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Jüdische Rundschau · 1929-12-06 · Heft 96 (6.12.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 96 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 642 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 06, s.m 1820 Titel ״The Island within*' in Amerika einen ungewöhnlichen Erfolg gehabt hat und dessen deutsche Ausgabe, ,,Das Erbe im Blut“ den Anlaß dieser Zeilen bildet*). Der Ilomnn ist als solch er bereite beim Erscheinen des Originals in der ״Jüdischen Rundschau" gewürdigt worden; worauf es uns hier ankommt, ist nicht der literarische Wert dieses fas«nierend geschriebenen Baches, sondern die Bedeutung, die es für die Erkenntnis des Wesens der Judcnfrage und der jüdischen Zusammenhänge haben kann. Denn es ist vielleicht der erste Judenroman, der mehr gibt als bloße Milieuschilderung und mehr als reflektierende Behandlung jüdischer Motive oder Darstellung jüdischer Charaktere. Sein Held ist nicht eine Person, obwohl der wichtigste Teil der Handlung mit der Person des Dr. Arthur Lewy verbunden ist, auch nicht eine Familie, sondern das ganze Volk. Die Geschichte und Entwicklung eines ganzen Jahrhunderts ist hier zusarnmengedrängt und mit unbeimlieber Eindringlichkeit in ihren Konsequenzen dargestellt. Mehr als abstrakte Abhandlungen muß diese lebendige Gestallung bewegten Lebens wirken für das Verständnis der Wahrheit. Das ig. Jahrhundert ist für das Judentum eine kritische Periode, Der Melamed aus Wilna, dessen .Frau nach Jerusalem fährt, um dort zu sterben, blickt seit Jahrhunderten zum erstenmal über die umschließende Mauer hinaus; er kann nicht verhindern, daß seine Kinder vom Strom des neuen Lehens erfaßt werden. Die zweite Generation finden wir bereits als liranntweinsehünker in Ostpreußen, die dritte Generation wird vom Strudel der liberalen Aera weggeschwemmt —• und in der vierten vollzieht sich langsam die Rückkehr. Von den Söhnen des Insterburger Kaufmann^ wird einer Student, zieht J8סך voll deutschpatriotischer Begeisterung in den Krieg, wird später ein berühmter Jurist in Berlin, legt den Namen Lewy ab, läßt sich taufen, aber plötzlich sieht er mit gespenstischer Deutlichkeit, daß auch ihm die Flucht aus dem Judentum nicht gelungen ist. Ein anderer Sohn geht nach Amerika und bleibt dem Judentum treu, ohne aber verhindern zu können, daß seine Kinder unter dem Makel, nicht als Vollamerikaner genommen zu werden, schwer leiden. Das wesentliche an Lewisohns Buch liegt darin, daß er nicht anklagt, nicht tendenriös verzerrt. Vielmehr wirkt ergreifend gerade die Schilderung der tiefen Notwendigkeit und Unentrinnbarkeit, die in all den Vorgängen steckt. Mit der Zwangsläufigkeit von Naturgesetzen vollzieht sich der Prozeß der Assimilation, dessen stärkstes Agens das jüdische Minderwertigkeitsgefühl ist. Die paar Seiten, in denen Lewisohn die Entwicklung des Tobias Lewy, später Theodor Burg- Hammer, zeichnet, sind aufschlußreicher filr die Geschichte des deutschen Judentums als viele Geschichtsbücher. Und dem Autor ist in der modernen Psychologie, die von Juden geschaffen wurde, ein gewaltiges Hilfsmittel der Erkenntnis erwachsen (das er vielleicht aus Entdeckerfreude etwas übermäßig unterstreicht). Mit photographischer Treue zeichnet er die: Gesellschaft, di« nur öder fast nur ata Jüden besteht, die vor einander ihr Judentum unterdrücken. So entsteht jener pathologische Zustand, der erst