Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 97 (10.12.1929)
- Date
- 1929-12-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 652 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97, 10. Xn. 1929 Während der ganzen Nachmittagssitzung bemühten sich die Anwälte der Arabischen Exekutive narhzmvcisen, daß das erste in dem verhängnisvollen Freitag, den 23, August, gefallene:; >pfcr ein Araber war. Der Leiter des Regimmgshospitals Dr. Youwif liajjar konnte sich an die Zeit der Einlieferung des tödlich verletzten Arabers, der Hannah Karkcr hieß ima' ( lirist war, nicht erinnern. * A111 (1. Dezember beendete die Kommission die Anhi'.rung der von der arabischen Seite geführten Zeugen. Es wurden ftiilf Fellachen aus Dörfern aus der Umgebung Jertisalcms verhört. Ferner wurde Aref el Aref, gegenwärtig Distriktsbeamter von Beerscheba, vernommen, der bekanntlich im Jahre 1020 zusammen mit dem Großmufti wegen Teilnähme an den Unruhen in Jerusalem verurteilt und später von Herbert Samuel amnestiert worden war. Der Zeuge stellte i!1 Abrede, daß er in irgendeiner Weise an der Anstif- Umg der Pogrome in Hebron beteiligt gewesen sei. — In der nächsten Sitzung beginnt die Einvernahme der zionistisehen Zeugen. Ein pro-arabisches parlamentarisches Komitee London, 6. Dezember. (J. T. A.) Mitglieder des Parlamcnls wurden?11 einer am 12. Dezember in einem Raume des Unterhauses statt findenden Zusammenkunft eingeladen, in der der in London weilende Sekretär der Arabischen Exekutive und des Obersten Moslemit!sehen Rates Palästinas, Dschemal e 1 H u s s e i 11 i, über die Lage der Araber in Palästina referieren wird. Die Einladung ist unterzeichnet von Earl Howe, Viscount Templetown, General-Major Sir Alfred Enox, Colonel Howard-Burv, Admiral Beamish, John Remer, Captain Ben nett. Mitglieder aller Parteien des Unter- und Oberhauses wurden zu der Zusammenkunft eingeladen. Wie ״Morning Post“ mitteilt, beabsichtigen die Kreise, die zur Aussprache mit Dschemal Hussein! einladen, ein Komitee zur ,,angemessenen Vertretung des arabischen Falles‘‘ zu begründen. — Wie bekannt, wurde im vorigen Monat aus Mit* gliedern des Parlaments eine prozionistisclic Gruppe gebildet. Der parlamentarische Korrespondent von ״Morning Post“ meint, daß Colonel Howard-Bury und etwa 20 Gleichgesinnte sich zu einer pro-arabischen Gemeinschaft zusammengetan haben, um dem parlamentarischen Pro-Palästina-Komitee ein Gegengewicht bieten zu können. Der Schulz der {(Mischen Kolonien London, 5. Dezember. (J.T. A.) In der Sitzung des Unterhauses richtete Sir Archibald Sinclair an die Regierung die Frage, ob die 16 oder 17 jüdischen Kolonien, die gemäß dem CoTonies Defencc Schemc zur Zeit der jüngsten Unruhen noch im Besitz ihrer Waffen waren, die Erlaubnis erhalten werden, diese Waffen bis zur Ergreifung angemessener Verteidigungsmaßnahmen durch die Administration zu behalten, und ob bis zu einem endgültigen Beschluß über die künftige Form der Aufrechterhaltung der Ordnung in Palästina jenen Kolonien, denen im Verlauf der letzten fünf Jahre die Waffen weggenommen wurden, diese Waffen zurückgestellt werden würden. Dr. Drummond Shieis, der jetzt an Stelle des zum Unter- Staatssekretär für die Dominions ernannten William Lunn das Amt eines Unterstaatssekretärs für die Kolonien ausübt, enviderte: Die Frage des Schutzes der jüdischen Kolonien in Palästina wird gerade in diesem Augenblick sorgfältig er* wogen