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Jüdische Rundschau · 1929-11-26 · Heft 93 (26.11.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 93 (26.11.1929)
Date
1929-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 624 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 26. XI. 1620 möchte nicht Herrn Bentwidi einen prononzierten Zionisten nennen. Mir ist auch nicht bekannt, aaß Herr Bentwich gesagt hätte: Ich bin in erster, zweiter und dritter Reihe Zionist, und dann erst ein Brite. Rutenberg als Zeuge Am 20. November wurde Pinchas Rutenberg von der Untersuchungskommission vernommen. Rutenberg erzählte, Oberrabbiner Kuk habe ihm über die neuerlichen Bauarbeiter! der Moslems an der Klagemauer berichtet und habe gesagt, die Juden werden dadurch ui eine unwürdige Lage gebracht. Am I. August, berichtete Rutenberg weiter, besuchte ich Herrn Luke und sagte ihm, daß die Erregung unter den Juden unbeschreiblich sei. Luke meinte, ich übertreibe. Luke erzählte mir, daß jüdische junge Leute in Haifa sich mit der Absicht tragen, zum Tischa b’Aw nach Jerusalem zu kommen und ersuchte midi, meinen Einfluß geltend zu machen, daß dieser Besuch unterbleibt. (Diese Aussage Rutenbergs steht im Widerspruch zu der Aussage Lukes, der erklärt hatte, Rutenberg habe ihm über die Absicht der Haifaer jungen Leute, nach Jerusalem zu kommen, berichtet.) Rutenberg erklärte dann vor der Kommission, er habe Luke versprechen, Vorsorge zu treffen, daß niemand aus Haifa kommen solle, andererseits habe er Luke ersucht, Vorkehrungen zu treffen, daß nicht große Mengen von Juden sich am Tischa b’Aw vor der Klagemauer zum Profest versammeln, damit nicht eine Gegenaktion seitens der Araber kommt. Er riet Luke, nur britische Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung an der Mauer zu verwenden; es könnte wegen des provokatorischen Verhaltens der Araber, die fortwährend die jüdischen Andächtigen an der Klagemauer störten, zu einem Zusammenstoß kommen. Am folgen־ den Tage sei Rutenberg nach London abgereist, wo er mit Sir John Chancellor zusammentraf und ihm gegenüber dar- Über Wage führte, daß Luke seine Warnung nicht beachtete und sowohl eine jüdische Demonstration als auch eine arabische Gegendemonstration erlaubt bat. Am 11. Oktober, erzählte Rutenberg weiter, hat mich als Vorsitzenden des Waad Leunti Herr Harry Sacher von der Zionistischen Exekutive ersticht, meinen Einfluß bei den Rabbinern dahin geltend zu machen, daß das Schofarblasen nach Beendigung des Jom Kippur-Gottesdienstes an der Klagemauer unterbleibe. Icn sprach dann darüber mit dem Oberkommissar Sir John Chancellor, der mir riet, mit Luke zu sprechen. Luke erklärte mir gegenüber, er habe das Verbot des Schofarblasens darum ausgesprochen, weil die Moslems Protest dagegen eingelegt haben, daß während des Rosch Haschanah-Gottesdienstes Schofar geblasen wurde. Ich warnte jüdischen ׳ allein Juden, sondern daß auch die christliche Welt durdi ein solches Verbot verblüfft sein würde; die Regierung könnte sich über dem Schofarblasen das Qenick breeben. Idi sowohl wie Sacher haben festgestellt, daß die Regierung Drohungen gewichen sei; Luke war durch dieses Argument beeindruckt und sagte, er wolle die Sache mit Sir John Chancellor besprechen. Wenn die Regierung glaubte, sagte Rutenberg weiter, daß das Schofarblasen An- Laß zu Unruhen geben konnte, so hätte sie eher den Juden den Zugang zur Mauer versperren sollen, als die Betenden zum Abweichen von ihrem Ritual zu zwingen. Sir John Chancellor aber wollte ein solches Verbot nicht aussprechen. Der