Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 91 (19.11.1929)
- Date
- 1929-11-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2653062-2653145--21175-2679242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 1× ep/1044017
- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Seite 609 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 91, 19. XI. 1929 Die Untersuchung Die jüdische Demonstration am 9. Ab — Der Bluttag von Tel-Awiw Luke vor der Kommission Die lange mit Spannung erwartete Einvernahme des Chef* sekretlrs der Palästinaregierung;, Mr. H. C. Luke, der bekanntlich zur Zeit der Ausschreitungen als Stellvertreter des High Commissloners die Regierung des Landes leitete, erfolgte am 15. November. Seine Aussage betraf die ganze Periode vorn Beginn der Unruhen bis zum Eintreffen Sir John Chancellors. Wir geben nachstehend den Bericht über Lukes Aussagen nach der ,,Times“ wieder. Mr. Luke sagte, die Aufrichtung eines moslemischen Oebäudes innerhalb des Gebietes der Klagemalier habe in der jüdischen Welt großen Unwillen hervorgerufen. Die Entschei• düng über die Erlaubnis für die von einigen Zionisten für den 14. August geplante Demonstration an der Klagemauer sei ihm überlassen geblieben. Er habe die Demonstration gestattet und der Tag sei in voller Ruhe verlaufen. Am fol* gende n Tage versammelten sich die Juden zuzüglich einiger von außerhalb Hinzugekommenen in einem Schufhaus, um eine Demonstration vorzubereiten. Einige dieser Juden wollten sowohl an der Mauer als auch vor dem Regierungsgebäudc demonstrieren. Als man Luke mitteilte, daß einige von den Juden darauf ausgingen, mit der Polizei zu einem Abschluß zu kommen, und sich nicht abhalten ließen, rieten ihm seine Beamten, den Umzug nicht zu verbieten, well die Juden ein unangefochtenes Recht auf Zugang zur Klagemauer haben, besonders am Jahrestage der Zerstörung des Tempels. Der Umzug wurde daher gestattet unter der Bedingung, daß keine Fahnen getragen werden und daß der Zug in Reih und Glied marschiert. Hätte er vorher gewußt, daß einige der Demonstranten es ablehnten, diesen Bedingungen zuzustimmen, dann hätte er vielleicht die Erlaubnis nicht gegeben. Luke erklärt weiter, er habe die Moslems ersucht, sich von allen Störungen fernzuhalten, wenn die Juden ihre Viertel passieren. Später hatten die Moslems den Eindruck, daß ihre Zurückhaltung mißbraucht worden ist, mit Rücksicht auf die Ereignisse, die dann an der Mauer vor sich gingen. Sie forderten daher die Erlaubnis, am folgenden Tage, dem Vortage des Geburtstags des Propheten, eine Gegendemonstration zu veranstalten. Der Zeuge war der Meinung, daß eine moslemische Demonstration nicht wiihsehenswert ist und suchte auf den Mufti einzuwirken, daß die Demonstration auf das Gebiet des Tempelplatzes zu beschränkt und nicht auf den Platz vor der Klagemauer ausfedehnt wird. Der Mufti versprach, er wolle dies zu ver- Indem versuchen, aber bevor er aus dem Büro von Mr. Luke auf den Tempelplatz zurückgekehrt war, hatte bereits eine Menge den Platz vor der Klagemauer gefüllt. Die Ereignisse gingen nun zu schnell ihren Weg. Eine formelle Erlaubnis za diesen Demonstrationen ist schon deswegen nicht erteilt worden, weil sie niemals angesucht wurde. Von dem Vor* händcnscin jüdischer Bittschriften in den