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Jüdische Rundschau · 1929-11-15 · Heft 90 (15.11.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 90 (15.11.1929)
Date
1929-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 598 JÜEDISCHE HUNDSCHAU Nr. 90. 15. XI. 1929 welche die jüdische Gleichberechtigung■ von der Beteuerung national-deutscher Gesinnung abhängig macht W« Borniert* * heit, welche Zionisten und Völkische giekhsetzt, kann den Ken* ner zionistischer Denkweise, nachdem dieser Unsinn so oft von Naumann verzapft worden Ist, auch dann nicht mehr irritieren, wenn sie sich in einer Zuschrift Jacob Wassermanns wieder* findet. Wenn schließlich Julius Bab in einem Atemzuge das Ideal übernationalen Menschentums predigt, ein feuriges Bekenntnis zu deutschem Nationalismus ablegt, hingegen jüdisches Volksbewußtsein ablehnt, so kann man diese Verwirrung von Logik und Gefühl mit einer Handbewegung abtun. Von den Unglücksmenschen Woyda, dem zionistischen Renegaten Dr. Blankenfeld und dem Sonntagsprediger der Reformgemeinde Dr. ' Rosenthal verlohnt es sich nicht einmal, Notiz zu nehmen. Bleibt die Feststellung, daß ein kleines Häuflein deutscher Juden, unbewußt reaktionär bis auf die Knochen, an denen die Eierschalen des seelischen Ghettos, aus dem sie noch nicht ganz herausgekrochen sind, kleben, in kurzsichtiger Beurteilung der Rückwirkung der letzten Ereignisse in Palästina auf den Palästina-Aufbau und die jüdische Renalssancebewegung Morgenluft wittert und sich wieder an die Oberfläche traut Derartige Erscheinungen weit fortgeschrittener Entjudung sind im Laufe der jüdischen Geschichte mehrmals bei Splittern des jüdischen Volkes vorgekomtnen. Auch die babylonischen Assimilanten jüdischer Konfession haben vermutlich in ähnlichen Redewendüngen und mit ähnlichen Argumenten ihr Babyloniertum beteuert und gegen Esra, Nehemia und die Cyrus-Deklaration protestiert. Wenn die geistigen Nachfahren jener babylonischen Assimilanten oder der einige Jahrhunderte später aufgetretenen hellenischen Assimilanten sich in einem bescheidenen Grüppchen am letzten Montag im Herrenhaus zusammenfinden koitn* ten, so ist auch dieses Unerfreuliche eine ungewollte Folge des jüdischen Beharrungsvermögens der ״Zionisten“ aus den Zeiten des Cyrus und des Juda Makkabi. Von den Assimilanten aus den Zeiten Esras und Antiochus Epiphanes sind sicherlich keine jüdischen Nachkommen vorhanden. Wenn das Judentum auf Woyda, Ostberg, Naumann, Frau Klausner und den Prediger Rosenthal gestellt wäre, dann könnte man ihm schon heute ein Grablied singen. Glücklicherweise ist diese Spielart der Protest-Israeliten nur in Deutschland zu Hause. Das Judentum ist heute aus seiner Lethargie erwacht und will leben. Der größte Teil der Juden in der ganzen Weit blickt mit Empörung und Verachtung auf solche Selbstentäußerung. * Zeitlich mit der Aktion der Protest-Israeliten fielen die Exzesse an den Wiener Hochschulen und an der Berliner Universität zusammen. In Wien und in Berlin vollzogen sich die Aktionen der ״akademischen Bürger“ unter der Parole ״Deutschland erwache, Juda verrecke!