Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 91 (19.11.1929)
- Date
- 1929-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 91, 19 Xt. 1920 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 007 sation Amerikas ״New Paiestine“, Herrn Meyer Weisgal, gesandt hat und in welchem er ein mit Weisgal getroffenes Arrangement wegen Lieferung von Aufsätzen aufhebt. Herr Shean erklärte, er habe seine Meinunggeändert, weil die jungen Juden Palästinas die arabische Bevölkerung in vor. lauter und zynischer Weise beurteilen. Seine Sympathien für den Zionismus seien geschwunden, als er geaenen habe, wie durch das System getrennter Schulen die Kinder Palästinas dazu erzogen werden, einander zu hassen. Das Mitglied der Kommission, Harry Snell, fragte, welche Zionisten ״vorlaut“ seien- Meist sind dies junge Leute, erwiderte Shean; die verantwortlichen Zionisten sind sehr gemäßigt. Sir Walter Shaw, der Vorsitzende der Kommission, fragte Herrn Shean, ob er glaube, daß Miß (joidsmith, als sie von bevorstehenden Unruhen sprach, ihre eigene oder eine autoritative Meinung ausgedrückt hat. Shean erwiderte, er habe den Eindruck genabt, daß MIß Goldsmith auf Qrund offizieller Quellen ihre Aeußerungtn getan hat. Miß Q o I d s m i t h , die auf Antrag von Sir Boyd Merriman geladen wurde, sagte aus, sie sei eine Freundin und Nachbarin der Familie Agronsky in Tel-Awiw. Am 14. August reiste sie nach Jerusalem, um dort einige Rechnungen zu bezahlen. Frau Agronsky habe sie gebetem beim Postamt nachzufragen, ob seitens der Londoner ״Times“ irgendwelche Arrangements für Entgegennahme von Telegrammen getroffen wurden, ferner wegen eines Vertreters des Herrn Agronsky sich zu erkundigen. Von einem Möbelhändler, bei dem sie eine Bestellung gemacht hat, erfuhr sie, daß die medizinische Organisation Hadassah Tragbahren■ bestellt hat und daß diese Bestellung vielleicht damit in Zusammenhang steht, daß es am Tischa b’Aw zu Angriffen von Arabern auf Juden kommen werde. Da sie wußte, daß Herr Shean ein Freund Agronskys ist, habe sie ihn ersucht, mit ihr zur Klagemauer zu gehen. Sie hat nichts davon gesagt, daß Unruhen erwartet werden, sie konnte es auch nicht gesagt haben, da sie es nicht wußte. Sie hat Herrn Shean nie etwas über bewaffnete Chaluzim gesagt. Sie selbst hat keinen Revolver gesehen, und Herr Shean hat ihr auch nicht gesagt, daß er eine solche Waffe bemerkt hat. Die Menge an der Klagemauer bestand aus jüngeren und älteren Leuten; es geschah nichts Besonderes. Weitere Beamten-Aussagen Der stellvertretende Kommissar für den Norddistrikt, Herr O. McLaren aus Haifa, und der stellvertretende Kommissar des Süddistrikts, Herr R. E. Crosbil aus Jaffa, machten ihre Aussagen vor der Untersuchungskommission zuerst in einer öffentlichen Sitzung und dann hinter geschlossenen Türen. Der geheimen Einvernahme durften auch nicht die Anwälte der Palästina-Regierung, der Jewish Agency und der arabischen Exekutive beiwohnen. McLaren sagte aus, er habe am Freitag, dem 23. August abends, von den Jerusalemer Unruhen erfahren, nachdem bereits frühere Jerusalemer Zwischenfälle eine unruhige Stimmung in Nablus, Tulkerem und Dschenin, rein moslemische Städte des Norddistriktes, geschaffen hatten, wogegen Haifa sich für diese Zwischenfalle wenig interessiert hat. Am Sonnabend, dem 24. August, war aber auch in Haifa eine geringe