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Jüdische Rundschau · 1929-11-05 · Heft 87 (5.11.1929) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 87 (5.11.1929)
Date
1929-11-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 882 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 87, 5. XI. 1929 Sir Boyd weiter aus, gibt zwar vor zu glauben, daß der Brief eine Fälschung darstellt, aber selbst wenn er gefälscht wäre, zeige er doch, daß die Leute vorher wußten, daß am 23. August Unruhen stattfinden würden. Sich an Major Saunders wendend, fragte Sir Boyd: Wurden von der Polizei mehrere solcher Briefe festgestellt? Major SaunderiS erwiderte verneinend. Sir Boyd fragte darauf, ob ihm bekannt sei, dab der Groß-Mufti sich am 22. August um ein Visum zur Reise nach Syrien beworben hatte, das ihm aber von dem französischen Konsul verweigert worden war. Der Regicrungsanwalt Kenelytn Preedy riet dazwischen: Das ist nicht Sache des Majors Saunders. Sir Walter Shaw, der Vorsitzende der Kommission, erinnerte Kencim Preedy daran, daß er als Regierungsanwalt dazu da sei, die Arbeit der Kommission zu fördern. Herr Preedy erklärte darauf, er wolle selbst beim französischen Konsulat eine Information über das angebliche Visumgesuch des Mufti einholen. Auf eine Frage Sir Boyd Merrimans stellte Major Saunders fest, daß es sich in Hebron nicht um einen Zusammenstoß zweier kriegerischer Parteien, sondern um ein Massaker an Juden gehandelt hat. Die Schlächtereien kamen vornehmlich in den Häusern sehr geachteter Juden vor, in denen sich die Angehörigen der jüdischen Gemeinde auf den Rat des Polizeichefs Cafferata konzentriert hatten. Sir Boyd ging zu den Ereignissen in S a f e d über und verlas ein Schreiben des dortigen Polizeikommandanten, in welehern cs heißt, die ״längst erwarteten Unruhen“ seien ausgebrochen, die Moslems seien in das jüdische Viertel eingedrungen und hätten Männer, Frauen und Kinder abgeschlachtet; ihr Hauptziel sei aber gewesen, die Häuser zu plündern und sie niederzubrennen. Die Juden seien zu ihrer Sicherheit in die Polizeibaracken gebracht worden. Sir Boyd richtete nun an Major Saunders die Frage: Wie konnte sich so etwas ereignen, wo es im Lande Truppen gab und Kriegsschiffe in den Häfen. Major Saunders blieb auf diese Frage die Antwort schuldig. Sir Boyd fragte dann, wie es kam, daß auf die Juden, die in den Polizeibaracken zusammengepfercht waren, geschossen wurde, wobei zwei Juden getötet und sechs verwundet wurden. War es ein arabischer Polizist oder sonst jemand, der die Schüsse auf die Wehrlosen abgab? Major Saunders erwiderte, diese Angelegenheit werde durch eine von Sir John Chancellor speziell eingesetzte Kommission untersucht. Zu der Angelegenheit der Klagemauer zurückkommend, stellte Sir Boyd Merriman fest, daß Major Saunders nicht immer der Ansicht war, daß der von den Juden am vorletzten Jom Kippur mitgebrachte Wandschirm provokatorisch gewesen sei. Eine solche leichte Scheidewand stellte keine Neuerung dar, sie pflegte zur Zeit der Türkenherrschaft während des Gottesdienstes aufgestellt zu werden. Dagegen stellen die Errichtung einer neuen Tür, der Stufen usw. seitens der Moslems eine die Juden provozierende Neuerung dar. Die von den Juden am Tischa b'Aw abgehaltenen Kundgebungen seien laut offiziellem Bericht ohne jede Störung der Ordnung verlaufen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß junge Leute eine Fahne schwangen, ״Hatikwah“ sangen und Rufe ausstießen wie z. B.: ״Die Mauer ist unser, Pfui über die Regierung, nieder mit der zionistischen Exekutive!