Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 95 (3.12.1929)
- Date
- 1929-12-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 638 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 05, 3. XII. 1929 Innepzionislische DlsKussion Für oder wider? Keine Vertuschung! Von Dr. Aron Sandler. Zuschriften an die Jüdische Rundschau beweisen, daß der Ernst des Zwiespalts, der sich seit den Unruhen in Palästina im Lager der deutschen Zionisten zeigt, von manchen Seiten in verhängnisvoller Weise verkannt wird. Es wird von ״Kleinlichkeit und Parteigezänk“ gesprochen; man begreift also nicht׳, daß der Streit ums Ganze geht, d, 11. um die Frage: Verwirklichung der Balfour*Deklaration? oder: Neue zionistische Zielsetzung? Nachdem der High Commissioner erklärt hat, daß eine Erörterung über di« Einführung■ autonomer Regierungsorgane in Palästina auf absehbare Zeit nicht in Frage komme, wieder• holt die britische Delegierte diese Auffassung der britischen Regierung vor der politischen Kommission in Genf. Aber in derselben Nummer der ״Jüd. Rundschau“ in der von dieser Aculkrung der britischen Delegierten Mitteilung gemacht wird, greift R. W. die Resolution des Aktions-Cotnftes und des Administrative Committee vom 13. September an,,weil sie ״zu dieser zentralen Frage der Palästinapolitik (nämlich ,der Schaf* fung von festen Grundlagen einer zukünftigen autonomen Regierung in Palästina‘) offenbar gar nichts zu sagen habe“ -- wohl wissend, daß dieses Schweigen eine deutliche Stellungnähme des Aktions-Comitds in dieser Frage zum Ausdruck bringen sollte. Der Versuch, den Standpunkt der Exekutive in dieser Frage durch Versendung eines Privatbriefes zu verdunkeln, ist nicht gelungen. Wie jedermann weiß, sind sich Aktions-Comitc, Exekutive und Jischnw darin einig, daß, so notwendig es einerseits ist, auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiete hier und da zwischen der arabischen und jüdischen Bevölkerung Fäden anzuspinnen, die zu einer allmählichen Annäherung der beiden Gruppen führen sollen, es andererseits von den übelsten Folgen begleitet sein kann, wenn die Frage der Schaffung einer gesetzgebenden Körperschaft in absehbarer Zeit zum Gegenstand von Verhandlungen zwischen Juden und Arabern gemacht wird. Niemand aus der deutschen Gruppe, die solche Verhandlungen verlangt, ist sich darüber klar, was er dem arabischen Gegner anbieten solle, diesem Gegner, von dem er weiß, daß ihm nur eines akzeptabel erscheint: die Aufhebung der Balfour-Deklaration; diesem Gegner, der mit der Lüge von dem Bombardement auf die Omar-Moschee die Massen aufgehetzt hat und von dem er nun ״Sicherungen“ entgegennehmen soll. Jeder Versuch einer solchen Verhand• lung, der nicht auf eine starke jüdische Einwanderung verzichten will, ist zum Scheitern verurteilt, muß aber außerdem von verhängnisvollen Folgen für die nächste Zukunft sein, da er — eine Reaktion auf die Gewalttätigkeiten der Araber — als Symptom der Schwäche gedeutet werden würde und damit den Anreiz zu neuen Gewalttätigkeiten liefern würde. Das entspräche durchaus der arabischen Psychologie; letzten Endes sind ja überhaupt di« in Palästina vorgekommenen Gewalttätigkeiten nur als Reaktion auf die Schwäche der in der Klagemaueraffäre Schritt für Schritt zurückweichenden Regierung zu erklären. Das hat Chief Rabbi Hertz als erster ausgesprochen, Herr Professor Brodetsky führt in Berlin aus, daß von Vereinbarungen mit