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Jüdische Rundschau · 1929-12-10 · Heft 97 (10.12.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 97 (10.12.1929)
Date
1929-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0£S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. Ausland»«bonnements werden in der Wlhrans der einzelnen Linder berechnet. Anzeigenpreis: 8 ge»p. Nonpareillereil® 0,50 G״M, Stellengesuche 0,25 G.-M. Nummer 97 I Berlin, 10. XII. 1929 Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., BerljnWlS, Meinekestr.10 Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittags 4 Uhr Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. PosaB check-Konten: Berlin 17392. Baael V 9355. Belgrad 680 32 Brüssel 39433, Budapest 59693, Danzig 1973, Haag 140 470, Prag 59410, Straashmx 164 30, Warschau 190708, Wen 156 030• Bank-Kontent Datmatädter and Nationalbank, Depositen-Kasse Berlin, Kurfüraendamm 52: Bane« de Es«, Cemautt (Rumänien); Angln Paleatine Co. in Haila, jeruaalem, Tel Aviv, ת כסלס תר״צ | xxxiv, jahrg. Per Zlonfwmi» erstrebt für da» JUcHsclie Volk dl» Schäftung einer BffentUch»rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.** Weizmann kommt zum Delegiertentag Wie wir in letzter Stunde vor Schluß des Blattes erfahren, hat Prof, Weizmann, Präsident der Zionist. Organisation und der Jewish Agency, sein Erscheinen beim Delegiertentag der deutschen Zionisten in J e n a zugesagt, Dr. Weizmann wird ein Referat Uber die politische Lage halten. Die Vernehmung des Mufti Die Kommission beendete Freitag dm Verhör der arabischen Zeugen Nun kommt die zionistische Seite zu Wort Brief aus Polen Oie Vernehmung des Groß-Multi Trauer um Dr. Leon Reich. — Lazarus Barth in Galizien. — Leib Jaffe in Krakau. {Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, Anfang Dezember, In tiefe Trauer gehüllt steht die galizische und mit ihm die gesamte polnische Judenheit an der Bahre des früh, allzu früh dahingegangenen Dr. Leon Reich. In voller Schaffenskraft, mitten aus _ seinen vielen Arbeitsstätten wurde er dem Volke und den Seinen unbarmherzig entrissen. Dr. Leon Reich war ein treuer Diener am Licht. Seit über 30 Jahren stand er unaufhörlich und unerschrocken im Dienste des Zionismus, zuerst an der Seite Salomon Schillers, Adolf Stands und Gerschon Lippers und nach ihrem Dahinscheiden war er tmbestritten jahrelang der Führer der Juden in Ostgalizien. Nichts bezeichnet besser sein historisches Verdienst als die wahrheitsgemäße Feststellung, daß es Leon Reichs Energie, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften gelungen ist, in den letzten 10 Jahren dem Zionismus in diesem Teile Polens die unumschränkte Herrschaft, eine unzweifelhafte Hegemonie im jüdischen Leben zu verschaffen. Mit Dr. Leon Reich ging von uns eine überragende Persönlichkeit, ein Führertalent, das nicht so rasch wird ersetzt werden können. Das ostgalizische Judentum steht verwaist da, in Liebe, Dankbarkeit und Schmerz ob des großen, unersetzlichen Verlustes vereint. * Galizien ging eben in raschem Zugreifen an die zionistische Winterarbeit heran. In Lemberg fand noch unter Vorsitz des Dahingeschiedenen eine Beratung der Vertrauenstnänner sämtlicher Lokalkomitees der allgemein-zionistischen Organisation statt, zu der die Exekutive aus London ihr Mit- ׳ «TeSafung‘ mit־ Walte«, - tutftrer Delörafloii n.