Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 87 (5.11.1929)
- Date
- 1929-11-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8 •7י. XI. 1039 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 583 Zur Frage der arabischen Politik Von Dr. Chaim Arlosoroff. Dr. Arlosoroff sendet uns aus Tel-Awiw einen misßhrliehen Artikel, der die ganzen letzten Vorgänge einer Analyse unterziehe und daraus Konsequenzen zieht für die praktische zionistische Politik, soweit sie das Verhältnis zu den Arabern betrifft. Zu unserm Leidwesen können wir aus Raummangel das gante, sehr umfang• reiche Expose nicht zum Abdruck bringen. Wir beschränken uns daher auf die Wiedergabe von 3 Abschnitten, die nach unserer Meinung besonderes Interesse verdienen. Der erste dieser Abschnitte (von uns gekürzt), ist jene Stelle aus der Darstellung Arlosorqffs, in welcher er seine Ansicht über die Bedeutung des religiösen Mo• ments in der antiiüdischen arabischen Agitation auseinandersetzt. Die zweite, von uns vollinhaltlich abgedruckte Stelle bildet den Schlussabschnitt des Artikels, in welchem der Verfasser nach Abschluss eetner eigenen — notwendigerweise sub/ektiven — Analyse der Vorgänge die Richtlinien zusammen fasst, nach denen nach seiner Meinung die zionistische Politik gegenüber den Arabern in der nächsten Zeit geführt werden muss. Red. Tel-Awiw, 12. Oktober 1929. Es ist eine einfache Verdrehung der Tatsachen, wenn man heute von verschiedenen Seiten, darunter merkwürdigerweise von keiner anderen Seite als der des Acting High Commlssioner, Mr. Luke, die Dinge so darstellt, als hätte ganz Palästina unbeachteterweise auf einem Vulkan gelebt; als hätte das ganze Land aus zwei sich gegenüberstellenden nur mit Mühe zurückgehaltenen feindlichen Lagern bestanden; als hätte auf dem Grunde dieser Feindschaft die Balfour- Deklaration und die zionistische Politik gelegen. Alles das heißt nichts anderes, als den nachträglichen Versuch der arabischen Reaktionäre, aus den blutigen Ereignissen politisches Kapital zu schlagen und ihre eignen Mißerfolge durch die Entfesselung neuer politischer Leidenschaften zu verschleiern, unterstützen und bekräftigen. In Wirklichkeit sieht die Sache ganz anders aus. Nachdem eben alle Versuche, die Bevölkerung zu einer aktiven Gegnerschaft gegen Zionismus und Balfour-Deklaration zu organisieren mißlungen waren, bot sich hier die Gelegenheit, einen religiösen Gegensatz künstlich aufzubauschen, den Fanatismus und die Unwissenheit der moslemischen Masse auszunutzen und die dunklen Mächte des religiösen Hasses zu mobilisieren, um später die gerufenen Geister zu politischen Zwecken benützen zu können. Diese Gelegenheit war die letzte Chance der Husseinis. Sie war meiner Meinung nach die einzige Chance, die Ihnen geblieben war, wenn sie nicht an ihrer Machtstellung unter den Arabern Palästinas überhaupt verzweifeln wollten. Sie gingen unter der Führung des Muftis und des moslemischen Rats systematisch an die Arbeit, den Klageraauerkonflikt ständig zu vertiefen und zu verschärfen, um ihn endlich auf die Spitze treiben zu können. Ihr politisches Interesse ging in der Richtung, daß er auf die Spitze getrieben wurde. Daß wir angesichts dieses klaren Tatbestandes es zugelassen haben, uns in eine aussichtslose nationale Prestigepolitik hineintreiben zu lassen; uns von einem schlau aufgebauten System '׳on Provokationen aufreizen zu lassen; einen