Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 89 (12.11.1929)
- Date
- 1929-11-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 594 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 89, 12. XL 1929 zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilte und in der Urteils• begründung bemerkte, wären die Araber an ihr Ziel gelangt, und wären sie in Bath Galim cingedrungen, so hätte er sie nun als Mörder zum Tode verurteilen müssen. Bei dieser Gekgenheit zitierte Sir Boyd die erste Proklamation des Oberkommissars Sir John Chancellor. Er richtete dann an Major Folev die Frage, ob die von Arabern aufgestellte Behauptung, daß in der Haifaer Mühle, wo sich jüdische Arbeiter verborgen hielten, zahlreiche Gewehre beschlagnahmt wurden, und daß aus Wagen, die mit dem roten Kreuz versehen waren, auf Araber geschossen wurde, wahr sei, Maojr Fol ey erwiderte, es seien in der Mühle vi er Pisto- 1 e n und etwas Munition gefunden worden, wovon eine Pistole dem Direktor der Mühle gehörte, der einen Waffenschein besaß. Er trat der Behauptung der arabischen Anwälte, daß britische Truppen Dutzende unbewaffnete arabische Passanten getötet hätten, energisch entgegen. Es sei möglich, sagte er. daß eine verirrte Kugel einen "Araber traf. Sir Boyd lenkte die Aufmerksamkeit der Kommission auf ein Memorandum der arabischen Exekutive hin, in welchem es hieß, die Juden hätten sich aller Waffengattungen, einschließlich Handgranaten, bedient. Major Foley erwiderte, er habe in einer jüdischen Vorstadt Haifas den Schall einer Explosion gehört, die von einer Handgranate herrühren konnte. Sir Boyd ging im Kreuzverhör mit Foley Punkt für Punkt das erwähnte Memorandum der arabischen Exekutive durch. In dem Memorandum wurde behauptet, daß die Moslems über keine Feuerwaffen verfügten. Das ist unwahr, sagte Major Foley. Sir Boyd: Es wird behauptet, daß drei große -Autos der Ruthenberg- Werke um Haifa herumgefahren sind und auf die Leute geschossen hatten. Major Foley: Ein Auto schien der Ruthenbcrg-Gesellschaft zu gehören. Sir Boyd: die arabische Exekutive behauptet, daß 70 Juden in Haifa verhaftet worden waren. Foley: Im gesamten Norddistrikt sind kaum 50 Juden verhaftet worden, unter ihnen mehr als 30 allein in der Haifaer Mühle. Sir Boyd: Die arabische Exekutive behauptet, daß die Juden auch feuerten, als schon die Truppen in der Stadt waren. Foley antwortet ausweichend und sagt schließlieh: Am 27. August seien in Hadar Hakarmel Schüsse gefallen. Sir Boyd fordert klare Antwort. Major Foley gibt schließlich zu, daß die Schüsse von jüdischer Seite zur Abwehr eines arabischen Angriffs auf einen Teil von Hadar Hakarmel abgegeben wurden. Ist es nicht schändlich, sagte Sir Boyd zu Foley, daß Sie durch Ihre Aussage den Eindruck erwecken, daß die Juden auf schutzlose Araber geschossen hätten? Ist es auch wahr, daß mehrere jüdische Polizisten entlassen wurden, weil sie Schüsse abgegeben haben? Foley: Das ist vollkommen unwahr, denn diese Polizisten verfügten über keine Waffen. Sie wurden entlassen, weil sie sich weigerten, unbewaffnet Dienst zu tun. Sir Boyd: Die arabische Exekutive hat behauptet, daß im Besitz eines jüdischen Postbeamten in Hadar Hakarmel Handgranaten und Dynamit gefunden wurden. Foley: Davon weiß ich nichts. Sir’Boyd: Warum sagen Sie nicht gleich, daß