׳ dgf. Es *jiHfe eben eine A rbeitskonf erenz sein, an der all diejenigen teilnahmen, welche unmittelbar die Last der tagtägüchen zionistischen breitverzweigten Tätigkeit in ihren Orten tragen. Eine solche Tagung war in Ostgalizien ein organisatorisches Novum und hat sich, wie berichtet wird, sehr gut bewährt. Gerade vor einem solchen Forum aktiver Zionisten hat Herr Lazarus Barth die gegenwärtige Lage In Palästina und die Maßnahmen, welche die Exekutive ergreift, ausführlich dargelegt. Es war von kolossalem Nutzen, diesen unmittelbaren Kontakt zwischen Eexkutive und diesem Abschnitte der Bewegung herzustellen. Nach den letzten Ereignissen in Palästina, welche, wie bereits berichtet, in Polen ein sehr starkes Echo fanden, war hie und da eine Desorientierung eingetreten. Es war die Aufgabe Barths, die zionistische Masse und in erster Linie die aktivsten Träger der Bewegung allerorten aus dieser Desorientierung herauszureißen, sie mit der Wirklichkeit bckarmtzumachen. Barth besuchte auch einige Provinzstiidte, um dann in Lemberg unverhofft, im Namen der Weltexekutive dem jäh dahin gegangenen Führer, einem der verdienstvollsten in der Weltbewegung, das letzte Geleit zu geben. Lazarus Barth nahm auch während seines Besuches in Ostgalizien Anteil an den Beratungen des Parteirates des ״M i s - rachi“ und an der Landestagung der ״Hitachduth“. Die diesjährige Propaganda für den ״Keren Haj essod“ nahm auch in Galizien ihren Anfang. Kaum wurde die Hilfsaktion für die durch die letzten Ereignisse in Palästina Betroffenen, welche insgesamt in der Republik zwei Millionen Zloty (zirka 200 000 Dollar) einbrachte, beendet, begann man mit den Vorbereitungen zu einer großen Keren Hajesscd-Aktion. In Kongreß-Polen traf dieser Tage Herr Bloch-Blumenfeld aus Tel-Awiw, der Delegierte des Keren Hajessod, ein. Mit der Ankunft des Präsidenten S o k 0־ low und Alexander Goldsteins Anfang Januar wird hier der Drive beginnen. Leib Jaffe ging diesmal nach Galizien und mit der ihm innewohnenden Energie und seiner zionistischen Gefühlsstärke gelang es ihm bereits, Krakau im Sturm zu nehmen. Der tätigsten Hilfe der dortigen, seit langem gut bewährten Führer sämtlicher zionistischer Gruppen mit Abg. Dr. Thon an der Spitze, gesellte sich — nunmehr zum ersten Male — eine aktive Hilfsbereitschaft der westgaüzischen nichtzionistischen Agency- Mitglieder: Dr. Ader, Dr. Landau, Dr. Fischlowitz und deren Vertreter. In gemeinsamen Kundgebungen, Aufrufen und, was das allerwichtigste, in der gemeinsamen Sammeltätigkeit, bewährt sich hierzulande erstmals ausgezeichnet die in Zürich zustande gekommene Arbeitsgemeinschaft, Leib Jaffe leitet die Propaganda mit großem Elan und die in den ersten Tagen bereits erziehen Resultate in Krakau sind über alle Erwartungen. In Ostgalizien gingen schon ebenfalls die dortigen nichtzionistischen Ageney-Mitgiieder an die praktische Arbeit heran. Es wäre nur zu wünschen, daß es dem in Warschau für Kongrcfi-PoIen und die Randgebiete neugewählten gemeinsamen Keren Hajessod-Direktorium gelingen möge, auch die dortigen führenden Nichtzionisten schon in allernächster Zeit für die unmittelbare Propaganda für das Finanzinstrument der jewish Agency zu gewinnen. Englischer Soldat mißhandelt ln Haifa wurde ein e n gli s ch er S o Idat in Zivilkleidung durch arabische junge Leute unter Rufen ״Schlagt den Juden“ überfallen und schwer mißhandelt. Der Soldat wurde in erheblich verletztem Zustande in das Hospital gebracht. Zwei Araber wurden als der Teilnahme am Ueberfall verdächtig, verhaftet « Am 4. d. M. beendete die Untcrsuchungskommission die Vernehmung des Großmufti. Der Großmufti führte aus, vor dem 23. August sei die