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Jüdische Rundschau · 1929-11-19 · Heft 91 (19.11.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 91 (19.11.1929)
Date
1929-11-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 01,!9. XI. 1920 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 600 Aus der Jüdischen Gemeinde ln der Repräsentantenversammlung vom 14. November .,chiedcn sich die Geister im Anschluß an eine Interpellation der Volkspartei wegen eines Zirkularschreibens der jüdischen Re* formgemeinde, in welchem Eltern ln der Gegend des Grünewalds aufgefordert wurden, ihre Kinder aus der Reljgionsschule der Jüdischen Gemeinde auszuschulen und In die Re» iigionsschule der Reformgemeinde zu geben. Als Begriind• ׳•!g für dieses Verlangen führten die Reformer an, daß die Kinder vor einem überlebten Ritualismus und vor jüdischnationaler Beeinflussung zu schützen seien, weil dadurch die Kinder dem deutschen Vaterland entfremdet werden. Mit Recht wiesen die Redner der jüdischen Volkspartei darauf hin, daß es jeder Gruppe im Berliner Judentum freistehe, Propaganda für ihre Richtung zu machen, diese Propaganda aber müsse sich vor Verdächtigungen anderer Gruppen und vor ״unlauterem Wettbewerb“ hüten. Die Liberalen sahen sich veranlaßt, den faux pas der Reformer restlos zu decken, wobei sie auf die Gefahr hinwiesen, daß durch die Angriffe auf die Reformer aiese aus der Einheitsgemeinde austreten könnten. Die Drohung mit der ,,Gcmeindezugehörigkeit auf Kündigung“ fand durch den Mund des Gemeindevorsitzenden Direktor Kareski eine gebührende Verurteilung. Tatsächlich ist cs höchste Zeit, daß mit diesem Spiel ״Gemeindemitglied auf Kündigung“ und ״Jude auf Kündigung" ein Ende gemacht werde. Nachstehend ein Bericht über den Verlauf der Sitzung. * Vor Eintritt In die Tagesordnung kam es zu einem kleinen Nachspiel der vorigen Sitzung, da R.-A. Dr. Klee die ihn persönlich beleidigende und sachlich unwahre Berichterstattung seitens der Liberalen über diese Sitzung geißelte, ihm entgegnete im Namen der Liberalen R.-A. H. Stern; im Verlaufe der Auseinandersetzung stellte Klee fest, wie weit bereits auf liberaler Seite die Verhetzung gegangen ist und wie man sich nur dann empfindlich zeigt, wenn Herren der eigenen Richtung einmal in die Debatte gezogen werden. Nach diesem Vorspiel trat man in die Tagesordnung ein und erledigte eine außerordentlich große Anzahl von Vorlagen. U. a. wurde an das Beth Am Iwri ein monatlicher Beitrag von 100 M. bewilligt. Die Akademie für die Wissenschaft des Judentums erhielt eine Beihilfe von 5000 M. zum Zwecke der Durchführung der laufenden Ausgaben des Forschungsinstitutes und der statistischen Arbeiten; die jüdische Kinderhilfe erhielt eine Subvention von 5000 M. sowie für ihre Räume ln der August itraße 3000 M., die Zentralwoh'fahrtss e'le einen Sonde:» Zuschuß, der für eine Reihe von Vorortgenieinden dicht bei Berlin benötigt wird. Eine etwas längere Aussprache entspann sich bei der Frage der Wahl eines Mitgliedes in den Rat des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden an Stelle des Verstorbenen Prof. Türk. Ebenfalls zu längeren Unterhaltungen gab die Frage der Vörstandswahl für das neue Altersheim in Schmargendorf An- -laß. Gegenüber ausgesprochenen Befürchtungen betr. Bevorzugung des neuen Heimes erwiderte im Namen des Gemeinde- Vorstandes Dr. Kareski, daß man diese Anstalt trotz