Erregung festzustellen. Einer bei ihm vorsprechenden jüdischen Deputation habe er mitgeteilt, daß Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden seien. Die Juden waren in erregter Stimmung, hatten ihn aber in der Aufrechterhaltung der Ruhe unterstützt. Auch die moslemisehen Notabein natten versprochen, für Ordnung zu sorgen. McLaren konnte keine Auskunft über die Zusaramensemmg der Bevölkerung von Haifa geben, so daß Sir Boyd Merriman seinerseits festsfeilte, daß in Haifa' MHQÖÖ Juden13״DO0 Moslems leben und daß der Rest der Bevölkerung sich aus christlichen Arabern und Europäern zusammensetzt Ke gegen die Juden sich bemerkbar machende Bewegung, sagte McLaren weiter, war nicht spontan. Auf Befragen von Viscount Erleigh sagte McLaren, es sei ihm bekannt gewesen, daß Agitatoren am Werke seien, daß Flugschriften aufreizenden Inhalts unter den Arabern des Samaria-Distriktes verbreitet wurden und daß die in Nablus entstandenen Unruhen durch ein sofortiges Eingreifen der Polizei gänzlich unterdrückt werden konnten. McLaren mußte weiter zugeben, daß er es unterlassen habe, jüdische und arabische Persönlich* keiten zu einer Aussprache zusammenzubringen, obwohl Herr Shabati L e v y ihn dahin informiert habe, daß er, Levy, mit dem Moslem Ibraham Bey Khalil die Ab- Haltung einer gemeinsamen Versammlung am 24. August, um der Agitation entgegenzuwirken, besprochen und McLaren ersucht habe, bei dieser Beratung den Vorsitz zu führen. McLaren gab zu, daß er auch mit Ibraham Bey Khalil gesprochen habe, antwortete im übrigen ausweichend und sagte, es sei in der Sache nichts mehr geschehen. Herr C r o s b i e, der Vizekommissar des Süddistrikts, schilderte die Anstrengungen, die gemacht wurden, um eine arabische Demonstration in Jaffa, die sehr ge* fährliche Formen hätte annehmen können, zu verhindern. Zweimal habe er mit arabischen Führern verhandelt; das erstemal waren alle gegen die Demonstration, das zweitemal waren die Meinungen geteilt. Einige der Führer, die offenbar von auswärts beeinflußt worden waren, wollten nichts tun, um die unheilkündende Demonstration zu verhindern. Auf Befragen des AnwaltsISilley sagte Crosbie, nur eine kleine Minderheit sei für die Unruhen verantwortlich, die ganze arabische Bevölkerung von Jaffa sei aber gegen die Balfour-Deklaration. Silley fragte Crosbie, ob der Scheich Abdul Karer Muzchar aus Jaffa, der hier im Saale neben dem Anwalt der arabischen Exekutive sitzt, in der Versammlung der Vereinigung moslemischer junger Männer eine Red« gehalten hat. Crosbie erwiderte: Das ist ganz sicher, ich kann mir keine Versammlung vorstellen, in der dieser Scheich nicht redet, er hat eine Leidenschaft fürs Reden. Das liberale Mitglied der Kornmission Hopkins Morris erklärte, er erkenne in dem Scheich Muzchar denjenigen Herrn, der die Mitglieder der Untersuchungskommission bei ihrem Besuch in Jaffa angesprochen hatte. (Muzchar figuriert in der von ״Dawar" veröffentlichten ״Schwarzen Liste“ der Regierung, aie arabische Nationaiisten und Kommunisten vereinigt.) Crosbie sagte weiter aus, er sei überzeugt, daß ein Massaker in Tel-Awiw dadurch abgewendet worden sei, daß Polizeioffizier Riggs gegen die auf Tel-Awiw marschierenden Araber das Feuer erSffnete. Es sei nicht wahr, daß die Erregung erst durch das Feuern entstanden sei. Der Anwalt Silley brachte wieder die Angelegenheit