Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 92 (22.11.1929)
- Date
- 1929-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 92, 22. Xt. 1929 Seite 813 Wirtschaftlicher Aufstieg Pflanzungen — Der Großbetrieb ״Tel Mond*'—Bauwesen Problem des Wiederaufbaus - Politik und Wirtschaft Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AO. Tel-Avvivv, den 11. November 1929. % Da sieh das Interesse der ()Öffentlichkeit im Lande heute vollständig auf politische Ereignisse konzentriert und die Berichte über die Verhandlungen der Untersuchungskommission immer neuen Stoff zu politischen Diskussionen und Hypothesen geben, sind andere als politische Themen fast vollständig aus der öffentlichen Diskussion verschwunden. So ist es zu erklären, daß die Entwicklung auf den übrigen Gebieten, vor allem in der Wirtschaft, fast nicht bemerkt wird oder zumindest nur wenig Interesse erweckt. Palästina ist jedoch in den letzten Monaten in eine Phase des wirtschaftlichen Aufstiegs eingetreten. Diese wirtschaftliche Entwicklung hat mit dem Moment eingesetzt, wo die letzte Phase der Arbeitslosigkeit überwunden war, also bereits vor dem Züricher Kongreß. Charakteristisch für die heutige Situation ist der Umstand, daß das Land von neuem beträchtliche Arbeitsmöglichkeiten für neue Einwanderer bietet. Man kann heute, im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren bereits von einem Arbeitermangel reden. Diese Eischeinung ist die natürliche Folge jener Aufstiegstendenz, die wir bereits im Laufe des letzten Sommers spürten und die durch die Unruhen nur für kurze Zeit zurückgeworfen wurde. In erster Linie kommt heute für die Aufnahme von Arbeitern das Pflanzungsgebiet in Betracht, in zweiter Linie das Bauwesen und verschiedene andere städtische Unternehmungen; außerdem werden sich beträchtliche Arbeitsmöglichkeiten ergeben, sobald die Pläne für den ״Wieder* aufbau“ der durch die Unruhen geschädigten Punkte fertiggestellt worden sind und in Ausführung genommen werden. Die Frage der Beschäftigung von Juden in den öffentlichen Arbeiten der Regierung, die für dieses Jahr auf dem Programm stehen (Errichtung von Regierungsgebäuden, Hafenbau usw.) ist durch die komplizierte politische Situation getrübt worden und es wird sich erst im Laufe der nächsten Monate herausstellen, welche Möglichkeiten für uns dort bestehen. Bei der gegenwärtigen Haltung der Regierung, die durchaus Schwankend ist, läßt sich heute über diesen Punkt nichts Sicheres aussagen. Die Aktivität in der Pflanzungszone ist weiter dauernd iin Steigen begriffen. Gerade in diesen Wochen, vor dem Einsetzen der Regenzeiten wird überall auf den neuen Orangenböden in großem Tempo gearbeitet, um die Winterpflanzung vorzubereiten. Neben den kleinen und mittleren Flächen werdera die großen Areale unter Bearbeitung genommen, die von den verschiedenen Orangengesellsdiaften erworben worden sind. Die größte Unternehmung dieser Art, die Pflanzungsgesellschaft, an deren Spitze Lord Melchett steht, hat dieses Jahr mit der Pflanzung der ersten tausend Dunam begönnen. Die Gesellschaft besitzt einen riesigen Bodenkomplex, der sich von den neuen Kolonien in der Saronebene nordwärts erstreckt. Sie unterscheidet sich von den übrigen Pflanzungs- Unternehmungen nicht nur durch ihre Größe (ejas Kapital beträgt 300 000 Pfund), sondern auch durch die Organisation ihrer Arbeit. Das Ziel der Melchett-Gesellschaft ist nicht Kolon!sahon, sondern gewissermaßen die Errichtung einer riesig er» Ora ngenfabftitfc I#-.Jedem•.