gewisser Schwierigkeiten nach den neuesten Erfordernissen bauen würde. Auf eine Anfrage der Volkspartei betr. Errichtung eines jüdischen Sportplatzes wurde von seiten des Vor- Standes mitgeteilt, daß man von, der Stadt Berlin ein günstiges Gelände in der Nähe des Bahnhofes Grunewald angeboteit bekommen hat. Die Versammlung bewilligte für die Anlegung einer Aschenbahn 20 000 M. und genehmigte den Abschluß des Vertrages. In der Frage der Errichtung eines Ledigen heim cs, die ebenfalls von der Volkspartei angeschnitten wurde, betonte Dir. Kareski daß in dem ehemaligen Pankower Mädrhenheim voraussichtlich ein Asyl für Obdachlose und ein Zufiuchtheim für gefährdete Mädchen geschaffen werden soll. Das Ledigenheim, eines der brennendsten Probleme jüdischer Sozial- und Bevölkerungspolitik, soll unter Verwendung eines Terrains in der Agricola-Straße für eine Belegschaft von 120 Insassen geschaffen werden. Weiterhin entspann sich eine Diskussion über die Frage der Berücksichtigung von Mittelstandsfirmen bei Vergebung von Gemeindeaufträgen. Der Gemeindevorstand konnte den Volksparteilichen Interpellanten ausreichende Zusicherungen in dieser Frage geben. Einen sehr lebhaften Charakter nahmen die Beratungen der Versammlung hierauf bei der Besprechung einer weiteren volksparteilichen Interpellation an, die den Gemeindevorstand über seine Maßnahmen gegenüber einem Zirkular befragte, das von der Jüdischen Reformgemeinde an die jüdischen Eltern im Grunewald verschickt worden war und die dortigen liberalen Eltern aufforderte, ihre Kinder aus dem Religionsunterricht der Gemeinde herauszunehmen und sie dem Unterricht der Reformgemeinde zuztiführen, denn ״unsere Kinder dürfen nicht einem Ritualismus zugeführt werden, der einer längst überwundenen Anschauung entspringt, und eine jüdisch-nationale Einstellung birgt die Gefahr, daß unsere Kinder deutschem Empfinden entfremdet und aus dem deutschen Heimatboden entwurzelt werden“. Dieses Zirkular, das sich gegen den von Dr. Emil Cohn erteilten Religionsunterricht der Gemeinde richtet, wurde von Dr. Klee als untragbar bezeichnet, da es nicht angängig sei, daß subventionierte Sonderinstitute gegen die Gemeindeeinrichtungen Propaganda machen. Man habe auch in diesem Falle wieder zu dem Mittel der Denunziation im Hinblick auf das ״gute Deutschtum“ gegiiffen. Die ganze Angelegenheit wäre ein ausgesprochener ״unlauterer Wettbewerb‘‘, gegen den der Gemeindevorstand einschreiten müsse. Im Namen des Vorstandes, der zur Sache selbst noch nicht Stellung genommen hatte, wandte sich Dr. Köllens eher gegen die Behauptungen der Reform-Gemeinde, welche die Toleranz des Gemeindereligionsunterrichtes bezweifeite. Auch Dir. Kareski empfahl der Reform-Gemeinde, ihren Stjndnunkt nachzuprüfen und zumindest eine vorsichtigere Sprache zu führen. Von liberaler Seite versuchte Dr. Flei* scher das Zirkular zu verteidigen. Ministerialrat Goslar (Volkspartei) widerlegte insbesondere den vermessenen Vorwurf eines längst überwundenen Ritualismus, mit dem die Reform- Gemeinde einen antiiüdlschen Vorwurf aufgreife. Zum Schluß der Debatte mußte Rosenthal (liberal) selbst zugeben, daß die Form des Zirkulars zumindest nicht schön sei. Auf Antrag der Fraktion der jüdischen Volkspartei beschloß die Versammlung die Herausgabe einer illustrierten Propagandaschrift über die Einrichtungen und Leistungen der Gemeinde, die insbesondere in die Hinde