Urnen an der Klage־ mauer habe der Zeuge nichts gewußt. Mit einer Anspielung auf die“ Eröffnungsrede von Sir Boyd Merriman sagte der Zeuge, sein Nichteinschreiten sei nicht auf Schwäche oder Feigheit zurückzuführen, sondern sei eine Frage der Politik gewesen. Hätte man der Polizei den Auftrag gegeben, um jeden Preis die Demonstration zu verhindern, dann hätte sie wohl ihr bestes getan, aber es ist fraglich, ob sie Erfolg gehabt hätte. Sie wäre gezwungen gewesen, innerhalb des Bereiches der Moschee Gewalt anzu* wenden, und ein Blutvergießen an diesem Platz hätte wahrscheinlich Unruhen 1m ganzen Lande zur Folge gehabt, ganz abgesehen davon, daß es unmöglich gewesen wäre, die Wirkung auf die ganze moslemische Welt abzusehen. Am 23. August erkannte Luke, daß etwas Vorgehen müsse, denn er sah, daß die Menge aufgeregt war und ganze Schwärme von Arabern, wie man vom Fenster des Gouvernorats beobachten konnte, durch das Damaskustor zogen. Noch eine halbe Stunde vorher war ihm gesagt worden, daß es ruhiger wird. Er gab Befehl, daß Panzerwagen von Ramlch kommen sollen. Zugleich trat er in Verbindung mit dem Mufti, und ersuchte das Quartier der Fliegertruppe ln Amman, eine Luftdemonstratian zu machen, außerdem beschloß er, einen Teil des transjordänischen Grenzkorps heranzuziehen. Weiter ersuchte er den Kommandanten von Malta, ein Kriegsschiff nach Haifa und eins nach Jaffa zu schicken, denn er sah bevor, daß in ganz Palästina Unruhen ausbrechen werden. Die Zionistische Exekutive forderte die Bewaffnung von 500 Juden, darunter mehrere ehemalige Soldaten, die die Juden in den jüdischen Stadtteilen und den außerhalb liegenden Siedlungen beschützen sollten. Mr. Luke erbat sich Bedenkzeit und nach eingehender Ueberlegung entschied er am nächsten Tage, di e Juden nicht zu bewaffnen. Die Nacht des 23. August war sehr unruhig und man hörte viel Schießen. Am Samstag früh entschloß er sich, gegen alle Regeln zu handeln und wandte sich an den Oberkommissär von Aegypten mit der Bitte um Entsendung von Truppen. Er konnte jedoch ohne Zustimmung von London keine Truppen erhalten und war daher außerstande, dem Vertreter der Zionistischen Exekutive, Mr. Horowitz, Versicherungen zu geben, daß Verstärkungen kommen werden. Erst nachdem er die zweite jüdische Deputation empfangen hatte, kam die Nachricht, daß Truppen noch am selben Tage eintreffen werden. Am Tage vor dem Ausbruch der Ausschreitungen, am 22. August, fand in Lukes Hause auf Anregung von Mr. Horowitz eine Aussprache arabischer und jüdischer Vertreter statt. Die Sitzung verlief jedoch resultatlos, da sich die Anwesenden nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen konnten. ♦ Ueber die vorhergehenden Tage liegen folgende Berichte vor: Die Vorgänge in Jaffa und Tel-Awiw Jerusalem, 14. November. (J.T.A.) Die britische rintcrsuchungskommission für Palästina vernahm den Polizei- Inspektor des palästinensischen Süddistrikts, Herrn P. E. Q u 1 gley, dem u. a. die Städte Jaffa, Tel-Awiw, Hebron, Gaza und Beer Sheba unterstehen. Während der Unruhen war ihm die Wiederherstellung der Ordnung in Jaffa und Tel-Awiw unmittelbar anvertraut. Quigley sagte zunächst über die Ereignisse in Jaffa aus. Viscount Erleigh, einer der Anwälte der Zionistischen Exekutive, verlas Auszüge aus den in Tel-Awiw