Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 644 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, 0. XII. 1929 Zeittheater in Palästina? (Stefan Zweigs ״Jeremias“.) Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem. I. An dieser ״dramatischen Dichtung in neun Bildern“, wie der Verfasser sie selber nennt, ist das Menschliche wichtiger als das Künstlerische. Das Künstlerische ist schwach: ein Rededrama, das auf sehr unzulängliche Weise den Versuch gemacht hat, der später Buber und Rosenzweig in ihrer Bibel- Übersetzung geglückt ist: hebräisches Sprach gut ins Deutsche hineinzuretten. (Bemerkenswert ist übrigens, daß auch Zweig schon gelegentlich, wenn auch nicht durchgängig, den Gottesnamen mit dem großgeschriebenen Personalpronomen ״Er“ wiedergibt.) Auch andere Schwächen des Stückes ließen sich anführen, von denen die außerordentliche Direktheit aller theologischen Aussagen, die unmotivierte Verwandlung des rebellischen Volkes in einen gottgehorsamen, etwas homiletisehen ״Chor“ und die stilwidrig glatten Reime wohl die schlimmsten sind; aber nicht auf sie kommt es an. Sondern darauf, daß Stefan Zweig dieses Stück von Ostern 1915 bis Ostern 1917 geschrieben und noch in der Kriegszeit veröffentlicht hat. Er glaubte damals seine pazifistische Gesinnung nicht nackt heraussagen zu dürfen und wählte deshalb, wie schon viele Zeitdichter vor ihm, die durchsichtige Verhüllung einer historischen Situation. Daß er aber gerade das biblische Beispiel wählte, gerade den Kampf, der zwischen Israel und Babylon, zwischen dem reaipolitisch-theologisch-pazifistischen Unheilspropheten Jeremias, dem falschen Hei's- Propheten Hannanja, dem schwachen, schwankenden König Zedekia und dem stets wankelmütigen Judenvolke spielte, das ist natürlich kein Zufall und auch mehr als eine bloße Analogie. Zweig fühlte, und dieses war sein legitimes jüdisches Grundgefiihl, daß Jeremias Kampf nicht nur einmalig-historische Bedeutung hatte, sondern allzeitig-immerwährende Geltung hat: deshalb versuchte er, wenn auch mit unzugänglichen dichterischen Mitteln, den Geist des Propheten in die aufgewühlte Zeit des Weltkrieges hineinzurufen. Es war ein interessantes Experiment, wenn das palästinensische Arbeitertheater ״Ohel“ es unternommen hat, gerade in diesen schweren Tagen der Entfremdung zwischen den beiden aufeinander angewiesenen Völkern Erez-Israels die Botschaft Jeremias — oder doch die Botschaft Stefan Zweigs — erneut zu verkünden. Die Aktualität, die das deutsche Drama hatte, mußte nun, in seiner geheimen Ursprache und auf dem Boden der Vorgänge selbst, geradezu unheimlich gesteigert werden können. Ist dies geschehen? Und wie war die Wirkung? II. Zu den Eigentümlichkeiten des jüdisch-historischen Bewußtselns gehört die merkwürdige ״Vielzeitigkeit“, die der Jude lebt. Sie spricht sich hn jüdischen Kalender aus und hat durch die Neubesiedlung des alten Heimatlandes eine merkwürdige Wendung erfahren. Da man nämlich annehmen darf, daß unsere Urväter in vielen Dingen den heutigen arabischen Beduinen ähnlich waren, leben wir ein gewanderten, höchst europäisierten Juden sozusagen in einer und derselben Ge* schlchtszeit mit unseren Urvätern vor viertausend Jahren, die uns mm in der Gestalt der arabische« Vettern gegenübertreten. Von diÄer Voraussetzung ausgehend,“ Kat die Ohel-Truppe bei