Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 95 (3.12.1929)
- Date
- 1929-12-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 636 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 95, 3. XI. 1929 Die Affäre Magnet Im Anschluß an die auch von uns in dem von der J. T. A. übermittelten Text wiedergegebene Rede von Dr. Magnes bei der Eröffnung des Semesters der Universität Jerusalem hat sich in einem Teil der jüdischen Presse, insbesondere in Amerika, ein Sturm des Protestes erhoben. Auch haben verschiedene amerikanisch-jüdische Institutionen Protestresolutionen gegen Dr. Magnes beschlossen und seinen Rücktritt als Kanzler der Universität gefordert. Derartige Beschlüsse haben z. B. das Administrative Committee des ״Amerikanisch-jüdischen Kongresses״ und das Exekutive-Komitee des ״Jüdischen Rates für Groß-New-Vork" gefaßt. Angesichts des Wortlauts der Rede von Dr. Magnes, der von den palästinensischen Zeitungen voll veröffentlicht wird, wäre diese Protestbewegung schwer verständlich, wenn nicht mit dem Namen von Dr. Magnes eine andere Ange- 1 e g e n 11 e i t verbunden wäre, über die die Oeffentlichkeit bisher nicht authentisch unterrichtet ist, über die aber doch Nachrichten durchgesickert sind. Verschiedene jüdische Zeitungen veröffentlichen Berichte über die jüngst abgehalteue vertrauliche Sitzung des Waad Leumi, in welcher Magnes in einer einstündigen Rede über verschiedene von ihm geführte Aktionen berichtet haben soll. Danach hat Magnes mit dem bekannten englischen Orientschriftsteller Philby, der sich auf seiner Reise nach Dschidda (zu Ihn Saud) in Jerusalem aufgehalten hat, über einen jüdisch-arabischen Ausgleich verhandelt, ohne die für solche Verhandlungen allein zuständige Stelle, die Exekutive der Jewish Agency, auch nur Informiert zu haben. Es scheint, daß Philby, der früher bekanntlicli in englischem Staatsdienst und eine Zeitlang englischer Vertreter in Transjordanien war, seit Jahren jedoch aus dem Staatsdienst geschieden ist, von keiner Seite zu Verhand- Jungen autorisiert war, und manche Kreise sind der Meinung, daß sein Angebot als eine Falle zu betrachten ist. Es scheint auch, daß offizielle englische Stellen über die Tätigkeit von Dr. Magnes informiert wurden, ohne daß die Jewish Agencyund Dr. Weizmanndavon Kenntnis hatten. Der Waad Leumi hat diese Haltung von Dr. Magnes mißbilligt (dies der Sinn der bisher mystisch klingenden, von uns seinerzeit veröffentlichten Resolution über ״nationalc Disziplin“), und die durch diese Affäre entstandene Erregung ist offenbar auch der wahre Grund der gegenwärtigen Protestbewegun g. Wir haben bereits in Nr. 93 der ״Jüd. Rundschau“, als nähere Details dieser Sache noch nicht verfügbar und sic nur Eingeweihten bekannt war, ausgesprochen, daß politische Verhandlungen, die die künftige Stellung der Juden in Palästina präjudizierten, ein Reservat der Exekutive bzw. des Präsidenten der Jewish Agency sind. Ohne von dieser Stelle autorisiert zu sein, darf niemand Verhandlungen führen, da sich daraus nur schädliehe Wirkungen ergeben können. Wir müssen daher das Verhalten von Dr. Magnes in dieser Sache auch unsererseits auf das Entschiedenste verurteilen. Es geht hier nicht um die Frage, ob man eine arabisch - jüdische Annäherung für notwendig oder wünschenswert hält, sondern es geht um die gerade in einer so schwierigen Lage besonders bedeutungsvpie welcher Weise, von