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Jüdische Rundschau · 1929-11-22 · Heft 92 (22.11.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 92 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 014 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 92, 22. XI. 1929 Die Untersuchung Luke als Zeuge Wir haben in der vorigen Nummer über den Beginn der Einvernahme Lukes berichtet. Ueber den weiteren Verlauf des Verhörs meldet die J. T. A. noch folgende Einzelheiten:: In bezug apf die Klagemauer bestätigt Luke, daß es noch immer die offizielle moslemische Meinung sei, daß die Juden nicht nur die Mauer zu besitzen wünschen, sondern sich auch der Moschee bemächtigen wollen. Luke erklärte ferner, daß der vier Tage nach dem Ausbruch der Unruhen von der ״Times“ veröffentlichte Brief des Großmufti keine genaue Interpretation des November-Weißbuches über die Klagemauer gibt. Es ist vollkommen abwegig, dieses Weißbuch dahin auszulegen, daß die Juden nicht das Recht haben, an der Mauer zu beten. Ab* solut unwahr ,sei auch die in dem Briete aufgestellte Behauptung, daß die Zionistische Organisation jemals das Recht beansprucht hat, einen Teil der Moschee zu besitzen, oder auch nur versucht hat, ein solches Recht geltend zu machen. Im Gegenteil, sagte Luke, alle bisherigen zionistischen Erklärungen haben mit Entrüstungdie Behauptungen,daß solche Absichten gehegt werden, zurückgewiesen. Von dieser Position ist die Zionistische Organisation nie abgewichen, und alle von arabischer Seite aufgestellten Behauptungen hinsichtlieh solcher Anmaßungen sind vollkommen grundlos. Herr Luke gab zu, daß der Distriktskommissar von Jcrusalem, Major Keith Roach, die religiösen Empfindungen der Juden verletzte indem er den Befehl wegen Entfernung des Wandschirmes am Versöhnungstage des Jahres l')28 nur dem Diener (Schammes) mitteilte. Hopkins Morris, das libcralc Mitglied der Kommission, fragte, ob die Zionistische Exekutive über religiöse Angelegenheiten von der Regierung informiert wird. Der Regierungsanwa.lt Kenelm Preedy versuchte zu beweisen, daß die Regierung nicht verpflichtet sei, die Exekutive in allen Fragen zu Rate zu ziehen. Der Anwalt der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Merriman, erklärte, die Entfernung des Wandschirms sei eine Angelegenheit gewesen, die die Interessen der jüdischen Bevölkerung berührt und die Zionistische Exekutive hätte darum zu Rate gezogen werden sollen. Herr Luke sagte, er glaube, der Diener an der Mauer sei nicht der Ziomstisdchen Exekutive unterstellt. Eine Autorität an der Mauer gibt es in Wirklichkeit nicht. Luke habe diese Angelegenheit einmal mit Dr. Weizmann besprochen. Niemand also weiß, bemerkte der Vorsitzende, Sir Walter Shaw, wer der mit der Angelegenheit der Mauer betraute Beamte ist Sir Henry Betterton, das konservative Mitglied der Kommission, fragte, wer den Schammes (Aufseher) ernennt. Luke erwiderte, er wisse es nicht; möglicherweise sei eben dieser Schammes die höchste Autoritat. Darauf erklärte Merriman, das Oberrabbinat stelle die Autorität an der Mauer dar, aber die Regierung trat mit dem Oberrabbinat nicht in Verbindung. Die Polizei ging einfach hin und schleppte den Wandschirm fort, womit die Judenheit der ganzen weit beleidigt wurde. Wir alle, bemerkte hierzu Luke, fühlten tiefstes