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Jüdische Rundschau · 1929-11-15 · Heft 90 (15.11.1929) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 90 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 90, 15. XL 1929 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 601 Innerzionisfische Auseinandersetzung Grundsätzliches und Program* maiisches zum Delegiertentag Von Dr. Martin Ascher. Es gibt im politischen Leben eines jeden Volkes ernste Situationen, in denen es notwendig wird, die einfachen tragenden Grundgedanken seines Seins und Wollcns von neuem klar herauszuarbeiten. In einer solchen kritischen Zeit, vielleicht in einer Zeit der Vertrauenskrise, befinden wir Zionisten, zumal wir deutschen Zionisten, uns heute nach dem Sturm der Pal&stina-Ereignisse und angesichts des bevorstehenden deutschen Delegiertentages. Man •wird den Meinungskämpfen, die jetzt Innerhalb der Z. V. f. D. ausgefochten werden, nicht gerecht, wenn man sie als Störung der Einheitsfront oder als persönliche Zänkereien bezeichnet, sondern sie scheinen mir ein Zeichen dafür zu sein, daß bei uns allen die Wurzel unseres zionistischen Empfindens Moßgelegt wurde. Zu dem Gefühl der tiefen Trauer über die plötzlich erkennbar gewordene Unsicherheit des Lebens in Palästina und der politischen Voraussetzungen unseres Aufbauwerkes, zu der mehr oder minder berechtigten Kritik an der mangelhaften Voraussicht der zionistischen Leitung und an dem erst so spät als fehlerhaft erkannten und hoffentlich nicht zu spät geänderten politischen System gesellt sich ein tiefes, einen jeden Zionisten, der sein jüdisches Volkstum und dessen Zukunft stark und unkompliziert empfindet, im Innersten erregendes Erschrecken über die Zeichen der Erschütterung des zionistischen Grundgedankens Und des Abbröckelns vom zionistischen Wollen, die in manchen Lagern des deutschen Zionismus auftauchen. Unter falschen historischen Vergleichen, wie etwa dem der imperialistischen europäischen Kriegspsychose von 1914, mit der eiementaren Forderung des jüdischen Volkes nach Raum und Sicherheit rum Leben, gestützt auf westlich orientierte, pazifistische Gedankengänge, und genährt von theoretischen Vor- Stellungen über die Form des Zusammenlebens kultureller und politisdi saturierter Völker und Volksteile in einheitlich zivilisierten Staaten, welche in unbegreiflicher, dem Augenblick und seinen historischen Notwendigkeiten nicht entsprechender Eile auf palästinensische Verhältnisse übertragen werden, entwickelt sich gerade bei uns im deutschen Zionismus immer stärker eine Auffassung, die aus taktischen Forderungen und von niemand bestrittenen praktischen Notwendigkeiten nach typisch deutscher Unsitte eine neue Ideologie zu schaffen sich anschickt Alsbald wird diese als die allein richtige Interpretierung der zionistischen Idee vön den Eingeweihten und Berufenen verkündet. Niemand von uns kann heute wissen, ob wir je die Majorität in Palästina erreichen werden, wir alle werden es kaum erleben, aber niemand wird ernstlich glauben, daß eine von uns angebotene Aenderung und Limitierung der zionistischen Zielsetzung unsere politische Situation gegenüber den uns entgegenarbeilenden Kräften bessern wird. Einen Schritt weiter noch bedeutet das bereits zum Programm gewordene, mißverstandene Schlagwort vom geistigen Zentrum, das heute schon von unseren arabischen Gegnern wirksam aufgegriffen worden ist und das im übrigen als modern verbrämte Missionsidee uns bei der Gewinnung mancher