Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 90 (15.11.1929)
- Date
- 1929-11-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 90, 15. XT. 1929 JU EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 599 Die Untersuchung Zwei Dokumente Die Palästina-Regierung stark belastet (Von unserem palästinensischen Korrespondenten.) A. a Tel-Awiw, den 5. November 1929. Die Kommission des englischen Parlaments zur Untersuchung ״der unmittelbaren Ursachen der Unruhen“ hat sofort nach ihrer Ankunft mit ihrer Arbeit begonnen und setzt sie in raschem Tempo fort. Es ist sowohl von seiten der Juden wie der Araber, vor allem aber von der Regierung ein ungeheures Material zusammengetragen worden, das die Komntission zu verarbeiten hat. Die bisherigen Sitzungen tragen vollständig den Charakter einer Gerichtsverhandlung. Die Initiative liegt zu einem überwiegenden Teil in den Händen der Anwälte der drei Seiten. Sie stellen die Krcuzverhöre an, fordern Material ein, bringen Dokumente ■und beantragen das Verhör weiterer Zeugen. Die Mitglieder der Kommission erfüllen bisher die Aufgabe des Gerichtshofes, der die Verhandlungen leitet. De ersten Sitzungen wurden von den Zeugenaussagen des Jerusalemer Polizeichefs und der ihm unterstellten Polizeibeamten ausgefüllt. Die Aussagen der Polizcibeainten bestätigen fast in allen Einzelheiten die Berichte, die von den jüdischen Instanzen im Verlauf der Unruhen und nachher gegeben wurden. Innerhalb der Untersuchung spielt die Klagemauerfrageeine große Rolfe. Die jüdische Rechtsvertretung wendet ihre Front gegen Teile der palästinensischen Administration, vor allem gegen Luke in seiner Stellung als stellvertretender High Commissioner und daneben gegen einzelne Persönlichkeiten im arabischen Lager. Bei den verschiedenen Verhören und Berichten, die die Maßnahmen und das Verhalten der Regierung in den Tagen vor und während der Unruhen darstellen, ergibt sich eine weitere Bestätigung der jüdischen Auffassung, die eine strafbare Nachlässigkeit, Sorglosigkeit, mangelnde Voraussicht und das Fehlen energischen Durchgreifens der Regierung feststellt. Die Frage des Verhaltens der Regierung wird in den weiteren Zeugenaussagen und vor allem bei der Anhörung Lukes selbst, die erwogen wird, in vollem Umfange aufgerollt werden. Die Verhandlungen brachten in den letzten Tagen zwei sensationelle Enthüllungen, die einen starken Widerhall in der Oeffenflichkeit fanden. De erste brachte der Anwalt der Palästina-Regierung, Preedy, der in einer der ersten Sitzungen einen Brief vor die Kommission brachte, der Emin el Hussein, dem Mufti von Jerusalem zugeschrieben wird. Der Brief ist vom Obersten Moslemischen Rat an den Mukhtar und die Aeltesten von Hebron gerichtet und teilt ihnen mit, daß es am Freitag (dem Tag, wo die Unruhen in der Stadt begannen) zu Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern kommen würde und daß jeder Moslem nach Jerusalem kommen müsse, um zu helfen. Der Anwalt der Regierung war vorsichtig geipg, um anzugeben, daß dieser Brief dem Mufti ״zugeschrieben“ wird. Die Frage, ob es sich um ein echtes oder falsches Dokument handelt, wird jedoch zu einer Frage minderer Bedeutung, wenn man die näheren Umstände des Briefes betrachtet. Das Dokument war bereits am 22. August, also einen Tag vor dem Ausbruch der Unruhen in den Händen der Jerusalemer Polizei. In Palästina hafte man bereits seit Wochen von der Existenz solcher Briefe berichtet, die nicht nur nach Hebron, sondern auch nach anderen Gegenden des Landes verschickt worden sein sollen. Eine Bestätigung und einen Beleg für diese Gerüchte hat jedoch offiziell zum erstenmal Preedy gegeben. Ueberhaupt spielt die Figur des Mufti, die bereits vor der Untersuchung als einer der wichtigsten