durch Analyse geheilt werden kann. ,,Tausend Uebcl entstehen für die Juden daraus, daß sie nicht klaren Auges ihre Verschiedenheit erkennen“. Lewisohn hat sich aber nicht mit der Erzählung seines Romans begnügt, sondern er hat zu den einzelnen Kapiteln des Ruches Einleitungen geschrieben, in denen er in die Problematik des modernen Judentums einführt. An dieser Stelle gibt er auch eine Art jüdischer Geschichtsphilosophie, die zeigt, wie die Juden durch Negation der ihre barbarische Umwelt bestimmenden Werte sich im Bewußtsein ihrer Aufgabe erhalten haben. Welcher Kontrast entsteht aus dem Bewußtsein dieser königlichen Mission, gemessen an der so greifbar dnrgestellten Leere des jüdischen Lebens des assimilalorischen Zeitalters! Es ist ein Buch von mythischer Verbundenheit und mit langem Gedächtnis. Eine Lösung der Probleme zeigt Lewisohn in diesem Buche, das eben doch ein Roman ist, nicht. Zwar findet Arthur Lewy den Weg zum Judentum zurück, zwar bcginnt er sich seiner Unwissenheit in jüdischen Dingen zu schämen, will das Judentum kennen lernen, geht sogar zur Volksarbeit unter den jüdischen Massen ■Osteuropas. Aber der Ausgang ist voll von Zweifeln. Lösungen zu finden ist die Aufgabe der Generation, die dieses Buch liest. Auf den billigen Effekt, Zukunftsprophezeiungen nufzustellen, hat der Autor verzichtet. Neben Arnold Zweig’s ״Calihan", deT wichtigste Einsichten in die Lage des heutigen Judentums vermittelt, muß man Lewisohns Werke geradezu uls unentbehrlich für jeden, der die heutige Jaden frage verstehen will, bezeichnen. Das ״Erbe im Blut“, nun dem deutschen Leser zugänglich, ist als Geschichte einer Familie vielleicht so repräsentativ, wie etwa die (in der vorzüglichen Ucbersetzung von Leon Sehalit — auch hier bewährt sich der Jode als Vermittler kostbaren Gutes — im Verlag Zsolnay in Wien erschienene) Forsyle Saga Galworthys für das Verständnis des englischen Volkes und der englischen Mentalität. Man braucht nur diese zwei Werke, diese zwei Welten, nebeneinander zu stellen, dann wird man auch das Wesen mancher Schwierigkeiten, die wjr heute in Palästina zu bewältigen haben, besser begreifen. ״Da« Erbe im Blut" ist jüdischer Anschauungsunterricht. Es lehrt sehen. Es sollte in diesem Jahre in sehr vielen jüdischen Häusern als Chanukkah-Geschenl dienen. _ Robert Weltsch. *) Von lewisohns Büchern erschien deutsch ״Gegen den Strom“ (Frankfurter Sozietäts-Druckerei), der Roman ״Der Fall Herbert Crump“ (Drei Masken-Verlag, München), und jetzt ״D a s Erbe im Blut" (übers, v. Gustav Meyrink, Verlag Paul List, Leipzig. Ein paar kleine Transskriptiom-Fehler hebräischer Wörter sollten ausgemerzt werden.) Dio Bücher ״Israal" (Boni & Liveright, New York jg»5) und Midchannel (Harper & Bros, New York 1959), liegen nur englisch vor. Soeben erschien eine französisebo Auswahl unter dem Titel ״Vwitd et Poisia“ (Boivin de Co. 4d. Par»), Die Angelegenheit Magnet Wir haben in der letzten Nummer auf Grund der von allen Seiten auch bei uns eingelaufenen Nachrichten zu der Protestaktion gegen Dr. Magnes Stellung genommen. Ohne uns mit dem Inhalt der Magnes’schen Anschauungen zu beachäftigen, haben wir festgestellt, daß Verhandlungen mit politischen Stellen eine Prärogative der Exekutive sind. Es wäre erfreulich gewesen, damit diesen Zwischenfall abschließen zu können, wenn nicht die inzwischen hier eingetroffenen Zeihingen aus Palästina und Amerika neues Licht auf die Sache