Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 87 (5.11.1929)
- Date
- 1929-11-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 584 JU EDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 5. XI. 1929 Briefe an die Redaktion Um die Kiagemraer Berlin, den 30. Oktober 1929. Sehr geehrte Redaktion! In der ״Jüd. Rundschau“ Nr. 85, S. 565 macht mir Herr Brachmann den Vorwurf, daß ich in einer Zeitungskorrespon* denz und in einer revisionistischen Versammlung in Breslau dem Arbeiterführer Ben Ciurion zu Unrecht die Worte "האפר והכותל, /«geschrieben habe, während tatsächlich diese Worte '״העיקר והכותל heißen sollen. Zur Aufklärung der Angelegenheit teile ich folgendes mit: 1. Während der ersten Tage der Palästina-Ereignisse traf ich mich mit Herrn Berl Locker und wir besprachen dabei auch das Klagemauer-Problem sowie die Haltung_ verschiedener zionistischer Gruppen in dieser Frage. Dabd kam Herr Locker auf die Rede und den Artikel von Ben Gurion in der Klagemauer-Angelegenheit zu sprechen, die mir nicht bekannt waren, ln mündlicher Unterhaltung hört sich ״Ikar“ mit ״ajin" und ״aleph“ gleichlautend an. Sinngemäß glaubte ich, die Worte von Ben Gurion so verstanden zu haben, wie ich sie weitergegeben hatte. Ich bedaure meinen Hörfehler und halte es für meine Pflicht, festzustellen, daß ich keinerlei böswillige Absichten verfolgt habe. Am wenigsten wollte ich selbstverständlich Herrn Ben Gurion ״verleumden“. Wer meine journalistische und meine Partei-Tätigkeit kennt, der weiß, daß ich persönlich nie und nirgends unsere palästinensische Arbeiterschaft und ihre Führer in irgendeiner Weise angegriffen habe. Vielmehr habe ich stets auch im Kreise meiner engeren Gesinnungsgenossen darauf hingewirkt, der Arbeiterbewegung gerecht zu werden. 2. Als ich von Breslau zurückkam, fand ich nun gerade in der jiddischen Presse (Jiddische Stimme, Kowno) einen aus dem ״Dawar“ übersetzten Artikel von Ben Gurion vor, der jetzt erschienen ist und der die Richtigstellung der Worte ״Hakotel we-haikar“ bezweckt. Es hat den Anschein, daß auch Herr Brachmann erst nach meiner Abreise den neuen Artikel von Ben Gurion gelesen hat Sonst wäre es unverständlich, warum er mich nicht in Breslau an Ort und Stelle verbessert hat Ich wäre ihm dafür nur dankbar gewesen. 3. Was ich jedoch peinlich bedauere, ist die Aeußerung von Herrn Brachmann, der glaubte, von mir in Breslau gehört zu haben, ״daß nicht die Revisionisten diejenigen waren, welche das Klagemauer-Problem aufbauschten, sondern Ben Gurion, der Arbeiterführer, in seiner Rede im Waad Leumi und in dem Artikel des Dawar“. Es soll dadurch der Eindruck erweckt werden, a's ob ich für die Ereignisse in Palästina einzig und allein die Arbeiterschaft verantwort* lieh mache. Das ist unwahr. Vielmehr ist es wahr, daß ich außer der erwähnten Rede von Ren Gurion folgendes sagte: Die Tendenz, nur den Revisionisten die Aufbauschung des Klagemauer-Problems zuzuschieben, ist ein Unsinn. Es war Ussischkin, der noch vor der Jugenddemonstration mit der Idee kam, die Klagemauer von 300 jungen Menschen besetzen zu lassen. Es war Dr. Klau s n e r, der das ״Lernaan Hakotel-Kamittee“ gründete und in dessen Namen eine äußerst scharte Botschaft an das jüdische Volk erlassen wurde. Es war der M i s r a c h i für den die ganze Zeit hindurch die Klagemauer eine heilige Angelegenheit von eminent politischer Bedeutung ist, und es war schließlich der Zionistisehe Kongreß in Zürich, der sich tagelang mit der Frage befaßte, der einstimmig — mit Einschluß der Arbeiter- Parteien — eine Abordnung nach London zu entsenden be• schloß und der zum Zeichen des Protestes gegen die Schlkanen an der Klagemauer unter Unterbfechüng der Sitzung die bekannte feierliche Erklärung abgab. Ob diese Handlunen richtig waren oder nicht, ist eine Frage für sich. Aber as waren jedenfalls die Stimmungen, von der alle zionistischen Strömungen erfüllt waren. Und das und nicht anderes habe ich in Breslau gesagt. Herr Brachmann hat aber dies alles verschwiegen, aa er offenbar als Parteigenosse von Ben Gurion nur die zwei Worte, die sich auf Ben Gurion beziehen, herausgreifen zu müssen glaubte, wodurch in der Oeffentlichkeit ein falscher Eindruck entsteht. 