dies nicht wahr sei! Als Chef der Polizei müssen Sie es doch wissen! Unter großer Spannung der Anwesenden ging Sir Boyd Merriman zur Behandlung der Vorginge in Safed über. Er verlas den Bericht des Polizeichefs von Safed Faraday, der mit den Worten beginnt: der lang erwartete moslemische Aufstand gegen die Juden hat nun begonnen. Sir Boyd wies dokumentarisch nach, daß Major Foley, dem auch Safed ‘ unterstand, der Aufforderung von Captain Faraday, Polizeiverstärkung nach Safed zu entsenden, keine ßeachtung geschenkt hatte, obwohl erwiesenermaßen zu jener Zeit 200 Polizisten in Haifa stationiert waren. Major Foley gab zu, daß er von Faradav wiederholt um Hilfe angegangen worden war. Ich habe ihm, sagte er, acht Polizisten geschickt. Die übrigen Polizisten, fügte er hinzu, waren in Haifa unentbehrlich. Sir Boyd (sehr erregt): Wußten Sie denn nicht, daß in Safed entsetzliche Gefahr drohte und daß Hilfe dringend benötigt wurde? Foley: Das wußte ich. Regierungsanwalt Kenelm Preedy versuchte, die Maßnähme Major Foleys, der über 30 jüdische Arbeiter in der Mühle gefangen nahm und sie mehr als einen Monat in Haft behielt, zu rechtfertigen. Harry Snell, das sozialistische Mitglied der Kommission, der sonst sehr selten das Wort ergreift, fiel Preedy in die Rede: Das befremdet mich. Wenn nur vier Pistolen gefunden wurden, warum wurden mehr als 30 Mann verhaftet? Hier warf Sir Walter Shaw, der Vorsitzende der Kommission, ironisch ein: Es ist ein Glück, daß nicht auch Frauen und Kinder dort vorgefunden wurden, sie wären mit verhaftet worden. Und wie kommt es, fuhr er fort, daß die von den Mühlenarbeitem bewohnt gewesenen Baracken niedergebrannt wurden, obwohl doch die Mühle selbst nicht angegriffen wurde? Darauf Foley: die Baracken wurden niedergebraimt, weil sie eben jüdische Baracken waren. Es ist doch klar, sagte Sir Walter Snaw, daß die Leute aus diesen Baracken Zuflucht in dem Mühlengebäude suchten. Major Foley: Damals wußte ich das noch nicht. Der Regierungsanwalt fragte Folev: Sagten Sie, daß die Juden mit dem Aufruhr begannen, oder sagten Sie, daß die Verwundung eines Arabers durch Juden die Ursache zu den Unruhen gab? Foley: ich habe letzteres gesagt. Preedy: Sind Sie ein Judenfeind? Foley: Nein. Preedy: Haben Sie alles getan, um die Juden zu schützen? Foley: Ja. Sir Walter Shaw faßte die Aussage Foleys zusammen, die dahin gehe, daß er glaubte, über genügende Kräfte zu verfügen, um die Juden zu schützen und daß die Juden ihrerseits zuviel Aufwand bei ihrer Selbstverteidigütig trieben. Major Foley fügte hinzu: Wenn ich allein für die Sicherheit zu sorgen gehabt hätte, es wäre mir gelungen, die Ruhe aufrecht zu erhalten. Sir Walter Shaw: Wieviele Juden wurden getötet? Foley: sechs. Stoker: WievielflrAraber wurden getötet? Foley: Es gab 12 tote und 20 verwundete Araber einschließlich der durch die Truppen Getöteten und Verwundeten. Sir Walter Shaw: Haben die Juden die Araber oder die Araber die Juden angegriffen? Nach langem Zögern antwortete Major Foley: Die arabische Demonstration am 24. August hat den Aufrühr eingeleitet. Sobald die Truppen in der Stadt eintrafen und das Feuer auf die Aufrührer eröffneten, war der Aufrühr niedergeschlagen. Damit endete das Verhör mit Major Foley. Es wird nun das Verhör mit Captain Playfair wieder aufgenommen, der