Bedauern. Als Merriman einen in einer arabischen Zeitung erschienenen Bericht vorlas, wonach am 2. August in der Moschee eine Versammlung abgehalten wurde, in der Tausende Moslems schwuren, die Aksa-Moschee mit aller Kraft gegen die Juden zu verteidigen, bemerkte Luke, er erinnere sich nicht, daß von jüdischer Seite im Zusammenhang mit der Mauer irgendeine Aktion unternommen wurde, die dazu angetan gewesen wäre, die Moslems zu beunruhigen. Sir Boyd erinnerte Luke an den Besuch, den Rutenberg am 6. August Luke abgestattet hat und in welchem Rutenberg ihm die Besorgnis über die unter den Juden immer mehrwachsendeErregung mitteilte. Rutenberg erzählte, daß nicht nur orthodoxe Juden, sondern auch viele junge Leute aus dem nichtorthodoxen Lager nach Jerusalem kommen wollen, weil sie wegen des neuen Baues an der Klagemauer erregt seien, und daß diese jungen Leute Dinge tun könnten, die Menschen mit klarem Kopfe bedauern würden. Sir Boyd sagte, Rutenberg habe Luke angefleht, die Demonstration an der Klagemauer nicht zu erlauben; er bat ihn, zu bedenken, was es bedeuten würde, wenn ein einziger Tropfen jüdischen Blutes am Tischa b’Aw an der Klagemauer vergossen werden würde. Luke sagte, er erinnere sich an diese Warnung Rutenbergs nicht. Damals war die Situation nicht gar so ernst. Luke erklärte auf Befragen, daß die Zeitung ,,Felestin“ ebenso wie andere arabische Zeitungen, die sich früher dem Regime der Familie Husseini widersetzt hatten, jetzt den Groß in u f t i unterstützt. Seit den Unruhen gibt es fast keine Parteipolitik unter den Arabern mehr. Sir Boyd zitierte ״Felestin“ vom 13. August, wonach die Scheichs in Nablus und in Haifa sowie alle Vertrauensmänner des Wakf Order erhalten hatten, Vereinigungen zum Schutze der moslemischen heiligen Stätten zu gründen. Haben dies die Juden provoziert? Luke erwiderte: Die Reden auf dem Zionistenk o n g r e ß in Zürich haben die Gefühle erregt. Er verlas einen Passus aus einer Rede Harry Sachers, in dem es heißt, das Mandat gehe über das Weißbuch betreffend den Status quo hinaus. Luke erklärte, es bestünde ein Unterschied zwischen der moslemischen und der jüdischeu Auffassung. Die Juden nehmen für sich das Recht in Anspruch, an der Mauer zu beten und die zum Gebete notwendigen Zubehöre heranzubringen. Die Frage ist nur, welche Zubehöre statthaft seien. Die Resolution des Zionisten* kongresses, die die ungestörte Andachtsübung verlangt, sei geeignet gewesen, Beunruhigung zu erregen. Sir Boyd fragt Luke, ob er, als er die jüdische Pro- Zession am Tischa b’Aw gestattet habe, daran gedacht habe, daß die Moslemiten eine G egende monstration veranstalten könnten. Luke erwiderte, er habe keine Zeit gehabt, an die Wirkung zu denken, er habe sich darauf beschränkt, eine Gegendemonstration zu verhindern 1 Tauben Sie, fragte Sir Boyd, daß, wenn Sie die Demonstration verboten hätten, ein allgemeines Massaker die Folge gewesen wäre? Das sagte ich nicht, erwiderte Luke, aber eine Demonstration im' Haram-uebiet hätte nur mit'beträchtlichen Blutopfern verhindert werden können, Sir Boyd fragte, ob Luke die ge riehtliehe Verfolgung von Juden wegen Verletzung der für die Tischa b'Aw-Prozession gegebenen Instruktionen veranlaßt habe. Luke erwiderte, dies wäre Sache des Ober- Staatsanwalts gewesen. Sir Boyd fragte, ob im Zusammenhang mit der Prozession Juden verhaftet wurden. Luke verneinte dies. # Im weiteren Verlauf der Einvemahmjs. welche die Vorgange an der Klagemauer zum Gegenstände hatte, stellte Sir Boyd Merriman an Luke die Frage: ״Ist es richtig, daß die Regierung, indem sie diesen Befehl (Verbot des Schofarblase ns) gab, Drohungen nachgab?