“ Aut Befragen des Anwalts der Regierung, Kenelm י sajte Major Saunders, daß die jüdische Prozeisloh zur Klägeinauer am Tischa b'Aw von Polirei ln genügender Stärke eskortiert war, daß sich aber nur sechs Polizisten in der Gegend der Mauer befanden, als die Moslems am Tage darauf in den Platz eindrangen. Als Grund für diese unterschL ״liehen Maßregeln gab Saunders an, daß die jüdische Prozession viele Straßen passierte, während sich die Araher darauf beschränkten, auf ihrem eigenen Grund und Boden zu demonstrieren. JEs konnte nicht in Frage komme«, den Moslems den Zutritt zur Mauer zu verweigern; weil sonst die Konsequenzen ״unberechenbar“ hätten sein können, man hätte jedenfalls von den Knüppeln, vielleicht sogar von den Feuerwaffen Gebrauch machen müssen, was sicherlich zu einem allgemeinen Massaker geführt hätte, mit dem mail gar nicht hätte fertig werden können. Dabei machte Saunders die Bemerkung, daß die hauptsächlich aus Arabern bestehende Polizei in diesem Falle sich zur Herstellung der Ordnung nicht hätte verwenden lassen können. Sir Walter Shaw,, der Vorsitzende, machte darauf die Bemerkung, daß er Saunders einmal gerne privat vernehmen möchte. Saunders fügte noch hinzu, daß einige Leute in dem jüdischen Zug die Polizei provozieren wollten, daß aber die Polizei, um nicht zu der Maßregel greifen zu müssen, den Juden den Besuch der Klagemauer überhaupt zu verbieten, duldsam gewesen war und es aut diese Weise erreichte, daß die Demonstration in Ordnung verlief. Kenelm Preedy lobte das Verhalten der Polizei. Auch Sir Boyd Merriman erklärte, die Polizei habe in diesem besonderen Falle Takt und Geduld gezeigt. Merriman stellte noch fest, daß die Polizei die jüdische Demonstration sanktionierte, worüber Sir Walter S h a w Erstaunen zeigte und zum Ausdruck brachte, solche Demonstrationen an der Klagemauer hätten nicht zu gelassen w erden solle n. Der Regierungsanwalt Kenelm Preedy stellt an Major Saunders nochmals die Frage, ob er glaube, daß der arabische Aufruhr ein verabredeter war. Saunders erwidert, die Polizei habe nichts von irgendwelchen Vorbereitungen zum Aufruhr bemerkt. Diese Antwort erregte Aufsehen, da Saunders früher vor der Kommission erklärt hatte, die Behörden wußten, daß sich ein Zusammenstoß ereignen würde, ■wenn die Atmosphäre sich nicht ändere. Dem gegenüber schilderte Saunders die Verhältnisse von Freitag vor dem Ausbruch der Unruhen nunm^jir als geradezu idyllisch. Bei der Versammlung in der Moschee, sagte er, handelte es sich bloß um die traditionellen Gebete. Im weiteren Kreuzverhör durch Preedy gab Saunders zu, daß die Polizei die Zeichen der Unruhe schon früher erkannte. Sensation erregte die Mitteilung Saunders, daß zuerst Order gegeben war, die am Freitag morgen aus den Dörfern nach Jerusalem ziehenden Fellachen zu entwaffnen, daß aber bald darauf die Order annulliert wurde. Preedy, der durch seine Fragen an Saunders das Gegenteil dessen erreichte, ־was er als Regierungsanwalt zu erreichen bezweckte, stellte plötzlich die Fragen ein, so daß vorläufig unautgeklärt blieb, weshalb die Entwaffnungsorder zurückgezogen wurde. Saunders stellte dann eine frühere Aussage richtig und erklärte, er habe nicht erst am Montag, sondern schon am Sonnabend vom stellvertretenden Oberkommissar Luke die Order erhalten, Juden als Sonderpolizisten nicht mehr einzustellen und die Juden zu entwaffnen. Als Grund für die Entwaffnung der Juden gab