Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 92 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 018 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 22. XI. 1929 M ORT •I eine naüonaljüdisdie Bewegung? Von Dr. A. M o n u 8 s I. Der Vorsitzende des deutschen ״ORT“, Herr Wilhelm Oraetz, und der Vorsitzende des ״ORT“-Wiederaufbaufonds, Herr Dir. Wilhelm Kleemann, unterzeichneten die ״Erklärung deutscher Juden“. Von zionistischer Seite wurde die ORT-Idee und die ORT-Arbeit immer als eine nationale Sache anfeschen. Der wirtschaftliche Aufbau und die ökonomische manzipation der Juden in den Galuth-Ländern stand nicht nur in keinerlei Widerspruch zum nationalen Aufbau in Palästina, sie wurden im Gegenteil als wesentlicher Bestandteil des Zionismus betrachtet. Schon Herzl prägte das Wort, daß ״der Zionismus nicht nur die Rückkehr zum Volke, sondern auch die Umwandlung der Juden zu produktiv arbeitenden Menschen bedeutet“. Die allgemein zionistische und insbesondere die zionistisch-sozialistische Weltan- Behauung stellte sdion von jeher die Formel der sozialwirtschattliehen Umgestaltung des jüdischen Lebens, sowohl in Palästina als auch in den Galuth-Ländern auf. Daher auch die positive Einstellung der Zionisten zur ORT-Bewegung. Selbst der deutsehe Zionismus, für den die Fragen des jüdischen Wirtschaftslebens im Galuth nicht so brennend waren wie für die osteuropäische zionistische Welt, hat seine durchaus bejahende Stelluttg zum ORT durch Wort und Tat bekundet. Im Jahre 1298 schrieben die Führer des deutschen Zionismus, Kurt Blumenfeld und Dr. Martin Rosenbliith, in der deutschen Ausgabe der ״ORT-Mitteilungen“ unter anderem: ״Zu den Aufgaben der zionistischen Bewegung gehört es, alle Bestrebungen zu unterstützen, die der Erhaltung und Förderung des jüdischen Lebens im Galuth dienen.“ Ferner: ״Jeder Versuch, der dem Autlösungs- und Atomisierungsprozeß im Judentum ehrlich entgegenwirkt, findet unsere Unterstützung . . . Die Voraussetzungen eines Gelingens der ORT-Arbeit liegen in dem starken jüdischen Nationälgefühl der ostjüdischen Massen . . . Aus diesen Erwägungen haben wir uns der ORT-Arbeit zur Verfügung gestellt, und sind wir für eine Beteiligung der Zionisten an der Gesellschaft ORT cingetreten . . .“ Und nicht nur im zionistisciien Lager, sondern auch von nichtzionistisch.er Seite sowie von den Führern des ORT wurde ORT als nationaljüdische Volksbewegung hingestellt. Prot. Dubnow schrieb im Bulletin des ORT-Verbandes (März 1925, Nr. 1), daß neben dem Keren Hajessod, der dein Aufbau in Palästina diene, ,noch ein nationaler Fonds für den Aufbau in den Galuth-Ländern errichtet worden wäre und zwar der Wiederaufbaufonds des ORT. Aehnliche Aeußerungen taten auch andere nichtzionistisdie jüdische Persönlichkeiten. Dr. Singalowsky, Mitglied der Zentralverwaltung des ORT-Verbandes, führte 1921 in seiner Abhandlung über ״Die Verbreitung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden“ aus, daß die Bestrebungen des ORT dahingehen, die wirtschaftlichen Kräfte des jüdischen Volkes zu stärken, die jüdische Gesellschaft dem Wege der wirklichen Arbeit für das Volk zuzuführen, ferner, daß ״die Befestigung der jüdischen produktiven Arbeit das Mittel zu unserem nationalen und sozialen Selbstschutz ist“ usw. Gestützt auf diese seine nationale Orientierung konnte der ORT auch