens aufkommen läßt. Die Wirklichkeit ist hier malerisch aufgelöst; über allem spannt sich ein unendlich blauer, gütiger Himmel, und man braucht sich nur auf den Rücken zu legen, um stundenlang hinauf zu starren. Blum ist Neuromantiker, durchaus Aesthet, auf seine Weise ein Meister. Er ist Impressionist im besten Sinne des Wortes, aber auch in seinem einschränkenden Sinne. Die Eindrücke, die sein Auge empfingt, hält er mit gut geschulter Technik (Prag, Wien) und souveräner Sicherheit Strich für Strich, Moment für Moment fest; Licht und Leben faßt er in ihrer flutenden Bewegung. Wozu er nicht vordringt, ist die Realistik des palästinensischen Lebens; seine Palette enthält keine Farbe für die Darstellung des unruhigen, brodelnden, leidenden und arbeitenden Orients. Omar-Moschee und Klagemauer Interessieren ihn nicht als Symbole, sondern sind ihm malerischer Vorwurf. Eins seiner bezauberndsten Landschaft«- bilder ״Zwischen Haifa und Akko“ mit Palmen, Himmel und Akkobucht ln unendlich feinen Pastellfarben läßt nicht ahnen, daß unzählig viele Verurteilte hier ihren Leidensweg zur Festung Akko gingen. Im Nachspuren der Natur ist er am größten, nie Reporter. Ohne Pathos und Leidenschaft, aber mit großer Einlühlungskraft und Liebe bekennt er sich zum Orient, wo er schön ist. Blums schöpferische Kraft weist aufwärts. Wenn es ihm gelingt, in sein Werk das gesellschaftliche Sein Palästinas ein* zubeziehen und so nicht nur dem rein Malerischen Genüge zu tun, dann wird sein Schaffen einen neuen Sinn und eine allseitigere Bedeutung bekommen. Anja Aschkenasy. Hebräische Jagendarbelt Die Organisation ״Iwriah“ hat If/8 Jahre bis zur Gründung des Beth Am die ganze Verantwortung für die hebräische Arbeit in Berlin im allgemeinen und besonders für die Jugendarbeit getragen. Es gelang der Iwriah auf die verschiedenste Weise durch Vorträge, gesellige Zusammenkünfte, musikalische Abende, Feiern unserer Feste usw. die hebräisch Sprechenden Berlins zu sammeln. Den Höhepunkt bildete das Fest in den Johann-Gcorg-Festsälen, an dem 6000 bis 7000 Menschen teilenommen haben. Bei diesem Feste, ebenso wie schon vorher ei verschiedenen Gelegenheiten, betonte der Leiter der Iwriah Nachum Lewin die Notwendigkeit, einen hebräischen Klub In Berlin zu gründen. Aber alle seine Versuche, die nötigen Mittel zu beschaffen — sowohl von privater Seite als auch von den zionistischen Institutionen — schlugen fehl, bis er in Verhandlungen mit dem jüdischen Schulverein eintrat. Nun gelang es, durch das besondere Verdienst des Herrn Nathan, die erforderlichen Mittel zu beschaffen. Das Beth Haam wurde gerundet Es handelte sich darum, in Berlin ein lebendig« ebräisches Zentrum zu schaffen, nicht etwa nur darum, die Vorträge, die bis dahin in der Rosenstraße stattgefunden hatten, an einen anderen Ort zu verlegen. Es sollte ein Heim geschaffen werden, das wirklich zum Treffpunkt aller hebräisch Sprechenden Berlins werden konnte, ein Heim, wo man essen, Zeitung lesen, sich unterhalten konnte, wo Feiern stattfinden konnten, wo ein hebräischer Chor, ein hebräisches dramatisches Studio die geeignete Arbeitstätte finden konnte, wo mit einem Wort alle die sich zusammenfinden konnten, die an einem kbendigen Hebräisch Interesse haben. Dies zu verwirklichen, stellte sich der Ausschuß für hebräische Arbeit unter der Jugend zur Aufgabe. Er unternahm es, die in den Bünden organisierte und die nicht organisiertc Jugend zur hebräischen Arbeit heranzuziehen. Es gelang dies für die Organisationen Esra, Kadimah, Zophim und für zahlreiche Nichtorganisierte und führte zu einer starken Hebraisierung dieser Bünde. Der Ausschuß der besteh Waffen im Kampf um die Jugend ist. Außerdem veranstaltet der Ausschuß jeden Schabbat Abende für die im Hebräischen Fortgeschrittenen, damit sich diese wenigstens einen Abend in der Woche in einer lebendigen hebräischen Umgebung