Verbündeten im jüdischen Lager so bequem zur Hand ist Welch ein erschütternder Abstieg ist es von den noch vor zwei Jahren von Weizmann angekündigten •Iransjordanischen Siedlungsplänen bis zu dieser Rückzugsposition gewisser zionistischer Kreise. Einem solchen, gerade von vielen deutschen Zionisten vertretenen, nicht realistischen, sondern pessimistischen Zionismus gegenüber erhebt, wie in der gesamten jüdischen Weit, so auch in Deutschland, eine große Anzahl der wie einst so auch heute immer wieder von neuem vom Herzl’schen Gedanken revolutio* när aufgerührter Zionisten, von denen jeder einzelne nicht weniger pazifistisch und duldsam ist als jene anderen, die klare und laute Forderung der Rückkehr zu den ewigen Grundgedanken und Zielen des Zionismus. Gerade in diesem Augenbück der Anfeindung von außen und des Zweifels im Innern ist unsere stärkste Legitimation gegenüber der nichtjüdischen Kulturwelt die große ungeteilte Gedankenkonzeption auf weite Sicht, nicht auf neute und Morgen, weiche die Schaffung einer Jüdischen Heimstätte in Palästina tn einem von der Welt fühlbaren Ausmaße als Lösung des Judenproblems zum Ziele hat, dieses einzigartige, keiner landläufigen Analogie standhaltende, mit den in unseren Dezennien für das Zusammenleben der Völker angewandten Methoden allein nicht lösbaren Problems. Aus diesem Gedanken allein entspringt der moralische Rechtsanspruch, der uns berechtigt, auf dem ״Schein'' der Balfour- Deklaration und dem Buchstaben des Mandats zu bestehen. Dies muß. wie ich meine, immer wieder deutlich ausgesprochen werden, gerade gegenüber denjenigen unter uns, die vielleicht das Gleiche sagen, aus deren Worten wir aber den müden Ton der Resignation heraushören. Und besonders wichtig erscheint mir diese grundsätzliche Feststellung, wie sie aus dem Kreise der ״Unabhängigen allgemeinen Zionisten" in den Aufsätzen von Kollenscher und Pollalt zum Ausdruck gekommen ist, wie sie auch aus den Artikeln von Dr. Barth vom Misrachi, von Danziger und Calvarv aus Palästina teilweise sehr prägnant herausklang, und wie sie überall in Erez-lsrael und im Galuth heute ihren Ruf erhebt, gerade jetzt in Deutschland angesichts des bevorstehenden Delegiertentages. Die zurzeit amtierende Leitung des deutschen Äonismus, die sich in Verkennung ihrer wirklichen Aufgabe einseitig an Gruppen mit einer Sonderauffassung anlehnt, und die gestützt wird durch die sehr eindeutige, auf ganz bestimmte Ziele einestelite Redaktionsführung der ״Jüdischen Rundschau“ will eute die immer stärker erkennbare und auch auf der jüngsten Tagung des Landesvorstandes wieder zutage getretene Tatsache nicht zugeben, daß der innere Kontakt, den jede Führung mit der Gesamtheit der Geführten haben muß, unter dem politisehen Anprall des palästinensischen Geschehens und durch die Art ihrer Reaktion darauf heftig unterbrochen wurde. Dem Einwand gegenüber, daß z. B. der Geschäftsführende Ausschuß auch bisher schon eine Koalition darstellte, muB darauf hingewiesen werden, daß ein Gremium, in dem der Vorsitzende, der politische Sekretär und der Redakteur der ״Rundschau'' die gleiche, nicht allgemein anerkannte Auffassung vertreten, einer neutralen Geschäftsführung selbst beim besten Willen nicht fähig ist. Um diesen Kontakt zwischen Leitung und Organ!