Saunders an, daß schon am Sonnabend 00 Angehörige der königlichen Luftstreitkräfte und eine Kompagnie eines Südwalisischen Regimentes in Jerusalem eingetroffen waren. Zum Schluß gestand Saunders, dab die Entlassung der jüdischen Polizisten in keinem Zusainmenhang stand mit deren Dienstleistung oder sonstigen Benehmen. Er zog die gestern gemachte Erklärung über Klagen gegen jüdische Polizisten zurück und entschuldigte sich vor der Kommission, daß er diese falsche Darstellung gegeben hat Der Anwalt der Araber, Stoker, regte durch *eine Frage- Stellung eine Diskussion darüber an, was den Juden erlaubt war, zur Klagemauerntitzubringen. Preedy bemühte sich, den schwierigen Standpunkt der Regierung in dieser Frage darzulegen. In inrem Weißbuch über die Klagemauer hat die Re-?ierung einen Status quo festgesetzt, das bedeutet, daß den uden das erlaubt sei, was ihnen in der Türkenzeit erlaubt gewesen war. Niemand aber weiß es, was erlaubt war und was nicht. Sir Walter Shaw stellte fest, daß bisher der Raum vor der Klagemauer eine Sackgasse darstellte, und daß erst vor kurzem durch eine Tür eine Verbindung zum Moschee-Gebiet geschaffen wurde. Major Saunders bestätigte, daß in den zehn Jahren, seitdem er in Jerusalem Dienst tut, keine Tür von dem Gebiet der Klagemauer nach der Moschee geöffnet war. Preedy wies seinerseits darauf hin, daß die juristischen Experten der Regierung die Oeffnung der Tür als legal erklärten. Sir Boyd Merriman stellte an Saunders die Frage: Stehen wir heute vor neuen Wirrnissen? Saunders erwiderte: Er habe keine Kenntnis von irgendwelchen Plänen der Araber. Schließlich wies er darauf hin, daß die Araber beabsichtigten, am 2. November, dem Jahrestage der Balfour-Dekiaration, ihre Läden zu schließen. Major Saunders teilte noch mit, daß der französische Konsul erklärt habe, er müsse, bevor er über das vom Großmuftl erbetene Visum Auskunft gibt, zuerst von seiner Regierung in Paris die Aussage-Erlaubnis einholen. Major Saunders teilte auf Fragen mit, er habe das Ersuchen einer Abordnung des Gedud Äwodah um Zuteilung von Gewehren am Tage des Ausbruchs der Unruhen zuriiekgewiesen. Am Sonnabend waren 172 Sonderpolizisten, unter ihnen 41 Juden, in Dienst. Am folgenden Montag, nach Entwaffnung der Juden, blieben im Dienste 142 Sonderpolizisten. Die arabtsehen Demonstranten, sagte Saunders, haben das Wegerecht mißbraucht, indem sie das Pflaster vor der Klagemauer als eine Durchzugsstraße benutzten. Die Zionistische Exekutive, sagte er weiter, hat sich bemüht, auf die Zeitung ״Doar Hajom“ einzuwirken, daß sie ihre Propaganda in der Angelegenheit der Klagemauer einstellt. Sir Boyd Merriman verlas einen Bericht des Polizeiunterinspektors Langes über die arabische Detnonstration an der Klagemauer, aus dem hervorgeht, daß die Araber Gebetbücher und Gegenstände aller Art zerrissen, Rufe ״Tötet die Juden, uns gehört die Mauer!“ ausstießen, und daß ein Scheich eine aufreizende Rede hielt. Major Saunders ergänzte diesen Bericht durch die Mitteilung, daß 2000 Araber an der Demonstration teilgenommen hatten, und gab zu, daß es ein Fehler war, arabische Polizisten mit der ueberwachuog der Prozession bei dem Begräbnis des zu Beginn des Aufruhrs von einem Araber erstochenen Juden zu betrauen. Sir Boyd Merriman verlas einen Bericht des britischen PolizeiSergeanten Siegrist, der schildert, wi« am Freitag frühmorgens Araberbanden mit Messern, Keulen und Pistolen bewaffnet nach Jerusalem strömten, und daß auch Schüsse abgegeben wurden. Er habe daraufhin seine Vorgesetzten ersudit, den Polizei-Reserven Gewehre auszufolgen, seinem Ersuchen wurde aber nicht Folge gegeben. Sir Boyd erinnerte daran, daß es früher die Praxis der Regierung war, unter die jüdischen Kolonien Gewehre zu verteilen, die ln einem versiefeiten Arsenal aufbewafirt wurden und nur in Zeiten der Not enutzt werden durften. 