der schulentlassenen Jugend gelangen soll. Der Etat des Wohlfahrtsamtes wurde infolge der notwendig gewordenen erhöhten Ausgaben um 30 000 RM. vermehrt. Jüdische Musik in Litauen. Alice Jacob-Loewenson hielt am 13. und 17. November im ״Verein für jüdische Literatur“ in Memel und ln der Herzllja ln Kowno Vorträge über jüdisehe Musik. Michael Fraenkel, Breslau, veröffentlicht im Oktoberheft der Monatsschrift ״Der Oberschlesier“ einen instruktiven Aufsatz über Jonas Fraenckel anläßlich des 75jährigen Jubiläums des jüdisch-theologischen Seminars (Fraenckelschen Stiftung). Gruppenverband Sachsen-Anhalt. Am Mittwwoch, dem 20. November 1929 (Buß- und Bettag), findet in Braunschweig, Klubzimmer 3 des Wilhelmsgarten, ein Gruppenverbandstag statt. Tagesordnung; 1. Die gegenwärtige Situation im Zionismus (Referent Kurt Blumenfeld);! Aussprache; 3. Der Aufbau ~~ ein Bodenproblem (Referent Dr. Ernst Mechncr); 4. Aussprache; 5. Die Arbeit im Bezirk. Gruppenverbandstag. Am Sonntag, dem 24. November 1929, wird in Essen/Ruhr im Innungshaus, Postallee 2, ein Gruppenverbandstag des Gruppenverbandes RechtsrheInland und Westfalen stattfinden. Herr Dr. Kanowitz wird über die ״Politische Situation des d eutsehen Zionismus“ sprechen. Herr Direktor Kareski wird den ״Kampf um die Gemeinde“ behandeln. Herr Dr. Wollstein wird über ״Die zukünftigen Aufgaben des Keren Kajemeth Lejisrael“ sprechen. Magdeburg. Am Dienstag, dem 5. November 1929, sprach itn überfüllten Saal der ״Freundschaft“ vor Gemeindemitgliedern aller jüdischen Richtungen Herr Ministerialrat Hans Goslar über ״Wahre und unechte Judenemanzipation“. Der Redner bezcichncte die Erklärung deutscher Juden, die in den verschiedensten Tageszeitungen erschienen ist, schon mit Rücksicht auf ihre Veröffentlichung zu den hohen Feiertagen, als außerordentlieh bedauerlich. Besonders betrüblich sei es, daß darin von ״Kämpfen zwischen Juden und Arabern“ die Rede ist, obwohl es sich doch unverkennbar nur um Ueberfall und Abwehr gehandelt habe. Am unerfreulichsten aber sei, daß deutsche Juden auch bei dieser Gelegenheit erneut den deutschen Anhängern der Jewish Agency den Vorwurf machten, minderwertige Deutsehe zu sein. Die Verbundenheit der deutschen Juden mit den Juden aller Länder sei naturnotwendig gegeben. Die Juden sind während der Verfolgungen im Mittelalter in Scharen nach Polen ausgewandert undituin großen Teil wieder zurückgekehrt. Uebrigens sei die Grenzziehung eine so willkürliche, daß sie bestimmt keine Trennung zwischen Ost- und Westjuden habe herbeiführen können. Au? der anderen Seite seien die deutschen Juden durch gemeinsame Kultur und gemeinsames Schicksal aufs engste mit Deutschland verbunden. Der Wünsch, Palästina wieder atifzubauen und dort eine rechtlich gesicherte Heimstatte zu schaffen, sei in ihrem Sein als juden begründet, da ihnen in der Bibel dieses Land als Heiliges Land verfiel Ben sei. Für die Juden sei Palästina mehr als die heimatliche Scholle, nämlich die Erde, auf der allein sie ihrer Bestimmung gemäß leben könnten. Die Sehnsucht der Juden nach Erez-Israel sei Jahrtausende alt und ein Beweis der Treue zum Judentum. Wer diese Treue halte, werde sic auch dem Staatsvolk bewahren, zu dem er gehört. — In der Diskussion sprach als einziger Redner ein Mitglied des C.