- sation wieder herzustellen und den Zionisten aller Richtungen die Möglichkeit einer freudigen Mitarbeit und des Sichwohlfühlens itn gemeinsamen Hause zu gewährleisten, müßte der bevorstehende Delegiertentag einen weg finden. Die folgenden Forderungen, für welche die Unabhängigen aiigemei• nen Zionisten, zum Teil gemeinsam mit anderen Gruppen, eintreten, scheinen in diesem Zusammenhänge und zum mindesten für die nächsten Jahre notwendig. Wir fordern eine Entpolitisierung der Z. V. t. D. und ihrer Organe — Ortsgruppen, Delegiertentag, Leitung — in dem Sinne, daß sie zwar ein Forum für alle kongreßpolitischen Fragen — Außenpolitik, Aufbauproblem, Araberfrage — darstellen und eine Meinungsbildung durch Aimprachemöglichkeitea fördern sollen, daß es jedoch nicht Aufgabe der Z. V. f. D. als der landsmannschaftilchen Zusammenfassung der deutschen Zionisten aller Richtungen sein kann, durch einseitige Festlegung in umstrittenen Fragen, und gerade solange eine genugend anerkannte Meinungsbildung noch nicht erfolgt ist, eine selbständige zionistische Politik inaugurieren. Dies gut vor allem auch von der ״Jüdischen Rundschau“ als dem einzigen Publikationsorgan der Z, V, f. D. Ihre Hauptaufgabe hat neben der Nachrichtenübermittlung darin zu bestehen, wieder das Organ für die Ausbreitung der zionistischen Idee unter den deutsehen Juden und für ihre Stärkung unter den deutschen Zionisten zu sein. Soweit sie ein Forum für die Aussprache auch über kongreßpolitische Fragen bildet, hat sie die Einheit des deutschen Zionismus durch Vermeidung einseitiger politischer Festlegungen zu wahren. Wir betonen ferner, ohne die allgemein anerkannten Aufgaben der Z. V. f. D. in Palästina und im Galuth im geringsten vernachlässigen zu wollen, als heute vor allem dringend notwendig die Wiederbelebung der in Stagnation geratenen zionistischen Propaganda. Dies hat zu geschehen einmal durch Agitation unter den deutschen Juden überhaupt, die es endlich gilt, auch über die seit Jahren verkündete Bündnisidee hinaus in größerem Ausmaße als bisher für den nationalen Gedanken selbst und für das zionistische Ziel ln Palästina zu gewinnen, dann aber auch insbesondere durch zielbewußte Werbearbeit unter der jüdischen Jugend aller Richtungen und aller Schichten und durch Förderung und Unterstützung der national jüdischen Turn- und Sportbewegung. Wir verlangen weiter eine Intensivierung des zionistischen Ortsgruppenlebens durch fortgesetzte Bemühungen, auch die älteren, in früheren Jahren gewonnenen Zionisten, welche heute im allgemeinen durch nichts anderes als durch die Forderungen für die zionistischen Fonds rein schematisch erfaßt werden, mit dem zionistisehen Leben in Deutschland und mit den palästinensischen Fragen wieder zu verknüpfen. Wir verlangen eine wirkliche Förderung der Privatinitiative für Palästina, z. B. durch Schaffung von Beratungs- und Vermittlungsstellen für wirtschaftliche Unternehmungen. Wir fordern den Ausbau der zionistischen Gemeindepolitik durch Erziehung der deutschen Zionisten zum Verständnis für die geistigen und Wirtschaftliehen Bedürfnisse und Sorgen des deutschen Judentums und zur Mitarbeit in den jüdischen Gemeinden und ihren lnstitutionen. Wir verlangen schließlich für die Führung der Z. V. f. D. und für die Durchführung dieser Aufgaben eine kollektive Leitung, die sich als Repräsentantin des deutschen Gesamtzionismus betrachtet und die es als ihre Aufgabe ansieht, den deutschen Zionismus aus seiner heutigen Volksfremden Isolierung hinaus In die Gesamtheit der zionistischen Welt einzuordnen. Mögen vieie Forderungen dieses Programms zugleich auch diejenigen anders eingestellter Gruppen sein, es plt, sie so zu interpretieren und Tn