Araber-Anwalt Silley, der Rutenberg in Kreuzverhör nahm, wollte von ihm herausbekommen, daß Oberrabbiner Kuk eine Abänderung des Status qao wünschte und beanspruchte darüber zu Rate gezogen zu werden, was auf dem moslemischen Wakf-Eigentum erlaubt iÄ^solL, gv.,flwjdKt«jv״tek.., be-' trachtet die Klagemauer als die heiligste Statte des jüdischen Volkes. Als Oberrabbiner ist er berechtigt, zu fordern, über Angelegenheiten der Andachtsfreiheit und der guten Ordnung an der Mauer zu Rate gezogen zu werden. Seine einzige Hoffnung ist, mit Hilfe der Regierung eine der Würde entsprechende Lösung des Wagemauer-Problems zu erreichen. Er stimme mit Oberrabbiner Kuk darin überein, daß das Pflaster vor der Mauer nicht zu einem Durchgang gemacht werden dürfe, daß nicht mitten in das jüdische Ge net hinein der Ruf des Muezzin erschallt, daß nicht arabische Eseltreiber mit ihren Eseln während des Gottesdienstes an der Mauer vorbeiziehen und die jüdischen Andächtigen stören. Das Verbot des Schofarblasens ist demütigend für die frommen Juden und beleidigend auch für die die Gesetze nicht beobachtenden Juden. Rabbi Kuk hat schließlich dem Verbot Geltung verschafft und so auf einen wesentlichen Teil des Gottesdienstes verzichtet, um Menschenleben zu schonen. Sir Walter Shaw fragte, ob Rutenberg glaube, daß das Schofarblasen in jedem Falle hätte erlaubt werden müssen, auch wenn in früheren Jahren das Schofarblasen nicht geübt worden wäre. Rutenberg erwiderte, das Schofarblasen war auch in früheren Jahren geübt worden, aber selbst wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, hätte man es diesmal erlauben müssen. Die Moslems suchten in der Aufrollung dieser Frage nur einen Vorwand, den jüdischen Gottesdienst zu stören. Einem solchen Drucke nachgeben bedeutet eine Verletzung der Würde der jüdischen Religion. Auf eine weitere Frage erklärte Rutenberg, er bewundere die Unparteilichkeit und den Gerechtigkeitssinn Sir John Chancellors. Der Regierungsanwalt Preedy wies darauf hin, daß man versucht, aus der angeblichen Schwäche der Regierung in der Frage des Schofarblasens im Oktober Schlüsse zu ziehen, daß die Regierung auch im August Schwäche gezeigt hat Wenn Sie mich danach fragen, erwiderte Rutenberg, so werde ich sicher antworten, daß die Regierung im August Schwäche gezeigt hat. Sir Walter Shaw erhob Einwendung dagegen, daß man einen Zeugen dazu bringen will, Schlußfolgerungen zu ziehen, die doch allein Sache der Kommission sind. Rutenberg sagte noch, wenn er die Regierung ersucht hate, statt nur das Schofarblasen zu verbieten, überhaupt den Zutritt zur Mauer am Jom Kippur zu verbieten, so sei es darum gewesen, weil er wußte, daß das Schofarblasen ein integrierender Teil des Gottesdienstes sei und daß die Juden daher ungeachtet des Verbotes blasen würden, was zu einem Zusammenstoß hätte führen können. Wenn auch die Juden, erklärte Rutenberg, dokumentarische Beweise bezüglich ihrer Rechte an der Mauer nicht erbracht haben, so sind sie dennoch berechtig), an dem ihnen heiligsten Platz zu beten, und es sei Pflicht der Regierung, ihnen geziemenden Schutz und Erleichterungen zu gewähren. Rutenberg erklärte noch, daß Major Folley, der Polizeiinspektor des Norddistrikts, geirrt habe, als er am 6. November gegenüber der Kommission erklärte, daß in Haifa ein Auto dy Palestine Electric Corporation angehalten worden sei, weil aus demselben Schüsse auf Menschen abgegeben wurden. Der Regierungsanwalt Preedy bestätigte, daß Major Foflev geirrt hat; das angehaltene Auto gehörte einer anderen Gesellschaft. Nach