■Jäter,sollen 1:000; Dunam unter», den Pflug genommen werden. Die Pflanzung wird als Großbetrieb eingerichtet, mit modernsten Maschinen und einer Arbeitseinteilung, die auf eine möglichst große Medianisterung hinsteuert. Obwohl mit den riesigen Pflügemaschinen 20 Dunam pro Tag bearbeitet werden, sind nicht mehr als 70 Arbeiter zurzeit in ״Tel Mond“, wie der Platz genannt worden ist, beschäftigt. Im Winter, wenn die Pflanzung der Setzlinge beginnt, werden 150—200 Mann Beschäftigung finden. Für die ständigen Arbeiter sind Häuser für je fünf Menschen errichtet worden, für die Gelegenheitsarbeiter Baracken. Für medizinische Hilfe wird gesorgt, Unfallversicherung besteht. Das ganze System — von dem Versuch, Schwarzarbeit so weit wie möglich auszuschalten bis zur Mechanisierung des Betriebes und der Schaffung annehmbarer Arbeitsbedingungen — ist eine Uebertragung der Prinzipien der großen amerikanisch-europäisehen Großbetriebe auf die Plantagenwirtschaft. Ein Versuch, der für Palästina eine Neuerung darstellt. Die Gesellschaft hat keine Kolonisationspläne. Sie will die fertig bearbeiteten Plantagen an Private verkaufen und zwar in kleinen Parzellen, von 10—25 Dunam. Sie gibt dem Käufer, wenn es verlangt wird, die Möglichkeit, gesondert Boden für ein Haus zu erwerben. Jedoch sind die Anlagen so geordnet, daß sie nur für einen Großbetrieb in Frage kommen, das heißt, es gibt keine Möglichkeit innerhalb der großen bepflanzten Flächen Häuser zu erbauen bzw. Kleinwirtschaften einzurichten. Jeder Käufer kann seine Parzelle durch die Gc- Seilschaft weiter verwalten lassen, auch der Export der Früchte wird — wenn gewünscht — von ihr übernommen. Diese Einbeziehung des Exports in die Plantagenwirtschaft ist ebenfalls in diesem Maßstabe eine Neuerung. Mit Hinblick auf eine Konzenfration des Exports hat Lord Melchett als zweiten bedeutenden Kapitalisten ״White fk Son“, eine der bedeutendsten Orangenexportfirmen des Landes, heran gezogen. In Tel-Mond sind riesige Häuser für das Packen der Früchte geplant und es ist auch die Versendung fremder Orangen in Aussicht genotrimen. Zieht man jedoch das riesige Areal der Gesellschaft in Betracht, das nach voller Bepflanzung allein eine Million Kisten pro Jahr liefern soll, so ist es klar, daß die Produkte der Gesellschaft allein für die Beschäftigung eines großen Exporthandels genügen. Nur an einer Stelle gedenkt sich die Gesellschaft auch mit Kolonisation — wznn auch nur mittelbar — zu befassen. Der Keren Kaiemeth hat bei Tel-Mond 500 Dijnam für die Ansiedlung der festen Arbeiter der Gesellschaft erworben. Hier werden 75 Häuser geplant, die in nächster Zeit begonnen werden sollen. * Itn Baugewerbe spürt man die Anfänge einer neuen Bewegung. An verschiedenen Stellen, vor allem in Jerusalem und Haifa hatte sich bereits im Laufe des Sommers Mangel an Wohnungen bemerkbar gemacht. Auch in Tel-Awiw gibt es bum mehr leerstehende Häuser. Jetzt nach den Unruhen haben sich besondere Fragen in der Wohnungspolitik erhoben. Die schon früher spürbare Tendenz der Juden, sich in geschlossenen Vierteln anzusiedeln und die einerseits zur Gründüng und zum Wachstum von Tel-Awiw, in Jerusalem und Haifa zum Bau der modernen