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Jüdische Rundschau · 1929-11-19 · Heft 91 (19.11.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 91 (19.11.1929)
Date
1929-11-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 608 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 01, 19. XL 1929 ——. ______ Politische Diskussion Grundfragen zionistischer Politik Von Dr. Felix Dan ziger, Jerusalem. ״Verhängnisvolle Politik“ nannte ich in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 4. Oktober jene Auffassung zionistischer Politiker, welche in der Anlehnung an England um jeden Preis den Inbegriff aller Möglichkeiten sehen. Demgegenüber führte ich aus, daß die Grundlage des politischen Zionismus Herzis immer die Unabhängigkeit der zionistischen Bewegung von einer bestimmten Macht und einer bestimmten sozialen bzw. religiösen Strömung gewesen sei. Die Tatsache, daß 18 Staaten der Welt, der Völkerbund selber, die Balfour-Deklaration feierlich akzeptierten, hat die zionistische Welt — erklärlicherweise ־— jenes Orundangebot vergessen lassen. Daher ist es notwendig, in dieser Zeit sich die Wichtigkeit jefier Voraussetzung zionistischer Politik wieder vor Augen zu führen. Die Verpflichtung zu einer solchen Anschauungsweise sollten gerade diejenigen fühlen, welche im zionistischen Lager selbst gern von der Aenderung der Verhältnisse im Orient, dem Ansteigen der nationalen arabischen Bewegung und insbesondere der ihr Rechnung tragenden Politik Englands sprechen. Ich glaube, daß 1'n der Tat Situationen cintreten können, durch welche selbst große und mächtige Staaten gezwungen werden können, Konzeptionen zu ändern, politische Geschäfte zu liquidieren und dergleichen. Von der Höhe ihrer Staatsmoral wird es dann immer abhängen, in welchem Stil sie diese Liquidation vornehmen. Nun sehen wir die beachtliche Erscheinung im politischen Leben Großbritanniens, daß die Politik der Expansionen allem Anschein nach zugunsten jener der Konzentration der Kräfte des Empire selbst zurücktritt Wir sehen es an der allmählichen Aenderung des Verhältnisses zu Aegypten und neuerdings zum neuen arabischen Irak-Staat. Dieser Politik ist vorausgegangen jene geniale Tat Lloyd Georges, welcher die starre Organisation des britischen Weltreiches in einen Staatenbund britischer Dominions verwandelte. Alles dieses zeigt immer wieder die impanierende Größe britischer Staatskunst, welche nach menschlicher Voraussicht diesem Imperium das Schicksal aller früheren Imperien ersparen wird. Wir Juden als Objekt dieser Staatskunst haben unsererseits die Pflicht, unsere Aufmerksamkeit auf die Triebkräfte zu riehten, welche im britischen Reich die uns berührenden Fragen regeln. Schon deshalb müssen wir das tun, um eines Tages nicht überrascht dazustehen, wenn uns eine ״Neuorientierung“ britischer Politik vor ein fait accompli stellt, dem wir uns schneller oder langsamer, aber unvorbereitet anzupassen haben würden. Die Araberfrage Ist nun nach der Meinung vieler, insbesondere solcher, welche die Absichten Englands schnell zu erraten glauben und auf dem erdachten Wege schneller als die Initiatoren vorzustürzen pflegen — die piece de resistance. Es ist möglich, daß rieh diese Dinge so verhalten, es ist auch möglich, daß die Zusammenhänge so dargestellt werden, um zu anderen gewünschten Schlüssen zu führen. Aber das eine ist klar, es gehört nicht nur Land-, Volkskenntnis, nicht nur das Wälzen von Literatur und Journalen dazu, um die Politik eines Staates