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Jüdische Rundschau · 1929-10-25 · Heft 84 (25.10.1929) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIV (1929)
Issue
Heft 84 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 502 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84, 25. X. 1929 Richtung entgegenzustellen und nicht mitzumachen, obwohl sich der oder jener von einer solchen Aktion nichts ver« spricht oder mehr an seinem privaten Verdienst als an den Schicksalen des Landes interessiert ist Das Gefühl der Oemeinsamkeit, des gemeinsamen Schicksals, starke Propaganda, allgemeine Erregung und Furcht vor den ״Herrschenden“ — alle diese Faktoren wirkten zusammen, um den Streik zu einer geschlossenen Durchführung zu bringen. Man dürfte annehmen, daß die Initiatoren des Streiks sich und der Welt einen Beweis liefern wollten, daß in ihrem Lager eine einheitliche Kampfstimmung herrsche. Weist doch die englische Ausgabe des ״Falastin“ immer wieder darauf hin, daß die Unruhen die Einigung einer arabischen Nation in Palästina gezeitigt hätten. Aber diese ״Kraftprobe“ lag nur im Hintergründe der Ueberlegungen, die zum Streik führten. Entscheidend ist der Wunsch der arabischen Führer, das Land nicht so bald wieder in den Zustand der Ruhe veisinken zu lassen, immer neue Komplikationen zu schaffen, immer neue Proteste zu inaugurieren, um dadurch einen starken Druck auf die Regierung auszuüben. Und so haben sie die letzte Woche vor der Ankunft der Untersuchungskommission benutzt, um einen umfassenden Protest zu organisieren, wobei es im Grunde gleich ist, mit welchen Forderungen und aus welchem Anlaß. Und diese Tatsache, daß die Führung der Araber, solange die politischen Dinge in der Schwebe sind, daran interessiert ist, die Erregung stark zu erhalten, ist es, die eine Entspannung der Atmosphäre aufs äußerste erschwert. * Eine Episode von besonderem Interesse, die ein Licht wirft auf die Durchführung des Streiks und auch auf das Verhalten der Regierung, wird aus Nablus gemeldet. In Nablus haben sich auch die Schulkinder dem Generalstreik angeschlossen und am 16. Oktober die Regierungsschulen nicht besucht. Der Stellvertreter des Leiters des Erziehungsdepartements der Regierung, Mr. F a r r e 11, fuhr nach Nablus und verfügte eine Strafe, worauf die ganze Stadt beschloß, den Streik weiterzuführen. Alle Läden waren auch am Donnerstag geschlossen und etwa 1500 Schüler verließen die Schulen. Am Sonnabend fuhr der Leiter des Erziehungsdepartements Mr. Bowman nach Nablus und gab eine sihri.tliehe Entschuldigung für die Haltung seines Stellvertreters. Erst daraufhin wurden die Läden in der Stadt geöffnet, der Schulstreik «lauert jedoch fort, da man die Entschuldigung des Mr. Bowman nicht für ausreichend hält. Es besteht die Befürchtung, daß der Schulstreik sich auf Jerusalem und andere Städte ausdehnen könnte. Die Araber setzen ihren Widerstand gegen die Kollektivstrafen fort und erklären, daß sie sich lieber einsperren lassen, statt zu zahlen. Die arabische Exekutive unterstützt diese Haltung. Reden Melchetts and Samuels In der Generalversammlung der Freunde der Hebräischen Universität. London, 21. Oktober, (J. T. A.) In der jährlichen Generalversammlung der Londoner Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität hielt Lord Melchett einen Vortrag über ״Palästina und die Hebräische Universität“, in welchem er ungefähr ausfübrtei» Würden die Juden heute Palästina verlassen, das Land würde geistig und materiell bankrott sein: Alle erzieherischen Einrichtungen höheren Typs würden zu existieren aufhören, alle modernen Methoden landwirtschaftlicher Entwicklung