nochmals unterstrich, daß bei Ausbrach der Unruhen in Jerusalem keine Streitkräfte zur Verfügung waren, um die Ruhe aufrechtzuerhalten. Er brauchte Truppen zum Schutze der Jerusalemer Wasserversorgung und ferner zur Ueberwachung der Uebergänge des Jordantales, weil kleine Arabertrupps sich auf Palästina zu bewegten und man nicht wußte, ob diese nicht die Vorhut einer größeren Bewegung seien. Sir Boyd Merriman fragte Captain Playfair, ob die arabische Polizei in der Not verläßlich ei. Playfair erwiderte mit einem kurzen Nein. Der Anwalt der Araber Stoker fragte, ob nicht auch die jüdt- 9che Polizei unzuverlässig wäre. Der Zeuge bejahte diese Frage. Captain Playfair erklärte im weiteren Verlauf des Verhörs, er habe dem stellvertretenden Oberkommissar Luke das Angebot gemacht, früher mit seinen Truppen nach Jerusalem zu kommen; Luke habe ihn aber erst am 23. August gerufen. Auf Befragen von Sir Boyd Merriman erklärte Captain Playfair, daß, wenn es gelungen wäre, den Aufruhr in Jerusalem rechtzeitig zu unterdrücken, dies eine abschreckende Wirkung auf das ganze Land gehabt hätte. Wären die Panzerautos mit ihren 08 Mann starken Besatzungen früher in Jerusalem eingetroffen, die Unruhen wären verhütet worden. Auf weiteres Befragen sagte Captain Playfair, er erinnere sich nicht, daß man ihn bezüglich der Entwaffnung britischer Juden um Rat gefragt hätte. Unter allgemeiner Spannung begann nun die Aussage von Brigade-General Dobbie, der am 26. August den Oberbefehl über die Truppen in Palästina übernahm, bis er später vom Vizemarschall der Luft- Streitkräfte, Dowding, abgelöst wurde. Er sagte aus, daß das Hauptquartier ihn aus Aegypten nach Palästina en'sandte. Das ganze Land war unruhig, er mußte eine Kompagnie nach Jaffa und eine nach Haifa dirigieren, die diese Städte zur Ruhe brachten, auch mußte er auf den Schutz der Kolonien, auf die die Angriffe fortdauerten, bedacht sein, für Safed konnte er keine Truppen entbehren. Erst am 29. August mittags war er in die Lage gekommen, ein Detachment Truppen nach Safed zu entsenden, von wo sich die Unruhen auf das ganze Galiläa auszubreifen drohten. Er habe eigentlich nie genug Truppen fchabt, um der Situation entsprechend zu begegnen. Seine ruppen waren überanstrengt. Er glaubte auch Grund zu haben, ernste Befürchtungen hinsichtlich Transjordanien zu hegen. Er erinnere sich nicht, einer jüdischen Aboidnung in Anwesenheit von Herrn Luke gesagt zu haben, daß er über genügend Truppen verfüge, um jeder Situation begegnen zu können. Sir Boyd fragte General Dobbie, warum die Forderung der jüdischen Kolonisten, ihnen Waffen zur Selbstverteidigung auszuhändigen, zurückgewiesen wurde. Dobbie gab darauf keine Antwort, sondern sagte nur: Es ist mir nicht litt Traume eingefallen, daß ich alle Kolonien im Norden schützen könnte. Sir Boyd Merriman: Warum sandten Sie die Truppen nach Safed erst am Nachmittag und nicht schon am Vormittag? General Dobbie: Ich hätte möglicherweise anders gehandelt, wenn ich damals gewußt hätte, was ich heute weiß. Am Freitag, dem 8. November, fand keine Sitzung der Kommission statt. Die Mitglieder der Kommission setzten an diesem Tage die Reise durch die betroffenen Orte fort und besuchten Te!