Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 85 (29.10.1929)
- Date
- 1929-10-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 85, 26 X 1629 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 565 Simon Schocken | Am 26. d. M. starb an den Folgen eines Auto-Unfalles Herr Simon Schocken, Seniorchef der Firma J. Schocken Söhne, Bruder des bekannten Zionisten Saiman Schocken. Der Verstorbene hat an jüdischen Angelegenheiten verschiedenster Art regen Anteil genommen. Eine Einzelheit seines Wirkens behandelt der nachstehende Nachruf. Den Hinterbliebenen, vor allem unserem Freunde und Gesinnun^sgenossen Saiman Schocken, wendet sich anläßlich des schweren und tragischen Verlustes die innige Anteilnähme der deutschen Zionisten zu. Das Gut Winkel verwaist Ein tragisches Schicksal hat den großen Kaufmann, den opferfreudigen Philanthropen, den warmherzigen Menschen, den im Stillen für seine Gesinnung voll eintretenden Zionisten, den vollblütigen Juden SimonSchocken aus unserer Mitte gerissen. In den letzten zwei Jahren hatte ich die Ehre und das Glück, dem so jäh aus einem wirkungsvollen Leben Geschledenen bet seinen sozialen Bestrebungen zur Seite zu stehen. Ich durfte Ihn bei Förderung jüdischer Landwirte und Gärtner beraten. Der Verstorbene trat der ״Jüdischen Landarbeit G. m. b. H.״ als Gesellschafter und Mitglied des Aufsichtsrats seit ihrer Gründung bei. Durch Bereitstellung größerer Mittel förderte er einzelne Landwirte und Gärtner, und er ließ im besonderen sein Gut Winkel bei Spreenhagen i. d. Mark in der Organisation und Betriebseinrichtung in sehr großzügiger Weise so ausgestalten, daß es zu einer Lehr- und Förderungsstätte für eine große Anzahl junger, jüdischer Menschen wurde. Damit verband er auch die Absicht, zionistisch eingestellten Landwirten und Gärtnern, wie Palästina- Fachleuten, die Möglichkeit einer speziellen Ausbildung in Winkel zu bieten. Aber nicht nur die materiellen Mittel stellte Simon Schocken bereit, er war mit seinen Gedanken und seinem Herzen immer dabei. Jeden Vorgang, jedes Geschehen in Winkel beobachtete und leitete er selbst, und jeder Mensch wurde seine private Sorge, wenn Sorgen Vorlagen und seine Freude, wenn er helfen konnte. Tief gerührt waren alle Besucher in Winkel, wenn der Verstorbene ihnen von den Zielen und Zwecken seiner Bestrebungen und seinen Absichten sprach, die er für die Entwickelung und Förderung jüdischer Landwirte und Gärtner hatte. So oft er an den Sitzungen des ״Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland“ und der ״Jüdischen Landarbeit G. m. b. H.“ teiinahm, erwärmte er alle Anwesenden durch seine tiefen Ausführungen für den Gedanken der Förderung des jüdischen Handwerks und der jüdischen Landwirtschaft. Als Persönlichkeit von hohem idealen Willen und großem jüdischen Wissen gelang es ihm, auch mehr Abseitsstehende für unsere Bestrebungen zu gewinnen. Nun hat uns Simon Schocken verlassen. Das Gut Winkel hat seinen Schöpfer, die ״Jüdische Landarbeit G. m. b. H.“ einen ihrer ersten Förderer und Ratgeber verloren, und viele junge Menschen trauern an der Bahre ihres Gönners und väterlichen Freundes. Doch die Arbeit muß weitergehen, und sie soll vor allem In Winke! im Sinne des Verstorbenen fortgesetzt Werden, und hier soll ein Denkmal der Liebe und des Dankes gesetzt werden für Simon Schocken. S. D y k. Unruhen io Damaskus Der französische Oberkommissar für Syrien überzeugt sich, daß die Omarmoschee noch existiert. Der französische Oberkommissär für Syrien. Henri Ponsot, traf am 22. Oktober, von Frankreich via Jerusalem, in Beiruth ein. Wie ״Times“ vom 24. d. M. berichtet, wurden in Daraaskus antizionistische Demonstrationen veranstaltet. Eine Menge zog von der großen Ommajaden-Moschee zu dem orthodoxen Patriarchat mit Tafeln, auf denen geschrieben stand: ״Nieder mit der Balfour-Deklaration!