Rutenberg wurde noch einmal Luke vernommen. Auf die Frage des Anwalts der Araber Stoker, ob er den Großmufti gebeten oder ihm befohlen habe, den Unfug des Lärmens desmarokkanischcnOrchesters im Garten in der Nähe der Kkgemauer während der jüdischen Gebetstunden abzustellen. Luke erwiderte, er sei entrüstet ewesen, daß der Lärm fortdauerte, trotzdem ihm der Mufti as Versprechen gab, das Orchester zum Schweigen zu bringen. Er habe den Mufti gedrängt, im Sinne seines Versprechen* zu handeln, wenn er auch im Hinblick darauf, daß es sich um einen hohen Würdenträger handelt, eine taktvolle Form gewählt hat. Stoker legte ein Exemplar des ״Loar Hajom“ vom 18. August vor, das einen farbigen Berieht über die jüdisch e Kundgebung an der Klagemauer am Tischa b’Aw und die Rede Prof. Klausners gegen ״Angriffe auf unsere Mauer“ enthält. Sir Walter Shaw ersuchte den Anwalt der Zionistischen Exekutive Sir Boycl Merriman, Exemplare der hebräischen Tages-Zeitungen ״Haaretz“ und ״Dawar“ herbeizuschaffen, in denen der ״Doar H ajom“ als verantwortlich für die jüdisehen Kundgebungen an der Klagemauer am Tischa b ’ A w angegriffen wird. Sir Boyd unterbreitete auch den Bericht der Zionistischen Exekutive an den 16. Zionistenkongreß in Zürich, sowie die von der Zionistischen Exekutive der permanenten Mandatskommission des Völkerbundes in den Jahren 1924 bis 1929 übermittelten Memoranda. * In der Fortsetzung der Einvernahme Lukes am 21. und 22. November wurde der Zeuge von den arabischen Anwälten kreuzverhört. Eine Reihe von Fragen der arabibischen Angriffe wurden von der Kommission nicht zugelassen. Jm Verlauf des Verhörs charakterisierte Luke die Stellung der Regierung folgendermaßen: Die Araber glauben, daß die Regierung die Zionisten begünstlgt, und die Zionisten glauben, daß die Regierung die Araber begünstigt. Der Arabar-Anwalt Stoker fragte den Zeugen, was er über die Organisationen Brith Trumpeldor und Haanali wisse; er fragte, 0B Haganah Verteidigung heiße, was er Dolmetsch bejahte. Luke erklärte, die Regierung betrachte diese halbgeheimen Organisationen nicht tm umstürzlerisch. Gewalttaten and Boykott Jerusalem, 20. November. (J. T. A.) In den letzte» Tagen ereignete sich in verschiedenen Teilen des Landes aberin als Angriffe von Arabern auf Juden. In der Altstadt von Jerusalem überfiel ein Araber einen jungen Juden und schlug auf ihn ein; der Jude trug einen Armbruch davon. In Haifa wurde ein jüdischer Chauffeur der englischen Firma Spiiuieys Ltd. von seinen beiden arabischen Gehilfen angegriffen und verletzt. Polizeioffizicren haben in den arabischen Dörfer» zwischen Moza und Dilb (Kirjath Anawim) bei Jerusalem eine Anzahl Revolver und andere Schußwaffen beschlagnahmt 25 jüdische Flüchtlinge aus Beisan, die nach Wiederherstellung der Ordnung in ihre verlassenen Heime zurückkehrten, mußten infolge der andauernden arabischen Feindseligk eiten wiederum ihre Heime verlassen. Die arabische Emwohnerschaft von Beisan boykottierte die jüdischen Geschäftsladen, mehrere jüdische Einwohner wurden mißhandelt. Eine in Jerusalem abgehaltene Konferenz von Vertrefern arabischer Kaufleute ganz Palästina hat den Beschluß gefaßt, den Boykott gegen die Palestine Electric Corporation (Rutenberg-OeselUchaft), die Athlit-Salz werke, die Nesher-Zementfabrik und die Streichholz-F abrik ״Nur“ zu erklären und arabische Zement- und Salzfabriken zu begründen. Die Konferenz forderte die Regierung auf, eine Landwirtschaftsbank zu begründen und das Zehent-Steuersystem abzuschaffen. Die Konferenzteilnehmer schworen, an Juden keinen Boden