tiefe Wurzeln im jüdischen Volke schlagen. In der letzten Zeit jedoch muß leider ein gewisser Um- Schwung in der Einstellung und Taktik des ORT festgestellt werden. Immer mehr verflüchtigt sich das nationale Gepräge des ORT, immer stärker wirbt der ORT um die Sympathie der ausgesprochen assimilatorischen, anfinationalen und selbstverstündlich antizionistischen Kreise. Immer deutlicher macht sich der An t.i Zionismus im ORT breit. Auch die Propaganda des ORT entspricht ganz dem Geschmack und der Einstellung der Herren, die durch Unterzeichnung der ״Erklärung“ den guten Ruf der deutschen Juden zu retten bemüht waren. Es wurde schon vor einiger Zeit in der ״Jüd. Rundschau“ darauf hingewiesen, daß in dem von Dr. Singalowsky erschienenen Aufsatz ״Aufbau und Umbau“ nicht ein einziges Mal von einem ״jüdischen Volk", sondern nur von ״jüdischen Massen“, ״Judenheit“ usw. die Rede ist. Der Verfasser hat seine Abhandiung so ״unparteiisch“ gehalten, daß der ״Philo-Verlag“ si; mit ruhigem Gewissen herausgeben konnte. Bemerkenswert ist auch, daß der Verfasser es sich im gleichen Aufsatze nicht entgehen läßt, den Zionisten ״eins zu versetzen“, indem er das Palästina-Aufbauwerk als ״nationalistisch“ bezeichnet Auf diesen ״neuen Kurs“ im ORT wurde bereits von zlomstischer Seite hingewiesen. Das zionistische Organ in Polen, ״Zionistische Blätter“ sowie das Organ des Welt-Hachaluz ״Heatid“ haben bereits im Frühjahr dieses Jahres dazu Stellung genommen. Die ״Zionistische Blätter“ wandten sich dagegen, daß, während einerseits mit zionistischen Namen Propaganda getrieben wird, man andererseits im ORT eine antizionistische Politik führt. ״Unsere Namen sind uns zu teuer“ betitelte die Zeitschrift den erwähnten Aufsatz. Bisher hat es' aber der ORT immer noch für notwendig erachtet, diese ihm zum Vorwurf gemachte antizionistische Politik zu bestreiten und dies oder jenes als ״bedauerlichen Zufall“ zu erklären. Nun aber haben zwei führende Persönlichkeiten des deutschen ORT, der Vorsitzende, Herr Wilhelm Oraetz und der Vorsitzende des deutsehen ORT-Wicderaufbaufonds, Herr Wilhelm Kleemann, sowie eine Reihe anderer Mitglieder des ORT ihre Namen unter die ,,Eiklärung deutscher Juden“ gesetzt Diese ORT-Führer haben also die Oeffentlichkeit von ihrer Niclitzugehörigkeit zu ״einem jüdischen Volke“ in Kenntnis gesetzt. Die Zentralverwaltung des ORT hat es für gut befunden, hierzu keinerlei Stellung zu nehmen, und die beiden Herren noch weiterhin den deutschen ״ORT“ repräsentieren zu lassen. Auf jeden Fall ist diese Tatsache eine offene Provokation gegen die zionistischen Mitglieder des ״ORT“. An uns Zionisten ist es aber, hieraus keine falschen Kon- Sequenzen zu ziehen und uns etwa von der Mitarbeit am ORT zuiückziehen. Unser Interesse am ORT kann und darf dadurch keineswegs beeinträchtigt werden, denn für uns als Zionisten ist die ORT-Arbeit zumindest von der gleichen Wichtigkeit wie für die jetzigen Führer des ORT. War wir aber jetzt ausdrücklich vom ORT fordern müssen, ist: klar Farbe bekennen! ORT ist eine jüdisch-nationale, auf dem Sein und Wesen jüdischen Lebens basierende Volksbewegung, und das muß offen gesagt werden. Selbstverständlich können und sollen auch Menschen, die nicht gleicher Auffassung sind, am ORT-Werke mitarbeiten, genau so, wie auch Nichtzionisten für den Palästina-Aufbau in Form der Jewish