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Jüdische Rundschau · 1929-12-03 · Heft 95 (3.12.1929) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 95 (3.12.1929)
Date
1929-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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K 95, 3. XU 1929 JÜEDISCRE RUNDSCHAU Sehe 03? Der Aufmarsch der Araberfreunde Die Arbeii der Untersudlungskommission . Nachstehend geben wir weitere Teilberichte der J. T. A. über die Verhandlungen vor der Untersuchungskommission in Fortsetzung unserer früheren Berichte wieder. Major A. T. O. L e e s vom Ordnungsdienst im Jerusalemer Distrikt, der von arabischer Seite als Zeuge zitiert wurde, schilderte vor der Untersuchungskommission den Verlauf der Ereigntsse vom t7. bis 23. August, der den Unruhen vorangegangenen Woche. Der arabische Anwalt versuchte darzufegen, daß die Araber in einem Zustand der Furcht vor jüdischen Angriffen sich befunden haben. Lees kritisierte das Verhalten der jüdischen Menge an der Klagemauer am Sonnabend nach der arabischen Gegendemonstration. Er war besonders unanfenehm berührt durch die Art, wie einige Juden den Muezzin, er über die Klagemauer erschien und die Moslems zum Gebet aufforderte, zu übertönen versuchten. Er, Lees, habe eine von Panik ergriffene arabische Faatilie aus dem jüdischen Stadtviertel Machnajim fortgebracht. Im Aufträge des stelivertretenden Distriktsoffiziers Cust habe sich Lees in die Dörfer begeben, um die Dorfbewohner, die um das Schicksal ihrer Verwandten in Jerusalem besorgt waren, zu beruhigen. Er versprach ihnen, daß die Regierung die Araber schützen wird. (!) Araber des E)orfes Liftah und anderer Dörfer hatten Klage darüber geführt, daß sie von Juden angegriffen wurden, sie forderten die Durchsuchung der jüdischen Wohnungen nach Waffen. Die Juden, sagte Lee», haben mich, als ich in ihre Viertel kam, sehr kühl empfangen. Lees sprach in herabsetzendem Tone von den polnischen und russischen Juden. Am 24. August wohnte er einer Zusammenkunft im Büro des Distriktskommissars Keitli Roach bei, der auch der Groß-Mufti beiwohnte. Der Groß-Mufti fragte Herrn Keith Roach ärgerlich, warum er nicht auch die jüdischen Notabein zusammengerufen habe, um sie zu ersuchen, Frieden zu halten. Als er, Lees, mit einigen Mukktars (Dorfältesten) durch Jerusalemer Straßen fuhr, wurde sein Auto von den Juden mit Steinen beworfen. Major Lees erzählte vor der Kommission, daß Araber getötet wurden, die Juden in ihren Häusern in Surbahr beherbergten. Sir Boyd Merriman fragte den Zeugen, wer diese Araber getötet hat Lees antwortete, er wisse es nicht. Sir Boyd bemerkte, er als Offizier müsse es doch wissen, daß diese Araber von britischen Soldaten erschossen wurden, die sie für Plünderer hielten. Lees behauptete weiter, die Juden hätten drei arabische Häuser geplündert, von denen eines einem Verwandten des Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, gehörte. Sir Boyd Merriman erklärte, diese Behauptung sei ganz neu und stellte fest, aaß Major Lees stets für die Araber Partei nimmt und in die Araber von Liftah, die im ganzen Lande verrufen sind, geradezu verliebt ist. Seine Protokolle behandeln ausschließlich ״jüdische Angriffe auf Araber“ und enthalten kein Wort von arabischen Angriffen auf Juden. Auf Befragen von Sir Boyd Merriman mußte Lees zugeben, daß der High Commissioner Sir John Chancellor selbst Lees wegen seiner ©inseitigen Berichte getadelt hat. Sir Boyd brachte durch sein Kreuzverhör Lees schließlich dazu, zuzugeben, daß die Juden nichts mit der Tötung der zwei Araber in Surbahr zu tun hatten und daß die Behauptung der Arabischen Exekutive, daß die Juden ihre Beschützer in Surbahr verraten hatten, keinerlei Grundlage haben. S. Moody, einer der Hilfssekretäre der Palästina-Regierung, schilderte den arabischen Aufruhr am 23. August. Er wurde von der Menge für einen Juden gehalten