-V. und der Liberalen Vereinigung, Herr Dr. Julius Winter. Er betonte, daß man heute den Zionisten nicht mehr so wie früher verständnislos gegenüberstehe, sondern sie begreife und ein gutes Stück Wegs mit ihnen gemeinsam gehen könne. Die Einheitsfront aller Juden, die sich jetzt um Palästina zu schließen beginne, müsse aber ausgedehnt werden auf den Kampf gegen den Antislmitismus. Im Schlußwort führte der Referiht noch aus, daß auch die Zionisten den Judenhaß bekämpften und nach seiner Auffassung könne ihm nicht erfolgreicher entgegengetreten werden als durch den Beweis, daß auch Juden produktiv im Dienst einer Idee und nicht nur um Geldes willen arbeiten können. Besser als durch Broschüren und Aufklärungsvorträge wirke das arbeitende Palästina. Die meisterhafte Rede wurde mit einem Beifall aufgenommen, wie ihn die Magdeburger Juden noch kaum einem Redner gezollt haben. Hebräische Sprachkurse Mflnchen Die hebräischen Sprachkurse in München bieten Kindern und Erwachsenen Gelegenheit, die hebräische Sprache, Bibel und neue Literatur zu erlernen. In sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler aufgenotnmeti. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Untcrrichtslokal, Herzog- Rudolf-Str. 1, von 3—6 Uhr (Tel. 297 449) anzumelden. Gesuche um Ermäßigung des Schulgeldes sind an Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstr. 6, zu richten. Das Wintersemester begann am 15. November. Der neue Stundenplan; Montag j 7.30-9 Uhr Kur. V 9-10 Uhr Kun II - - Dienstag 5-6.15 Uhr Kindetkura Ul 7310—815 Kura 111 8.15—9.30 Bibelkar» 930-1030 Kura I Mittwoch i 4.15—5.15! Klrtderkur* t 5-15—6.30 Kinderkum II 7.30-830 Jesaja. Kurs - Donnerst. | 7.15—8.15 | Kur« 1! 9.15״ 8.15 Kurs! 9.15-10.15 Kur» IV ~ Ah 15. November begannen folgende neue Kurse: 1. Anfängerkurs (die Zeit wird nocli mitgeteilt). 2. Kurs Hl (Dienstag von 7—8,15 Uhr). . 3. Jcsaia-Kurs (Mittwoch von 7,30—8,30 Uhr, vorläufig). 4. Grammatikkurs (die Zeit wird noch bekanntgegeben). Leiter der Kurse: A. Perdkowitsch. Palästina-Arbeiter-Fonds: Sonntag, den 24. November 1929, abends 20V» Uhr, findet im Beth Am Iwri, Grolmanstr. 36, eine Versammlung statt, auf der Chawer Melech Neustadt, Tel- Awiw, über ״Die letzten Ereignisse in Palästina und die Stellung der Arbeiterschaft“ sprechen wird. Sämtliche Chawerim des Hapoel Hazair, Hechaluz, J. J. W. B., Liga für das arbeitende Palästina und Poale Zion werden aufgefordert, zu erscheinen. SCHRIFTENREIHE DER30״DISCHEN RUNDSCHAU" Nr. 1 ״Die jüdische Idee und Ihre Träger4* Beitrage zur Frage des jüdiseheo Liberalismus und Nationalismus. Prs&s 0,60 M. Nr. 5 ״Der 3ude In der europäischen Welt** Dm Prohtrm n«in«r Sandaag. Von KarF StlMT. Preis 030 M. Nr. 3 ״Die illdische landwlrtschaftllche Kolonisation In Russ'and4' Aufsätze voa Dr. Arthur Kuppln• «!•rutilim und!Mal Kllnow« Berlin. Preis 0.50 M. Nr. 4 ״Herzl in seinen Tagebüchern** Von *ch. Oorellk. Pr«i» 0,50 M. f Bet grSSeree Bestellungen Rsbatt VIRU« »IR ״J(f»ISCMKM RUNDSCHAU» Berlin UMS, Melnekestvelfte SO Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Ortsgruppen Görlitz. Die Winierarbeit unserer Ortsgruppe wurde 1 1t einem Vortrag des Herrn Kurt Loewenstein aus Berlin י röffnet. In seinem Referat ״Die Lage in Palästina und Im Zionismus“ erörterte Herr Loewenstein den Gesamtkomplex zionistischer Gegenwartsfragen, wie sie durch das ins Leben Treten der Jewish Agency und die Zuspitzung der Verhältnisse in Palästina aufgeworfen worden sind. Seine Darstellung war von außerordentlicher