Agency tätig sind. Aber wie die zionistische Weltorganisation müßte auch der ORT deswegen seinen wahren Charakter und sein Gesicht nicht verwischen oder gar aufgeben. Aber — so oder so — es ist für uns Zionisten ׳untragbar, Herrn Oraetz und Herrn Kleemann an der Spitze des deutschem ORT zu sehen. Unsere Forderung an ORT muß dahin präzisiert werden: klares Bekenntnis zum nationalen Charakter des ORT, Uebergabe der Leitung des deutschen ORT an Persönlichkeiten, die das Grundprinzip des ORT anerkennen, zumindest aber öffentlich nicht angreifen. Um im ORT eine andere, dem nationalen Geist und allgemein jüdischen Voraussetzungen mehr angepaßte Politik führen zu können, ist es vor allem notwendig, daß von zionistischer Seite mehr Aktivität in der ORT-Arbeit gezeigt wird, sei cs min innerhalb der Leitung oder in der praktischen Arbeit Nur dadurch ist es möglich, den ״ORT1‘ in die Bahnen zu lenken, in die er auch gehört. 1111.....(lim.111.. An unsere Abonnenten I Um unseren Beziehern, soweit sie Inhaber von Post- Scheckkonten sind, die Zahlung der Abonnementsgebühren zu erleichtern, haben wir uns vom hiesigen Postscheckamt die Bewilligung für das ״Vereinfachte Abbuchung?- verfahren“ erteilen lassen. Wir sind dadurch berechtigt, vom Postscheckkonto derjenigen Kunden, die uns schriftlich die ausdrückliche Bestätigung erteilen, die Bezugsgebühren abzubuchen, so daß dem Abonnenten jede Arbeit bei der Zahlung der Abonnementsbeträge erspart bleibt. Die Einwilligungserklärung der Abonnenten muß ungefähr folgenden Wortlaut haben: ״Ich bin damit einverstanden, daß die Abonnementsgebühren für die ״Jüdische Rundschau“ vierte!- jährlich von meinem Konto Nr.beim Postscheckamt in .abgebucht werden und verpflichte mich, Reklamationen jeder Art nicht beim Postscheckamt, sondern direkt beim Verlag vorzubringen.“ Wir bitten diejenigen Abonnenten, die von dieser äußerst bequemen Zahlungsmethode Gebrauch machen wollen, um umgehende Zusendung einer Einwilligungserklärung. Verlas der Jüdischen Rundschau“ Berlin W15, Meinekestr. 10. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiimiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiniiHiiiniiiiin Die neue Poliklinik der Jüdischen Gemeinde Im großen Sitzungssaal des Gemeindehauses Rosenstraße fand die Einweihungsfeier anläßlich der Eröffnung der neuen Poliklinik der Berliner Jüdischen Gemeinde statt. Einleitende Worte der Weihe sprach Rabbiner Dr. Salomonski. Der Vorsitzende der Gemeinde, Direktor K a r e s k i, übernahm das neue Institut in die Verwaltung des Vorstandes und dankte allen, die an Bau und Einrichtung sich beteiligten. Er entwickelte das große soziale Programm der Gemeinde, von dem die Poliklinik einen Teil bildet. Der Dezernent der neuen Anstalt, Dr. Sandler, gab einen Ueberblick über Entstehungsgeschichte und Aufbau des neuen Instituts, über seine Öe- Ziehung zum jüdischen Krankenhaus und zum Wohlfahrtsamt und begrüßte die neuen Aerzte. deren Aufgabe nicht nur eine medizinische, sondern, in der besonderen Betreuung ihrer Patienten, auch eine jüdische sei. Für die Repräsentanten- Versammlung sprach Rechtsanwalt Dr. Klee, der mit Dank darauf hinwies, daß der Antrag der Jüdischen Volkspartei auf Errichtung, der Poliklinik sofort die einstimmige Zustimmung der gesamten Repräsentantenversammlung gefunden habe. Er wünschte, daß vom Rufe des in