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Jüdische Rundschau · 1929-11-08 · Heft 88 (8.11.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 88 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0*15 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jeden Dienstag u. Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,-- Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. A״el.nd.ebonn«m«nte werden i>1 der WSUmmg der eiiuehen Linder berechn««. A»»I««1preli-. 8 «eep. Nonperefflerefle 0,50 G.-M. Stellen« «roch. 0,15 G.-M. Redaktion Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b,H« BerlinW15, Meinekeatr.lO Telephon*. J 1 Bismarck 7165-70. Po. teehock• Konten: Berlin 17392, Betel V 9355, Belmd 680 32, Brtael 394 33, Bodepeet 596 93. Demi* 1973, H.e* 140 470, Bre* 59410, Straeebarg 164 30, \Varecheu 190708, Wien 156 030. Rink-Koßtcn! Darfnaildtw und Nationalbauk, Depositen KiH• BeHia, KorWr.1endem1n 52: Bene» de Eet, Ceraeuti (Rumenten)•. Anflo Peleetme Co. in Haifa, Tel Aviv. Nummer 88 | Berlin, 8. XI. 1929 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ה׳ חשון׳ תר״צ | xxxiv. Jahrs. P»r ^lonfmuB erstrebt für da» jüdische Voll! die Schaffung einer OWenllich•rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.«« Politische Kommission der Jewish Agency Sr*־ Weizmanns Rückkehr nach London - Brodetsky verhandelt mit dem Staatssekretär für Indien wegen der moslemischen Propaganda Die Zionistische Exekutive in London versendet eine Mitteilung an die Presse, deren Hauptinhalt in London auch den Pressevertretern mitgeteilt wurde. Wir entnehmen daraus folgende Angaben: Dr. Weizmann, der seit Ende September zur Beend!- gung seiner im August unterbrochenen Kur auf dem Kontinent weilt, kehrt Ende dieser Woche nach London zurück und wird der am Montag, dem 11. November, in London beginnenden Sitzung des politischen Komitees der Jewish Agency beiwohnen. Diese Sitzung wird sich mit den verschiedenen politischen Problemen beschäftigen, die sich aus der Lage in Palästina ergeben. Dr. Weizmann hat etwa eine Woche in Paris zugebracht und dort mit einer Reihe von Persönlichkeiten Unterredungen gehabt. Im Verlauf der letzten Wochen, so wird weiter ndtgeteilt, haben die Mitglieder der Exekutive Prof. S. Brodetsky und Ing. Kaplansky mit Mitgliedern der britischen Regierung und Beamten des Kolonialamtes über verschiedene Einzelfragen im Zusammenhang mit der Lage in Palästina verhandelt. Mit dem Unterstaatssekretär für die Kolonien, Herrn William Lunn, wurden Fragen der Sicherheit des Landes sowie verschiedene wirtschaftliche Probleme, besonders die Angelegenheit einer angemessenen Beschäftigung jüdischer Arbeit beim Bau des Hafens in Haifa, besprochen. Die Frage eines wirksamen Schutzes der jüdischen Siedlungen in Palästina wird von der Exekutive mit der notwendigen Gründlichkeit behandelt. Die Exekutive vertritt ihren diesbezüglichen Standpunkt mit äußerster Energie. .. ln das reguläre Palästina-Büdget ein außerordentlicher Posten eingesetzt werden sollte, der zusammen mit den Summen, die aus den Kollektivgeldbußen belegten arabischen Kommunen fließen, zur Entschädigung' der durch die jüngsten Unruhen entstandenen Verluste verwendet werden soll. Der Vorsitzende des Administrative Committee der Jewish Agency, Herr Felix M. Warburg, und der Präsident der Zionistischen Organisation in Amerika, Herr Louis Lipsky, haben der Exekutive mitgeteilt, daß die von einer Ab- Ordnung der amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency mit dem britischen Premierminister Ramsay MacDonald in New York gepflogene Unterredung einen befriedigenden Verlauf genommen hat. Die Antwort MacDonalds hat auf die in der amerikanischen Presse geäußerte zum Teil sehr scharfe Kritik beschwichtigend