״ Ueber die Rohheit, Verbohrtheit und wüste Reaktionsgesinnung dieser akademischen Strolche braucht man kein Wort zu verlieren. Mit Betrübnis kann man nur feststellen, daß diese jungen Leute in Wien wohlwollende Förderung bei den akademischen Behörden gefunden haben. Wenn man bedenkt, daß aus diesen Studenten der Nachwuchs der zukünftigen Beamten und Richter sich ergänzen wird, so erscheint einem die Zukunft der Juden im deutschen Sprachgebiet sehr trübe, und nicht einmal die korrekte Haltung des Unterrichtsministeriums in Wien, das alle Hochschulen schloß und das Treiben der Hakenkremtier ver* dämmte, sowie die ebenso korrekte Stellungnahme von Rektorat und Polizei in Berlin vermögen restlos zu beruhigen. Ob es überhaupt zureichende Mittel der Abwehr und Vorsorge gegenüber dieser drohenden Entwicklung gibt, muß man ernstlich bezweifeln. Sicher ist eine Geisteshaltung wie die der Protest-fsraeliten in ihrer Versammlung im Herrenhaus am allerwenigsten geeignet, die Juden in Deutschland abwehrfähig und selbstbewußt zu machen, was unerläßliche Voraussetzung für jede Art jüdischen Selbstschutzes und jüdischer Selbsthilfe ist. Es will uns fast scheinen, daß die akademisch graduierten und nichtgraduierten Hakenkreuzler sich den Teufel um die nationaldeutschen Beteuerungen der Woyda, Ostberg und Konsorten scheren werden. Wenn man einem dieser Erklärer und Protest- Israeliten auf den» Kurfürstendamm den Hut eintreiben wird, wird er froh sein, wenn bewußte Juden, darunter vorwiegend Zionisten, sich seiner, ihn physisch und moralisch schützend, annehmen werden. Auch Herrn Bab nützt die Beteuerung reinen Deutschtums nichts, obschon er sich auf den tausend Jahre alten jüdischen Friedhof in Worms beruft; er wird doch von der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes — und nicht nur von den Judenfeinden — nicht als Volldeutscher anerkannt. Die Herren Protestler sehen aber nur sich und meinen, ihr Deutschtum sei das Deutschtum schlechtwegs und ihr Judentumsrest einem Volljudentum gleichzusetzen. Zwischen Protestversammlung der ״Erklärer" in» Herrenhaus und den Exzessen der akademischen Hakenkreuzler besteht keine Verwandtschaft und kein Zusammenhang. Sie sind nicht kausal und auch nicht ideologisch mileinander verbunden. Sie sind bloß zwei von den vielen Facetten des deutsch-jüdischen Problems, das, ein Teil der allgemeinen Judenfrage, jenseits von Protest-Israeliten und Hakeakreuzlem liegt *' Nachstehend ein Auszug aus einer der vielen Zuschriften, die wir von Teilnehmern an der Versammlung im Herrenhaus erhalten haben und Berichte über djp. Vorgänge im Anschluß an die Wiener Universitätsexzesse und die Studentenkrawalle in Berlin: Herr B. R. schreibt uns unter der Ueberschrift: ״Hyänen des Schlachtfeldes“ u. a.: ״In Palästina haben verhetzte Araberbanden jüdisches Hut vergossen. Vor der Tragik des Schauspiels beugt sich in Ehrfurcht die kultivierte und gesittet* Welt Nicht so eine Gruppe von Berliner Liberalen. Diese Männer empfinden die Realität des jüdischen Lebens in Palästina als bedrückend. Es ist das gute Recht dieser kleinen Gruppe im Berliner iudentum, ihrer abweichenden Meinung Ausdruck zu geben. Penn sie dazu eine Kundgebung im Saale des ehemaligen Herrenhauses brauchten, mag das verständlich sein aus dem Wunsche heraus, ihre einsame Stimme zu verbinden mit den Stimmen der uniformierten Elemente, die den Saal füllten. Verdächtiger ist schon die Methode, mit der die Versammlung einberufen wurde Hineingelassen wurden nur mehrfach gesiebte Liberale, die auf den Namen lautende Eintrittskarten besaßen, und selbst diese Vorsichtsmaßnahme genügte