Gegenstand, der niemals im Mittelpunkt unseres Interesses gestanden hatte, zu einem neuen Fetisch zu machen; den arabischen Reaktionären eine Losung in die Hand zu geben, die nicht nür in jedem Augenblick bei jedem palästinensischen Fellachen, sondern auch bei den Moslems in Aegypten und Indien ihre Wirkung nicht verfehlen konnte; eine aufgeblähte Politik zu führen, die mit unseren wesentlichsten Interessen in einem schroffen Gegensatz stand, und ihren Abschluß in den blutigen Wochen fand, — das alles wird uns in wenigen Monaten, spätestens in wenigen Jahren, völlig unbegreiflieh sein. Es ist wiederum eine einfache Verdrehung von Tatsachen, wenn man heute behauptet, die Klagemauer-Angelegenheit wäre nichts als ein bloßer Anlaß gewesen und hätte durch einen anderen Anlaß ersetzt werden können. Das ist völlig falsch. Ich behaupte, daß, bis der Klagemauer-Konflikt akut wurde, es keine andere Losung mehr gab, die auch nur im entferntesten die gleiche Stoßkraft besessen hätte. Mit der Balfour-Deklaration konnte man schon keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken. Die Einwanderung von Tausenden von Juden, der Erwerb von wichtigen Bodenflächen störte die Ruhe und Ordnung im Lande nicht für einen Augenblick. Gewiß ist, daß die Einwanderung von hunderttausend luden und der Erwerb von einer Million Dunam die Moslems in Aegypten und in Bombay vollkommen kalt gelassen hätte. Der Klagemauer-Konflikt war deshalb nicht nur die letzte, sondern auch eine einzigartige Chance des arabischen Extremismus. Daß wir uns haben übertölpeln lassen, wird für immer ein Zeugnis unserer eigenen politischen Kurzsichtigkeit und Sensationssucht bleiben. . . . Das heißt natürlich nicht, daß wir übersehen dürfen, daß, wie die Dinge nun einmal liegen, die Entwicklung der letzten Monate, gleichgültig, ob sie vom arabischen Standpunkt als Erfolg oder Mißerfolg betrachtet werden muß, einen neuen Ansatzpunkt zur Konsolidierung und Reorganisierung der arabischen Bewegung und zur Stärkung ihres nationalistischen Kerns bilden muß. Vorübergehend wenigstens ist der völlige Zusammenbruch der radikalen Partei, der 1927 drohte, abgewehrt. Vorübergehend wenigstens ist sie wieder daran, zum Sammelpunkt der politischen Ener- ״ien und Leidenschaften im arabischen Lager zu werden. Und wenn auch diese Hochflut politischer Erregung wieder verebbt, so müssen ihre Nachwirkungen doch wieder für längere Zeit viel stärker zu spüren sein. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß es in diesen Tagen im arabischen Lager in viel stärkerem Maße Tendenzen einer nationalen Intelligenz- und Jugendbewegung gegeben hat . . . Aber das wiederum heißt keineswegs, daß die arabische nationalistische Partei nun plötzlich jene gigantische und unüberwindliche Macht geworden ist, als die sie in den Augen mancher von Panik Ergriffener{ heute erscheint. Nichts dergleichen. Wir sollten von Hause am besten wissen, daß Bewegtmgen auf jeden Fall nicht über Nacht aufwachseti. Schlußfolgerungen Es hat bei uns sicherlich viele Menschen und Gruppen gegeben, die allen warnenden Stimmen zum Trotz int Laufe dieser Jahre die arabische Bewegung in Palästina unterschätzt haben. Es gibt merkwürdigerweise auch heute noch viele, die es nicht wahr haben wollen, daß es überhaupt eine Bewegung mit einem echten Kern gibt. Es gibt scheinbar auch heute noch viele, die vollkommen übersehen, daß mit jedem Jahr