Jüdischen Viertel führte, hat JUEDISCHE RUNDSCHAU durch die Unruhen einen neuen gewaltigen Antrieb bekommen, Ueberall streben die Juden danach, die gemischten Viertel zu verlassen und in den fein jüdischen unterzukommen. Der Wohnungsmangel, der durch diese Tendenz in Jerusalem und Haifa entstehen muß, ist betrachtlieh. Auch in Jaffa besteht bei den Juden Neigung, ihren Wohnsitz nach Tel-Awiw zu verlegen. Im Zusammenhang mit dieser Bewegung erhebt sich die Frage der Kapital- Versorgung des Baumarktes und ähnliches mehr. So kompliziert diese Dinge auch liegen mögen, läßt sich doch ein Aufstieg der Baubewegung für das nächste Jahr erwarten. Einen weiteren großen Komplex neuer Wirtschaftsaktionen kann man unter dem Begriff des ״Wiederaufbaues" zusammenfassen. Was bisher für die von den Unruhen Gcschädigten unternommen wurde, liegt nicht auf rein Wirtschaftlkhem Gebiet. Es handelt sich zuerst einmal um unmittelbare Hilfeleistung für Waisen und Witwen, Invaliden und Verwundete, um die Speisung und Kleidung der Flüchtlinge. Diese Hilfsaktion hat bisher bereits große Summen verschlungen und wird auch weiter große Mittel fordern. Nach den Berechnungen der zuständigen Kommission haben wir a'lein für diese Zwecke der direkten Unterstützung mit mehr a's hunderttausend Pfund zu rechnen, von denen ein großer Teil bereits verwendet worden ist. Im Zusammenhang mit dieser Hilfsaktion stehen die kleinen Anleihen an Flüchtlinge, die mit Hilfe geringerer Summen in den Stand gesetzt werden, von neuem ihren Unterhalt zu verdienen. Diese meist langfristigen Anleihen haben bisher gegen 7003 Pfund erfordert, womit jedoch der Bedarf keineswegs erschöpft ist. Die unmittelbare Unterstützungsarbeit gehört nicht eigentlieh in den wirtschaftlichen Rahmen hinein und ist auch bereits aus den Händen der Jewish Agency in die des Waad Leumi, als der Vertretung der palästinensischen Judenheit übergegangen. Anders steht es mit der eigentlichen Wiederaufbauarbeit, die ein kolonisatorisches Problem par exeilence darstellt. Zur Herstellung der nötigen Pläne, die den Wiederaufbau bzw. den Ausbau der geschädigten Punkte umfassen, ist von der Jewish Agency eine Kommission eingesetzt worden. Ihre Pläne sind zwar bereits fertiggestellt, liegen jedoch noch nicht zur öffentlichen Diskussion vor. Sie sind zuerst nach London gesandt worden, wo sie von dem Komitee, das die Gelder gesammelt hat, geprüft werden. Der Plan jedoch, der von Jerusalem ausging, war keineswegs einheitlich. Es lag ein Majoritäts- und ein Minoritätsbericht der Kommission vor, und außerdem ist es bereits ersichtlich, daß sich in bezug auf den Charakter und Umfang des Wiederaufbaus ernsthafte Meinungsverschiedenheiten ergeben. Während ein Teil der Experten und auch der Mitglieder der Exekutive den Plan nach rein wirtschaftlichen Motiven gestalten wollen, das heißt die Absicht haben, vielversprechende Punkte rasch zu entwickeln, und andere, bei denen die wirtschaftlichen Perspektiven schlecht sind, nur in geringem Maße zu berücksichtigen, geht die andere Richtung nicht so sehr von wirtschaftlichen als von politischen und, wenn man, will, von propagandistischen Gesichtspunkten aus. Es kommt nach dieser zweiten Ansicht vor allem darauf an zu beweisen, daß die Juden nicht gesonnen seien, von irgendwelchen Punkten, die angegriffen worden sind, zurückzuweichen, und