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Jüdische Rundschau · 1929-11-15 · Heft 90 (15.11.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 90 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 600 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90,!5. XI. 1929 Lileratur-Blaii S. Dubnow's Literarische Erinnerungen (S. Dubnow, Von ״Jargon“ zu Jiddisch, Literarische Erinnerungen, Verlag B. Kletzkin, Wilna.) Von Sch. Gorelik. * In den einleitenden Worten, die Dubnow seinen Erinnerungen vorausschickt, spricht er von den zwei großen Wundern, die sich der jüdischen Welt der Oegenwart offenbaren. Diese Wunder sind: Die Auferstehung der nationalen Sprache in Palästina und das Aufblühen von Jiddisch, die stete Fortentwicklung des geringgeschätzten Jargon zu einer Kultursprache, in der nicht nur belletristische, sondern allmählich auch wissenschaftliche Werke geschaffen werden. Nicht mit Unrecht weist er auf die Publikationen des jüdischen wissenschaftlichen Instituts hin, die als ein verheißender Anfang betrachtet werden können. Von einer beträchtlichen Anzahl junger jüdischer Gelehrter werde dort Nennenswertes geleistet. Dubnow, dessen Einstellung zu den Grundproblemen des jüdischen Volkes immer eine sehr optimistische war ist auch hierin sehr zuversichtlich, und deutlich sieht er die Linien, in welchen sich das jüdische geistige und kulturelle Leben in Zukunft bewegen wird: In Palästina wird allein die hebräische Sprache herrschen und von dort werden die hebräischen Schriften für den Golus geliefert werden, in den Golusländem selbst aber, in Osteuropa und Amerika, wird in der Presse, in der Literatur und teilweise auch in den Volksschulen Jiddisch herrschen (dem objektiven Beobachter jüdischen Lebens in Amerika wird es, was dieses Land anbetrifft, kaum möglich sein, den Optimismus Dubnows zu teilen). Daß jüdischer Geist und jüdische Kultur außerdem in anderen Sprachen ihren Ausdruck finden werden, ist für Dubnow ebenso klar. Er erblickt in dieser Tatsache gemäß seiner fanzen Einstellung zu der Vielsprachigkeit keine Nachteile, enn so sei es immer bei uns Juden gewesen, während wir unter den Völkern lebten. Das Schaffen in einer fremden Sprache tut der bekannten Dubnowschen These, daß das Selbstbewußtsein der Nation das Hauptkriterium ihrer Existenz sei (ich empfinde mich als Nation, folglich existiere ich) keinen Abbruch. Seinem Erinnerungsbuch hat Dubnow den Titel ״Von Jargon zu Jiddisch“ gegeben, weil in dem ersten kleineren Teil dieser Erinnerungen der Entwicklungsprozeß, den Jlddlsch durchgemacht hat, geschildert wird. Es ist übrigens nur den gründlichen Kennern der jiddischen Literatur die Tat- Sache bekannt, daß Dubnows Name mit der Anfangsperiode der jiddischen, damals von allen ״Jargon“ genannten Literatur sehr eng verbunden war. In den ersten Jahren seiner literarischen Tätigkeit, als es ihm noch nicht klar war, daß die jüdische Geschichte das alleinige Gebiet sein würde, welchem er sein Leben widmen sollte, wirkte Dubnow als literarischer Rezensent in der damals sehr einflußreichen russisch-jüdischen Zeit- Schrift ״Woschod“. Dubnow gebührt das Verdienst, der erste gewesen zu sein, der die Bedeutung von Jiddisch erkannt hat. Er war es auch, der im Jahre 188l,ln diesem für das russische udentum so schicksalschweren Jahre, mit dem Vorschlag , am, eine Zeitung in Jiddisch zu gründen. Der Zustand der Literatur in den Deiden Sprächen jiddisch und Hebräisch war damals ein kläglicher. De hebräischen Schriftsteller schwebten in Regionen, die außerhalb des wirklichen