die Gruppe arabischer Jugend und Intelligenz, die mit moderner, besonders englischer Kultur erfüllt ist, in dauerndem Wachstum begriffen ist Aber diese Tatsache soll auch nicht dazu führen, daß wir unter dem Eindruck des Augenblicks Meinungen die Oberhand gewinnen lassen, die die arabische Bewegung maßlos überschätzen und auf diese Ueberschätzung panische Programme von Krieg oder Frieden aufbauen. Was nottut, ist ein kühler Kopf und eine besonnene Analyse, die die wirklichen Kräfteverhältnisse und Entwicklungstendenzen kalt abwägt. Was die Folgen einer solchen Analyse für unsere politische Aktion gegenüber der arabischen Bewegung sein würden? Es ist heute nicht der Tag, mit Programmen zu kommen. Ein jedes Programm würde heute auf jüdischer Seite einer Flut von Zweifel, auf arabischer Seite einem Damm von Mißtrauen und Verdächtigung begegnen. Es genügt, darauf hinzuweisen, wie die Kundgebungen des Brith-Schalom im arabischen Lager aufgenommen worden sind. Die Auf* gäbe des Tages ist es, den Arabern zunächst einmal zwei Dinge ganz klarzumachen. 1., daß wir schon zu stark in Palästina sind, als daß sie darauf hoffen könnten, durch Aufrühr und Ueberfali die Entwicklung des jüdischen Jischuw oder die Verwirklichung der zionistischen Grundziele zu gefährden, 2., daß wir als Bürger dieses Landes die Anwendüng von Gewalt als Methode des politischen Kampfs nicht dulden und jedem Versuch, sie uns aufzuzwingen, mit allen Mitteln entgegentreten werden. Diese beiden Dinge ganz klarzumachen, kann nur gelingen durch eine ruhige und planmäßige Weiterführung unserer Kolonisationsarbeit, durch die regelmäßige und ökonomisch gut fundierte Fortsetzung der Immigration, durch eine schleunige, aber konstruktiv durchdachte Wiederherstellung der zerstörten Siedlungspunkte, durch den Ausbau und die Abrundung unserer städtischen und!andwirtschaftlichen Kolonisationszentren in einer Weise, daß ein Angriff auf sie endgültig aussichtslos wird. Erst wenn diese zwei Punkte über jeden Zweifel hinaus und vorbehaltlos irn arabischen Lager klar sind, läßt sich eine Hinwendung ihrerseits zu einer konstruktiven Politik hoffen, erst zu diesem Zeitpunkt wäre eine Basis für eine Verständigung gefunden. Es ist deshalb auch durchaus möglich, daß wir für eine Uebergangszeit ein Programm arabischer Politik, in dem Sinn eines ausgebauten Systems von Forderungen und Punkten, die von wenigen fundamentalen Prinzipien ausgehend, alle Gebiete des politischen, sozialen und kulturellen Lebens des Landes umfassen, gar nicht erreichen können. Für diese Uebergangszeit müssen wir aber dann ein Programm von Fall zu Fall, ein ״triat and errort'-Programm, empirisch zusammenflieken. Das mag vom Standpunkt der Logik und der Aesthetik nicht mehr als Stückwerk sein, vom Standpunkt unserer politischen Wirklichkeit ist es wahrscheinlich das einzig Brauchbare, jedenfalls viel brauchbarer, als das dolce far niente, das wir uns in so hohem Maße bisher erlaubt haben. Das kann morgen bedeuten, daß wir Presseorgane in arabischer Sprache schaffen, um so wirksam als möglich der Lügen- und Hetzpropaganda der arabischen Reaktionäre entgegentreten zu können. Man darf nicht einfach davon ausgehen, daß ein solches Unternehmen unnütz״ sei, weil die Masse der Fellachen doch nicht lesen könnte^und 8er Vorleser im Dorf gerade derjenige sein mag, der adle friedlichen Stellen ausläßt.. Erstens verändert sich dieser Zustand ln der Jugend von Jahr zu Jahr, zweitens werden diese Zeitungen nicht nur in Palästina, sondern auch in Beirut und Damaskus gelesen, drittens erscheint mehr als eine politische Zeitung in dieser Welt, die dem genügend wichtigen Zweck dient, auf kleine Gruppen von aktiv interessierten Politikern und Journalisten Einfluß zu nehmen. Uebe!