den Arabern keine Rede sein könne, solange Hiebt auch das arabische Volk anerkenne und Garantien dafür biete, daß das Prinzip der Jüdischen Heimstätte in Palästina bestehen bleibe, daß die Einwanderung frei sei und keine Einschränkung der jüdisch-nationalen Entwicklung geben könne. Der Waad Leunti beschließt, zurzeit keine Verhandlungen mit den arabischen Unruhestiftern über die Parlamentsbildung zu führen, da dies nur eine Ermutigung zu neuem Bhrtvergießen sein würde. Selbst der Korrespondent der Vossischen Zeitung tritt dieser Anschauung bei. Die sozialistische Gefolgschaft der Berliner Leitung, schnell bereit zu weitgehendem Entgegenkommen (oder glaubt sie, ohne weitgehendes Entgegenkommen mit diesem Partner heute verhandeln zu können?), sucht in dem Arbeiterorgan in Palästina, im Davvar, vergeblich nach ähnlichen Bekundungen eines ״politischen Zionismus“. Beilinson rückt von der Jüd. Rundschau ab. Arlosoroff vertritt sogar die Anschauung, daß eine Basis für eine Verständigung erst gefunden werden könne, wenn es auf Grund weiterer Kolonisationsarbeit ״über jeden Zweifel hinaus und vorbehaltlos“ im arabischen Lager klar geworden sei, daß wir stark genug sind, um zu verhindern, daß die Verwirklichung der zionistischen Endziele durch Ueberfälle gefährdet werden könne. Deshalb müsse man mit Palliativmitteln arbeiten; vielleicht könne in einem späteren Entwicklungsstadium auch ein Vorschlag in der Parlamentsfrage gemacht werden. Mit schöner Offenheit kommt ein Einsender der Jüd. Rundschau, der schon heute für Verhandlungen eintritt, zu der Feststellung, daß man natürlich ״Konzessionen“ machen müsse; ״vielleicht, daß man dann zu einem Zionismus kommt, der dem Achad Haam’schen geistigen Zentrum ähnlicher sieht als dem Herzl’scben Judenstaat“. Wie gelassen ein ״politischer“ Zionist einen solchen Satz ausspricht! Und Herr Hugo Bergmann, der gar seinen Artikel im ״Mapoel Hazair“ bereits ״Auf dem Wege zur Verständigung“ betiteln darf, wendet sich dagegen, daß die Juden auf Grund ihrer hohen Steuerleistung eine stärkere Berücksichtigung Ihrer Interessen verlangen; denn in allen Dingen des gemeinsamen Vaterlandes müssen wir zuerst Palästinenser und dann Juden oder Araber sein (— wörtlich!)• Dieser im Wolkenkuckucksheim schwebende Idealist wendet mit größtem Gleichput politische Formeln, die für ein wohlgeordnetes, hochentvrickeltes, friedliches multinationales Staatswesen in Frage kommen kötmten, auf ein Land an, in dem die eine Bevölkerungsgruppe der anderen alle nationalen Rechte bestreitet, die Einwanderung möglichst abzuschneiden versucht, blutige Ueberfälle organfsierl und gar nicht daran denkt die Angehörigen der anderen Gruppe auch nur prozentual nach der Kopfzahl an öffentlichen Zuschüssen und Arbeitsgelegenheiten zu beteiligen. Eine Karikatur pazifistischer Ideologie, die sich als zionistische Politik ausgibt. * Die Leitung der Z. V. f. D. steht mit ihren Anschauung« und Forderungen im Widerspruch zu dem entschloss«« Willen der obersten Leitung der Bewegung, des Jlschuw in Palästina und großer Gruppen im deutsch« Zionismus, aucH im Lager der Allgemeinen Zionisten, zu denen sich auch Verf. dieser Zeilen zählt. Es bedarf nur einiger Gewalttaten größeren Umfangs von seiten der Gegner, und die Leitung reagiert sofort mit der Bereitschaft zu Konzessionen, d. h. zur Preisgabe früherer Forderungen und zur Aufstellung der Forderung nach unverzüglieber