und man hofft, hierüber bald einen Beschluß lassen zu können. Bis dahin bin ich nicht in der Lage, irgendeine Er* Klärung hierüber abzugeben. Major H ore Beli sh a fragte, ob es nicht sonderbar sei, daß nach zehn Jahren Administration noch kein Beschluß über eine so wichtige Frage gefaßt worden sei. Colonel Wedgw ood fragte, ob nicht wenigstens in Hause die Versicherung gegeben werden könne, daß die Kolonien, die noch im Besitze von Waffen sind, diese werden behalten dürfen. Ich bin in der Lage, fügte Wedgwood hinzu, eine Liste über 75 Angriffe und Morde gegen Juden vorzulegen. Dr. Shieis erwiderte, er werde die Darlegungen von Colonel Wedgwood dem Kolonienminister übermitteln. Streit nm die Havarit-Böden Die arabischen Siedler in der Nähe der V a d 1 H a v a r i i - Böden in der Ebene Schaaron haben vor dem Bodengericht Klage auf Räumung dieser vom Jüdischen Nationalfonds erworbenen Böden seitens der diese Böden bearbeitenden Juden erhoben. Sie sandten auch Abordnungen an die Beduinen in Gaza, Beer Sheba und Transjordanien mit dem Ersuchen, ihre Klagen zu unterstützen. Die arabischen Siedler haben bereits Entschädigung für die Räumung dieser Böden, auf die sie keine Rechtstitel besaßen, erhalten, und sich mit dieser Räumung beveits vollkommen abgefunden. Agency-Kundgebung in Königsberg Das Initiativkomitee zur Erweiterung der Jewish Agency für Palästina hatte für Sonntag, den 1. d. M., in den Gebauhrsaal der Stadthalle in Königsberg zu einer Kundgebung über ,.Die Jewish Agency und die letzten Ereignisse in Palästina“ eingeladen. Sanitätsrat Dr. Rosenkranz (Insterburg) begrüßte die außerordentlich zahlreiche Versammlung, Dr. Martin Ros en blüt h (Berlin) hielt das erste Referat. Er erinnerte an die Zeit vor zehn Jahren, als das Aufbauwerk in Palästina in eine neue Phase trat. Damals habe Lord Robert Cecil als die einzig wertvollen Ergebnisse des Weltkrieges den Völkerl־mnd und das Palästinawerk bezeichnet. Heute, nach zehn!;ihren jüdischer Kolonisationsarbeit, ist dät Antlitz des Landes wie verwandelt: aus einem vernachlässigten Gebiet ist ein I and geworden, das sich aller Segnungen der modernen Tech- Hk erfreut. Aber mehr als alle rein tcchnisch-zivilisatorisehen Leistungen der jüdischen Kolonisation wirkt auf Juden wie Nichtjuden die Tatsache, daß dort eine Generation heranwächst, die ihr Judentum frei und selbstverständlich im eigenen kulturellen Zusammenhang lebt. Unter dem gewaltigen Eindruck dieses Werkes, hat sich endlich die ״Jewish Agency“ gebildet, um die sämtlichen jüdischen Kräfte, die am Werk mithelfen wollen, zu vereinen. Dieser Aufbauwitle ist durch die letzten, bekannten Ereignisse nicht gebrochen worden. Sodann sprach, als Vertreter der Nichtzionisten, Dr. Friedrieh Brodnitz (Berlin). Fr schildarte, wie die nichtzionistische Jugend, und nicht nur diese, allmählich dem Palästinagedanken näher gekommen sei, da sie Palästina als wesentliche Bereicherung ihres jüdischen Lebens empfinde. Den Einwand, die Palästinaarbeit könne die Einordnung in den deutschen Kulturkreis gefährden, wies er als unberechtigt zurück; heute sei es dem Gefühl der staatlichen und geistigen Zugehörigkeit nicht schädlich, über die Grenzen hinweg sich mit Gleichgesonnenen zu verbinden. Auch materiell würden wichtige Aufgaben in den Heimatländern nicht zu kurz kommen. Keine Verwischung aber eine Milderung der innerjüdischen Gegensätze werde die ״Agency“ erreichen. Redner