würden nicht mehr da sein, der Handel würde verschwinden, die Industrie absterben. Das Land würde in den Zustand zurücksinken, in welchem es war, als die britische Administration es aus dem türkischen Regime befreite. Die Universität auf dem Mount Scopus mit ihrer Reihe prächtiger Gebäude ist ein Denkmal der Kultur und des Idealismus unseres Volkes. Die Universität wird, soweit die Mittel es erlauben, mit der Zeit zweifellos ein großes wegweisendes Zentrum nicht allein für die Juden, sondern auch für alle Völker des Ostens werden. Wir haben die Industrie entwickelt, dem Lande Licht durch Elektrizität gegeben, und die Juden der ganzen Welt haben Millionen dem Lande zugewendet. Was kann man uns vorwerfen? Etwa daß wir zu hohen Preisen zuweilen minderwertigen Boden erworben haben? Daß wir friedliehe und fleißige Bürger in das Land gebracht haben, um dort zu arbeiten? Das jüdische Volk in Palästina, geschlagen und gestoßen, steht heute als feste Phalanx zusammen; es ist dies eine Verbundenheit, die durch gemeinsames Leid gefestigt worden ist, Sir HerbertSamuei führte aus: Ich sehe in der Hebräischen Universität auf dem Berge Scopus eine Schwester des Alten Tempels auf dem Berge Moriah. Die jüngsten Ereignisse in Palästina haben viele Menschen dazu gebracht, sich aus einem Gefühl der Empörung heraus in eine Politik der Entfremdung zu fügen; diese Menschen fühlen, daß zwei Rassen, zwischen denen Ereignisse von solcher Tragik geschehen sind, in immer weiterem Maße sich voneinander entfernen müssen. Ich glaube das nicht. Wenn wir uns von unserer Vernunft statt von unseren Gefühlen leiten lassen, so werden wir zu dem Schluß kommen müssen, daß die beiden Rassen, die in dem gleichen Lande wohnen, nebeneinander und miteinander leben müssen; es ist darum Pflicht der denkenden Männer beider Rassen, für Versöhnung und gute Kameradschaft zu wirken. Ich glaube, daß die Universität dazu beitragen wird, dieses Ziel zu fördern. Der Gottesdienst an der<4Uagemauer Jerusalem, 21. Oktober. (J. T. A.) Seitens der Regierang wurde dem Oberrabbiner Kuk mitgeteilt, daß das Lesen der Thora an der Klagemauer nur am 1. und am 7. Tage des Sukkoth-Festes, nicht aber in den Zwischentagen (Chol Hamoed) gestattet ist. Die Thoralade dürfe nur an Sabbat- und den gesetzlich vorgeschriebenen jüdischen Feiertagen an die Mauer gebracht werden. Die Regierung hat ursprünglich auch den Gebrauch von Ethrog und Lulow während der Gottesdienste am Chol Hamoed verbieten wollen, sie nahm aber von einem solchen Verbot Abstand, als Rabbi Kuk erklärte, er sei außerstande, solche Verbote in Kraft zu setzen, er erachte cs auch als unter seiner Würde, ״behördliche Einschränkungen mibelaHerlicher Art“ zu verkünden. Die hebräische Tageszeitung ״Haarez“ macht den Vorschlag, daß sich die Juden von der Kla^emauer solange fernhalten, als die Sonderkommission zur Regejung der Frage der Heiligen Stätte, die das Kolonialamt auf Ersuchen des Oberkomtnissars Sir John Chancellor ernennen wird, ihr Wort gesprochen hat. Wir glauben nicht, führt ״Haarez“ aus, daß es in der Welt einen Richter gäbe, der den Juden ihr Recht auf ungestörte Ausübung ihres Gottesdienstes an der Klagemauer abstreiten würde. Durch die Fernhaltung von der Klägern־•)uer soll den Hetzern unter den Moslems jeder Anlaß genommen werden, falsche Gerüchte über angebtiche Verletzung des Status qao durch die Juden zu verbreiten. Zionistische Aufklärungsoffensive Von Gerhard Holdheim. Die Haltung der deutschen Tagespresse zu den Vorgängen in Palästina macht es dringend wünschenswert, eine große systematische Aufklärungsoffensive zu beginnen. Völlige Verkennung der äußeren