Stimmung in Jerusalem so gewesen, daß die Moslems vom Lande sich wegen der drohenden Haltung der Jerusalemer Juden, die sogar aus den Doriern eintrefiende Frauen tätlich beleidigten, sich fürchteten, die Stadt zu betreten. Der Vormittag des Freitag, 23. August, war vollkommen ruhig verlaufen. Gegen Mittag erst hörte der Mufti Schüsse aus der Gegend des Moschee-Gebietes, er wußte aber nicht, von welcher Seite sie abgegeben wurden. Er tat sein Bestes, um die auf geregte Mengezu beschwichtigen und ordnete an, daß in der Aksa-Moschee der Koran gelesen werde, um die Leute, die durch die Lektüre von unter sie verteilten kommunistseihen Flugblättern in arabischer und hebräischer Sprache in Erregung geraten waren, auf andere Gedanken zu bringen. Die Unruhe stieg, als zwei aus Wunden blutende Araber ankanten und die Menge zu schreien begann: Die Juden töten unsere Brüder! Am Nachmittag begann das Kreuzverhör mit dem Großmufti durch den Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman. Es kamen die Resolutionen der moslemischen Konferenz vom Oktober 1028 betreffend den Schutz der Heiligen Stätten zur Sprache. Der Mufti, der in dieser Konferenz den Vorsitz führte, hatte in seiner Ansprache ausgeführt, die Juden trachten danach, die Heiligen Stätten in ihren Besitz zu bringen. In einer der gefaßten Resolutionen wird behauptet, daß der Oberstaatsanwalt Norman Bentwich, die Juden in diesen ihren Bestrebungen unterstützte. Sir Boyd Merriman fragte den Mufti, ob er wirklich glaube, daß die Juden solche Absichten haben. Der Mufti erwiderte, die Resolution spreche dies deutlich genug aus. Auf eine Frage des Anwalts der Araber, Stoker, erklärte der H1fiB,/seln^r-MelmaitÄeh .kSgae eine wlftfeftelMnÄdes klaration abgeschafft und eine nationale Regierung eingesetzt wird, die einem Parlament verantwortlich ist. Für die letzten Unruhen sei die zionistenfreundliche Politik der Regierung verantwortlich; den unmittelbaren Anstoß zu den Unruhen gab die jüdische Demonstration. Es kam dann die Korrespondenz von MacMahon mit dem damaligen arabischen Fürsten Hussein betreffend Schaffung eines unabhängigen Arabien zur Sprache, sowie ferner ein Brief Lord Balfours aus dem Jahre 1918, in welchem den Arabern der Dank für die den Alliierten geleisteten Dienste zum Ausdruck gebracht und arabische Unabhängigkeit versprochen wird. Diese Korrespondenz wurde nie veröffentlicht. Im weiteren Verlauf des Verhörs erklärte der Mufti, er glaube bestimmt, daß die Juden den Tempelplatz in Besitz nehmen wollen. Als Sir Bojd Merriman willen wollte, worauf sich dieser sein Glaube gründet, wies der Mufti ein Exemplar einer jüdischen Neu jahrs -Glück wünschkarte mit dem Bilde der Omar-Moschee vor, ferner kleine Papierfähnchen, die die jüdischen Kinder am Simchat-Thora-Fcste während der Hakapha (Ringprozession mit den Thorarollen) tragen, auf denen Gesetzesrollen in offener Thoralade und im Hintergrund das Bild der Klagemauer aufgemalt sind. Das Kreuzverhör, dem der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, den Mufti unterzog, datierte nicht weniger als sechs Stunden. Obwohl der Mufti fortwährend aufreizende Reden hielt, aus deren Inhalt rnan schließen konnte, daß er sich mit den Kreisen, die den aktiven Widerstand gegen die Regierung und das zionistische Werk predigen, solidarisiert, war aus ihm nicht ein klares Geständnis herauszubekommen, daß er durch sein Verhalten vor den Unruhen zum Ausbruch dieser Unruhen direkt beigetragen hat, wie es die Zionisten glauben. Im Gegenteil, er behauptete