Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 88 (8.11.1929)
- Date
- 1929-11-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 586 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 8. XI. 1929 Von Safed begab sich die Kommission nach Haifa. Am Eingang in die Stadt begrüßte ein Haufen von einigen hundert Arabern die Kommission und überreichte ihr Petitionen. Die Vernehmung der PolizeiolBziere lieber das Kreuzverhör der verschiedenen englischen Polizei- Offiziere der Unters uchungskomtnission in Jerusalem meldet die J.T. A. noch folgende Einzelheiten: Der arabische Geheimpolizist Subhi sagte aus, der Groß- Mufti habe am Freitag, dem 23. August, die Menge davor gewarnt, einen Aufruhr einzuleiten. Als der Sprecher der Araber aus Liftah ihm mitteilte, die Juden hätten angegriffen und die Polizei hätte einen Araber verhaftet, sagte der Mufti, er werde die Freilassung des Mannes durchsetzen, aber ein Aufruhr werde nicht gewünscht. Als ihm von dem arabischen Angriff auf das jüdische Viertel in der Nähe des Damaskustores Mitteilung gemacht wurde, sagte der Mufti nur: die Regierung wird unsere Rechte schützen. Derselbe Geheimpolizist Sergeant Subhi schilderte die arabische Demonstation an der Klagemauer. Scheich Hassan hielt an die Menge eine Ansprache, in der er ausführte, die Juden wollten sieh der Westmauer der Omar-Moschee bemächtigen, man müsse die Rechte des Moslem verteidigen. Darauf rief die Menge: Nieder mit den Juden, nieder mit der Balfour-Dekiaration. Am 23. August habe Scheich Hassan davor gewarnt, sich gegen die Regierung zu erheben, allein die Menge rief nach dem ״Heiligen Krieg". Einer rief: ״Wir werden alle Juden ausrotten, die uns den Bura^j (Westmauer) wegnehmen. Bald werden sie uns auch dfe ganze Mosche« nehmen!‘* Einer der Führer des arabischen Dorfes Koloniah, dessen Einwohner die Jerusalemer Vorstadt plünderten, harte gerufen: ״Wir erheben uns gegen die Juden und gegen jeden, der wider uns ist; wir wollen keine Knechtschaft!" Ein Araber aus Liftah rief: j,Wir müssen die Juden heute töten und alle, die sich uns widersetzen, vor uns hertreiben.“ Auf unaufgeklärte Weise wurden in die Moschee von der palästinensisch-kommunistischen Partei Unterzeichnete Aufrufe hineingeschmuggelt und verteilt. Die Verwundung von Weisls. Captain Kingsley-Heath von der palästinensischen Polizei berichtete, als der Angriff der Araber auf das jüdische Stadtviertel Mea Scfiearim vorbei war, habe er, Heath, einen getöteten Araber auf der Straße liegen gesehen. Auf die Frage von Sir Walter Shaw, ob in Mea Schearim die Juden die Araber oder die Araber die Juden angegriffen haben, erwiderte Captain Kingslev Heath, es unterliege keinem Zweifel, daß die Araber, die vom Damaskustor nerkamen, angegriffen haben. Major Monroe, der Leiter der britischen Polizei in Jerusalem, sagte aus, der erste Jude wurde um 12 Uhr SO Minuten vor dem Gebäude der Barclays-Bank getütet. Der Anwalt der arabischen Exekutive bemühte sich nachzuweisen, daß noch, bevor das erste jüdische Opfer fiel, ein Araber getötet worden war. Auf Fragen des jüdischen Anwalts Viscount Erleigh sagte Major Monroe aus, die Araber seien mit Stöcken, Knüppeln und Dolchen bewaffnet gewesen. Die Aussage wird vom Sergeanten Siegrist bestätigt. Major Harrington von der Jerusalemer Polizei sagte aus, die von außen nach Jerusalem gekommenen Araber seien von Anfang an aufrührerisch gewesen und hätten die Polizei nicht gegrüßt. Alle waren sie Bewaffnet. Arabische Zimmerleute haben an diejenigen Araber, die keine Waffen besaßen, Keulen verteilt 200 junge Juden haben sich in der Altstadt als Selbstwehr organisieit. Er selber habe ata dem Moschee-Gebiet Revolverschüsse gehört Die Enfwaffirang britischer Joden Proteste der englischen Judenheit. London, 5. November. (J. T. A.) In der Sitzung des Jevvish Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden) erstattete Nathan Laski den Bericht des Palästina- Komitees und führte ungefähr aus: Die Schaffung der Jewish Agency ist ein großer Erfolg für das Judentum. Das Palästina- Komitee hat sich eingehend mit dem Bericht befaßt, den die englischen Juden in Jerusalem geschickt haben und in welchem sie sich über viele Unannehmlichkeiten, die sie erleiden mußten, hauptsächlich aber über die Entwaffnung der jüdischen Hilfspolizisten englischer Staatsangehörigkeit bei gleichzeitiger Nichtentwaffuung der nichtjüdischen englischen Hilfspolizisten, wodurch ein Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen britischen Staatsangehörigen gemacht wurde, beklagen. Das Komitee hat nach Empfang dieses Berichtes ein Protestschreiben an den Kolonienminister gerichtet, welches die Sachlage eingehend darstellt und mit den Worten schließt: Der Jewish Board of Deputies protestiert gegen diese Handlungsweise der Behorden in Palästina und fordert im Namen von tausenden britischen Bürgern jüdischen Glaubens, daß Garantien gegeben werden, daß in Zukunft die wohlbegründeten Rechte er britischen Juden nicht verletzt werden und diese die gleiche Behandlung wie alle anderen britischen Bürger erfahren. Auch die Anglo-J ewish Association (Verband englischer Juden) befaßte sich in ihrer am 3. November abgehaltenen Sitzung mit der Lage in Palästina. Herr Leonard G. Montefiore, der Präsident der Association, führte in seiner Eröffnungsansprache aus, es sei Aufgabe aller jener, die sich mit den Angelegenheiten Palästina^.zu befassen haben, nämlieh der Regierung der Mandatarmacht, der Zionistischen Organisation und der arabischen Führer, für eine freundschaffiiche Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern zu wirken. Wir ergreifen heute wiederum die Gelegenheit, um die jüdische Solidarität in der Sache Paiästinas zum Ausdruck zu bringen. Zutreffend und gerecht waren die Worte des High Commissioner in seiner Proklamation, in der von ,,scheußlichen Akten unsagbarer Barbarei“ die Rede war. Ich hoffe zuversichtlich, daß der Bericht der gegenwärtig in Palästina arbeitenden Untersuchungskemmission die in der Proklamation Chancellors zum Ausdruck gebrachte Meinung bekräftigen wird. Nachdem noch Joseph Cowen und Oberstleutnant H. J. Solomon gesprochen hatten, wurde die folgende Resolution angenommen; ״Der Council der Anglo-Jewish Association gibt seinem Schmerze und seiner Entrüstung über die barbarischen Ausschreitungen Ausdruck, deren Opfer Juden in Palästina geworden sind, und spricht den Geschädigten und den Verwandten der Toten sein tiefstes Mitgefühl aus. Der Council ersucht das Joint Foreign Committee (Komitee für Angelegenheiten der Juden im Ausland), die Regierung Seiner Majestät energisch zu ersuchen, die notwendigen Schritte zu ergreifen, um die jüdische Bevölkerung Palästinas gegen eine Wiederholung der Ausschreitungen zu sichern und die von der Regierung geäußerte Absicht, allen Einwohnern des Landes ohne Unterschied von Rasse und Glauben Sicherheit von Leben und Eigentum zu gewähren, mit Nachdruck zu verwirklichen.“ ״Der Sflndenlohn“ Unter der Ueberschrift ״Der Sündenlohn" veröffentlicht Dr. Richard Lewinsohn In der ״Vossi sehen Zeit u n g" vom 6. d. M. einen ausführlichen Bericht aus Palästina, worin er zunächst darauf hinweist, daß durch die Zionisten etwa 200 Millionen Mark nach Palästina geflossen sind, und zwar vor allem in die Taschen der Araber. Freilich habe das arabische Volk als solches davon wenig Vorteil gehabt, denn das Geld kommt so gut wie ausschließlich den Großgrundbesitzern zugute, die zum Teil außerhalb Palästinas wohnen und es sich gut gehen lassen. Da der Haß des Volkes sich nicht gegen diese Verkäufer des Bodens richten kann, so richtet er sich gegen die Käufer. Dennoch müsse man erkennen, wie groß die Vorteile, die Palästina und die Araber von der jüdisehen Siedlung haben. Die Chaluzim sind nicht nur Pioniere der jüdischen Bewegung, sondern dest ganzen Landes, und von ihnen haben auch die Araber europäische Methoden gelernt. Der Verfasser geht sodann auf die