werfen würden. Man ersieht daraus, daß die Angelegenheit durch die leider übliche Sensationsmac 11 e vollkommen verwirrt worden ist, so daß man wirklich fragen muß, wohin dieser Zustand führen soll, wenn jedem Menschen das Wort im Munde verdreht wird und sofort mit riesigen ״Headlines“ Gerüchte in die Welt posaunt werden, die natürlieh ihr Eigenleben führen und ihre Wirkung tun, unabhängig ob sie dementiert werden oder nicht. Wir finden z. B. in amerikanischen Zeitungen große Ueberschriften ״Dr. Magn e s tritt offen gegen die Balfour-Dck laration auf,“ In dem Text, der ein angebliches Interview der J.T. A. mit Dr. Magnes wiedergibt, sucht man vergeblich nach einer Rechtfertigung dieses schreienden Titels. Alte mögliehen Körperschaften beschließen darauf Protestresolutionen. Eine Zeitung telegraphiert an Magnes, der erst daraus erfährt, was er gesagt haben soll. Magnes gibt der palästinensischen Presse eine Erklärung, wonach er der J. T. A. niemals ein Interview gewährt hat und sich auch nicht für einen Verzicht auf die Balfour-Deklaration ausgesprochen hat. Die J. T. A. veröffentlicht daraufhin in der palästinensischen Presse eine Mitteilung, sie habe niemals behauptet, ein Interview gehabt zu haben und habe lediglich den Inhalt eines Artikels von Magues telegraphiert, den dieser eine Woche vorher an die ״New York Times“ geschickt hatte. In den amerikanischen Zeitungen wird trotzdem auf ein Interview bezug genommen usw. Der Oeffentlichkcit könnte dieser Rattenschwanz von Erklärungen gleichgültig sein, wenn nicht diese Sensationshascherei gerade in einer so heiklen Situation wie der gegenwärtigen sich zu einer wirklichen Gefahr der Vergiftung der öffentlichen Meinting ausgewachsen hätte. ln dem Dementi, das Dr. Magnes telegraphisch der amerikanischen und palästinensischen Presse übermittelte, verweist er auf seine Aufsätze aus den Jahren 1921 und 1919, die beweisen, daß er nicht etwa unter dem Eindruck der arabischen Angriffe seine jetzige Meinung gebildet habe. Er erklärt ausdrücklich, daß die Balfour-Deklaration, die so oft feierlich bestätigt wurde, schon um des Prinzips von Treu und Glauben im internationalen Leben unbedingt bestehen bleiben müsse. Sie solle aber aus einem Stein des Anstoßes in die Grundlage einer Verständigung zwischen Juden und Arabern verwandelt werden. Die Möglichkeit bietet die Interpretation des White Papers von 1922, worin ausdrücklich gesagt wird, daß Palästina kein jüdischer und kein arabischer Staat werden söll, sondern ein binationaler Staat. Diese Politik muß anerkennen das Recht auf jüdische Immigration, Sied- Iung auf dem Lande, freie Entwicklung der hebräischen Sprache und Kultur, dies alles ״kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung“, in dem Sinne wie es Achad Haant in seinem 1921 geschriebenen Vorwort zur Neuausgabe seiner Werke ausführt. Auf Landwirtschaft, Industrie und jüdische Arbeit muß sich das jüdische Zentrum aufbauen. Palästina als Land zweier Völker und dreier Religionen muß stets unter internationaler Garantie stehen, der Völkerbund muß die mit dem Lande verknüpften internationalen Verpflichtungen und die Rechte der verschiedenen Bevölkerungsgruppen sichern. Mag»f$ schftgt yor, dal. eine Gruppe von StältSmänuerä, StfatsrfpJjtlern und wissenschaftlichen Politikern zur Ausarbeitung eines derartigen einzigartigen und höchst komplizierten Projektes lierangezogen werden soll. Damit dies aber einen