fest und bestimmt, daß er bemüht war, die aufgeregten Gemüter zuberuhigen und daß auch die Mitglieder des moslemischen Obersten Rates in Gaza und Beerslieba ihrerseits auf die Araber ihrer Umgebung beruhigendeinwirkten. Der Mufti behauptete, daß auch den moslemischen Führern in Haifa der Dank der Regierung für ihre Bemühungen, die Massen zu beruhigen, ausgesprochen worden ist. Sir ßoyd Merriman bezweifelte es, daß der Mufti und die von ihm genannten Kreise wirklich einen beruhigenden Einfluß?,usübten und wies auf die Tätigkeit des Mufti von Tiberias hin, der es durch eine beruhigende Proklamation und einen beruhigenden Einfluß tatsächlich erreicht hat, daß Tiberias von Unruhen verschont geblieben ist. Der Mufti bestritt die Autorschaft des Briefes an die Bevölkerung von Nablus, in welchem diese aufgefordert wurde, zum 23. August nach Jerusalem zu kommen und gegen die Juden zu kämpfen und erklärte, der Brief sei eine Fäls c h u n g, worauf schon der unliterarische Stil und das schlechte Arabisch dieses Briefes hindeuten. Der Mufti hielt Ansprachen an die Mitglieder der Kommission über das angebliche seinerzeitige Versprechen der Eng- Iänder an die Araber und erklärte, daß Großbritannien die in der vorn ersten High Commissioner Sir Herbert Samuel bei seiner Ankunft in Jerusalem im Juli 1920 verlesenen Botschaft des Königs von England skizzierte Politik nicht durchgeführt hat. Der Anwalt der Regierung, Kenelm Preedy, verzichtete auf ein Kreuzverhör und beschränkte sich darauf, den Mufti daran zu erinnern, daß die Regierung im Jahre 1923 den Arabern die Errichtung eines Legislative Council (Gesetzgebende Körperschalt) und einer Arab Agency analog der Jewish Agency angeboten hat und daß die Araber dieses Angebot zurückge- I...־-י.״.-•• —.־י ״-.!--ן -•J—1- -• .. J•״ <• « - Nach Beendigung des Verhörs mit dem Mufti wurden einige Mitglieder der Gesellschaft zum Schutze der moslemischen Heiligeti Stätten vernommen. Die Untersuchungskommission nahm am Donnerstag ihre halb-öffentlichen Sitzungen im Alten Zollhause wieder auf! Der Anwalt der Arabischen Exekutive W. H. Stoker brachte wiederum das Pamphlet ״Protokolle der Weisen von Zion“ zur Sprache, das der Mufti der Kommission vorlegte und dabei seinen Glauben an die Echtheit der ״Protokolle“ bekundete. Sir Boyd Merriman bezeichnete in der öffentlichen Sitzung nochmals die ״Protokolle“ als die Nachahmung der Niederschrift eines zwischen Machiavelfi und Montesquieu in der Unterwelt geführten imaginären Gespräches. Er übergab der Kommission Materialien, darunter einen Leitartikel der Londoner ״Times", in denen die Protokolle als eine plumpe Fälschung entlarvt wurden. Merriman legte weiter dar, daß der Text der angeblichen Korrespondenz zwischen dem früheren arabischen Herrscher Hussein und dem Engländer MacMahon, die Versprechungen an die Araber enthält, nicht — wie der Mufti behauptet hat — aus dem kritischen Außenministerium stammt, sondern daß dieser Text dem Buche ״Die Palästina-Täuschung“ (The Palestine Deception) des bekannten Zionisten-Gegners Jefferies entnommen ist. Sir Boyd Merriman wies nach, daß sogar die in Jefferies Buch vorkommenden groben Druckfehler in den vom Mufti vorgelegten Text nütübernommen sind. Koch, eia deutscher Zeuge Als Zeuge erschien dann vor der Untersucta®0skom1n»sio11 .dM;41pWie*S׳ .