wem und mit wem VerhandloÄgeh geführt werden. Der Präsident der Jewish Agency wird gewiß die Unterstützung der ganzen Bewegung finden, wenn er sich gegen solche Aktionen zur Wehr setzt. Wir sind überzeugt, daß auch alle verantwortlichen Stellen, an die diese Angelegenheit etwa herangebracht wurde, sich darüber klar sind, daß es sich um persönliche Aktionen eines Außenseiters handelt, die in keiner Welse die Jewish Agency bzw. die jüdische Gesamtheit verpflichten. Man sollte diese Angelegenheit ganz klar stellen und damit zu einem Abschluß bringen, statt eine Agitation gegen eine Kundgebung zu führen, die zu einer Protestaktion nach unserer Meinung nicht den geringsten Anlaß bietet. Palästinensische Unruhe Chronik Jerusalem, 30. November. (J.T.A.) Gegen das Plantagen-Gebiet ״Tel Mond“ in der Nähe von Tulkeram, das Lord Melchett gehört, wurden in der Nacht von unbekannter Seite Schüsse abgegeben; niemand wurde verletzt. Die Misracbi Kwuzah im Tale Jesreel wurde beschossen, die Telegraphendrähte zur Siedlung wurden zerschnitten. Von den in Jaffa verhafteten acht Rädelsführern der Boykottpropaganda wurden weitere drei nach Safed, Beisan und Bethlehem verbannt. Somit sind bereits sechs von den acht Rädelsführern aus ihrem bisherigen Wirkungskreis entfernt worden. (Drei sind schon früher nach Jericho, Dschenin und Na/a- -eth verbannt worden.) Das Boykottkomitee der Arabisch en Exekuive veröffentlichte einen Aufruf an die arabische Kaufmannschalt, sich mit nur kleinem Verdienst zu begnügen und billig m verkaufen, um arabische Käufer von jüdischen Geschäften ,vegzuziehen. Die Kolonisten von Ain Sethin in der Nähe von Safed über- •eichten dem Oberkonimissar ein Memorandun^ in welchem die v'amen der arabischen Dörfer, die sich an der Zerstörung von Ain Se'thin beteiligt haben, genannt werden und ihre Besiraftmg gefordert wird. (In Ain Sethin wurden bekanntlich drei Kolonisten ermordet.) Der Jerusalemer Jude Arje Nissenbaum, bei dem ein Revolver gefunden wurde, wurde zu zwei Monaten Gefängnis )der 15 Pfund Geldstrafe verurteilt. Die Untersuchung gegen len jungen Juden Benzion Misrachi, der des Raubes und fer Brandstiftung beschuldigt war, ist eingestellt worden, weil!ich seine Unschuld herausgestellt hat. Die arabische Bevölkerung von Gaza ist in einen Proeststreik getreten, weil der Jaffaer Polizeichef den arabi- ׳.chcn Anwalt aus Gaza, Ruschdi Shawah, beleidigt haben soll. Die Arabische Exekutive sandte an Sir John Chan- ־01! 01־ ei!! Telegramm, in welchem es heißt: Obwohl wir immer gegen die Tätigkeit des Herrn Norman Bentwich als ..■berstaatsanwalt protestiert haben, bedauern wir und verurteilen wir den Anschlag auf sein Leben, da jede Art Gewalttat unseren Methoden zuwider ist. Fm Aufträge des Oberrabbinats von Jerusalem haben drei von britischen Soldaten begleitete Autos 32 Thorarollen, die während der Unruhen in Hebron von den Arabern geschändet und schwer beschädigt wurden, nach Jerusalem gebracht. Sie waren bisher auf der Polizeistation von Hebron in Aufbewahrung. Sokolow in Bukarest Sitzung der Jewish Agency-Mitglieder für Großrumänien. Anläßlich der Anwesenheit des Präsidenten der zionistisehen Weltexekutive, Herrn Nahtitn Sokolow, fand, wie schon kurz gemeldet, Sonntag, den 24. November 1929, um 4 Uhr nachmittags, im Zionistenheira, str. Carol 81, eine Sitzung der Mitglieder der Jewish Agency aus Großrumänien statt. — Den