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Jüdische Rundschau · 1929-12-06 · Heft 96 (6.12.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 96 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 06, 6. XU. 1029 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 645 innereionistische Diskussion Wofür und Wogegen? Eine Erwiderung von Isaak Feuerring. I. ״Keine Vertuschung“ überschreibt Herr Dr. S a n d - ier seinen Artikel in Nr. 95 der ״Jüdischen Rundschau“, in der Tat — das ist eine Forderung, in der ihm alle werden folgen können. Leider zeigt der Verlauf der letzten Landesvorstands- Sitzjmg, zeigen ferner Berichte über Versammlungen und Wahlreden in den Ortsgruppen, daß es nicht gerade die Freunde des Herrn Dr. Sandler sind, die eine Vertuschung vermeiden wollen. So wird denn vielfach nicht das außenpolitische Problem, das die deutschen Zionisten, wie die aller Länder, zurzeit bis ins tiefste aufwühlt, in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt. Ganz andere Dinge sind es, die von den Freunden des Herrn Dr, Sandler in den Vordergrund gerückt werden; bekannte doch Herr Dr. Kollenscher selbst in einem Vortrage im ״Jüdischen Club“ in Berlin in diesen Tagen, daß zwar die Außenpolitik den Anstoß zur Diskussion gegeben habe, daß man aber die Gelegenheit benutzen wolle, um die verhaßte Leitung der Z. V. f. D. aus dem Sattel zu heben! Die ältesten Ressentiments werden geweckt, die gegen eine viele Jahre im Amte befindliche Leitung stets vorhandene Opposition wird organisiert, die heterogensten Gruppen zum Bündnis gesammelt. Nur zu leicht werden dabei die wahren Gegensätze verdunkelt. Alle diejenigen aber, die der gegenwärtigen Auseinandersetzung eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Bedeutung beimessen, haben in der Tat das größte Interesse daran, daß eine grundsätzliche Klärung der außenpolitischen Frage, die in Wahrheit jetzt den Zionismus und weit über dessen Rahmen hinaus fast die gesamte Judenheit beschäftigt, erfolgt. Eine Entscheidung ״für «wer wider“ fordert Herr Dr, Sandler; jawohl — aber wofür und wogegen? II. Nach Herrn Dr. Sandler geht es um die Frage: ״Verwirk- Hebung der Balfour-Deklaration“ oder ״Neue zionistische Zielsetzung“? Die Gefahr der Vertuschung^ liegt meines Erachtens schon in dieser durchaus falschen Problemstellung, und eine objektive Verfälschung der Standpunkte bedeutet es, wenn im Gegensatz zu uns das Festhalten an der Balfour- Deklaration gefordert wird. Es muß schlecht um die Argumente der Gruppe Kollenscher stehen, wenn sie es für nötig hält, einem Teil der deutschen Zionisten die Absicht zuzuschieben, auf Balfour-Deklaration oder Mandat zu verzichten. Da ähnliche Anschauungen — für die es schwer fällt, den guten Glauben vorauszusetzen — auch in Versammlungen vorgetragen wurden, sei hier klar und deutlich konstatiert: Nie and nirgends hat ein an verantwortlicher Stelle stehender deutscher Zionist die Absicht verkündet, auf Baifaur-Deklaration oder Mandat za verzichten! Jede gegenteilige Behauptung ist ein Wahlmanöver und entbehrt der Grundlage. Auch die Gruppe des ״Brith Schalom“, mit deren Grunaansdiauung in der arabischen Frage die meisten von uns sich identifizieren, ohne darum für die Handlungen und AeuBerungen aller seiner Mitglieder im einzelnen einzustehen, hat 1» einer Erklärung im ״Haarez“ deutlich verkündet, daß die Behauptung, diese Gruppe wolle auf die Balfour-Deklaration verzichten, grundfalsch sei (in