zu verkaufen. In Jaffa wurden sieben arabische Boykott-Agitatoren verhaftet. Emir Abdullah von Transjordanien sandte ein Schreiben an Sir John Chancellor, den Oberkommissar für Palästina und Transjordanien, in welchem er ihm mitteilt; es »׳erde schwer sein, die Araber Transjordaniens davon zurückzuhalten, ihren palästinensischen Widern zu Hilfe zu kommen, wenn nicht die Einsch muggelung von Waffen nach Palästina durch Zionisten unterbunden wird. Die Sicherheitsmaßnahmen 11 Pillsttna Er könne der Behauptung Stokers, daß diese Organisationen gegen die Araber gerichtet sind, nicht zustimmen. Auch sei es unrichtig, daß ein Haß der Araber gegen die Juden seit dem Mandate besteht. Höchstens könne die Rede sein von einem Hasse gegen die von gewissen Juden vertretene Politik. Auf eine weitere Frage Stokers entwortete Luke, wenn Stoker zu wissen wünsche, was die Araber über die Juden denken, so solle er einen Araber fragen und nicht ihn. Die arabischen Anwälte bemühten sich dann nachzuweisen, daß die zionistische Einwanderung manchen Arabern große ökonomische Nachteile bringt. Er verwies z. B. auf die 1923 von ihrem Boden vertriebenen Pächter von Afuleh, oder auf die Kaufleute in Nazareth und Oechenin, welche durch das Verschwinden der arabischen Bauern von Afuleh ihre Kunden verloren. Weiter wies der arabische Anwalt auf die Beschäftigung jüdischer Arbeitsloser durch die Regierung iiin und sagte: ״Ich ziele darauf ab. nachzuweisen, daß die Zionisten ihr Nationalheim aus aen Tasehen der Ara ber bauen wollen.“ (!) In bezug auf die Einführung eines parlamentarischen Systems sagte Luke, daß die Schritte in dieser Hinsicht von Lord Plutner 1928 eingestellt wurden, bis Material darüber vorliegen wird, wie das Repräsentativsystem in den Mum'zipalitäten sich bewährt. Der arabische Anwalt sagte, man habe im Ausland weilenden Arabern die Staatsbürgerschaft verweigert, dagegen Juden sie erteilt. Die Regierung stehe ganz und gar im Dienste des zionistischen Wunsches, mies zu vermeiden, was verhindern könnte, daß die Juden die Mehrheit der Bevölkerung erlangen. Am 22. November wurde die arabische Sache in Vertretung Stokers von dem als Hilfsanwalt fungierenden Sekretär der arabischen Exekutive, Auni Abdul Hadi, vertreten. Auf seine Fragen sagte Luke, daß unter den obersten Regierungsbeamten zwar die Zahl der Juden im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil größer sei als die der Moslems, dies sei jedoch lediglich auf die Qualifikation der betreffenden Juden zurückzuführen. Weiter sagte Luke auf eine entsprechende Frage, daß das Prolctarierelement unter den jüdischen Inimigranten die Zahl der ausgebildeten Landwirte überschreite. Luke betonte jedoch, es sei nicht richtig, daß das Jüdische Nationalhelm ohne Rücksicht auf arabische Rechte erbaut wird und wies darauf hin, daß die alten jüdischen Kolonien dem ganzen Land großen Nutzen gebracht. Der Vorsitzende der Kommission, Sir Walter Shaw, betonte, daß im Mandat selbst die Sicherung der arabischen Rechte ausgesprochen wird. Stoker wies darauf hin, daß Art 6 des Mandates, der die jüdische Ansiedhmg auf Sfaatsländereien In Aussicht stellt, die arabischeu Rcchfe verletzt hat. Es entspann sich sodann noch eine Debatte über die Frage, ob durch die jüdische Einwanderung die Lebenskosten gestiegen oder gefallen sind. Bondestag des Heichsbnndes jüdischer Frontsoldaten Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hält in diesen Tagen seine Bundesversammlung ab. Einzelne Ortsgruppen des R. j. F. veranstalteten aus diesem Anlasse Kundgebungen. Die