schloß mit dem Wunsche, das bei den bedauerlichen Ereignissen bewährte jüdische Solidaritätsgefühl zu erhalten und weiterhin zu betätigen. Mit einem warmen Appell zur Mitarbeit schloß Dr. Rosenkranz die Versammlung, die einen starken Eindruck auf die Teilnehmer liintenjeii. Die Zionistenverlolgnngen in Rußland Moskau, 5. Dezember. (J. T. A.) Die behördlichen Zionistenverfolgungen in Rußland, namentlich in der Ukraine, haben in den letzten Tagen erneut eingesetzt. In Kiew, Toroschtscha, Pastow und einer Reihe Städte des Gouvernements Tschernigow wurden mehr als 100 Personen unter der Beschuldigung, daß sie zionistische Werbearbeit leisten, verhaftet. Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung ״Emess" Organ der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei, fordert schärfste Repressalien gegen die in den jüdischen Kolonien noch verbliebenen Ch aluzim. Die Zeitung bebauptet, alle diese Chaluzim stünden unter der Kontrolle des illegal existierenden Hechaluz-Zentralkomitees und sie führen im Aufträge dieses Zentralkomitees eine Propaganda unter den jüdischen Kolonisten, daß diese ihr Getreide an die Sowjet-Regierung nicht ablicfern und keine Zeichnungen auf die russische Staatsanleihe machen sollen. * Die mit verstärkter Energie in der Sowjetunion gegen die Zionisten und gegen die hebräische Sprache unternommene Vcrfolgungsaktion stützt sich auf die These, daß man die kontrere volutionären Strömungen unter den Juden verfolge. Daß diese Behauptung willkürlich ist, braucht nicht erst ausführlich bewiesen zu werden. Hebräische Sprache und zionistische Ueberzeugung liegen auf einer Ebene, die kaum einen Berührungspunkt mit der Frage Kommunismus oder Antikommunismus hat. Es mag ja Vorkommen, daß Zionisten Menschewiken oder bürgerliche Antibolschewiken sind. Dann sollte die Sowjetregierung auf Grund der nun einmal in der Sowjetunion geltenden Bestimmungen gegen die ,,Sünder“ wegen Verletzung dieser Bestimmungen Vorgehen. Die ganz Gruppe west und Chariottenfturg der B. z. U. Unsere zionistische Polidk Referent: Kurt Blumenfeld Voraitzender der Zionist. Vereinigung für Deutschland Donnerstag, den 12. Dezember, abends 8'״׳■ Uhr in der Aula der Volksschule, Joachimsthaler Straße 32 unberechtigte uni! selbst vom Standpunkte der Sowjetgesetzc unhaltbare Verfolgung der zionistischen Gesinnung aber stellt sich als eine heuchlerische Ausrede dar. Es ist kein Geheimnis, daß untergeordnete Amtsstellen in der Sowjet- Union diese Ausrede gebrauchen, um ihren instinktiven Judenhaß zu betätigen. Als Juden haben die Volksgenossen der russischen Judenheit den Bolschewiken zugute gehalten, daß diese die Pogrome der weißrussischen Generale liquidiert haben. Die sonstige Stellung der Juden zum Bolschewismus wurde dadurch natürlich nicht tangiert. Wenn jetzt die Sowjetunion.eine Brutstätte der Judenverfolgung, unter dem Präteat des Zionismus, wird, so ist das eine Entwicklung, die aüch die Sowjetregierung mit Besorgnis erfüllen müßte. Als Juden und Zionisten protestieren wir auf das entschiedenste gegen diese Zuspitzung der Verhältnisse und wir sind überzeugt, daß die judenheit der ganzen Welt in dieser Hinsicht mit uns einer Meinung ist. Die Entwicklung der ffldlschen Landwirtschaft Die Bedeutung der Keren Hajessod-Siedlungcn für die palästinensische Landwirtschaft. Die jüdische Wochenschrift ״Bustana 1“, das Organ der Vereinigung jüdischer Landwirte in Judäa und