politischen Verhältnisse über und betont, daß England Palästina nicht aus der Hand geben wird. Er erwähnt die enthusiastischen Schilderungen, die Mac Donald 1022 von dem zionistischen Siedlungswerk gegeben hat und stellt fest, daß heute Araber und Juden in den Klagen über die Ungerechtigkeit der Engländer iibereinstimmen. Er fährt dann fort: ״In Wirklichkeit stehen wohl die englischen Beamten, wenigstens wenn sie hierher kommen, beiden Gruppen mit derselben Gelassenheit gegenüber. Hernach wird es anders. Mit den Arabern verstehen sie umzugehen. Denn einige von ihnen stammen noch aus dem englischen Geheimdienst, der während des Krieges von Aegypten aus den arabisehen Aufstand gegen die Türkei zu inszenieren hatte. Andere haben sich archäologisch und ethnologisch mit den arabisch sprechenden Völkern beschäftigt. Fast alle haben sie im Kolonialdienst im Nahen Orient ihr Leben verbracht, ihre Karriere gemacht und ihre Erfahrungen gesammelt Aber nun stoßen sie mit einmal auf eine Einwandererschicht von Europäern, die man ganz anders behandeln muß. Es gibt neue Probleme, höchst komplizierte Gegensätze, fatale Reibungsmöglichkeiten und. was vielleicht das Peinlichste ist: bei allem, was man tut oder Unterläßt, ein Echo in der ganzen Welt. Palästina verwalten heißt ständig unter dem Scheinwerfer stehen. So etwas gab es weder in Bombay, noch im Irak, noch in Uganda. Das macht mißmutig und manchmal wohl auch ungerecht.... Daß unter den jetzigen Verwaltern des britischen Mandats der innere Friede in Palästina wiederhergestellt und die Verständigung zwischen Arabern und Juden gefördert werden kann, ist w e n i g wahrscheinlich. Viele hoffen, daß nach Abschluß der parlamentarischen Enquete über die letzten Unruhen ein Personalschub erfolgt und daß man psychologisch besser geschulte Beamte nach Jerusalem schickt. Andere wiederum wünschen, daß London einen starken Mann entsendet, der mit drakonischen Mitteln die Leidenschaften besänftigt. Wie auch das Kolonialministerium sich entscheiden mag, das wichtigste bleibt, daß die beiden Parteien von sich einen Modus vivendi finden, im Augenblick erscheint eine Verständigung ausgeschlossen. Dazu ist die Stimmung zu gereizt. Aber wenn das Blut etwas abgekiihlt ist, wird man doch versuchen müssen, einander näherzukommen. Nicht in den großen nolitischen Fragen; dazu ist es noch zu früh. Aber in der Kleinarbeit der Stadtverwaltungen, in Steuerfragen, in gemeinsamen Forderungen der Bevölkerung gegenüber der englischen Be- Hörde, Dann erst, nach einer Uebergangszeit, wird man übersehen können, ob es möglich ist, dem Nationalitätenkampf die Spitze abzubrechen, indem man diesem zerklüfteten Land eine Verfassung nach Schweizer Muster mit weitestgebender regionaler Selbstverwaltung gibt. Bis dahin müssen die Engländer Gewehr bei Fuß stehen.״ Der BaUonr-Tig in Cairo Philby geht nach Palästina? Cairo, 3. November. (J.T.A.) Der Hebräische Klub in Cairo hat am 2. November den Jahrestag der Balfour-Dekiaration durch eine Kundgebung gefeiert und ein Glückwunschtelegramm an die Jewish Agency gesandt. An dem gleichen Tage versammelten sich im Hause des Syrisch-Palästinensischen Komitees etwa 30 Studenten aus Syrien und Palästina, um gegen die Balfour- Deklaration zu protestieren. Protesttelegramme wurden an die Regierungen in Jerusalem und 1‘n London, sowie an den Völkerbund gesandt. Die Versammlung begab sich in die Konsulate der Regierungen des Irak und des Nejd, und ersuchte diese, dem Sultan Ibn Saud und dem König Feisal den Dank für ihr Interesse an der Palästina-Frage auszusprechen. John Philby, die bekannte Autorität für den Osten, früher britischer Resident in Trans Jordanien, der heute aus Palästina in Cairo eingetroffen ist, erklärte in einem Gesprich mit dem Redakteur des ״Mokattam“, er habe Juden wie Arabern den Rat gegeben, ruhig Blut zu bewahren und einen Schritt vorwärts auf dem Wege zum Frieden zu tun, um es der britischen Regierung zu ermögliehen, das Palästina-Problem im Geiste vollkommener Gerechtigkeit zu lösen. Die überraschte PaläsUna-Regiering London, 4. November. (J.T.A.) In der Sitzung des englischen Unterhauses richtete Captain Eden «ine Anfrage an die Regierung, weshalb sie vor Ausbruch der Unruhen nicht die entsprechenden Vorkehrungen zur Hintanhaltung derselben getroffen habe, wo sie doch vorher seitens der Palästina-Regierung eine entsprechende Warnung erhalten hätte. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, William L u n n , erwiderte auf diese Anfrage, es sei nicht richtig, daß die Regierung in London seitens der Pa• Iisttn a-Regierung vor Ausbruch der Unruhen irgendeine Warnung erhalten hätte. Wieder ein Todesurteil H a i f a, 6. November. (J. T. A ) Vor dem Gericht in Haifa hatten sich wiederum vier Araber aus Safed wegen Mordes, begangen an Juden am Tage der Unruhen, zu verantworten. Ein Araber wurde zum Tode verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen. Der Untersuchungsrichter in Haifa hat die gegen neun Juden aus Haifa, die beschuldigt wurden, einen Araber getötet zu haben, eingeleitete Untersuchung eingestellt, da das gegen sie erbrachte Beweismatenal sich als falsch und unerheblich herausgestellt hat. Zwölf Araber, die in der Nähe von Ness Zionah einen Orangenhain ausgeplündert haben, wurden zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt Chaluzim Die Schiffe, die in diesen Tagen nach Palästina fahren, sind drückend voll — wochenlang vor dem geplanten Abreisetermin muß man Plätze belegen, um überhaupt mitzukommen. Hunderte von Palästinensern, die zum Kongreß, zur Sommererholung, in Geschäften ins Ausland gefahren waren, kehren zurück zu ihrem gewohnten Wirkungskreis. In der Schiffsgesellschaft gibt es auch eine Reibe von englischen Beamten, Journalisten verschiedener Länder — es scheint, als wollte sich die internationale Presse in diesen Tagen ein Stelldichein in Palästina geben. Die Mehrzahl der Reisenden sind Juden. Nicht alle unter ihnen sind gezwungen, gerade in diesem Augenblick, in dem die Lage noch undurchsichtig und unerfreulich ist, zurückzukehren, aber es treibt sie zurück — nicht nur trotz, sondern gerade wegen der ernsten Geschehnisse. Man muß bereit sein weiterzuschaffen, weiterzubauen — wenn man jetzt weichen wollte, wäre alles verloren. Voll fahren die Schiffe in den Hafen von Jaffa ein — bedeutend leerer fahren sie aus. Nur eine ganz geringe Zahl von Familien hat in diesen Wochen das Land verlassen — die anderen bleiben, mit ihrem Hab und Gut, mit ihren Kindern, mit ihren enttäuschten Hoffnungen, ihrem zerbrochenen Vertrauen und mit ihrer noch lebendigen Hoffnung auf bessere Tage. Die Rückreisenden sind ernster, einsilbiger als sonst; die Gespräche kreisen selbstverständlich fast ausschließlich um die jüngsten Ereignisse; aber man behandelt das Thema mit Zurückhaltung, und man vermeidet, besonders bei Tisch, in Gegenwart der nichtjüdischen Reisegesellschaft, darüber zu spreeben. Mit den englischen Reisegenossen kommt man noch weniger als sonst in eine Unterhaltung — es herrscht eine beiderseitige, das übliche Maß noch übertreffende Reserve. Aber mitunter fällt doch ein froher Ton in die verhaltene Stimmung. Im Zwischendeck ist eine Gruppe von Chaluzim untergebracht, eine Schar dieser jungen Burschen und Mädchen, die früher die Palästinaschiffe füllten und die wir dann in den Jahren des Einwanderungsverbotes so schmerzlich entbehrfen. Es ist die dritte oder vierte Gruppe, die seit den Unruhen ins Land kommt. Man weidet sich förmlich am Anblick der kräftigen, abgehärteten jungen Gestalten, an denen uns alles so vertraut und lieb ist: die burschikosen Bewegungen, die teils bäurischen, teils scharf markierten Gesichter, die Lederjoppen über den kurzen Hosen oder Röcken, das Reisegepäck, am dem hier ein Arbeitsgerät, da eine Laute hervorsieht. Sie stammen aus Polen, der Tschechoslowakei, einige aus Deutschland, und die meisten von ihnen haben in Deutschland eine