Hamburger Ortsgruppe hielt am 17. d. M. zur Feier ihres zehnjährigen Bestehens eine große Versammlung ab, in der Dr. U r i a s den Vorsitz führte und Bundesvorsitzender Dr. L ö w e 11 s t e i n die Organisation vertrat. Hauptreferenten waren Walter B1 o e m und Ernst LI s s a u e r. Walter Bloem benützte die Gelegenheit, um in einer großen jüdischen Ver- Sammlung einerseits zuzugestehen, daß den jüdischen Soldaten in der alten Armee Unrecht widerfahren sei, andererseits aber den in Deutschland arg grassierenden Judenhaß als die ״Abwehrbewegung der deutschen Volksseele gegen die Expansionskraft des Judentums“ zu definieren. Er sprach von dem verletzenden Mangel des Judentums an Feingefühl gegenüber ״dem geistigen Hausrecht der Deutschen“. Außerdem brachte er noch andere tiefsinnige Erkenntnisse als Beitrag zur Frage ״Juden und Antisemitismus“ vor. Schließlich verlangte er, daß die Juden ״genau wie sie im Kriege unter Einsatz ihres Blutes sich zum Deutschtum bekannt haben, auch im Frieden ihr Deutschtum bekennen und betätigen“. (Natürlich mit peinlicher Rücksichtnahme auf das geistige Hausrecht der Deutschen und in Würdigung der legitimen Abwehrbewegung der deutschen Volksseele, Anm. d. Red.) Ernst Lissauer, als Haßsänger weitbekannt, beklagte die Zerklüftung, in der heute das deutsche Volk zerrissen sei. ״Wir leben,“ so hob er hervor, ״in einer Zeit unerhörter Gefahr für die abendländische Kultur.“ Außerdem machte er noch ähnliche dichterische Feststellungen. Es mag in den besonderen Verhältnissen Deutschlands und der Situation der deutschen Juden begründet sein, daß ein Reichsbund jüdischer Frontsoldaten entstehen konnte und in gewissem Sinne nützliche Arbeit verrichtet. Daß er sich aber von Herrn Walter Bloem derartige Dinge sagen lassen muß wie in Hamburg, kommt daher, weil er sich Herrn Walter Bloem als Redner verschrieben hat. Familiär gesprochen: Sowas kommt von sowas, im übrigen beweist der Bericht des Organs!]cs R. j. f. ״Der Schild“ über die Hamburger Kundgebung, daß 1n״u ui den Kreisen des R. j. F. von Walter Bioctns Rede nicht restlos erbaut war. London, 22. November. (J.T. A.) Im Unterhaus teilte Schatzkanzler Philip S n o w den mit, daß die im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen in Palästina der Regierung erwacnsenen Kosten der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung, die ausbritischenFonds bestritten werden, annähernd 34 000 Pfund betragen. Auf eine Frage von Kenworthy erwiderte Lunu, die transjordanische Grenzmacht habe wertvolle Dienste bei Aufrechterhaltung der Ordnung im Jordan-Tale geleistet und zahlreiche jüdische Kolonien beschützt. Kann man dem transjordanischen Korps vertrauen, fragte Wedgwood. Ja, daran ist kein Zweifel, erwiderte Lunn. Warum wurde das Korps nicht früher eingesetzt, fragte Kenworthy. Mit dieser Frage, erwiderte Lunn, befaßt sich gegenwärtig die Untersuchungskommission. Tel-Awiw ohne Rdseh T e 1 - A w i w, 22. November. (J. T. A.) Die jüdische Stadt Tel-Awiw ist seit 14 Tagen ohne Fleisch, well die Juden in dem Jaffaer Schlachthaus nicht Schächten wollen und die Re• gierung die Errichtung eines Schlachthauses in Tel-Awiw und die Vornahme von Schichtungen außerhalb des Jaffaer Schlachthauses nicht gestatten will. Rabbi Uziel und Rabbi Aaronson, die sich nach Jerusalem begaben, um beim High Commissioner zu intervenieren, kehrten unverrichteter Dinge zurück, da Sir John Chancellor eine befriedigende Antwort nicht erteilen konnte. , -. - ■ : > Waad Lenml in die Araber ' Der Waad Leumi verbreitet In ganz Palästina in