es gilt für sie vor allem die Richtlinie, alles zu tun, um diese angegriffenen Punkte zu stärken. Als Beispiel fceifiWer Hebron gegeben, das bisher als eines der Zentren desז alten Jischuw nicht als Kolonisationspunkt betrachtet wurde, der in den Bereich der Jewish Agency fällt. Heute erhebt sich die Frage, ob Hebron aus Gründen seiner Sicherung zum Mittelpunkt nicht nur städtischer Berufe, sondern auch landwirtschaftlicher Kolonisation gemacht werden muß bzw. kann. Dies nur als Beispiel. Die ganze Diskussion, die bisher von der Oeffentliehkeit noch nicht aufgenommen wurde, hat sich zuerst in der zuständigen Kommission abgewickelt und ist in den letzten Tagen durch einen äußerst scharfen Brief von Ussischkin publik gemacht worden. Der Brief ist an Brodetski als Mitglied der Londoner Exekutive gerichtet und wendet sich heftig gegen den Standpunkt der ״Wirtschaftlichkeit“, der uns nach seiner Meinung zu einer nationalen Katastrophe führen muß. Palästina und die Zionistische Organisation wird sich mit den gesamten Fragen des Wiederaufbaus gründlich zu beschäftigen haben, sobald die ausführlichen Pläne der Kommission vorliegen. Ohne diese Pläne muß jede Debatte einen verschwommenen Charakter tragen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse und Perspektiven sind heute als günstig zu bezeichnen. Es ist bemerkenswert, daß die politische Labilität bisher nicht vermocht hat, die Wirtschaft in nennenswertem Maße zu schädigen. Dennoch ist es selbstverständlich, daß eine dauernde politische Labilität einen schlechten Einfluß auf die Wirtschaft haben muß, auch wenn sich politische Tendenzen nicht so direkt auswirken wie z. B. der wirtschaftliche Boykott, der merklich spürbar ist. So wie die Dinge heute im Lande liegen, Ist eine Trennung der wirtschaftlichen und politischen Sphäre nur bis zu einem relativ geringen Grade möglich. Und es bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Dinge gestalten und wie dann wieder ihre Gestalt auf die wirtschaftliche Struktur des Landes zurückwirkt. Lord Melchelts Besuch io Bagdad Im Jahresbericht vom Irak. Von unserem Genfer Korrespondenten. K-y, Genf, 15. November. Im Jahresbericht der britischen Regierung über Irak (für die Verwaltungsperiode 1928), der der Mandatskommission zu ihrer diesjährigen Herbsttagung vorliegt, wird im Kapitel ״Einige innere Ereignisse im Laufe des Jahres“ an erster Stelle unter dem Titel ״Ei ne antizionistische Ausschrei״ tung“ über den Besuch Lord Melchetts in Bagdad wie folgt berichtet: ״Lord Melchett (damals Sir Alfred Mond), ein hervorragender Verfechter der zionistischen Bewegung in Palästina, kam anfangs Februar zu einem Besuch nach dem Irak. Er hat vorher Palästina bereist und genaues Quellenmaterial über das dortige Werk der zionistischen Organisationen gesammelt. Sein Besuch im Irak war jedoch hauptsächlich dem Studium der landwirtschaftlichen Bedingungen in diesem Lande und der Nachforschung, ob diese Bedingungen durch Anwendung von Kunstdünger nicht gebessert werden können, gewidmet. Die jüdische Gemeinde in Bagdad wollte zu seinen Ehren einen öffentlichen Empfang bereiten. Dies gab verschiedenen Unheil- Stiftern den Anlaß, falsche Gerüchte auszustreuen, die den Eindruck erwecken sollten, daß Lord Melchett nach dem Irak kommt, um Zionismus zu predigen. Die Folge davon war, daß es bei seiner Ankunft