־morgen kann es bedeuten, daß wir die Forderung aufstellen, daß für die Stadt- Verwaltungen Palästinas das eingeführte Kurienwahlrecht abgeschafft wird, um uns zu ermöglichen, zu einer gemeinsamen ökonomischen Interessenpolitik zu kommen und den fruchtbaren wirtschaftlichen Gesichtspunkt an Stelle des unproduktiven Nationalitätenhaders zu setzen. Donnerstag kann cs bedeuten, daß wir in dem großen Streit, der zwischen den reaktionären und klerikalen Arabern und dem progressiven Teil der arabischen Bevölkerung geht, mit allem Takt und aller Delikatesse, aber nach Kfäften die fortschrittlichen Elemente unterstützen. Wir sind als Staatsbürger dieses Landes durchaus nicht daran desinteressiert, ob unter unseren Mitbürgern die rückschrittlichsten und chauvinisfischsten Elemente oder die liberaleren und zivilisierteren am Ruder sind. Das kann Freitag bedeuten, daß, wenn nur unsere Mittel dazu ausreichen, wir ökonomische oder soziale Institutionen schaffen, Banken oder Leihkassen, die den Interessen der eingeborenen Handwerker- oder Bauernmasse dienstbar gemacht werden können. Das kann Sonnabend bedeuten, daß wir in der weit verbreiteten jüdischen und zionistischen Presse die freiheitlichen und patriotischen Forderungen der Aegypter oder Mesopotamier unterstützen, vielleicht auch unsere speziellen politischen Vertreter in Kairo und Bagdad haben, um ganz deutlich zu machen, daß wir nicht im geringsten gegen die berechtigten nationalen Anspräche der arabischen Bevölkerung des Niltals oder des Irak sind, sondern sie sogar warm fördern wollen. Das kann Sonntag bedeuten, daß wir eine Gruppe unserer jungen Studenten auf die Al-Ashar-Universität und ins Britische Museum schicken, damit sie sich mit der arabischen Kultur ernst und gründlich beschäftigten, um später der jüdischen Welt gegenüber die Verkünder arabischer Kulturwerte, der arabischen Welt gegenüber die Sachwalter unserer lebenswichtigen und berechtigten Ansprüche zu sein. Das kann, vielleicht in einem späteren Stadium der Entwicklung, bedeuten, daß wir von unserer Seite aus einen Vorschlag ausarbeiten, um dem automatischen Beamtenregime im Lande ein Ende zu setzen und eine Form von Vertretungskörperschaft zu finden, die dem Fortschritt beider Völker dient, ohne die Lebens- Interessen eines von ihnen zu verletzen. Das muß vor allem in allernächster Zukunft bedeuten, daß bei unseren Behörden, der Exekutive und dem Waad Leumi Stellen errichtet oder wieder errichtet werden, die sich mit allen diesen Problemen ernsthaft und aktiv beschäftigen. Daß die allgemeinen Riehtlinien für ihre Lösung nur die eines friedlichen Zusammenlebens der beiden Völker im Rahmen des palästinensischen Gemeinwesens, einer aktiven Unterstützung der progressiven und zukunttsverhelßenden Bestrebungen in der arabischen Bevölkerung, einer konstruktiven Lösung der ökonomischen Interessenfragen sein können, darüber gibt es in der breiten Masse des Jischuw und in den verantwortlichen Gruppen und Kreisen der zionistischen Bewegung auch heute, aller Bitternis und aller Enttäuschung zum