Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 93 (26.11.1929)
- Date
- 1929-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nf. 93, 26 3a. 1929 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 623 Luke im Kreuzverhör Ueber Merrimans Kreuzverhör mit Luke, über das wir teilweise bereits in der vorigen Nummer berichtet haben, bringt die J. T. A. noch folgende Einzelheiten: Sir Boyd Merriman brachte zur Sprache, daß Herr Brande von der Zionistischen Exekutive in Jerusalem ein Telegramm an die Zionistische Exekutive in London entworfen habe, in welchem die moslemische Demonstration an der Klagemauer am 16. August geschildert wird, welches Telegramm aber von der Regierung in einer Weise abgeändert worden war, daß die Ereignisse als wenig wichtig dargestellt erscheinen. Der neue Entwurf des Telegramms wurde Herrn Brande in der Handschrift des stellvertretenden Chefsekretärs Mills ausgehändigt. Herr Luke erklärte, er könne sich nicht im geringsten an den Verlauf seiner damaligen Unterhaltung mit Herrn Braude erinnern. Daraufhin überreichte Sir Boyd der Kommission den abgeänderten Telegrammtext in der Handschrift von Mills. Luke erklärte nochmals, er habe damals so viele Konferenzen gehabt, daß er sich nicht einmal an die wichtigsten Unterredungen mit jüdischen und arabischen Führern erinnern könne. Die Tatsache der Unterredungen selbst bestritt Luke nicht. Zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Sir Boyd Merriman und Luke kam es bei Erörterung der Frage, wann der stellvertretend^ Distriktskommissar Cust Herrn Luke über die beabsichtigte mos- Ionische Demonstration benachrichtigt hatte. Luke behauptete, es sei ihm erst gegen Mittag darüber Bericht erstattet worden, während Herr Cust früher vor der Kommission ausgesagt hat, daß er schon bei seinem Eintreffen im Büro über die beabsichtigte Demonstration erfahren und hiervon ״selbstverständlieh ohne jede Verzögerung“ seinem Chef Luke Mitteilung gemacht hat. Sir Boyd brachte noch folgendes vor: am 17. August hat Braude Herrn Luke mitgeteilt, daß die Moslems an der Klagemauer jüdische Gebetbücher und andere religiöse Utensilien verbrannt haben; er legte Herrn Luke den Entwurf eines für die Zionistische Exekutive bestimmten Telegramms vor. Luke zeigte ihm den Entwurf des Regierungscommuniques über die jüdische und die arabische Demonstration. Braude erhob Einwendungen gegen das Re gi er un gsc om ־ muniqud, das die arabische Ausschreitung bagatellisiere, indem z. B. gesagt wird, daß der Tisch an der Klagemauer infolge des Gedränges umgestürzt sei, daß die Moslems nicht durch das neue Tor in den Platz vor der Mauer cinbrachen und ferner fälschlich behauptet wird, daß der jüdische Gottesdienst vollkommen ungestört vor sich gehen konnte. Luke erklärte, das Communique hatte den Zweck, übertriebenen Darstellungen entgegenzutreten und den Führern in beiden Lagern Gelegenheit zu geben, das Volk zu beruhigen. Das Communique war eben kein Oerichtsdokument. Luke behauptete nochmals, sich hicht erinnern zu können, das Telegramm an die Zionistische Exekutive gesehen zu haben, in welchem dargestellt ist, daß die Regierung die Ansammlung der Araber vor der Klagemauer geduldet habe, daß die Menge durch die neue Tür zur Klagemauer gekommen sei, daß Gebetbücher verbrannt wurden, daß die Gegend der Mauer polizeilich sehr aehwach beslät war! -daß die- Etäaisten; die Bestrafung und «»'י auf hinwiesen, daß, wenn mäti die Dinge so weiter treiben