den Beduinen tiefgründige Studien gemacht und sucht, wenn sie biblische Stoffe darstellt. — das vorige Mal einen Teil der Jakobsgeschichte, jetzt Jeremias — einen neuen Stil zu schaffen, den man ״historischen Naturalismus“ nennen könnte und der in Rhythmik und Qestik, in Musik und Tanz das alte Judentum durch den Spiegel der heutigen Wüstenbewohner zu sehen und zu zeigen sich bemüht. Dies gilt natürlich mehr für die Volksszenen als für solche Bilder, in denen Einzelne im Vordergrund stehen; mehr für den falschen Propheten Chanania und seine derwischartigen Begleiter als für Jeremias. Durch diesen Stilunterschied wird auch ein geschichtlich berechtster Gedanke wirksam angedeutet: daß jene Aehnlichkeit der heutigen Beduinen mit dem alten Juda sich nicht auf die Träger der großen religiösen Offenbarung Israels bezieht, also gerade nicht auf den welthistorisch wirksamen Kern dieser Epoche, sondern auf die Masse des Volkes und seine Schmeichelredner, die der Prophetie widerstanden. In diesen Beziehungen also darf die Aufführung des ״Jeremias“ als ״Zeitstück“ gewertet werden. Eine Verbindüng mit der unmittelbaren Gegenwart Palästinas ist hergestellt; sie wird dadurch noch verstärkt, daß sich in die arabisch-beduinischen Töne und Tänze gelegentlich der Rhythmus chaluzischcr Melodien mischt, vielleicht um eine gewisse ״Urverwandtschaft“ zwischen beiden anzudeuten, die musikhistorisch zweifelhaft sein mag, aber lebensecht wirkt. III. 111 einer anderen, wichtigeren Beziehung hingegen ist diese Theateraufführung höchst unaktuell: in der Gestaltung des Textes. Selbst wenn wir von vornherein der hebräischen Bühne eine weit größere Uebersetzungsfreiheit zubilligen als irgendeiner anderssprachigen Literatur — in anbetracht der immer noch vorhandenen Ausdrucksschwierigkeiten des Hcbräisehen und der begrenzten Entfaltungsmöglichkeiten der palüstinensischcn Bühne —, selbst dann muß gesagt sein, daß diese Freiheit in der vorliegenden Uebcrsetzung das Maß des Erlaubten weit überschreitet. Das Programmheft, das Avig- (1 or H a tn c i r i als Uebersetzer nennt, erwähnt mit keinem Worte, daß hier in Wahrheit keine freue Uebcrsetzung, sondern eine weitgehende Umgestaltung der ursprüngliehen Dichtung vorliegt, eine Umgestaltung, deren Ausmaß schon aus der einfachen Feststellung hervorgeht, daß von den neun Bildern des deutschen Textes nur sechs übriggeblieben sind. Aber auch damit könnte man sich eventuell noch abfinden, wenn nicht die Streichungen in einer Weise erfolgt wären, die den Gesamtcharakter der Zweigschen Dichtung — ich finde kein schwächeres Wort: geradezu fälschen. Und zwar in doppelter Beziehung. Zweig faßt Jeremias als Vorläufer Christi auf. Je mehr sich die Tragödie Jerusalems vollendet, desto stärker drängt sich Jeremia zum ״stellvertretenden Leiden“, das sogar sein anachronistisches Symbol im römisch-christlichen Todeswerk־ zeug des Kreuzes findet. Jeremia möchte derjenige sein, ,,der am Kreuze hinstirbt in irdischer Pein“, da er prophetisch weiß, daß jener Märtyrer ״der selige Mittler und Fürbitter“. der Erlöser der Welt, werden darf. Diese ganze Auffassung hat Awigdor Hameiri überhaupt nicht berücksichtigt, was natürlich von einem hebräischen Dichter in Palästina sehr wohl verständlich ist. Nur hätte er dann seinen eigenen ״Jeremias“ schreiben oder doch den von Zweig