“ Die Polizei mußte die Menge zerstreuen, wobei 15 Personen verletzt wurden. Jerusalem, 21. Oktober. (J.T. A.) Der französische Oberkommissar für Syrien, Herr Ponsot, der gegenwärtig auf der Rückreise von seinem Ferienaufenthalt in Europa nach Syrien in Jerusalem als Gast des Oberkommissars Sir John Chancellor weilt, besuchte heute die Omar-Moschee, um — wie er sagte — bei seiner Rückkehr nach Syrien in der Lage zu sein, den Moslems zu versichern, daß ihr Heiligtum noch existiere und unangetastet sei. In den Berichten der arabischen Exekutive Palästinas an die syrischen Moslems Inen es, die Juden hätten die Moschee zerstört. Oberkommissar Ponsot besuchte in Begleitung des Chef- Sekretärs der Palästina-Regierung, Luke, und des französischen Konsuls das Stadthaus in T el-Awiw und begab sich darauf zum Besuch der Stadt Jaffa. Arabische Aktionen von außen? Kairo, 23. Oktober. (J.T. A.) Der Jerusalemer Korrespondent der Zeitung ״El Anram" in Kairo teilt mit, daß die Palästina-Regierung die Befestigung des Westufers des Jordans vom Toten Meer bis nach Beisan in Erwägung zieht, weil aus Transjordanien beunruhigende Nachrichten eingetroffen sein sollen. Der Korrespondent meidet weiter, daß Emir Abdullah von Transjordanien sich nach Bagdad begeben hat, um mit seinem Bruder Feisal, dem König des Irak, über arabische Interessen zu beraten. Wie sehr Legenden über angebliche auswärtige arabische Interventionen in Palästina in Umlauf gesetzt werden, zeigt die Behauptung des Mufti von Safed, der die Frauen der zum Tode verurteilten Araber von Safed damit zu trösten suchte, daß 30 000 Wahabiten aus Neschd im Anmarsch auf Palästina sind. (Auch die ״Voss. Ztg.“ brachte diese Erfindung. — A. d. R.) BRITH SCHALOM, Gruppe Deutschland ברית שלום Kundgebung Martin Buber: ״jüdisches Nafionaiheim and naflonale Politik ln Palästina“ Vorsitz: FRITZ NAPHTALI Donnerstag, 31. Oktober, 8 Vs Uhr abends Sehuberteaal, B0lowetr.1O4 c«mNoiiondorfpiat*) (Eiatritt *•*»• (UfUMtnf) Briefe an die Redaktion ״Deutsche Jade! io Erez-Israel“ Wolfenbüttel, den 23. Oktober 1929. Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin. Sehr geehrter Herr Redakteur! Man macht Ihne« so häufig den Vorwurf, Ihr Blatt völlig einseitig zu redigieren, daß ich den Artikel von Moses Calvary zum Anlaß nehmen möchte, Ihnen zu sagen, daß ich im Gegenteil in Ihrer Art, Artikel aufzunehmen, eine weitgehende Liberalität sehe. Ganz abgesehen von der vorbildlichen Haltung der ״Jüd. Rundsch.“ in der Zeit der Kongreßwahlen, scheint es mir, daß die Aufnahme der Zeilen von M. G, ohne jede redaktionelle Vorbemerkung, ein hohes Maß innerer Freiheit dokumentiert. Denn die Worte von M. C. richten sich offensichtlich gegen Sie persönlich, und erst in zweiter Linie gegen die deutschen Juden im allgemeinen. Gerade well ich die Gründe Ihres Schweigens zu kennen giaube und ehre, halte ich mich für verpflichtet, zu dem Artikel kurz Stellung zu nehmen. Herr C. macht einen sehr deutlichen Fehler: Er sieht nur die fertigen Resultate unserer Stellungnahme, ohne die Kämpfe, aus denen die Stellungnahme erst das Resultat ist, zu spüren. Wenn wir z. B. in der Frage der jüdischen Arbeit uns für diese entscheiden, so spricht diese Entscheidung für unsere Verbundenheit mit dem Volke und unseren Lebenswillen. Aber da wir genau wissen, daß dies in gewissem Sinne eine Entscheidung gegen die Araber ist, so bleibt ein Konflikt in uns zurück. Darum sind wir vor allem bestrebt, für das Gesamtproblem, das diesen Konflikt mit sich bringt, eine L6sung zu suchen. Damit sind wir aber auch schon bis an die Grenze dessen gegangen, was uns unser sozialistisch-zionistisch es Gewissen erlaubt. Und gerade Herr Calvary, dem das Leben hier nicht ganz fremd ist, sollte verstehen, daß unsere Scheu, uns weiter einzulassen, nichts mit einem billigen Pazifismus zu tun hat, sondern gerade aus