des UidischenSelbstschutzes (Haganah) zur Sprache und fragte Crosbie, ob er wisse, was Haganah bedeutet. Crosbie erwiderte, er habe wohl von Haganah gehört, wiss? aber nichts Definitives, ob sie tatsächlich besteht. Wenn sie besteht, so könne es sich nur um eine jüdische Selbstschutztruppe gegen arabische Angriffe handeln. Silley: Als ein Resultat der von den Juden verfolgten Politik? Crosbie: Ich möchte das nicht behaupten. Nun brachte Silley das in Tel- Awiw erschienene hebräische Büchlein über den ukrainischen Selbstschutz zur Sprache, wogegen Sir Boyd Merriman Ein- Spruch erhob. Darauf Silley! wenn ich richtig informiert bin, SO befindet sich das Hauptquartier der Haganah in der Ukraine (1), aber es bestehen Zweiggruppen in der ganzen Welt, Crosbie erklärte auf Befragen von Viscount Erleigh, er könne sich absolut nicht daran erinnern, daß eine Abordnung jüdischer Bauern ihn um Schutz für die jüdischen Kolonien ersucht hatte. Auch als ihm Erleigh die Namen der Mitglieder der Deputation laut einem Bericht im ״Haarez“ vorlas, blieb er dabei, daß er sich nicht erinnern könne; es fanden, fügte er hinzu, damals so viele Zusammenkünfte statt. Einvernahme Weisls Am 14. d. M. wurde Dr. W o 1 f g a n g v o n W e 1 s 1, Vertreter des Berliner Ullstein-Dienstas, der auch Mitglied des Zentralrats des Weltverbandes der Zianisten-Revisionisten ist, vernommen. Seine Einvernahme dauerte viele Stunden. Er berichtete über die Geschehnisse an der Klagemauer am 16. August und in der Jaffastraße am 23. August und entwickelte auf Befragen der Anwälte die Grundsätze des Revisionismus, die, so sagte er, die Grundsätze der ersten Zionisten sind und nichts enthalten, was den Arabern Anlaß zu Befürchtungen geben könne. Am 6. August, sagte Weisl, sei er nach Palästina gekommen und beabsichtigte, bald nach Amerika zu reisen, wo er die ״Vossische Zeitung“ vertreten sollte. Am 16. August ging er zur Klagemauer, um sich die arabische Demonstration anzusehen. Er war Zeuge dessen, daß die Demonstranten Gebetbücher und Amulette aus den Ritzen der Mauer hervorholten, sie zerrissen und mit Füßen auf die Fetzen traten. Er fand auf dem Pflaster Blätter auseinandergerissener Gebetbücher und ״Kinoth“ (am Tischa b’Aw zu lesende Klagelieder). Das aus der Omar-Moschee führende neue Tor war geöffnet, und etwa 40 bis 50 Araber traten durch diese Tür auf das Pflaster vor der Mauer. An dem tragischen Freitag, dem 23. August, nach 1 Uhr, hörte er, daß sich in der Jaffa-Straße Unruhen vorbereiteten. Er eilte an das Jaffa-Tor, dort traf er bewaffnete britische und unbewaffnete arabische Polizei an. Ein britischer Offizier und der stellvertretende Kstriktskommissar Herr Cust waren ebenfalls da. Die Straße entlang marschierten 150 bis 200 mit Schwertern und Knütteln bewaffnete Araber. Ein verfolgter Jude rannte auf die Polizei zu, er wurde aber, bevor er diese erreichte, niedergestochen; er erhob sich, fiel aber, durch einen zweiten Stich getroffen, wieder hin. Polizisten trugen ihn hinter die Polizei-Kette, und Herr Cust bemühte sich, die Araber zu beruhigen. Fünf Minuten später wurde abermals ein Jude niedergeschlagen, und der Mob lief den Bethlehem-Weg hinunter. Die Polizei brachte die Menge zum Stehen. Weisl begab sich zur Jaffa-Straße. Vor dem arabischen Demonstrationszug waren zwei Polizisten zu Pferde, hinter dem Zuge fuhr ein