-Awiw, Jaffa, Hulda, Beer Tuviah und Artuff. Die ״schwarze Liste'* der Palästina-Polizei Das Dokument, das vor kurzem in den Besitz des Palästina-Korrespondenten des New Yorker ״Jewish Daily Forward“ Chaim Liberman gekommen ist und wegen dessen Veröffentlichung die Arbeiter-Tageszeitung ״Davar“ unterdrückt worden ist, lautet in der Uebersetzung: Büro des Distriktspolizeiinspektors, Distriktspolizeihauptbüro Jerusalem. An Abdin Boy Hishaimy, A- S. P. Division, betr. ״Schwarze List e". Mit Bezug auf den Bericht über die Im Büro am 2. Juli 1929 abgehaltene Konferenz lege ich hiermit eine Liste der Namen von Personen bei, die Sie auf Ihre Liste stellen sollen. . . . Halten. Sie die Schwarze Liste unter Verschluß. . . . Alles was die auf die Liste gesetzten Personen unternehmen, soll sofort dem Hauptbüro mitgeiteilt werden. Die hier angeschlossene Liste heißt .,Schwarze Liste A“ und soll die Ihnen im Januar 1928 gesandte Liste ersetzen. Die ״Schwärzen Listen B und C“ sind gemäß Beilage zu revidieren. Bestätigen Sie mir den Empfang. Gez. L. Harrington, Polizeiinspektor, Jerusalem-Distrikt. Die Schwarze Liste enthält die folgenden Namen (ieder Name trägt eine Nummer, aber zu Nn. 6, 7, 8, 13, 14. 15 fehlen die Namen): Jerusalem-Distrikt: (1) Hadsch Emin Husseini (The Grand Mufti), (2) Dschemal El Hussein!, (3) Subi Abbi Chadra, (4) Azash Vachad, (5) Yasihu Derfel, Nord- Distrikt (6), (7), (8), (9) Achmed Al Imam, (10) Salim Abdul- Raman, (11) Izet Öruza, (12) Zab Birman, (13), (14), ]15]. Süd-Distrikt: (16) Scheik Abdul Karer Muzchar (Scheik aus Jaffa), (17) Scheik Suliman el Tadschi el-Faruki, (18) Hamdi el Husseini, (19) Abdul Chan» El Karmi, (20) Chaim Auerbach (oder Daniel), (21) Isaak Barzilai, (22) Elihu Tepper, (23) Hillel Ben Yehuda, (24) Meyer Cooperman. Die Setzung der Namen von Führern der arabischen Nationalisten und der Kommunisten auf ein und dieselbe Liste bedeutet soviel, daß die Polizei an ein gewisses Zusammenarbeiten dieser beiden Lager glaubt. * Die hebräische Tageszeitung ״Haaretz“, die gleich ״Davar“ der Zeitung der jüdischen Arbeiterschaft, die polizei- Rehe ״Schwarze Liste“ abdruckte, hat, als sie von der Unterdrückung des ״Davar“ Kenntnis erhielt, die gesamte Auflage der Nummer, die die Liste enthielt, einstampfen lassen, um nicht ebenfalls der Suspendierung zu verfallen. Die dritte hebräische Tageszeitung ״Doar Hajom“ erhielt wegen Veröffentlichung eines Aufsatzes, der ein anderes Thema behandelte, von der Behörde eine Verwarnung mit dem Bemerken, daß die Zeitung, wenn sich ein ähnlicher Fall wiederholt, unterdrückt werden wird. Die Berichterstattung des ״Berliner Tageblatt" Wir erhalten folgende Zuschrift: In der ״Jüdischen Rundschau“ wurde schon mehrfach, aber vielleicht nicht genügend nachdrücklich, dem Befremden Ausdruck gegeben über die Art und Weise, wie das ״Berliner Tageblatt“ sich von seinem aus Jugoslawien ausgewiesenen Balkankorrespondenten Herrn Berkes über Palästina unterrichten läßt. Ein Vergleich mit anderen Berichten Ber- Huer, aber auch auswärtiger Blätter, die dieselben Tat- Sachen enthalten, ergibt sofort, in welcher einseitigen Welse die Dinge von Berkes dargestellt und aufgebauscht werden. Ueber den Verlauf der Untersuchung hat er bisher nichts gemeldet, dagegen wird nun am 8. November bereits zum zweitenmal der arabische Proteststreik vom 2. November mit größter Sympathie ausgemalt. Zum Schluß