und angegriffen. Er kam zum Mufti und forderte ihn auf, die Menge zu beruhigen. Der Mufti rief der Menge zu, kehrt in eure Häuser zurück, die Regierung wird für das vergossene Blut der Araber verantwortlich sein. Gegen Moody sprach der Mufti die Warnung aus, daß man aut die Menge nicht schießen dürfe, da sonst eine sehr ernste Situation geschaffen sein würde. Der Mufti konnte sich bei der Menge nicht mehr Gehör verschaffen, der Mob raste, und Moody konnte den Mufti nur unter Schwierigkeiten in sein Haus zurückbringen. Der Hilfssekretär Oeorge Antonius, dessen Aussage wir in der vorigen Nummer ausführlich wiedergegeben haben, erklärte auf Befragen Sir Boyds, daß der Großmufti nach den Unruhen im Jahre 1921 in contumaciam verurteilt worden sei. Sir Boyd ergänzte diese Mitteilung durch die Hinweise, daß der Mufti sein Wort gebrochen habe und aus dem Lande geflohen sei, daß der damalige High Commissioner Sir Herbert Samuel den Mufti in die damals proklamierte allgemeine Amnestie nicht einschloß und daß der Mufti erst später auf Grund einer Sonderpetition begnadigt wurde. In der Nachmittagssitzung vom 26. November sagte der Postbeamte Alan Watkin aus, er habe am 23. August beobachtet, wie Juden vom Dache eines Hauses in der Jaffastraße Wurfgeschosse auf de n vorbeiziehenden Trupp der Araber aus Liftah geschleudert haben. Viscount Erleigh, der zweite Anwalt der Zionistischen Exekutive, wies darauf hin, daß zur Zeit, wo der vom Zeugen erzählte Vorfall sich abgespielt haben soll, bereits zwei Juden, einer in der Jaffastraße und einer am Jaffator, getötet worden waren. Der britische Polizist Dove sagte aus, am 23. August, 1-2,30 Uhr, habe er mit acht anderen Polizisten in der Straße der Propheten etwa 20 bis 30 mit Stöcken bewaffnete Araber gegen das Stadtviertel Mea Schearim zu abgedrängt. Am anderen Ende der Mea Schearim-Straße waren mehrere Juden versammelt. Die Araber versuchten, durch die jüdische Menge durchzubrechen. Plötzlich hörte er, Dove, einen Schrei, dann sah er, wie ein arabischer Polizist sich über einen schwer blutenden Araber beugte. Er brachte den Mann im Auto ins Regierungshospital, wo der Arzt Dr. Sternberg den bereits eingetretenen Tod feststellte. Sir Boyd Merriman fragte Dove, ob der geschilderte Vorfall sich nicht erst um 1.30 Uhr ereignet hatte. Dove erwiderte, es konnte nur zwischen 12,30 und 1 Uhr geschehen sein; obwohl er nicht auf die Uhr sah, sei er in bezug auf die Zeit nicht im Zweifel. Als er, erzählt er weiter, den Toten in das Hospital abgeliefert hatte, kehrte er nach Mea Schearim zurück, wo die Araber inzwischen vorgerückt waren. Von der Seite der Juden fielen Schüsse, Dove sah, wie zwei von Juden geworfene Bomben explodierten und einen Araber verletzten. Die Araber schossen nicht. Als sie sich zurückzogen, rannten mehrere Juden auf «neu Verwundeten zu und schlugen ihn. Der arabische Polizist Saleh Sayed sagte aus, er habe den tödlich verwundeten Araber, von dem Dove berichtete, «och vor 1 Uhr entdeckt .Im Hospital hat Sayed erzählt, er habe den Mann um 1,30 Uhr aufgefunden; vor der Kornmission besteht er darauf, daß es vor 1 Uhr war. Der Hilfsinspektor des Kriminaldepartements, Edward Cosgrave, verlas eine Liste von Klagen über Angriffe am 17., 18. und 19. August. Er weigerte sich, Informationen, über den Fall des im Mea Schearim-Viertel verwundeten Arabers zu geben, weil die Untersuchung über diesen Fall noch nicht abgeschlossen ist. Scheich Tuflk Ke mal von der Moschee in dem ausschließlich von Juden bewohnten Stadtviertel Sichron Mosche sagte aus, am Morgen des 24. August, 10,30 Uhr, befanden sich zahlreiche Juden vor seinem Hause in der Nähe der Moschee, unter ihnen waren vier Zionisten, die Eisen- Stöcke trugen, er erkannte sie an den weißen Kniehosen. Nach zehn Minuten entfernten sie sich von dieser Stelle. Sein 16jähriger Sohn, der sieben Jahre lang eine hebräische Schule besuchte