Wahrheit Ist in der Erklärung ein schärferes Wort gebraucht). Wir fragen: kann es ein höheres׳ zionistisches;׳Interesse. zulassen, daß,;•mau bestimmte Gruppen im Zionismus verdächtigt, sie wollten auf die Baifour-DeMaratian verzichten? Gehört das vielleicht zttr pölitlsehen Aktivität, zur Betätigung im Sinne der Verstärkung unserer Mandatsposition, die Herr Dr. Kollenscher and seine Freunde fordern? Ist es nicht überhaupt amüsant, diese Herren erst viele Jahre nach Verkündung der Balfour-Deklaration und nach Gewährung des Mandats auf einmal ihr Interesse für den Mandatstext una die darin begründeten Rechte entdecken zu sehen gegenüber der jahrelangen gründlichen Beschäftigung mit diesem Problem und Verfolgung der wirklichen Sachlage auf seiten unserer Freunde? III. Nein — das Problem Ist nicht: Verwirklichung der Balfour- Deklaration oder neue zionistische Zielsetzung, sondern, wenn diese beiden Begriffe überhaupt schon in einen Zusammenhang gebracht werden sollen: Verwirklichung der Balfour-Deklaration durch neue zionistische Zielsetzung. Denn, wahrlich, heute sollte es doch jedem Zionisten aufgegangen sein: die Balfour- Deklaration, und sogar das Mandat sind nur Rahmen, die noch auszufüllen waren, und wenn die ״Jüdische Rundschau“ ein Verdienst für sich in Anspruch nehmen darf, so das: die Zionisten immer wieder darauf aufmerksam zu machen, daß in Wahrheit Balfour-Deklaration und Mandat zwar in einer bestimmten Riehtung eindeutige Programme aufstellen, daß aber der Rest vielfache Interpretation zuläßt. Die einzige authentische, von der englischen Regierung stammende Interpretation der Balfour- Deklaration — das muß immer wieder gesagt werden — enthält das Churchilische Weißbuch, das einige Wochen vor der Sitzung des Völkerbundrats veröffentlicht wurde, in der das Mandat feierlich bestätigt wurde. Es erübrigt sich, hier auf die Frage einzugehen, ob das Churchilische Weißbuch von uns in Groll und Bitterkeit, oder in weiser Erkenntnis gewisser poiitischer Notwendigkeiten unterschrieben wurde. Bestimmt entspricht derjenige Teil des Weißbuchs, der sich mit der Regulierung der Immigration beschäftigt, nicht unseren politischen Erwartungen und Hoffnungen; aber das Weißbuch ist von uns in einer feierlichen Erklärung akzeptiert worden, und als Partner, die in der Politik ernst genommen werden wollen, müssen wir die im Weißbuch enthaltene Deklaration des poHtischen Zieles anerkennen. IV. Diese Interpretation hatte aber zum Z w e c k, die Durch- Setzung des jüdischen Strebens nach einer Nationalen Heimstatte in Palästina und die Erfüllung der Pflichten, die die Mandatarmacht in dieser Beziehung auf sich genommen hatte, zu ermöglichen, ״ohne die arabische Bevölkerung Palästinas V. Es Ist wohl eine berechtigte Frage, oh es eine kluge Politik Ist, diesen u. E. einzig möglichen Weg als einen Weg der ״Konzessionen“ zu verschreien; und das sei Herrn Dr. Sandler gesagt: für die Zustimmung zu diesem Wege bedurfte es nachweisbar bei uns nicht der jetzigen Ereignisse in Palästina. Wie rechtfertigt also Herr Dr. Sandler seine Behauptung, daß es ״nur einiger Gewalttaten größeren Umfanges von seiten der Gegner bedarf“, um uns sofort zu Konzessionen geneigter zu machen und ״zur Preisgabe früherer Forderungen“? Hoffentlich nimmt Herr Dr. Sandler sich auch die Mühe, derartige Wahlbehauptungen zu beweisen! VI. Allerdings — zu Verhandlungen mit den Arabern werden wir kommen müssen, wenn wir überhaupt an der Erreichung