«»,,MftglÄiMef. in Haifa, der gesehen haben will, wie am 27. August junge Leute aus der jüdischen Vorstadt Bath Galim auf die ihm unterstellte Gruppe von 35 Arbeitern geschossen haben. Sir Boyd Merriman wies darauf hin, daß diese Schießerei einen Tag nach dem zurückgewiesenen Angriff der Bewohner des Dorfes Tireh auf Bath Galim vorgekominen sei, so daß die jungen Leute in dem Glauben sein konnten, daß sich ein neuer Angriff auf Bath Galim vorbereite. Die Scheichs von Beissn und Beerscheba Der Oberscheich des B eis a n-Di s t ri k t e s im Norden Palästinas Emir Beshir Chazewieh und der Oberscheich des Distriktes Beerscheba im Süden Fareih Middeen erschienen heute vor der Untersuchungskommission. Emir Beshir Chazewieh stellte sich der Kommission als der Herrscher über 40 000 Stammesangehörige in Palästina und 60000 in Transjordanien vor. Beide Scheichs erklärten, die ״Zionistisehe Politik“ der Palästina-Regierung müsse die Auswanderung alier Araber aus Palästina zur Folge haben. Emir Chazewieh erzählte, er habe auf Ersuchen König Feisals im Kriege 800 seiner Reiter den Briten zum Kampfe gegen die Türken zur Verfügung gestellt, heute aber unterdrückt eine britische Regicrung die Beduinen, nimmt ihnen ihre Waffen weg und schließt die von den Türken begründete Landwirtschaftsbank. Die Juden kaufen den Boden auf und werden schließlich das ganze Land okkupieren. Die Beduinen dürfen nicht mehr ihre Herden im Tale Jesreel weiden, was sie seit Generationen tun durften. Sir Boyd Merriman wies darauf hin, daß die Re■ gierung den Beduinen im Beisan-Gebiet weite Strecken Bodens, auf die die Beduinen keinerlei Rechtstitel hatten, geschenkt hat. Scheich Fareih Middeen, der Mitglied des vom ersten Oberkommissar Sir Herbert Samuel errichteten Advisory Council gewesen war und der den Sohn Sir Herbert Samuels, Herrn Edwin Samuel, an seinem Hochzeitstage im Sommer 1920 zu einem Beduinen-S cheich ernannt hatte, klagte vor der Kommission, daß die Beduinen ihres Weiderechtes und sonstiger Privilegien beraubt, allmählich an den Bettelstab gebracht werden. Er sei aus dem Advisory Council ausgeschieden als ihm klar wurde, daß Sir Herbert Samuel die J uden begünstige und daß alle eingehenden Steuern für Straßenbau und für Unterstützung jüdischer Arbeitsloser verausgabt werden. Unter den Türken brauchten die Scheichs überhaupt keine Steuern zu zahlen. Er sei überzeugt, daß die Steuern zu dem Zwecke erhöht worden sind, um die Araber zur Auswanderung zu zwingen und Platz für die Juden zu schaffen. Er habe nichts von der Balfour-Deklaration gehört, bevor die Briten Samuel zum König von Palästina gemacht haben. Seine Stammesangehörigen aus dem Distrikt. Beerscheba, unter ihnen besonders die berittenen Männer, wollten während der Unruhen nach Jerusalem gelten, er habe sieaber zurückgehalten. Im Bcerscheba-Distrikt entstand Erregung dadurch daß Gerüchte verbreitet wurden, die Juden hätten versucht, sich der Omar-Moschee zu bemächtigen, hätten die Moschee mit Bomben beworfen und viele Moslems im Haram-Gebiet getötet. Der Zeuge bestritt, daß er 1922 gegenüber Winston Churchill geäußert habe, daß er die Baifour-Deklaration billige und das Einwandern der Juden in Palästina begrüße. Möglicherweise gehörte er einer Deputation an, die Herrn Churchill während seines Aufenthalten in Jerusalem besucht hat. Der damalige Gouverneur von Beerscheba habe den ganzen Distrikt beinahe ruiniert, indem er fortwährend Delegationen nach Jerusalem sandte. Sir Boyd Merriman brachte vor, daß während der letzten Trockenheitsperiode die Regierung den Beduinen von Beerscheba 20 000 Pfund vorgestreckt und ihnen geholfen hat, ihr Vieh nach dem Norden zu bringen.

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