landwirtschaft• liehe Ausbildung genossen. Einige sind auch dabei, die schon früher als Ungelernte im Lande waren und nun eine systematisehe Ausbildung genossen haben. Sie kommen als feste Orga• nisatlon -- ein Teil gehört der ״Cherut.h“-Gruppe an, eine An• zahl der Mädchen soll ln die Arbeiterinnenfarm in Ness Ziona eintreten. Alle sprechen Hebräisch. Da hört man wieder die langen Diskussionen über Gemein• schaft, Sozialismus, Freundschaft, Volkstum — da werden wie• der Dutzende von Welt- und Lebensrätseln gelöst Da bittet man wieder einen auf dem Schiff mitreisenden zionistischen Führer um einen Vortrag und stellt ihm in der Diskussion ״Fra• gen״, die eigentlich Aeußerungen von bereits, gefaßten Meinungen sind. Da steht man eng umschlungen an der verlassensten und stürmischsten Ecke des Schiffes und da — wahrhaftig, da tanzt man wieder auf dem schaukelnden Schiff die Horra. Und als man die Küste des gelobten Landes erblickt, da ver• einigt man sich mit den Gefährten zu einer fest gefügten, mauer• gleichen Schar und vereinigt die eigne Stimme mit ihren Stirnmen in der ״Hatikwah“. Das Lied steigt auf in die klare Luft wie ein Psalm, wie im Gelöbnis unsterblicher Treue, unüberwindlichen Glaubens, unzerstörbarer Hoffnung. Man möchte jedes dieser jungen Leben, die sich von Schul- und Kindertagen her einer großen, opferheisehenden Idee gewidmet haben, segnen und den Himmel um Bewahrung dieser heiligen Flamme bitten. Ein ganz junges Mädchen habe ich gefragt, ob sie sich denn der Gefahr bewußt ist, in die sie vielleicht hineingeht. Sie hat mir mit einem reifen Blick und Aem Achselzucken geantwortet: ״Was ist zu tun? Soll man etwa deswegen nicht nach Palästina gehen?“ Ob die Welt einen Begriff von der ungeheuren moralischen Kraft, der glühenden Heimatsehnsucht dieser nach Palästina strebenden Jugend hat? — Helene Hanna Thon. Nene Gewalttätigkeiten!1 Palästüu Jerusalem, 5. November. (J. T. A.) In den letzten Tagen haben sich wieder mehrere Ueberfälle von Arabern auf Juden ereignet. Am 5. November wurden in der Jerusalemer Altstadt drei Juden verletzt, ln der Nacht zum 4. Novernber wurden auf die von Juden bewohnte Jerusalemer Vorstadt Qivath Schaul Schüsse abgefeuert, durch die der jüdische Wächter der Vorstadt verletzt wurde. Die Schüsse kamen aus der Richtung des Dorfes Liftah und des Dorfes Deryassin. Auf dem Wege von Jerusalem nach Bethlehem wurden jüdische Arbeiter der Jerusalem Electric Company ausdem Hinterhalt beschossen und mit Steinen beworfen. Es wurde aber niemand verletzt. Ein jüdischer Polizist am Jerusalemer Zentralgefängnis mußte von seinem Posten zurückgezogen werden, weil er von den arabischen Sträflingen fortdauernd attackiert wurde. Einer der Sträflinge brachte ihm eine erhebliche Verletzung bei. Der Polizist erstattete Anzeige gegen die Angreifer. Jerusal em, 3. November. (J. T. A.) Der Jude David Misrachi wurde am Freitag, dem 1. November, in der Jerusalemer Altstadt von Arabern angefallen und erheblich verletzt In Jaffa wurde am 1. November der Jude Kalman Levy von Arabern angefallen und mißhandelt. Auf dem Wege zwischen der Kolonie Newej Jaacob und Jerusalem wurde eine Gruppe Juden aus einem Hinterhalt beschossen. Keiner wurde verletzt. In keinem dieser Fälle gelang es, der Täter habhaft zu werden, in Haifa wurden einige Araber, die Waffen aus Syrien nach Palästina schmuggelten, verhaftet. Eine Abordnung der arabischen Exekutive und der Mufti von Safed besuchten den Chefsekretär Luke, um für Aufhebung der gegen Araber in Safed verhängten Todesstrafen zu intervenieren. Luke versprach, dies in Erwägung zu ziehen. Ein Araber aus Hebron, bei dem ein Talith gefunden wurde, der offenbar am Tage der Massakers geraubt worden ist, wurde zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Die palästinensisch-arabische Exekutive hat dem Magistrat von Jaffa für seinen Beschluß, die Rut henberg - Elektrizitäts-Gesellschaft zu boykottieren, auf telegraphischem Wege den Dank ausgesprochen.