in Bagdad, am 8. Februar, zu einer mißliebigen antizionistischen Demonstration kam. Die Demonstranten setzten sich hauptsächlich aus Bagdader Schuljungen, denen sich verschiedenes Stadtgesindel anschloß, zusammen. Sie machten sieb in Steine- und Flasclienwerfen Luft und griffen die Polizei heftig mit Stockhieben an. Zwei Schutzleute wurden ernsthaft durch Messerstiche und mehrere andere durch Steinwürfe verletzt. Trotz äußerster Provokation benahm sich die Polizei sehr nachsichtig. Die Untersuchung ergab, daß die Demonstration durch Leute organisiert war, die offensichtlich jeden sich bietenden Vorwand dazu ausnützen, um Mißstimmungen aufzupeitschen und Unruhen hervorzuruieti und deren Aktionsplan darauf beruht, sich selbst im Hintergrund zu halten und die leicht erregbaren Schuljungen und Hochschulstudenten als ihr williges Werkzeug vorzuschickcn. Die Entwicklung der Wahlkampagne, die gerade angesetzt hat, gab klarerweise diesen Leuten eine Anzahl von Gelegenheiten, zu Friedensstörungen und Aufhetzungen der Bevölkerung. Die Regierung ist deshalb zur Ansicht gelangt, daß cs notwendig ist, besondere Gesetze zu erlassen, die es den Behörden ermögliehen, gegen derartige Agitatoren vorzugehen und die Disziplin in den Schulen zu stärken. Dementsprechend, und da es zu dieser Zeit kein Parlament gab, sah sich der König dazu bewogen, zwei Verordnungen unter Art. 261c) der Reichsverfr =״!!!;־ zu veröffentlichen. Die erste, Verordnung Nr. 13, verschrieb die Prügelstrafe für Jungen unter 18 Jahren, die an illegalen Versammlungen teiinehmen oder irgendwie die öffentliehe Ordnung zu stören versuchen, die zweite, Verordnung Nr. 14, gab dem Innenminister die Vollmacht, Personen, die sich der Anstiftung der im Kapitel XH des Bagdader Strafgcsetzbuches aufgezählten Vergehen schuldig machen, einen unveränderbaren Wohnsitz zu bestimmen und sie unter Polizeiaufsicht 7u stellen. Diese außerordentlichen Vollmachten erwiesen der Regierung zweifellos gute Dienste bei Aufrechterhaitung der Ordnung während der Wahlperiode. Am 24. Mai, nach Beendigung der Wahlen, wurden beide Verordnungen׳ annulliert. Jizcbak Grünbaam 50 Jahre alt Am 24. November wird Jizcbak Grünbaum 50 Jahre alt. Man kann diesen Zufallstag nicht dazu benützen, um irgendeine auch nur im geringsten zureichende Bilanz des bisherigen Lebens dieses Mannes und seines Werkes zu ziehen. Er steht mitten im jüdischen und zionistischen Leben und ist vor allem Persönlichkeit in dem Sinne, daß sein Name ein Programm ist. Und zwar das Programm einer intransigenlen Kämpfernatur und eines erstrangigen Wiilensmenschen. Grünbaum hat in Polen und in der ganzen zionistischen Welt ergebene Freunde und erbitterte Gegner, in einem Punkte sind sich Freunde und Gegner jedoch völlig einig: in der menschlichen Bewertung Jizchak Grünbaums: ein kristallklarer Charakter, ein opferbereiter Mensch, ein unermüdlicher Kämpfer für das, was er als richtig erkannt hat. Grünbaum ist unbeugsam, starrköpfig, jedem Kompromiß abhold. In einer Welt von Halbheiten und Bereitschaft zur Nachgiebigkeit steht er in seiner Art ganz und in seinem Wollen und Handeln unentwegt da. Dieser Charakterzug erklärt die restlose Hochachtung, deren sich Grünbaum nicht zuletzt in der polnischen Landespolitik erfreut. Tausende von Juden und Zionisten, die mit der politischen Linie Grünbaums und auch