Panzerauto in Begleitung von vier englischen Polizisten. Der Zug bewegte sich ruhig fort. Plötzlich stürzte sich ein Araber, ein Hühne von Gestalt, mit einem Knüttel au! einen Juden, fast in demselben Augenblick erhielt Weisl von zwei Arabern Schläge auf den Kopf. Er packte einen der Angreifer und wollte ihn der Polizei übergeben, die Polizisten waren aber allzu beschäftigt. Der Festgehaltene versuchte, sich loszureißen, und während Weisl mit ihm rang, fühlte er einen Stich in den Rücken. Er sah, daß ein junger Araber den Messerstich ausgeführt hatte. Ke Polizisten faßten den Angreifer, aber sie verhafteten ihn nicht, sondern stießen ihn in den Zug hinein. Fast in der gleichen Minute wurde der Jude Eiiah Raitan von einem anderen Araber durch Messerstiche tödlich verletzt. Ebenso wurde Itamar ben Awi, der sich unweit von Weisl befand, verletzt. Sacher bei Chancellor Die fortdauernden arabischen Angriffe ans dem Hinterhalt Jerusalem, 15. November. (J.T.A.) Die fortdauernden aus dem Hinterhalt gerichteten Angriffe von Arabern auf Juden in Jerusalem und in verschiedenen Teilen des Landes haben unter der Judenheit ganz Palästinas Erregung hervorgerufen. Harry Sacher begab sich zum Oberkommissar Sir John Chancellor und Übermittelte ihm die Forderung der Zionistischen Exekutive, daß durchgreifende Maßnahmen getroffen werden, um allen solchen Angriffen ein Ende zu machen. Die bei Chedera ermordete Frau Fanny Badasch aus Kerkur war eine Tochter des verstorbenen englischen Zionisten Foner aus SWansee. Gegen die Haifaer arabische Zeitung ״A n n a f i r“ wurde ein Verfahren wegen Beschimpfung der jüdischen Religion eingeleitet. Der Jerusalemer Jude Makoviki, der sich aut Anzeige eines Arabers wegen Beschimpfung des Moslern vor Gericht zu verantworten hatte, wurde freigesprochen, da sich die Beschuldigung gegen ihn als haltlos erwies. Parlamentarische Pro Palästina-Grupp London, 15. November. (J.T. A.) In einer im Unterhaus abgehaltenen Versammlung wurde die Bildung einer parlamentanschen Pro Palästina-Gruppe beschlossen. Die Gruppe setzt sich aus Mitgliedern aller Parteien zusammen, Präsident ist Colonel Josiah Wedgwood (Arbeiterpartei); der Exekutive gehören an von den Konservativen der frühere Kolonienminister L. S. A m c r y, der frühere Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby-üore und Sir Martin Convay; von den Liberalen Sir Robert Hamilton, Major H. L. Na than und James de Rothschild; von der Arbeiterpartei außer dem Vorsitzenden Wedgwood noch Dr. George Spero, der als Sekretär fungiert. Hauptziel der Gruppe ist die Unter- Stützung der Politik des Palästina-Mandates und die Mitwirkung an der Kolonisation Palästinas. Daniel Hopk in, Mitglied der Fraktion der Arbeiterpartei, der während der Unruhen in Palästina geweilt hat, hielt ein Referat über dai Verhältnis der Palästina-Administration zu den Juden. Beschlösse des Waad Leun! Jerusalem,», November. (J.T. A.) Der WaadLeuml (Jüdischer Nationalrat Palästinas) beriet ln einer nicht- Sicherheitsmaßnahmen, die arabische Forderung nach einem Parlament, die Verwendung des Nothilfsfonds beziehen. In einer besonderen Entschließung werden eine erhöhte Einwanderung und eine verstärkte Kolonisationsarbeit gefordert. Dem ״Bert. Tageblatt“ zufolge hat der Waad Leunti be _g ..... ren, da dies nur eine Ermutigung zu neuem Blut vergießen sein könnte. Ferner ist laut ״B. T.