Möglichkeiten aber wäre die Annahme, daß hier im wesentlichen eine Aufgabe der zionistischen Zentrale liegt. Die Leitung kann Richtlinien erlassen, Rat erteilen, Anregungen geben. Die Arbeit selbst muß zum größten Teil von den Trägern der zionistischen Arbeit in allen Orten Deutschlands geleistet werden. Es handelt sich keineswegs nur um ständige Fühlungnahme mit der neutralen Presse, wichtiger ist noch die Gewinnung von Einzelpersonen, die im politischen und geistigen Leben etwas bedeuten. Es wäre jedoch wenig erreicht, wenn es nur gelänge, ״Sympathien“ zu gewinnen, die dann versagen, wenn ernsthafte Anforderungen an sie gestellt werden, was uns not tut, sind Menschen, die den Sinn und die moralische Legitimation der jüdischen Freiheitsbewegung begriffen haben und entschlossen sind, in Wort und Schrift die nationale Sache der Juden zu vertreten. Um echte Freunde zu gewinnen, ist Aufklärung nötig. Vorerst müssen die zahllosen Irrtümer und Mißverstandnisse aus dem Wege geräumt werden, die, wie sich jetzt gezeigt hat, in so erschreckender Weise in der Oeffentlichkeit grassieren. Ueber das Land Palästina, seine geologischen Bedingungen, seine Bevölkerungs- und Rechtsverhältnisse, seine Wirtschaft und soziologische Struktur muß all denen, die wir interessieren wollen, Material gegeben werden. Die konstruktiven Leistungen der jüdischen Kolonisation, die Idee der Rückkehr zur Natur, der Heranbildung eines mit der Scholle verwurzelten jüdischen Typus — das alles ist dabei zu zeigen. Der Nachweis ist zu erbringen, welche Vorteile die englische Verwaltung bzw. die jüdische Immigration den Arabern bisher gebracht naben, daß kein Wort an den Meldungen wahr ist, die von ״drohender Heimatlosigkeit und Entrechtung der Araber“ sprecnen. Es ist hinzuweisen auf die neuen Arbeitsgelegenheiten, die die jüdische Einwanderung mit sich gebracht hat, auf die Hebung der Arbeitslöhne, die Vorteile des modernen Kreditsystems, die gewaltige Steigerung des Bodenwertes. Man muß davon sprechen, daß die durch die Immigration bewirkte Erhöhung aer Zoll- und Steuereinnahmen der Regierung viele wichtige öffentliche Arbeiten ermöglicht und dadurch der ganzen Bevölkerung Nutzen gebracht hat. Weiter ist zu erwähnen: der ökonomische Vorteil, den der neuentstandene Markt der jüdischen Stadtbevölkerung den arabischen Produzenten landwirtschaftlicher Produkte gewährt; die Erhöhung des Bildungsniveaus, die ungeheure Verminderung der arabischen Kindersterblichkeit. Ueber die allgemeine Hebung des arabischen Standard of life und die ursächliche Verbindung mit der zionistischen Kolonisation stehen reichliche Belege aus Regierungsberichten zur Verfügung, die man nur kennen muß, um sich erfolgreich auf sie stützen zu können. Unsere Aufklärungsarbeit hat ferner den Gegensatz aufzuzeigen, der zwischen der Oberschicht der Notabein und Oroßerttndbesltzer und der großen Masse des arabischen Volkes besteht. Nur erstere sind Gegner des Zionismus, da sie sich durch fortschrittliche und soziale Ideen in ihrer auf alten, feudalen Geburtsprivilegien beruhenden patriarchalischen Position und ihrem Besitzstand gefährdet sehen. Die Welt muß erfahren, daß der Aufstand in Palästina von den politischen Extremisten des ״Obersten Moslemischen Rats“ zur Wiedererlangung Ihres in den letzten Jahren verlorengegangenen Einflusses dadurch provoziert wurde, daß man den religiösen Fanatismus schürte; trotzdem haben bekanntlich in zahlreichen Fällen Araber unter eigener Lebensgefahr die Juden vor den Uebergriffen des Mob geschützt. Unser großer Fehler war, daß wif-dem arabischen Problem in unserer Propaganda bisher kaum Bedeutung zugemessen