läßt, noch ernste Ereignisse folgen werden und daß die Mitglieder der Zionistischen Exekutive dringend aufgefordert wurden, an gesichts des Ernstes der Lage nach Jerusalem zurückzukehren. Sir Boyd versuchte, Lukes Gedächtnis aufzufrischen, indem er nochmals den von der Regierung entworfenen abgeänderten Text des Telegramms vorlas und fragte: Können Sie sich noch immer nicht erinnern? Luke gab schließlich zu, daß es möglich sei, daß er gewisse Aenderungen vorgeschlagen habe, er könne sich nur sehr schwach an die Unterredung mit Braude erinnern. Die Unterbreihing des handschriftlichen Entwurfs, den Mills im Aufträge Luises angefertigt hat, machte ungeheures Aufsehen. Sir Boyd stellte an Luke die folgende Frage: Sie sind der letzte Zeuge aus dem Kreise der Regierung; wollen Sie es zulassen, daß der Fall der Regierung erledigt wird, ohne daß jemand aus dieser Sphäre freiwillig Informationen darüber gibt, wer die arabische Demonstration arrangiert hat? Der Regierungsanwalt Preedy erhob energisch Einwendung gegen die Stellung dieser Frage. Sir Walter Shaw ersuchte Sir Boyd, die Frage einfacher zu stellen: Was Luke von den Organisatoren der Demonstration wisse. Sir Boyd verlas die Polizeiberichte aus Nablus und aus anderen Orten, aus denen hervorgeht, daß Rowdies, die niemals vorher zu religiösen Festen nach Jerusalem gewandert waren, diesmal am Geburtstag des Propheten in Autos nach Jerusalem fuhren. Können Sie, fragte Sir Boyd Herrn Luke, die Personen nennen, die diesen Leuten die Autos zur Verfügung stellten? Ich weiß nichts davon, erwiderte Luke. Auf eine andere Frage erwiderte Luke, er wisse nichts davon, daß in der zur Klagemauer führenden Passage eine Luxlampe nicht angebracht wurde, weil der Mufti gegen ihre Anbringung Einwendung erhoben hat. Er erinnere sich nur.schwach an eine Diskussion wegen Anbringung eines Lampenständers zur Beleuchtung des Pfiasters vor der Klagemauer, nachdem alle kleinen Lampen, die früher an den Gebäuden gegenüber der Mauer entfernt worden waren und die jüdischen Andächtigen ganz im Dunkeln sitzen mußten. Sir Boyd führte aus: Seit Tausenden von Jahren werden die jüdischen Gottesdienste am Versöhnungstag mit Schofarblasen abgeschlossen. Das Schofarblasen ist ein wesentlicher Teil des Jom Kippur-Gottesdienstes. Luke erklärte darauf, er könne sich nicht erinnern, ob in früheren Jahren das Schofarblasen an der Klagemauer geübt wurde. Jedenfalls habe er nie vorher von Einwendungen gehört, die gegen das Schofarblasen erhoben wurden. Sir Boyd fragte: Haben der Mufti oder Oberste moslemische Rat erklärt, sie könnten nicht für die Konsequenzen einstehen, wenn das Schofarblasen erlaubt werden würde? Luke'erwiderte: Sie erhoben Einwände schon dagegen, daß am Roschhaschanah das Schofarblasen geübt wurde. Leugnen Sie es, fragte nochmals Sir Boyd, daß der Mufti gesagt hat, er lehne jede Verantwortung ab, wenn am Jom Kippur geblasen wird? Ich erinnere mich nicht, antwortete Luke. Sir Boyd: Aber es wurde am Jom Kippur nicht geblasen? Luke: An der Mauer nicht. Die Gemeinde begab sich in die Synagogen, wo, wie ich annehme, sie das Scholarblasen hörte. Sir Boyd: Wurde den Rabbinern nicht gesagt, daß das Schofarblasen ein Blutvergießen im Gefolge haben werde? Luke: Das weiß ich nicht. Ich war bei der Unterhaltung mit den Rabbinern nicht zugegen. Sir Boyd verlas eine Verordnung des Rabbiaats, in welcher es heißt, daß wegen des seitens der Araber ausgeiibten Druckes das Schofarblasen