Lebens sich befanden und führten dabei eine sehr schwülstige Sprache; der Tonangeber in der Jargonliteratur war Scheikewitz-Schomer mit seinen billigen Schund- und Räuberromanen. Dubnow, der in ״Woschod“ unter dem Pseudonym Kritikus schrieb, führte einen Kampf gegen beide Fronten, gegen die Weltfrcmdheit der Hebraisten und gegen die Flachheit der Jargonisten. Beide Literaturen waren noch sehr zaghaft und kleinmütig. Man befrachtete den russischen Zweig der jüdischen Kultur als eine höhere Instanz. Die russisch-jüdische Publizistik wurde — wie sich der junge Anfänger Scholem-Aleichem in einem Brief an Dubnow ausarückte —- als die emanzipierte Schwester angesehen. Interessant ist es aber, daß nicht nur die Schriftsteiler und Publizisten, die sich um die russisch-jüdischen Zeitschriften gruppierten, sondern weitaus der größte Teil Schriftsteller, die Jiddisch schrieben, sehr wenig Achtung vor der Sprache bekundeten, in der sie selbst schufen. Simon Frag, der später soviel Schönes in Jiddisch gedichtet hat, der einen namhaften Platz in der jiddischen Poesie einmmmt, hat am Anfang in der Wochenschrift ״Volksblatt“ über diese Sprache gespottet, er nannte sie die Sprache vom Wilnaer Markt und Deneburger Jatke (Flelschladen). Jehudo Leib G o r d o n, der sich entschlossen hatte, ein Bändchen Gedichte in Jiddisch herauszugeben, wählte für sie den Namen ,.Sichas ChulSn“, was man nicht etwa mit dem Wort Plauderei, welches doch einige Hoffnungen auf Künstlerisches zuließe, sondern eher mit dem Wort Schwätzerei übersetzen könnte. Dinensohn, Verfasser von Romanen, die Tausende von Lesern und Leserinnen zu heißen Tränen rührten, sieht in der ganzen jiddischen Literatur etwas Vorübergehendes, nur ein Mittel, auf das Volk zu wirken. , Sfatenu Hamduberes li safah oweres“ (״Unsere Umgangssprache ist mir nur eine vorübergehende Sprache“) schreibt er an Dubnow, und begreift nicht, welchen Sinn es habe, wenn Mendelc sich zum Beispiel soviel abmüht, seinen Arbeiten die möglichst vollkommene, künstlerische Form zu geben. Und Scholem AI e i c h e m, der schon genug Künstler war, um die Sprache, m der er schuf, nicht als etwas Zufälliges, Vorübergehendes zu empfinden, fühlt sich auch nicht sicher. De Briefe an Dubnow schrieb er in russischer Sprache, wie es alle damals taten, wie auch Mendele russische Briefe sclffieb und russisch gesprochen hat. ״Sie sind der einzige Schriftsteller — lautet ein Brief von Scnolem Aleichem an Dubnow aus jener Anfangszeit — der sich menschlich und mit Sympathie zu dem armen Jargon bezieht.“ Dubnow war es auch, der Scholem Aleichem zum weiteren Arbeiten ermunterte, indem er seine erste humoristische Erzählung ״Dos Messerl“ besondere hervorhob und sie als ״Diamant“, den er zufällig in einem Misthäufen gefunden habe, bezeichnete. Wie stark die Unsicherheit unter den jiddisch Schreibenden noch war, zeigt die seitsame Tatsache, daß, als im Jahre 1903 die erste tägliche jid» dische Zeitung ״Der Freund“, um den sich die besten Kräfte der Literatur und Publizistik gruppierten, gegründet wurde, sie mit dem Untertitel ״Das erste jargonische Tageblatt“ erschien. Mendele war es, der zum erstenmal sich dagegen aufbäumte ״Herausgeber einer jiddischen Zeitung — irotestierte er — nennen selbst ihre Sprache Jargon! sie lätten doch einfach schreiben können: ein jüdisches Tageblatt“. Dieser Untertitel Jargon ist auch bald im ״Freund“ verschwunden. Von da an empfanden alle Jargon als ein Schimpfwort. Alle diese Tatsachen stellte Dubnow in seinem Erinnerungsband zusammen und gab ihm den Namen ״Von Jargon