Schritt vorwärts komme, müsse die jüdische Gemeinschaft ihren jetzigen Erstarrungszustand abschütteln und müsse verhüten, daß die Initiative den jüdischen Händen entgleitet. Eine Selbstverwaltung könne in Palästina niemals eine gedankenlose Ueb ert r agu ng westlicher parlamentarischer Prinzipien sein, sondern sie müsse mit dem Charakter Palästinas als Land sui generis und insbesondere mit den spezifischen jüdischen Rechten rechnen. Auf alle Fälle müsse der Uebergang von der gegenwärtigen absolutistischen Kolonialherrschaft zu einer Selbstverwaltung schrittweise sein. Meine gegenwärtigen Bemühungen — schreibt Magnes weiter — haben lediglich den Zweck, dazu beizutragen, die Einsicht zu verbreiten, daß der bisherige Zustand nicht aufrechterhalten bleiben kann, und daß ohne ein ehrlich überlegtes und wissenschaftlich ausgearbeitetes Programm auf politischem, ökonomischem und erzieherischem Gebiet man nicht vorwärts kommen wird. Ich fürchte, daß ohne diese Einsicht die jüdische Oeffentlichkeit schwere Enttäuschungen erleiden wird. Wenn wir unsere Aufgabe ernst nehmen, müssen wir die arabische Welt durch ökonomische, soziale und politische Erziehung emporheben und zugleich unsere eigene Gemeinschaft stärker und mächtiger machen, denn unser Werk kann nur gelingen, wenn das jüdische Volk gewaltige Mittel zur Verfügung stellt. Es ist ein langer und schwieriger Prozeß, aber der einzige Weg, der gangbar ist, und schon die Anstrengung in dieser Richtung fügt ein ruhmreiches Kapitel zur Geschichte des ewigen Volkes hinzu. Am 24. November erschienen in ״New York Times“ die beiden Artikel von Phi Iby und Magnes, in denen die Möglichkeit einer Verständigung erörtert wird. Beide gehen aus von der Balfour-Deklaration als unabänderlicher Grundlage. Die Ausführungen von Magnes bewegen sich etwa in der oben angedeuteten Linie. Es ist höchst bedauerlich, daß die ruhige und sachliche Diskussion dieser lebenswichtigen Fragen ganz zurückgetreten ist hinter der Auswalzung der ״Affäre*'. * Eine Kundgebung der Arbeiterpartei. In der letzten Sitzung des Waad Leumi gab der Arbeiter- Vertreter Ben-Gurion folgende Erklärung für die beiden Arbeiterparteien ab: Noch tagt die (J ntersuchungskomraission und die Augen der ganzen weit sind auf Palästina gerichtet. Der jüdische Ilsehuw steht in diesem Augenblick vor einer Prüfung der öffentlichen Meinung der Weil! In dieser Stunde ist mehr als je von allen Teilen des Jischuw ein besonderes Gefühl seiner Verantwortung zu fordern. Erst vor einer Woche hat man in der Sitzung des Waad leumi die politischen Schritte behandelt, die durch Dr. Magnes unternommen wurden. Wir haben in diesen Schritten eine außerordentliche politische Gefahr und einen Bruch der inneren Front gesehen, Der Waad Leumi hat seine einstimmig« Ablehnung solcher Schritte zum Ausdruck gebracht und von allen Angehörigen des Jischuw Verantwortungsgefühl und politische Disziplin verlangt. Zu unserem großen Bedauern hat sich vor einigen Tagen auf der Hebräisehen Universität ein Zwischenfall ereignet, der von Verantwortungslosigkeit zeugt und eine m o r a - lische Gef ah r im Innern und politische Einbüße nach außen hin bedeutet. Die organisierte Störung des Kanzlers der Universität in seiner Eröffnungsrede auf dem Skopus und die aus politischen Gründen erfolgte Demonstration eines Teils der Schüler gegen einen Lehrer während einer wissenschaftlichen Vorlesung werfen Schatten auf unsere