unterbleiben müsse. Darauf Luke: Ich möchte dies nicht als einen ״Druck“ seitens der Araber bezeichnen; die Araber widersetzten sich dem Schofarblasen, weil es in die neuen Verfügungen nicht eingeschlossen war. Nun folgte die bereits in der vorigen Nummer der ״Jüd. Rundschau“ wiedergegebene Episode bezüglich der Zulässigkeit der Frage, ob ein Zurückweichen der Regierung vorliegt. Sodann kamen die von der Palästina-Regierung in den ersten Unruhetagen herausgegebenen Tagesbulletins zur Sprache, ln denen, wie Sir Boyd sagte, versucht worden ist, den Eindruck zu erwecken, daß es sich nicht um einen Angriff von Arabern auf Juden, sondern um Kämpfe zwischen zwei miteinander rivalisierenden Teilen der Landesbevölkerung handelt. Luke erwiderte, auch ihm hätten die Bulletins nicht gefallen, aber er könne sagen, daß nicht die Absicht bestand, einen irreführenden Tatbestand zu vermitteln. Die Lage des Landes machte es notwendig, Informationen beruhigenden, nichtalarmlerendenCharakterszuverbreiten. Er könne sich nicht daran erinnern, daß die Zionistische Exekutive Palästinas gegen die Regierungscommuniques Einwände erhoben habe; er erinnere sich nur, daß Unzufriedenheit über das Communiqud bezüglich Safeds geäußert wurde, weil die dortigen Ereignisse als ein kleiner Zwischenfall, der durch die Ankunft von Truppen sofort liciuidiert wurde, dargestellt worden waren. Er gebe zu, daß diese Darstellung der wirklichen Lage nicht gerecht geworden ist. Sir Boyd fragte: Welchen Zweck hatten solche Communiques, wo doch die ganze Bevölkerung Palästinas wußte, was vor sich ging? Luke gab zu, daß das Bulletin des Londoner Kolonialamtes über die Ereignisse in Safed auf seinem telegraph|§cher1 Bericht basierte, er erklärte jedoch, daß zu jener Zeit bereits Sir John Chancellor wieder in Palästina weilte und für die Handlungen der Regierung verantwortlich war. Sir Boyd fragte, warum in dem ersten Bulletin jeder Hinweis auf die in Moza abgeschlachteten sieben Juden fehlte. Luke schwieg darüber, gab aber auf weiteres Befragen zu, daß der offizielle Bericht über Beisan, in weichem von einem ״Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden“ die Rede war, unrichtig war, daß vielmehr auch in Beisan ein Angriff von Arabern auf Juden erfolgt war. Sir Boyd fragte, warum der arabische Angriff auf Tel-Awiw in dem Communique so dargestellt' wird, daß ,,eine Gruppe in dem Manshieh-Viertel in einen Konflikt mit der Polizei geriet, wobei drei Personen getötet und 24 verwund et wurden?“ Luke gab keine Antwort. Sir Boyd wies auf den offiziellen Bericht über die Kämpfe in Haifa hin, in welchem es hieß, daß ״in Hadar Hakarmd Araber und Juden in Konflikt miteinander gerieten und von der Policzi auseinandergetrieben wurden“. Auch darauf erfolgte keine Antwort. Warum, fragte Sir Boyd weiter, wurden die T 0 t e n v o n Hebron, das doch verwaltungsmäßig nicht zu Jerusalem gehört, in dem Regierungs-Bulletin mit den Jerusalemer Verlusten zusammengezählt? Warum wurde die Abschlachtung von Juden in Hebron, wo doch nur Juden durch Araber getötet und nicht ein einziger Araber durch einen Juden auch nur verletzt wurde, ebenfalls als ״Kampf“ dargestcllt? Luke erwiderte, die Regierung hatte nicht die Absicht, die Scheußlichkeiten in Hebron zu verkleinern, er kön«ö jedöch nicht erklären, warum, das >Cmmn«n!qut'*-sehteWhln5׳djtericlttet’i‘11atte1",־l«ß' •in :י Hebron• ־achtJ Moslems getötet und zehn verwundet wurden, ohne ausdrücklieh mitzuteilen, daß