zu jiddisch“. Die Erinnerungen selbst sind in dem zweiten Teil, dem größeren des Bandes, «athalten, der auch der interessantere und fesselndere ist % Von Zeit xu Zeit drängte es den Historiker Dubnow, | der von seinem Lebenswerk ganz in Anspruch genommen wurde, zur Feder zu greifen, um Erinnerungen über dahingegangene jüdische Schriftsteller zu schreiben. In den ersten drei Jahren des Weltkrieges starben die Klassiker der jüdisehen Literatur. Zuerst starb Peretz, nach einem Jahr folgte der Tod Scholem Afeichems und im Jahre 1916 starben Mendele und Simon F r u g. Mit ihnen allen — außer mit Peretz — verband Dubnow eine langjährige innige Freundschaft. Diese Erinnerungen, die in dem kleinen Band gesammelt sind, tragen Wesentliches nicht nur zu der Geschichte der jiddischen Literatur in der Anfangszeit bei, sondem enthalten vor allem viel Interessantes, was die Persönlichkeit Mendeles betrifft. Wir sehen hier den Nestor der jiddisehen Literatur von einigen bis jetzt unbekannten Seiten, wir sehen ihn am Schreibtisch im schweren Ringen um die gelungene künstlerische Form und in stundenlanger Konversation, während welcher fesselnde Bilder vergangener Zeiten ent* stehen, und wir sehen auch den schmoUenden, verdrießlichen Mendele, der sich auf Versammlungen, auf Vorträgen, wo verschiedene jüdische Parteien um ihre alleinseligmachenden Dogmen rangen, nicht gut zurechtfinden konnte und beiseite saß oder in ärgerlichen Aeußerungen sich Genugtuung verschaffte. Wie reizend ist zum Beispiel jene Szene nach einem Vortrag Achad Haams im Jüdischen Klub .,Bessjeda“ ln Odessa im Jahre 1903. Achad Haam führte damals aus, daß die Frage über die wirkliche Existenz von Moses nicht von Belang sei, der reale Moses ist der, der in der Volkslegende lebt als wirkende Kraft in dem Gedächtnis von Hunderten von Generationen fortlebt. ״Nach dem Vortrag während der Pause“ — erzählt Dubnow — ״ging ich an Mendele heran, ich traf ihn in Gedanken versunken in einer Ecke des großen Saales, in welchem das Publikum lärmend herumspazierte. Ich fragte ihn, was er über den Vortrag denke. Böse schaute er mich an und sagte: ,In der Thora steht geschrieben: Welo ioda isch es kwuroso, keiner weiß, wo Moses begraben wurde, ich aber habe jetzt das Grab von Moses gefunden: Moses wurde in dem Klub ,Bessjeda‘ durch Achad Haam begraben.‘ Es gab nämlieh Dinge, bei denen Mendele — sonst ein freiaenkender Mensch — mit sich nicht spaßen ließ. An der Realität von Moses als Persönlichkeit, die wirklich lebte, ließ er keinen Zweifel zu.“ Wirkliche Freundschaft, immerwährende Geselligkeit herrscht in der Familie der Künstler und Schriftsteller gar selten. Man hat es mit Egozentrikern zu tun. Es ist immer so gewesen, es bleibt auch jetzt so, die Formen sind nur andere. In der Renaissance-Zeit balgten und dolchten einander die rivalisierenden Maler und Bildhauer in den dunklen Straßen Roms, wie wir es in den packenden Schilderungen des genialen Raufbolds Benvenuto Cellini lesen, Tolstoi schickte wegen einer Bagatelle seine Sekundanten zu Turgenjew, und jetzt, wo derartige glühende Temperamente seltener zu treffen sind, beklatschen und beneiden sich die Literaten, die Künstler, in den Kaffeeliäusern. Die jüdische Künstlerwelt macht darin keine Ausnähme, eher das Gegenteil ist der Fall. Um so mehr wirken wohltuend die Schilderungen Dubnows von jenem literarischen Kreis der neunziger Jahre in Odessa, wo wahre Eintracht, Freundschaft und warme Geselligkeit herrschte. Man kann es Dubnow wohl nachempfinden, wenn er in seinem Erinnerungs- Buche einige