1925 begann man diese Arsenale abzubauen. Dieser Abbau war am 16. Juni d. J. beendet. Das vom Gedud Awodah gestellte Ersuchen um Ausfolgung von Gewehren war durch diese Umstände gerechtfertigt. Major Saund e r s bemerkte zum Schlüsse noch, daß auch in Transjordanien ein Aufstatidsversuch gemacht wurde, der aber von den dortigen Streitkräften im Keime erstickt worden war. Wettere Vernehmunge» Nachdem Major Saunders mehr als 15 Stunden im Kreuzvefhör gÖtättden hatte, würde CMptain A. J. Kings! ey - Heath von der palästinensischen Polizei seitens der Komtnission einvernommen. Zunächst wurde eine schriftliche Erklärung von Kingsley-Heath verlesen, in welcher die Dispositionen der Polizei während der ganzen Unruhe-Periode dargelegt sind. Kingsley-Heath stellte fest, daß er im Durchschnitt zwei Polizisten in den durch die Araber bedrohten isoliert liegenden jüdischen Distrikten postiert hatte. Der Anwalt Sllley, der als Gehilfe des Anwalts der Arabischen Exekutive Stoker fungiert, stellte mit Captain Heath ein Kreuzverhör an und wollte von ihm herausbekommen, daß die jüdischen jungen Leute, die sich zu einer Prozession vereinigten und zur Klagemauer zogen, in sehr erregter Gemütsverfassung waren und etwas im Schilde führten. Captain Heath sagte fest und bestimmt aus, daß von einer solchen außerordentlichen Erregung nichis zu merken war. Während des Zuges zur Mauer haben nur einige junge Leute Rufe ausgestoßen. Eine Auseinander- Setzung begann erst, als es sich darum handelte, daß die jungen Leute wieder die Klagemauer verlassen. * Weitere Einzelheiten über die Verhandlungen entnehmen wir dem Bericht der ״Times“: Der Anwalt der Araber, Mr. Stoker, hielt eine Rede, in der er auseinandersetzte, daß das Verhalten der Juden und die zionistische Propaganda der unmittelbare Anstoß für die Unruhen gewesen sind. Die provokativen Handlungen der Juden, insbesondere die verschiedenen Demonstrationszüge, haben die arabischen Gemüter auf das stärkste erregt. Die Araber sind der Ansicht, daß sie durch die Anwendung der Balfour-Dekiaration und des Mandates gelitten haben, während die ihnen gemachten Versprechungen von 1915 und 1919 nicht erfüllt worden sind. Die Araber empfinden die politischen und ökonomischen Vorteile, die die Regierung den Juden gewährt, als unrecht. Merrimaas Anklage gegen Luke Sir Boyd Merriman erklärte, die in der Nähe von Bethlehem verübten Grausamkeiten hätten das Gewissen der Christliehen Welt erschüttert. Die britische Politik in Palästina wurde von einer konservativen Regierung ebenso bestätigt wie von einer Arbeiterregierung. Unter dem Mandat war es vor allem Pflicht der Regierung, den Frieden aufrechtzuerhalten. Es sei jetzt nicht am Platze, Anklagen gegen die Reglerung zu erheben, aber diejenige Regierungsstelle, die hier vor allem in Betracht kommt, ist das Amt des Chefsekretärs, und dessen Schwäche habe lähmend auf das ganze Land gewirkt. Der Chefsekretär, Mr. Luke, der 1'm Juli und August die Regierung leitete, gab jeder arabischen Forderung, die mit entsprechendem Drängen vorgebracht wurde, nach, und der Eindruck von Lukes Schwäche wirkte auch auf einige seiner