solchen Erfahrungen resultiert, die wir mit Massenpsychosen während und nach dem Kriege gemacht haben. Wir reagieren auf Ueberfälle und Schikanen, auf Todschlag und Mord nicht anders, als jeder normale Mensch. Aber wbr wissen auch, daß wir dem Teufel nur den kleinsten Finger zu reichen brauchen, um ganz in seiner Hand zu sein. Das hat nichts mit Resignation zu tun, sondern ist eine andere Form der Politik, von der wir noch nicht wissen, ob sie nicht wirklich die zukunftsreicherc ist. Das hat auch nichts mit einer größeren oder kleineren Entfernung von unserem Volkstum zu tun. Denn ich habe mein Volkstum nie so aufgefaßt, daß ihm eine ganz bestimmte politische Einstellung entsprechen muß, weder nach der Seite Bubers, noch nach der jetzt von Herrn C. als einzig möglichen dargestellten. Herr C. hat ganz recht, wir haben auch diese Sehnsucht nach Volksverbundenheit, und wenn wir uns nicht bei jedem Taumel an die gerade beliebte Stimmung hingeben, wenn wir nach Möglichkeit immer wieder unseren Kopf statt des Herzens sprechen lassen, so geschieht das nicht aus Abneigung gegen eine Hingabe an die Masse, sondern vielmehr aus Angst vor uns selbst. Und gerade die Sttellung der ״Jüd. Rundschau“ scheint mir die eines Wächters in der Nacht zu sein. Und dafür danke ich ihnen, und ich glaube, weite Kreise des deutschen Zionismus mit mir. Mit hochachtungsvollem Zionsgruß und Schalora Werner llberg. V Eia den Aufsatz, von Moses Calvary betreffender Brief- Wechsel könnte wegen Raummangel noch nicht veröffentlicht werden. (Red.) * Liberalismus and Zionismus Mannheim, den 25. Oktober 1929. Sehr geehrte Redaktion! Ich muß der Anregung des Herrn Dr. Kirschncr (Berlin), der einen Ausbau der zionistischen Gemeindevertretungen in der Richtung eines religiös-liberal gerichteten linken Flügels wünscht, nachdrücklichst widersprechen. Es ist kein Zufall, sondern gebotene Notwendigkeit, daß die zionistischen Gemeindevertreter in kultischen Fragen konservativ gerichtet sind, ganz gleichgültig wie ihre persönliche Weltanschauung ist. Wir haben als zionistische Gemeindevertreter eine Tradi'ion zu vertreten und müssen alle Neuerungen in kultischer Beziehung ablehnen. Ich erinnere nur daran, daß die liberalen Reformgebetbücher die Tendenz haben, alle Erinnerungeti an Erez-lsrael zu verwischen. Es ist mir also schlechterdings unverständlich, wie ein zionistischer Gemeinde- Vertreter für liberale Neuerungen sein kann und sich auf liberale Reformen, auch nur gefühlsmäßig, einlassen kann. Ich bin seit einer Reihe von Jahren in der Qeineindepolitik tätig; in der zionistischen Fraktion sind alle möglichen Weltauffassungen vertreten, es ist aber bisher nie die Möglichkeit liberal-kultischer Reformgedanken als für einen Zionisten auch nur diskutierbar aufgetaucht. Etwas anderes ist es, was durchaus zu begrüßen wäre, wenn in der libera'en Partei Zionisten eine andere Einstellung zum Palästina-Problem erreichen könnten. In solchen Dingen können vielleicht Zionisten einte Aenderung liberaler Auffassungen allmählich hei geschickter Propaganda erreichen. Aber auch dies ist schwer und nicht ungefährlich. Mit Ziotisgruß Dr. Otto Simon, * Das Institut Nr neue Mnslk Berlin, 25. Oktober. Sehr geehrte Redaktion! Daß Herr Sternberg in seinem Artikel vom 20. 10. 29 (Jüd. Rundschau Nr. 83, Seite 558) sich dagegen verwahrt, dem Projekt von Dr. Sandberg betreffend aie Errichtung eines Forschungs- und Lehrinstitutes für jüdische und orientalische Musik in Jerusalem zugestimmt zu haben, ist sein gutes Recht. Die Gründe allerdings, die er für seine Opposition ins Feld führt, scheinen mir recht wenig stichhaltig zu sein und mehr den Wert privater Meinungen oder gar eines quia absurdum zu haben. Herr Sternberg ״glaubt“, daß ״Viertel- und Sechste!