Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIV (1929)
- Issue
- Heft 85 (29.10.1929)
- Date
- 1929-10-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 560 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 85, 29 X. 1929 ״Near East“ gegen ״Siebentes Dominion“ Die englische kolonialpolitische Wochenschrift ״Neu East and I n d i a“ untersucht in ihrer letzten Nummer die Friedensaussichten in Palästina. Die Zeitung hält es für selbstverständlich, daß alle Verbrechen auf das strengste bestraft werden, aber damit sei die Palästina-Frage noch nicht erledigt. Es sei vor allem eine Aenderung der psychologischen Einstellung erforderlich. Wenn ein so prominenter Zionist wie Dr. Eder erst unlängst wieder gesagt hat, eine Lösung der Araberfrage werde erst möglich sein, wenn es eine i fi - dischc Majorität in Palästina gibt, dann seien die Aussichten auf Frieden in Palästina sehr geringe, falls nicht die ganze Administration auf eine neue Basis gestellt wird. Dei Zeitung beschäftigt sich weiter mit zwei Kundgebungen aus der letzten Zeit, die ihr zur Kenntnis gekommen sind. Das eine ist die Erklärung des Brith Schalom, die, wie ״Near East" schreibt, eine vernünftige Idee zu enthalten scheint, aber noch etwas zu vage sei. Die Araber seien der Meinung, daß hier nur der landläufige Zionismus in einer Ver- Süßung auftritt. Dennoch müsse gesagt werden, daß der Brith Schalom einen bedeutenden Fortschritt in psychologischer Be- Ziehung bedeutet. Dasselbe könne jedoch nicht gesagt werden von der arideren Srömung, nämlich dem Gedanken, Palästina in ein siebentes Dorainiu m des British Empire zu verwandeln, €01■ Wedgwoods Propaganda werde keineswegs zur Förderung des Friedens in Palästina beitragen. Er spreche immer nur von der Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Juden und Engländern, ignoriert aber vollständig die arabische Majorität der Landesbevölkerung. Gerade diese aber bilde das Hauptproblem Palästinas. Vielleicht könnten auch die Araber mittun, wenn man nicht von vornherein eine jüdische Majorität als Vorbedingung des siebenten Dominiums hinstellte. Der Gedanke des siebenten Dominiums sollte als unerwünscht und undurchführbar fallen gelassen werden. Die Aktion des Keren Kaiemeth Lejlsrael Die große Neujahrsaktion des Keren Kajemeth wird mit Ende des Monats Tischri abeschlosscn. Ein vollkommener Ueberblick über die Aktion ist noch nicht möglich, da noch aus einer ganzen Reihe von Orten Abrechnungen ausstehen. Die Gesamteinnahmen aus dieser Aktion beziffern sich bis Ende des Monats auf ca. 70000 M., eine Summe, die im Vergleich zu den Neujahrsaktionen der beiden letzten Jahre <36000 resp. 47000 M.) eine außerordentliche Vergrößerung bedeutet. Der Keren Kajemeth hat sich durch diese Aktion als ein wichtiges Instrument der zionistischen Arbeit bewährt, denn es ist tatsächlich gelungen, mehr als 10000 Spender durch persönliche Propaganda zu erfassen. Die Vereinbarung mit den Frauenorganisationen hat einer Zersplitterung der Samrnlungen vorgebeugt und sich durch Konzentrierung der Arbeit fut bewährt. Neben den ausgezeichneten Leistungen einiger tädte, wie besonders Königsberg, sind die erfolgreich eingeleiteten Aktionen des Kadimari und des Verbandes der jüdischen Jugendvereine besonders zu erwähnen. Die starken Impulse, weiche von dieser Aktion aasgegangen sind, werden sich zweifellos auch weiter in der planmäßigen Kleinarbeit des Keren Kajemeth auswirken, welche jetzt im breitesten Um- Hermann Ungar Nach Schluß des Blattes erhalten wir die Trauernacliricht, daß der Dichter Hermann Ungar an Blinddarmentzündung im Alter von 33 Jahren in Prag gestorben ist. Ungar, einer der talentiertesten Dichter der jüngeren Generation, war uns als Zionist besonders nahe. Er gehörte als Student der Prager Verbindung ״Barissia“ und dem Berliner K. J. V. an. Sein plötzliches Ableben hat auch in seinem zionistischen Freundes* kreis große Bestürzung hervorgerufen. Worte des Gedenkens und der Würdigung werden hier noch folgen. fang wieder aufgenommen wird. Die nächste große Arbeit, die der freiwillige Helferstab des Keren Kajemeth übernimmt, und die er hoffentlich ebenso gut durchführen wird wie die