“ Der Regierungsanwalt Mr. Preedy erhob Einspruch gegen diese Frage, da der Jom Kippur, an welchem dieses verbot erfolgte, nicht mehr in die Zeit fällt, in der Luke Regierungschef war. Merriman betonte demgegenüber, die Kommission sollte Interesse für die allgemeine Haltung der Regierung zeigen. Darauf zog sich die Kommission zur Beratung zurück und nach einiger Zeit teilte sie ihre Entscheidüng mit, daß die Frage Merrimans als zulässig erklärt worden Ist. Preedy erhob jedoch neuerliche Einwendungen, und nach der Mittagspause wurde eine neuerliche Entsenddüng der Kommission mitgeteilt, daß die Frage an Luke nicht gerichtet werden könne, falls er dagegen Einwendungen erhebt. Im Verlauf der weiteren Verhandlungen gab Luke zu, daß die Juden berechtigt waren, Zweifel zu hegen, ob die Klagemauer wirklich für die Moslems heilig sei. Merriman zitierte daraufhin die Erklärung Sir John Chancellors vor der Mandatskoinmlssion in Genf, daß die Moslems erst in letzter Zeit die Heiligkeit der von ihnen ״Burak“ genannten Klagemauer entdeckt hätten. Mit größtem Interesse wurden die Aussagen lukcs über die Entwaffnung der britischen Juden, die bekanntlich seinerzeit größtes Aufsehen und große Entrüstung hervorgerufen hat, entgegenenommen. Luke sagte, seine Entscheidung, den zionistischen Antrag auf Bewaffnung von 500 Juden abzulehnen, sei ohne Einflußnahme seitens der Moslems erfolgt. Er selbst sei überzeugt gewesen, daß die Bewaffnung der Juden die Situation außerordentlich erschwert hätte und eine weit größere Anzahl von Juden in Gefahr gebracht hätte, als die Bewaffnung der 500 geschützt hätte. Luke sagte, er habe gewußt, daß die ersten britischen Truppen am nachmittag des 24. August eintreffen werden. Der Mufti und andere moslemische Führer haben, ohne ihn zu befragen, ein beruhigendes Manifest an die Araber erlassen, worin erklärt wird, die Regierung habe die Juden nicht bewaffnet. Erst nachher wurde ihnen diese Entscheidung der Regierung mitgeteilt. Emir Abdulla habe geholfen, einen Teil des Stammes der Bnl Sakr, welche ihren Brüdern in Palästina zu Hilfe eilen wollten, und stark bewaffnet waren, zurückzuhalten. Der Zeuge erklärt weiter, am 27. August, mittags, sei ihm berichtet worden, daß erregte Scharen von M’ös'ems auf dem Platz der Moschee von dem Mufti Waffen fordern. Der Mufti befürchtete einen neuen arabischen Einbruch in die Altstadt. Luke empfing eine von Musa Kaslm Pascha geführte Deputation, die erklärte, die Araber seien erregt, well sie bewaffnete Juden sehen. Augenscheinlich habe die Deputation auf die britischen Juden angespielt, die als Hilfspolizisten Dienst taten. Der Zeuge gab den Arabern die Versicherung, daß die Regierung die jüdischen Kolonien nicht bewaffnet hat und nach einer Beratung mit Brigadier Dobbie beschloß er, die Juden, die von der Regierung bewaffnet worden waren, zu entvvaffnen? um dadurch jede Möglichkeit eines ^MJßyerstäiidnisses .