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Jüdische Rundschau · 1929-12-06 · Heft 96 (6.12.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 96 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 98, 0. XU. 1929 JÜED1SCHE RUNDSCHAÜ Seite 643 Die arabischen Zeugen Ueber die Einvernahme von HadschTaufik Hammad am 29. November ist noch nachzutragen: Der Zeuge brachte vor, er sei Vizepräsident mehrerer palästinensisch-arabischer Kongresse und einer jener arabischen Notabein gewesen, denen Sir Herbert Samuel 1923 das Angebot machte, eine Arab Agency analog der Jewish Agency zu errichten. Mit einer gewissen Genugtuung wies Hadsch Tatifik Hammad darauf hin, er habe jener arabischen Delegation angehört, die 1922 mit der britisehen Regierung in London verhandelte; diese Verbandlung, sagte er, habe die Verßffentlichung des C hurc 11 i 11 - W e i ß h 11 c h c s von 1922, das eine einschränkende Interpretierung der Balfour- Deklaration enthielt zum Ergebnis gehabt. Hadsch Taufik Hammad berichtete über seine Unterhaltungen mit Dr. Welzmann, der versucht habe, ihn davon zu überzeugen, daß Palästina eine große Zahl Ein- Wanderer absorbier^c n könne; es sei, sagte der Zeuge, Weiztnann nur gelungen, ihn davon zu überzeugen, daß die Juden nach dem Besitz des größten Teils des Bodens streben und eine Flut von Einwande- Sir Walther Shaw VorsiUendcr der Kommission rern zu bringen beabsichtigen. Wir Moslems aus Nablus, sagte der Zeuge, sind keine Fanatiker, aber wir sind unserem Lande und unserer Religion treu. Die Zionisten, fuhr er fort, haben zvvar_ das Churchill-Weißbuch angenommen, aber sie wollen sich nicht daran hallen. Nur wenn die Juden sich mit der Errichtung eines Parlaments in Palästina einverstanden erklären, werden sie mich davon überzeugen, daß sie nicht Palästina ebenso jüdisch machen wollen, wie"England englisch ist. Sir Walter Shaw fragte den Zeugen, weichen Grund_ er habe, von den Zionisten anzunehmen, daß sie una u f r i c h t i g sind. Darauf erwiderte der Zeuge, wenn die Zionisten mit ihrer jetzigen Politik fortfahren, so werden sie früher oder später doch das ganze Land besitzen. Der Zeuge erhob ein mit Wasser gefülltes Glas und demonstriertc: Der Kiagemaucrkonflikt war nur der Tropfen, der das Ql a s zum Ueb e rfließen brachte. Das Land wurde beunruhigt im Hinblick auf die Ambitionen der Juden, ihren Tempel auf dem Platze der Aksa-Moschee wieder aufzubaucn. Viele Bilder zeigen schon die zionistische Fahne über dem Felsendom. Sir Bord Merriman fragte den Zeugen: Haben Sie Ihre Besorgnisse den Mitgliedern des Moslemitischen Obersten Rates mitgeteilt? Ja, erwiderte der Zeuge, auch mit dem Großmufti bin ich in dieser Abnahme einig. Mit den Notabcln von Nablus habe ich öfters über die jüdischen Absichten mit Bezug auf _ die Omar-Moschee gesprochen. Diese Besorgnisse hatte ich schon vor dem Kriege, sie stiegen aber mit der Verkündigung der Balfour-Deklaration. jkm nächsten• Tage erschien vor., der Kommission* von den arabischen Anwälten zitiert, ein junger arabischer Führer, Subhi Khadra, Advokat und Mitglied der Arabischen Exekutive. Während des Krieges desertierte er aus der tiirkischen Armee und kämpfte an der Seite der britischen Truppen für die arabische Unabhängigkeit. Sir Boyd Merriman, der Anwalt der Zionistischen Exekutive, sagte bei Beginn dcr_ Vernehmung dieses Zeugen frei heraus, daß Subhi Khadra einer der Agitatoren war, denen das Blutvergießen im August zur Last fällt. Er wies auf die Aussage des Polizeikommandanten von Safed Captain Faraday hin, der Subhi Khadra als jenen ״Agitator“ bezeichnete, der den Mufti von Safed kurz vor dem Safeder Pogrom nach Jerusalem zu bringen versuchte. Subhi Khadra behauptete, daß seit dem Tage, an dem der junge Jude Misrachi erdolcht wurde, und dein Tage