ehrlich ״frei bearbeiten“ sollen; er hatte sich aber keineswegs den Anschein geben dürfen, als habe dieses Stück noch etwas mit dem Original zu tun, das es angeblich nur ״übersetzt“. Noch weit schlimmer ist eine zweite grundsätzliche Aenderung zu bewerten, die nicht nur den künstlerischen, sondern die den menschlichen Kern der Dichtung trifft, den wir einleitend als den wesentlicheren herausgestellt haben. Stefan Zweigs ״Jeremias“ ist ein eindeutig p azif ist isches Stück; es enthält alle wesentlichen Argumente gegen Kriegspsychose, gegen Siegestaumel, gegen die Verherrlichung kriegerischer Tugenden, gegen die Irreführung der Massen durch die Führer, gegen den Wahn dieser Massen selbst, gegen die nationalen Kollektivurteile, gegen den nationalen Ehrenkodex, gegen die Politik des Prestige, gegen die Hineinziehung Gottes in den Streit der Menschen, gegen den Fetischismus toter Steine und Tempel. Und es enthält alle Argumente für das Recht des Einzelnen auf sein Leben, auf Wohnung, Brot, Sicherheit, Freude, Liebe, sogar auf Angst und Todesfurcht. Und trotzdem erscheint der Wille zum Frieden nicht als schwächliche Flucht aus den großen Konflikten des Lebens *— obgleich auch die Schwäche ihr menschliches Recht zugeteilt bekommt — sondern gerade als das heroische Bestehen jener Konflikte. Jeremia, der Künder der Niederlage und der Prophet der Zerstörung, der Mahner zur Unterwerfung und. der Rufer zur Versöhnung mit dem stärkeren Feind: Jeretnia ist stärker, nicht schwächer, — heroischer, nicht weichlicher als der hetzende Chanania, als der eitle König: er ist der einzige Held dieses Kriegs- und Friedensstückes. Man muß der Bearbeitung Awigdor Hameirisden schweren Vorwurf machen, daß diese menschliche Grundtendenz der Zweigschen Dichtung zum Teil verwischt und zum anderen Teil beinahe in ihren Gegensatz umgebogen wird. Dadurch verliert das Drama jene echte Aktualität, die es in den Jahren des europäischen Weltkrieges gehabt hat und die cs im heutigen Palästina haben könnte. Wie aktuell ist es, wenn das Volk bei der Kunde von der ersten Niederlage der jüdischen Truppen in den Ruf ausbricht: ״Pharao hat uns verraten!“ Wie aktuell ist es, wenn der König auf die Mahnung Jeremias, Boten zum Feinde zu senden, nichts anderes zu antworten hat als: ״Warum soll ich senden zu ihm, warum ich als der erste? Bin ich sein Knecht denn, bin ich der Besiegte schon?“ Und auf Jeremias Einwand: ״Es muß einer den Frieden beginnen, wie einer den Krieg“ nichts als: ״Warum soll ich es sein, der als der erste spricht, warum ich und nicht er? Soli er meinen, daß ich verzagte? Möge er senden zu mir, so will ich Zwiesprache halten und erwägen sein Wort. Doch warum ich als der erste?“ Wie aktuell ist es, — um nur noch ein!letztes von den zahlreichen Beispielen zu geben, die möglich wären, — wenn der König vor dem Empfang eines Boten von Nabukadnezar, der heimlich zu ihm gekommen ist, sich seinen Räten gegenüber entschuldigt, als sie ihn anklagen, er habe ohne ihr Vorwissen mit dem Feinde verhandelt: ״Ein Sendling ist gekommen von Nabukadnezar in mein Haus, Botschaft zu bringen. Nicht habe ich ihr gewehrt, nicht habe ich sie empfangen. Versiegelt noch harrt sie in seinem Munde. Ist dies Verhandeln, was ich tat, ist dies Betrug?