haben. Damit hängt zusammen, daß nur ganz vereinzelte Zionisten genauere Kenntnisse über die Geschichte der englischen Orientpolitik und die politischen und soziologischen Bedingungen in Rand- und Innerarabien besitzen. Wer aber nicht über arabische Verhältnisse leidlich informiert ist, kann heute ernsthafte Propaganda kaum mehr treiben. Jede Unterhaltung über das arabische Problem wird die Frage des zionistischen Zieles involvieren. Der Diskussions- Partner stellt an uns die Gretchenfrage, wie wir uns einen arabisch-jüdischen Ausgleich vorstellen. Wir haben hier klare Antworten zu geben, da wir vor allem der Meinung entgegentreten müssen, daß die Zionisten die politische Macht an sich reißen wollen, um die Araber zu vergewaltigen. Wir sollen die Oeffentlichkeit darüber aufklären, daß schon auf dem Wiener Kongreß 1925 Weizmann und Ruppin unter Beifall des Kongresses den Gedanken des binationalen Gemeinwesens proklamiert haben. Unser Ziel ist die Schaffung eines politischen Systems, das beiden Völkern, unabhängig von Majorität und Minorität, ein gleichberechtigtes, vertrauensvolles Zusammenleben ermöglicht. Das ist keine Parole des Verzichts und der Resignation. Seit dem ersten Kongreß ist der ״Judenstqat“ niemais von den Zionisten gefordert worden; unser Programm enthielt wohlweislich nur die Forderung nach einer ״öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte“. Entscheidend ist für uns die internationale Garantie, notwendig eine Politik der Mandatarmacht, die uns einen fairen Start gibt für Kolonisation und freie jüdische Entwicklung im Lande. Der Zionismus ist verwirklicht, wenn in Palästina eine sozial-ökonomisch normal gegliederte Judenheit in geschlossener Siedlung lebt, die durch ihre Quantität ein gesundes Volksleben und durch ihre Existenz die Erhaltung und Regenerierung der jüdischen Volksindividualität garantiert. Der heutige Rechtsanspruch des jüdischen Volkes basiert auf dem Palästina-Mandat, dessen integrierender Bestandteil die Balfour-Deklaration ist. Die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, daß dieser Rechtstitel einem Teil der öffentlichen Meinung der Welt moralisch nicht fundiert erscheint. Man sagt, wir seien politische Kriegsgewinnler, die Politik der Balfour- Deklaration sei nur aus einer bestimmten Kriegssituation heraus zu erklären und entspreche nicht mehr den Intentionen der Mandatarmacht. Der Herausgeber einer bekannten Wochenschrift formulierte neulich in einer Unterhaltung mit mir seine Auffassung dahin, daß der Zionismus wie ein Shylock auf einem ״Schein“ bestände, den das Rechtsbewußtsein der Welt nicht als gültig anerkennen könne. Das zeigt zur Evidenz, wie verkehrt es wäre, wenn unsere Propaganda den jüdischen Ansprach auf Palästina nur juristisch begründen würde. Wollen wir Widerstrebende zu Freunden machen, so muß das Kernstück unserer Arbeit die Begründung unseres moralischen An- Spruchs auf Palästina sein. Wir müssen genau so argumentieren wie damals, als es noch keine Balfour-Deklaration gab. Tat- Sachenpropaganda reicht nicht aus, um Herzen zu erobern. Die Tatsache, daß England verpflichtet ist, das Mandat auszuführen, hat keine überzeugende und umwandelnde Kraft. Das haben wir deutlich genug gespürt. Notwendig ist I d e e n propaganda, d. h. Darstellung der objektiven und geistigen Juden- Situation mit dem Nachweis, daß das Judentum mit der Be- Siedlung der alten Heimat seine nationale Zukunft und menschliehe Erneuerung verbunden sieht. Herzl, Nordau, Achad Haan, Buber, Gordon — man lese von neuem diese klassische Literatur des Zionismus, und man gebe sie jenen in die Hand, die guten Willens sind, die geistigen Hintergründe unserer Bewegung zu begreifen. Wer dann noch immer die Mission der Juden darin sieht, das ״Salz der Erde“ zu sein, dem zitiere man die wunderbaren Worte Chaim Weizmanns: ״Das Salz wird für eines andern Nahrung verwendet, es löst sich in dieser Nahrung auf, und es ist nur gut in kleinen Mengen. Wenn zuviel Salz in der Speise ist, wirft man die Speise weg und das Salz mit ihr.