des Beginns der Unruhen in Jerusalem die Polizei nichts anderes zu tun batte, als Araber auf Grund jüdischer Klagen zu verhaften und alle von den Arabern vorgebrachten Klagen zu ignorieren. Er führte zwei Fälle angeblieh sabotierter arabischer Klagen an, mußte aber, vom Regierungsanwait Kenelm Preedy ins Kreuzverhör genommen, zugeben, daß die Polizei diese beiden Klagen in Behandlung zog. Die gescheiterten Verhandlungen Subhi Khadra berichtete, er sei einer der drei Moslems gewesen, die mit den jüdischen Repräsentanten Ben Zvi, Br au de und Dr. Levy am Vorabend des Unruhetages int Hause des Chefsekretärs H. C. Luke zusammentraten, tim den Erlaß einer Proklamation z.ur Beruhigung der Massen zu erwägen. Er behauptete vor der Kommission, daß die Juden das Ziel der Beratung so verstanden haben, daß die arabischen Repräsentanten zu der Versammlung gekommen waren, nicht um über die Herstellung guter Beziehungen zwischen Juden und Arabern zu diskutieren, sondern um die Frage der Klagemauer ru lösen. Sir Boyd Merriman widerlegte prompt diese Behauptung Khadras, indem er auf die Aussage des Chefsekretärs Luke vor der Kommission hinwies, wonach die jüdischen Repräseuianien ausdrücklich erklärt hatten, sie seien nicht ermächtigt, über eine Lösung des Klagemauerproblems zu verhandein, sondern einzig und allein über den Erlaß einer gem einsamen Proklamation zur Beruhigung der erregten Volksmassen. Subhi Khadra entgegnete darauf, die moslemischen Vertreter seien nicht in der Lage gewesen, Brandes Entwurf einer versöhnlichen Kundgebung an die Bevölkerung in Erwägung zu ziehen, weil das; Verrat gewesen wäre. Der Großmufti, sagte Khadra, habe es versucht, am 23. August die Bevölkerung zu beruhigen. Am Tage darauf habe Khadra sich zu einer Fahrt durch das Land begeben, um die außerhalb Jerusalems lebenden Mitglieder der Arabischen Exekutiv« zu einer außerordentlichen Sitzung der Exekutive einzuladen. Dabei habe er den Moslems in Nablus, Dschenin, Haifa, Tiberias und Safed die Versicherung gegeben, daß die Führer für die Wahrung der arabischen Rechte sorgen. Demgegenüber erklärte Sir Boyd Merriman, Subhi Khadra habe auf dieser Fahrt gehetzt und zum Aufruhr aufgestachelt. Khadra wurde sehr verlegen. Sir Walter Shaw fragte ihn, warum er sich persönlich auf die Fahrt begeben hatte, wo er doch seine Kollegen von der Exekutive telegraphisch oder telephonisch zur Sitzung einladen konnte. Khadra erwiderte, die Lage war gefahrdrohend gewesen, und er wollte seine Kollegen mit der Regierung zusammenbritigen, damit Maßnahmen zur Verhütung weiterer Unruhen ergriffen werden konnten. Ihr Ziel, rief Sir Boyd dem Zeugen zu, war, in allen diesen Orten die Bevölkerung aufzuhetzen. Denken Sie, was Sie wollen, erwiderte der Zeuge. Subhi Khadra erklärte, er 9d nicht Mitglied der Gesellschaft zum Schutze der Aksa-Moschee, aber er glaube, daß d Je Juden von der Moschee Besitz ergreifen wollen. Sir Boyd fragte, ob er diesen seinen Glauben auch seinen Freunden beizübringen sucht. Khadra verneinte dies, gab aber auf weiteres Befragen zu, daß er in den zehn Tagen der Unruhen über die jüdischen Absichten bezüglich der Moschee mit vielen Leuten gesprochen hat. Als Sir Boyd den Zeugen darüber befragte, ob für den Ausbruch der Jerusalemer Unruhen eine bestimmte Zeit vorgesehen war, erwiderte Khadra: Fragen Sie Ihre Klienten. Sir Boyd erwidert«: Ich will eine Antwort hören, nicht eine Unverschämtheit! Sir Walter Shaw bestand darauf, daß der Zeu״e die Frage beantworte. Schließlich sagte Khadra, er glaube nicht, daß überhaupt eine Absicht, Unruhen hervorzurufen, bestanden habe. Sir Boyd fragte den Zeugen, der den Protest gegen Sir John Chancellors Proklamation mitunterzeichnete, ob das, was in Hebron geschah, Krieg oder Mord war. Ich weiß es nicht, erwiderte der