“ beschlossen worden, mit der Jewish Agency in Verbindung zu treten zum Zweck der Verwendung der gesammelten Hillsgelder für die Gründung eines Bankinstitutes. Die Kommunalwahlen Die Kommunalwahlen, welche am 17. d. M. in Berlin und in einer ganzen Reihe anderer Städte in Deutschland stattgefunden haben, bestätigten die in der letzten Zeit immer wieder festgestellte Entwicklung von dem starken Anwachsen der nationalsozialistischen Partei In Deutschland. Was diese Tatsache für die Barbarisierting der politischen Verhältnisse in Deutschland bedeutet, bleibe hier unerörtert. Daß sie für alle in Deutschland lebenden Juden eine ernstliche Gefährdung darstellt, daran ist leider nicht zu zweifeln. Der Rückgang der deutschnationalen Stimmen vermag keinen Trost zu bieten, wenn auch auf demokratischer Seite im Hinblick auf die Nationalsozialisten sozusagen mit leisem Augenzwinkern die Neigung besteht, sich stillschweigend die Deutschnationalen gefallen zu lassen. Beweis hierfür ist ein von den Deutschnationalen in Berlin gemeinsam mit den anderen bürgerlichen Parteien, darunter auch den Demokraten, veröffentlichter Aufruf. Diese Bundesgenossenschaft der Demokraten — auch der unverdächtige ״Montag Morgen“ personifiziert die demokratische Partei in einem judennasigen Plakatträger —■ ist sogar den jungdemokratischen Anhängern zu bunt geworden und veranlaßte diese, am 15. November Verweigerung der Wahlhilfe für die deutschdemokratische Partei zu beschließen. Der Wahlkampf in Berlin wurde von den Antisemiten selbbstverständiich mit dem Schlagwort ״Gegen jüdische Korruption“ geführt. Als ob die Dame Korruption jüdischen Geblütes wäre! Immerhin hat diese Parole gezogen. Daß dieses möglich war, und leider immer wieder wahrscheinlich sein wiid, sollte alle Juden zum Nachdenken veranlassen. In diesem Zusammenhang sei auf einen Aufsatz unseres Moses Waldmann hingewiesen, der in der ״Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland“ unter dem Titel ״Alle Mann an Bord“ erschienen ist. Dort heißt es nach einer Darstellung der antisemitischen Gefahr in Deutschland und einer Analyse, wie der Judenhaß von einzelnen jüdischen Richtungen ideologisch aufgefaßt wird, am Schlüsse: ״Trotz dieser Differenz aber muß jeder einzelne Jude in Zeiten der Gefahr, und eine solche Zeit erhöhter Gefahr besteht jetzt für die Juden in Deutschland, sich ehrlich die Frage voriegen, ob er in der Bekämpfung des Judenhasses, einerlei wie er ihn als soziales Phänomen beurteilt, und einerlei, ob er an seine restlose Ausmerzung durch Abbwehr und Bekämpfung glaubt, in diesem Augenblicke beiseite stehen darf. Ferner muß er sich fragen, ob es an• gezeigt ist, wenn diese Arbeit schon gemacht werden mußj daß sie i soliert von jeder einzelnen Gruppe in eigener Regle zu leisten oder ob es nicht vielmehr die Aufgabe der jüdischen■ Gesamtheit in Deutschland^ also der Arbeitegemeinschaft der jüdischen Landesverbände Ist, tatkräftigst nach dieser Richtung zu wirken. Daß hierbei bestehende Organisationen, deren Hauptziel der Abwehrkampf ist, eine führende Rolle spielen werden, ist natürlich. Es gibt Tagesaufgaben in der Bekämpfung des Judenhasses, bei denen die prinzipiellen Unterschiede in der Auffassung des ganzen Problems bei einigermaßen gutem Willen zurück gestellt werden können. Wir haben, um ein Beispiel zu