mit seiner zionistischen Stellungnahme sehr oft nicht einverstanden sind, zögern keineswegs, in Grünbaum einen würdigen, ja in vielen Fällen den besten Vertreter jüdischer Interessen zu erwählen. Grünbaums Führertum und politische Tätigkeit sind aus seiner Entwicklung im ehemaligen Zarenrußland, ׳während der Revoiutionsepoche und während des ersten Jahr- *zehntS'der tieuen polnischen Staatlichkeit und der ungeheuren Veränderungen, die diese Momente im Leben der Juden bewirkt haben, zu erklären. Er ist und bleibt der alte russischüdische Revolutionär, wie er naturnotwendig im Vorkriegsrußand entstehen mußte. Grünbaums zionistische Leistungen im einzelnen zu erwähnen, ist überflüssig. Seine Wirksamkeit ist der ganzen zionistischen Welt genau bekannt. Sein 50. Geburtstag ist für seine Freunde ein Anlaß, ihm ihre Liebe und Dankbarkeit zu bezeugen. Der Warschauer ״Hajnt“, der sich rühmen kann, Hauptstätte von Grünbaums journalistischer Tätigkeit zu sein, ab anläßlich Grünbaums 50. Geburtstag eine Sondernummer eraus. Seine Freunde widmeten ihm ein Ehrengeschenk in Form eines Besitztums in Erez-Israel. Auch wir entbieten Jizchak Grünbaum die herzlichsten Glückwünsche. m.w. Die KoKasgeneindewahlen in Prag Gewinn eines zionistischen Mandates. (Von unerem Korrespondenten.) hl, Prag, 11. November 1929. Die gestrigen Kultusgemeindewahlen brachten keinerlei größere Ueberraschungen. Ke merkwürdige Wahlordnung, die keine persönliche Teilnahme vorschreibt und in einem mißverstandenen Entgegenkommen an die Bequemlichkeit des einzelnen Wählers diesem die Ausübung der Stimmabgabe durch bloße Uebertragung ermöglicht, bietet unlauteren'Geseilen die. Handhabe zu den kuriosesten und großzügigsten Wahlschwindeleien, von welcher Möglichkeit auch von einigen Seiten ausgiebiger Gebrauch gemacht wurde. Trotzdem haben die beiden zionistischen Gruppen gegenüber den letzten Wahlen an 600 Stimmen und «in Mandat gewonnen, das den Poa 1 e Zion, die bisher noch nicht in der Kultusgemeinderepräsentanz vertreten war, zufälit. Die deutschen Demokraten mußten zwei Mandate an die Tschecliojuden abgeben. Eine schwere Niederlage hat die Orthodoxie erlitten, die zwei Mandate und damit auch ihre Vertretung im Präsidium der Prager Kultusgemeinde verliert, die. nunmehr den Zionisten zufällt. Das endgültige Wahlergebnis lautet: Tschecho juden 8 (6), Zionisten und Poale Zion 6 (5), Demokraten 6 (8), Orthodoxe 3 (5), Fortschrittspartei 1 (0). Me separatistische Liste des Jüdischnationalen Insp. Slonitz konnte kein Mandat erringen. Gegen die Durchführung der Wahlen wurden fast von allen Parteien — mit Aunahme der Tschechojuden — Proteste erhoben. Die zionistische Fraktion wird ihr Hauptaugenmerk jedoch darauf zu richten haben, daß die lächerliche Wahlordnung gänzlich verschwindet und schon zu den nächsten Wahlen jeder Wähler persönlich zur Wahl erscheinen muß. Werbeotfeisive der amerikanischen Zionisten New York, 8. November. (J. T. A.) Das Exekutivkomitee der Zionistischen Organisation Amerikas hat in einer in New York stattgefundenen, außerordentlichen Sitzung beschlossen, einen auf ganz Amerika auszudehnenden F e f d - zug zur Anwerbung von 250000 Juden als Mitleiten. ״Diese Kampagne, “die bis zum 1. Januar andauern wird, soll die Entschlossenheit der amerikanischen Juden, den Aufbau Palästinas beschleunigen pi helfen, bekunden.