und auf die jüdische Oeffentlichkeit in Amerika ermutigend gewirkt. Die Untersuchungskommission in Palästina, so wurde weiter mitgeteilt, hat ihre Arbeit unter Bedingungen aufgenommen, die — die Exekutive ist davon überzeugt — eine eingehende und angemessene Darlegung der jüdischen Sache sicherstellen. Ehe Exekutive muß sich im gegenwärtigen Stadium der Untersuchung eines Kommentars des Verlaufs der Verhandlungen enthalten. Im Hinblick auf das besondere Interesse, das in England der Frage zugewendet wird, wieweit Palästina den britischen Steuerzahler belastet, wurde beschlossen, über diesen Gegenstand demnächst eine Broschüre zu veröffentlichen. In der Londoner Pressekonferenz erklärte, wie J. T. A, berichtet, Professor Brodetsky den Pressevertretern, daß im Hinblick darauf, daß die Untersuchungskommission noch eine beträchtliche Zeit brauchen werde, um zu einer Schlußfolgerung zu kommen, keine Wahrscheinlichkeit bestehe, daß der Bericht noch vor Ende dieses Jahres vorliegen werde; eine ausführliche Diskussion im Unterhause noch in dieser Session ist als ausgeschlossen zu betrachten. Die Regierung hat bereits durch Herrn Lunn im Pariament erklären lassen, daß eine allgemeine Diskussion erst zugelassen Werden könne, wenn der Bericht der Kommission vorliegen wird. Dies bedeutet aber nicht, daß auch die politische Arbeit der Zionistischen Exekutive jetzt nicht am Platze sei. Wir halten es für «otwendig, fuhr Prof. Brodetsky fort, bevor noch die Untersüchungskommission ihren Bericht abgibt, den Boden zu bearbeiten, jede mögliche Gelegenheit wird wahrgenotnmen, um mit jenen Personen und Kreisen in einen Kontakt zu kommen, die einen bestimmenden Einfluß auf die politische Gestaltung haben. Regierungsmitglieder wurden aufgesucht, und erst heute nachmittag hatte ich eine Unterredung mit den Herren Shin well und Ben Turner. . Auf seine UutcrredüM mit det^,K01<pjsJt»n|t»rfÄI־Ä ifiB zurückkoreunen, teilte Brodetsky mit: Die besonderen Probteme, mH denen wir uns befaßten, bezogen sich hauptsichlieh auf die Fragen der Einwanderung und der jüdischen Arbeit Das Problem jüdischer Einwanderung ist zweifellos das wichtigste aller Probleme, denen wir augenblicklich gegenüberstehen, unmittelbar darauf folgt die Frage jüdischer Arbeit. Es werden Schritte ergriffen, um in diesen fundamentalen Fragen vorwärts zu kommen. Von einer Arbeiterregierung, deren Politik in einem gewissen Maße auf der Hebung des Arbeiter-Standards basiert, können wir nach dieser Richtung wohl einen Fortschritt erwarten. Zum Schluß erwähnte Brodetsky noch, daß die Frage der Quellen der aufreizenden moslemischen Prop a g a n d a ebenfalls behandelt wurde. Morgen, sagte er, werde ich mit dem Unterstaatssekretär für Indien die moslemische Situation erörtern. * Wie wir erfahren, wird auch Dir. Oscar Wassermann an der Sitzung des politischen Komitees der Jewish Agency in London teilnehmen, ferner Herr Mozkin und Dr. Viktor Jacobson. Der Multi nnd Dschemal aal der schwarzen Liste! Die Arbeitertageszeitung ״Davar“ verboten Jerusalem, 4. November. (J.T. A.) Die Regierung hat das Erscheinen der hebräischen Arbeitertageszeitung ״Davar“ bis auf weiteres verboten. Als Begründung wird angegeben, daß die Zeitung ein Dokument veröffentlicht hat, das eine Mitteilung über eine vom Jerusalemer Pollzeikommandanten an einen seiner Gehilfen überreichte schwarze Liste enthalt, in der 24 Namen von des Kommunismus verdächtigten Personen aufgezählt sind. Diese Liste enthält auch die Namen des Großmufti von Jerusalem und anderer besonders tätiger Mitglieder der Arabischen Exekutive. Das Verbot des ״Davar“ hat in ganz Palästina ungeheures Aufsehen erregt. * Das Dokument, von dem hier die Rede ist, verdient in der Tat besondere Aufmerksamkeit. Es geht daraus