Vorsitz führte Herr Sokolow. Es nahmen folgende Mitglieder und Ersatzmitglieder der Jewish Agency an der Sitzung teil: Sami Almosnino, Napoleon Arie, Ely Berkowitz, Dr. Josef Be rkowitz, I. Bern §er (Beßarabien), Ad. Bernhardt, Av. M. Benvenisti, enator Dr. Mayer Ebner (Bukowina), Dr. W. Filde rmann, Av. f. Lerner, Senator Dr. I. Niemirower, M. H.Schein, Julian Silberbusch , Dr. S. I. Stern, Vertnes (Transsylvanien), Josef Wijnitzer (Bukowina). Nach einer Eröffnungsansprache von Sokolow, welcher über die Aufgaben und Ziele der jewish Agency sprach, verlas der Direktor des Keren Hajessod für Altrumänien, Dr. Mibashan, eine Reihe von Resolutionen, welche in einer früheren Sitzung ausgearbeitet worden waren. Nach einer längeren Diskussion, ait welcher fast alle Anwesenden teilnahmen, wurden die nachstehenden Resolutionen einstimmig angenommen: 1. Die Sektion der Jewish Agency für Rumänien proklamiert in ihrer ersten Tagung, die in Gegenwart des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, abgehalten wird, ihre volle Solidarität mit den Opfern der arabischen Ausschreitungen und drückt der Judenschaft Palästinas die tiefste Bewunderung für ihre stolze und heldenhafte Haltung aus. 2. Die Sektion der Jewish Agency für Rumänien drückt der rumänischen Regierung sowie allen internationalen Stellen die Gefühle tiefster Dankbarkeit für die Deklaration menschlicher Solidarität aus, wie sie der jüdischen Bevölkerung Palästinas gegenüber manifestiert wurden und dankt für die bei dieser Gelegenheit gegebenen Zusicherungen, das dort begonnene jitdische Aufbauwerk zu •unterstützen. 3. Die Sektion der Jewish Agency für Rumänien erklärt mit allem Nachdruck, daß die tragischen Vorfälle in Palästina nicht nur nicht imstande waren, das begonnene Werk zu zerstören, oder den festen Willen des jüdischen Volkes zu erschüttern, sondern vielmehr nur eine Konsolidierung der begonnenen Arbeiten zur Folge hatten. — Die Ereignisse in Palästina haben in der jüdischen Bevölkerung aller Länder die Erkenntnis verstärkt, daß es eine heilige Pflicht sei, das Werk des Wiederaufbaues in Palästina zu unterstützen. 4. In Anerkennung der dringenden Notwendigkeit einer neuen starken, ununterbrochenen Einwanderung nach Palästina sowie einer breiten Kolonisationsarbeit in Stadt und Land, erklärt die Sektion der Jewish Agency in feierlicher Form, daß die jüdische Bevölkerung von Rumänien durch Arbeit und Beispiel, durch materielle Opfer und direkte Aktionen, an der Ent- Wicklung und dem Ausbau des Keren Hajessod, der das finanzielle Instrument der Jewish Agency für den Wiederaufbau des Jüdisch-nationalen Heims in Palästina bildet, teilnehmen wird. 5. Die Sektion der Jewish Agency von Rumänien konstatiert, daß der Keren Hajessod, dessen Einnahmen das ganze Budget der Kolonisationsarbeit in Palästina decken müssen, von allen Juden eine Selbstbesteuerung verlangt, die dem hohen Zweck entsprechend ist, den dieser Fonds verfolgt. Sie begrüßt die Eröffnung der diesjährigen Kampagne für den Keren Hajessod und wendet sich an alle Juden, ohne Rücksicht auf ihre politische und soziale Einstellung, mit einem warmen 4Appell, in einem viel größerem Ausmaße wie bisher, ihre Bei* träge für den Keren Hajessod zu leisten. 6. Die Sektion der Jewish Agency empfiehlt der jüdischen Bevölkerung an, dem Keren Kajemeth Lejisrael, dessen Zweck der Ankauf von Boden in Palästina als ewiges unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes ist, die weiteste Unterstützung zu gewähren. 