“ Wie aktuell ist dies alles! Wie paßt es, wörtlich geradezu, in die augenblickliche Situation Palästinas! Aber wir härten kein Wärt dävoh ln diesbr'hebräische» ״UebersetzungK rade das, was Stefan Zwei#'wagte, hat Awigdor Hameiri nicht’ gewagt — oder vielleicht nicht gewollt, da ja ein revisionistischer Schriftsteller einen pazifistischen Dichter bearbeitet hat. Was dabei herausgekommen ist, sieht so ans: das Gewicht der Sympathie ist zwischen Jeremias und zum Beispiel Abimelech, dem Obersten der Kriegsknechte und Führer der Kriegspartei, der bei Awigdor Hameiri einen von ihm erfundenen Freitod mit Rachegeschrei stirbt, etwa gleichmäßig verteilt, Oie pazifistische Ideologie Zweigs, die vor allem in dem schönen (doch nicht mit übersetzten!) Gespräch der beiden Soldaten auf der Mauer zuin Ausdruck kommt, ist gegenüber der schwächlichen Kriegsängste kaum herausgearbeitet. Am Schluß steht, statt Zweigs ״ewigem Weg“ in die Zeiten, Hameiris ״Goia“, das heißt statt der geistigen Aufgabe der Zerstreuung, die Zweig in jüdisch-liberaler Theo- Iogie faßt, das nationale! '!1-H k, dessen Trost nicht, wie bei Zweig, im Aufbau des geistigen, inneren Jerusalem, sondern in der Prophezeiung der Rückkehr ins irdische gefunden wird. Auch diese Aenderung ist, ebenso wie die Entchristianisierung des Propheten, in ihren Motiven durchaus begreiflich und zum Teil zu bejahen, aber sie verfälscht vollends die Absicht des Dichters und macht aus einem geistigen Judenstück ein sentimentales historisches Nationaldrama. Diese Verschiebung der Wertakzente ist nicht nur bedeutsam für die Einstellung des Bearbeiters, seiner Schauspieler und seines Publikums, sondern auch für die heute in Palästina vorwaltende Tendenz, von der aus man sich der Bibel gegenüber verhält. Man nimmt sie als nationales Volksbuch, in der bestenfalls alle gleich recht haben, wenn nicht gar Saul gegen Samuel und Chanania gegen Jeremia recht behält. Man macht die prophetische Redaktion und Wertsetzung nicht mit, und damit wird, begrifflich ganz streng genommen, die Bibel ein im Grunde heidnisches Buch, hört jedenfalls auf, ein jüdischreligiöses Buch zu sein. Pogrom In der russisch-chinesischen Kriegszoie? Moskau, 2. Dezember. (J. T. A.) In Moskau trafen Meldungen ein, wonach in der Stadt Mandschuli, die bis vor wenigen Tagen in der russisch-chinesischen Kriegszone lag, Offiziere und Soldaten der auf der Seite Chinas gegen Sowjet- Rußland kämpfenden russischen weißen Garde einen Pogrom auf die Juden der Stadt veranstaltet haben, wobei es zahlreiche jüdische Tote gab. Der Pogrom fand unmittelbar vor Abzug der chinesischen Streitkräne und Einzug der Sowjetrussen statt. Die jüdischen Wohnungen wurden geplündert, auch jüdische Frauen und Jugendliche wurden bei den grausamen Mißhandlungen nicht verschont. Drei *Millionen Anleihe lör jüdische Kolonisten Moskau, 2. Dezember. (J. T. A.) Der Rat der Volkskommissarc der Sowjetunion, der in seiner letzten Sitzung Beschlüsse betreffend Verbesserung der Lage der Juden in den Kleinstädten gefaßt hat (mit der Ein- Schränkung freilich, daß nur in Kollektiven zusammengefaßte Kreise unterstützt werden sollen), hat in der gleichen Sitzung beschlossen, der Landwirtschaftsbank Order zu geben, eine Summe von drei Millionen Rubel für Darlehen an jüdische Kolonisten zur Verfügung zu stellen. Das Gastspiel der Habimah ln Berlin beginnt am 12. Dezember im Lessing-Theater mit