erscheinenden hebräischen Tageszeitungen ״Haarez“ und ,Dawar“ aus der den Unruhen unmittelbar vorangegangenen Zeit, aus denen hervorgeht, daß der Aufstand vorbereitet war, und daß man sich auf den Ausbruch der Unruhen gefaßt mache. Arabische Führer hatten Gerüchte über angebliche jüdische Ueberfälle auf Araber verbreitet; in Jaffa wurden diese Gerüchte besonders durch Hamdi Husseini unterstützt. Quigley erklärte darauf, Hamdi Husseini sei der palästinensische Vertreter der Antiimperialistenliga und der Führer einer kleinen Gruppe arabischer Kommunisten; mit dem Groß-Mufti Hadseh Emin ei Husseini und dem Präsidenten der arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha el Husseini sei er trotz Namensgielcliheit nicht verwandt. Dieser Hamdi Husseini, sagte Polizeiinspektor Quigley, habe jede Gelegenheit ausgenutzt, um unter religiösem Deckmantel Unruhen im Lande hervorzurufen. Hamdi Husseini, der dem Frankfurter Kongreß der Antilmperiallsten- Liga im Juli dieses Jahres als Delegierter beiwohnte, sei sozusagen von Beruf Organisator von Demonstrationen; seit seiner Rückkehr aus Frankfurt habe er sieh unablässig bemüht, Unruhen hervorzurufen, wobei er sich an moslemischen Feiertagen besonders tätig gezeigt hat. Die gemäßigten Araber hatten versucht, die Jugend von Ausschreitungen zurückzuhalten, aber die moslemische Vereinigung junger Männer, von denen einige Kommunisten sind, stand völlig unter dem Einfluß von Hamdi Husseini und handelte nach seinen Instruktionen. Jene Instruktionen aber, die die Araber ganz Palästinas zur Veranstaltung von Kundgebungen aufforderte, gingen von dem moslemischen ״Komitee zum Schutze der Klagemauer“ aus, und Musa Kazim Pascha el Husseini, der Präsident der arabischen Exekutive, hat persönlieh die Jaffaer Druckerei, die diese Flugschriften hergestellt hat, besichtigt; in diesen Flugschriften wurde gegen einen angeblich von Juden gemachten Einfall in das Gebiet der Klagemauer protestiert. Alle Moslems von Jaffa wurden aufgefordert, sich am 23. August in den Moscheen zu versammeln. Die Polizei sah darin ein Zeichen sich vorbereitender ernster Unruhen. Das von Juden und Arabern gemeinsam bewohnte Stadtviertel an der Orenze zwischen Jaffa und Tel-Awiw wurde von J u - den wie von Arabern geräumt. Quigley erzählte weiter, er habe keinerlei Kenntnis davon gehabt, daß in Ludd eine arabische Protestkundgebung abgehalten wurde; auch wußte er nicht, daß arabische Arbeiter in Petach Tikwah mit ihren Frauen die Kolonien verließen, nachdem sie vorher die Aus- Zahlung ihres Lohnes gefordert hatten. Jaffa, fuhr Quigley fort, hat eine leicht erregbare Bevölkerung, und die Hauptbeschaftigung der Polizei war es, die Araber Jaffas von einem Eindringenindie jüdischeStaatTel- Awiw zurückzuhalten. Der Hauptangriff der Araber, erzählte Quigley, ereignete sich am 25. August. An diesem Tage geschah es auch, daß eine Gruppe von Juden aus Tel-Awiw unter Führung von Benjamin Goldberg sich an einen Punkt zwischen Tel-Awiw und Mikweh Jisraei begab, wo sieh zwei Juden־!