- töne, die in unserer synagogalen Musik bisher nur eine gelegentliche, sekundäre Rolle gespielt haben, als kunstbildender Faktor von dem Vortragenden überschätzt wurden“. Er ״glaubt“, daß ״die von Herrn Sandberg für nur drei Jahre geforderten 3000 Pfund (61 000 M.) an anderer Stelle, selbst wenn man sie musikalisch verwenden will, besser angelegt werden können“. Er weiß aber nicht, daß auch Sandberg nichts ferner liegt, als eine ״Geheimkunst für einzelne Feinohrige“ zu fördern und er irrt, wenn er behauptet, orientalische Musik sei ״zwar eine auf differenzierten Systemen (kennt er sie?) aufgebaute Musik, aber keine Kunst“. Musik ist immer Kunst, die Trennung von Volksmusik (etwas Derartiges hat Herr Sternberg offenbar im Ohre, wenn er von Musik schlechtweg im Gegensatz zu Kunst spricht) und Kunstmusik ist eine künstliche. Ich, der ich den Musiker Sandberg und seine künstlerischen Absichten besser zu keimen glaube und der Ich durch ihn auch zu einem gewissen Verständnis orientalischen Musikschaffens gekommen bin, halte seine Vorschläge für überaus wertvoll und würdig jeder Unterstützung. Daß das nicht nur meine private Meinung, sondern auch z. B. die eines Musikers vom Range eines Häba ist, dem Leiter der Kompositionsklasse für Viertel- und Sechsteltonmusik am Staatliehen Konservatorium in Prag, dessen Kompetenz in Fragen der Tondifferenzierung niemand leugnen wird, geht aus einem Brief Häbas an Sandberg hervor, worin es u. a. heißt: ״Durch eigenes Studium der verschiedenen Arten der orientalischen Musik und durch Ihre umfangreiche und genaue Informationen über die bodenständige Musik in Palästina kam ich zur Ueberzeugung, daß eine bewußte Ausbildung der Tondifferenzierung die einzig richtige Grundlage wäre, auf welcher neues Wachstum der Kunstmusik ln Palästina gedeihen könnte, die einen organischen Anschluß an die Volksmusik hätte, weil die Volksmusik der Araber und Juden Intervalle enthält, die in der europäischen Halbtonmusik nicht Vorkommen. Das Institut für Neue Musik in Palästina unter Ihrer Leitung wäre in der ersten Linie dazu berufen, auf die gesunde Ent- Wicklung der musikalischen Verhältnisse in Palästina entscheidend und befruchtend einzuwirken, weil Sie der einzige jüdische Komponist sind, der die Tondifferenzierung schöpferisch beherrscht, die volle Tragweite derselben für die Musik in Palästina rechtzeitig erkannt hat und in Palästina wirken will.“ Diesen Worten ist kaum etwas hinzuzufügen. Hochachtungsvoll Herbert Eckertz. * Im Ae Klagemaier Berlin, 24. Oktober 1929. Sehr geehrte Redaktion! Dienstag, den 22. cr.; fand in Breslau im Hotel _ ״Vier Jahreszeiten“ eine öffentliche Versammlung der revislonistisehen Gruppe in Breslau statt. Herr Klin ow referierte über die politische Lage und über die Aufgaben des Zionismus. Es war mir leider unmöglich gewesen, zum Beginn der Versammlung zu erscheinen und das ganze Referat zu hören, im Schlußwort des Referenten jedoch war eine grobe Verleumdung des Führers der Histadruth Haowdim, des Chawer Ben-Gurion, enthalten. Einer der Diskussionsredner, Dr. Meyer, machte den Revfsfonisten den Vorwurf, die Demonstration an der Klagemauer am 9. Ab organisiert zu haben, was er als ein Verbrechen bezeichn ete, zumal die Revisionisten jetzt überall behaupten, ״alles vorher gewußt zu haben“. Herr Klinow erklärte darauf, daß nicht die Revisionisten diejenigen waren, welche das Klagemauerprobletn aufbauschien, sondern Ben- Ourion, der Arbeiterführer, in seiner Rede im Waad leumi und in dem Artikel des ״Dawar“ "״ »הכ1מל והאכדDie Klagemauer und der Bauer“ (d. h. daß die landwirtschaftliche An- Siedlung und die Klagemauer jetzt die zwei Hauptforderungen des Zionismus seien). Die Versammlung nahm die Dinge natürlich kritiklos hin. Es ist daher wichtig, den Tatbestand aufzuklären. 