Bewegung und können verderbliche Gegenströmungen auslösen. Dr. Magnes hat In seiner Rede die Fragen nicht berührt, wegen derer sich der Waad Leumi gegen ihn gewandt hat. Die meisten der Worte von Dr. Magnes konnten durch jeden von uns gesprochen werden. Wenn man auch über einige Ausführungen geteilter Meinung sein kann, so lag darin kein Grund zu Irgendwelcher Störung der Demonstration. Die mutigen und hingebungsvollen Bemühungen zum Frieden, über die Dr. Magnes nach den Ereignissen und trotz der Ereignisse sprach, liegen auch in unserem Bestreben, und eine Störung dieser Rede kann den Eindruck Hervorrufen, als ob es im Jischuw verantwortliche Männer gibt, die gegenwärtig nichts von einem Frieden mit dem Nachbarvolk hören können. Ich bin sicher, daß die Störenfriede dies nicht gewollt haben. Aber sic haben nicht nur ihre Absichten, sondern auch den politischen Eindruck, den ihre Taten in diesem Augenblick in der Welt hervorrufen, im voraus zu bedenken. Die beiden Arbeiterparteien, in deren Namen ich spreche, lehnen die Ansichten von Hugo Bergmann in zionistisehen Fragen ab. Wir haben gegen sie gekämpft und werden weiter gegen sie kämpfen, aber die von den Studenten ausgehende Störung einer wissenschaftlichen Vorlesung aus politischen Gründen, die in keinem Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Thema stehen, zeigen einen pcist, der im jüdischen Palästina keinen Raum finden sollte. Solche Kampfmittel sind sowohl nach innen wie nach außen gefährlich, und wir müssen uns die moralische und politische Kraft wünschen, sie unschädlich zu machen. <Ziko.) Jüdisch-arabische Disputation In London Auf einer in London von der ״Union of Democratic Control“ veranstalteten Versammlung kam es zu einer öffentlichen Aussprache zwischen dem gegenwärtig in London weitenden Sekretär der Arabischen Exekutive Palästinas, Dschems I el Hussein!, und dem Rabbiner der Liberalen Synagoge in London, M. L. Perl zweig, über das jüdisch-arabische Pro- Wem in Palästina. Prof. Brodetsky, Mitglied der Zionistisehen Weltexekutive, der zunächst ausersehen war, sich mit dem arabischen Führer auseinanderzusetzen, hatte den Veranstaltern mitgeteilt, er halte es für unratsam, daß er als Mitgiied der Zionistischen Exekutive an einer solchen Aussprache, noch während die englische Untersuchungskommission in Palästina tagt, teilnimmt, da in die Diskussion Dinge hineingetra- gen werden könnten, die sub judice gelten könnten. Rabbi Perlzweig, der als erster sprach, führte ungefähr aus: in Palästina ist Raum genug für Juden und Araber. Wir Juden haben das Bestreben, mit den Arabern zusammenzuarbeiten, aber wir können nicht die Hand schütteln, die ein Schwert hält. Wenn die Untersuchungskommission ihren Bericht erstattet hat und die Verantwortlichen festgestellt sind, werden wir bereit sein, mit jedem zusammenzuarbeiten, dem das Interesse Palästinas am Herzen liegt, vorausgesetzt, daß zwei Dinge gesichert sind: Moralische Abrüstung und Mandat. Im weiteren Verlauf seiner Rede verlas Dr. Perlzweig den bekannten Brief des Emir Feisal vom Jahre 1919 und schloß, nachdem er den unerschütterlichen Entschluß zum Aufbau Erez-Israels betont hatte, mit dem Hinweis auf das Gute, das die Juden dem Orient bringen. Dschemal ei Hussejni vertrat den bekannten arabisehen Standpunkt. Er sagte, die Araber seien Freunde der Juden, aber Gegner des aggressiven Zionismus. Hinter dem Anflzfomsriius verberge sieb