Samaria, bringt in ihrer letzten Nummer eine bemerkenswerte Betrachtung über die Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft in der letzten Zeit. Der Verfasser weist zunächst darauf hin, daß, obwohl Palästina ein Agrarland sei, doch noch alljährlich für 1 JA Millionen Pfund landwirtschaftliche Produkte importiert werden müßten. Den relativ größten Verbrauch an eingcführten Landesprodukten habe der jüdische Jischuw; in dem Maße, wie er größer wurde, habe sich auch die Zufuhr von Eiern, Kartoffeln, Mehl u. a. vermehrt. Es sei aber ein großer Irrtum anzunehmen, daß die Landwirtschaft in Palästina nicht selbst auch einen großen Teil dieser importierten Nahrungsmittel liefern könne. Von dem anbaufähigen Boden in Palästina seien 2(4 Millionen Dun am anbaufähiges Land nicht bearbeitet, wahrend gleichzeitig die übrigen bearbeiteten 10 Mil- Honen Dunam überwiegend nur sehr primitiv kultiviert würden. Die Möglichkeiten für eine Erhöhung der Produktion lägen daher nicht nur in der Erschließung neuer Bodengebiete, sondern nicht weniger auch in der Intensivierung der bisher schon in Bearbeitung stehenden Flächen. Selbst die jüdische Landwirtschaft kann noch ln weit größerem Maße intensiviert werden. Die Fortschritte, die bereits in den letzten Jahren zu verzeichnen seien, seien sehr beträchtlich. Auch die früher mißachtete OetreideWirtschaft mit ihren Nebenzweigen kommt jetzt wieder zu Ehren. An der Spitze steht natürlich die Produktion von Orangen. Der Export von Jaffa-Orangen betrug im Jahre 1887 100 000 Kisten, im Jahre 1927 2 658000; im Jahre 1920 betrug der Anteil des Orangenexports 15 q׳,, des Gesamtexports aus Palästina, im Jahre 1927 bereits 43 0/0'. Die Einnahmen der Jüdischen Landwirtschaft aus dem Verkauf von Milch, Butter, Honig, Obst und Gemüsen können für das Jahr 1928/29 auf nicht weniger als 150000 Pfund geschätzt werden, wobei nicht übersehen werden darf, daß ein großer Teil des Eigenbedarfs der jüdischen Wirtschäften von ihnen seihst gedeckt wird. Diese Entwicklung ist um so erfreulicher, als die jüdischen Siedlungen vor dem Kriege gezwungen waren, sämtliche für die eigene Ernährung notwendigen Landesprodukte zu kaufen. Es muß hier, so heißt es in dem Blatt, hervorgehoben werden, daß diese großen Fortschritte der Wirtschaft mit gemischten Kulturen den jungen Siedlungen der Zionistisch«« Organisation (d. h. den aus Keren Hajessod-Mitteln errichteten Siedlungen) zu verdanken sind. Wir, die ersten (der Verfasser spricht im Namen der jüdischen Kolonisten, die bereits vor dem Kriege in Palästina Landwirtschaft betrieben haben. Red.), haben dieses Gebiet vernachlässigt. Es sei jedoch zu bedauern, daß die Zionistische Exekutive den beschnittenen Weg nicht zu Ende gegangen ist und ihren großen Beginn durch die Schaffung von Bewässerungsanlagen nicht abgeschlossen hat. Auch die Pica müsse aus den Methoden der zionistischen Wirtschaften für ihre auf Getreidebau aufgebauten Siedlungen, die sich seit fahren im Zustand großer Verkümmerung befänden, lernen. Ein wenig Wasser, ein wenig Amelioration, eine gewisse Förderung der Hofwirtschaft — dann werde die Existenzmöglichkeit für die Siedler und auch die Möglichkeit geschaffen sein, Wechsel rechtzeitig zu tilgen. Daun würden auch Siedlungen wie Beer-Tuvia und Artuf nicht aufgelöst werden müssen. Zur Frage der Verständigung Ein neuer Artikel des ״Near East". Die letzte Ausgabe der englischen Wochenschrift ״Near