Zeuge. Uebrigens wurde auch in Jaffa eine arabische Familie abgeschlachtet. Sir Boyd wiederholte die Frage: Sie, als Mitunterzeichner des Protestes müssen es sagen: war das, was in Hebron geschah, ein fairer Kampf oder ein gemeiner Mord? Darauf der Zeuge: Herr Cafferata (der Polizeichef von Hebron in der Zeit der Unruhen) ist die Person, an die eine solche Frage zu richten wäre. Sir Boyd: In dem von Ihnen mitunterzeichneten Proteste wird behauptet, daß in Hebron ein Volksaufstand war. Subhi Khadra: Unsere Ableugnung der jüdischen Beschuldigungen über Scheußlichkeiten gründete sich auf die Aussage des britischen Arztes des öffentlichen Gesundheitsdepartements. Da der Zeuge auf die Fragen Sir Boyds immer ausweichende Antworten gab, ersuchte Sir Henry Betterton den Dolmetscher, an den Zeugen die präzise Frage zu richten, ob er meine, daß die in Hebron begangenen Tötungsakte als Mord zu bezeichnen seien. Diese Frage beantwortete der Zeuge mit ״Nein“. Darauf das Kommissionsmitglied Hopkins Morris: Waren es vielleicht Selbstmorde? Khadra: es waren keine Selbstmorde. Der arabische Anwalt S il 1 ey berichtete über Subhi Khadras Desertion von der türkischen zur britischen Armee im Jahre 1917 und legte Propjigandazettel vor, die britische Aeroplane über den türkischen Kampflinien fallen ließen. In diesen Proklamationen wurden die Araber aufgefordert, die türkischen Linien zu verlassen, um ״dem Sherif und Emir von Mekka und König der arabischen Länder“ zu helfen. Die Mitglieder der Kornmission sprachen ihre Zweifei darüber aus, ob die Verlcsung dieser Proklamation S. von irgendwelcher Wichtigi] keit sei. Silley erwiderte: V die Zionisten stützen sich auf die Balfour - Deklaration, die Araber stützen sich auf diese Proklamation. Darauf das Kommissions - Mitglied Sir Henry Betterton: Glauben Sie, daß die Existenz dieser Proklamation den Geisteszustand förderte, der für die jüngsten Unruhen charakteristisch war? So ist es, erwiderte Silley; es ist dies das latente Gefühl, das die Unzufriedenheit steigern half. Die Kommission gestattete, daß der von Silley gebrachte Zettel den Akten beigefügt werde. Subhi Khadra sagte weiter aus, er sei nach Verkündung der Balfour-Deklaration von Palästina nach dem Hedschas gereist. Das arabische Volk hat immer seine Unabhängigkeit gefordert und Tausende desertierten aus der türkischen Armee, um unteT den Engländern für die Unabhängigkeit zu kämpfen. Henry Snell M. P. Mitglied der Arbeiter *Partei In der türkischen Armee war er, Khadra, Leutnant; als er nach der Desertion nach Damaskus zu König Feisal kam, habe ihn dieser zum Major befördert. Sir Boyd Merriman verlas das bekannte Schreiben des Königs Feisal an Professor Felix Frankfurther von der Harward-Universität, in welchem Feisal sich mit der zionistischen Politik einverstanden erklärt. Der Zeuge bestand demgegenüber darauf, daß die Araber das Unabhängigkeitsversprechen so verstanden haben, daß auch Palästina ein unabhängiger arabischer Staat werde. Silley führte aus, König Feisal sei des Englischen unkundig und habe wahrscheinlich den Inhalt des in seinem Namen an Professor Frankfurther gesandten Schreibens nicht gekannt. Abermals der ״Misrach“ Abd el Kader Rashid, der vor einigen Tagen den Mitgliedern der Kommission die ״Misrach“-Bilaer als Beweis jüdischer Absichten auf die Omar-Moschee vorlegte, wurde wieder von der Kommission vernommen. Sir Boyd Merriman enthüllte die Tatsache, daß Rasliied eine Fotogravüre eins der Bilder zu Hetzzwecken in einer arabischen Zeitung veröffentlichte, dabei aber Teile des Bildes, wie z. B. biblische Zitate und den Namen eines noch vor dem Kriege verstorbenen Rabbiners entfernte, weil diese Zitate und der Namenszug verraten hätten, daß der Misrach viele Jahre vor der Balfour-Deklaration hergestellt wurde und mit