und hebräisch versteht, legte eine zionistische Tracht (?) an und ging zur Polizei, um diese um Schutz zu bitten. Nach etwa 40 Minuten kehrte er mit einem Polizeitrupp, der auf zwei Autos anfuhr, zurück. Der Scheich und seine Familie verließen in einem Polizeiauto das Haus, von dem sie bis zum 27. August fern blieben. An diesem Tage hörte er, daß der moslemische Oberste Rat die Befürchtung aussprach, die Juden könnten sich an seiner Moschee vergreifen. In Begleitung einer Polizeigarde, die der moslemische Rat erwirkte, begab er sich nun zu seiner Moschee und entdeckte, daß ln sie eingebrochen worden war. Auch sein Haus und die heiligen Gräber waren beschädigt. Nachbarn erzählten ihm, dal am 26. August frühmorgens die Juden dort eingebrochen waren. es verhindert, daß der Aufruhr auf Haifa Übergriff. Sie, die Zeugin, habe quasi als Vertrauensagent gewirkt und sich bestrebt, den Arabern den englischen Standpunkt zu interpe* tieren. Sie half auch, Beziehungen zwischen den Arabern und der Administration herzustellen. Wadi Bustani (derRädelsfiibrer bei verschiedenen arabischen Angriffen auf Bearbeiter jüdischen Bodens) habe sie über die Bodenzwistigkeiten in Kabarra und Afuleh, wo 1925 ein Araber getötet wurde, direkt informiert. Sie habe Entscheidungen der Regierung ln Bodenangekgenheiten als ungerecht empfunden. Es entspann sich eine allgemeine Aussprache über die Boden-Rechtsverhältnisse in Palästina. Zum Schlüsse ihrer Aussage hielt Miß Newton eine Ansprache, in der sie ausführte, sie wollte nicht nur der Not der Araber, sonder« auch der tiefen Dankbarkeit derselben gegenüber der britischen Administration für die verbesserten Erziehungs-, Oesundheits- und Rechtsverhältnisse Worte leihen. Sir Boyd Merriman verlas einen Auszug aus dem Bericht der Palästina-Regierung an die Mandatskommission des Völkerbundes über den Kabarra-Streit und protestierte dagegen, daß die Zeugin eine ihr vom Agitator Wadi Bustani erzählte Geschichte vor der Kommission als Tatsache vorbringt, ohne daß sie überhaupt die Situation zu beurteilen vermag. Der Reglerungsanwalt Preedy forderte Miß Newton auf, ihre Behauptung, britische Offiziere hätten ihr vertrauliche offizielle Dokumente gezeigt, zurückzunehmen, weil sie durch diese Bchauptung die Offiziere des Vertrauensbruchs beschuldigt Miß Newton gab dieser Aufforderung nicht Folge und sagte, sie brauche Zeit, um darüber nachzudenken, was sie hier vorgebracht habe. Wissen Sie, daß Juden drei Tage lang auf Anordnung des Waad Leumi die Moschee bewachten? fragte Sir Boyd den Scheich? Scheich Tufik Kemai erwiderte, daß er dies nicht wisse. Der Araber Abd ei Kader Rasdid sagte aus, am 15. August sah er eine jüdische Prozession, der eine Fahne auf Halbmast vorangetragen wurde und deren Teilnehmer mit Stöcken und Eisenstäben bewaffnet waren, auf die Klagemauer zu sich bewegen. Er folgte der Prozession. Er, der hebräisch versteht, hörte die Rufe: ״Nieder mit unseren Gegnern!“ ״Der Buraq gehört uns, die Kiagemauer gehört uns!“ ״Nieder mit denen, die unsere heilige Stätte schmähen!“ Der Zeuge zeigte der Kommission eine Anzahl ״Misrach“־ Bilder, die er vor dreieinhalb Jahren In einem jüdischen Laden in der Jerusalemer Altstadt erworben hat. Vor drei Jahren übergab er die Bilder dem Obersten Moslemischen Rat, der sie zur Prüfung nach Mekka sandte. Eines der nach Mekka gesandten Misrachl-Bilder zeigte die Omar- Moschee, über der die zionistische Fahne weht Diese Bilder sehen so aus, bemerkte der Vorsitzende Sir Walter Shaw, daß man sie als Andenken nach London mitnehmen könnte. Sir Boyd fragte den Zeugen: Wollen Sie behaupten, daß diese Bilder das arabische Gefühl verletzten? Statt des Zeugen antwortete der Sekretär der Arabischen Exekutive, Moghanan Elias Effendi: So ist es. Der Zeuge •AM «1 Kader Rasdid gab auf* Befragen *ZU, daß er früher Redakteur des offiziellen Organs des Moslemisehen Rates ״Jamea el Arabia“ war und jetzt als Uebersetzer bei der arabischen Exekutive tätig ist Er sagte weiter: Jeder Moslem, der hört, daß Juden nach Palästina zurückkehren wollen, mag diese Rückkehr auf ein Prophetenwort basieren oder nicht, vermutet «ine jüdische Angritfsabsicht. Sir Boyd bemerkte, ״kein Araber hätte je für Misrach-Bilder sich interessiert, wenn nicht der Groß-Mufti alle in den jüdischen Läden vorhandenen Exemplare aufgekauft hätte.