<Jer Araber, daß die Re- 'gfe'r u'ngmfyh'tl hr Wy)r"t"gyhältmn hab®* zuze r*. streuen. Dieser Beschloß lag ganz und gar im Interesse der Juden selbst und sollte keine Kränkung gegen die Herren sein, die entwaffnet wurden. Er habe dem Staats- Sekretär mitgeteilt, daß die Entwaffnung dieser Herren, von denen viele seine persönlichen Bekannte sind, äußerst unangenehm, peinlich und schwierig gewesen ist. Er sei aber überzeugt gewesen, daß der Schaden, der dadurch entstanden wäre, dafl man eine kleine Zahl' von Juden bewaffnet läßt, jeden Vorteil aufgehoben hätte. Man hat den Beschluß als befremdend bezeichnet, während in Wahrheit ein gegenteiliger Beschluß befremdend gewesen wäre. Er würde jederzeit wieder in derselben Weise handeln. Nachdem der Bescliluß, die Juden zu entwaffnen, der arabischen Deputation mitgetcilt worden war, zerstreute sich die auf dem Moschee- Platz angesammelte Menge und die Spannung ließ nach. * Den vorhergehenden Sitzungen trägt die J. T. A. noch folgendes nach: Nachdem Dr. Wolfgang von Weisl vor der Untersuchungskommission die Ereignisse des verhängnisvollen Freitag bis zu seiner eigenen schweren Verwundung geschildert hat, zog ihn der Anwalt der arabischen Exekutive, Herr Stoker, in ein Kreuzverhör. Er wollte wissen, was Revisionismus ist. Weisl erwiderfe, weÄn er auch nicht mit dem Führer der Zionistischen Weltorganisation Dr. Weizmann übereinstimme, so sei es doch falsch zu sagen, daß die Revisionisten Im Vergleich zu anderen Zionisten extrem sind. Die Revisionisten betrachten Dr. Weizmanns politische und wirtschaftliche Richtlinien als für den Fortschritt Palästinas und der Zionistischen Organisation in dreifacher Hinsicht schädlich: 1. Dr. Weizmann legt Nachdtuck auf die philantropische Seite des Palästinawerkes; die Revisionisten aber glauben nicht, daß man mit Gaben allein das Land aufbauen kann, Wenn wir auch die Bedeutung der Geldspenden anerkennen. 2. Das System des Gddsammelns läßt als notwendig erscheinen, die Verhältnisse als befriedigend darzustellen, während wir die Verhältnisse als unbefriedigend ansehen. 3. Die Revisionisten bekämpfen di« unproduktive Art, in der die gesammelten Gelder in Palästina verwendet werden. Stoker wies auf einen ini Organ der amerikanischen Zionisten ״New Palestine“ erschienenen Artikel Dr. Welzmanns hin, in welchem es heißt: Der Sch'üssel zum Tore Palästinas liegt nicht in den Händen des High Commissioner, sondern in den Taschen der Juden Amerikas, und fragte Weisl, ob er dem zustimme. Weisl erwiderte, er möchte nicht Dr. Weizmanns Worte erläutern, aber er verstehe sie so, daß Dr. Weizmann sagen wollte: wenn die Juden Amerikas ihre finanzielle Leistung erhöhen, so wirden die Tore Palästinas weiter als bisher geöffnet werden. Die Revisionisten feilen diese Ansicht nicht, sie glauben, daß der Schlüssel gerade in den Händen des High Commissioner liegt; wenn eine günstigere Gesetzgebung hihsidhtlich der jüdischen Einwanderung bestünde, so würden die Juden schon bereit sein, die für diese Einwanderung notwendigen Millionen bereitzustellen. Auch der Rigierutigsanwalt Kenelm Preedy stellte Fragen über den Revisionismus, Das Ziel des Revisionismus, erwiderte Dr. von Weisl, ist die allmähliche Bildung einer jüdisehen Mehrheit in Palästina. Mit dem Worte ״allmählieh“ ist ein Zeitraum von 25 bis 30 Jahren gemeint. Die Revisionisten hotten, daß die