wie England beurteilen zu können, sondern auch das Wissen um die Absichten der verantwortlichen, Politik schaffenden Führer und die dürften diese kaum Außen- •:ÄihdOTen;;zagÄn|H(|l:tinael»eB. ׳ tfthtsdesfowenfger Weibt We Beobachtung aller in Präge kommender Faktoren Aufgabe unserer Politik. Nehmen wir nun an, daß die arabische Frage von England in allen ihren von Arabern bewohnten Staaten In gleichem Sinne, und nicht etwa in Indien verschieden von Aegypten behandelt wird, daß etwa England Gründe hat, sich vor einer pan-is1amltischen Bewegung vorsichtig zurückzuziehen — alles lange, welche dem Autor dieser Ausführungen als weit über die tatsächlichen Kraftverhältnisse hinauszugehen scheinen — dann entsteht für die jüdische Politik meines Erachtens sofort eine akute und ernste Frage: ist es wirklich verständig und weitblickend gewesen, das Schi cksal der zionistisehen Bewegung und der jüdischen Repatriierung dem Staate anzuvertrauen, der so schwer mit nicht einer, so n d e r n ei n er Vi e 1heit arabischer Fragen belastet ist, der bei Ent- Scheidungen in Palästina Rücksicht nehmen muß auf Indien usw.? Es erscheint mir sicher, daß hier ganz klar mit ״Ja“ geantwortet werden müßte, wenn man erstens die pan-arabische Frage wirklich als eine große einheitliche, gleichgerichtete auffassen dürfte und zweitens wenn man -~ was im Codex liberalisjerender, nicht liberaler, Politiker nicht vorkommt — mit der britischen Staatsralson nicht rechnet. Vielleicht bedeutet für solche Politiker die Auffassung Lord Curzons (hinter A. Carthillis Buch) von indischen Problemen und Lord Readings Wirken an der gleichen Stelle einen gewissen Einblick darin, was doch — in bestimmten Grenzen — für Möglichkeiten politischer Wirksamkeit gegeben sein können. Aber auch angesichts der geschichtlichen Vorgänge und des damit entstandenen Rechts Englands auf das Palästina- Mandat und bei kühlerer Auffassung von der Bedeutung der großarabischen Bewegung sollte im jüdischen Lager die Frage, ob unter diesen oder auch nur ähnlichen Umständen die Verwaitung Palästinas zweckmäßig unter Englands Führung gestellt werden mußte bzw. bleiben muß, diskutiert werden. Diejenige These erscheint mir einfach und konsequent, daß es besser sei, wenn ein Staat ohne Belastung mit arabisehen Fragen, natürlich wie bisher unter der Aufsicht des Völkerbundes, Palästina als Mandat übernähme. Ich kann mir recht gut vorstellen, daß zu einer gegebenen Zeit diese Aenderung der Verantwortlichkeit England selbst durchaus wünschenswert erscheinen und der jüdischen Sache ebenfalls dienlich sein könnte. Ja, vielleicht wird liier bei einer leidenschaftslosen Bctrachtung der Weg zu einer wirklichen arabisch-jüdischen Collaboration sichtbar. Wer es sein sollte, welcher Staat das Mandat übernehmen sollte, ist eine sekundäre Frage, ist Gegenstand politischer Er- Wägungen zwischen vielen Instanzen mit englischer maßgeblicher Mitentscheidung, Ich sehe im Aufwerfen dieser Fragen nur eine klare Not- Wendigkeit, die jüdische Sache und ihre Zukunft In Palästina auf solidere Grundlagen zu stellen, sie unabhängiger zu machen von den Entscheidungen und Notwendigkeiten eines wenn auch noch so mächtigen Staatswesens. Damit — mit diesem Wunsch -- entfallen auch die kindliehen, von Stimmungen und Verstimmungen geleiteten Versuche, einer Konkurrenzmacht Englands eine künftige Rolle in Palästina zuzuerkennen. Das Widersinnige solcher Kombinationen Hegt auf der Hand. Nicht Spielball politischer Veränderlichkeiten