Agitatoren und als Mittelpunkt der Aktion erschien, in der Untersuchung eine große Rolle. De Kommission hat sich unterdes mit einem Bericht beschäftigt, der ein Gesuch Emin el Husseins um ein syrisches Visum direkt vor Ausbruch der Unruhen meldet. Der französische Konsul in Jerusalem ist um Auskunft ersucht worden. Die Aufhäufung solchen detaillierten Beweismaterials verstärkt noch den Eindruck einer Gerichtsverhandlung, der ohnedies durch das Verfahren der Kommission entsteht. Ein zweites sensationelles Dokument, über das ebenfalls seit einiger Zeit Gerüchte in Palästina umliefen und über das vor einigen Tagen kurz in der Presse berichtet wurde, ist gestern von ״Dawar“ veröffentlicht worden. Es handelt sich um einen Brief eines Polizeioffiziers betreffend Neuanfertigung einer ״schwarzen Liste“. Dese enthält die Namen des Mufti und mehrerer Delegierter der arabischen Konferenz zusammen mit einigen jüdischen Kommunisten, getrennt nach den verschiedenen Bezirken des Landes. Das Dokument wurde vorn Korrespondenten des New Yorker ״Vorwärts“ ausfindig gemacht, und bereits vor einigen Tagen ging ein Telegramm durch die Presse, das darauf hinwies und den Zusammenhang zwischen dem Mufti und den Kommunisten aufzudecken versprach. Einige Tage später kam dann die Veröffentlichung des ״Dawar“. De Sensation, die das Dokument im Lande hervorgerufen hat, ist sehr stark. Dennoch erscheint bei einer Betrachtung des Briefes und der Liste der Fall nicht so überraschend. In der Situation, die im August in Palästina geschaffen war, leuchtet es durchaus ein, daß die Regierung bestimmte Personen, deren intransigente Haltung sie kennt, auf die schwarze Liste setzt, das heißt als verdächtig unter politische Bewachung nimmt. Ein geheimer Eingriff Moskaus — für den bisher keine Belege außerhalb der Zusammenstellung dieser Liste vorliegen — ist überall im Orient, wo Unruhen ausbrechen, die den westlichen Mächten schaden können, durchaus möglich. Es ist in diesem Zusammenhang interessant, daß die Vertretung der Komintern in Palästina vor wenigen Tagen erklärt hat, sie hätte die Verbindungen mit der arabischen Exekutive, die früher bestanden haben, seit der siebenten arabischen Konferenz abgebrochen, weil diese Konferenz einen gemäßigten Weg cingesriihgen hätte. Damit werden also frühere Beziehungen, über die man im Lande seit Jahren sprach, festgestellt. Und cs würde durchaus verstand- Bch sein, wenn die Delegierten der Komintern in Palästina im geeigneten Moment wieder Beziehungen zum extremistisehen arabischen Flügel angebahnt hätten. So deutet die veröffentlichte schwarze Liste auf Be- Ziehungen und politische Zusammenhänge hin, die durchaus nicht unbegreiflich wären. Unbegreiflich ist nur das Verhalten der Regierung, das durch die beiden Dokumente, den Brief des Moslemischen Rates und die Liste in ein kurioses Licht gerückt wird. Es ist schwer zu verstehen, wie eine Regierung, die vor den Unruhen einen solchen Brief in Händen hatte, die vor den Unruhen den politischen Ueberwachungsdienst scharf reorganisierte und noch dazu wiederholt gewarnt wurde, nichts tat, um das drohende Unheil abzuwenden, untätig und ratlos zusah, bis der Stein ins Rollen kam und dann sich natürlich unfähig sah, ihn zur Zeit aufzuhalten. Dese Situation der Untätigkeit und der Ratlosigkeit ergibt sich aus den gesamten Berichten der Polizei und diese beiden Dokumente, die in der gespannten Atmosphäre besonders aufregend wirkten, sind im Grunde nur interessant, weil sie das Märchen zerstören, als hätte die Regierung ״nichts gewußt“. Interessant ist schließlich noch die Reaktion der Regierung auf die Veröffentlichung der Liste. Noch am gleichen Tag, wo sie erschien, wurde der ״Dawar11 wegen ״Abdrucks geheimer Dokumente“ geschlossen