Einleitung von Verhandlungen, deren Voraussetzung eine neue Zielsetzung des Zionismus ist. Dieser Gegensatz in den Anschauung« kommt auch in dem Ton zum Ausdruck, in dem die JÜdL Rundschau auf die Freveltaten der Araber von Anfang an reagiert hat. Er kommt ferner in dem Defaitismus zum Ausdruck, der in den Darlegungen dieser Kreise bezüglich der weiter« Chancen des Zionismus in den ersten Tagen der Unruh« deutlich wurde. Er kommt auch weiterhin zum Ausdruck In den Vorstellungen über ״jüdische Provokationen“ mit denen auch das antizioni• stlsche Blatt, der Israelit, zunächst operierte, um aber schon in der nächsten Nummer auf Grund besserer Erkenntnis solche Zusammenhänge fallen zu lass«. Es heißt wahrlich, dem Mufti auf den Leim gehen, wenn man sich an der Feststellung von ״Ursachen“ oder ״Veranlassungen“ für den Ausbruch des Kampfes gegen die Balfour-Deklaration beteiligt Jüdisch« Antizionisten in Deutschland haben diese Stellung der Jüd Rundschau der Leitung des C«tral-Vereins entgegengehalten, die in ihrer Kundgebung von Anfang an erklärte, daß die Zionisten an den Unruhen unschuldig seien. Wir verlangen, daß die Leitung des Z. V, I. D. 80 zusam mengesetzt wird, daß die abweichend« Anschauungen großer Gruppen innerhalb der zionistischen Vereinigung klar zum Ausdruck kommen; daß, wenn schon der zionistisch« Ver• einigung auch in kongreßpolitischen Fragen eine. Stellungnähme verstatict sein soll, diese Stellungnahme nicht durch eine bestimmte Gruppe, und hätte sie selbst die Mehrheit hinter sich, zu erfolgen habe. Wir suchen den Anschluß an die Anschauungen fast da gesamten zionistischen Welt, wie sie außerhalb Deutschland» und der Tschechoslowakei allenthalb« zum Ausdruck kommen Wir wünschen in Übereinstimmung mit dieser Auffassung der zionistischen Welt eine Ablehnung der ״neuen Ziel• Setzung“, ein Festhalt« an der Balfour-Deklaration. Die Ver kfmdung solcher Wünsche und Forderung« bedeutet nicW ein Bramarbasieren mit Wort«, bedeutet auch nicht den Ver• zieht auf elastische Formeln und Mittel der Tagespolitik, son• dern bedeutet nicht inehr und nicht weniger als das Fest• halten am politischen Zionismus. Wer den Glauben an deif politischen Zionismus verlor« bat, der sage es offen. ... Zionistische Frauenarbeit Bericht über die gemeinsame Vertreterversanumlung de■ Verbandet Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina und des Bundes zionistischst Frauen vom 12. November 1929 in Berlin Die Entwicklung der zionistischen und propalästinensischen I rauenarbeit in Deutschland hatte in den letzten Jahren auf Ver* Cinheitlichung der nebeneinanderarbeitenden Organisationen hingedrängt. Der ״Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina", der vor dem Kriege internationale Bedeutung hatte und dessen Leistungen in Palästina grundlegend für jede spätere Frauenarbeit waren, wurde durch den Krieg und die neue Weltentwicklung fast ganz auf Deutschland beschränkt und durch die erstarkende Wizo auf den meisten Arbeitsgebieten abgelöst. Er behielt in den letzten Jahren eine besondere Bedeutung durch seine unabhängige Stellung gegenüber Fragen der palästinensi* sehen Arbeit, besonders durch seine Betonung von Wert und Notwendigkeit der sozialen Arbeit innerhalb des Frauenwerkes. Die V. Wizo-Konferenz führte zur allgemeinen Anerkennung dieses Prinzips. Die Mitaufnahme der wichtigsten Arbeiten der Histadruth Naschim in das Programm der Wizo machte eine