darf die jüdische Sache werden, sondern sie erhebt aus ihrer Geschichte Anspruch darauf, daß man ihr, der zarten Pflanze, die aus der Not einer zerrissenen Zeit gerettet und neu gepflanzt wurde, Raum und Zeit zu ungestörter Entwicklung gebe. Die Balfour-Deklaration Englands und der Welt war und bleibt nur die große Verheißung, welche die jüdische Geschichte immer feiern wird als den Beginn einer neuen Aera; die Ausführung dieser Verheißung Ist dentgegenüber eine andere, ei ne praktische Frage, die an Zweckmäßigkeiten gebunden ist. Sicherheit ist ihr erstes, aktive Förderung, ihr zweites Postulat. Nur diese beiden Gesichtspunkte dürfen die Politik der Sachverwalter jüdischer Politik bestimmen. Reales Denken ohne siiüidien Grundton ״ln dieser schweren Stunde, in der der Geruch des frischvergossenen Blutes uns zu betäuben droht, müssen wir uns eines bewahren: Besinnung.“ ״Jüdische Rundschau“ Nr. 70. Moses C a 1 v a r y hat in der ״Jüdischen Rundschau“ (Nr. 83, S. 536) deutsche Juden in Erez-Israel angegriffen, die z. B. aufforderten ״möglichst bald, am besten morgen, die Greueltaten zu überwinden, die viele Araber uns in den letzten Wochen angetan haben“. Er faßt sich an den Kopf. ״Beneidenswerte Abgeklärtheit“, ruft er aus ״Noch lange wird es mir, wenn ich an Hebron und Safed denke, in den Ohren gellen, dieses ,am besten morgen‘ Er findet solche Aeußerungen m Ausdruck der ״Vereinzelung und Ueberheblichlceit“ — Warum? — Durch so was klingt ihm ״Ihr, die Chauvinisten, ihr, die ihr nach Blut und Rache dürstet, wir aber, die Friedensbringer, die reinen Menschen“. Dies ist die Ueberheblichkeit — sie selbst eine Folge der Vereinzelung, des Mangels ״eines natürlichen Lebens der Verbundenheit mit dem Volke“ .... Welch ein Rattenschwänz von Mißverständnissen! Calvaiy vergleicht unser Vorgehen mit jenem des ״arabischen Vaters der Sage, der dem Mörder seines Sohnes, den er unwissentlich als Gast aufgenommen hatte, ein Pferd zur Flucht schenkt“. Er bewundert solchen Edelmut, ohne ihn mitmachen zu können. — Es ist schwer zu sagen, in welchem Punkte dieses Bild am wenig* sten verzerrt und schief ist Unseren Mördern fällt es nämlich ganz und gar nicht ein zu flüchten und so erübrigt es sich, ihnen Pferde zur Verfügung zu stellen, obwohl, wenn sie nur wollten, Revisionisten bereit wären, dark! dem Brith Schalom den Rang abzulaufen. Nein, sie stehen uns gegenüber, gerüstet, Dolch in der Hand —- und in einem solchen Augenblick müssen wir uns eines bewahren: Besinnung; da hat es nicht viel Sinn, an Hebron und Safed zu denken; man hege nicht den Schmerz, der an Vergangenem klebt: man denke, was nun zu tun ist. Dazu ist es am besten, möglichst bald, am besten heute, die Greueltaten zu überwinden, die die Araber uns angetan haben .... Aber wenn Calvary ausruft, er könnte den richtigen Kern in solchen Worten eher akzeptieren ״wenn nur dieser sittliche Grundton nicht wäre“, so wollen wir ihm recht geben. Dreimal recht: für uns, für unsere Gegner und auch für ihn selbst — merkt er nicht den ״sittlichen Cjrundton", der durch seine Zeilen klingt? , .. . Ja, es Ist gut so, sprechen wir alle einmal ״moralinfrei“, lassen wir nur unsere nackte Vernunft reden. Sittliche Prinzipien sind kontrovers, da kann man uns bekämpfen — aber die Grundsätze der Logik wird man uns wohl niait in Frage stellen. Also einigen wir uns aut einen Realismus ohne sittlichen Grundton. יי',. י’.' * Zwar auch Realismus ist kein absoluter Begriff. Es gibt einen Realismus des