und zwar bis zu einer neuen Bekanntgabe, in der Redaktion der Zeitung wurde am selben Abend eine polizeiliche Durchsuchung der Räume und des Materials vorgenommen. Alle Blätter Palästinas bekamen sofort eine Warnung, das Dokument nicht zu drucken, weil sie sonst ebenfalls unverzüglich gesperrt würden. Kurz, die Regierung zeigte eine Schärfe des Dufchgreifens, wie sie sonst hier nicht häufig zu finden ist. Und doch kann man beim besten Willen nicht behaupten, daß dieses Dokument ״die öffentliche Sicherheit gefährde“. Wer die Situation hier im Lande kennt, die intransigente Haltung der arabischen Presse sieht, die oft genug heute die öffentliche Sicherheit gefährdet, muß bei dieser Entfaltung der Energie der Behörden den Kopf schütteln. Daß die Regierung die Veröffentlichung als eine Blamage empfindet, leuchtet ein. Es Ist aber schließlich nicht die Schuld der Zeitung, daß solche Dokumente veröffentlicht werden können. Und das rigorose Durchgreifen ist kaum dazu angetan, das Prestige der Regierung zu heben, und die Atmo- Sphäre im Lande wird auch nicht besser dadurch. De Verhandlungen der Untersuchungskommission werden mit äußerstem Interesse im Lande verfolgt und verschaffen alle anderen politischen Fragen. Die weiteren Vernehmungen Jerusalem, 11. November. (J- T. A.) Der stellvertretende Distriktskommissar von Jerusalem, L. G. Archer Cust, schilderte vor der britischen Untersuchungskommission die arabischen Umtriebe Im Zusammenhang mit der Klagemau er. Die jüdischen Behörden klagten darüber, daß die marokkanischen Moslems in einen an die Mauer grenzenden Garten ein Orchester mit Zimbeln, Trommeln und Schnarren ebracht haben, das während der Gebetsstunden der Juden, esonders am Vorabend des Sabbat, in ohrenbetäubender Weise musizierte. Der stellvertretende Oberkommissar Herr Luke ersuchte den Großmufti, anzuordnen, daß dem Unfug Einhalt getan werde. Der Mufti versprach, eine solche An- Ordnung zu treffen, aber am folgenden Freitag abend war das Orchester wieder da und machte das Beten unmöglich. Herr Luke ersuchte den Großmufti nochmals, hier Ordnung zu schaffen, da die Tätigkeit des Orchesters mit keiner moslemisehen religiösen Zeremonie verbunden und nur dazu da war, die Juden zu stören. Der Regierungsanwalt Kenelm P r e e d y fragte den Zeugen, ob die Einstellung der Bauarbeiten an der Klagemauer irgendwelche Rückwirkung auf die mosiemische Welt gehabt hat Der Vorsitzende der Kommission, Sir Walter Shaw fragte lächelnd: Welche moslemische Welt, der Mufti ojjer die Wakf-Behörden? Cust erwiderte: Der Befehl zur Einstellung der Bauarbeiten wurde am 26. Juni erteilt, aber bis 5. Juli wurde weitergearbeitet. Kuk protestierte heftig, da er nicht wußte, daß die Regierung die Bauarbeit gestattet hatte. Hier bemerkte Sir Walter Shaw, daß die 'effnung einer Tür den Erfolg gehabt hat, daß das Pflaster vor der Klagemauer, auf welchem zu beten die Juden durch langjährigen Gebrauch ein Recht erworben haben, ru einer Passage geworden ist Sir Boyd Merriman erklärte dazu, daß die Juden ein Wegerecht nicht beanspruchen, sondern nur das Recht auf ungestörte Andachtsübung. Cust berichtete dann, daß durch das fortwährende Bauen an der Mauer die Nervosität unter den betenden Juden immer mehr stieg. De rabbinischen Behörden waren aufs äußerste beimruhigt. Das Massaker in Safed Am 9. d. M. wurde der Polizeikommandant von Safed, Captain Farad ay, von der Untersuchungskommission vernommen. Der Oberstaatsanwalt von Palästina, Norman Bentwich, und das Mitglied der /.ionisüschen Executive, Harry Sacher, waren heute zum ersten Mal zu einer Sitzung der Untersuchungskommission erschienen. Faraday schilderte die grauenvollen Ereignisse in Safed und teilte mit, er habe selbst zwei Araber erschossen, als