diese Moslemiten durch Polizei nach dem Massaker getötet und verwundet wurden. Luke war auch nicht in der Lage, den Umstand aufzuklären, warum im Regierungs-Communiqud über Haifa berichtet wird, daß 25 Gewehre bei Juden beschlagnahmt wurden, doch vor der Untersuchungskommission festgestellt wurde, daß nur zwei Gewehre gefunden wurden. Sir Boyd fragte weiter, warum die zahlreichen Juden, die in der Haifaer Mühle Zuflucht gesucht haben und dort verhaftet wurden, vier Wochen lang im Gefängnis behalten wurden; warum alle jüdischen und arabischen Verluste zusammengezählt wurden, ohne daß Klarheit darüber gegeben wurde, welche Verluste auf die Militärische Aktion zurückzttführen sind. Luke wollte auch weiter nicht zugeben, daß die Bulletins bewußt die Tendenz verfolgten, die Geschehnisse als einen Zusammenstoß zwischen miteinander rivalisierenden Parteien erscheinen zu lassen, er gab aber zu, daß bei dem Leser ein solcher Eindruck entstehen konnte. Es war, fügte er hinzu, unmöglich, in jenen Tagen sich auf die Zukunft eiiizustellen und die kommenden Wirkungen abzuschätzen. Sir Boyd verlas die von Oberkommissar Sir John Chancellor nach seiner Rückkehr nach Palästina erlassene Proklamation, in der er erklärt, er habe ״mit Entsetzen über die scheußlichen Taten erfahren, die von Rotten roher und blutdürstiger Verbrecher begangen wurden; über barbarische Morde an schützlosen Angehörigen der jüdischen Bevölkerung ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, die, wie in Hebron, von Akten unaussprechlicher Roheit begleitet waren“. Daraufhin erklärten Luke und Preedy, es sei ein Unterschied zwischen einer Proklamation und einem Nachrichten-Bul- 1 e t i n. Sir Boyd verlas Auszüge aus der arabischen Presse Palästinas aus der Zeit nach Jom Kippur vorigen Jahres, die Aufreizungen gegen die jüdische Gemeinschaft, sowie Aufrufe für einen ״heiligen Krieg“ enthalten; er verlas auch Auszüge aus Artikeln der hebräischen Tageszeitungen ״Dawar“ und ״Haarez“, in denen die Regierung auf die drohende Katastrophe aufmerksam gemacht wurde. Luke hielt dem entgegen, daß sich die Situation gerade in der Zeit vor dem letzten Aufruhr g e - bessert hatte. Da er kein Prophet sei, habe er nicht früher Militär anfordern können. Sir Boyd erinnerte an die Aussage von Captain Playfair, daß die Katastrophe hätte vermieden werden können, wenn man einen Tag früher Militär angefordert hätte. Sir Boyd deutete an, daß eine der Ursachen des Kiagemauer- Konfliktes und der durch ihn geschaffenen Erregung der Wunsch des Großmufti war, einen Streit vom Zaune zu brechen, um alle Moslems für sich zu gewinnen; Sir Boyd verlas das von der Palästina-Regierung an das Kolonialamt gesandte Telegramm über die Safed-Unruhen, in welchem es heißt: ״Am Abend des 29. August brachen in Safed Unruhen aus; die dorthin entsendeten Truppen sind bereits an ihrem Ziele. Zwei Moslems wurden getötet und vier verwundet. Es geht das Gerücht, daß 20 Juden getötet und 40 verwundet wurden. Der Häuserbrand dauert an. Luke erklärte, nichts sei in Palästina gefährlicher, als eine Aufhetzung in Verbindung mit mutmaßliehen Angriffen auf heilige Stätten. Sir Boyd verlas arabische Zeitungsäußerungen, in denen von der ״Habsucht und Gier der Juden und ihren schändlich enVersuchen.inden BesritzderMos cheezugelange n“, die Rede ist. Eine Zeitung erinnerte die Araber daran, daß ״das Paradies im Schatten des Schwertes liegt“. Eine andere Zeitung forderte die Araber auf, ״mit