1. Der Artikel, im ״Dawar“ vom 8. Cheschwan veröffentlicht, lautete 'על הכיתל והעיקר« (also ״Ikar“ mit Äjio und nicht mit Aleph) ״Ueber die Klagemauer und die Hauptsache^‘״ 2. Es ist wahr, daß Chawer Ben-Gurion über die Westwand sprach, aber er sagte, daß die Westwand nicht die Hauptsache sei. 3. In der Sitzung des Waad leumi, die nach dem Zwischenfall an der Klagemauer (Jom-Kippur vor einem Jahre) äm 1. Cheschwan 5089 in Tel-Awiw stattfand, führte Ben-Gurion u. a. folgend« aus: . ״Ich würdige voll die uns von der Regierung angetane Beleidigung, aber das Ereignis an der Klagemauer ist nicht das Wichtigste und Entscheidende, was in der letzten Zeit geschehen ist. Die Sperrung der Einwanderung und das Aufhören einer zionistischen Tätigkeit trifft mich als Zionisten viel mehr ais die Angelegenheit der Klagemauer. Unser Kampf mit der Regierung darf sich nicht einzig und allein auf die Frage der Klageinauer beschränken, sondern gegen ihre ganze Politik, die unsere Schritte verengt und unser Werk stillegt, muß er geführt werden. In der Angelegenheit der Klagemauer müssen wir uns vor der Falle hüten, die eine feindliehe, englische Beamtenschaft in Palästina uns zu legen beabsichtfgt. Diese will damit nur einen religiösen und blutigen Kampf entfesseln. Das. ist kein Zwischenfall zwischen uns und den Arabern, sondern die R e g i e r u n g hat uns angegriffen und nicht die Araber. Wir müssen auch versuchen, auf direktem Wege mit den Arabern wegen Erweiterung des Platzes. an der Klagemauer zu verhandeln. Hüten sollen wir uns, die Angelegenheit der Klagemauer zu einem Streitpunkt zwischen uns und den Arabern zu machen. Es ist keine Not- Wendigkeit vorhanden, über den Weg der Gewaltanwendung in dieser Frage zu sprechen. Wer denn anders als unsere Feinde haben daran Interesse, einen Streit zwischen uns und den Arabern in der Angelegenheit der Klagemauer zu ver- Ursachen? Wir sollen jetzt die Frage der Klagemauer und der heiligen Stätten nicht auf die Spitze treiben! Wir sollen unseren Feinden nicht Veranlassung geben, eine Verleumdung aufzubringen, daß von der jüdischen Ansiedlung im Lande her den christlichen und moslemischen heiligen Stätten eine Gefahr droht! Nicht die Macht an der Klagemauer fehlt uns jetzt. Es fehlt uns in Erez-lsrael an Juden und alle Ansfrengungen müssen dahingehen, um diese Lücke auszufüllen. Das ist das A und O unserer Politik. Eine wichtige Bedingung für eine erfolgreiche Durchführung dieser Politik ist der Friede mit unseren Nachbarn.“ 4. In Nr. 38 des ״Rasswjet“ vom 22. September dieses Jahres schrieb I. Schechtmann über die Frage der Demonstration am Kotei Maarawi: ״Die Parole zum Schutze der Klageinauer ist nicht das Erbe des ״Brith“ (Brith Trumpeldor) allein. Diese Parole ist von den verantwortlichen Führern des Jischuw ausgegeben worden. War es denn nicht Ben-Gurion, der im Waad leumi die Parole 'האב ר והסתל« brachte?“ 5. Der ״Hajirt“ Nr. 211 vom 15. September 1929 veröffentlicht eine Korrespondenz des Herrn I. Klinow aus Berlin, die sich auf eine zionistische Versammlung bezieht, in der die Anhänger des Brith Trumpeldor für die Demonstration an der Klagemauer verantwortlich gemacht wurden. Dort heißt es unter anderm: ״Brith Trumpeldor war nicht der einzige in dieser Demonstration. Es ist eine Pflicht, die Tatsache festzustellen, daß der Arbeiterführer Ben-Gurlon derjenige «va׳-, der vor einiger Zeit die berühmte Parole •הא כד ייכותל«, de׳- Bauer und die Klagemauer' erließ.“ Damit nicht auch weiterhin in der Oeffentliclikeit mit dieser Entstellung der Wahrheit gearbeitet werde, bitte ich Sie, diese Aufklärung abzudrucken. Mit Zionsgniß Mosche Brachtnaen. Briefkasten der Redaktion M., Köln. Als gebürtiger Chemnitzer fühlen Sie sich in ihrem Lokaipatriotismus gekränkt, weil wir in der Behandlung der ״Erklärung deutscher Juden“ Georg Mecklenburgs nicht gedacht haben. Sie meinen, die Protesterklärung tröge unverkennbare Spuren Mecklenburgischer Färbung. Sit mögen recht haben. V' ־V'f! 1f־-. fi;. ä