dieser Meldung wird dann mit offener Verhöhnung festgestellt, daß die hebräische Presse Palästinas auf dem Standpunkt stehe, ״die Baifour-Erklärang sei auch weiterhin der ,ethische Leuchtturm' auf dem Wege der jüdischen Volksbewegung, auf dem es kein Zurück gebe“. — Wie lange wollen sich die zionistischen Leser des Berliner Tageblatts“ diese unfaire Manier gefallen lassen? Das Schul-Departement der türkischen Regierung instruleite die Leiter der jüdischen Schulen dahin, daß HebrSlech-Uaterrlclit in diesen Schulen nicht mehr erteilt werden darf. Palästina-Fragen Im engttschen Parlament London, 7. November. (J.T. A.) In der Sitzung des Unterhauses richtete James de Rothschild an den Staats- Sekretär für die Kolonien die Frage, ob ihm ein Protest über• mittelt wurde, den eine Anzahl britischer Untertanen am 5. September der Palästina-Administration zwecks Weitergabe an die Regierung Seiner Majestät übergeben haben und in welchem diese britischen Untertanen darüber Klage führen, daß ihre konstitutionell-bürgerlichen Rechte verletzt wurden! indem sie bei Gelegenheit einer am 27. August in Jerusalem abgehaltenen öffentlichen Parade als Sonderpolizisten entlassen wurden, obwohl sie früher vorschriftsmäßig angeworben worden waren. Diese Entlassung erfolgte aus dem einzigen Grunde, weil sie Juden waren; nichtjüdische britische Staatsangehörige wurden im Dienst behalten. Welche Schritte hat die Regierung in dieser Angelegenheit ergriffen? Der Unterstaatssekretär für die Kolonien Herr L u n n erwiderte: Dieser Protest ging bei der Regierung ein. Die Regierung hielt es aber nicht für nötig, in dieser Sache irgendwelche Sonderschritte zu ergreifen, da sie von der Palästina- Regierung und dem Staatssekretär für die Kolonien ordmingsmäßig behandelt worden ist. Sir Archibald Sinclair fragte: ist es auch wirklich wahr, daß diese Männer entlassen worden sind? Lunn erwiderte, er wisse es nicht. Oberstleutnant Kenwort hy fragte den Unterstaats, sekretär für die Kolonien, ob er mitteiten könne, wie viele jüdische und arabische Bürger Palästinas im Zusammenhang mit den jüngsten Unruhen in den Gefängnissen sitzen und auf ihre Aburteilung warten. Lunn erwiderte: er sei nicht in der Lage, hierüber eine erschöpfende Antwort zu geben, er habe den High Commissioner um die erwünschte Information ersucht. Captain Peter MacDonald (Konservativ) richtete an den Ersten Lord der Admiralität, Herrn V. Alexander, die Frage, welche Seestreitkräfte auf Ersuchen des High Commissioner nach Palästina entsandt wurden, welche noch im Lande weilen, welche Ausgaben dies verursacht hat, und von wem die Ausgaben getragen werden. Herr V. Alexander erwiderte: bei Ausbruch der Unruhen in Palästina seien ein Schlachtschiff, ein Flugzeugmutterschiff, ein Kreuzer und zwei Zerstörer nach Palästina beordert worden. Ein Schlachtschiff traf am 2. November in Jaffa ein und befindet sich auch heute noch dort. Bezüglich der Ausgaben sind Einzelheiten noch nicht verfügbar; es sei auch noch kein Beschluß gefaßt worden, wer die Ausgaben tragen soll. Auf eine Anfrage von Captain E. Bennct erwiderte Unterstaatssekretär Lunn, die Ausgaben für Rekrutierung und Transport weiterer britischer Polizei nach Palästina machen annähernd 2300 Pfund aus; diese Kosten werden von der Palästina-Regierung getragen. Sir Herbert Samuel fragte den Unterstaatssekretär für die Kolonien, wie hoch die Ausgaben der Britischen Staatskasse für Palästina und Transjordanien in den letzten fünf Jahren bis 1928/29 waren. Mr. Lunn gab darauf folgende Zahlen an: Palästina Transjordanien Transjofd. Grenzschutz £ £ £ 1924 . 