Neujahrsaktion, ist die Werbung von 10000 neuen Büchseninhaoern. Simchath-Thorafeier im Beth Am Iwrl. Das Betli Am Iwri hatte seine Mitglieder in seine Räume in der Grolmanstr. zu einer intimen Simchath-Thorafeier geladen, die einen besonderen Glanz durch die Teilnahme B i all k s erhielt. Nach einer Begrüßungsansprache des hebräischen Schriftstellers Zwi W o i slawski, in der er der Freude Ausdruck gab, den Dichter im Kreise der Beth Am-Mitglieder zu sehen, las Bialik einige Kapitel aus einem seiner unveröffentlichten Werke vor. Die märchenhafte, im biblischen Stil gehaltene, edle Einfalt und stille große atmende poetische Erzählung, die längst entschwundene herrliche Zeiten vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen ließ, hielt alle Anwesenden in ihrem Baiine. Nach diesem unsagbar hohen geistig-künstlerischen Genuß gab es bei gedeckten Tischen Darbietungen lustiger Art. Der hebräische Dichter Schlanger-Monar brachte einige heitere Lieder zu Gehör; Herr N. Lewin ergötzte durch seine im traditionellen Singsang vorgetragenen Parodien die Zuhörer und der Schriftsteller Barucn Krupnik gab wohlgelungene, improvisierte Reimereien voll Witz und Satire zum besten. Die zahlreich versammelten Palästinenser brachten durch ihre Gesänge und Tanze wahre Simchath-Thora- und Erez-Israel-Stim mutig in die Feier. — Zum Schluß erteilte der Vorsitzende Bialik das Wort. ln tiefschürfenden, aus tiefster dichterischer Intuition geschöpften Bemerktingen über die Rolle der Feste im zeitlichen Ablaut der jüdischen Geschichte würdigte Bialik die Bedeutung der Feste, die leider in der Galuth immer inhaltärmer werden, ln Erez-lsrael hingegen, wo sie weniger vielleicht vonnöten wären, bekommen sie neue Farbe und neuen Glanz. Der Dichter wünschte schließlich allen ein Wiedersehen in Erez-lsrael. Wie in vergangenen Tagen Jünger dem Rabbi, so lauschten hier die Hörer den Worten Bialiks, des prophetischen Verkünders einer neuen Zeit nationaier Wiedergeburt. Nach den tiefempfundenen Dankesworten des Vorsitzenden Woislawski verließen die Teilnehmer in gehobencr Stimmung den Abend, der das alte Fest um eine neue Note bereichert hat Dr. A. R. Vermischtes Bel der Kundgebung des ״Brith Schalom“, die Donners* tag, den 31. Olrtober, im Schubertsaal, Bülowstraße 104 (am Nollendorfplatz) stattfindet, wird außer Martin Bub er noch Herr Adolf Böhm aus Wien (der Herausgeber der Zeitschrift ״Palijstina“) über die politischen Probleme Palästinas und des Jüdischen Nationalheims sprechen. Die Versammlung ist die erste öffentliche Veranstaltung des ״Brith Schalom“ in Deutsch• land. Eintritt gegen Regiebeitrag. Frauen-Arbeltsgemeinschaft für Palästina. Die Bezirksgruppe Nordwest hat ihre Zusammenkunft nicht am 20. Oktober, wie infolge eines Druckfehlers angegeben war, sondern am 30. Oktober. —• Der Studienzirkel der Gruppe Neukölln wird nicht jeden zweiten Montag, sondern Mittwoch abgehalten werden. Interessentinnen wollen sich bei Dr. Bertha Zamory, Kaiser- Friedrich-Str. 38 (Neukölln 6978) melden. Jehuda Ehrenkranz, Mitglied der Wilnaer Schauspielertruppe, bisher Wien, weilt gegenwärtig in Berlin und wird Rezitationsabende jüdischer und russischer Dichtungen veranstalten. Oie Wiener Kritik begleitete die Rezitationstätigkeit von Ehrenkranz mit überaus anerkennender Beurteilung. Der J. J. W.B. Gau Rheinland veranstaltet am 10. Novemher, 9 Uhr morgens, in Duisburg, Gemeindehaus, Jünkernstr. 2, sein erstes Seminar. Dieses Seminar soll der Fortbildung jüngerer Chawerim und der Jungführer dienen. Die Arbeitsgemeinschäften des Seminars sind: Probleme der palästinensischen Arbeiterbewegung (Referent: Ben Ascher, Rechoboth), und Ent- Wicklung des Marxismus (Referent wird noch bestimmt). — Am 3. November findet in Duisburg die Rheinlandtagung der Liga für das arbeitende Palästina statt. Alle Chawerim werden gebeten, an dieser Tagung teilzunehmen. — Am 1. Dezember wird der nächste Gautag des J. J. W. B. Rheinland-Westfalen stattfinden. Frankfurt a. M. ln Frankfurt a. M. wurde eine Gruppe der Zeire Misrachi-Revisionisten gegründet Sie vereinigt die religiösen Zionisten, die die politischen Grundsätze des Revisionismus teilen und bildet einen integrierenden Bestandteil der Revisionistischen Weltorganisation. — Bei der Gründungsversammhing■ wurde die Fühlungnahme mit den schon bestehenden gleichartigen Gruppen im In- und Auslande beschlossen und ein Arbeitsprogramm für den Winter festgelegt. Zuschriften sind zu richten an Herrn M. Friedmann, bei Loeb, Hanauer Landstr. 