Araber, auch wenn sie eine Minderheit der Bevölkerung darstellen werden, nicht weniger Rechte genießen werden, als sie die Revisionisten für aie heutige jüdische Minderheit in Palästina fordern. Glauben Sie nicht, fragte Preedy, daß ein arabischer Aufruhr dadurch kommen könnte, daß die Araber fürchteten, majorisiert zu werden? Eine solche Furcht wäre unberechtigt, erwiderte Weisl. Palästina und Transjordanien vermögen fünf Millionen Menschen zu ernähren, davon könnten nächtens drei Millionen Juden sein. Nur wenn sie die Mehrheit bilden, werden sie vor einer Unterdrückung seitens der Araber sicher sein, während die Araber von einer jüdischen Mehrheit nichts zu fürchten hätten. Der Distriksbeamte von Nablus Der Distriktsbeamte von Nablus, Herr Miller, sagte aus, Rowdy-Elemente unter den Moslems von Nablus haben sich am 17.. August, dem Geburtstag des Propheten, nach Jerusalem begeben; dies mußte auffauen, denn für gewöhnlieh begibt sich nur die bessere Klasse an solchen Tagen nach der Hauptstadt. Die Vereinigung moslemischer junger Männer ist im Oegensatz zu der Vereinigung christlicher junger Männer nicht eine religiöse, sondern eine politische Körperschaft. Diese Vereinigung wollte die Demonstration der Jugend von Tel-Awiw an der Jerusalemer Klagemauer mit einer Gegendemonstration beantworten, aber Miller gab die Erlaubnis hierzu nicht, Am 20. August waren die Läden in Nablus infolge von Gerüchten, daß Juden in Jerusalem Moslems getötet haben, geschlossen. Als er der Menge sagte, das Gerücht sei falsch, schrie der Mob: Wir glauben nur dem Großmufti. Der Mufti telephonierte nach Nablus, daß er die Hilfe der moslemischen Jugend von Nablus nicht benötige, woraufhin ein führender Moslemit dem Mufti die Versicherung gab, daß alle in Nablus auf seine Befehle warten. Die Uneinigkeit, die früher unter den Moslemjten geherrscht hat, machte am 16. August im Zusammenhang mit der »Klagemauerfrage einer Einigkeit Platz. Miller erzählte noch, er habe zwei Handgranaten deutscher Provenienz in den Händen von Nablus- Arabern gesehen. Ohne das Werk von Agitatoren wäre es trotz der jüdischen Demonstration nirgends zu Unruhen gekommen. Ein antizionistischer Zeuge - und wie er Anlizloaist wurde Mit Rücksicht auf die antizionistischen Aussagen des amerikanischen Journalisten S h e a n vor der Untersuchungskommission in Jerusalem teilte Herr Meyer W e i s g a 1, Redakteur des ״New Palestine“, der J.T. A. folgendes mit: Im April kam Herr Shean in unser Büro, uns empfohlen als der Vertreter der North American Newpaper Alliance, und stellte an die Zionistische Organisation Amerikas das Ersuchen, ihm 20 00 Dollar für eine Reise nach Palästina zur Verfügung zu stellen. Ich machte den Vorschlag, daß ich ihm 500 Dollar als Vorschuß für vier zu liefernde Artikel gebe, während ihm der Rest von 1500 Dollar nach seiner Rückkehr aus Palästina als Honorar für zu haltende Palästina-Vorträge gegeben werden würde. Das Administrative Committee lehnte aber diesen Vorschlag ab. Am 10. Mai gab ich Herrn Shean 500 Dollar als Vorschuß für vier Artikel im ,,New Palestine“. Im Juli erhielten wir verschiedene dringliche Bitten des Herrn Shean, ihm 1500 Dollar zu schicken. Dies konnte aber nicht!geschehen, weil das Administrative Committee Sheans Er- ,suchen zum zweitenmal ubgelehht hat, Ende