4. Was die Frage der Jfugenddemonstration anbetrifft, weiß alle Welt — und auch in Breslau habe Ich das gesagt — daß sie vom Verband der sephardischen Jugend einberufen und veranstaltet worden ist. Daß sich an ihr auch jugendliche Revisionisten beteiligt haben, ändert nicht das geringste an dieser Tatsache. Ich bedauere, daß Herr Brachmann auch diesen wichtigen Teil meiner Rede verschwiegen hat. Damit auch weiterhin in der Oeffentlichkeit nicht mit einer Entstellung der Wahrheit gearbeitet werde, bitte ich Sie. diese Richtigstellung abzudrucken. Mit ZionsgruB J. Klinow. * Die Todesurteile Beckum, Westf., 1« Nov. 1929. Sehr geehrte Redaktion! Wir bitten Sie, zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß sich der Kreis Jungjüdischer Pazifisten (Radikale Gruppe im Jüdischen Friedensbund) uneingeschränkt der Aktion für die Aufhefaung der in Palästina gefällten Todesurteile anschließt. Es wäre überhaupt zu begrüßen, wenn in dieser wichtigen Frage eine entschiedene Einheitsfront der jüdischen Jugend ohne Rücksicht auf sonstige Einstellungen schleunigst zustande käme, und wenn grundsätzlich allen Urteilssprüchen, die gegenwärtig in Palästina gefällt werden, erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden würde. Die Jugend hat hier in erster Linie für die Sache des Judentums und der Menschlichkeit einzustehen, ln ausgezeichneter Hochachtung _ J. Raphael« Orlsgroppen Breslau. Nachstehende Resolution wurde in der Sitzung des Vorstandes der Breslauer Zionistischen Vereinigung vom 16. Oktober mit alten gegen eine Stimme angenommen: ״Der Vorstand der Breslauer Zionistischen Vereinigung ist der Meinung, daß die Durchführung der Winterarbeit nicht durch innerzionistische Wahlkämpfe gestört werden darf, und beantragt daher bei der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, daß von der Einberufung eines außerordentlichen Delegiertentages abgesehen werde." Stettin. Am 28. Oktober fand eine sehr gut besuchte öffentliehe Versammlung der Zionistischen Vereinigung mit dem Thema: ״Jcwish Agency und die Erklärung deutscher Juden“ und den Referenten Rabb. Dr. Max Wi e n e r-Berlin und Dr. Nahum Goldinann statt. Dr. Wiener faßt die Orthodoxie und den Zionismus als den Ausdruck konkreten Judentums auf, während der Liberalismus eine Idee sei, die erst realisiert werden müßte, eine Aufgabe, die bisher nicht geglückt sei. Die erstgenannten seien unbedingt opferwillig, während das liberale Judentum opferscheu sei. Der Zionismus bedeute die Konkretisierung des Gesamtjudentums. Er mahnt zur Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas, für den die Jewish Agency das Weltjudentum sammeln will. Dr. Goldmann setzte auseinander, daß an den Unterzeichnern der Erklärung die nach ihrer Meinung gefährdete Emanzipation spurlos vorübergegangen sei, da ihre Anschauungen noch immer in Ansichten befangen seien, die der alte Obrigkeitsstaat ihnen vorschrieb. Er schildert sodann die zentrale Bedeutung Palästinas für das Gesamtjudentum und den Erfolg der Einigung der Juden aller Länder für Palästina. Eine kleine Gruppe von deutschen Juden könne die Einigung nicht verhindern. Die Diskussion brächte noch zum Ausdruck, daß der Aufruf nicht den politischen Zionismus, sondern das Palästinawerk treffen wollte. Der Abend hat zur Mitarbeit am Palästinawerk entschieden beigetragen. Bialik verläßt nach längefem Aufenthalt heute Dienstag Berlin. Er fährt mit der ״Adria“ am 7. d. M. von Triest nach Tel-Awiw zurück. Vermischtes Jüdische Gemeinde. Die nächste Sitzung der Reprüsentanten-Versammlung findet Donnerstag, den 14. November, abends 7 Uhr, statt. Ostjüdfsche Dichtung. Am Mittwoch, dem 6. November, abends 8(4 tjhr, trägt Jehuda Ehrenkranz (ehemaliges Mitglied der Wilnaer Truppe) im Beth Am Iwri, Grolmanstr. 