einem solchen Geiste zu erfüllen, daß sie imstande sind, unsere Menschen zu sammeln und festzuhalten. Unser aller Ziel sollte sein, daß der gewaltige Aufrühr, den die palästinensischen Ereignisse in unseren Reihen hervorgerufen haben, und daß die Meinungskämpfe, die wir jetzt austragen, auch in Deutschland, ähnlich wie in den Ländern jüdischer Massensiedlungen, den Zionismus aus seiner sektenartigen Absonderung heraus zu einer Volksbewegung umgestalten helfen, die imstande ist, dem einfachen, jüdisch empfindenden Menschen das Kollektiverlebnis in eine große femeinsame, zu einem klaren und allgemein verständlichen lei hinstrebende Idee zu vermitteln. Gedanken eines Provinzlers über Berlin Von Dr. Walter Katz (Kassel). Wir aus dem ״Reich“, wie man uns höflicherweise tituliert hat, sagen es frei heraus: die Sitzungdes Landesvorstanas hat uns maßlos enttäuscht. Wir haben in unseren Ortsgruppen zusammengesessen, aufgewühlt durch die Ereignisse, verwirrt durch das Geschrei einer wachsenden Opposition; die Verbindung mit den zentralen Instanzen mehr als mangelhaft, von einer führenden Hand nichts zu merken. Wir haben versucht, auf Orund der Zeitungsnachrichten und rivater Kunde aus Palästina uns ein Bild zu machen und inter die Wand zu kommen, die zwischen uns und dem Sinn der Dinge stand. Ein Führer der Verwirrten fand sich freilich, das soll unvergessen bleiben: die ״Jüdische Rundschau". Aber wir konnten uns mit ihr allein noch nicht zurechtfinden, Deshalb empfanden wir es als eine Rettung aus Bedrängnis, als man uns jetzt anläßlich der Tagung des Landesvorstands zusammenrief. Wir erwarteten Klärung, Informationen und wertvolle Direktiven für das, was zu tun notwendig ist. Unsere Bemühungen in den Ortsgruppen waren darauf gerichtet, die Dinge auf ihr wahres Maß zurückzuführen und zu ihren tieferen Zusammenhängen zu gelangen. Wir haben versucht, nicht auf dem üblichen Weg die Schuld bei den Arabern und den Engländern festzustelien und so vom Wesentlichen abzulenken, sondern wir sind zu der Erkenntnis gekommen, daß auch uns selbst eine Verantwortung trifft: für die Absonderung unseres Jischuw in Palästina, für die Galuth, die er mit in das Land gebracht hat, für die Atmosphäre der Fremdheit, die daraus notwendig erwachsen mußte. Gegen die Selbstgerechtigkeit, die jetzt wahre Orgien feiert in unseren Reihen, müssen wir uns wehren mit aller Gewalt! Jener Absonderung vom Nachbarvolk in Palästina entsprach ein blindes Hinstarren auf England (am starrsten auf seiten des Revisionismus, denn dessen ganzes politisches Programm hing doch ab von der Erfüllung durch England), eine innere Abhängigkeit von England, noch viel schlimmer als die materiell-poütische, und der wir alle verfallen waren. Und als letztes, ebenfalls in Verkennung unserer eigenen Kräfte und Grenzen, eine Verkennung, die war noch bis zum Verhängnis treiben werden, war eine hemmungslose Opposition, mitschuld am jahrelangen Nichtzustandekommen der lewish Agency, der Zusammen- Fassung der jüdischen Kräfte, ihrer größtmöglichen MobJlisierung für Ausbau unserer Positionen auch in Palästina, diese Dinge, die wir auch jetzt für das Wesentliche halten. Dies die Gedankengänge, die z. B. in einer Gruppe wie Kassel ah maßgebend festgeiegt wurden. Und dort in Berlin? Zunächst eine Opposition , von deren Daseinsberechtigung schlechterdings auch der unvoreingenommenste ״Provinzler" nicht überzeugt werden konnte. Eine Opposition, die sich in Fragen des politischen Taktes und der