Plastik und Vollständigkeit, so daß sie allen Zuhörern eine sehr willkommene und dankbar empfundene Bereicherung Ihres zionistischen Wissens und ihrer Einsicht in die zionistischen Aufgaben der Gegenwart bot. Der Abend war von unseren Mitgliedern gut besucht Wir danken Herrn Loewenstein auf diesem Wege nochmals. Nürnberg-Ftlrth. Am Donnerstag, dem 7. November, veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth Im Künstlerhaus nachträglich eine Gedenkfeier zum 25. Todestage Theodor H e r z l s. Die Feier wurde eingeleitet durch den Gesang des EI mole rachamim, das Herr Kantor Julius Kaufmann , von Frau Edith Steinhardt am Klavier begleitet, mit großer Innigkeit und Wärme vortrug. Nach der Rezitation eines hebräischen Gedichtes durch Herrn Sch. Schalom ergriff Herr Dr. Adolf Friedemann aus Amsterdam, der Freund und Biograph Herzls, das Wort zur Gedenkrede. Er entwarf ein lebensvolles Bild des Menschen Theodor Herzl, ein Bild von unendlicher Schönheit und Harmonie. Die zahlreich erschienenen Zuhörer waren von den glänzenden Ausführungen Dr. Friedemanns aufs tiefste ergriffen. Dr. Liebstädter, der Vorsitzende der Ortsgruppe, verband mit seinem Dank an alle Mitwirkenden die Versicherung, daß das Andenken Herzls auch heute noch bei allen Zionisten und bei der Jugend, die Herzl nicht gekannt habe, lebendig sei; Dr. Friedemann habe aber in besonders zu Herzen gehender Weise dieses Andenken in einer ^für den Zionismus bedeutungsvollen Zeit in allen Hörern gestärkt und vertieft. Die Feier wurde durch den gemeinsamen Gesang der Hatikwah beendet Wir haben allen Anlaß zu der Annahme, daß sie in erheblichem Maße dazu beigetragen hat, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gesinnungsgenossen und ihre Opferfähigkeit für die Idee zu stärken. Oberhausen (Rhld.). In einer gut besuchten Versammlung sprach Herr Dr. Philipp, Dortmund, über ״Die Ereignisse in Palästina und die Jewish Agency“. Die hiesige Gemeinde überwies dem Hilfsfonds für Palästina 200 M. Tilsit. Am 3. d. M. sprach Redakteur Moses Wald mann, Berlin, vor 40 Personen — Mitgliedern und geladenen, interi essierten Gästen — über das Thema ״Die politischen Grund» lagen des Jüdischen Nationalheims“. Die Ausführungen de$ Redners, die bei scharfem Umreißen der großen Linien alle!; um das jüdische Palästina liegenden politischen Probleme doch auch in Einzelheiten wertvollste Informationen gaben, fanden das regste Interesse sämtlicher Zuhörer. Dem Vortrag folgte eine Aussprache, die, besonders durch die Teilnahme einiger palästinensischer Gäste, sehr interessant verlief. — Die Zonistische Arbeitsgemeinschaft, die erst im Marz d. J. gegründet wurde, entwickelt sich gut. Es finden regelmäßig monatlich zwei Vorträge statt, die auch von Gästen viel besucht werden, und außerdem lernen fast sämtliche Mitglieder in drei Kursen Hebräisch. Vermischtes Der Reiehsbund jüdischer Frontsoldaten E. V. veranstalt« am Sonntag, dem 24. November 1929. seine diesjährige Bundeshauptversammlung in Berlin. Am Abend vorher findet eine zwanglose Aussprache der Landesverbandevorsitzenden statt, und anschließend daran treffen sich alle auswärtigen und Berliner Kameraden mit ihren Damen zu einem von der Ortsgruppe Berlin im Römersaal bei Kroll veranstalteten gesellschaftlichen Bierabend. Der Landesverband Nord Westdeutschland des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, dessen Sitz ln Hamburg