diese den Petroleumladen des Juden Klinger in Brand gesteckt hatten. Sir Boyd Merriman fragte, wie es kommt, daß der erste offizielle Bericht über die Safed-Unruhen dahin lautete, daß ein arabisch-jüdischer Zusammenstoß erfolgt war, wo es sich doch in Wirklichkeit um eine Abschlachtung friedlicher jüdischer Einwohner gehandelt hat. Captain Faraday erwiderte, er habe in seinem ersten Bericht die Ereignisse nicht so geschildert, er habe nur geschrieben, der lang erwartete Aufruhr begann damit, daß die Moslems in das jüdische Viertel eindrangen, jüdische Männer, Frauen und Kinder abschlachteten, jüdisches Eigentum plünderten und in Brand steckten. Sir Boyd Merriman ermähnte, daß Captain Faraday S. O. S.-Rufe hinaussandte, aber vergebens um Verstärkung bat, obwohl zur Zeit der Katastrophe 1.1 Safed bereits britische Truppen von auswärts Palästina beretzt hatten. Die beiden Maschinengewehre, die in Safed waren, wurden nicht zum Schutze des jüdischen Viertels verwendet, sondern standen ungenutzt in den Polizeibaracken. Der Mufti von Safed, fuhr Sir Boyd fort, stand dauernd mit dem f.lufti von Jerusalem in Verbindung. Ein prominenter arabischer Agitator besuchte am Tage der Demonstration, dem 25. August, Safed; in seiner Gegenwart wurde die Hedjaz-Fahne gehißt Auffallen muß es, daß sich die Polizei im unteren Teil des jüdischen Viertels von Safed befand, wenn der Mob im oberen Teil wütete, und daß später die Polizei sich im oberen Teil aufhielt, als gerade der Mob im unteren Teil sich befand. Während die Aufrührer in dem jüdischen Viertel wüteten, die Einwohner niedermetzelten und Häuser in Brand steckten, waren ein Polizei- Offizier und aeftt Polizisten damit beschäftigt, ein von Juden bewohntes Haus nach Waffen zu durchsuchen; sie fanden dort nichts anderes als eine zerbrochene Pistole: die einzige Feuerwaffe, die überhaupt unter den mehr als 3200 Jt den Sateds gefunden wurde. Der Anwalt der Araber, W. H. Stoker, deutete an, daß es möglich wäre, daß der Jude Klinger selbst sein Haus in Brand gesteckt habe, um die Versicherungssumme einzuheimsen. Stoker berichtete über eine telephonische Unterhaltung zwischen dem Mufti von Jerusalem und dem Mufti von Safed, in deren Verlauf der Jerusalemer Mufti seinem Kollegen die Versicherung gab, daß die Lage befriedigend sei, da die Regierung die notwendigen Maßnahmen er« greift. Er forderte ihn auch auf, dafür zu sorgen, daß die Moslems Ordnung bewahren. Der Safed er Mufti habe auch eine beruhigende Proklamation erlassen. Captain Faraday erklärte hierzu, daß in Safed ausschließlich Araber Gewalttaten begingen. Die Juden waren nur der leidende Teil. Kein Araber ist von Juden getötet worden. Darauf entspann sich folgendes Gespräch: Stoker: Sind nicht zwei Araber in einem Hause getötet worden? Captain Faraday: Nein. Stoker: Aber zwei Araber wurden doch getötet? Zeuge: Ja. Stoker: Wurden sie von Juden getötet? Zeuge: Sic wurden von mir getötet, mit meiner eigenen Hand. Ich ertappte sie auf der Straße bei dem Versuch, einen jüdischen Petroleumladen in Brand zu stecken. Sir Boyd Merriman kam dann auf die Lage der jüdisehen Kolonien in Nord-Oaliläa zu sprechen, wo insbesondere die Misrachi-Siedlung Chittin in der Nähe von Tiberias und die große Kolonie Jessod Hamaalah schwer unter ara bisehen Angriffen zu leiden hatten. In Tiberias selbst, wo der Mufti und die Rabbiner sich in freundschaftlicher Zusammenarbeit um die Aufrechterhaltung der Ordnung bemüht hatten, herrschte Ruhe. Captain Faraday gab dies zu. Dennoch glaubt der Zeuge, daß in Safed der Aufruhr nicht organis iert war. Einer der Hauptangestellten im öffentlichen Gesundheitsdepartement, ein Araber namens Nasouk, war jedoch unermüdlich im Verbreiten von Legenden, daß in den Straßen