Trotz, keine Meinungsverschiedenheit. Palästina ln der deutschen Presse Der Korrespondent des ״Berliner Tageblatt“, Herr B e r k es , fährt fort in seiner Glorifizierung der arabischen Bewegung. Er meldet z. B. über den Streik am 2. November, er werde ״freiwillig und begeistert“ durchgeführt. Etwas von dieser Begeisterung scheint auf den Berichterstatter des ״Berliner Tageblatt“ übergegangen zu sein, der die Dinge maßlos aufbauscht. Wir sind weit entfernt davon, uns empfindlieh zu zeigen, wenn ein Journalist Tatsachen berichtet, die uns unangenehm sind. Aber in diesem Falle muß man sich fragen, wieso es plötzlich Aufgabe des ״Berliner Tageblatt“ geworden ist, diese übertriebene Vergrößerung aller Dirnensionen gerade aut Palästina anzuwenden, das sonst bekanntlieh keineswegs auf so viel Interesse seitens des ״B. T.“ rechnen konnte. De Redaktion des ״B, T.“ sollte verstehen, daß hier unter dem Deckmantel der Objektivität eine Verhetzung betrieben wird, an der das ״B. T.“ und seine Leser sicherlich nicht interessiert sind. Als eine Ein zeihet aus dem Bericht des Herrn Berkes sei nur erwähnt die Behauptung, ״beide Seiten, sowohl Araber als Juden, sammeln im Ausland Geld, um den Kampf fortführen zu können. De Zionisten wollen neuerdings acht Millionen Mark erhalten haben, und die Araber behaupten sofort, sie hätten eine ebenso große Summe zugewiesen bekommen“. Der perfekte Unsinn dieses Berichtes liegt auf der Hand. ln viel sachlicherer Weise berichtet Dr. RichardLewinso 11 n im Leitartikel der ״Vossisehen Zeitung" vom 2. November. Er schildert die arabische Agitation, die sich nach dem offenen Eingeständnis ihrer Führer der Klagemauer nur als Mittel bediente und berichtet: ״Die arabischen Nationalisten glauben, daß es der letzte Moment ist, um sich der zionistischen Nationalbesvegungentgegenzustellen. Sie wollen nicht, wie einer ihrer Wortführer es mir gegenüber formulierte, das Schicksal der Indianer erleiden. Deshalb Gegenwehr, Gegenpropaganda und, sobald and so oft sich eine Gelegenheit bietet, losschlagen.“ Im Gegensatz zu den Berichten des B. T.-Korrespondenten Berkes führt Dr. Lewinsohn seinen europäischen Lesern die wirklichen Dimensionen der arabischen Bewegung vor: ״Nun muß man sich, wie alles in Falfiatina, aber ganz besonders die arabische Nationalbewegung, trotz allen großen Worten und trotz dem unbestreitbaren Willen zur Tat, auch heute noch en miniature vorstellen. Von Europa aus gesehen, pflegen solche Dinge leicht gewaltige Dimensionen anzunehmen und im Quadrat der Entfernung zu wachsen. Man tut aber gut, sie mit umgedrehtem Fernglas zu betrachten. Hitler in Coburg ist im Vergleich dazu ein Riese; vielleicht auch noch im geistigen Format. Was die Ziele der Araber betrifft, so hat Dr. Lewinsohn folgende Darstellung von einem Mitglied der arabischen Exekutive bekommen: ״Die Araber rechnen etwa mit einer Kammer, in der von Je 24 Mitgliedern 18 Araber, 3 Christen und 3 Juden sitzen werden. Und was wird aus der zionistischen Einwanderung, die jetzt nur von den Engländern und von Juden kontrolliert wird? Auch dafür weiß die Arabische Exekutive bereits Rat. Die Araber •wollen keineswegs die Einwanderung von vornherein verbieten, nur soll auch sie unter parlamentarische Kontrolle gestellt werden. Man bildet einfach eine Einwanderungekomraission, der etwa, gewiß schon eine gewaltige Konzession. 