der ganzen Welt berühmten alten jüdischen Krankenhauses auch etwas auf dieses neue Institut übergehen möge. Die neuen Aerzte, der Leiter der inneren Abteilung, Professor Dr. Carl Lewin und der Leiter der chirurgischen Abteilung, Privatdozent Dr. Pickardt sprachen ihren Dank für aas in sie gesetzte Vertrauen aus und versprachen alle ihre Kräfte in den Dienst der Poliklinik zu stellen, die Patienten nicht nur medizinisch zu betreuen, sondern dafür zu sorgen, daß sie auch in seelischer Beziehung ihre Befriedigung erhalten. Im Anschluß an die Einweihungsfeier, an der die führenden PerjsönUcMfeifetf äet Jüdischen Gemeinde, die leitenden Aerzte, Assistenzärzte und Verwaltungsbeamte des Krankenhauses, sowie eine Reihe von Ehrenbeamten der Gemeinde teilnahmen, fand eine Besichtigung der mit ihren Einrichtungen in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit stehenden Poliklinik statt. Maxim Gorki richtete durch die russische Presse einen Aufruf an die Oeffentlichkeit und protestiert gegen den überhandnehmenden Antisemitismus. Anlaß für diese Kundgebung bildete ein angeblich von Kommunisten verbreitetes antisemttisches Hetzblatt. Ortsgruppen Dresden. In einer Mitgliederversammlung am 14. November berichteten unsere Teilnehmer an der Lanaesvorstandssitzung vom 10. November. Den Hauptbericht erstattete Herr Dipl.- Ing. Grünstein, Mitglied des Landesvorstandes, in sehr klarer und objektiver Form, indem er einleitend die allgemeine Lage besprach. Für uns ergibt sich die Notwendigkeit einer Neuorientierung, da durch die letzten Vorgänge eine begreifliehe Erregung in unseren Kreisen hervorgerufen worden ist. Im Mittelpunkt des Streites standen die ״Jüdische Rundschau“ sowie die Leitung der Z. V. f. D. und im Zusammenhang mit den Vorwürfen, die gegen deren Stellung zur Araberfrage vorgebracht wurden, bildete diese einen breiten Raum der Erörterungen. Hierbei ist hervorzuheben, daß alle Parteien grundsätzlich für eine Verständigung mit den Arabern sind. Uneinigkeit herrscht nur darüber, auf welcher Grundlage dies zu geschehen hat. Erfreulich war es, festzustellen, daß die Verhandiungen zwar von einer ernsten, aber friedlichen Stimmung getragen waren. Eine bedeutende Rolle spielten die als Gäste /!!gelassenen Vertreter der Ortsgruppen, die in ihrer Ueberwiegenheit sich gegen die Einberufung des Delegiertentages aussprachen. Daß er trotzdem beschlossen wurde,‘hält Grünstein für verfehlt. Nach der erzielten Klärung ist der Dele- BERLINER KALENDER Sonnaßenb, ben SO. Kouemljer^/a-lOUfirabenbS במוצאי שבת, כ״ח מרחשון,.30 נובמבר, שמונה ומחצה־עשר, עורך בית המדרש לעברית של קהלת היהודים בברליו, בבית הקהלה, רוזנשטראסע ב׳, הרצאה עברות עפ״י, תמונות אור, שבה ירצה מר דוב אשבל על "ארץ הגליל קודם גלות בבל ואחריה". אורחים רצויים, &c&rlifd|« Fcfiranflaft her 3üt1if<$tn ®«mein&e ju :Berlin ®rolmanftra&e 36, (!Setf) Slm) unb ©roße .,Jantburger ®trage 27. 23. Scmcftcr. SidjtÜilberoortraq. äonnabenb, ben 80. Sßooember, 81/2 016 10 Itfjr abenig, ftnbei tm iBerroattmigSgetmube 5er jfübifdien ®emefitbe, Sfofenftr. 2, ein fjebräifdiet 'Snrtrag mit Sidjtbilbern ftait, §ert £>. 