einer ruhigen, gesunden, friedlichen Atmosphäre in Palästina interessiert sind. Und da ist es unsere Meinung, daß, wenn wir zu solchen Verhandlungen kommen wollen, sie auch mit allem Ernst vorbereitet wlraen, und wir sie in der Absicht aufnehmen müssen, sie auf d e m Gebiete zu führen, das den Gegner — wie uns — leidenschaftlich bewegt. An eine so naive Ausmalung dieser Verhandlungen, wie sie im Artikel des Herrn Dr. Sandler enthalten ist, der davon spricht, daß es notwendig ist, ״hier und da auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiete Fäden anzuspinnen“, wird wohl heute ernstlich niemand mehr glauben. Daß die Sphäre der jüdisch-arabischen Beratungen jetzt zu Beginn z. B. hygienische Fragen umfassen könnte, wie kürzlich ein Vertreter des Misrachi wohlmeinend erklärte, wird vielleicht inzwischen auch den Freunden des Herrn Dr. Sandler als untunlich aufgegangen sein. Dieses ״Hier und Da“, diese zwecklosen, nicht sehen und nicht erkennen wollenden Versuche der Bagateilisierung der Frage halten wir für das größte Unglück, das uns passieren kann. Schon hat sich diese Politik gerächt; soll sie in gleicher Weise fortgeführt werden, und hatte nicht R. W. recht, wenn er die Resolution des Aktions-Comitds deswegen kritisiert hat, weil sie mit keinem Wort unsere Stellung zu dem einzig wichtigen politischen Problem Palästinas auch nur angedeutet hat? Als ob die Existenz dieses Problems durch ein derartiges Schweigen, das Herrn Dr. Sandler als der Weisheit Gipfel erscheint, aus der Welt geschafft werden könnte! Es ist nicht wahr, daß niemand von uns weiß, was dem arabischen Gegner angeboten werden sollte. Es ist für jedermann klar, daß diese Verhandlungen nicht Aufgabe von Einzelnen sein können, sondern einzig und allein Aufgabe der vom Kongreß und der Jewish Agency hierfür gewählten Exekutive, und es dürfte weiterhin einleuchten, daß Zeitungsartikel und Interviews nicht die geeignete Form sein dürften, um die Vorschläge, die die Jewish Agency zu unterbreiten hätte, dem Verhandlungspartner bekanntzugeben. Daher werden wir uns auch hier zur Diskussion solcher konkreter Details nicht provozieren lassen. Woher abe% weiß Herr Dr. Sandler, daß auf ewig ״jeder Versuch einer Verhand- Iung, der nicht auf eine starke jüdische Einwanderung verzichten will, zum Seheitern verurteilt ist“? Haben wir alles getan, um die arabische Bevölkerung Palästinas mit unserem wahren Ziel vertrauter, einer freien jüdischen Einwanderung geneigter zu machen? Haben wir uns in Versuchen erschöpft, in Verbindung mit solchen Teilen der arabischen Bevölkerung des Landes zu gelangen, die, wofern auch Ih r e?Mandat, festgfclegiei».׳ jWftenen Rechten «bflndea wollen, »achdem sie durch Jahrzehnt# und auch jetzt wieder eingesehen haben, daß keine Gewalt uns von diesen Rechten abbringen wird, und daß auch die englische Regierung an der Balfour- Deklaration festhält? VII. Uns kann es im Augenblick gleichgültig sein, ob wir mit unserer Ansicht allein stehen in der gesamten Zionistisehen Organisation, im Widerspruch etwa zu der wahren Ansicht der Leitung und zu der Meinung des Jischuw, die man vielfältig deuten kann. Das Kriterium einer Ansicht ist ihre Richtigkeit, aber es bleibt immerhin erfreulich, auf einmal die Gruppen um Herrn Dr, Kollenscher und Dr. Sandler, die in all den letzten Jahren völlig den Anschluß an den Gesamt-Zionismus verloren hatten, die wir — mit wenigen Ausnahmen — vergeblich auf Delegiertentagen und