an- Scheinend nicht, denn an den Türen wachten außer den beamteten Saaldienern noch ehrenamtliche Hüter, um kd cs unerwünschte Gesicht fernzuhalten. Selbst in dieser Atmosphäre regte sich bei einzelnen Reden Widerspruch, und in der Art, wie dieser Widerspruch durch Drohung mit dem Hausrecht und durch physische Gewalt verhindert wurde, dokumeaUerte sich die Freiheit jüdisch-״liberaler“ Gesinnung. Was die Redner sagten, entstammte im wesentlichen der liberalen Phraseologie aus der Zeit von vor dreißig Jahren. Bemerkenswert war die Versicherung der Herren Woyda und Ostber g, daß Ihre Gruppe den Kampf gegen zionistische Ideale solange fortsetzen, wie die Jewish Agency Geld und Menschen für den Aufbau Palästinas werben wird. Im übrigen entpuppte sich Herr Woyda völlig als Anwalt der Araber. Weder das formale noch das historische Recht der Juden auf Palästina will er anerkennen. Das Selbstbestimmungsrecht, das er den Arabern zuerkennt, verweigert er den Juden. Als Woyda zum Schlüsse einen Brief Jakob Wassermanns vorliest, wird er in einem Zwischenruf aufgefordert, auch den Briet Albert Einsteins vormiesen. Da aber der Redner seine Ausführungen fertig mitgebracht hat, ist es ihm anscheinend nicht möglich, auf den berechtigten Zwischenruf zu antworten. Eine sehr tönende Ansprache hält Julius Bab. Sie wird vielleicht am treffendsten charakterisiert durch einen Ausspruch Alfred Kerrs, der Bab einmal die niemals wegzuwischende Bezeichnung als ״Oberschammes der deutschen Literatur“ angeheftet hat Rabbiner Dr. Galliner zitiert Sätze aus einer angeblichen Erklärung des allgemeinen deutsehen Rabbinerverbandes, und der Unbefangene muß glauben, iiiiiiiiiiiNiiiiuiiiiiiiliiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiniuiiiniiiiiuiinimiiiimiiuiniiiiuniiiniiimiiimuiiinimiMUiuiMiummm Palästina-Abend veranstaltet von den deutschen Mitgliedern der JFewfsh Agency und dem Präsidium des Keren Hajes sod am 17. November» ebenda 140 Uhr im großen Festsaal bei Kroll (Eingang Große Querallee) Red ner: Prof. Dr. S. Brodehky, London Mitglied der Executive der Jewish Agency Alfred Leonhard Tiete, Köln Mitglied des Präsidiums des Keren Hajessod Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, Stuttgart Stellv. Mitglied des Councils der jewish Agency Dunkler Anzug erbeten Gedeck Mlc, 3,30 Karten: Sonnabend nachmittag 6*/s—91/״ Uhr und Sonntag vormittag 10—1 Uhr im Sekretariat des Keren Hajessod, Berlin W15, Meinekestr. 10. (Tel: Bismarck 7165.) iniuiiu 11111n1m11111mn111:1111n1;11)111<111111m1m)111M111t111n nun um!iiiniiu imiiiiiimuniiiimiiiu וווו um miiniiiuitiiiii daß diese Erklärung eben jetzt in diesen Tagen erlassen worden ist. Erst auf einen Zwischenruf muß dieser Rabbiner zugeben, daß die Erklärung schon vor dreißig Jahren erschienen ist und damit verpuffen seine Ausführungen selbst vor diesem Publikum. Eine sehr niedliche Geschichte leistet sich die demokratische Landtagsabgeordnete Frau Dr. Klausner. Sie wirft die Frage auf, 00 die Parteien, die bisher für die Gleichberechtigung der deutschen Juden einfetreten sind, das auch noch weiter tun können und meint, aß die Entscheidung davon abhänge, welche Antwort die Versammlung der kleinen Ifberaten Gruppe geben werde. Den Vogel aber schoß der Prediger der Reformgemeinde, Dr. Karl Rosenthal, ab. Diesem Mann scheint es nicht zu genügen, daß die Reformgemeinde