Morgen und einen anderen der Jahrhunderte; eine« des Individuums und einen anderen der Gruppe. Der Satz: ״Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen“ hat nicht viel reale Bedeutung für das Heute und Morgen — aber durch die Jahrhunderte hat er sich als ein realpolitischer Satz ersten Ranges erwiesen. Nur wehrlose Völker, Juden, Inder, Chinesen haben die Zeiten überdauert, in denen Spartaner und Römer verschwunden sind, und der Autor jenes Ausspruches, der als Jude jener Periode gewohnt war, in messianischen Zeiträumen zu denken, hat sich als ein besserer Kriegs• theoretiker erwiesen als ein Claudius. Und die Methode mit der wir Juden die blutigen Verfolgungen des Mittelalters bis in die russischen Progrome hinein überstanden haben: die passive Ausdauer — sie hat sich durch den Erfolg als realpolitisch richtig für die Gesamtheit erwiesen, trotz aller Vermcktung von Tndividualexistenzen. — Aber diese Kraft bcsitzen wir nicht mehr. Hebron und Safed waren wahrscheinlich die letzten Blutzeugen dieser Vergangenheit; Meah-Schearim hat sich mit den Cnaluzim verbrüdert. Wir haben die Seelenstärke des Lammes nicht mehr. W i r wehren uns, und wir werden uns wehren, nolens volens, darüber ist kein Wort zu verlieren. Wir haben einen Selbstschütz, und wir müssen ihn uns erhalten. Aber es wäre Wahnsinn zu glauben, daß wir uns damit!Inger halten können, als einige Stunden oder an anderen Orten ein, zwei Tage lang — bis Hilfe kommt. Sollen wir daraus den Schluß unserer llluslonisten-Revirionisten ziehen, daß wir ״Jüdisches Militär“ haben müssen? Moralinfrei und realpolitisch gesehen gibt es dagegen nur einen Einwand — aber der genügt. Er lautet, daß sich diese Forderung nicht realisieren läßt Keine britische Regierung und kein Völkerbund wird in eine einseitige Bewannung eines Teiles der Bevölkerung je einwilligen. Also sind wir auf fremde Hilfe angewiesen. Es ist natürlich die Hilfe der Mandatarmacht. Sie war nicht sehr effektiv. Hätten wir keine spezielle Schutzmacht gehabt, so wären zweifellos nicht später, aber wahrscheinlich früher, als diesmal englische Truppen und englische Kriegsschiffe — englische, französische, amerikanische, italienische und weiß Gott was noch andere Truppen und Kriegsschiffe zu unserem Schutze erschienen, ohne einer Balfour-DekFaration zu ihrer Legitimierung zu bedürfen. Man läßt heute nicht zu, daß in irgendeinem Winkel der Weit ein Teil der Bevölkerung sich erhebt, um einen anderen auszuscblachten. So also stehen wir dem arabischen Gegner gegenüber. Hat er den Dolch in der Hand, so sind wir doch nicht schutzlos. Aber fühlt man, was das heißt, in einem permanenten Kriegszustände zu leben? Sollen wir uns ins Ghetto zurückzienen, und wären sie auch so poß wie Tel-Awiw oder der Emek? Dies ist unmöglich — seelisch und wirtschaftlich unmöglich. Heute schon sind die ökonomischen Beziehungen der beiden Völker zu eng, als daß eines das andere auf die Dauer boykottieren könnte. Unsere junge Industrie braucht nicht nur den arabischen Markt in Palästina, sondern auch jenen in Syrien und bald auch den in Mesopotamien und Aegypten. So bleibt uns nichts anderes übrig, als Frieden zu schließen. Dies ist kein ״Pazifismus“, kein Eintreten für ״reinen Geist“, dies ist gesunder Menschenverstand. Jetzt handelt es sich nämlich nicht um Verständigung mit den Arabern. Die muß später kommen. Heute handelt es sich, um einen Vertrag, um einen Friedensvertrag. Nicht nur Pazifisten, auch Militaristen schließen Frieden. Auch die