August, als die Unruhen in Jerusalem stattfanäen, übermittelte Shean der ״New York World“ telegraphisch einen Bericht über die Ereignisse, der im höchsten Grade unfair war. Es lag auf der Hand, daß Herr Shean nur darum vom Zionisten zum Antizionisten würde, weil ihm die erbetene Geldsumme nicht bewilligt worden war. Dem Redakteur des ״New York World“ wurde von diesen Tatsachen Kenntnis gegeben, woraufhin Herrn Sheans Telegramme aufgehört hatten, im World zu erscheinen. Ich möchte ninzufügen, schließt Herr Weisgal, daß ״New Palestine“ keinen einzigen der vier Artikel von Herrn Shean erhielt, für die ihm 500 Dollar ausbezahlt wurden. Jiddiscbisten and Warschauer Jadengemeinde W a r s c h a u, 18. November. (J. T. A.) Die seit einiger Zelt zwischen der Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Warschau und den radikalen jüdischen Arbeiter-Kulturkfeisen, die sich nach dem ״Bund“ orientieren, herrschende Spannung wegen der Frage der Subventionierung der Zentralen Jiddisehen Schulorganisation (ZJSCHO) durch die Gemeinde hat gestern zu einer Entladung geführt. Gegen 1 Uhr mittags drangen Scharen jüdischer A rbeiter und Eltern der ZJSCHO-Schulen besuchenden Kinder, sowie «in Teil der Schuljugend selbst, in das Hauptgebäude der Jüdischen Gemeinae ein und richteten dort Zerstörungen an. Der Präsident der Gemeinde, Sejmabgeordneter Farbstein, und die Beamten der Gemeinde, hatten sich vergebens bemüht, die Menge zu beruhigen. Dem Präsidenten wurde zugerufen: ״Warum zahlt Ihr die Gelder nicht aus, die Ihr unseren Schulen bewilligt habt?“ — Bevor die verständigte Polizei zur Stelle war, hatte die Menge das Gebäude verlassen. — Die Vorgeschichte ist folgende: Vor einigen Wochen erschien eine Abordnung der Eltern der die ZJSCHO-Schulen besuchenden Kinder bei Farbstein und ersuchte um Auszahlung der den Schulverwaltungen versprochenen Subventionen. Präsident Farbstein erklärte, daß auf Verlangen jener Mitglieder der Gemeindeverwaltung, die der Partei der Agudas Jisroel angehören, die Frage der Subventionierung noch einmal zur Verhandlung kommen müsse. Noch am gleichen Tage hat der Gemeindevorsteher den Beschluß gefaßt, die Subventionen an die ZJSCHO-Schulen solange nicht zur Auszahlung zu bringen, als nicht in diesen Schulen ״T’nach“ in der Urspräche und mit bedecktem Haupt gelehrt wird. Dieser Be- Schluß der Gemeinde hat in den radikalen Jiddischistenkreisen große Erregung hervorgerufen, die sich mm in den Ueberfall auf das Gebäude der Gemeinde entlud. Die Todesurteile ln Palästina Wiewohl wir die Diskussion über die Frage einer eventueüen jüdischen Stellungnahme zur Vollstreckung der Todesurteile bereits geschlossen haben, halten wir uns für verpflichtet, mitzuteilen, daß soeben noch zwei Aenßerungen palästinensischer Rechtsanwälte zu dieser Frage bei uns angelangt sind, und zwar der Herren Dr. Hüb (Haifa) und Dr. Weinberg (Tel-Awiw). Beide Herren begründen aus den rechtlichen, kulturellen und politischen Tatsachen Palästinas, daß dort die Vollstreckung von Todesurteilen anders zu beurteilen ist, als die Qegner der Todesstrafe es sonst tun; sic sind der Ansicht, daß der Staat für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich ist und sich die Juden ia diese Sache nicht einmischen sollen.

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