irgendwelchen jüdischen Aspirationen nichts zu tun haben konnte. Der jüdische Drucker Emil P i k o v s k y , von Sir Boyd Merriman zitiert, sagte vor der Kommission aus, er habe die retouchierte Fotogravüre genau nach den Angaben Rashieds hergesteilt. — Es wurden dann noch einige arabische Zeugen von minderer Bedeutung vernommen, aie über die jüdische Klagemauerprozession und über die Umstände bei der Ermordung des jungen Misrachi aussagten. Ein Araber sagte aus, er sei nach der Ermordung des Misrachi durch Araber auf dem Fußballplatz von Juden angegriffen, aber durch einen jüdischen Nacnbarn gerettet worden. Die Vernehmung des Multi beginnt Am 1. Dezember verlegte die Kommission ihre Verhandlung in das Gebäude des Moslemischen Religiösen Gerichts im Hause des Großmufti, da dieser wie alle religiösen Oberhäupter in Palästina das Recht hat, in seinem Hause verhört zu werden. Der Mufti erklärte, auf Befragen des Anwalts der Araher, Stoker, er glaube an die Echtheit der ״Protokolle der Weisen von Zion“. Der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Bovd Merriam, trat der Erklärung des Großmufti durch die Richtigstellung entgegen, daß die sogenannten ״Protokolle“ bereits als Fälschung entlarvt worden sind. Stoker beantragte, die arabische Uebersetmng des französischen Textes der ״Protokolle“ zu den Akten zu nehmen. Die Kommission konnte sich zunächst nicht entschließen, dieses Buch als Beweismittel für irgendetwas zu den Akten zu nehmen, schließlich aber entschied sie sich für die Zulassung des Buches, und zwar nicht als Beweis für etwaige Bestrebungen der Juden, sondern als Symptom für die Mentalität jener Moslems, die an die Echtheit der Protokolle glauben. Es wurde deshalb von der Verlesung von Auszügen aus dem Pamphlet Abstand genommen. Es kam auch zur Sprache, daß die Palästina-Ref" Der Mufti kam dann auf die Frage derKIagemaucr zu sprechen und erklärte, die Juden haben lediglich das Recht zur Mauer heranzukommen, und zwar auf Grund einer nicht über 90 Jahre zurückgehenden Gewohnheit. Ein Recht, an der Klagemauer zu beten und dort die Stimme zu erheben, haben die Juden nicht. Der Mufti verwies auf die Heiligkeit der von den Moslems ״Burak“ genannten Klagemaiier, die sich aut eine Stelle im Koran gründet, in der die Grenzen der Moschee angegeben sind. Diese Grenzen, sagte der Mufti, schließen nicht allein die Klagemauer, sondern auch das Pflaster vor derselben ein. Der Mufti erklärte, daß seine Wahl zum Präsidenten des Moslemischen Obersten Rates für lebenslänglich gilt ungeachtet gewisser von moslemischen Kreisen dagegen erhobenen Einwendungen. Die Moslems sind empört, weil die Regierung es nicht verstanden hat, die jüdische Anmaßung einzudämmen, sie fürchten, daß der jüdische Einfluß ausreichen könnte, um die Regierung dazu zu bringen, über die wahren jüdischen Absichten hinwegzusehen. Als Beweis für die jüdischen Aspirationen auf das Tempelgebiet führte der Großmufti die Misrach-Bilder, einen angeblichen Ausspruch Lord Melchetts, daß er sein Leben dem W i e d e r a uf b a u des Tempels widmen wolle-— der Mufti sagte, er glaube nicht, daß Melchetts Worte nur symbolisch gemeint waren —, ferner Albert Einsteins angebliche Erklärung, daß das Judentum ohne Tempel wie ein Körper ohne Kopf sei, an. (Bekanntlich hat Prof. Einstein diese vom Mufti schon einmal in einem Interview mit Pierre van Paassen aufgestellte Behauptung als eine Lüge erklärt.) Der Mufti wies auch auf die von Harry Sacher und Dr. Stephen S. Wise auf dem Züricher Zionistenkongreß gehaltenen Ansprachen hin, wonach die Beibehaltung des Status quo an der Klagemauer den Juden nicht genüge, und führte weiter aus, die Moslems seien überzeugt, daß die Juden just den letzten Tischa b’Aw zur Herbeiführung vonUnruhe 11 wählten, weil sie Im Hinblick