Taktik verlor, statt auf die grundlegenden Dinge zu sprechen zu kommen. Und wem von uns ist klar geworden, wozu Herr Dr. Goldmann eine eigene Partei tfaucht? Oder Herr Dr. Kollenscher seine so überaus klassislh definierten ״Unabhäneigen“? Klar ist nur geworden, daß diese Opposition keinen Rückhalt hat, nicht an leitenden, richtungweisenden Ideen, noch an Anhängern, die den Fundus ihrer Durchsetzung bilden sollten. Klar geworden ist auch, daß wir tuts befreien müssen von den unverantwortlichen אמו! uns Wesensfremden Wucherungen des Revisionismus. Was ist das für eine Sache, daß man eine immerhin erwägenswerte und lebenswichtige Idee vornimmt, wie die des «nationalen Staates, und statt über sie ernsthaft zu verhandeln, sich eine ihrer mögliehen Erscheinungsformen aussucht, dazu eine ganz abseits liegende, zweifelhafte, und nur gegen sie polemisiert, und es ebenso macht mit dem Problem der Friedensverhandlun gen mit den Arabern und der hierbei vielleicht (und wahrscheinlich) notwendigen Konzessionen: und statt dessen gegen eine irgendwo irgendwie, ganz unmaßgeblich und nebenbei geäußerte Eventualität seine Leidenschaft wendet Eine solche Opposition durfte der Landesvorstand nicht Macht gewinnen lassen über sich und über die Z. V. f. D. Leider ist das dennoch geschehen. Geschehen entgegen dem Rat der ״Provinzler“, die, 16 von 24 Ortsgruppen, die Initiative ergriffen und eine Erklärung abgaben gegen die Elnberufung eines außerordentlichen Delegiertentages in dieser Zeit, gegen die Entfesselung eines Wahlkampfes mit all seinen schädlichen Folgen, und die dem entgegen das Primat unserer zionistischen Landesarbeit vor aller innerzionistischen Auseinandersetzung und außenpolitischen Kannegießerei in den Vor« dergründ stellten. Denn so muß ich es nennen, wenn jetzt ein Wahlkampf in Deutschland geführt wird mit den Parolen: Araberfrage, englische Politik in Palästina usw. Und das wird kommen. Kommen trotz Weltschs einzig ausgezeichneten Darlegungen über die Notwendigkeiten der Stunde: daß wir es sind, die sie zu erfüllen haben, daß w i r von einer uns feindlich oder wenigstens nicht freundlich gesinnten Welt gefragt werden: wie denkt Ihr Euch das Zusammenleben mit den Arabern? wie die Errichtung Eures Gemeinwesens in Palästina? daß wir Rede und Antwort stehen, daß wir handeln müssen, daß wir die einzigen Chancen, die uns sicher sind, atisnutzen müssen. Stärkung unserer eigenen Kräfte durch Erfassung des Judentums, Stärkung unserer Positionen im Lande. Wir werden den Delegiertentag haben und vorher einen Wahlkampf, dessen Formen man sich ausmalen kann, nachdem man die Ergüsse unserer Opposition gehört hat; wir sind so ״national“, daß wir in einem Moment, da uns nicht nur die Araber in Palästina attackiert haben, sondern auch im Galuth eine feindliche Welle gegen uns anrollt, das Schauspiel zf> nistischer Selbstzerfleiscfiung bieten. Die einzig wichtige Winterarbeit wird aufs empfindlichste gestört werden — das haben doch alle zugegeben, Geld wird für einen Wahnsinn vergeudet. Glaubt ein Mensch, durch einen Wahlkampf würde das erreicht, was not tut: Selbtbesinming und Klärung? Besser als in ruhiger Aufklärungsarbeit in den Ortsgruppen? Man wird, von der Berliner Leitung aus sagen: das ist übertrieben, es wird alles nicht so schlimm werden, die Opposition ist ja so schwach, wir werden gerade durch den Delegiertentag zeigen, wie unbedeutend sie Ist und dann eine um so größere Geschlossenheit und Beruhigung unseres Mehrheitsblockes