2f f d) & e I ip iebt über, ®altläa noc unb nadj bem babijlo• tujdjen ffijil. ©äfie roittfotnnten. ״ einsetzende Wahlperiode wird uns dagegen von den wichtigsten Aufgaben des Tages ablenken. Es ist auch zu befürchten, daß sich ein gehässiger Wahlkampf geltend machen wird, während angesichts der allgemeinen ungünstigen innen- und außenpolitischen Verhältnisse eine breite Front im eigenen Lager als dringend erforderlich erscheint. Der zweite Redner, Herr Dr. Schornstein, vertrat als Mitglied des Misrachi deren Standpunkt und damit auch den von Dr. Kollenschcr. Er kritisierte vor allem die überspannte Friedenspolitik der ״Jüdischen Rundschau“, die eine unangebrachte Depressions-Stimmung hervorgerufen hat. Als offizieller Vertreter der Ortsgruppe Dresden auf der Landesvorstands-Sitzung setzte sich Herr Otto L e h - mann energisch für die Haltung der ,,Jüdischen Rundschau“ ein. Ihr muß das hohe Verdienst zugesprochen werden, daß sie den Kopf nicht verlor, sondern Ruhe behielt und sachlich blieb. Ursprünglich war er auch gegen die Abhaltung des Delegiertentages eingestellt, änderte aber seine Ansicht, weil er zu der Ueberzeugung gelangte, daß bei einer Ablehnung eine unerträgliche Wühlerei der Opposition gegen die Leitung sich breit gemacht hätte. Der Abend verlief sehr anregend und es wurde beschlossen, in nächster Zeit öfter derartige Zusammenkünfte zu veranstalten. Insbesondere wurde das Zustandekommen eines politischen Seminars als begrüßenswert erachtet. Frankfurt. (Revisionisten.) Am 9. November sprach in einer revisionistischen Massenversammlung vor über 500 Mensehen Herr Redakteur J. Klinow, Berlin, über das Thema: ״Der Weg zum Judenstaat“. Es wurde in klaren, logischen Begründungen gezeigt, daß eine objektive Verständigungsmög- Iiclikeit mit den Arabern im Augenblick nicht bestehe. Der von seiten des Brith Schalom propagierte Verzicht auf integrale zionistische Forderungen bedeute Aufgabe des Zionismus. Der Weg zum Judenstaat sei nur möglich durch energische Kooperation des jüdischen und des englischen Volkes, die beide im Vorderen Orient gemeinsame Interessen haben. Allerdings sei die heutige Zionistische Exekutive nicht fähig, eine derartige Kooperation durchzuführen, daher müsse bei der jetzigen Lage den Revisionisten die Möglichkeit geboten werden, ihre aktivistische Politik durchzuführen. Nach dem Vortrag fand eine Diskussion statt, an der sich neben parteilosen Zionisten auch kommunistische Vertreter und ein Vertreter der Radikalen Zionisten beteiligten. In seinem Schlußwort in jiddischer Sprache konnte der Referent die kommunistische These vollkommen ad absurdum führen, aber auch darauf hinweisen, daß der radikale Standpunkt vollkommener Programmlosigkeit und auch gewissermaßen von außenpolitischen Experimenten gefährlich sei und keineswegs zu einer Klärung des innerzionistischen Kampfes beitrage. — Nach der Veranstaltung fajid eine interne Zusammenkunft der revisionistischen Partei statt. Lübeck. In der Zeit zwischen dem 2. und dem 11. Oktober veranstaltete unser Landsmann stud. phil. Walter Mecklenburg (Berlin) hier in einer Arbeitsgemeinschaft von über 20 meist jugendlichen Teilnehmern einen hebräischen Kursus über die ersten Kapitel der Genesis. Er erklärte den Bibeltext und) knüpfte daran grammatische Eichungen. Durch seine lebhafte Vortragsweise und sein vielseitiges Wissen fesselte er die Teilnehmer von Anfang bis zu Ende. Ebenso großen Anklang fand sein gleichzeitig gegebener Kursös über die Philosophie des Maimonides und schließlich auch ein Vorträg, den er abends vor der Esra-Loge und dem Jugendbund