2 Araber, 1 Christ und 1 Jude angehören. Diese Kommission soll dann! je nach der wirtschaftlichen Lage des lendes, Einwanderung zülasseri oder verbinden!. Interessant Ist noch Lewlnsohns Feststellung, daß die christlichen Kaufleute, die zuerst Neutralität vorschützten, sich heute ungeniert auf die Seite der Araber stellen, um von dem antijüdischen Boykott zu profitieren. Veranstaltungen des Wochenendes Donnerstag, 31. Oktober, fand in Berlin, im Schubert- Saal, eine Kundgebung statt, die einberufen worden war von der deutschen Gruppe des ״Brith Schafom“ mit dem Thema ״jüdisches Nationalheim und jüdische Politik ln Palästina“. Die Versammlung war so überfüllt, dab die Saaltüren geschlossen werden mußten. Dr. Martin Buber setzte in einem längeren Referat vor allem die Richtlinien einer jüdisch-arabischen Annäherung auseinander. De zwei konkreten Forderungen, die er zum Schluß unter allgemeiner Zustimmung erhob, waren: 1. Intervention der Jewish Agency dahingehend, daß die in Palästina gefällten Todesurteile nicht vollstreckt werden; 2. Zusammentritt einer Konferenz legitimierter Vertreter des Islam und des Judentums (also der religiösen, nicht der nationalen Gemeinschaften) zur Regelung religiöser Streitfragen, insbesondere der Frage der Klageniauer. — An der Diskussion beteiligten sich Vertreter verschiedener Parteirichtungen, außerdem zwei Vertreter der arabischen Seite. Sonnabend, den 2. November, hielt Dr. Martin Buber im Meistersaal den Eröffnungsvortrag der Freien Jüdischen Volkshochschule über das Thema ״Wie steht der moderne Mensch zur Religion?“ Auch bei dieser Veranstaltung war der Andrang der vergeblich Einlaß Suchenden so groß, daß schließlich der Vorraum polizeilich geräumt werden mußte Man kann der Volkshochschule den Vorwurf nicht ersparen, daß sie für diese wichtige Veranstaltung keinen größeren Saal genommen hat: besonders bedauerlich ist es, daß sehr viele Jugendliche Weggehen mußten, was schließlich nicht der Zweck der Volkshocnschule Ist. Der Kreis der Freunde der ״Ha bim ah“ veranstaltete am 3. d. M. einen bedeutsamen Abend im Hause von Herrn Julius Klausner. Unter dem Vorsitz von Arnold Zweig, der den Abend eröffnete, sprach Bialik über die Probleme des jüdischen Theaters, worauf sich eine lebhafte Diskussion entwickelte, an der Buber, Alfred D ö b I!!1, Emil Cohn, Dr. Rudolf Kayser, Dr. Di eb o 1 d und viele andere teilnahmen. Hans Goslar IQ Jahr« Im Amt Unser Gesinnungsgenosse Hans Goslar feierte dieser Tage das Jubiläum seiner zehnjährigen Tätigkeit als Leiter der Pressestelle der Preußischen Staatsregierung. Was Goslar in diesen 10 Jahren für sein Amt und für den Aufbau der neuen deutschen Republik geschaffen hat, in welchem Maße er persönlich ein Muster der Pflichttreue und hohen Beamtentugend gewesen ist, dies ist von beruiener Seite hervorgehoben worden. Uns bleibt nur, indem wir Freund Ooslar beglückwünschen, hervorzuheben, daß Goslar in seiner Tätigkeit einen geradezu klassischen Beweis dafür erbracht hat, wie unsinnig es ist, wenn eine böswillige Propaganda einen Gegensatz konstruieren will zwischen national-jüdischer Gesinnung und treuem Dienste im Vaterland. Goslar hat gerade dadurch, daß er aus seiner zionistischen und religiöstraditionellen Anschauung niemals ein Hehl gemacht hat, sondern sich stolz dazu bekannt und nur durch die Tat die verächtlichen Denunziationen widerlegt hat, in allen atrtrichtigen Kreisen den größten Respekt erworben. «