East and India“, die 11. a. audi einen ausführlichen Bericht über die Wirtschaftslage Palästinas und die Aussichten der Orangenkuitur veröffentlicht, schreibt in ihrem Leitartikel über Palästina u. a. folgendes: Aus den Bemerkungen, die wir vorige Woche (siehe ״Jüd. Rundschau“ Nr. 95) über die Erwünschtheit eines neuen und unoffizielicn Versuches einer Aussprache z w i - sehen Arabern und Juden gemacht haben, geht hervor, daß der Boden noch einer intensiven Vorbereitung bedarf, bevor die Saat der Verständigung reifen kann. Man muß seine Ohren sehr anstrengen, um auf irgendeiner Seite eine Stimme der Versöhnung zu hören. Neben der allgemeinen Stille bleibt der weise Rat solcher Männer wie Einstein, Ruppin, Magnes und Bergmann nur eine schwache Stimme; auf der arabischen Seite ist, soweit uns bekannt ist, überhaupt kein Schritt erfolgt in der Richtung einer neuen Einschätzung der Lage. Und wenn die Aussichten aus diesem Lager entmutigend sind, was kann man dann sagen über zionistische Organe, welche den Standpunkt der oben von uns genannten Männer so darstellen, als entspringe er nicht den höchsten Motiven der Humanität, söndern der Aengstlichkeit und Kriecherei. Auf beiden Seiten, der jüdischen und arabischen, ist man der Ansicht, daß der Berieht der Untersuchungskommission den Boden für die weitere Abrechnung bieten wird. Von einem rein politischen oder diplomatischen Gesichtspunkt mag dieses Argument gelten. Trotzdem bedauern wir seine Anwendung, weil es dazu führen muß, die bestehende Feindschaft zwischen den beiden semitischen Völkern zu verewigen. Nehmen wir z. B. an, daß der Bericht der Kommission in der Hauptsache für die Araber ungünstig sein wird — ist der zionistischen Sache wirklich gedient durch Ausbrüche des Entzückens über diese Tatsache und durch Halsstarrigkeit in den Beziehungen zu den Arabern? Nehmen wir an, der Bericht ist ungünstig für die Zionisten -— werden die Araber dann geneigter sein, die neuen Immigranten und ihre Taten hinzunehmen? Nein, solange nicht sowohl die Araber als auch die Juden sich von dem Wunsche befreien, die Gesamtheit ihrer Interessenpunkte durchzusetzen, können wirkliehe Hoffnungen auf Frieden nicht bestehen. ״Die Juden Palästinas“, schreibt das offizielle Organ der amerikanischen Zionisten, ״New Palestine“, ״sind bereit, den Arabern auf halbem Wegentgegen zukomme n“. Gut, dann sollen sie aber ihrcBereitschaft sofort beweisen; und wenn dann keine entsprechende Antwort von den Arabern kommt, dann werden sie besser als jetzt wissen, wem die Sympathien des Volkes der Mandatarmacht gehören. Wir glauben aber kaum, daß die Araber so unvernünftig wären. Auf alle Fälle ist sicher, daß Anmaßung und Furcht, wie immer sie auf Araber und Zionisten in Palästina verteilt sein mögen, niemals eine Verständigung zwischen den zwei Völkern, die von den besten Geistern auf allen Seiten gewünscht wird, zustände bringen könne. Und was bedeuten taktische Vorteile, verglichen mit einer wirklichen Beilegung? Für einen Optimisten scheint die Sache nicht unmöglich, wenn auch andere Beobachter das Palästinaproblem für unlösbar halten. Etwas liegt in der Luft und die Frage ist, ob der Wind dies wieder verwehen wird. Der ״Manchester Guardl an“ z. B. veröffentlichte in der vergangenen Woche einen sehr gemäßigten Artikel, der die Notwendigkeit eines Kompromisses betonte. Dieses liberale Organ, welch« immer in glänzender Weise die zionistischen Ideale vertreten hat, schreibt: ״Das Recht der Araber 1n Palästina gründet sich auf langedauerndc, ununterbrochene Besitzrechte und auf ein großes zahlenmäßiges Uebergewidit. Das ist ein ebenso gutes Recht wie das jüdische und muß gleichfalls geschützt werden. Dies bringt ein Element des Kornpromlsses in die Situation. Wenn beide Rechte gültig sind, dann dürften Opfer auf beiden Seiten notwendig sein, wenn Gerechtigkeit gegeschehen soll.