alle jüdischen Einrichtungen abwürgen will, die Angst vor dem Judentum hat bei ihm so wilde Dimensionen angenommen, daß er ihn unbedingt abreagieren muß. Dem Munde dieses Sonntagspredigers entfahrt der Vorwurf der Lüge und der Verleumdung gegen die dcatschen Zionisten. Diesem Geistlichen glauben wir es gern, daß er das jüdische Nationalgefühl für seinen Todfeind Tiält. Ueberflüssig zu erwähneg, daß jeder Redner ein besonderes Bekenntnis zur Echtheit "!eines Deutschtums ablegte, unnötig zu sagen, daß diese immer wiederholten Beteuerungen selbst im Kreise der Herrenhausbesucher keinen rechten Atiklang mehr fanden. Wie schlecht muß es um das Deutschtum dieser Männer bestellt sein, wenn sie es für nötig halten, es immer wieder und wieder, ohne daß man sie danach gefragt hätte, zu beteuern. Wie unsicher müssen sich diese Menschen fühlen, wenn schon der geringste Widerspruch in dieser so sorgfältig zusammengesetzten Versammlung sie reizte, und wie beschämend der Gesamteindruck, angesichts der Ereignisse in Palästina, die in der ganzen Welt das jüdische Soudaritats» gefünl wacligerufen haben. Was sagt übrigens die Führung der demokratischen Partei zu der Drohung ihrer Landtagsabgeordneten Frau Klausner?" Aas einem anderen Briete Herr Dr. Felix A. Theilhaber übersendet uns die Ab- Schrift eines von ihm an das Präsidium des ״O r t“ in Berlin gerichteten Schreibens, worin er seinen Austritt aus dieser Oranisation begründet. Zunächst kritisiert Dr. Theilhaber Einzele!eiten der Geschäftsführung des ״Ort“ und fährt dann fort: Nunmehr haben prominente Führer Ihrer deutschen Orfanisation einen gehässigen Aufruf gegen das Aufbauwerk in alästina mit in Szene gesetzt. Sie haben in einer Zeit, in der 150 jüdische Siedlungen durch Pogrome bedroht wurden, 125 unschuldige Menschen hingemordet worden sind, die Tage vor den höchsten jüdischen Feiertagen benutzt, um gegen das größte geschlossene jüdische Umschichtungswerk in der jüdischen Öffentlichkeit aufzutreten und die Einheit der Judenheit zu sprengen. Ihre Führer haben ihr Manifest abgefaßt zusammen mit Leuten, die 2. T. in einem fast pathologischen Haß gegen unsere ostjüdischen Brüder jede großzügige Hilfsaktion außerhalb der jeweiligen Reichsgrenzen aus nationaldeutscher Ge- *Innung überhaupt ablehnten. Sie haben sich allerdings dazu auch mit einigen dem Osten entstammenden und knapp der deutschen Sprache mächtigen Herren vereinigt. Der ״Ort״ erschien bisher weiten Kreisen als eine das jüdische Volk anfehende Angelegenheit. Ihre prominenten Führer betrachten cn ״Ort“ nunmehr als ein Instrument reiner jüdischer WohltStigkeit. Inwieweit die schließlich den ״Ort“ hauptsächlich repräsentierenden Ostjuden mit diesen Vertretern des ״Ort" in Deutschland sich ideologisch zu einigen wissen, muß ich ersteren überlassen, ich möchte ferner bezweifeln, daß diese prominenten Herren dieselbe scharfe Sprache gegen die Herrschäften führen werden, die zwar gegen den Palästina-Aufbau vergehen, aber ihre Taschen sogar gegenüber dem ״Ort“ zufeknöpft halten. Bei der Mehrzahl der neuen Bundesgenossen, ie ihre Führer sich eintauschten, kann man feststellen, daß sie sich seibst den einfachsten sozialen Aufgaben für die notleidenden Juden des Ostens und des Orients entzogen haben oder nur mit den minimalsten Beiträgen bedachten. Aus allen diesen und anderen Gesichtspunkten erscheinen mir