auf die Tagung der Jewish Agency in Zürich hofften, die Agency ■werde die Arbeiterregierung in England dahin beeinflussen, den Status an der Mauer zugunsten der Juden zu ändern. Daß der Mufti selbst die Moslems Z/U den letz* ten Un ruheu auf h etzte , stellt er In Abred* and sagte, es sei schon so die Gewohnheit der Juden, die Schuld auf andereabzuschieben. Die Regierung habe ihm für seinen beruhigenden Einfluß wiedejhoFt gedankt. Die Moslemische Gegendemonstration war •hach der vorangegangenen jüdischen Demonstration unvermeidlich geworden. Bei der Einvernahme des Mufti waren wegen der Enge des Raumes Pressevertreter nicht anwesend, und es wurde lediglieh nachher ein Kommunique ausgegeben. Die Einvernahme des Mufti wird der ״Times“ zufolge voraussichtlich b i s Donnerstag dauern. * Wie die Regierung dastellt י Die Prager ״Selbstwehr“ gibt folgende treffende Charak* teristik der bisherigen Ergebnisse der Untersuchung: ״Die palästinensische Regierung.... hat dauernd falsche Mittel gewählt, war nachgiebig, wo sie Angst hatte und zeigte dadurch ihre Angst, und war streng, wo sie glaubte, auftrumpfen zu können, und erwies sich damit als ungerecht. Sie befolgte ein Vertuschungssystem, das von jedem psychologischen Instinkte verlassen war; denn in einer von Mord und Raub erfüllten Stadt offiziell von mehr oder minder harmlosen Volkskämpfen zu sprechen, wirkt durchaus nicht beruhigend, sondern nur aufmunternd. Es hat sich in der Untersuchung gezeigt, daß es eine ganze Reihe von Momenten gegeben hat, in welchen ein richtiges und energisches Eingreifen großes Unheil verhütet hätte; nie wurden solche Momente von der Regierung erkannt, nie waren sie ausgenützt worden. Die bisherigen Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, wie schwer es ist, derartige Ereignisse schablonenhaft oder bloß nach einer Motivrichtung hin zu beurteilen. Es ist nicht allzu viel erklärt, wenn man einfach alles mit dem Antisemitismus der englischen Beamten oder gar mit der Falschheit Englands erklären will. Es ist wohl keine Frage, daß ein Teil der englischen Beamtenschaft in Palästina von antisemitischem Geist erfüllt war, die Leute kamen vielleicht nicht als Antisemiten nach Palästina, aber sie sind es dort geworden, weil dies die leichteste Art war, auf die Schwierigkeit ihrer Position, in die sie geraten waren, zu reagieren. Aber das ist gewiß nicht die Hauptursache für das klägliche Verhalten der palästinensischen Regierung. Weit überwiegender ist der Eindruck der Unfähigkeit, den die Leute machen. Sie waren zweifellos der Aufgabe, Palästina unter den gegebenen schwierigen Verhältnissen im Geiste des Mandatsvertrags, mit ständiger Sorge erstens Ruhe und Ordnung zu bewahren und zweitens möglichst wenig auszugeben, nicht gewachsen. Es ist nun gewiß kein Ehrentitel der englischen Regierung, daß sie nach Palästina antisemitische und unfähige Beamte geschickt hat; aber will man wieder das Verhalten der englischen Regierung im ganzen gerecht und objektiv beurteilen, so muß man sich doch vergegenwärtigen, was es bedeutet, wenn sic nun ihre höchsten palästinensischen Beamten zwingt, vor der Untersuchungskommission, im Angesichte der ganzen aufhorchenden Welt, sich zu verteidigen, jeden Beschluß, den sie gefaßt haben, zu begründen, und allen Kreuz- und Querfragen der Advokaten, Rede und Antwort zu stehen. Man muß sich dies in unsere kontinentalen Verhältnisse übertragen, um zu erkennen, welches Maß von Freiheit und gutem Willen einer Regierung doch dazu gehört, ihre eigenen hollen Beamten in dieser Weise bloßzustellen....“ Das gesamte arabische Hilfswerk, das in Palästina und in den arabischen Ländern der ganzen Welt geführt wurde, hat bis jetzt einen Gesamtbetrag von 3173 Pfund erbracht.

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