“ Die Stärke des Zionismus beruhte von je auf unserer Ueberzeugtheit von der politischen und moralischen Legitimation unserer Forderung. Wir verlangen die innere Bereitschaft der Kulturwelt, ein zweitausendjähriges Unrecht wieder cutzumachen. Unsere Argumentation stützt sich nicht nur darauf, daß das jüdische Volk ohne das nationale Zentrum dem sicheren Untergang geweiht ist. Durch unsere Kolonisation erlösen wir nicht nur aas Judentum, sondern auch das Land Palästina. In einem interessanten Artikel im letzten Heft der ״Sozialist{- sehen Monatshefte“ ״Palästina und der Sozialismus“ erhebt Julius Kaliski als Sozialist die ״produktionsethische Forderang“, das Werk der Zionisten zu fördern. Er schreibt: ״Sich der Erschließung des Bodens und seiner Produktivkräfte entgegenzustellen, nur damit die gegenwärtige, in keinem Verhältnis zu den Produktionsmöglichkeiten steh ende kleine Schicht nicht in ihren Herrschaftsrechten gestört wird, sollte dem, der das Schaffenspostulat anerkennt, unmöglich sei. Erst wenn der palästinensische Boden wirklich die Bevölkerung hat, die sich als das Optimum für die Produktionsmöglichkeiten aut ihm darstellt, kann man mit Recht von einer Mehrheit und einer Minderheit sprechen.“ Wir müssen der Welt klar machen, daß Palästina, das für uns existenznotwendig ist, für die Gesamtheit der Araber nur periphere Bedeutung nat. Notwendig ist der Hinweis,daß Ibn Saud sich nie gegen den Zionismus erklärt hat, daß die ägyptischen Araber wederholt ihr Einverständnis mit der Balfour- Deklaration erklärt haben. Das Wesentliche ist, daß die nationale Existenz des arabischen Volkes durch die Errichtung einer Jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina in keiner Weise bedroht ist, da die Kraftquellen des Arabertums in Syrien, Aegypten und auf der arabischen Halbinsel liegen. Diese unterschiealichkeit der jüdischen und arabischen nationalen Notwendigkeiten hatte die Welt erkannt, als sie in feierlicher Form die ״historische Verknüpftheit des jüdischen Volkes mit Paiästina“ attestierte und den Wortlaut der Balfour-Deklaration in eine international-garantierte Urkunde inkorporierte. Der Zionismus verlangt die Realisierung der eindeutigen Bestimmungen des Mandats. Und niemand darf einen Zweifel an unserer Entschlossenheit haben, auf einem ״Schein“ zu bestehen, den keine geringere Instanz als der Völkerbund uns ausgestellt hat. Die Herzen der Menschen aber werden wir nur gewinnen, wenn unser moralischer Rechtsanspruch immer von neuem in zwingender Form präsentiert wird. Eine großzügige und würdige Aufklärungskampagne, an der jeder Zionist nach besten Kräften mitzmvirken hat, ist die dringende Forderung der Stunde. Das geschriebene Recht muß in Einklang gebracht werden mit dem wahren Rechtsbewußtsein all derer, die ernsthaft bemüht sind, die Verschlungenheiten dieses seltsamen Judenproblems zu begreifen. Kleine Nachrichten Mr. Cafferata, der Polizeikommandant, der während der Unruhen in Hebron stationiert war, wurde zum Polizeichef in T e I - A w i w ernannt. Er wird diese Stellung bis zur Rückkehr des Tel-Awiwer Polizeikommandanten Scott einnehmen. Das Wintersemester der Hebräischen Universität für das akademische Jahr 1929/30 wird am 18. Nbvembe&d929 beginnen. Die