« ungeschützter Lage befanden, um diese Juden zu retten. Diese Aktion, sagte Quigley, war unnötig, weil bereits ein Panzerauto die Order erhalten hatte, diese Juden zu retten und die Order auch ausführte. Goldberg wurde geraten, den Weg nicht zu machen, er hörte nicht auf den Rat, er und seine Gruppe, die den Weg nicht kannten, irrten ab und kamen in ein arabisches Dorf und gingen so direkt in ihr Verderben. Die Araber eröffneten das Feuer auf die Gruppe, w o - belGoldbergunddreiseinerGenossengetötet und fünf andere Personen der Gofdberg- Gruppe verwundet wurden. Später wurde in einem Hause, aus dem die Schüsse angeblich abgegeben wurden, eine arabische Familie ermordet aufgefunden. Quigley erklärte, er könne sich nicht daran erinnern, daß die Zeitung ״Dawar״ am 21. August Nachrichten über die herrschende Erregung und über die gefährliche Propaganda in Hebron ver* offentliclite. Als er am Freitag von der Ermordung eines Studenten der Hebron-Jeschiwah erfuhr, habe er Herrn Cafferata, dem Polizeichef von Hebron, die Instruktion erteilt, alle Polizeiposten in Dienst zu stellen, auch habe er die Polizei in Gaza angewiesen, Verstärkungen nach Hebron zu entsenden. Cafferata habe ihn jedoch bezüglich der Lage in Hebron eher be* ruhigt. Viscount Erleigh wies darauf hin, daß der Polizeioffizier Riggs dadurch, aaß er auf die gegen das jüdische Viertel vorrückende arabische Menge das Feuer eröffnete, einen geplanten Angriff auf dieses Viertel verhinderte. Quigley stimmte zu, daß dem so sei, und fügte noch hinzu, daß der Polizei- Offizier Riggs über nur vier mit Gewehren bewaffnete Polizisten verfügte. Die Menge bedrängte den kleinen Polizeitrupp und ein Araber rief: ״Tötet Riggs!“ Die Menge drang sodann in ein von den Juden bewohntes Haus ein, tötete das Familien- Oberhaupt und verletzte seine beiden Söhne. Viscount Erleigh kam auf die Proteste der arabischen Exekutive gegen Sir John Chancellors Proklamation zu sprechen und widerlegte die darin aufgestellten Behauptungen Punkt für Punkt an Hand der vor der Kommissionn bereits erwiesenen Tatsachen. Quigley widersprach dieser Darstellung in keinem einzigen Punkte und erklärte, die Behauptung der arabischen Exekutive, daß viele Juden in Jaffa bewaffnet waren oder durch die Regierung bewaffnet wurden, sei nicht wahr; ebenso ist die Behauptung unwahr, daß Juden militärische Uniformen trugen und auf die Araber schossen. Nur ein jüdischer Polizist wurde unter einer solchen Beschuldigung dem Oericht überwiesen. Viscount Erleigh erklärte, er wolle die Ermordung der arabischen Familie nicht verteidigen, man müsse ach aber vor Augen halten, daß ganz in der Nähe des Hauses dieser Familie die Tötung aer Juden aas Tel-Awiw geschehen war. Herr Rokach, der damals das Bürgermeisteramt in Tel-Awiw leitete, hat sofort nach Bekanntgabe der Ermordüng der arabischen Familie im Namen der Juden seinem Abscheu Ausdruck gegeben. Quigley sagte, er wisse nichts von zwei am 25. August seitens des Stadtrats von Tel- Awiw erlassenen Bekanntmachungen, in denen die Einwohner aufgefordert wurden, sich vollkommen ruhig zu verhalten und Disziplin zu bewahren. Auf Befragen gab er zu, daß er nicht hebräisch verstehe. Der Anwalt der Araber Stoker fragte, ob die Juden im Besitz von Waffen und Handgranaten waren. Quigley erwiderte: Wir haben in einem jüdischen Hause an der Grenze zwischen Jaffa und Tel-Awiw vier Gewehre und zwei Revolver beschlagnahmt, sonst wurden bei den Juden keine Waffen gefunden. Zu keiner Zeit waren Juden bewaffnet, nicht einmal die jüdischen Polizisten. Bei den Arabern be* schlagnahmten wir ein Gewehr und vier Revolver. 