arabischer Sprache ein Flugblatt, worin einige der gegen Juden verbreiteten Verleumdungen an der Hand offizieller Dokumente w i d e r I e.g t werden. Folgende Beschuldigungen werden widerlegt: 1. daß die Juden die Omar-Moschee angegriffen oder gar zerstört hätten, 2. die Behauptung, die jüdische Gebetausübung an der Kiagemauer beeinträchtige die Rechte der Mohammedaner an ihren heiligen Stätten, 3. die Behauptung. Juden hätten vergiftetes Obst und vergiftete Süßigkeiten auf die Straße geworfen, 4. die Behauptung, jüdische Läden hätten vergiftete Lebensmittel feilgeboten, 5. die Behauptung, Juden hätten Araber angegriffen. Hamburg. In der Ostjüdischen Vereinigung in Hamburg sprach, wie uns berichtet wird, am 20. d. M. Herr Alfred Lisser, eines der führenden Mitglieder des deutsehen Keren Hajessod und Agency-Konütees, über ״Die Bedeutung der Jewish Agency“, im ersten Teil seiner Ausführungen unternahm es der Redner, die Bedeutung der letzten blutigen Ereignisse in Palästina auf ihr wahres Maß zürückzuführen. Er ging dann auf die Verhältnisse im deutschen Judentum ein und wandte sich gegen die bekannte ״Erklärung deutscher Juden“, die wegen ihrer Belanglosigkeit keine ernsthafte Auseinandersetzung verdiene. Sodann begründete der Redner den Anspruch der Juden auf die Nationale Heimstätte In Palästina. Nach seiner Meinung wäre es besser gewesen, wenn die Baifour-Deklaration die Terminologie des Basler Programms übernommen und von einer ״öffentlich-rechtlich gesicherten Helm* Stätte“ gesprochen hätte. Die nichtzionistischen Mitglieder der Agency unterscheiden sich von den Zionisten nicht in bezug auf das Ziel in Palästina, sondern in bezug auf die Politik In der Diaspora. Nur das im Entstehen begriffene Zentrum in Palästina werde den unheimlichen Auflösungstendenzen in der Judenheit Einhalt tun. Theater. Ein Werk, das seit jeher eine besondere Anziel.ur.gskraft auf Juden ausgeübt hat, ist durch die künstlerische Tat zweier Juden zu einem der größten Ereignisse des Berliner Theaterwinters geworden. Die Auflehnung gegen Tyrannei und Unduldsamkeit, der Kampf für Menschenwürde und Menschenrechte, für Gedankenfreiheit und Selbstbestimmung ist stets eine Botschaft gewesen, die dem Juden des Ghetto als Zeichen einer anbrechenden neuen Zeit erschien. Und vielleicht ist diese Gedankenwelt uns auch heute noch näher und eine ergreifende Mahnung an altes jüdisches Erbe. In der Leere und Hohlheit des größten Teiles unserer Theaterproduktion empfindet man jedenfalls die Höhen des Schillerschen Pathos beinahe erlösend. Leopold J e ß n e r ist es gelungen, den Don Carlos im Staatstheater zu einem straffen und spannenden, innerlich bewegten, fast modern anmutenden Stück umzugestalten. Die starken Kürzungen lassen die Konturen scharf hervortreten; das Bemühen, ohne Verzerrung und Gewaltsamkeit den Dialog dem heutigen Fühlen anzupassen, scheint uns fast restlos gelungen. Inszenierung und Regie sind sicherlich zu Jeßners Großtaten zu zählen. Und er hat das Glück, in Fritz Kortner einen ganz großen Darsteller des König Philipp zu besitzen, der dadurch in den Vordergrund der Handlung rückt. Wie Kortner diesen von inneren Kämpfen zerrissenen, von Angst und Eifersucht verzehrten, die .Welt verachtenden und in tiefster Seele nach einem ״Menschen“ verlangenden Tyrannen spielt, ist unvergeßlich. Und noch ein jüdischer Schauspieler sei genannt: der alte Max Pohl, der den Großinquisitor mit aller tausendjährigen teuflischen Weisheit umkleidet. Ein denkwürdiger Abend, mi. 4'

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