“ Nun liegt die Sache so: die Araber sind weit davon entfernt, jede Anerkennung der Verbindung des jüdischen Volkes in Palästina abzulehneri; nur bezüglich der Bedingungen ihres Hcreinkommens zeigen sie Widerstände. Kann nicht auf ihrer Bereitschaft zu einer solchen Anerkennung etwas aufgebaut werden? Gewisse Zionisten haben, wie wir feststelkn können, mit Entrüstung die Anspielung zurückgewiesen, daß die politischen Ambitionen der Juden in Palästina reduziert werden könnten in dem Sinne, daß das Land nur ein ״geistiges Zentrum“ für die Juden wird. Der ״Dawar“ behauptet, die Parole des geistigen Zentrums werde von den Feinden des jüdischen Volkes vertreten, ist nicht die Sachlage vielmehr die, daß viele Araber und Engländer, für die noch vor einigen Jahren a 11 c Arten Zionismus unannehmbar waren, jetzt anerkennen, das die Jüdische Gemeinschaft Palästinas nicht nur eine lokale Tatsache, sondern auch ein Brennpunkt für die ganze Welt ist? Sicher ist, daß, ob berechtigt oder nicht, die politischen Ambitionen der Zionisten die Befürchtungen der Araber geweckt haben. Diese Befürchtungen können nicht durch Versicherungen der Regierung, sondern nur das Verhalten der Zionisten beschwichtigf werden. Ist nicht die Zeit gekommen, wo im Interesse der Zionisten selbst eine präzisere Definition des Begriffes ״Nationalheim“ gegeben ■werden könnte? Wenn auch das ״geistige Zentrum" nicht ohne politischen Körper bestehen kann, welche Dimensionen muß ein solcher Körper haben? Könnten nicht die Zionisten selbst hei der Klärung dieses Punktes helfen? Natürlich ist es gerade die Unklarheit dieser Definition, die ihre nationalen Hoffnungen anfaeht; aber dieselbe Tatsache entfacht auch die Befürchtungen der Araber. Und was für wirkliche Lösung kann er geben, solange diese Befürchtungen nicht zerstreut sind? Das ist der wahre Kernpunkt der Frage, dem gegenüber alle anderen Gesichtspunkte nur wenig bedeuten. Im ,,Berliner Tageblatt" vom 7. Dezember veroff entlieht der Sonderkorrespondent Theodor Berkcs einen Artikel über das Problem Palästina, worin er schildert, wie heute durch das englische Militär die Ruhe im Lande aufrecht erhalten wird und dann die verschiedenen unter den Zionisten herrschenden Meinungen analysiert. Er wendet sich vor allem gegen die Auffassung, die nach seiner Angabe von neun Zehnteln aller Zionisten in Palästina vertreten wird, wonach es sich gar nicht um einen politischen Gegensatz handle, sondern nur um die Aufhetzung der arabischen!)lassen durch Abenteurer, die ihre Machtposition bedroht fühlen. In Wahrheit, so sagt er, sind aber alle Araber Gegner des politisehen Zionismus. Der Verfasser sieht nur zwei Lösungsmöglichk£iten, entweder radikale Durchführung des revisionistischen Programms oder radikale Durchführung einer Verständigung. Die Hadassah-Frauenorganisation in Kanada hat der Zenträte der Kupath Cliolim weitere 6000 Dollars zur Errichtung eines Gebäudes für das Personal des Sanatoriums ״Arsa“ bei M o z a überwiesen.