Jerusalems das Blut von Moslems in Bächen fließe. Faraday habe Nasouk gewarnt und ihn mit Gefängnis bedroht, wenn er mit der Hetze nicht auf* hört. Faraday schilderte die arabische Demonstration in Safed. Scheich lssa hielt in der Moschee eine aufreizende Rede, woraufhin sich 800 Moslems in Bewegung setzten. Der Mob rief: Der Glaube Mohammeds ist das Schwert! Wir brauchen keine Juden in Palästina! Nieder mit dem Zionismus! Wir wollen eine arabische Regierung! Faraday forderte die Menge zum Auseinandergehen auf und drohte, andernfalls von den Waffen Gebrauch zu machen. Daraufhin hätten einige Araber ihre Brust entblößt: Wir wollen den Tod! Sir Boyd Merriman bemerkte hierzu: De Juden von Safed haben sich gar nicht zionistisch betätigt Vide Jahre lang lebten sie in Frieden an der Seite der Araber; sehr viele von ihnen sprechen arabisch und kleiden sich wie ihre arabischen Nachbarn. So konnte es geschehen, daß z. B. die Polizei den ersten in Safed tödlich verletzten Juden, der arabisch sprach und wie ein Araber gekleidet war, für einen Araber hielt Captain Faraday bestätigte dies, sowie die Bemerkung Sir Boyds, daß Safed eine der vier jüdischen heiligen Städte in Palästina ist. Sir Boyd wies auf die Stelle in Faradays Bericht hin, in welchem davon die Rede ist, daß der Mufti von Safed bei der Prozession der Moslems zugegen war. Faraday sagte dem Mufti, er mache ihn für aie Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlieh, da er, wenn er wolle, die Menge beruhigen könne. Der Mufti aber entzog sich der Verantwortung dadurch, daß er am 25. August nach Jerusalem abreiste. Er kam aber nur bis Dschenin, von wo die Behörden ihn zurück nach Safed brachten. Subht Khadra, der mit dem Mufti reiste, erreichte das Ziel Jerusalem, ln Faradays Bericht wird geschildert, wie er unablässig um Verstärkungen bat und darauf hinwies, daß er ohne Truppen für die Sicherheit nicht garantieren könne. Sir Boyd unterbrach die Vorlesung mit der Frage an Faraday, warum er die jüdischen Häuser nach Waffen durchsuchen ließ, wo er doch wußte, daß die Juden unbewaffnet waren. Faraday erwiderte, er wollte den Moslems zeigen, daß die Polizei unparteiisch vorgeht. Sir Boyd bemerkte, daß gerade während der gefährlichsten Schlächterei der Polizei- Offizier Cohen und acht Polizisten in dem Hause des Juden Schapiro nach Waffen suchten, aber die Maschinengewehre, die Waffen der Polizei, ruhten ungenutzt in den Baracken. Faraday erwiderte: Wenn wir das Feuer eröffnet hätten, so hätten die Kugeln die fliehenden Juden ebenso getroffen wie die sie verfolgenden Moslems. Wir wollten nicht eine Wiederholung des Massakers von Hebron. f!) Sir Boyd erwähnte noch, daß der Jude Schapiro, obwohl nichts Belastendes bei ihm gefunden wurde, dennoch zur Polizei gebracht, verhört und schließlich frei;e!as cn wurde. Ein 14 jähriger Junge, dessen Eltern bei den Massakers getötet wurden, wurde unter der Beschuldigung, einen arabischen Jungen geschlagen zu haben, verhaftet und vor ein Gericht gestellt, das ihn freisprach. Sir Boyd fragte Faraday, ob die von der arabischen Exekutive aufgestellte Behauptung, daß ein Beduine in Safed von Juden getötet wurde, wahr sei. Das ist nicht wahr, erwiderte Faraday. Sir Boyd: Haben überhaupt Juden auf Moslems geschossen? Captain Faraday: Nein! Sir Boyd: Ist es wahr, daß die Juden bewaffnet, die Araber dagegen unbewaffnet waren, und daß der Kampf von den Juden bconnen worden sei, wie dies in dem Bericht der arabischen xekutive behauptet wird? Faraday: Diese Behauptung ist lächerlich. Mr. Preedy verlangte, daß Pöii/e'oiii.ier Cohen verhört werde, aber Faraday verieidigie Cohen energisch und erwähnte, daß ein Araber Cohen mit einer Axt töten wollte. Die Verhandlung wird daun auf Dienstag vertagt