Sonderarbeit des Verbandes für das soziale Hilfswerk unnötig. Der schon seit Jahren vollzogene Anschluß des Verbandes an die Wizo, der zur Ueberweisung des größeren Teils seiner Einnahmen an das Wizo-Budget und zur Entsendung־ von Vertreterinnen in die Wizo-Konferenzen führte, konnte jetzt zu einer völligen Verbindung werden. Auch die innere Struktur des Verbandes hatte sich gewandelt. Immer mehr gingen die Gruppen dazu über, ein eigent- Hches Gruppenleben zu entwickeln, durch wc'.i, es die früher nur lose verbundenen Mitglieder des Verbandes der Idee des jüdisehen Aufbauwerkes in Palästina nahe gebracht wurden. Diese informierende und zusammenschließendc Tätigkeit des Verbandes, mußte sich mit Notwendigkeit auf die Zionistimm! stützen und führte deshalb zu einer engen Verbindung mit den Gruppen des Bundes zionistischer Frauen. Hinzukam die veränderte Auffassung über die Möglichkeit der Nicht- Zionisten an dem Aufbauwerk in Palästina mitzutun. Die Gründüng der JewJsh Agency wandelte hier die Anschauung. Der Einblick in das Wesen der Wizo, die zwar das zionistischc Ziel verfolgt, aber in fast allen Ländern Föderationen hat, die sich aus Zionistinnen und Nichtzionistinnen zusammensetzen, ließ eine Neuorganisierung des Verbandes weiter als gut und als möglich erscheinen. Damit ergab sich aber von selbst die Notwendigkeit, den Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit mit der bisherigen deutschen Föderation der Wizo, dem in geschlossenen Gruppen wesentlich kulturell arbeitenden Bund zionistischer Frauen, zu verbinden. ln der gemeinsamen Vertreterversammlung des Bundes und cl:s Kulturverbandes ist diese seit langem vorbereitete und mit all ihren Schwierigkeiten und Vorzügen immer wieder diskutierfe Frage entschieden und die Fusionierung der Ver* bände unter dem Namen ״Verband jüdischer Frauen für P a I ä s t i n a - A r b e i t“ (Deutsche Föderation der Wizo) vollzogen worden. Es handelt sich dabei um eine wirkliche Fusionierung, die Recht und Wes« beider Gruppen vereinigt. Diele Tatsache ist durch § 1 der Statuten des vereinheitlichten Verbandes festgeiegt. Dieser lautet: ״Der Verband jüdischer Frau« für Palästina-Arbeit •׳•״־־.bttet׳ י■die-deutsche־ Föderation־-*■der Wizo. Er ־׳umfaßt Zibnistiimen und Nichtzionistinnen. Der Verband stellt sich die Aufgabe, die jüdisch« Frauen in Deutschland zum Palästina-Aufbau heranzuziehen, sie mit den Tat• Sachen und Problemen des kulturellen und sozialen jüdi• sehen Lebens vertraut zu machen, und darüber hinaus seine zionistischen Mitglieder eng mit der zionistischen Arbeit zu verbinden.“ Teilnehmer der Vertreterversammlung waren neben den meisten Vorstandsmitgliedern beider Verbände und Vertrete* rinnen der Berliner Gruppen der Frau«-Arbeitsgemeinschaft für Palästina (in welcher die Fusionierung der Gruppe des Kulturverbandes und des Bundes sich für Berlin bereits im vorigen Jahre vollzogen hatte! die Delegierten der folgenden Orte: Barmen, Beutn«, Breslau, Dessau, Dresden, Duisburg, Frankfurt a. Main, Hamburg, Leipzig, Lübeck, Nürnberg, Wiesbaden. Zur Einleitung der Tagung hatte Frau Kareski in einer besonders gastlichen Art die Delegiertinnen und führenden Frauen der Berliner Arbeit in ihrem Hause zusammengebeten. Frau N a t h a n, die Leiterin der Berliner Jüdischen Grundschule in der Fasanenstraße, hielt an diesem Abend ein Referat über jüdische Erziehungsfragen. Sie sprach unter Berücksichtigung