7. Die Sektion der Jewish Agency kann ihre Arbeit in diesem Jahre nicht aufnehmen ohne mit Andacht und Trauer des Mannes zu gedenken, der heute aus unserer Mitte versehwunden ist. Durch seine edlen und ausgezeichneten Eigenschaften war Louis Marshall nicht nur ein Wegweiser für die Judenschaft in Amerika, sondern auch ein lebendes Beispiel für das ganze Volk, sei es durch seine unermüdliche Arbeit, die er Jahr um Jahr im Interesse des jüdischen Volkes geleistet hat, und zwar sowohl durch die warme Unterstützung, die er der Palästina- Arbeit angedeihen ließ, als auch ganz besonders durch das Inslebenrufen der Jewish Agency. 8. Die Sektion der Jewish Agency von Rumänien drückt dem großen Juden, dem unermüdlichen Führer und Wegweiser Nahum Sokolow seine Dankbarkeit und Bewunderung aus. Wirfschaffsbezlehaiigen zwischen Deutschland und Palästina Der ״Industrie- und Handelszeitung“ wird aus Haifa berichtet, daß die Furcht, die Besserung in der wirtschaftlichen Lage Palästinas würde durch die Unruhen gestört werden, sich nicht bewahrheitet hat. Der letzte Monat ist für den Importhandel ein sehr günstiger gewesen. Insbesondere in Eisen und Holz sind seit langem nicht dagewesene Umsätze erreicht worden. Der Grund hierzu ist in Käufen der Verwaltung für den Bau des Haifaer Hafens zu suchen, der endlich, wenn auch in beschränktem Umfang, begonnen hat. So unangenehm der arabische Boykott für die jüdische Geschäftswelt ist, große folgen hat er füT die ökonomische Lage der palästinensischen Juden nicht gehabt und wird sie auch nicht haben. Die jüdische und die arabische Wirtschaft gellen in Wirklichkeit nebeneinander 11er. Im Großhandel, wo stärkere Berührungspunkte bestehen, ist keine nennenswerte Unterbrechung der Beziehungen festzustellen. Gelitten hat durch den Wirtschaftskampf eigentlich nur die palästinensische Textilindustrie, Syrien und der Irak haben unter dem Eindruck der arabischen Propaganda eine Reihe von Aufträgen annulliert. Die deutsche Textilindustrie, heißt es in dem Bericht weiter, hat seit Ende des Weltkrieges in Palästina an Terrain verloren. In der palästinensischen Einfuhrstatistik behauptet Deutschland Immer noch den zweiten Platz hinter England. Nach dem Ausweis der Zollverwaltung hat England im Juli d. J. für 99436, Deutschland für 64320 Pfuna importiert. Als Folge der Unruhen ist ein Aufleben des Baumarktes zu erwarten. Die beabsichtigte neue städtische Siedlungspolitik der Juden wird eine starke Baukonjunktur bringen. Bei Lieferung von Baumaterial steht Deutschland als Lieferant von Kleineisen und Armaturen in vorderer Linie. Belgien beherrscht den Markt an Glas. Der Bau des Hafens im Verein mit den Bauten der großen Petroleum gesellschaften, die bereits durch Anlage von Tanks das Fundament für den neuen großen Petroleumhafen des Mittleren Ostens legen, wirkt sich auf den palästinensischen Arbeitsmarkt sehr günstig aus. Augenblicklich gibt es im Lande keine jüdischen Arbeitslosen. Das Bedürfnis nach Bauhandwerkern und anderen qualifizierten Arbeitern ist zurzeit auffallend stark. Die zionistischen Organe wie die Gewerkschäften halten das Land für einen Zustrom von zehntausend Menschen für aufnahmefähig־. Die Synodalwahlen in Baden Von R.