ist, und die Ortsgruppe Hamburg begannen am 16. November 1929 durch einen besonderen Festakt die Feier des zehnjährigen Bestehens. Jüdische Altershilfe. Die für den 14. Dezember d. J. in Aussicht genommene Festaufführung mit anschließendem Festabend der ״Jüdischen Altershilfe“ wird verschoben. Neuer Termin wird bekanntgegeben. Dr. Mordechai Sandberg (Jerusalem) hielt am Sonnabend, dem 9. November, in der Staatlichen Hochschule für Musik auf Einladung der Deutschen Musikgesellschaft einen Vortrag über ״Fragen der Tondifferenzierung“ mit Demonstrationen des Viertel-, Sechstel- und Achtelsystems auf dem Harmonium und durch Schallplatten-Vorführungen. Ander Diskussion beteiligten sich die Herren Prof. Hornbostel, Dr. Schumann, Dr. Leichtentritt und Prof. Schünemann. Prof, Sachs demonstrierte einen javanischen Gamelan. (Das Ton- System dieser Instrumente entspricht Fünf-Sechstel-Tönen.) Die Veranstaltung war sehr gut besucht und Herr Sandberg erntete großen Beifall. Htlfsverein der Deutschen Juden. Vor einigen Tagen fand im Hotel Kaiserhof eine Zusammenkunft von Mitgliedern der Berliner Bezirkskamitits des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, an der auch Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses und des Zentralkomitees des Hilfsvereins teilnahmen. Die Konferenz wurde einberufen, um über den gegenwärtigen Stand der Arbeit des Hilfsvereins Informationen zu geben und über den Ausbau der Organisation in Berlin zu beraten. Es sprachen die Herren Dr. James Simon, Vorsitzender des Hilfsvereins, Bankier Willy D r ey f us, der stellvertretende Vorsitzende, und Dr. Wischnitzer. Darauf folgte eine sehr angeregte Diskussion. Stolp. Am 10. November hielt Herr Rabbiner Dr. Max Wiener- Berlin einen Vortrag über ״Jewish Agency und Oegenwartsfragen im Judentum“. Die Veranstaltung war von Gemelndemitgliedern verschiedener Parteirichtungen einberufen, von dem größten Teil der hiesigen Gemeinde besucht und nahm unter Leitung des Vorsitzenden der hiesigen Zionistisehen Ortsgruppe, Dr. Ludwig Aron, einen überaus befriedigenden Verlauf. Dr. Wiener führte in begeisternden und eindrucks- ‘vollen Worten aus, daß der Aufbau Palästinas für das Judentum, besonders auch vom religiösen Standpunkte aus, eine Lebensfrage sei und daß deshalb heute für Juden aller Parteirichtungen die Pflicht bestehe, das Aufbauwerk zu fördern. Diese Darlegungen haben den Palästinagedanken in unserer Gemeinde auch den nichtzionistischen Gemeindemitgliedern ßähergebracht. Eine an den folgenden Tagen vpn einem Beamten des Keren Hajessod veranstaltete Sammlüng hat nach Maßgabe der hiesigen Möglichkeiten ein günstiges Ergebnis gehabt. Jüdischer Arbeitsnachweis. Wir machen erneut auf die Jüdische Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung nowie auf den JüdisdientiÄrbeitsnachweis aufmerksam. Es ist ratsam, sich in allernäclSer Zeit schon wegen Berufsberatung und Beschaffung einer LeWgtelle zu Ostern 1930 au uns zu wenden. Sprechstun« den bis äff weiteres täglich (außer Mittwochs) von 2—3 Uhr nachmittags. Das letzte Schulzeugnis sowie etwaige Bastei- oder Näharbeiten und dgl. bitten wir mitzubringen. Gesucht werden handwerkliche Lehrstellen zu Ostern 1938. Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise, Abt. Berufsberatung, Berlin N24, Auguststr. 17, Tel. Norden 9130, 7085/87. , יi '4, ■yJf

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