erreichen. Wenn dem so ist — und ich bin auch von der Schwäche der Opposition überzeugt —, so brauchte sich die gewaltige Mehrheit des deutschen Zionismus doch nicht von jener 80 verwirren, ja terrorisieren zu lassen. Diese Opposition ist uns keinen Delegiertentag mit seinen Gefahren wert. Die Mehrheit des Landesvorstandes hat etwas durchgebracht, wogegen sie offenbar im Innern selber war. Ich fordere demgegenüber das zionistische Volk, Berlin und Provinz in gleicher Weise, auf, zu revoltieren, ein Volksbegehren gegen diesen Delegiertentag zu veranstalten, zugleich damit zu verbinden eine klare Vertrauenskundgebung zu der allgemeinen Linie der von Blumenfeld und Weltsch verfolgten Politik und mit aller Macht und in restloser Zusammenfassung aller zur Verfügung stehenden Kräfte an die Winteraroeit zu gehen. Sollte sich der Delegiertentag nicht mehr vermeiden lassen, so beschwöre ich die Leitung, darauf zu sinnen und Garantien zu schaffen, daß er vor seinen schlimmsten Gefahren gesichert wird und daß er nicht das Bild abgibt, auf das unsere Feinde mit Frohlocken deuten werden. iiiiiniiiiiiininiiMiiiiitiiiHiHiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiwiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiwiiiwiiiiimiimiiiwiiiiiBiHiiHiWMiiiliMiiiiiiniia #*.. Der zweite autonome jfidisehe Rayon Moskau, 11. November. (J.T.A.) In Neu-Zlatopoi wurde der zweite autonome ־jüdische Rayon in der Likraine feierlich proklamiert. Der neue autonome Rayon, dessen Hauptort Neu-Zlatopoi ist, vereinigt die alten jüdischen ICA-Kolonien und eine Anzahl neue Kolonien der Distrikte Hulai-Polje und Mariupol, er umfaßt 31 jüdische und 5 ukrainische Kolonien mit insgesamt 3000 Bauernwirtschaften, von denen 2530 jüdische sind. Lieber 70 der Einwohner des Rayons sind Juden, 26 »0 sind Ukrainer und 3 °/0 sind Deutsche. — Der erste autonome jüdische Rayon mit dem Hauptort Ka« linindorf befindet sich im Distrikt Cherson. Heine Nachrichten Der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld der seit einer Reihe von Jahren als zionistischer Vertreter der Zentrai-Verwaltung des Verbandes ״Ort“ angehört hatte, ist aus der Zentral-Verwaltung von ״Ort“ ausgetreten. Frau Dr. Martha Hoffmaun ist als Generalsekretärin der Weltorganisation zionistischer Frauen nach London berufen worden. Franz Werfel Ist Jude. Franz Werfel teilt dem ״Neuen Wiener Journal“ mit, daß er nach wie vor Jude ist Die Meldungen, er sei aus dem Judentum ausgetreten, waren einem Mißverständnis entsprungen. Kurioser Weise war die Angabe seines Austrittes mit genauer Adresse in den offiziellen Listen der Wiener Kultusgemeinde enthalten. ״Im Westen nichts Neues“ in Jerusalem. Gemäß einstimmigern Beschluß der Verwaltung der Northampton Corporation Free Library, der größten englischen Bibliothek Jerusalems, wurde das Buch Remarques ״Im Westen nichts Neues“ aus den Biblioth eksriumen entfernt. Remarques Buch wird in Jerusalem viel gelesen; es erschien auch in einer hebräischen Uebersetzung. Sterbefall. Einer unserer besten Aktiven hat uns verlassen, im Alter von nur 55 Jahren starb Dr. Sigismund Loewy, Berlin N, Kastanienallee 2. Lange Jahre widmete er seine Kraft der B. Z. V. als Vorsitzender der Gruppe Nord. Er war Mitbegründer des ״Neuen Jüdischen Gemeindevereins“ und tätiger Mitarbeiter in der ^Jüdischen Volkspartei״ sowie im Wqhlfahrtsamt der Gemeinde. Der Berliner Zionismus verliert in ihm einen heu«! Mitkämpfer.

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