der bestehenden Widerstände über den Wert der Erziehung in der jüdischen Schule. Ihre Rede, und noch mehr ihre ins einzelne fehenden Ausführungen in der Diskussion haften den Erfolg, aß viele der Frauen, die der jüdischen Schule widersprochen hatten, verstanden, daß diese den Weg zeigt, um den Kindern den neuen Anschluß an das Judentum zu geben, den sie alle suchen. Die eigentliche Tagung fand am Dienstag, dem 12. November im Sitzungssaale der Zionistischen Vereinigung statt Die geschlossene Vormittagssitzung galt ausschließlich der Frage der Fusionierung. Sie wurde nach einer kurzen Begrüßung der Leitung und des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, durch «in einleitendes Referat von Frau Blumenfeld eröffnet, welches die entscheidenden Gründe für die Fusionierung nochmals zusammenfaßte. Die Widerstände, die in der Diskussion auftauchten und die durch einige nichtvertretenc Gruppen vorher schriftlich formuliert waren, gingen in ihrer Mehrheit von der Befürchtung aus, daB die Verbindung mit den Neutralen die geschlossene Arbeit der Zionistinnen hemmen könnte. Die wiederholte Darlegung von dem Wesen des neuen Verbandes, der die zionistischen Gruppen überall da, wo dies als wünschenswert erscheint, in ihrer früheren Art in sich aufnehm« und erhalten, und seine nichtzionistischen Mitglieder über das Palästina-Werk informieren wird, ohne ihnen die zionistische Entscheidung aufzuzwingen, überzeugte fast alle Delegierten. Die Annahme der Fusionierung erfolgte mit 38 Stimmen gegen eine Stimme bei einer Stimmenthaltung. Die spätere Annahme der Statuten und die Wahl des Vorstandes erfolgte einstimmig. Durch die Vorstandswähl wurden die bisherigen Führerinnen des Bunde? und des Kulturverbandes zu einer einheitlichen Leitung verbunden. Erste Vorsitzende des Verbandes ist Frau Dr. Marie Mayer, stellvertretende Vorsitzende sind Frau Jenny Blumenfeld und Frau Edith Hirsch. Die übrigen Mitglieder des Vorstandes sind (in alphabetischer Reihenfolge) die Damen: Bergel-Gronemann, Dr. Britschgi-Schimmer, Rabb. Dr. Eschelbacher, Frankenstein, Gronemann, Grubwieser-Hauser, Kareski, Kober, Prof. Lewin, Leszynsky, Dr. Stein, Tbeilhaber, Dr. Turnowsky, Wag- «er-Tauber, Prof. 'Warburg, Wronsky, Dr. Zadik, Dr. Zamory (Berlin). Daneben die noch zu nominierenden Vertreterinnen der Ortsgruppen in Beuthen, Breslau, Danzig, Dresden, Duisbürg, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Königsberg, Leipzig, München, Nürnberg. Der Nachmittag der Vertreterversammlung, zu dem ein erweitertcr Kreis eingeladen war, galt d« wlchtigst« Frag« der Arbeit. Es wurden folgende Referate gehalten: Dr. Margarete Turnowsky: Bericht über die V. Konferenz der Wizo; Dr. Marie Mayer: Erfolge und Ausbaumögiichkeiteti der Gruppenarbeit; Dr. Nadja Stein: Die Mitwirkung der Frauengruppen bei der Arbeit des KKL; Berge I-Gronemann: Unsere Beziehungen zum Jüdischen Frauenbund; Dr. Edith Hirsch: Möglichkeiten für den erweiterten Absatz palästinensischer Handarbeiten. Dazwischen sprach ein Vertreter des Hechaluz über die Notwendigkeit der systematischen Mitarbeit der Frauen bei der Schaffung eines Ausrüstungsdepots für Chalurim. Frau Bergel-Gronemann sprach 11. a. den allgemeinen Profest gegen die Unterschriftsleistung von führenden Frauen des Jüdischen Frauenbundes unter die Erklärung der deutsch« Juden aus. Die anschließende Diskussion behandelte vor allem die Erfahruugen und Forderungen in der Gruppenarbeit und die Möglichkeiten für den Ausbau der Arbeiten im Interesse des KKL Technische Gründe hatten zu einer übermäßigen Zusammendrängung des sehr groß« Stoffes gezwungen. Trotzdem brachte die Aussprache für jede einzelne der Teilnehmerinnen neue Anregung« und eine Klärung von Arbeitsproblemen. Sie war wertvoll, weil sie int Zusammenhang mit der Vormittags- Sitzung, alle Mitarbeiterin« über das Organisatorische hinweg in das Zentrum der Arbeit hineinftihrte. M. T.