diese Protestler als unzeitgemäße Störenfriede, vom jüdischen Aspekt gesehen als würdelose, unlogische Voiksgegncr, mit denen an einem Tische zu sitzen für mich kein Vorzug ist... Dr. Felix A.Theilhaber. Die Hochschal-Krawalle An der Berliner Universität kam es am 12. November zu schweren, antisemitisch betonten Ausschreitungen, "%eil das Rektorat den Anschlag einer Ball-Ankündigung der vom Unterrichtsminister nicht anerkannten ״Deutschen Studentenschaft“, der fälschlich unter dem anspruchsvollen Namen ״Universitasball“ ländert wird, nicht gestatten wollte. Einige hundert Angehörige der Nationalsozialistischen Partei, die nicht Studenten sind, stürmten unter den Rufen ״Juden hinaus! Deutschland erwachet Juda verrecke 1“ durch die Ginge des Oebäudes. Vor den Anschlagbrettern der jüdischen und sozialistischen Studenten erreichten die Ausschreitungen ihren Höhepunkt. Jüdische und sozialistische Studenten wurden mißhandelt und aus den Erdgeschoßfenstern auf den Hof der Universität hinausgeworfen. Polizei schritt ein und verhaftete sechs Personen, die in das Polizeigefängnis eingeliefert wurden. ♦ In Wien empfing der Bundesminister für Unterricht das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde zu einer Ausspräche. Das Präsidium erhob schärfsten Protest gegen die an der studierenden jüdischen Jugend schon seit mehreren Tagen verübten Beschimpfungen und Gewalttaten, durch welche die jüdischen Studenten sogar gezwungen wurden, durch Spaliere völkischer Studenten unter brutalen Mißhandlungen förmlich Spießruten zu laufen, daß verhetzende Aufrufe gegen die Juden nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der Hochschulen zur Verteilung gelangen und daß in den Anschlagskasten die Judenschaft schwer beleidigende Plakate, literarische Erzeugnisse u. dgl ohne vorschriftsmäßige Bewilligung des Rektorats ausgehängt werden, durch welche der Boden für die maßlose Verhetzung der deutschvölkischen Studentenschaft in allererster Linie vorbereitet wird. Der Bundesminister erklärte, daß die Regierung voll und ganz auf dem Boden der Gleichberechtigung stehe und sich mit allen Kräften bemühen werde, die gleichen akademischen Rechte auch für die jüdischen Studenten zu gewährleisten. Die Vorfälle, welche er ungemein bedauere, konnten in dieser Ausdehnung nicht vorausgesehen werden, denn sonst wäre die Sperre der Hochschulen, welche mit seiner Zustimmung erfolgte, schon früher verfügt worden. — Schon aus höheren politischen Gründen sei die Erhaltung der Ruhe auf den Hochschulen dringend zu wünschen und er beklage lebhaft, daß die politische Verhetzung außerhalb der Hochschulen auch auf diese übergegriffen habe. Ueber die Verwahrung des Präsidiums, daß in diesen politischen Kämpfen die jüdischen Studenten als Prügelknaben dienen müssen, teilte der Herr Minister mit, daß er von dem Rektor der Universität seihst erfahren habe, daß dieser gegenüber einer Abordnung der jüdischen Studentenschaft diese als einen ordnungsliebenden, lernbegierigen Teil der Studentenschaft anerkannt habe. Das Programm der Nationalso?.lalislen Die Berliner Nationalsozialisten, die sich an den am lt. November statt findenden Gemeindewahlen beteiligen, verlangen in ihrem Wahlprogramm vom Magistrat, daß er alle Juden aus Presse, Theater, Kunst und Kino herausbringe und zudem alle in Berlin wohnenden Juden aus ihren Wohnungen exmittiere. Helmufh v. Gerlach nennt in der ״Welt am Montag“ dieses Wahl- Programm einen ״faulen Witz“ und fügt hinzu: ״Man möchte lachen, wenn es nicht schauerlich wäre, daß immer noch viele Tausende, unserer Mitbürger auf die niedrigste Demagogie hereinfaflen. Dieser Demägögft dient,' wer aus Faulheit oder Gleichgültigkeit der Wahl ata 17. November fernbleibt.