einer Aufführung von ״Keter David“ (Die Krone Davids). Dieses Drama, nach Motiven von Calderbti, in!einer Bearbeitung von Jizchak L am d a n hat bekanntlich in Palästina großes Aufsehen erregt. Es war sowohl in der Presse wie auch in der Oeffentlichkeit sehr umstritten. In der europäischen Tournee, die die Habimah bisher durch Italien, die Schweiz und Deutschland führte, hat gerade ״Keter David“ einen sehr großen Erfolg errungen. Ais zweites Stück des neuen Repertolrs wird sich die Habimah zum erstenmal in einer Komödie nach S chol em Aiei ch e m , ״Haozar“ vorstellen, ln Palästina war man über die ausgelassene Lustigkeit dieses Stückes sehr begeistert. Der Kreis der Freunde der Habimah veranstaltet im An- Schluß an die Premiere im Foyer des Lessing-Theaters einen Empfangsabend am 12. Dezember. Die Vertreter der Korporaiionen und Institutionen werden hier Gelegenheit nehmen, die Habimah offiziell zu begrüßen. * Ans den vielen uns vorliegenden Kritiken über das gegenwärtige Gastspiel der ״Habimah“ in Deutschland (Frankfurt, Stuttgart, München, Nürnberg usw.) geben wir folgendes wieder: In der ״Frankf. Ztg.“ schreibt Benno Reifen berg über ״Ketcr David“: ״Plötzlich wird klar, mit welcher nachtwandelnden Sicherheit diese Schauspielertruppe die Gestalten ihrer Wahlverwandtschaft zum Leben bringt. Ihre Sprache dröhnt barbarisch laut, lauter als das schlimmste Geschrei der üblichen Massenszenen europäischen Theaters und doch ist es möglich, daß diese Sprache so schreit. Gewaltig, ein brandendes Meer schlägt die Ueberzeugung dieser Menschen, die Leidenschaft ihres Willens über alle stilistische Apparatur. Der Stil ihrer Gestik, ihrer Kostüme, ja die wilden grandiosen Masken sind nur Hülsen, aus denen hinreißend, in einem unheimlichen nicht endenden crescendo die Stimme eines Volkes zu tönen anheht, von dem alle sprechen und das niemand kennt.“ Das ״Stuttgarter Neue Tageblatt“ schreibt: ״So wird diese ,Davids Krone‘ in der Gestaltung der Habimah ein ganz starker Eindruck. Schwer, rätselhaft und lastend. Und auch wieder befreiend, weil es herrlich ist, zu sehen, daß noch so Theater gespielt werden kann, wie von den Künstlern der Habimah.“ Palästina- Chronik J erusalem, 3. Dezember. (J.T. AG '״־ im Macleff, der einzige Ueberlebende der beim arabischen Angriff auf Moz a abgeschlachteten jüdischen Familie Marieff, wurde verhaftet, nachdem er, von dem Untersuchungsrichter vernommen, von selbst gestand, daß er einen der arabischen Mörder seiner Familie geschlagen hatte. Chajim Macleff wurde gegen eine Geldbürgschaft vorläufig aus der Haft entlassen. Zwei jüdische junge Mädchen, Bluma Marbaum und Chaja Lipson, die vor kurzem in Haifa unter der Beschuldigung, kommunistische Proklamationen verteilt zu haben, verhaftet worden wann, wurden zu vier Monaten Gefängnis und Landesvcr- Weisung nach Strafverbüßung verurteilt. Der Leiter der von Londoner Juden in Karkur bei Chederali gegründeten Achusa (Kleinkolonie), Zewi Kaplan, hat seine Frau aurqh einen Gewehrschuß getötet und dann sich selbst durch einen Schuß entleibt. Das Motiv ist unbekannt. Kaplan ist erst vor kurzem von einem vierwöchigen Besuch in London zurückgekehrt; ״ן;<י׳ .;״**;׳ «<׳•■:׳״•/::. :•;־ ■:.־■ י,■•••• ■■ .