-P. Der Jafla«Streik Bant ab Jerusalem, 27. November. (J. T. A.) Der Generalstreik in Jaffa, der als Protest gegen die Verhaftung* und zum Teil Verurteilung einiger Führer der Bewegung für Boykott der Juden eingesetzt hatte, dauert fort, die Erwartung aber, daß sieh der Streik auf andere Städte ausdehnen wird, hat sich nicht erfüllt. Die Agitatoren haben nicht den Mut, den Streik abzubreehen, halten sich aber andererseits In der Propaganda sehr zurück. Sie scheinen die Kontrolle über die Lage verloren zu haben; arabische Kaufleute, die an dem Streik teilnehmen, erklären, es herrsche Direktionsloslgkeit. Die Agitatoren fürchten hervorzutreten, da sie nun einsehen, daß die Regierung vor der Anwendung der neuen Bestimmung des Aufruhrgesetzes auch gegen hochstehend« Araber nicht «rückschreckt Henriefla Szold für Verständlgangspolllik Atlantic City, 18. November. (J. T. A.) Miß He» riette Szold, Mitglied der Zionistischen Exekutive Palästina» und Ehrenpräsidentill der Frauenorganisation ״Hadassah", hieb auf der fünfzehnten Jahresconvention der ״Hadassah“ in Mao rika, die in Atlantic City stattfand, eine Ansprache, in der si» ungefähr ausführte: Juden und Araber werden und müssen Zusammenkommen, um die Probleme Pa listinas, die sie gemeinsam angehen, einträchtig zu lös« Man darf nicht die Araber als ein inferiores Volk anseh« auch ist es flicht wahr, daß sie sich alle von ״Agitator«" führen lassen. Der Jude darf nicht in der Einbildung leben daß jeder Araber ein Monstrum ist Die Ansprache von Mif Szold, die seit ihrer vor zwei Jahren erfolgten Abreise nach Palästina zum ersten Male wieder in einer Versammlung it Amerika öffentlich auftrat, wurde mit viel Beifall aufgenomtn« Ans der deutsch-jüdischen Jagendbewegung Am 20. November fand in Berlin eine Aussprache von etwa 40 Aelteren der deutsch-jüdischen Jugendbewegung vornehmlich aus dem Aelterenbund Kameraden, dem wanaerbund der Kameraden und der Deutsch-jüdischen Jugendgeraeinschaft über die politischen Ereignisse innerhalb des deutsehen Judentums statt, Dabei kam zum Ausdruck, daß die Mitarbeit an der Jewish Agency und am Palästina-Aufbau aus Verantwortungsgefühl vor den gesamtjüdischen Aufgab« notwendig sei. Es müsse aber gegenüber einigen Auslassung« von zionistischer Seite betont werden, daß dieser Kreis nach wie vor seine Hauptaufgaben Innerhalb des deutschen Judentums sähe. Man war sich darüber einig, daß der Kampf antizionistischer Kreise gegen Palästina-Auf bau und Agency gerade von den Aufgab«, die dem deutschen Judentum gestellt sind, abführe und insbesondere nicht geeignet sei, die politische Atmosphäre zu entgiften. Es ist beabsichtigt, den Kreis der Aelteren zu erweitern und in ihm die jeweilig wichtig« Ereignisse zu besprechen. In Jerusalem starb der reiche Lodzer Kaufmann Alexander Dischkin im Alter von 78 Jahren. Der Verstorbene war durch seine wohltätigen Stiftungen in Lodz und Palästina in weit« Krtisen bekannt