Franzosen, 1871 durch die Deutschen Elsaß-Lothringens beraubt, schlossen einen Frieden, Sie dachten nicht daran, auf Elsaß- Lothringen zu verzichten und Deutschland wußte dies — trotzdem war auch dieses zum Frieden bereit und beide hatten ihn nahezu ein halbes Jahrhundert. Denn ein bewaffneter Friede ist besser als Krieg und ein unsicherer Vertrag besser als keiner. Sicherlich war der Friede von Frankfurt keine Lösung und auch der Friede von Versailles war keine — nur die Verständiu n g der Völker kann sie bringen. Und so brauchen wir die erständigung mit den Arabern, eine Arbeit für Generationen oder docli eine Generation. Aber in unseren Tagen brauchen wir einen Vertrag, und heute gleich einen Waffen- Stillstand. Wir brauchen einen Vertrag ״ohne Sieger und ohne Besiegte“. Heute zwar sind die Araber besiegt, ihr Aufstand ist niedergeschlagen, sie haben positiv nichts erreicht — auch einescbüchtert haben sie uns nicht. Aber sie sind nicht aut ie Dauer besiegt, wir können ihnen keinen Frieden diktieren: sie würden ihn nicht akzeptieren. Einen Friedensvertrag ohne Sieger und ohne Besiegte kann aber kein Teil erreichen, ohne etwas zu geben. Ein Friedenswill* ohne Bereitschaft zu Konzessionen ist ein leeres Wort. Wir können nicht nur nehmen Wollen. Wir müssen genau wissen, was wir von den Arabern wollen, und sagen, was wir bereit sind, ihnen dafür zu geben. Und wenn wir an diese Aufgabe gehen, müssen wir alle politischen Instrumente mit denen wir operieren auf ihren realen Wert hin prüfen, wir müssen die Vorteile, die sie uns gebracht haben, den Nachteilen gegenüberstellen, und mit vollkommener Nüchternheit die Bilanz ziehen. Vielleicht, daß man dann zu einem Zionismus kommt, der dem Achad-Haam’schen ״geistigen Zentrum“ ähnlicher sieht, als dem Herzl’schen Judenstaat. Aber er hätte dann den Vorzug, realisierbar zu sein. Und auch Calvary könnte nicht Achad-Haam’s Konzeption des ״Einen aus dem Volke“, damit abtehnen wollen, er hätte weniger nationale Verbundenheit zu seinem Volke gehabt als Herzl. Nein, wir wollen keinen Frieden ״um jeden Preis“, Wie uns Calvary vorwirft, aber wir sind bereit, einen Preis zu zahlen, wenn wir denen die Calvary unseren einzigen Trost nennt: den Kindern, die nach uns hier in Erez-Israel leben sollen, das hinterlassen können, wessen sie am meisten bedürfen werden: einen Frieden, in dem sie leben und arbeiten und weiterbauen können. Und wir verlangen von unserer Führung, daß sie in Erfahrung bringe, welches dieser Preis ist. Jerusalem. Mordechai Ben Ephraim, 1111111111111111111111<11m11!11111111111111111i111Htm111m11111w1ffl1n111m11111[111tti1m1mü<1nim111iH11i1ri11n1iM Hebräische Lernbücher. Der sehr verdiente Verlag ״Dwir" (Tel-Awiw) hat seine Bücherserien wieder um wertvolle und gelungene Ausgaben bereichert. Neben den gut ausgestatteten, von dem Maler Gutmann illustrierten Märchenheften sind vor allem die Klassikerausgaben für die Fugend zu nennen: Mendele, Perez, Schalom Asch, Scnolem Alechetn werden in Bruchstücken, in Einzelausgaben zu sehr billigem Preis der Jugend zugänglich gemacht. Ein solches Heft kostet 20—30 Pf., man bekommt in Deutschland nichts in gleicher Qualität der Ausstattung zu diesem Preis. Noch mehr Interesse verdient hier die ,,Bibliothek für Abendkurse“, gleichfalls kleine Hefte mit kurzen Erzählungen u. ä. von A S. Rabinowicz, Bremer, Perez u. a., auch eine Auswahl von BiaIiks Gedichten ist darunter. Und schließlich ist noch eine Sammhing zu erwähnen, ״Diwre Sofrim“, in