Male in wehmütigen, lyrischen Worten auf jene Sonimertage und Abende in der deutschen Kolonie Lustdorf in der Nähe von Odessa zürückkommt, wo die schriftstellerische Familie in langen ernsten Oesprächen, die dann von heiteren Anekdotenspäßen abgelöst wurden, ihre freie Zeit vertrieb. Wir erfahren dabei, daß der strenge, verschlossene Mendele besonders gut gestimmt war, und daß aus seinem Munde ״schitten sich perl", und daß Ben-Ami sang. Ben-Ami sang? war auch dieser verbitterte, sich ewig in heiligem Zorn befindende, schimpfende, glünende, gerechte Jude einmal jung und hat sogar gesungen? Ich rufe in mein Gedächtnis all die vielen Begegnungen mit Ben-Ami zurück und kann mich nicht entsinnen, ihn einmal zufrieden gefunden haben, einmal nicht aufgewühlt gegen sichtbare und unsichtbare Feinde, gegen Verderber, die verdienen für alle Ewigkeit In die Holle befördert zu werden. Ich habe nie diese kleine, Jeldenschaftliehe, alte Gestalt anders gesehen als aufgebäumt, fn heftigem Zorn, seine bitteren Tiraden endend mit dem an alle, alle, hingeschleuderten Wort ״paskudstwe“. (״Paskudstwe“ ist nicht zu übersetzen, es gibt keinen Grad des Ekels und der Verachtung, der dieses Wort ausschöpfen könnte.) Nur wenn man auf Mendele, auf Odessa jener Zelt, zu sprechen kam, konnte man ihn müde stimmen, denn acht es war die Zeit, wo auch er, Ben-Ami, gesungen hat... Innige, tief empfundene Worte fand Dubnow in den Erinnerungen über seinen Freund, den Dichter Simon Frag, der im 56. Lebensjahre, arm, einsam und mit Unrecht vergessen, in Odessa im Jahre 1916 starb. Frag dichtete seine jüdischen Motive, Elegien, Poesien in russischer wie in jüdischer Sprache. Oroße Höhen erklomm seine Poesie nicht, sie galt nicht für die Ewigkeit, aber er war doch ein bedeutendes Datum in der Geschichte der jüdischen Poesie. Wesentlich aber ist der Umstand, daß seine Wirkung auf die jüdischen Massen Rußlands, auf die jüdisch-nationalgesinnte Intelligenz seinerzeit ungeheuer groß war. Er war ein Erwecker, ein Sänger, in seinen Poemen beschwor er Bilder der weiten Vergangenheit. In Tausenden von jüdischen Familien deklamierte und sang man die Frugschen Gedichte. Nito far mir kein Ruh, kein Frieden Die alte Bilder leben noch ln tiefen Schlof, in stillen drimmel (Schlummer) steht uf a weites, liebes Land... So sang Frug. Aber als dann später Stärkere, Mächtigere kamen, wurde Frug, wie es in dieser Welt gewöhnlich geschiebt, vergessen. . In bewegten Zeilen schildert Dubnow in dem fetzten Kapitel seiner Erinnerungen den Lebensweg dieses feinen Dchters und vornehmen Menschen, seinen Kampf ums Dasein, den Triumph und das darauffolgende unverdiente Vergessen. Ein Kinderbuch, das auch Erwachsene in helles Entzücken zu versetzen vermag, ist das neue Buch ״DasZauberboot“ von Tom Seidmann-FreundfH erbert Stuffer Verlag, Berlin). Es ist ein ״Bilderbuch zum Drehen, Bewegen und Verwandeln", und man staunt immer neu, welche Wunder die Verfasserin mit einfachen Mitteln zu erzeugen vermag, welcher Reichtum an reizenden Einfällen, welcher vollendete Geschmack in der Ausführung, wieviel Humor und Charme hier zusammentreffen. Ein Beispiel: eine Reihe von Rot-Blau-Zeichnungen werden mit einem roten Blättchen bedeckt, und die Verwandlung ist fertig, da bei diesem Verfahren der rote Teil der Zeichnung verschwändet und nur der blaue bleibt, eine Quelle endloser Scherze. Dann die beweglichen Häuser, das Kasperltheater usw. Kurz ein Buch, das man wirklich mit gutem Gewissen allen jüdisehen Kindern empfehlen kann, mit dankbaren Gefühlen für die jüdische