befinden. Um die ganze Jugend der verschiedenen Richtungen zu gewinnen, beschloß der Ausschuß, sich zu erweitern. Es wird ein Rat gebildet werden, an dem je zwei Vertreter aller Bünde teilnehmen. Zu einer einleitenden Sitzung hatten schon die meisten Bünde Ihre Vertreter entsandt. Es wurde auch ein erweiterter Arbeits-Ausschuß gewählt, bestehend aus: Leiter Nachm Lewin, Stell- ^Verw!ter>-״Scifc::'Hör#it^־‘:׳S«retare׳ JiMnaWseWernownz *Und Chanan Oppenheimer; weitere Mitglieder: (Shfawer Perimänn, Dr. Ernst Frankel (Zophim), Sch. Syman (Kadimah), Nathan Hoffman (Esra), Ißler und Gottesmann (K. J.V.), je ein noch za bestimmender Chawer von J. J.W. B., Zeire Misrach! und anderen Bünden. Der Rat veranstaltete bei seiner ersten Zusammenkunft zunächst eine grundsätzliche Aussprache, die ergab, daß die meisten Bünde bereit sind, eine gemeinsame hebräische Arbeit zu leisten. Es wurde beschlossen, den Schabbat zum hebräisehen Abend der Berliner Jugend zu erklären und alle Organisationen aufzufordern, an diesem Abend keine anderen wichtigen Veranstaltungen zu machen. Weser Ahend soll neben einem Referat und Gelegenheit zur Aussprache durch Singen und andere musikalische Darbietungen einen festlichen Charakter erhalten. Außerdem wurde, wie bereits erwähnt, die Gründung eines Chors beschlossen. Weiter wird es di e Aufgabe des Rates sein, den Jugendorganisationen bei ihrer internen hebräischen Arbeit zu helfen. Als ein Beispiel sei nur erwähnt, daß der Rat den Winterfahrten der einzelnen Jugendbünde Palästinenser oder andere Hebraisten mitgeben wird, daneben bei genügender Beteiligung auch noch von sich aus eine hebräische Fahrt unternehmen will, wozu Interessenten sich möglichst bald im Beth Am melden sollen. Besonderer Wert soll darauf gelegt werden, auch die Jüngeren, die 13 bis 15jährigen, heranzuziehen. Schon heute kann man es als Ergewinnen. Auf allen diesen Wegen, von denen hier natürlich nur ein Teil geschildert werden konnte, soll das eine große Hauptziel erreicht werden: Die Schaffung eines lebendigen hebräischenZentrumsinBerlln. Chanan Oppenheimer. Dr. Hans Kohn znrüekgelrelen Die JTA. teilt mit: Der bisherige Direktor der Propagandaabteilung des Keren Hajessod, Herr Dr. Hans Kohn, hat an den gegenwärtig in Berlin weilenden Leiter des Keren Hajessoa, Herrn Dr. Arthur Hantke, das Ersuchen gerichtet, ihn seiner Amtspflichten zu entbinden; er lege das Amt eines Direktors des Werbedepartements zurück, um sich seinen wissenschaftlichea Arbeiten ganz widmen zu können. (Dr. Hans Kohn den Lesern der ״J. R.“ aus zahlreichen Aufsätzen bekannt, schrieb eine Reihe Bücher über Fragen des Nationalismus, der politischen Philosophie und des Wesens des Judentums. Seine 1928 in Berlin erschienene ״Geschichte der nationalen Bewegung im Orient“ wurde!929 in englischer Sprache in London herausgegeben und erscheint demnächst französisch. Dieser Tage erscheint von ihm im Verlag Hegner Hellerau eine groß angelegte Biographie Martin Bubers. Kohn ist aktiver Pazifist und Mitbegründer des auf jüdisch-arabische Annäherung hinarbeitenden Brith Schalom.) ״Palestine Blue Book 1928“. Vor einiger Zeit erschien in erweitertem Umfange das Blaubuch der palästinensischen Regierung für 1928 (Palestine Blue Book 1928). Das Blaubuch enthält detaillierte Informationen über die Steuern und Finanzen der Regierung und der Munizipalitäten, die Gesetzgebung des letzten Jahres, das Wahlrecht, den Beamtenstab 3er Regierung, Konsulatswesen, Presse, Bevölkerungsstatistik und ausführliche Detailstatistiken über Import und Export. 11MHW11111[111H111111m1mimMn11m1M1nBH11111m111w11nu1i11111m111H111m11M1111HnHn11t111H111u111111M11m111111m111H11u11111111n11111111111111111111111H111111111111111m11111111111111111111111mi1111mM111nw1111111H11nnH11111)111n111«nw11UH1m1tM1MBH1H11H>1111111111 Mizrajim

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