834319 14 850 — 1925 . 633 878 103957 94421 1926 , , . « . 322211 66 MO 1927 . 1928 (Schätzung) 275374 45000 37 055 30 000 40000 30 000 1927 steuerte Palästina £ 31 000, 1928 £ 30000 zu den Ausgaben der Landesverteidigung bei. Daher sind die Nettoausgaben für Palästina in diesen Jahren £ 244374. Außerdem zahlt Palästina jetzt fünf Sechstel der Ausgaben für den transjordanischen Grenzschutz. . Die £ 30000, die Palästina für 1928 beiträgt, sind die Differenz zwischen den Kosten der Fliegertruppe in Palästina und den Kosten, die diese Truppe verursachen würde, wenn sie in England stünde. Die Schließung der Wiener Hochschulen Offiziell wird mitgeteilt, daB die Rektoren aller Wiener Hochschulen beschlossen haben, die Hochschulen bis auf weiteres zu schließen. Nicht betroffen von dieser allgemeinsamen Hochschulsperre sind die Akademie der bildenden Künste und die Hochschule für Musik. Zutritt zuden Hochschulen haben nur Studierende, die zu einer Prüfung oder Promotion geladen sind. Es verlautet, daß durch diese Maß■ nähme alle Studenten das Studien-Semester verlieren. Die Vorfälle am 7, November, die diesem Beschluß der Rektoren vorangingen, trugen den Chai *kter eines regelechten Pogroms. Hauptsächlich wandte sich die Aktion der Hakenkreuzler gegen den Leiter des Anatomischen Instituts der Universität Wien, Professor Tandler, der Jude ist und in! sozialen Leben Wiens eine führende Rolle spielt; er ist Stadtrat und Leiter der Gesundheitsfürsorge. Mehrmals versuchten die Hakenkremier am Donnerstag vormittag, den Hörsaal, in welchem Professor Tandler eine Vorlesung hielt, zu stürmen. Mehrere jüdische Studenten erlitten bei diesen Exzessen Verletzungen und mußten sich verbinden lassen. Vom Anatomischen Institut zogen die Hakenkreuzler- und Heimwehrstudenten vor die Universität, wo aufhetzende Reden f. .. ... . ״- “-־־"־ 1 * bibliothek ein und verprügelte dort zahlreiche Studentinnen. Dann wurden jüdische und sozialistische Studenten und Studentinnen in die Universitätsaula getrieben, wo sie mit Ochsen- Ziemern empfangen und geschlagen wurden. Trapps antisamtischer Studenten zogen mit den Rufen ״Juden hinaus“ durch alle Korridore und zertrümmerten die Glasscheiben der Anschlagtafeln der sozialistischen und jüdischen Hochschüler, wobei wiederum mehrere luden und Sozialisten mißhandelt wurden. Mehrere Juden erhielten Fußtritte, ln allen Sälen wurde die Unterbrechung der Vorlesungen erzwungen. Damit sich die Schlägereien nicht auf die Straße ausdehnen, wurde berittene Polizei aufgeboten, die die Ringstraße vor dem Universität*־ gebäude abriegelte, Nene Todesurteile Jerusalem, 7, November. (J.T. A.) Vor dem Gericht in Jerusalem hatten stell vier Araber aus Hebron unter der Beschuldigung, an der Ermordung des Rabbiners Kastei in He* bron am Tage der Juden-Massakers beteiligt gewesen zu sein, zu verantworten• Zwei der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, die anderen zwei wurden wegen Mangels an Beweisen für ihre Beteiligung an dem Morde« frei־ gesprochen.