“ Die Todesarteite in Palistinn Wir haben in den letzten Tagen neuerlich eine ganze Reihe von Zuschriften aus unserem Leserkreise erhalten, die sich mit der Frage der Todesurteile in Palästina beschäftigen. Ein Teil der Schreiber tritt dafür ein, daß von jüdischer Seite zugunsten einer Begnadigung interveniert wird, während ein anderer Teil der Einsender darauf hinweist, daß in einem Lande von der Zivilisationsstufe Palästinas die Abschreckung künftiger Gewalttaten nur dadurch erzielt werde!» kann, daß man der Gerechtigkeit ihren Lauf läßt. Wir glauben, daß die Argumente für und gegen nunmehr allgemein bekannt sind und sehen uns außerstande, weitere Zuschriften in dieser Sache zum Abdruck zu bringen. Beratung der Jewish Aßeney-Mitglieder tn Polen Warschau, 5. November. (J. T. A.l Die polnischen Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder aer lewlsh Agency hielten in Warschau ihre erste Beratung ab. Dr. S. Gold■ flamm erstattete Bericht über die Tagung des Council der Agency in Zürich, die er als außerordentlich wichtig nicht allein für den Aufbau Palästinas, sondern auch für die Gestaltung des jüdischen Lebens in den Lindern der Diaspora bezelchnete. Er forderte die Versammlung auf, sich zur Ehrung des Andenkens der in Palästina gefallenen Juden von den Sitzen zu erheben, welcher Aufforderung spontan errtsprachen wurde, und würdigte die Persönlichkeit des verstorbenen Präsidenten der Jewish Agency, Louis Marshall. Den Vorsitz übernahm dann der Vizepräsident des Warschauer Stadtrates M. M ai se L Stadtrat Dr. H i n d es referierte über die Verfassung der Jewish Agency. Nach einem Referat des Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation Leon Levite über die Schaffung einer Palästina-Emigrationsbank, des Dr. Goldflamm über Organisationsarbeit der Agency-Mitglieder in Polen und einer eingehenden Ausspräche wurde beschlossen, eine Emigrationsbank für Palästi na-Auswanderer zu gründen. Das Präsidium wurde beauftragt, für die nächste Sitzung ein detailliertes Projekt auszuarbeiten. Alle zionistischen und nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in Polen werden beauftragt, sich der Arbeit für den Keren Hajessod zur Verfügung zu stellen. Das Keren Hajessod-Direktorium für Kongreßpolen und die Ostgebiete setzt sich aus sechs Zionisten und sechs Nichtäonlsten zusammen. Die sechs Nichtzionisten, die dem Dlrektorium angehören, sind: Adv. Endelmann-Warschau, Direktor Halperson-Rowno, A dv. Warman-Lublin, Dr. Joseph Landau, Direktor Askenasi und Wawelberg. Araber plündern eine Siedlung im Emek Jerusalem, 10. November. (J. T. A.) In der Nacht zum 8. November drangen arabische Plünderer in die jüdische Arbeitersiedlung Mizra in der Nähe von Afuleh im Tale Jesreel ein und gaben eine Anzahl Schüsse ab, die niemand trafen. Die Plünderer führten neun Kühe mit sich fort Als das herbeigerufene Militär in der Siedlung eintraf, war von den Plünderern keine Spur mehr zu finden.

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