Kongressen suchten, in erwachender Erkenntnis diesen Anschluß •wieder suchen zu sehen. In dem Festhalten an der Balfour-Deklaration und an dem Mandat sind gewiß alle Zionisten einig. Gegenüber der von Herrn Dr. Sandler ausgesprochenen Ablehnung der ״neuen Zielsetzung‘•' betrachten wir es als unsere Pflicht, der zionistischen und nichtzionistischen Oeffentlichkeit die Unmöglichkeit eines Weges klarzumachen, der in Verkennung der Realitäten Palästinas an den wahren Notwendigkeiten zionistischer Politik vorbeigeht. Es ist charakteristisch für den Geist dieser Gruppe, daß sie uns ״Defaitismus“ vorwirft — ein Wort, das aus der deutschen Politik bei uns allen noch in guter Erinnerung ist. Unsere aufrichtige Holtnung ist es, daß wenigstens in Deutschland die Aufklärungsarbelt, die vor allem auch die ״Jüdische Rundschau“ während vieler Jahre geleistet hat, nicht vergeblich sein wird, und daß die Wahlen zum Delegiertentag erkennen lassen werden, welche Partei nach Ansicht der deutschen Zionisten sich in ihrer Haltung von der tiefen Besorgnis um das Schicksal des politischen Zionismus leiten läßt, und welche Partei in ihrer Haltung letzten Endes bestimmt ist von Ressentiments aus dem innerdeutschen zionistischen Leben, die im jetzigen entscheidenden Moment zurückzutreten haben. klar geworden, der zwischen der besonderen Aufgabe der Errlchtung des Nationalen Heims in Palästina und den tatsächliehen Bevöikerungsverhäitnissen des Landes besteht. Muß man an die Ereignisse von 1920, 1921, an den Bericht der Haycraft- Commission erinnern, an das Angebot der Regierung bezüglich der Arab Agency? In all den Jahren ist es tjns klar geworden, daß die Ueberwindung dieser Schwierigkeiten, die Erlangung eines gedeihlichen una friedlichen Zusammenlebens beider VöF ker nur in der Form des bi־nationalen Gemeinwesens möglich sein wird. Es würde zu weit führen, Im Rahmen eines einzelnen Artikels alle Möglichkeiten dieser Konzeption auszuschöpfen; das ist in diesem Zusammenhänge nicht nötig. Es dürfte aber klar geworden sein, daß darin die ״neue zionistische Ziel- Setzung“ besteht: Verwirklichung der Balfour-Deklaration In der Form des bi־nationalen Gemeinwesens, d. h. auf dem Wege, auf dem die berechtigten Lebensinteressen beider Völker ohne gegenseitige Beeinträchtigung gewahrt bleiben können. Zum Tode Prof. Louis Lewing. Anläßlich des Todes des berühmten Pharmakologen und Toxikologen, Prof. Louis L e w i n, der vorige Woche 78jährig verschied, wird uns geschrieben: ״Es ist wahrscheinlich in der jüdischen Oeffentlichkeit bereits in Vergessenheit geraten, daß vor ungefähr 30 Jahren der verstorbene Prof. Lewin eifrig an den Arbeiten der Berliner Jüdischen Gemeinde teilnahm. Prof. Lewin trat damals gemeinsam mit Prof. Baginsky, Leopold Landau und Hermann Senator gegen die liberale Majorität auf. Da er _ wegen _ _ __ stammte einer Schuhmacher-Familie-und bewahrte zeit seines Lebens ein besonderes Mitgefühl für die Aermsten der Armen.