Künstlerin, die eben erst von schwerem Leid heimgesucht würde. —L ״Hagescher“ Seit Mitte August d. J. erscheint in Breslau, herausgegeben von dem ״Chug iwri“, eine hebräische ״Zwei- Wochenschrift für solche, die sich im Hebräischen vervollkommnen wollen“, namens ״Hagescher“ (״Die Brücke“). Als Redakteur zeichnet der ausgezeichnete Leiter der Breslauer Hebräischen Sprachschule J. R e z n i c o v. Die bisher erschienenen drei Nummern geben ein zureichende* Bild über die lobenswerte Absicht der Herausgeber, einem längst als notwendig erkannten Bedürfnis zu dienen, nämlich: der in den deutsch-sprachigen Gebieten vorhandenen nicht unbeträchtlichen Schar derer, die es im Hebräischen bereits so weit gebracht haben, daß sie einen leichten unvokalisierten oder mittelschweren halbvokalislerten Text lesen können, ein Hilfsmittel in die Hand zu geben, um sie allmählich zur freien, mühelosen Lektüre hebrä-!scher Zeitschriften und hebräischer Bücher überzuführen. Dieses Ziel, ״Brücke“ zu sein, verfolgt die neue Zeitschrift mit erfolg, versprechender Konsequenz. Den mit teilweiser Vokalisatlon versehenen Texten ist jedesmal ein sorgfältig bearbeitetes hebräisch-deutsches Wörterverzeichnis mit kurzen grammatisehen Hinweisen beigefügt, so daß dem Leser das mühevolle und oft auch erfolglose Nachschlagen im Lexikon erspart bleibt. Der Inhalt der gewählten Texte knüpft an die Ereignisse des Tages an, gibt kurze Pressestimmen wieder, behandelt politische, literarische, künstlerische Fragen und bedeutet auch für den die deutsch-jüdische Presse Verfolgenden eine angenehme Bereicherung. Eine besondere Rubrik: ״Michtewe Chawerim“ (״Freundesbriefe“) soll demnächst noch eröffnet werden, die die Leser der Zeitschrift zur Mitarbeit durch Eigenbeiträge an der inhaltlichen Ausgestaltung des Organs heranziehen soll. Die Zeitschrift ist zu beziehen durch: J. Reznicov, Breslau, Grabscheuer Straße 146. Der Abonnementspreis beträgt 1 M. pro Vierteljahr (bei Sammelbestellung zahlen Schulen und Organisationen nur 0,60 M.). Postscheck: Breslau 19737. Die Zeitung, die als Lehrzeitschrift gedacht ist, eignet sich hervorragend als Lektüre in den Forfgeschrittenen-Kursen der hebräischen Sprachschulen. M. מסביב (Missowiw! Rund um . . .) von M. E. Jaques. Verlag ״Eschkoi“, Berlin, 5689. Das vorliegende neuerschienene Buch Ist keine alltägliehe, sondern eine überaus interessante und sehr beachtenswerte Erscheinung auf dem hebräischen Büchermarkt und verdient es, hier besprochen zu werden. Es stellt eine Sammlung von Essays und literarkritischen Betrachtungen dar, die der Feder M. E. Jaques’ (Pseudonym für M. E. Jernensky) entstammen und bereits früher in verschiedenen Zeit- Schriften veröffentlicht worden sind. Der Jnhalt der Essays ist kein speziell jüdischer, er fließt aus dem Reiche der allgemeinmenschlicnen Psyche, doch ist er durch die Sprache und die vielen aus der agadischen Literatur mit großem Geschick angeführten Zitate judaisiert. Er stellt auch etwas Neues in der hebräischen Literatur dar, wo diese Materie noch nicht Gegenstand publizistischer Behandlung war. Von diesen Essays sind als besonders gelungene hervorzuheben: ,,Bein ajin Iaosen“. Zwischen Auge und Ohr) (die Psychologie des Sehens und Hörens), ״Ssod ssiach“ (das Geheimnis aes Gesprächs) und ״Or hochoser“ (das reflektierte Licht), wo Verfasser das Erleben Im Traume behandelt und aut die Kindheit übergeht. In einem großangelegten Artikel ״Milaschon ei laschon“ (aus einer Sprache in die andere) unterrichtet er uns über die Kunst der Uebersetzung im allgemeinen und