dem eitlen Geschwätz aufzuhören, da die Zeit gekommen sei, gegen die Unterdrücker und Eindringlinge zu handeln“. Luke gab zu, daß nicht eine einzige arabische Zeitung wegen Aufhetzung gerichtlich verfolgt wurde, und fügte hinzu, die Zitate seien eintrefflichesCharakteristikam für die arabische Presse. Sir Boyd fragte: Wurden irgendwelche Schritte ergriffen, um den Arabern klar zu machen, daß die Regierung einen Aufrühr nicht zulassen werde? Luke: Man wußte nicht, daß sich ein Aufruhr ereignen wird. Sir Boyd: Glaubten Sie an eine Möglichkeit des Aufruhrs? Luke: In Palästina besteht immer eine solche Möglichkeit. Sir Boyd: War diese Möglichkeit nach dem 16. August nicht akut? Luke: Gewiß war die Lage nach dem 16. August eine gespannte. Sir B o y d wies darauf hui, daß den Behörden weitreichende Vollmachten und Möglichkeiten gegeben sind, gegen Agitatoren einzuschreiten; nichts davon wurde ausgenutzt. Luke erklärte, daß ihm die von ״Dawar“ und Haarez“ gebrachten Mitteilungen über sich vorbereitende Unruhen nicht bekannt waren, da er diese Zeitungen damals nicht gelesen habe. Er könne sich nicht erinnern, daß ihm die Mitglieder des Waad Leumi mitgeteilt haben, daß mit Dolchen und Keulen bewaffnete Araber in Jerusalem eintreffen, und daß sich ernste Ereignisse vorbereiten. Er habe dieser Deputation nicht das Versprechen geben können, die einmarschierenden Dorfbewohner zu entwaffnen, da der stellvertretende Chef- Sekretär Herr Mills der Meinung war, daß dies eine gefährliche Sache sei. Er habe den Großmufti ersucht, am Donnerstag eine beruhigende Ansprache und am Freitag eine beruhigende Predigt zu halten. Ein gleiches Ersuchen richtete er an die Rabbiner bezüglich der Sonnabend-Predigt; die Ironie des Schicksals wollte es, daß dieser Tag der Tag der Hebron-Massaker geworden ist. Luke gab zu, daß er außer den Panzerautos vorderhand keine weiteren Verstärkungen angeforijert habe, da er der Meinung war, daß sich die Spannung soweit verringere, daß es ihm gelingen werde, Moslems und Juden zu einer Konferenz zusammenzubringen. Schließlich erklärte Luke, 1921 haben sich in Jaffa Unruhen ereignet, obwohl eine Division Truppen im Lande stationiert war. Die Entwaffnung britischer Juden Sir Boyd brachte vor: Der Beschluß, die jüdischen Polizei- Freiwilligen zu entwaffnen, wurde am 27. August gefaßt, als Herr Luke bereits eine klare Vorstellung davon haben mußte, wer die Angreifer und wer die Angegriffenen waren. Unter den entwaffneten Juden waren mehrere britische Staatsbürger, einige von ihnen im Zivildienst beschäftigt, andere Persönlichkeiten wie mein Freund Horowitz. Alle diese wurden entwaffnet, weil der Mufti erklärt hatte, daß, sollte dies nicht geschehen, sich weitere Unruhen ereignen würden. Luke erwiderte: Ich mußte Rüdesicht nehmen auf die Sicherheit und den Schutz des Lebens, nicht auf Gefühle. Ich faßte darum diesen schweren Entschluß^ einen der schmerzlichsten und schwersten Entschlüsse, die ich je zu fassen hatte. Luke verlas einen Brief des Militärkommandanten General Dobbie vom 28. August, dem Tage nach der Entwaffnung, der lautet: Juden sollen als Sonderpolizisten nicht angestellt werden, damit die Moslems die Versicherung erhalten, daß Juden von der Regierung in solcher Eigenschaft nicht beschäftigt werden.. Sir Boyd wies darauf Mn, daß die Anregung zu der mißv lungenen rriedensversamnilung zwischen Arabern und Juden.;vm der ia1״NM«i,W^öwiiti«d;. Exekutive handelte. Der Anwalt der