Inskription aer Studenten in der Fakultät für Geisteswissenschaften und im mathematischen lnstitut wird am IS. November geschlossen. (Ziko.) Aus einem Abschiedsschreiben von Colonel Holmes, dem Leiter der Eisenbahnverwaltung in Palästina, geht hervor, daß er Infolge seiner Krankheit nicht mehr nach Palästina zurückkehren wird. Die Führung der Geschäfte des Departements hat inzwischen Mr. Campigli übernommen. In Haifa wurde ein tschechoslowakisches Vizekonsulat errichtet und Herr Robert Stutz, ein Teilhaberder Firma Hallac, Haddad & Co., zum tschechoslowakischen Vizekonsul ernannt. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat Mr. Harry L. Trautman zum amerikanischen Konsul der Vereinigten Staaten in Jerusalem ernannt. (Ziko.) ElektrizitStsfriede In Jerusalem Nach einer Mitteilung des Gemeinderats der Juden Jerusalems haben in den Besprechungen, die in der letzten Zeit zwischen den Vertretern des Waad Hair und den Vertretern der Elektrizitätsgesellschaft in Jerusalem stattgefunden haben, die Vertreter der Gesellschaft die prinzipielle Berechtigung der Forderungen der jüdischen Oeffentlichkeit anerkannt und zugesichert, die Rechte der jüdischen Einwohner auch für die Zukunft zu wahren. In der Annahme, daß die Gesellschaft ihre Zusicherungen in einer Form erfüllt, die den Forderungen der Juden voll gerecht wird, rät der Waad Hair dem jüdischen Publikum, normale Beziehungen mit der erwähnten Gesellschaft aufzunehmen. (Seinerzeit wurden, wie erinnerlich, durch den Waad Hair Unterschriften gesammelt, keinen Strom von der Gesellschaft abzunehmen. — Red.) Ziko. Wfirdelosigkett in Permanenz Die Initiatoren der ״Erklärung deutscher Juden“ haben sich mit der Annoncierung ihrer Deklaration zwei Tage vor Rosch Haschanah nicht begnügt. Sie ließen vielmehr ihre Annonce, soweit wir feststellen konnten, am 20. Oktober in der ״Kölnischen Zeitung“ und in den ״Münchener Neuesten Nachrichten“ erscheinen. Die Liste der Unterzeichner ist diesmal um einige Namen bereichert. Von Interesse sind die neu hinzugekommenen Namen R.-A. Ernst P i n n e r - Berlin, Dr. Fritz Blankenfeld - Berlin und Rabbiner Dr. R i e g e r - Stuttgart. Die Front Ernst Pinner—Max Naumann ist nicht ohne Reiz. Der zionistische Apostat Arm in Arm mit dem Nationaldeutschen. So gehört es sich, und das mache den deutsehen Juden einmal die Judenheit in anderen Ländern nach! m. w. Vortrag leib Jafle and Alexander Goldstein Mittwoch, den 23. d. M., fand im Hotel Eden ein Vortragsabend unter starker Beteiligung besonders ehemals russischer Juden statt. Kurt Blumenfeld konnte unter den Anwesenaen auch Chaim Nachmann Bialik begrüßen. Leib J a f f e schilderte den Verlauf der Ereignisse in Palästina und die Haitung des Jischuw während der Schreckenstage und nach den Ereignissen. Mit Nachdruck forderte er eine sorgsame und friedliche Behandlung des jüdisch-arabischen Problems. Dr. Alexander G o 1 d s t e i n wies besonders darauf hin, von weleher Bedeutung die restlose Ausnützung aller Aufbau möglichkeiten in Palästina in den nächsten Jahren für die Errichtung des Jüdischen Nationalheims sein werden. Hätten wir die Chancen der letzten Jahre in dreifachem Ausmaße ausgenützt, wie es tatsächlich geschehen ist, so wäre es unter keinen Umständen zu den letzten bedauerlichen Ereignissen gekommen. Stärker als Protesle, Erklärungen und Wünsche sind Tatsachen. Alks kommt auf die Schaffung von wirtschaftlichen Tatsachen seitens der Juden in Palästina an. Die Anwesenden dankten beiden Rednern durch reichen BeifalL Spät nach Mitternacht fand die gelungene Veranstaltung ihr Ena«.

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