“ Der Klagemauer - Muezzin als Zeuge Als Zeuge erscheint Hadsch Hassan el Zahani, ein junger m־״okkanischer Araber, der dem Scheich der kleinen moslemisc 'ien Kapelle über der Klagemauer assistiert und als Muezzin über der Mauer während der jüdischen Kundgebung am Tischa b’Aw amtierte. Er sagte aus, daß er erst seit acht Monaten in Palästina weile. Ein Jude habe ihm ״Esel“, zugerufen und ein anderer zu ihm gesagt: Deine Religion sei verflucht. Hier bemerkte der Anwalt der Arabischen Exekutive, daß Zahani auch bespuckt worden sei, worauf nach ottomanischem Gesetz Gefängnis bis zu drei Jahren steht. Auf Befragen von Viscount Erleigh gab der Zeuge zu, daß der ausspuckende _ Jude mindestens 50 Fuß von ihm entfernt war, so daß es sich nur um ein symbolisches Spucken handelte. Miss Newton als Zeugin Die Engländerin Miß Frances Newton, die seit 1889 mit kurzen Unterbrechungen in Haifa wohnt und die in der_ letzten Woche am Tisch der Anwälte der Arabischen Exekutive saß, wurde heute als Zeugin vernommen und drei Stunden lang verhört. Sie verlor oft die Beherrschung und stellte zum Schluß des Verhörs das ungewöhnliche Ansuchen, daß man ihr das Protokoll zu lesen gebe, damit sie einige von ihr leichtsinnig aufgestellten Behauptungen streichen könne. Sie ist, wie sie sagte, ein führendes Mitglied der Londoner Pro-Arab Womens National and Political League und erzählte, daß während der Militäradministration unter General Sir Louis Bois britische Beamte ihr offizielle Dokumente gezeigt hatten, -damit sie in die Lage komme, die arabische Bevölkerung hinsichtlich der britischen Intentionen in Palästina zu beruh ig e n. Der Regierungsanwalt Kenclm Preedy tadelte die Zeugin wegen ihres Vertrauensmißbrauchs, ihren weiteren Aeußerungen war zu entnehmen, daß sie Herrn Jcffriers, dem damaligen Korrespondenten des Daily Mail in Palästina, viel Material für seine Artikel geliefert hat, die auch später unter dem Titel ״The Palestine Deception“ (Die Palästinatäuschung) erschienen. Kenelm Preedy forderte Miß Newton auf, den Offizier zu nennen, der sie informiert hat. Es stellte sich heraus, daß es nicht General Bois selbst, sondern sein Militärgouverneur von Haifa war. Unter den vertraulichen Informationen, die Miß Newton dem Zionistengegner Jeffriers lieferte, befand sich auch die Abschrift einer privaten Depesche von Sir LouiS Bois «an das Hauptquartier der ägyptischen Expeditionsarmee, in der Bois von aer auf seiten der Zionistischen Organisation herrschenden Halsstarrigkeit spricht. Vor 1914, sagte Miß Newton, habe sie nie von irgendwelcher Erregung hinsichtlich der arabisch-jüdischen Beziehungen gehört; als sie 1919 nach Palästina zurückkehrte, konnte sie eine Erregung unter den Arabern feststeilen, die glaubten, das Land sei den Juden ausgeliefert worden. Die Juden ihrerseits haben den Arabern öfter! Ursache gegeben zu glauben, daß sie, die Juden, sich als die Herren des Landes fühlen. Sie, die Zeugin, selbst sei oft von Juden angerempelt worden. Als im April 1920 in Jerusalem I Unruhen stattfanden, hüben ihre arabischen Freunde aus Haifa * Am 28. November verhörte die Kommission Selim Effendi Farach, der besonders über die Bodenrechtsverhältnisse und die Landwirtschaft der Fellachen ein ausführliches Gutachten abgab. Er war, wie die ״Times“ hervorhebt, der erste Zeuge, der der Kommission die komplizierten Rechtsverhältnisse und das Gewohnheitsrecht in bezug auf Pacht und Nutzung des Bodens