erwähnen, in den letzten Monaten erlebt, daß sich hinsichtlich der Palästina-Aufgabe jüdische Gruppen verschiedener Einstellung zu der Frage des Jüdischen Nationalheims in der Jewish Agency־ zusammengefunden haben, praktisch eine Aufgabe zu fördern, deren Verwirklichung im Interesse der gesamten Judenheit liegt. Wenn es erlaubt ist, Großes mit Kleinem zu vergleichen, sei hierdurch die Anregung ausgesprochen, ob es nicht möglich wäre, ein Analogon zur Jewish Agency innerhalb des deutschen Judentums für die praktischen Aufgaben des Alltags in der Abwehr der wildesten -•Auswüehse׳:'.d׳.e*..j־mdeit-kass«* E*»Ai kein Zweifel, daß «ferjeniffe Teil der deutschen Juden, der die bisherige Form der Abwehrarbeit, die einseitig unter dem Gesichtswinkel der restlosen Angleichting an das deutsche Volkstum und der Beteuerung nationalen Wohl- Verhaltens geführt wurde, abgelehnt hat, durch seine Kooperation imstande wäre, diese Arbeit auszubauen, zu befruchten und, seien wir aufrichtig, zu einer allgemein-jüdischen Über die Grenzen Deutschlands hinausgehenden Sache zu machen. Diese Vorschläge wollen genau überlegt sein. Sie mußten aber gemacht werden, weil man als ein in Deutschland lebender Jude vor den Erscheinungen, die sich immer stärker als Gefahr für alle Juden entwickeln, nicht die Augen verschließen darf. Es ist Zeit, einen Warnungsruf auszustoßen, und darum geschieht es hier.“ Mandatskommission and Palästina Im März außerordentliche Session Genf, 15. November. (J.T.A.) Die Mandatskommission des Völkerbundes hat sich heute wiederum mit der Frage Paiästlnas befaßt und beschlossen, im März 1930 eine außerordentliehe Session abzuhalten, die ausschließlich der ErörterungderLagePalästinasbn Zusammenhang mit den letzten Ereignissen gewidmet sein soll. Der Mandatekommission wird bis zu diesem Zeitpunkt durch die englische Regierung der Bericht der nach Palästina entsandten Untersuchungskommission übermittelt worden sein, die Mandatskommission wird diesen Bericht prüfen und ihr Gutachten dem im Mai 1930 zu einer Sitzung zusammentretenden Völkerbundrat unterbreiten. Schießereien in Jernsalem and Saled Jerusalem, 14. November. (J.T.A.) Gegen das von Juden bewohnte Jerusalemer Stadtviertel ״Mekor Chajim“ wurden in der letzten Nacht mehrere Schüsse abgegeben; es ist nicht gelungen, den Tätern auf die Spur zu kommen. Im westlichen Teil der Stadt Safed haben Araber plötzlich eine Schießerei begonnen, die 30 Minuten lang fortgesetzt wurde. Ein englischer Soldat wurde getroffen und schwer verletzt in das Hadassah-Hospital gebracht. Den Urhebern gelang es zu entkommen, bevor britisches Militär an Ort una Steile angelangt war. Jerusalem, 14. November. (J.T.A.) Das Gericht in Jaffa verurteilte einen Araber wegen Teilnahme an der Ermordung des greisen Juden Rosin, der in den Jaffaer Unruhetagen als erstes jüdisches Opfer fiel, zu sieben Jahren Zuchthaus und 250 Pfund Schadenersatz an die Hinterbliebenen, Allenby Aber das Militär in Palästina London, 15. November. (J.T.A.) im Oberhaus sprach Feldmarschal! Viscount Allenoy, der Eroberer Palästinas, über die Frage der Herabsetzung der militärischen Streitkräfte und sagte mit Bezug auf Palästina: Die jüngsten Ereignisse in Palästina scheinen mir ein Beispiel dafür zu sein, daß ein Optimismus, der zur Herabminderung der miIitärischen Sicherungen führt, eine Gefahr sein kann.