20. K. J. V. Niederlassungsmöglichkeit für einen Hals-, Nasen- und Ohrenarzt in größerem Badeort bekannt. Wir suchen Beschäftigung als Sprechstundenhilfe für eine Laborantin und eine geprüfte Säuglingspflegerin. Auskünfte erteilt das Präsidium des K. J. V., Bleibtreustr. 50. Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise. Wir suchen für kaufmännisch erfahrenen Juristen geeignete Stellung. Arbeitsgemeinschaft der Jüd. Arbeitsnachweise, Berlin N 24, Auguststr. 17. Tel.: Norden 7085—7087 und 9130. desehSttliebe Mitteilnngeii Der vorliegenden Ausgabe liegt ein Prospekt der Buchhandlung Kedem, Berlin-Charlottenburg, über das ״Jüdische Lexikon“ bei, auf den wir unsere Leser besonders aufmerksam machen. ן Käthe Wolf! » Emmerich Kautz Verlobte Breslau Hindenburg O.-S. Agathstraße 8 Dorotheenstraße 1 V._1-J paiaitinenferin mit langjähriger Unterrichtspraxis erteilt bei»*, unterricht Offerten unter C. 447f an die Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekestraße 10. Tief erschüttert zeigen wir hiermit das Hinscheiden unseres 1. Vorstehers, Herrn Simon Schocken an. Seit Gründung der Gemeinde Mitglied des Gemeindeverordnetenkollegiums, seit 18 Jahren ihr erster Vorsteher, war er mit ihren Geschicken aufs engste verwachsen und immer für ihr Wohl fürsorglich bedacht. Er hatte stets ein offenes Herz für alle, die in ihren persönlichen Sorgen seinen Rat und seine Hilfe in Anspruch nahmen. Sein Andenken wird uns unvergeßlich bleiben. Vorstand, G8me!naeusrorünet0 und RaMUnat der israeiitiscnen neilglons-Gemeinde zwicüau-sa. Neu renovierte 213 *Zimme?wohnung 5 Min, AJe*anderpJatz, Untergruadbalinbof Schönhauser T or, g«gea mäßigen Abstand abzageben. Vermittler ▼erbeten, Offarten unter C, 4476 an die JudUcbo RunÄchau, Berlin W15, Meinekestr• 10 Als Klauierstfmmer empfiehlt sich Peres Steglitz, Jeverstr. 1. 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Apparat und Schallplatten: Carl Lindström A.-G., Kulturabtexlung Karten \u M. 1,— (Jugendl. 0,50) an der Abendkasse Spielplan der Berliner Theater vom 29. Oktober bis 1* November 1929 Piscaior-Bühne 01• Fledermaus Tribüne Baabany Staalsoper (Unter den Linden) 29. Okt Andrd Cbeafer 30. Okt Cavalleria mwUenan — Snlassl 31. Okt. TaaabBansr 1. Nov. Befcims Staalsoper (Piats der Republik) 29. Okt. Baümaaae Ernth laugen 30. Okt. melle 31. Okt Ban* Helling 1. Nov. Spnniacbe Stunde- Der arme Maires• — AugMlque Sdüller-mealer 29. Okt. 2X23:3 30. Okt Der Kealmnaa van Venedig 31. Okt. Treibjagd 1. Nov. Den Kaisern Soldaten Deatscnes Theaier Der Kaiser voa Amerika Hammerspieie Der Unwiderstehliche Theater ln der Hünlddrfilzer strafte Die erde Mra. Salby Komödie Kolportage Sfftatisclte •per 29. Okt. Dea Carlos ^0. Okt Der Sehaaepial• direkter — Cappella 31. Okt Tasea 1. Nov. Der Troubadour Roraöflienbaus Serlbbya Sappe• alad die beeten ab 31. Okt De* Hahnerhol Graftes SdunspleUums Die drei MaekeUere ftaallidies Sdiansplelbans 29. Okt Die Weber 30. Okt Baa« im Scbaakealoch VolksMlme Frübllageerwaohea LessünHfücaler ZyMüluttt Heiropol'Tbealer De• Laad dea L&chelna meines Theater Alt •Berlin Renaissance •Thealei Stampclbrädar Dentsdies Mümiieriheater Die •adere Seite nealer des Westens Marie tta Theater am SdiUibaaerdamm Gelallane Engel Theater In da Behrenstrafte , Vater •ela da gegen ■ehr Lastspteihaas Grmad-Hotal Dentsdies Tolüstbeater bi» 3L Okt Bis beiden Veroaeeer ab L Nov. Manioken wie da aad leb Thalia «Theater Matter Mewa 11. Okt Weh dem, der Mg{ 1. Nov. Ela keenorer Herr Beniner Theater Zwei Krawallen Zentral'Theater Friilelüf pnrdoo Vereetvortlidier Redakteur: Dr• Siegfried Keaowitx, Berlin N. Verleg Jidücht Rund,ch«u G. a, b. fi» Berlin W15. Verantwortlich für den Iiueratenteil: R. Sega!, Berlin .Wilmwedorf, Aax. VW. Jüdache Randeahau (•abH, Befbe W U, Mücke•*'■ la Dreck voe Siegfried Sdnieab Bärin-ScbSsetwrn