auseinandersetzte. Der Zeuge beschäftigte sich zunächst hauptsächlich mit dem Schicksal der arabischen Stimme, die vor 1921 im Emek Jesreel Boden gepachtet hatten. Wenn ein arabischer Pächter auf Boden saß, der früher dem Sultan, Abdul Hamid gehört hat, dann gab man diesem Pächter das Recht, den Boden gegen Bezahlung von 1 Pfund pro Dunam für unbewässertes und ll/2 Pfund für bewässertes Land zu Eigentum zu erwerben. Der Rechtstitel der Familie Sursuk, von der die Zionisten das Emek Jesreel gekauft haben, war aber in keiner Weise stärker als der des Sultans Abdul Hamid. Nun vergleiche man einmal das Schicksal der beiden Kategorien von Pächtern! Die einen haben ihr von alters her bearbeitetes Land behalten, die andern aber wurden zu heimatlosen Wanderern. Die Zionisten haben die besten Teile* det- Eba« JesreeHind^der Ebene Scharon erworben ta4•' den Arabern nur die ungesunden subtropischen Gebiete bei Beisan überlassen. Durch das Verschwinden der arabischen Bauern im Emek Jesreel sind auch die arabischen Kaufleute in Nazareth, die ihre Käufer verloren, schwer geschädigt worden, denn die Zionisten kaufen nicht bei ihnen, die Pilger und Touristen aber stad für die Eingeborenen von Nazareth wertlos. Am Vormittag des 29. November setzte der Zeuge seine Aussage fort und bemüht sich nachzuweisen, daß die von den Zionisten übereilt in Palästina eingeführten landwirtschaftlichen Methoden das Land geschädigt haben. Hierauf folgte eine weitere Reihe von Zeugen, die von den Arabern geführt wurden. Ein gewisser Alfred Roch, der sich als ein Nachkommen der Kreuzfahrer bezeichnete, erzählte, er habe an einer zionistischen Versammlung in Straßburg am 4. Oktober teilgenommen, wo Dr. Schram e c k gesagt haben soll, die jüdische Demonstration an der Klagemauer sei veranstaltet worden, um größere Spenden für den Jüdischen Nationalfonds zu bekommen (!) Bei der Ver- Sammlung sei auch ein von Ussischkin unterschriebener Aufruf verteilt worden. Ein deutscher Zeuge Der nächste Zeuge Dr. Oskar Schtitzinger vom Deutschen Hospital in Jerusalem machte seine Aussage in deutscher Sprache. Er erklärt, er sei Augenzeuge gewesen, wie am 29. August vor seinem Hospital ein a r a b i - scher Fellach von Juden getötet wurde. Eta anderer Christ namens Belenfanti erzählte, er habe am 17. August beobachtet, wie Araber von Juden belästigt wurden, insbesondere wie vier Juden einen Araber festhielten und andere auf ihn losschlugen. Der nächste Zeuge Hadsch Taufik Hamtnad, der vor dem Krieg sechs Jahre lang Mitglied des türkischen Parlaments und sechs Jahre Bürgermeister von Nablus war, erklärte, er sei überzeugt, daß die Zionisten nicht nur die Majorität im Lande bekommen wollen, sondern auch die moslemischen Heiligen Stätten, den Felsendom, die Aksa-Moschee und den ganzen Platz der Moschee, auf welchem einst der Tempel erbaut war, in ihre Gewalt bekommen wollen. Erklärungen von zionistischer Seite, daß die Zionisten beschränktere Ziele anstreben, hält er für unglaubwürdig, weil sie im Widerspruch stehen mit ihren Taten. Der Zeuge erklärte weiter, daß sein Verdacht und seine Befürchtungen von weitesten Kreisen der moslemischen und christlichen Araber im Lande geteilt werden. Eta anderer gleichfalls sehr bejahrter Zeuge bestätigte diese Meinung und sagte, das einzige Heilmittel für das Land sei die Einführung eines konstitutionetlen Systems mit einem Parlament Der Muni Das von Berliner Zeitungen verzeichnete Gerücht vom Rücktritt des Groß muf ti von Jerusalem beruht — wie der J.T.A. aus Jerusalem telegraphiert wird — nicht au» Wahrheit Die arabische Zeitung ״EI-Mu stak im“ in Jaffa, die bisher wöchentlich zwei Ausgaben veröffentlichte, teilt mit daß sie künftig jeden Tag erscheinen wird. Die genannte Zeitung ist das vierte arabische Blatt, das seit dem Beginn der Unruhen dazu übergegaagen tat״ täglich zu «־*chdaen.

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