hielt. Die Lübecker Z. O. ist Herrn Mecklenburg für seine anregende Tätigkeit, zu der er seine kurze Ferienzeit hergab, sehr dankbar. M. J. Erklärung Wir erhalten eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Gegenüber der Erklärung der Zentrale der Zeire Misrachi für Deutschland vom 3. November 1929 (in der Nr. 88 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 8. November 1929) weisen wir auf folgendes hin: Es ist unwahr, daß keine gleichartigen Organisationen wie die der Zeire Misrachi Revisionistlm von Frankfurt a. M. innerhalb der Zionistischen Organisation bestehen. Es ist unwahr, daß der Revisionismus den Prinzipien von Thora w’Awoda widerspreche. Es ist unwahr, daß die Namensgebung der Zeire Misrachi Revisionistim eine bewußte Irreführung der Oeffentlichkeit bezwecke. Wahr ist hingegen, daß in Polen, Galizien, Lettland und Italien gleichartige Gruppen mit der gleichen Bezeichnung bestehen. Es ist im Gegenteil wahr, daß die Zeire Misrachi Revisionistim voll und ganz das Prinzip Thora w’Awoda anerkennen, dabei aber den politischen Standpunkt des Misrachi ablehnen und deshalb sich der revisionistischen Partei angliedern. Wahr ist, daß der heutige Misrachi mit seiner eindeutigen politischen Orientierung im Sinne der zionistischen Majorität von der ursprünglichen Linie des politischen Zionismus abweicht, und daB es demgemäß die historische Aufgabe der Zeire Misrachi Revisionistim sein wird, den Herzischen Zionismus mit Thora w’Awoda zu verbinden. Wir halten die Gleichsetzung jüdisch-religiöser Prinzipien mit der Politik einer zufälligen Majorität für gefährlich. Wir selbst haben das stärkste Interesse, in keinen Zusammenhang mit der Zentrale der Zeire Misrachi für Deutschland gebracht zu werden und sind gerade aus dieser Ueberlegung heraus zur Gründung unserer Gruppe gekommen. Zeire Misrachi Revisionistim (Frankfurt a. M.) Lissauer. Fingerhut. Dazu schreibt uns das Büro der ״Zeire Misrachi“: Die Anhänger der Idee Thora w’Awoda sind in der Brith olamith schel Zeire hechaluz wehapoe! hamisrachi organisiert. Die Zentrale der Zeire Misrachi für Deutschland hat ihren Sitz in Hamburg. Ohne Genehmigung dieser Zentrale hat keine Gruppe in Deutschland das Recht, sich den Namen Zeire Misrachi beizulegen. Wir haben gegen die unberechtigte Führung dieses Namens seitens einer anderen Gruppe beim Kongreßgericht Protest erhoben. Unsere Erklärung in der ״J. R.“ vom 8. November geschah in U ebereinstimmung mit den Anschauungen der Hanhalah haroschith des gesamten Bundes in Jerusalem. Hamburg, 20. November 1929. Zentrale der Zeire Misrachi für Deutschland. Michaelis. Schereschewsky. Lasowski, Sterbefall. Wir erhalten folgende Zuschrift: Mit Nathan (Nute) Saphirstein ist einer der glühendsten Nationaljuden dahingegangen. Voriges Jahr noch äußerte er mir gegenüber den Wunsch, nach Erez-Israel zu fahren, um einen der tiefsten Wünsche seines Lebens zu erfüllen. Nichts kennzeichnet ihn, seine Persönlichkeit, die Tide seiner Seele und seiner Gesinnung, besser, als das Wort, das er während der Palästina- Unruhen sprach: ״Ist es denn nicht besser, verwundet auf dem Straßenpflaster Jerusalems zu liegen, als schwerkrank in der Charite?“ Nathan Saphirstein ist tot. Zurück bleibt eine Erinnerung, eine liebe und teure, die uns den Weg weisen wird, den wir zu gehen haben, den Weg nach Zion. S. H. f