der ins Hebräische im besonderen, was noch dadurch an Wert gewinnt, daß er darin, wie es scheint, ein gut Teil seiner eigenen Erfahrung gibt (M. E. Jaques ist ein bewährter hebräischer Uebersetzer). Eine feine, literarkritische Untersuchung ist der Artikel ״Kofel“ (Wiederholungen, Homonyms) mit zahlreichen Belegen aus den Dichtungen von Bialik, Tschernichowsky und SchnSur. Weitere Kritiken beziehen sich auf Erzeugnisse von Agnon, Bin Gorion u. a. Der Verfasser zeigt sich uns als feinsinniger, psychologisch und literarisch geschulter und gedankenreicher Schriftsteller, der sich auf eigene Art in die Erscheinungen des Lebens, die Vorgänge in der menschlichen Seele und die Erzeugnisse schaffender Dichter einfühlt und seine Eindrücke und Gedanken in glänzender Form wiedergibt, stellenweise dichterisches Empfinden verratend. Alles in allem, ein sehr schönes Buch, innerlich wie äußerlich. Der Verlag ״Eschkol“ hat durch die sehr solide und saubere Ausgabe seinen Wert erhöht. Möge das Buch viele Freunde finden. Dr. B. S. Herzl, ein Gedenkbuch. Zum 20. Tammus d. I. erschien, von der Zionistischen Exekutive herausgegeben, ein Gedenkbuch anläßlich der 25. Wiederkehr des Todestages von Theodor Herzl. Dieses künstlerisch prachtvooll ausgestattete Gedenkbuch gelangte ln Zürich an die Delegierten des Zionistenkongresses zur Verteilung. Es enthält Beiträge von Max N 0 r d a u, Achad Haam, Martin B u b e t, Israel Z a n g w i 11 und als einzigen anläßlich des 25. Todestages geschriebenen Aufsatz eine Arbeit von Sigmund Kaznelson ״Mensch und Idee“. Die veröffentlichten Aufsätze gehören zum klassischen Bestandfiel der zionistischen Literatur. Ihre Zusammenfassung und Auswahl ln einer Sammelschrift macht sie auch einem Leserkreise zugänglich, dem die gesammelten Werke der einzelnen Autoren nicht zur Verfügung stehen. Von Kaznelsons Aufsatz läßt sich nur sagen, daß er sich würdig den Arbeiten der im Gedenkbuch vertretenen zionistischen Meister anschließt. Das Gedenkbuch ist mit vielen ausgezeichneten Bildern geschmückt, darunter einer Photographie Herzls, die zu den schönsten Aufnahmen des toten Führers gehört. Das Gedenkbuch ist im ״JüdischenVerla g“, Berlin, erschienen und jetzt im Buch- Handel erhältlich. m. A. D. Gordon deutsch. Von A. D. Gordon, dem verstorbenen hebräischen Arbeiterschriftsteller, erscheint in diesen Tagen eine Auswahl Aufsätze zum ersten Mal in deutscher Sprache. Der Sammelband, der den Titel ,Erlösung durch Arbeit“ trägt, Ist der 1. Vierteljahresband des neugegründeten ״Zionistischen Bücher- Bundes“, der sich die Aufgabe gesetzt hat, eine Bibliothek klassischer zionistischer Werke in deutscher Sprache herauszugeben. Gordons Gedankenwelt ist eine originelle Synthese zwischen Nationalismus und Sozialismus, angewandt auf das einzigartige Schicksal des jüdischen Volkes, das nach Gordon seine Erlösung in einer Verbundenheit mit der Natur und dem Boden Erez-Israels finden soll. Gordons Ideenwelt steht sowohl zu dem landläufigen Sozialismus als auch zu dem politisehen Nationalismus im Gegensatz; seine Lehre gab einer der wichtigsten Epochen im Aufbau der jüdischen Siedlung in Palästina das Gepräge. Es ist daher zu begrüßen, daß die Schriften dieser einzigartigen Persönlichkeit nunmehr auch in deutscher Sprache bekannt werden. — 'Der Jahresbeitrag zum ״Zionistischen Bücher-Bund“ beträgt 18,— M. (4 Pllich:• bände jährlich) außer Porto. Als nächster Band erscheint in Kürze: Wladimir Jabotinskv, Geschichte der jüdischen Legion im Weltkrieg,

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