־ Ein Trupp Araber zu Pferde drang um 1! Uhr abends in das jüdische Viertel von Safed ein, obwohl in Safed noch immer der Straßenverkehr nach 8 Uhr abends verboten ist. Die Araber schleuderten Steine in ein Fenster, an dem ein Jude saß. Der Jude wurde getroffen und schwer verletzt ins Hospital gebracht. Acht Araber, von denen man annimmt, daß sie am Angriff beteiligt gewesen waren, wurden verhaftet. Drei Araber, die Feuerwaffen aus Trans jordanien nach Palästina einschmuggelten, wurden in der Nähe der jüdischen Kolonie Rosch Pineh bei Safed verhaftet. Herr G 01 d e n t h a I, ein jüdischer Geschäftsmann aus Haifa, wurde auf Grund einer von Arabern gegen ihn erstatteten Anzeige, daß er während der Unruhen in Haifa einen Araher getötet hat, vor Gericht zitiert. Der Polizeikorporal Karl ick, der unter der Beschuldigung, ״die sogenannte schwarze Liste“ der Regierung jüdischeu Journalisten gezeigt zu haben, am vergangenen Freitag verhaftet wurde, ist nun aus der Haft entlassen worden. Die Regierung hat am 1. Dezember die Ernährung der jüdischen Flüchtlinge aus den zerstörten Kolonien eingestellt. _ Von der Tote Meer-Gesellschaft Das frühere Mitglied der Zionistischen Exekutive in Jerusakra, Dr. v. V riesland, hat nach seiner Rückkehr nach Palästina die Leitung des neuen Büros der Tote-Meer- Gesellschaft in Jerusalem übernommen. Herr v. Vriesland wird der kaufmännische Leiter der Gesellschaft sein. In den nächsten Wochen wird die Ankunft von Mr. Now o m e j s k y sowie des Vorsitzenden des Board of Directors Lord Lytton erwartet. Man erwartet, daß danach die Zahl der Arbeiter am Toten Meer erheblich vergrößert wird. Der ״Near East“ vom 7. November bringt anläßlich der Ausdehnung der Arbeiten der Gesellschaft zur Ausbeutung der Mineralien des Toten Meeres Einzelheiten über die Gc- Seilschaft. Es heißt dort u. a.: Von der Gesellschaft, die die Konzession zur Gewinnung von Salzen aus dem Toten Meer ausführt, ist der überaus passende Name ״Palestine Potash Ltd.“ angenommen worden. Das Kapital der Gesellschaft beträgt 400 003 Pfund, e'.ngeteilt in 230 000 7y3prozentige Vorzugsaktien zu 1 Pfund, 153 000 Aktien, die sowohl als Vorzugs- und als gewöhnliche Aktien ausgegeben werden können zu 1 Pfund und 400 000 ordentliehe Aktien zu einem Schilling. Die Direktoren der Gesellschaft sind: Lord Lytton, Mr. Israel, 8. Brodie, Mr. B. Flexner, Mr. E. Friedman, Mr. E. W. M. Tennant, Mr. F• M. Warbürg, Major Tulloch, Mr. Nowomejsky und Mr. David Lyell• Es Ist nicht beabsichtigt, in nächster 'Zeit neues Kapital aufzunehmen, da ein großer Teil des gegenwärtigen Gesell- Schaftskapitals bereits gezeichnet wurde. Die Vorarbeiten für die Konzession sind mehrere Jahre im Gange gewesen und haben insbesondere seit der definitiven Unterzeichnung der Konzession Fortschritte gemacht. Gegenwärtig werden die erforderlichen Maschinen bestellt, so da» die Entwicklung des Unternehmens rasch vorwärts schreiten kann. Es ist von Interesse, so schreibt das Blatt, daß während der letzten Unruhen in Palästina unter den jüdischen und arabischen Arbeitern der Gesellschaft keine Unruhen zu verzeichnen waren, wie überhaupt überall dort, wo Juden und Araber gemeinsam unter britischer Aufsicht arbeiteten, nirgends Störungen aufgetreten sind. Dies sei ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft, da es deutlich mache, daß es für die beiden Rasse» durchaus möglich sei, in der Entwicklung des Landes zusammenzuarbeiten.