welcher vier der schönsten Idyllen von Dwid Schimonowicz herauskamen (25 bis I 40 Pf.). — Weiter ist zu verweisen auf die Bibliothek ״Lanoar“, die vom Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds herausgegeben wird und deren erste Bände hier eingehend besprachen waren. Es sind Monographien, das Werden der einzelnejj Kolonien behandelnd, z. B. Rechobofh (Nr. 7, Verfasser Smilansky), Kfar JecheskeJ (Nr. 8) usw. Auch Persönlichkeiten werden dargesteift, z. B. Rabbi J. Ch. Alkalay (Nr. 9), Herzl (Nr. 10, Verf. Rabbi Benjamin). Besonderes Interesse dürfte gerade jetzt Heft 11/12 finden, ״Dl e KIageipauer" von S, Ben Zion; in diesem Heft werden Gedanken und Dichtungen, die auf das untergegangene Heiligtum Israels Bezug haben, aus allen Zeitaltern zusanunengestellt, beginnend vom Talmud und endend njit einem großen Wort Achad Haams. Diese Anthologie ־wäre noch verdienstlicher gewesen, wenn auch die heutige Situation deutlicher charakterisiert worden wäre, insbesondere die Tatsache, daß die Juden heute keinen Anspruch auf den Tempelberg erheben, unterstrichen Worden wäre — ganz im Sinne Achad Haams, der erst am Ende der Zelten die Errichtung eines neuen Heiligtums dort erhofft, eben das ״Bethaus für alle Völker". Ein besonderer Dank gebührt dem Hauptbüro de« Jüdischen Nationalfonds für seine Beteiligung an einer zionistischen Bibliothek ״Je ssodoth" — ״Die Grundlagen“, die in Warschau in hebräischer Sprache vom ״Brith hanoar“ und vom Hauptbüro ״Hechaluz“ herausgegeben wird. In dieser Bücherei sind bisher vier Bände erschienen: Nr. I*. ״Zur Grundlegung des Zionismus“ von Abraham Lewinsohn; Nr. 2: ״Oeschichte der jüdischen Arbeiterbewegung“ von Arieh T a r - takower; Nr. 3: ״Geschichte der zionistischen Idee“ von Hans Kohn; Nr. 4/5: ״Unsere Bevölkerungsgruppen in Palästina“ von I. Ben Zwi. Wese Bücher bilden den ersten ernsten Versuch, eine systematische Bibliothek von Leitfaden zur Einführung in die Gedanken- und Tatsachenwelt des (links orientierten) Zionismus zu schaffen. So etwas mußte, solange nicht alle Juden hebräisch lesen, in allen wichtigeren Sprachen, vor allem deutsch und englisch, herausgegeben werden; cs wäre wichtiger als manche recht kostspielige Propaganda- Maßnahme, deren Wirkung doch fictiv bleibt. Der Vorzug der ״Jessodoth“-Hefte ist auch wieder die Billigkeit (60 Pt pro Heft, Doppelheft 80 Pf.!), man müßte dasselbe deutsch anstreben. Das Buch von Lewinsohn ist eine Behandlung unserer nationalen Problematik, besonders Auseinandersetzung mit verschiedenen sozialistischen Theorien. Tartakower gibt wertvolles Informationsmaterial. Das Heft von Hans Kohn ist die seit langer Zelt dringend erforderliche Darstellung der zionistischen Ideengeschichte, gegliedert in den einzelnen repräsentativen Denkern gewidmete Kapitel, die in ihrem inneren Zusammenhang die große geistesgeschichtliche Linie der zionistischen Ideologie aufzeigen; gerade dieses zum Verständnis des Zionismus wichtige Buch müßte in europäischen Sprachen vorhanden sein. Der vierte Band, Ben Z w i s Arbeit, bringt sehr viel Material, das bisher nur schwer auffindbar war. Die Herausgeber sollten zu einer schnellen Fortsetzung der Bücherei ermutigt werden, zumal alle vier Bücher sich als ״Teil I“ bezeichnen, so daß also jedem noch ein zweiter Teil fehlt, der bald nachkomtnen sollte. Jedenfalls hat die Jugend jetzt das vorzügliche Instruktionsmaterial, über dessen Fehlen oft geklagt worden ist. s.

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