“ ln Berlin verstarb im Alter von 75 Jahren der jüdische Schriftsteller Isaak Turoff, der zu den ältesten jüdischen Journalisten in Deutschland gehört. Vor mehr als 40 Jahren hat er in Gemeinschaft mit euier Schar Gleichgesinnter begonnen, in weiten Kreisen der deutschen Judenheit für eine!andwirtschaftliche Besiedlung Palästinas durch Juden zu werben tft an. Die Leipziger Gemeinflewahlen Wir haben in der vorigen Nummer das Ergebnis der am 1. Dezember In Leipzig vorgenommenen Wahlen in die dortige Jüdische Gemeinde mitgeteilt. Hier folgen noch die Einzelergebnisse der Abstimmung. Abgegeben wurden insgesamt 4432 gültige Stimmen, was eine etwa fünfzigprozentige Wahlbeteihgung bedeutet. Es wurden 2829 Stimmen von Nichtreichsdeutschen und 1603 von Reichsdeutschen gezählt. Die J ü - dische Volkspartei erhielt 1494 Stimmen (!209 nichtreichsdeutsche und 285 reichsdcutsche), die Liberale Partei 1304 Stimmen (111 «ichtreichsdeutsche und 1193 reichsdeutsche), die Orthodoxie 1086 Stimmen (997 nichtreichsdeutsche und 89 reichsdeutsche), die Poale-Zion-Gruppe 548 Stimmen (512 nichtreichsdeutsche und 36 reichsdeutsche). Unter Berücksichtigung des Unterschieds, den das Leipziger Wahlsystem für die Bewertung der reichsdeutschen und nichtreichsdeutschen Stimmen vorsieht, fielen von den 11 zu vergebenden Mandaten 2 auf die Jüdische Vclkspartei, 1 auf die Orthodoxie und 8 auf die Liberale Partei, während die Poale-Zion-Gruppe leer ausging. bie neue Poliklinik der jüdischen Gemeinde Professor Carl Lewin und Privatdozent Dr. Hugo Picard, die beiden dirigierenden Aerzte der vor 14 Tagen eröffnet«n neuen Poliklinik der Jüdischen Gemeinde Berlin (Linienstr. 19 am Bülowplatz), haben die Aerzteschaft der Stadt Berlin zu einer Besichtigung der Poliklinik eingeladen. Etwa 150 Aerzte waren der Einladung gefolgt. Dr. Aron Sandler, der Dezernent für die Klinik im Vorstand der Jüdischen Gemeinde, begrüßte die Gäste, woraufhin der zweite Vorsitzende der Acrztekammer Dr. Hildesheimer im Namen der Aerzteschaft die Glückwünsche aussprach. Geheimrat Professor Sauerbruch gab seiner Freude über die vortreffliche Einrichtung der neuen Poliklinik Ausdruck. Dortmund. Am ״'!. November sprach der erste Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Herr Direktor Kareaki, in einer Wahlversammlung für die Repräsentantenwahl, die von der zionistisehen Ortsgruppe und der u«! jüdischen 'Vereinigung einberufen war. Herr Kareaki geißelte in treffenden Worten die Rückständigkeit der Dortmunder jüdischen Gemeindeverwaltung und boieichneto es insbesondere als einen Schandfleck, daß in Dortmund noch nicht einmal das Proportionalwalilrcclit eingefülirt sei. Herr Kareski zeigte dann an Hand von einigen Beispielen, wie viel eine wirklich gut verwaltet« Gemeinde zu leisten vermag. Vor allen Dingen sei cs notwendig, daß auf alle religiösen Strömungen Rücksicht genommen werde, und daß nicht die liberalen Mitglieder der Gemeind» für sich allein Mittel zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse »1 Verfügung stellen. Auch müsse die Geineindearbcit mehr als bisher sich den sozialen Aufgaben niwenden, ein Gebiet, auf dein eine Gemeindeverwaltung sehr viel Gutes und Großes zu leisten vermag. Besondere Aufgabe der Gemeinde sei aber, sich der Jugenderziehung zu widmen und dafür tu sorgen, daß jüdische Schulen eingerichtet werden, die mit wirklich jfidischom Geist erfüllt seien und in denen der jüdische Nachwuchs erzogen würde. — Die von zirka 500 Personen besuchte Versamrnlung folgte mit großem Interesse und gehörigem Beifall den Ausf«Irrungen. Die sehr erregte Diskussion bestätigte nur, daß Herr Kareski mit seinen Angriffen gegen die bisherige Dortmunder Gemoindeverwallung recht hatte, da auch die anwesenden liberalen Repräsentanten die Mißstände z. T. zugeben mußten, z. T. in nur recht dürftiger Weise verteidigen konnten. Kleine Nachrichten Vor einigen Tugen wurde zwischen dem Arbeitsamt der Arbeiterorganisation und der Leitung