Keineswegs ititie atitibrttische HaL tung, vielmehr haben die Araber Vertrauen zu England und sind überzeugt, daß Sie mit dessen Hilfe ihre nationalen Rechte verwirklichen werden. Der Redner beschwerte sich dann, daß die Araber jetzt weniger konstitutionelle Rechte haben als unter türkischer Herrschaft. Es bestehe ein automatisches Regime. Redner fordert Errichtung einer Volksvertretung. Die Araber, so sagte er, anerkennen die Notwendigkeit einer jüdischen Immigration, stellen jedoch drei Beding ungen: 1. die Einwanderung muß im Verhältnis zu den ökonomischen Möglichkeiten des Landes stehen, 2. sie darf dem Steuerzahler nicht zur Last fallen, und 3. sie darf keinen Teil der Bevölkerung aus ihrer Beschäftigung verdrängen. Unter diesen Bedingungen wird in Palästina Frieden und Wohlstand herrsehen. Im Anschluß an die Diskussion wurden Fragen gestellt, wobei das zu 90«/!» jüdische Publikum den arabischen Redner häutig durch Zwischenrufe unterbrach, Interessant ist, daß auf eine Anfrage, ob denn jemals eine arabische Institution Juden beschäftigte, Dschemal antwortete, der Oberste Moslemische Rat baue gegenwärtig das größte Hotel Palästinas und beschäftige bei diesem Bau zwei Drittel Juden. Auf die Frage warum, antwortete der Redner: weil man sie braucht. Die Versammlung scheint sich nach den vorliegenden Berichten zum Schluß in einem Tumult aufgelöst zu haben und im Vorraum des Saales kam es nach Schluß beinahe zu Schlägereien. Sitzung des Waad Leumi Am 21. November fand in Tel-Awiw eine geschlossene Sitzung des Waad Leumi statt. Außer den Mitgliedern des Waad leumi beteiligten sich auch Mitglieder des Oberrabbinats in Tel-Awiw an der Sitzung. Es wurde u. a. über den Vorschlag der Ernennung einer Kommission zur Anknüpfung von Beziehungen mit den Arabern verhandelt und Kandidaten dafür genannt. Die Mitglieder der Leitung teilten den Inhalt der Verhandlungen in dieser Frage der Versammlung mit, die die Taktik der Leitung bestätigte. Ferner wurden schließlich als Vertreter des Waad Leumi für die Erziehungskommission die Herren Prof. Klein, Jawnieli und J. Mejuchas gewählt. Die Leitung des Zentralen Hilfskomitees, bestehend aus den Herren A. Berlin, S. Paßmann und Nathan Kamlan wurde bestätigt. Die drei Mitglieder der früheren Leitung des Waad Leumi wurden in ihren früheren Funktionen bestäiigt und Herr Dizengoff für ein nach dem Ausland abgereistes Mitglied als zeitweiliges Mitglied hinzugewählt. (Ziko.) Die ffidische Einwanderung in Palästina Im Oktober sind 1279 Einwanderer, unter ihnen 1088 J u - den, nach Palästina gekommen. In dem gleiche« Monat wanderten 279 Personen, unter Ihnen 204 Juden, aus. Im September d. J. betrug die Zahl der Jüdischen Einwanderer 603, die der Jüdischen Auswanderer 130. in einem Vortrag in London gab Daniel Hopkln, Unterhausmitglied der Arbeiterpartei (der bei den letzten Wahlen den früher von Alfred Mond innegehabten Parlamentssitz eroberte), einen Ueher blick über die Lage in Palästina, von wo er kürzlich zurückgekehrt ist. Er kritisierte sehr scharf die Verwaltung und betonte, daß England bisher nichts für die Verwirklichung der Balfour-Deklaration getan hat. Der Redner stellte drei Forderungen: der High Contmlssioner müsse ein starker Mann sein, die englische Regierung müsse eine klare Definition ihrer Politik gehen, und die Pallstinivefwaltung müsse!fieser Politik treu sein.

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