hervor, daß die Polizei den Mufti und den jetzt nach London abgereisten Dschemal Hussein! verdächtigte, mit Hilfe von Moskau den Aufruhr gegen England anzetteln zu wollen. Dieses Dokument stammt vom 23. August, dem Tag des Ausbruchs der antijüdischen Ausschreitungen. Und bisher haben die englischen Beamten konsequent behauptet, sie seien überzeugt alles richte sich nur gegen die Juden und nicht gegen England. Das Bild ändert sich jetzt, und die Untersuchungskommission wird diese Tatsache nicht igno- «deren können. Der Korrespondent der ״Time s“ erklärt ausdrücküch, das Dokument, unterschrieben von Major Harrington (der vor einigen Tagen von der Kommission verhört wurde), sei authentisch. Man wird die weiter* Entvvicklung dieser Sache mit Interesse abwarten. Die Palästina-Ereignisse vor der Mandatskommission Genf, 6. November. (J.T.A.) Marquis Teodoli eröffnete heute die Herbsttagung der Mandatskommission des Völkerbundes mit einer Ansprache, ln der er zum Ausdruck brachte, daß die öffentliche Meinung der Welt durch die schrecklichen Ereignisse in Palästina tief berührt worden ist. Die Kommission beschloß, heute nur einen Gedankenaustausch zu pflegen und Beschlüsse erst zu fassen, wenn der Bericht der von der englischen Regierung nach Palästina entsandten Untersuchungskommission vorliegen wird. Eisenbahaanglfick in Palästina Zwei Soldaten getötet. Jerusalem, 3. November. (J.T.A.) Am 2. November, hr vormittags, ereignete sich in Ras el Ejn (Knotenpunkt der Bahnabzweigung nach Petach Tikwah) ein schweres Unglück. Ein Personenzug fuhr auf eine von einem Motor gelenkte Lore des South Wales Borderers Regiment auf. Zwei Soldaten des Regiments, Harry Günther und W. Harries, wurden auf der Stelle getötet, Leutnant Charles Cox und fünt Soldaten erlitten schwere Verletzungen. Der arabische Lenker der Lore ergriff die Flucht. Wiederaalbau von Siled Die Regierung ernannte eine Kommission für den Wiederaufbau von Safed, bestehend aus dem Distriktgouverneur, dem Regierungsarzt, dem Regierungsingenieur für Nordpalästina und dem Architekten Holiday, dem Sachverständigen der Regierung für Städtebau. Die Zionistische Exekutive wurde ersucht, auch ihrerseits einen sachverständigen Ingenieur vorzuschlagen. (Ziko.) Die Untersuchung schreitet vorwärts Der Polizeikommandant von Haifa sagt aus — Die Kommission in Safed —■ Weitere Einzel• heiten über den 23. August Am 4. d. M. setzte die Untersuchungskommission ihre Verhandlungen in Jerusalem fort. Es wurde der Kommandant der militärischen Kräfte, die am 23. August in Palästina verfügbar waren, Captain Play fair,* vernommen, der aussagte, er sei bereits am 18. August von Luke verständigt worden, daß am 23. August Unruhen stattfinden können und daß Panzerwagen bereitgehalten werden sollen. Am 23. August wurde dann der Zeuge dringend nach Jerusalem berufen und beschreibt nun vor der Kommission die Dispositionen, die er mit seinen militärischen Kräften getroffen hat. Die ganze Streitmacht bestand aus 13 Offizieren, 175 Mann und 3 Abteilungen Panzerwagen. Er sandte eine Abteilung Panzerwagen an die Grenze, eine ließ er in Maan und eine sandte er nach Ramleh, wo eine starke Ansammlung bewaffneter Araber war. Ferner ließ er 18 Aeroplane von Amman kommen. Zugleich beschloß br gemeinsam mit Luke, ein Infanteriebataillon aus Aegypten zu erbitten. Die britische Polizei konzentrierte er in der Altstadt und sandte Patrouillen in die ferner liegenden Bezirke. Nach Hebron wurde die erste Abteilung am Sonnabend, 10 Uhr, abgesandt, als die Nachrichten über das Massaker eintrafen. Die Abteilung gelangte jedoch erst um 2 Uhr an ihren Bestimmungsort, weil sie unterwegs bewaffnete Araber traf, die von Hebron nach Jerusalem zogen. Captain Playfair schilderte die Schwierigkeiten der Aufgabe, eine Minorität der Bevölkerung gegen eine sehr starke angreifende Majorität zu schützen, zumal die Angreifer sowohl einzelne Juden als auch 135 zerstreut liegende jüdische Siedlungen überfallen wollten. Die Vorgänge in Haifa Dienstag, den 5., wurde Major Foley. der Polizeikommandant des Norddistriktes, vernommen, dessen Verhör den ganzen Vormittag in Anspruch nahm. Er erklärte, daß in Haifa-elf* große Aufregung . «!»tfijifjiÄmÄ. 