18 Gewehre wurden in der jüdischen Kolonie Hulda gefunden, die sich mit diesen Gewehren hartnäckig verteidigt hatte, die aber später von der Bewohnerschaft geräumt und dann von Arabern niedergebrannt wurde. Auf Befragen Stokers sagte Quigley, er woll e nicht gerade behaupten, daß die Jaffaer Araber ein un ruhiges Element seien, aber sie wurden von Agitatoren, die die Klagemauerfrage rücksichtslos ausnutzen, in einen Zustand der Erregung hineingehetzt. Von Tel-Awiw, sagte-Quigley weiter, wo seitens der Juden eine Straßenkundgebung, in der umflorte zionistische Fahnen getragen wurden, veranstaltet wurde, begaben sich Demonstranten nach Jerusalem. Sir Walter Shaw bemerkte dazu, dies habe den religiösen Zwist zwischen Arabern und Juden verstärkt Polizeiinspektor Quigley bestritt entschieden, daß hinter der Erregung der Juden im Zusammenhang mit der Klagemauer irgendein kommunistischer Einfluß wirksam gewesen sei. Ueber die Hazanah (Jüdischer Selbstschutz) wisse er nichts Genaues, er glaube, sie sei ein Teil der allgemeinen Arbeiterorganisation. Er habe nie gehört, daß in der Haganah Reden gehalten würden. An dieser Stelle der Aussagen überreichte Moghana n Effendi, einer der Sekretäre der arabischen Exekutive, dem Anwalt Stoker ein hebräisch geschriebenes Büchlein, in welchem angeblich die Tätigkeit der Haganah geschildert und Bilder über Paraden der Haganah enthalten sind. Es herrschte allgemeine Verblüffung. Diese Leute sehen wie Soldaten aus, sagte Quigley mit Bezug auf die Bilder. Daraufhin lenkte der Korrespondent der J. T. A., Herr Agronsky, die Aufmerksamkeit des Anwalts der Zionistischen Exekutive, Sir Boyd Memman, darauf, daß das Büchlein, wenn auch in Tel-Awiw gedruckt, doch von nichts anderem handelt als von der Tätigkeit des jüdischen Selbst- Schutzes in der Ukraine zur Zeit der Pogrome vor zehn Jahren. Auch die Bilder beziehen sich nur auf den ukralirischen Selbstschutz. Sir Boyd machte die Kommission auf diese Tatsache aufmerksam, woraufhin Stoker das Büchlein beschämt zurücknahm. Auf Vorschlag Stokers wurde der Bericht der Haycraft-Comm i ssi 0 n über die Palästina-Unruhe im Mai 1921 zu Protokoll genommen. Stoker bemühte sich dann zu beweisen, daß sich bei der arabischen Kundgebung vor der Moschee in Jaffa am 25. August Juden provozierend verhielten. Quigley erklärte, daß nur wenige Juden zugegen waren, die nichts taten, Was Aergernis hätte erregen können. Stoker wies auf angeblich aufreizende Resolutionen jüdischer Protestversammlungen in Tel-Awiw hin. Sir Boyd verlas daraufhin vier von der Versammlung in Tel-Awiw angenommene Resolutionen, in denen gegen die Regierung protestiert wurde, weil sie die jüdischen Rechte an der Klagemauer verletzt, ferner der Rücktritt der gegen das Jüdische Nationalheim arbeitenden Beamten gefordert, schließlich vorgeschlagen wird, daß eine Kommission die Rechte der Juden auf ihre heilige Stätte prüfen solle; das Verhalten des jüdischen Klagemäuer-Komitßes unter Führung von Professor Dr. Joseph Wausner wurde gebilligt.