36, jüdische Dichtung u. a. Asch, Scholem Alechem, Anski, Pcrez, Kazisne vor. Eintritt frei. Renaissance-Theater. Nach dem Erfolg der ersten beiden Matineen wurde Ludwig Hardt zu einem dritten Auftreten im Renaissance-Theater verpflichtet: Sonntag, den 10. Noveraber, vormittags 11(4 Öhr, liest Ludwig Hardt ״Jüdischer Humor“. (Siehe Inserat.) Verein ehemaliger Hörer der Hochschule für die Wissen- Schaft des Judentums. . Montag, den 11. November, abends 8 Uhr, in der Aula der Hochschule: Vortrag des Herrn Dr. M._ Soloweitschik: ״Geschichtsschreibung undGeschichts- Philosophie in der Bibel“. Gäste willkommen. Im Dezember nach Palästina. Wir machen hierdurch noch einmal auf die zum 6. Dezember geplante Palästina-Reise aufmerksam. Da diese Reise als eine außerordentliche (als Ersatz für die Jugendfahrt) durchgeführt wird, ist die Zahl der Teilnehmer sehr beschränkt Insbesondere sei darauf hingevviesen, daß die Teilnahme an der Reise auch unabhängig von der gemeinsamen Landreise möglich ist. Informationen durch Palestine and Orient Lloyd, Berlin N24, Friedrichstr. 12t. Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina. Am 30. Oktober eröffnete die Bezirksgruppe Nordwest ihre Winterarbeit durch einen Vortrag von Dr, Oskar Wolfsberg über ״Probleme des kulturellen Aufbaus“. Der bekannte Misrachiführer behandelte in gedankenreichen und gedankenanregenden Ausführungen ganz besonders das Schulproblem in Erez-Israel, die drei Typen der Schulen und ihre anzustrebende Konvergenz in der Zukunft. Die zahlreich erschienenen Hörer und Hörerinnen folgten mit warmer Teilnahme den für alle jüdischen Eltern wichtigen Worten und suchten in der dem Vortrage folgenden Diskussion durch manche Frage weitere Aufklärung. Wolfsbergs Vortrag bildete einen verheißungsvollen Auftakt für die Arbeit des Winters. Ein Studienzirkel, den Dr. Max Mayer freund liehst zu leiten versprach, wird sich mit den Schriften Achad Haams beschäftigen. K.J.V. Mehrere Niederlassungsmöglichkeiten für Hals-, Nasen-, Ohrenärzte können nachgewiesen werden. —- Technische Laborantin für Gesundheitsfürsorgeamt außerhalb Berlins gesucht. — Studienassessoren nach Absolvierung des praktischen Jahres kann Anstellungsmöglichkeit nachgewiesen werden. Religiöse Einstellung (nicht unbedingt orthodoxe) erforderlich. Auskunft erteilt das Präsidium des K.J.V. Arbeitsnachweis. Wir suchen einen jungen, mit dem Automobilwesen gut vertrauten Ingenieur für eine vorübergehende Tätigkeit als Gutachter in Westdeutschland. Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise, Abteilung für Akademiker, Berlin N, Auguststr. 17; Tel. Norden 7085—7087 und 9130. Jüdischer Ruder-Klub ״Ivrla“. Donnerstag, den 7. 11.: 201/2 Uhr Schwimmen im Wellenbad am Luna-Park. — Sonntag, den 10. 11.: Wanderung, Treffpunkt 10 Uhr Normaluhr Bahnhof Zoo. Bei Regenwetter Besuch der Nationalgalerie, neue Abteilung (ehern. Kronprinzenpalais), Treffpunkt (411 Uhr vor dem Museum. — Montag, den 11. 11.: 20 Uhr Turnen und Gymnastik. — Donnerstag, den 14. 11.: 201/3 Öhr Heimabend bei Leo Hutschnecker, Lauenburger Str. 2a. — Sonntag, den 17. 11.: 11 Uhr Kastenrudern. — Montag, den 18. 11.: 20 Uhr Turnen und Gymnastik. — Mittwoch, d«n 20. 11.: Waldlauf, Treffpunkt 11 Uhr Bahnhof Grunewafd Ausgang. — Donnerstag, den 21. 11.: 20(4 Uhr Schachabend bei Erwin Schey, Waitzstr. 2. Für Anfänger findet eine Einführung in die Grundlagen des Schachspiels mit anschließenden pralaischen Uebungen statt (Spiele mitbringen!). — Sonntag, den 24. 11.: Wanderung, Treffpunkt wie oben. — Montag, den 25. 11.: 20 Uhr Turnen und Gymnastik. — Donnerstag, den 28. 11.: 20(4 Öhr Heimabend bei Ernst Bischofswerder, Elisabeth-Kirchstr. 2. כשר כשר Erstklassige Wiener Kfiehe M. Schlank unter Aufsicht der Isr. Synagogen ■ Gemeinde ״Adaß-JUroel“ zu Berlin Berlin C 2, An der Spandauer Brücke 4—S. Eingang DircksenstraS«. Gegenüber Bahnhof Borte Fernsprecher: Amt Norden 8151. Junges Mädchen 19 Jahre alt« Absolventin der Frauensduile und des HaushaHs- Sealinara ia Berlin, mH Säuglingspflege vertraut, kinderlieb, sucht HaibtaffssteHung |n Berlin (Betreuung׳ von Kindern, Beaufsichtigung׳ der Sdhularbeiten usw.) bei bescheidenen Ansprüchen. Beste Empfehlungen. 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