des Hafenbaus in;HaJIa;Ä׳sA)#k|>n»»1tB־״־Äte.:.dj«l.l,IÄfrgabe eines Teils der Stie‘i«׳:b1*׳tt׳Wl:tTb׳el;|jpn *Ln;Ailltl׳ beit wird durch eine Gruppe von 10 und später 50 Facharbeitera in Akkord ausgeführt werden. (Ziko.) Die Landesstelle des Keren Kajemeth in der Tschechoslowakei hat den Beschluß gefaßt, zur Ehrung des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, Thomas G. Masaryk, der int kommenden Jahre sein 80. Lebensjahr vollendet, einen M a - s aryk-Wald in Palästina zu pflanzen. Der Unterrichtsausschuß des Preußischen Landtags nahm den Antrag Prelle (Dt. Frakt.) an, wonach dafür gesorgt werden soll, daß an allen Humanistischen Gymnasien wahlfreier hebräischer Unterricht erteilt werde, ohne daß den Teilnehmern daraus besondere Kosten erwachsen. In New York wurde der linksradlkale jüdische Arbeiterführer, der Mitbegründer des jüdischnationalen Arbeiterverbandes und Poalezionistische Parteiträger Samuel Lewinsohn, im Alter von 42 Jahren in seinem Büro von eingedrungenen Banditen erschossen. Die Tat ist ein rein krimineller Akt ohne politische Beweggründe. Der Berliner Justizrat Dr. Julius Magnus ist von der Heidelberger Staatswissenschaftlichen Fakultät zum Ehrendoktor ernannt worden. Vor einigen Jahren wurde ihm die gleiche Ehrung durch die Frankfurter Rechtsfakultät zuteil. Dr. Magnus nimmt großes Interesse am Ausbau der Universität Jen:- salem. Die Repräsentanz der Fester Israelitischen Religions- Nachfolger des vor einigen Monaten verstorbenen Hofrats Aladar Kassab. Madame Lea Go linkin, die Primadonna der Palästina- Oper und Gattin des Direktors der Palestine Opera Company, ist im Alter von 36 Jahren an Krebs gestorben. Gruppcnverbaiidstag Rheinland -Westfalen Am 24. November fand in Essen ein Gruppenverbandstag des Zionistischen Gruppenverbandes Rechtsrhelnland-Westfalen statt. Ehe Tagung war von 200 Zionisten besucht. Dr. Kanowitz, Berlin, berichtete über ״die politische Situation des deutschen Zionismus“. Direktor Kareski, Vorsitzender des Vorstands der Jüdischen Gemeinde Berlin, behandelte das wichtige Spezialgebiet ״Kampf um die Gemeinde“. Dr. Georg Wollstein, Berlin, sprach über ״Die zukünftigen Aufgaben des Keren Kajemeth Lejisrael“. Alle drei Referate gaben Anlaß zu einer lebhaften Diskussion, die besonders dadurch bedeutungsvoll wurde, daß Kurt B1 u m e n f e I d, der an der Tagung teilnahm, mehrfach das Wort ergriff. Das politische Referat von Dr. Kanowitz forderte den Widerspruch der Poale Zion und des J. J. W. B. heraus, mit deren Haltung zur Z. V. f. D. sich der Redner beschäftigte. Das Schlußwort zum politischen Referat hielt Blumenfeld. Er ging besonders auf die Jugendfrage im Zionismus ein. Direldor Kareski berichtete detailliert über die Tätigkeit der Jüdischen Gemeinde Berlin und die Notwendigkeit, auch in der Provinz eine verstärkte Arbeit besonders in sozialer und kultureller Hinsicht in den Gerneinden zu leisten. Die von den Anwesenden erwartete Dar- Stellung der Grundsätze und der Taktik zionistischer Gemeinde- Politik gab der Redner leider nicht. Dr, Wöllstein sprach über die Bodenverhältnisse in Palästina und die Notwendigkeit neuen Bodenkaufs durch den Keren Kajemeth. Er gab Hinweise für die praktische Arbeit in Deutschland. Es folgte ein kurzer Bericht des Gruppenverbandsbüros. Es wurde angeregt, in kürzester Zeit eine Arbeitssitzung einzuberufen, um .einen Gruppenverbandsvorstand zu wählen.

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