arabischen Exekutive brachte zur Sprache, daß die Juden an die Ostwände ihrer Wohnungen Ornamente, den sogenannten ״Misrach“, anbringen mit Szenen aus der biblischen Geschichte, häufig mit Ansichten des Salomonischen Tempels, des Rahel-Grabes und anderer heiliger Stätten; der ״Misrach“ weist den Juden in der ganzen Welt die Richtung des einstigen Tempels und gemahnt sie an die Verheißung, daß der Tempel wieder aufgebaut werden wird. Dieses Symbol, sagte Stoker, Ist eine der unmittelbaren Ur- Sachen des Ausbruchs der Unruhen ln Palästina. Er legte der Kommission mehrere Misrach-Bilder vor, fern« ein Exemplar der New Yorker zionistischen Wochenschrift ״Dos Jiddische Folk" vom 13. April 1920, das eine Zeichnung enthält, die darstellt, wie Theodor Herzl eine Schar Juden in ein Gebäude führt. Dieses Gebäude, sagte Stoker, ist der Felsendom, die jetzige Omar-Moschee. Die Zeichnung ging von Hand zu Hand. Das Mitglied der Kommission Harry Sn eil erklärte, das dargestellte Gebäude habe nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Felsendom. Der Vorsitzende, Sir Walter Shaw bemerkte, daß das Gebäude der britischen Nationalgalerieähnele. H. C. Luke bemerkte seine’rseits, ihm habe der Großmufti diese Zeichnung gezeigt. Es folgte eine allgemeine Aussprache über die Berechtigung des moslemischen Anspruchs auf die Klagemauer als moslemische heilige Stätte, der sich darauf gründet, daß Mohammed gemäß der Legende auf seiner Fahrt zum Himtnel sein Pferd an einen Stein der Klagemauer gebunden hat. Die Diskussion entwickelte sich zu einer Auseinandersetzung über moslemische Theologie und Mythologie. Luke berichtete dann, wie die Erregung unter den Juden angesichts der baulichen Veränderungen an der Kiagemauer und der Oeffnung der neuen Tür, die das Pflaster vor der Mauer in eine Passage umwandelte, gestiegen ist Auf eine Frage, ob andere Juden aus dieser Erregung politisches Kapital schlagen wollten, erwiderte Luke: Das will ich nicht behaupten. Luke erklärte weiter, die Moslems wie die Juden seien ersucht worden, Dokumente zur Unterstützung ihrer Ansprüche auf die Klagemauer vorzulegen. Das Oberrabbinat von Palästina war nicht in der Lage, einen gesetzlichen Anspruch auf die Anbringung von Bänken auf dem Pflaster auf Grund schriftlicher Dokumente zu erbringen, dennoch beanspruchte das Oberrabbinat, daß die Anbringung von Bänken wie in früheren Jahren erlaubt werde. Schließlich hat Harry Sacher im Namen der Zionistischen Exekutive am 27. Mai ein Memorandum überreicht. Hopkins Morris fragte, wie es kommt, daß ein religiöser Streitfall von einer politischen Körperschaft behandelt werde. Luke erwiderte, die Regierung habe Sachers Statement akzeptiert, damit der jüdische Standpunkt nicht unvertreten bleibe. Der arabische Anwalt Stoker brachte zur Sprache, daß der gegenwärtige Oberstaatsanwalt Norman Bentwich im Jahre 1919, als er noch Offizier bei dem ägyptischen Expeditions-Korps gewesen war, ein Buch ״Palestine of the Jews, Past, Present and Future“ veröffentlicht hatte, in welchem der folgende Satz vorkommt: Der Haram, obgleich religiöses Eigentum der Moslems, muß dem Zutritt von Anhängern aller Glaubensbekenntnisse frei bleiben. Luke wies darauf hin, daß ja dieses Buch noch vor dein Mandat und dem Churchili-Weißbuch von 1922 geschrieben wurde. Stoker erklärte, es sei begreiflich, daß sich die Araber dagegen wenden, daß ein so p rononzier ter Zionist Ober- Staatsanwalt in Palästina sein $00, Darauf Luke: Ich