-A, Dr. Otto Simon, Mannheim. Am 17. November 1929 haben in Baden die Synodalwahlen stattgefunden. Da die Verhältnisse in Baden in manchen Bc- Ziehungen anders liegen als in Preußen, so ist es zweckmäßig, um Mißverständnisse, die früher schon entstanden sind, zu beseifigen, kurz den Sachverhalt darzulegen. Wir haben ein Wahlabkommen getroffen, das für das ganze Land Gültigkeit hatte. Wir haben dadurch einen Wahlkampf vermieden, den wir aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht führen wollten. Es hätte auch der vielleicht mögliche Erfolg in keinem Verhältnis zu den. Anforderungen dieses Wahlkampfes gestanden, des letzten vor Einführung des Proportional- Wahlrechtes in den badischen Gemeinden. Dazu kommt, daß wir allein einen Wahlkampf kaum hätten propagieren können,, nachdem die beiden anderen Gruppen, die Liberalen und die Konservativen, beschlossen hatten, einen Wahlkampf zu vermeiden. Wir haben in der Synode zwei Sitze und sind in einer Arbeitsgemeinschaft mit den Konservativen verbunden. Diese Arbeitsgemeinschaft ist vor vielen Jahren geschlossen, und es bestand kein sachlicher Anlaß, hier eine Aenderung eintreten zu lassen, da alle Differenzen bisher so gelagert waren, daß wir stets gegen die Liberalen Stellung nehmen mußten. Ich erinnere nur an die Frage des Wahlrechts für Ausländer und an die Frage der Verhältniswahl, wo wir mit den Konservativen um gleiche Ziele standen: zwei Fragen aus der letzten Synode. Die Frage des Frauenwahlrechts war durchaus keine Prinzipienfrage für die Konservativen in deren absoluter AHgemeinheit, wir haben selbstverständlich, trotz der Arbeitsgemeinschaft, für das Frauenwahlrecht gestimmt und niemand hat etwas dagegen geltend zu machen versucht. Ich bemerke ferner, daß bei einem Wahlkampf zwei für uns recht unsichere Wahlkreise, in denen unsere Führer aufgestellt waren, mehr als gefährdet erscheinen mußten. Wir haben also erreicht, daß der bisherige Besitzstand gewahrt bleiben konnte. Wir sind uns durchaus darüber klar, daß wir grundsätzlich einen Wahlkampf, wie wir ihn seinerzeit bei der Gebetbuchfrage geführt haben, für richtig halten. Es lohnte sich aber diesmal deshalb nicht, weil die kommende Synode eine reine Budget-Synode ist, bei der grundsätzliche Fragen nicht zur Entscheidung stehen werden. Wir hätten durch einen Wahlkampf nur die Zusammensetzung des Oberrates, in dem wir gut vertreten sind, zahlenmäßig und persönlich, gefährdet, und der Oberrat ist als Organ der Verwaltung wichtiger und bedeutsanier als die Synode. Es ist also vollständig irrig, wenn man das getroffene Wahlabkommen, das unsern Besitzstand, vor allen Dingen auch in dem sehr wichtigen Oberrat, erhalten wird, angreift. Wir wußten genau, daß wir kein zionistisches Interesse auch nur im geringsten preisgeben, wenn wir dieses Abkommen, das zurzeit geboten war, mitunterschreiben. Durch die neue Gemeindeordnung ist unseren Freunden im Lande Gelegenheit gegeben, in allen Gemeinden Neuwahlen herbelzuführen und durch das Verhältniswahlrecht, das wir, nicht ohne Kämpfe, in der letzten Synode, durchsetzen konnten, auch Vertretungen unserer Anhänger in den Gemeindekörperschaften herbeizuführen. Auf diese Aufgabe sollten unsere Freunde im Lande jetzt ihre ganze Kraft verwenden. Rußland und Palästina Man schreibt uns: Es mehren sjch die Anzeichen, daö bolschewistische Kräfte hinter dem Aufruhr in Palästina und. den Terror-Aktionen wirksam sind. Außer der Veröffentlichung «dis# A*'fdsajßgeh־:ScfiVyM»1 