11.־ frfiirr ittutin 111׳׳■ die Ohiar-Moicfiee geworfen und dort Moslems getötet haben. Major Foley sagt« weiter aus, daß am 21. August die Juden ein heftiges Feuer eröffnet«!, und er selbst wurde von zwei mit Pistolen bewaffneten jungen Juden angehalten. Am 26. fuhren drei Lastautos mit Juden umher und schossen auf die Araber. Er glaubt aber nicht, daß die Juden von Wagen, die mit dem Roten Kreuz bezeichnet waren, geschossen haben. Die Aufregung der Juden war verursacht durch die moslemische Demonstration am 23. und 24. Am nächsten Tage schlossen die Juden ihre Läden. Auf eine Frage des Anwalts der Jewish Agency, Sir Boyd Merriman, erklärte Major Foley, es sei ihm bekannt, daß er bei den Juden nicht beliebt sei. Merriman erwiderte: ״Nach meinen Instruktionen betrachten sie Sie als ihren Fein d.“ Daraut sagte Major Foley: ״Das ist unrichtig, aber es gibt eine Mißstimmung, weil ich einige Juden, die die Straße nicht räumen wollten, bestraft habe. Ich habe nicht die Juden angeklagt, daß sie die Unruhen begonnen haben, sondern nur gesagt, daß sie sich in die Sicherheitsmaßnahmen hineingemischt haben. Die wahre Ursache der Unruhen war nach meiner Meinung die arabische Demonstration in der Nacht des 24. August.“ Dienstag nachmittag besuchte die Untersuenungskomtnission T a I p i o t h und Hebron. Die UntersactaDngskommission unterwegs Jerusalem, 4. November. (J. T. A.) Die Mitglieder der britischen Untersuchungskommission für Palästina haben auf ihrer Reise durch die betroffenen Gebiete auch die Kwuzah Beth Alpha in der Nähe von Beisan besucht. Harry Sn eil, der seitens der Arbeiterpartei der Kommission angehört, benutzte die Gelegenheit seines Aufenthaltes in einer Arbeitersiedlung, um mit den Führern und den Mitgliedern der Kwuzah eine Unterhaltung zu pflegen. In der Nähe von Beisan kam ein Trupp von 200 Arabern zu Pferde auf die Kommission zu, stieß Rufe gegen den Zionismus und für eine Verbindung zwischen England und dem Arabertum aus. W. H. Stoker, der Anwalt der arabischen Exekutive, traf in Ti b e r i a s mit arabischen Führern zusammen. Die Mitglieder der Kommission begaben sich von Tiberias nach Safed, wo ihnen ein Haufen Araber, in dessen Mitte ein schwarzes Banner mit der Aufschrift ״Nieder mit der Balfour-Deklaration“ getragen wurde, entgegenkam. Die Mitglieder der Kommission weilten längere Zeit in den jüdi* sehen Vierteln der Stadt Safed und ließen sich eingehend über die Vorkommnisse in diesem Teil der Stadt informieren. Sie studierten Lage und Verhältnisse des Hofraums, in dem die Polizeibaracken untergebracht sind, in denen kurz nach den Unruhen zwei Juden erschossen wurden. Die Mitglieder der Kommission trafen sodann mit dem Mufti und den arabischen Notabein von Safed zusammen. Sir Boyd Merriman, der jüdisehe Anwalt, lehnte cs ab, an einem von den Arabern den Mitgliedern der Kommission gegebenen Empfang teilzunehmen. Die Stadtkarte in der Hand führte Sir Boyd Merriman die Mitglieder der Kommission durch die verwüsteten jüdisehen Stadtviertel. Der arabische Anwalt wies die Kommissionsmitglicaer darauf hin, daß auch arabische Häuser abgebrannt sind; es zeigte sich aber, daß nur solche arabischen Häuser, die in der Nähe der in Brand gesteckten jüdischen Häuser lagen, Feuer gefangen, hatten,

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