Untergebenen. In einer solchen Atmosphäre waren Unruhen unvermeidlich. Als Beispiel für Lukes Schwäche sei nur erwähnt, daß er auf die Forderung der arabischen Exekutive hin verantwortliche und angesehene britische Bürger jüdischer Abstammung entwaffnen ließ. Der Redner führte weiter aus, daß trotz verschiedener offizieller gegenteiliger Erklärungen der Mufti in der ganzen moslemischen Welt Nachrichten verbreiten ließ, daß die Juden die heiligen Stätten angegriffen hätten und daß die moslemische Religion in Gefahr sei. Die im Lande angerichteten Vernichtungen zeigen klar, daß die Unruhen vorbereitet waren. Im ganzen Lande erzähle man, die Juden hätten die Omar-Moschee bombardiert und Moslems gemordet In Petach Tikwah, wo Juden und Araber *eit drei Oenerationen in Frieden leben, haben die arabischen Arbeiter am 19. August ihre Frauen und Kinder in arabische Dörfer überführt, Indem sie offen sagten, sie Welten es für unsicher, in der Kolonie zu bleiben. Der Polizeikommandant hat hier erklärt, er habe dies nicht gewußt, entweder also ist der Nachrichtendienst der Regierung erstaunlich unzulänglich, oder aber sie hat, wenn sie es wußte, verabsäumt, entschiedene Schritte einzuleiten. Es war ja leicht genug, innerhalb 24 Stunden ein Bataillon aus Aegypten kommen zu lassen, um klar zu machen, daß man Ruhestörungen nicht gestatten wird. Sir Boyd Merriman schloß seine Rede mit der Bemerkung, er hoffe, genügend gezeigt zu haben, daß mit Rücksicht auf die ganz unzulänglichen Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung Mr. Luke zusammen mit der Regierung, die Verantwortung für die Ausbrüche mit den Arabern teilen muß. Es wurden sodann weitere vier Polizeioffiziere eingehend verhört über die Vorgänge vom 16. August und vom 23. August. Ferner wurde die Frage der Echtheit des Briefes des Mufti an die Moslems von Nablus, worin diese aufgefordert werden, am 23. zum Kampfe nach Jerusalem zu kommen, erörtert, ohne daß man zu einem abschließenden Ergebnis kam. Major Harrington erklärte, die jüdische Demonstration an der Klagemauer am 15. August sei sehr provokativ gewesen, aber die moslemische Demonstration am folgenden Tage noch viel provokativer. Er habe am 23. den Mufti gebeten, einen angesehenen Scheich zu senden, damit dieser die Menge beruhige. Statt dessen wurde ein Scheich gesandt, den Major Harrington nicht verwenden konnte, weil er ein bekannter Fanatiker war, der selbst am 16. August eine wütende Hetzrede an der Klagemauer gehalten hat. Ein anderer Polizeioffizier berichtete, daß während der Erregung in der Umgebung der Moschee kommunistische Flugblätter in arabischer und hebräischer Sprache verteilt worden seien. Die Kommission besucht Safed Am 1. November begab sich die Kommission auf eine zweitägige Reise nach Safed. Die drei Anwälte begleiten sie. Die Kommission übernachtete in Tiberias. * ״Times“ meldet, daß Dschemal Hussein!, der geistige Führer der arabischen Exekutive, am 1. November Palästina verlassen und sich nach London begeben hat. Zwei weitere Todesnrtetle Haifa, 31. Oktober. (J. T. A.) Das Gericht In Haifa unter dem Vorsitz des Oberrichters in Palästina, Sir Michael Mac- Donnell, und mit Richter Litt als Beisitzenden hat gegen zwei weitere Araber, Ahmed Shariffa und Ahmed Selim Zanib, das Todesurteil ausgesprochen. Sie wurden überführt, Frau Hannah Cohen, die Gattin von Raphael Cohen, am 28- August in Safed ermordet zu haben. Der Gatte der Ermordeten, ihr Sohn und der Arzt erkannten in den Angeklagten die