iÄUPdüF; Pöffiieif 8e#en: ntittierehder Inhalt meKr noch durch das Verbot der Zeitung als durch ihren Wortlaut bestätigt erscheint, bringt die palästinensische Presse folgende interessante Zeugnisse: Der (unter verschiedenen Namen erscheinende) ״Dawar“ vom 7. November berichtet: Ein Vater in der Ukraine schreibt an seinen Sohn am 12. August: ״Mein lieber Sohn! Vor ungefähr zwei Wochen schrieben unsere Zeitungen, daß wir uns mit den Arabern verbündet haben, um alle Juden aus Erez-Israel zu vertreiben und daß dort — Gott möge es verhüten — ein kommunistischer Staat entstehen solle. Darum, lieber Sohn, passet auf und beobachtet, was um Euch vorgeht....“ Am Schluß des Briefes steht die Bemerkung: ״Merket gut auf das, was ich hier schreibe; denn ich kann nicht alles nutteilen. Ich schreibe, und die Worte ersticken mir im Halse.“ Und ln einem zweiten Briefe vom 31. August: ״Ich bitte Dich darum, uns über alles zu schreiben, ich wußte schon vor mehreren Wochen, daß bei Euch etwas geschehen wird; denn unsere Zeitungen schrieben, daß die Araber die Juden vertreiben würden. Sie wußten es im voraus,..., darum schrieb ich Euch. Ihr habt sicher meinen Brief bekommen und werdet wissen, aus welcher Quelle er stammt. Möge Gott helfen. — Von hier ist nichts neues zu berichten. Gott gebe, daß wir bald mit Euch vereinigt seien.“ Dieselbe Zeitung berichtet am 11. November: Mohammed Issa ist der Besitzer einer Steinmahimasehine in der Nähe von Romema in Jerusalem. Am 7. Nov., ungefähr eine Stunde nachdem die Arbeiter, wie gewöhnlich, ihre Arbeit begonnen hatten, kam der Bruder dieses Mohammed mit Namen Muchmed Issa, heraus und forderte die Arbeiter auf, mit der Arbeit aufzuhören. Auf die Frage, warum? sagte er ihnen, heute sei ein Feiertag. Die Arbeiter wunderten sich und fragten erstaunt: ״Was für ein Feiertag?“ Er klärte sie auf: ״Eid el umal el bolshevik“ (der Feiertag der bolschewistischen Arbeiter!). Auf die Frage, was er denn mit diesem Feiertag zu tun habe, erwiderte er einfach: ״El kit nachna tacht amrahum“ (wir stehen jetzt unter ihrem Befehl) und fügte hinzu, daß man ihm gestern abend mitgeteilt habe, daß es heute verboten sei zu arbeiten. Als auch der Besitzer darauf bestand, wurde schließlich die Arbeit unterbrochen. Bei diesem Muchmed Issa arbeiten die Arbeiter nicht nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, sondern bis zum Verschwinden der Sterne, unter grenzenloser Ausbeutung. Er ist auch derjenige, von dessen Hausdach es in den Tagen der Ueberfälle Schüsse auf die Automobile regnete, die den Bewohnern von Bajith we Gan zu Hilfe eilten. Ein arabischer Führer für Aufgabe des Kampfes gegen die Ballour-Deklaration .Jerusalem, 27. November. (J. T. A.) Hassai Sidki al Dejarii, Mitglied des Obersten Moslemitischen Rates, tritt in dem offiziellen Organ des Rates ״Al Jamea al Arabia“ für Aufgabe des Kampfes gegen die Balfour-Deklaration ein. Die Balfour-Deklaration, schreibt er, enthält nichts, was den Arabern schaden könnte. Wozu, fragt er, sich im Kampf um eine negative Forderung — Abschaffung der Balfour-Deklaration — erschöpfen? Man sollte eher die Kräfte auf eine positive Forderung: Errichtung eines Parlamentes in Palästina, konzentrieren. Wenn wir diese Taktik verfolgen, schließt Hassan Sidki al Dejani, so werden wir die Sympathien der englischen Regierung, des britischen Volkes und des Völkerbundes haben.