‘ Sir Boyd verlas die Statuten des Brith Trumpeldor, aus denen hervorgeht, daß dieser Verein 250 Mitglieder zählt und sich dem physischen, ethischen und kulturellen Aufbau widmet. Ein amerikanischer Journalist als Zeuge Ein amerikanischer Journalist namens Vincent Shean, der sich seit Juni in Palästina aufhält, wurde auf Antrag des Anwalts der Araber, Stoker, vernommen. Er sagte aus, er sei am Tischa b’Aw mit einer bekannten jüdischen Dame, Miß Goldsmith, zur Klagemauer gegangen, da ihm Miß Goldsmith gesagt hätte, es kämen Chaluzim nach Jerusalem, von denen mehrere bewaffnet sind, und es würde Unruhe geben. Er habe einige Stunden an der Klagemauer zugebracht, sah einige jüdische Andächtige und viele Chaluzim, die aber keine Stöcke trugen, nur einen Revolver habe er gesehen. Die Chaluzim waren in Kampfstimmung, Unruhen kamen aber nicht vor. Ein Araber, der mehrmals vor der Klagemauer auf und ab ging, wurde von der Polizei weggeführt. Seine jüdische Begleiterin hat ihm gesagt, daß am nächsten Tage Unruhen Vorkommen werden, er sei aber nicht wieder hingegangen. Herr Shean erzählte, er habe die telegraphische Berichterstattung an die ״North American Newspaper Alliance“ eingestellt, weil Juden vordem Gebäude der ״New York World“ demonstrierten und jüdische Inserenten der Zeitung die Aufträge entzogen. Er sei als ein Freund des Zionismus nach Palästina gekom* men, aber jetzt hege er andere Gefühle. Miß Goldsmith, eine Englisch-Lehrerin, Tochter eines bekannten Zionisten in New Britain, Connecticut, stellt entschieden in Abrede, daß sie Herrn Shean gesagt habe, es bereiten sich Unruhen an der Klagemauer am Vorabend des Tischa b’Aw vor. Sie habe ihn nur gebeten, ihr bei der Absendung eines Telegramms an die Londoner ״Times“ behilflich zu sein; sie hatte, während der zeitweilige ״Times“- Korrespondent, Herr Agronsky, der auch Korrespondent der Jüdischen Telegraphen-Agentur ist, den Tagungen des Zionistenkongresses und der Jewish Agency in Zürich beiwohnte, die Aufgabe, in seiner Vertretung die ״Times“ zu bedienen. Shean brachte nun zur Sprache, Herr Agronsky sei Direktor des Nachrichtendienstes der Zionistischen Exekutive. Daraufhin erklärte Sir Boyd Merriman, daß Herr Agronsky nur im Ehrenamte l%esseberater der Exekutive sei. Großes Erstaunen erregte die Mitteilung Sir Bovd Merrimans, daß die Palästina-Regierung die ״Times“ ersucht habe, Herrn Agronsky nic|jt mit der Vertretung ihres ständigen Korrespondenten, Predigers Danby von der St. George Ca(hedrale in Jerusalem, der sich auf einen zweimonatigen Urlaub begeben hatte, zu betrauen, da Herr Agronsky Jude sei. Die ״Times“ habe nichtsdestoweniger Herrn Agronsky mit dieser Vertretung betraut. Sir Boyd wies ferner darauf hin, daß Herr Agronsky für alle seit dem 28. August in der ״Times“ erscheinenden Berichte aus Palästina, einschließlich der Berichte Ober die Arbeit der Untersuchungskommission, verantwortlieh ist. Herr S IIIey, der zweite Anwalt der Regierung, teilte der Kommission mit, Herr Shean habe an die ״Noith American Newspaper Alliance“ telegraphiert, daß er die T e I e g r a rn m Sendungen einsteflt, weil er Antizionist geworden Ist find den Zionismus für aggressiv und ungerecht halte, nachdem er soeben Z<*1ge einer organisierten Beschimpfung der heiligsten Stätte des Islam (!) in Palästina gewesen ist. Silley legte auch Kopien eines Briefes vor, den Herr Shean an den damals in Zürich weilenden Herausgeber des offiziellen Organs der Zionistischen Organi-