Mörder. Wegen Mitschuld an diesem Morde wurden wertere zwei Araber zu je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Das gleiche Gericht verurteilte zwölf Araber aus Safed, die das Haas von Solomon Goldzweig In Safed in Brand steckten, wodurch die Gattin des Goldzweig durch den sich entwickelnden Rauch den Erstickungstod fand, zu lebenslinslichem Zuchthaus. Gegen zwei Jugendliche, die sich an der Brand- Stiftung beteiligten, wurde auf je fünf Jahre erkannt. Es wurde festgestellt, daß die wegen Ermordung des Isaac Mamaan zum Tode verurteilten Brüder Ranelm an der Brandstiftung mitwirkten. Sir Michael MacDonnell begründete das harte Urteil damit, das Gericht zweifle nicht daran, daß sich die ganze Gruppe verschworen hatte, um jüdisches Leben und Eigentum zu vernichten. Wegen des Anwaltstreiks war kein Vert e i d i g e r zur Stelle. Andanernde Boykotlpropaganda Gegen Ruthenbergs Elektrizität Jerusalem, 1. November. (J.T.A.) Unter dem Drucke einer arabischen Menge, die vor dem Magistratsgebäude demonstrierte und die Annullierung des Abkommens mit der Ruthenberg-Gesellschaft wegen Lieferung von elektrischem Licht und Kraft forderte, beriet der Stadtrat von Jaffa über die Annullierung dieses Abkommens. Die jüdischen Magistratsmitglieder protestierten gegen die Erörterung dieses Gegen- Standes und führten an, daß die Konzession an Ruthenberg von der Regierung gegeben worden sei. Als der Magistrat mit einet Mehrheit den Beschluß faßte, eine Abordnung an den Distrikskommissar zu entsenden, die die Annuiierung des Abkom men s fordern soll, verließen die jüdischen Mitglieder des Magistrats unter Protest den Saal, — Hierauf beschloß der Magistrat, die Straßen durch Gas, statt durch EI e k - tri zität beleuchten zu lassen. in der gleichen Sitzung beschloß der Magistrat von Jaffa, einen Gerichtsprozeß gegen den Stadtrat von Tel-Awiw einzuleiten, weil dieser die Errichtung eines eigenen Schlachthauses, statt der weiteren Benutzung des Jaffaer Schlachthauses, beschlossen hat. Die Führer der Boykottpropaganda forderten alle Orts- Verwaltungen Palästinas, die mit der Ruthcnberg-Gesellschaft einen Vertrag wegen Lieferung von Elektrizität abgeschlossen haben, auf, diesen Vertrag zu lösen. 200 jüdische Ladeninhaber in der Altstadt von Jerusalem überreichten dem Oberkommissar Sir John Chancellor ein Memorandum, in welchem sie darauf Hinweisen, daß ungeaclitet des ihnen von der Regierung versprochenen Schutzes die organisierte Boykottbewegung und der Terror andauern. Die Boykottagitatoren bewachen alle jüdischen Läden und wenn ein Araber bei einem Juden etwas kauft, so wird der Käufer überfallen, die Ware wird ihm weggenommen und vernichtet. Die jüdischen Ladeninhaber ersuchen, die Maßnahmen gegen dleBoykottpropaganda zu verschärfen. Das britische Militär in Palästina Regierungserklärung im Unterhaus. London, 1. November. (J.T. A.) Auf eine im Unterhaus von Peter MacDonald gestellte Frage erwiderte Minister Tom Shaw im Namen der Regierung; In den Etat wurden 30 000 Pfund als außerordentliche Ausgabe im Zusamrnenhang mit der Entsendung von Truppen nach Palästina eingestellt. Es sind im großen ganzen drei Bataillone Infanterie und eine Abteilung Panzerautos nach Palästina entsandt worden• Ein lnfanteriebataillon und Panzerautos wurden inzwischen zurückgezogen. Es ist noch nicht entschieden, schloß Tom Shaw seine Erklärung, von wem dieser außerordentliche Kosten aufwand zu tragen sein wird._

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